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Full text of "Verhandlungen der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Österreich"

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ILLINOIS LIBRARY 
AT URBANA CHAMPAIGN 
BIOLOGY 

FEß 2 2 1933 



Digitized by the Internet Archive 
in 2013 



http://archive.org/details/verhandlungender2918zool 



Verhandlungen 

der kaiserlich-königlichen 

zoologisch-botanischen Gesellschaft 

in Wien. 

Herausgegeben von der Gesellschaft. 

Jahrgang 1S?9. 

XXIX. Band. 

Mit 16 Tafeln. 



Wiea, 1880. 

Im Inlande besorgt durch W. Braumüller, k. k. Hofbuchhändler. 
Für das Ausland in Commission bei F. A. Brockhaus in Leipzig 

Druck von Adolf Holzhausen in Wien. 

k. k. Hof- und UniversitKts. Buchdrucker. 



2/6 



V 

«31 



INHALT. 



Sitzungsberichte. 

Seite 

Versammlung am 8. Jänner. 

Neu eingetretene Mitglieder 3 

Eingesendetes — 

Reichardt Dr., Kubin's Arbeit über Pistia — 

Reichardt Dr. , Dedeöek, Literaturgeschichte der Lebermoose 

Böhmens — 

Beck G., Beitrag zur Flora Niederösterreichs 4 

Feiler F. v., Craspedosoma bei Wien 11 

Rogenhof er A., Lepidoptera heterocera des British Museum II. . — 

Versammlung am 5. Februar. 

Neu eingetretene Mitglieder 12 

Eingesendetes — 

Anschluss zum Schriftentausch — 

Arnold F., Lichenes exsiccatae — 

Bataviaasch Genootschap, Säcular-Festschrift und Medaille .... — 

St öhr A., Chlorophyll in der Pflanzen- Epidermis 13 

Rogenhofer A., Die Käferfauna des Kaukasus von 0. Schneider 

und H. L e d e r — 

Verkauf von Baron Hausmann's Herbar — 

Versammlung am 5> März. 

Neu eingetretene Mitglieder 13 

Eingesendetes — 

Beschlüss wegen Ueberreichung einer Adresse zur Feier der silbernen 

Hochzeit Ihrer Majestäten 14 

Mazaredo de, Einzahlung für Lebensdauer — 

Müh lieh A., Beitrag zur Flora Niederösterreichs — 

Low Dr. Franz, Verschiedenheit von Tetraneura und Schizoneura . 17 

T hürnen Freiherr von, Ueber Brandpilze Sibiriens — 

Kr au ss H., Zur Synonymie einiger Orthopteren — 

Reitter E., Coleopterologische Reise nach Croatien und Slavonien . — 

Farsky F., Zwei der Runkelrübe schädliche Fliegen 18 



Inhalt 



Jahr es -Versammlung am 2. April. 

Neu eingetretene Mitglieder IS 

Eingesendetes _ 

Anschluss zum Schriftentausch _ 

Brunner von Wattenwyl, Bericht _ 

Rogenhofer A., Bericht 20 

Maren z eller Dr. E. v., Bericht 21 

Kaufmann, Bericht 23 

Brunner von Wattenwyl, Neues Organ bei Acridiern .... 26 
Marenzelle r Dr. E. v., Klunzingers Werk: Korallenthiere des 

rothen Meeres 27 

Reitter E., Bestimmungs-Tabellen der europäischen Coleopteren I. — 

Versammlung am 7, Mai* 

Neu eingetretene Mitglieder 27 

Eingesendetes — 

Ueberreichung der Huldigungs-Adresse 28 



Low Hermann f — 

Bartsch Franz, Schenkung seines Moosherbars — 

Finsch 0., Wirbelthiere West- Sibiriens — 

Kohl J., Neue Grabwespen Tirols — 

Arnold F., Lichenologische Ausflüge in Tirol XX — 

Keyserling G., Neue Spinnen aus Amerika — 

Holzinger J., Lichenologische Berichtigung — 

Versammlung am 4. Juni. 

Neu eingetretene Mitglieder 29 

Eingesendetes — 

Anschluss zum Schriftentausch — 

Colloredo-Mannsfeld Fürst J., Fellow der Royal Microscopical 



Society in London — 

Pelz ein A. von, Mittheilung über den Riesenhirsch — 

Lichtenstein J., Metamorphose von Lytta vesicatoria 31 

Brauer Friedr., Bemerkungen hiezu 32 



Low Dr. Franz, Symmorphus crassicornis-Zellen in Rothbuchen . 33 

Bohatsch 0., Nachtrag zur Schmetterlings-Fauna Syriens ... — 

Szaniszlö Dr. A. von, Lebensweise von Thrips frumentarius . . — 

Folin Marquis de, Methode zum Sarameln kleiner Conchylien . . 36 

Versammlung am 2, Juli» 

Neu eingetretenes Mitglied 38 

J. Juratzka's Grab-Denkmal vollendet — 

Einladung zur Versammlung der ungarischen Naturforscher in Budapest — 



rnhn4t V 

Heite 

Csokor Dr. J., üeber Haar8ackmilben des Schweines 39 

Feil ler F. v., Vorläufige Uebersicht der Scutigeriden und Lithobiiden — - 

Erber J., Albino der Aesculapnatter — 

Kusta J. , Lepidium perfoliatum und Sponyilla jordanensis bei 

Rakonitz 40 

Wichmann H., Zur Anatomie des Samens von Aleurites triloba . — 

C seil ei Gr., Verwüstung durch Anisopteryx aescwZana-Raupen . . — 
Rogenhofe r A., Massenauftreten von Vanessa cardui und Tortrix 

Pilleriana 41 

Versammlung am 1. October. 

Neu eingetretene Mitglieder 41 

Eingesendetes — 

Tod von J. F. Brandt, E. Fenzl und J. Czegley 42 

Reitter E., Zur kaukasischen Käfer-Fauna — 

Reitter E., Beiträge zur Synonymie — 

Schulzer von Müggenburg, Mycologische Beiträge IV — 

B ruh in Th., Neue Entdeckungen in der Flora Wisconsins. ... — 



Villa-Secca, Vanessa cardui und Plusia gamma verwüstend auf 



Klee in Niederösterreich 43 

Versammlung am 5» November» 

Neu eingetretene Mitglieder 44 

Eingesendetes f — 

Kerner Dr. A. v., Herbarium aus Meran v. J. 1587 — 

Low F., Mittheilungen über Psylloden 45 

Pelz ein A. v., Wirbelthiere aus Borneo und Vögel von Ecuador . — 

T hürnen Freiherr von, Zwei neue Ascomyceten der Flora Wiens . 45 

Kowarz F., Nekrolog von Dr. Hermann Low — 

Osten-Sacken Freiherr von, Tabelle der nordamerikanischen Pachyr- 

rhina -Arten von H. Low 47 

Osten-Sacken Freiherr von, Die Tanyderina ....... — 

Höfer Franz, Seltene Pflanzen der Umgebung von Bruck a/L. . . — 

Petter C, Thalictrum pubescens bei Miesenbach 48 

Wahl von neun Ausschussräthen — 

Versammlung am 3* December, 

Neu eingetretene Mitglieder 49 

Eingesendetes — 

Anschluss zum Schriftentausch — 

Rondani Professor in Parma gestorben — 

Cartier Rob., Einzahlung auf Lebensdauer 50 

Low Franz, Milbengallen — - 

Reitter Ed., drei coleopterologische Abhandlungen — 



VI 



Inhalf. 



Seite 



Mayr G., Die Hymenopteren- Gattung Telenomus 50 

Voss W., Materialien zur Pilzkunde Krains II — 

Bergh R., Monographie der Polyceraden I — 

Mar enz eller E. v., Aroideae Maximilianae — 

Wachtl Fr., Neuer Feind der Schwarzkiefer 51 

T hürnen Freiherr von: Ueber einen prähistorischen, aus den Pfahl- 
baustätten bei Laibach stammenden Polyporus ....... 52 

Fuchs Th., Die geschlechtliche Affinität als Basis der Speciesbildung — 
Arnhart L., Ein secundärer »Sexual Charakter von Acher ontia Atropos 

(mit Holzschnitt) 54 

Wahl des Präsidenten 55 

Wahl von sechs Vice-Präsidenten — 

Anhang: der Gesellschaft geschenkte Publicationen 56 



Abhandlungen. 

Beck Dr. Günther: Entwicklungsgeschichte des Prothalliums von Scolo- 

pendrium. (Mit Tafel I und II.) 1 

Dedecek Jos., Professor: Beiträge zur Literaturgeschichte und Verbreitung 

der Lebermoose in Böhmen 15 

Eeitter Edmund: Coleopterologische Ergebnisse einer Reise nach Croatien 
und Slavonien, unter Mitwirkung der Herren Dr. Eppelsheim und 
Dr. von Heyden 35 

Krauss Dr. Hermann: Synonymische Bemerkungen mitBezug auf Bolivar's 

Catalogus Orthopterorum Europae 57 

Low Dr. Franz: Zur näheren Kenntniss zweier Pemphiginen 65 

Reitter Edmund: Bestimmungs-Tabellen der europäischen Coleopteren. I. 
Enthaltend die Familien: Cucujidae, Telmatophilidae, Tritomidae, 
Mycetaeidae, Endomychidae, Lyctidac und Sphindidae .... 71 

Farsky Franz, Professor: Die ersten Stände zweier Runkelrüben-Fliegen. 
I. Metamorphose von Lonchaea Chorea Meigen. II. Die Runkelfliege 
Anthomyia conformis Nördlinger (Fall.). (Mit Tafel III.) ... 101 

Finsch Dr. Otto: Reise nach West- Sibirien im Jahre 1876. Auf Ver- 
anstaltung des Vereins für die deutsche Nordpolarfahrt zu Bremen 
unternommen von Dr. Otto Finsch, Dr. A. Brehm und Karl Graf 



von Waldburg - Zeil - Trauchburg. I. Säugethiere, II. Vögel, 

IH. Kriech thiere und Lurche, IV. Fische 115 

Keyserling Eugen Graf: Neue Spinnen aus Amerika. (Mit Tafel IV.) 293 

Arnold Dr. F.: Lichenologische Ausflüge in Tirol. XX. Predazzo . . . 351 

Kohl Franz Friedrich: Neue tirolische Grabwespen 395 

Bohatsch Otto: Nachtrag zur Lepidopteren-Fauna Syriens 405 

Wich mann Heinrich: Anatomie des Samen von Aleurites triloba Forst. 

(Bancoulnuss). (Mit Tafel VI und VII.) 411 



Inhalt. VII 

Seite 

Csokor Dr. Johann: Ueber Haarsackmilben und eine neue Varietät der- 
selben bei Schweinen, Demodex phylloides. (Mit Tafel VIII.) . . 419 

Leder Hans: Beitrag zur kaukasischen Käfer-Fauna 451 

Schulzer Stephan von Müggenburg: Mfcologische Beiträge IV. . . . 489 

Reitter Edmund: Beitrag zur Synonymie der Coleopteren 507 

Loew Dr. H.: Analytische Tabelle zum Bestimmen der nordamerikanischen 

Arten der Tipuliden-Gattung Pachyrrhina 513 

Osten- Sacken C. R.: Die Tanyderina, eine merkwürdige Gruppe der 

Tipuliden 517 

Thümen Felix von: Zwei neue blattbewohnende Ascomyceten der Flora 

von Wien 523 

Pelzeln August von: Ueber eine fünfte Sendung von Vögeln aus Ecuador 525 
Pelz ein August von: Ueber eine von Herrn Dr. Breit enstein gemachte 

Sammlung von Säugethieren und Vögeln aus Borneo 527 

Reitter Edmund: Beitrag zur Kenntniss europäischer Pselaphidae und 

Scydmaenidae 533 

Reitter Edmund: Neue Coleopteren aus dem südöstlichen Russland . . 543 

Reitter Edmund: Ueber Spelaeodytes Mill 547 

Low Dr. Franz: Mittheil iingen über Psylloden. (Mit Tafel XV.) ... 549 
Bergh Dr. Rudolph: Beiträge zu einer Monographie der Polyceraden I. 

(Mit Tafel IX-X1V.) 599 

Voss Wilhelm: Materialien zur Pilzkunde Krams. (Mit Tafel XVI.) . . 653 

Mayr Dr. Gustav: Ueber die Schlupfwespengattung Telenomus .... 697 
Low Dr. Franz: Beschreibung von neuen Milbengallen, nebst Mittheilungen 

über einige schon bekannte 715 



Verzeichniss der Tafeln. 

Tafel I und II. Beck G.: Entwicklungsgeschichte des Prothalliums von 

Scolopendrium 13, 14 

„ III. Farsky F.: Die ersten Stände zweier Runkelrüben-Fliegen. . 114 

„ IV. Keyserling Graf Eugen: Neue Spinnen aus Amerika . . . 349 

V. Erb er Jos.: Ein Albino der Aesculapnatter (Sitzungsber.) . . 39 
VI und VII. Wichmann Heinrich: Zur Anatomie des Samens von 

Aleurites triloba 417 

VIII. Csokor Joh.: Ueber Haarsackmilben und eine neue Varietät 

derselben bei Schweinen 449 

IX— XIV. Bergh Rudolph: Beiträge zu einer Monographie der 

Polyceraden 1 647—652 

„ XV. Low Dr. Franz: Mittheilungen über Psylloden 597 

„ XVI. Voss Wilhelm: Materialien zur Pilzkunde Krains II. . . . 090 



VIII 



Berichtigungen. 



Berichtigungen. 



Sitzungsberichte. 

Seite 15, Zeile 12 von unten lies: Juni statt Juli. 
„ 33 „ 15 „ „ „ Nachtrag statt Beitrag. 

Abhandlungen. 

Seite 401, Zeile 18 von oben lies: nonnulla statt nonnula. 
„ 401 „ 29 „ „ „ platt statt glatt. 
„ 499 „ 12 „ unten setze Tafel VIII. 
„ 533 „ 14 „ lies: curticollis statt curticolis. 

„ 545 „ 15 „ „ „ Pheidole pusilla H. statt grossköpfiger 

Ameise. 

„ 545 „ 12 „ „ „ Cataglyphis Cursor Fs. statt Lasiusart. 
Auf Tafel I und II links, zweite Zeile soll es heissen: Bd. XXIX, 1879 statt 
XXVm, 1878. 



Stand der Gesellschaft 



am Ende des 

Jahres 187©. 



Z. ß. Gee. b. XXIX. 



b 



Protector : 

Seine k. und k. Hoheit der durchlauchtigste Herr Erzherzog 

Rainer. 



Leitung der Gesellschaft. 

Im Jahre 1880. 

Präsident: (Gewählt bis Ende 1882.) 
Seine Durchlaucht Fürst Josef Colloredo-Mannsfeld. 

Vicepräsidenten: (Gewählt bis Ende 1880.) 
P. T. Herr Schröckinger-Neudenberg Jul. Freih. v. (Präsid. Stellvertreter.) 
„ „ Brauer Dr. Friedrich. 
„ „ Pelikan v. Plauenwald Anton. 
w „ Pelzeln August v. 
„ „ Vogl Dr. August. 
„ „ Wiesner Dr. Julius. 



Secretäre : 

P. T. Herr Rogenhof er Alois Friedr. (Gewählt bis Ende 1883.) 
„ „ Maren zeller Dr. Emil v. „ „ „ 

Rechnungsführer: (Gewählt bis Ende 1883.) 
P. T. Herr Kaufmann Josef. 

Ausschussräthe: 

P. T. Herr Bartsch Franz. (Gewählt bis Ende 1880.) 

„ „ Kolazy Josef. „ „ 

„ „ Künstler Gustav. „ „ 

„ „ Pelikan v. Plauenwald Anton. „ „ 

ii „ Schröckinger-Neudenberg Jul. Freih. v. „ „ 

„ „ Steindachner Dr. Franz. „ „ 

„ „ Braun Heinrich. (Gewählt bis Ende 1881.) 

„ „ Brauer Dr. Friedrich. „ „ 

» r, Brunner v. Wattenwyl Karl. „ „ 

„ „ Burgerstein Dr. Alfred. „ „ 

, „ Claus Dr. Karl. „ „ 



XTI 



Mitglieder. 



P. T. Herr Felder Dr. Cajetan Freiherr v. 
Fuchs Theodor. 
Gassenbauer Michael v. 
Hauer Franz Ritter v. 
Kerner Dr. Anton Ritter v. 
Korn huber Dr. Andreas. 
Low Dr. Franz. 
Löw Paul. 
Mik Josef. 
Pokorny Dr. Alois. 
Schoenn Moriz. 
Stur Dionys. 
Türk Rudolf. 
Vogl Dr. August. 
Wiesner Dr. Julius. 
Bergenstamm Julius v. 
Haim hoffen Gustav Ritter v. 
Halacsy Dr. Eugen 
Jeitteles L. ff. 
Mayr Dr. Gustav. 
Pelz ein August v. 
Reichardt Dr. Heinrich. 
Reu ss Dr. A. Ritter v. 
T hürnen Felix Freiherr v. 



(Gewählt bis Ende 1881.) 



(Gewählt bis Ende 1882 ) 



Mitglieder, welche die Sammlungen der Gesellschaft ordnen: 

Die zoologischen Sammlungen ordnen die Herren: Kaufmann Josef, Kolazy 

Josef, Kreithner Eduard, Maren zeller Emil v. 
Die Pflaiizensammlung ordnen die Herren: Braun Heinrich, Hai acsy Eugen v., 

Müllner Michael, Pfihoda Moriz, Witting Eduard. 
Die Betheilung von Lehranstalten mit Naturalien besorgt Herr Josef Kolazj\ 
Die Bibliothek ordnen Herr Franz Bartsch und Herr Emil v. Ma ren z eller. 
Das Archiv hält Herr Paul Löw im Stande. 

Amtsdieiier : 



Herr Frank Cornelius, VIII. Buchfeldgasse 7. III. 



Mitglieder. J 

Die Druckschriften der Gesellschaft werden überreicht: 



Im Inland e. 

Seiner k. u. k. Apostolischen Majestät dem Kaiser Franz Josef. 
Seiner k. u. k. Hoheit dem durch! Kronprinzen und Erzherzoge Rudolf. 
Seiner k. u. k. Hoheit dem durch!. Herrn Erzherzoge Karl Ludwig- 
Seiner k. u. k. Hoheit dem durch!. Herrn Erzherzoge Ludwig Victor. 
Seiner k. u. k. Hoheit dem durchl. Herrn Erzherzoge A Ihr echt. 
Seiner k. u. k. Hoheit dem durchl. Herrn Erzherzoge Josef Karl. 
Seiner k. u. k. Hoheit dem durchl. Herrn Erzherzoge Wilhelm. 
Seiner k. u. k. Hoheit dem durchl. Herrn Erzherzoge Rainer. 
Seiner k. u. k. Hoheit dem durchl. Herrn Erzherzoge Heinrich. 
Seiner k. u. k. Hoheit dem durchl. Herrn Erzherzoge Ludwig Salvator. 

Im Aua lande. 

Seiner Majestät dem Kaiser von Deutschland. 10 Exemplare. 
Ihrer Majestät der Köuigin von England. 6 Exemplare. 
Seiner Majestät dem Könige von Bayern. 4 Exemplare. 
Seiner königl. Hoheit dem Prinzen August zu Sachsen-Coburg. 
Dem souverainen Johanniter-Orden. 



Subventionen für 1880. 

Von dem hohen k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht. 
Von dem hohen nieder-österreichischen Landtage. 
Von dem löbl. Gemeinderathe der Stadt Wien. 



XIV 



Mitglieder. 



Mitglieder im Auslande. 

Die P. T. Mitglieder, deren Name mit fetter Schrift gedruckt ist, haben 
den Betrag für Lebenszeit eingezahlt und erhalten die periodischen Schriften 

ohne ferner zu erlegenden Jahresbeitrag. 

P. T. Herr Adams Arthur London. 

„ „ Adams Henri, Hann. Villas, Notting Hill (W.) . London. 

„ „ A g a s s i z Dr. Alexander, Director d. Museums N. A. Cambridge. 

„ „ Albini Dr. Josef, Caval., Universitätsprofessor . Neapel. 

„ „ Allman Dr. George James, Prof., 21 Mauor PI. Edinburgh. 

„ „ Alvarez Dr. Louis, Prof. u. Director d. Mus. . Bahia. 

„ „ Andersson Dr. N. J., Professor d. Botanik . . Stockholm. 

„ „ An gas Georg Fr London. 

„ „ Angelrodt Ernst v., Missouri St. Louis. 

10 „ „ Arnold Dr. F., k. Appellationsrath, Sonnenstr. 7 München. 

„ „ Aristarchi Georg v., Adj. Sr. Maj. des Sultans Constantinopel. 

„ „ Artzt A., k. Vermess. -Ingen., Sachsen .... Marienberg. 

„ „ Asbjörnsen P. Christian, k. Forstmeister . . Christiania. 

„ „ Aschers on Dr. Paul, Professor d. Bot. an der 

Univers., Custos am k. Herbar, Friedrichstr. 217 Berlin (SW.) 

„ „ Baden Dr. Ferdinand, Zahnarzt Altona. 

„ „ Bail Dr. Th., Prof. u. Director der Realschule Danzig. 

„ „ Baillon Ernst, Prof. an d. k. Forst- Akademie . St. Petersburg. 

„ „ Baillon H., Prof. d. Naturg. a. d. med. Fac. . Paris. 

„ „ Bain Dr. Mac, Marine- Arzt Edinburgh. 

20 „ „ Baird Spencer, Prof., Secr. der Smitsh.-Instit. Washington. 

„ Balfour Dr. Hutton, Prof., 27, Moorleith Row. Edinburgh. 

„ „ Ball Valentin, geological Survey Calcutta. 

„ „ Bamberger Georg, Apotheker, Schweiz . . . Zug. 

„ „ Barboza J. Rodriquez Rio-Janeiro. 

„ „ Barboza du Bocage, Direct. des zool. Mus. . Lissabon. 

„ „ Bark er Dr. John, Mus. Coli, of Surg Dublin. 

„ „ Bary Dr. A. de, Prof. d. Bot. a. d. Univevs. . Strassburg. 

„ „ Bat es H. W., Esq., Bartholomew-Road (NW.) . London. 

„ „ Beling Theodor, Forstmeister am Harz . . . Seesen. 

30 „ „ Bellardi Dr. Luigi, Professor Turin. 

„ „ Benedeu Eduard v., Univ. -Prof., rue Nysten 26 Lüttich. 



Mitglieder. 



P. T. Herr Bennet Dr. G., Esq Sidney. 

„ „ Berchon Dr. Ernest, Director (Gironde) . . . Pouillac. 

„ „ Berdau Felix, Prof. am Polytech. G. Lublin . PuJawy. 

„ Berg Carl, Prof. (d. Buchh. Grasman Hamburg) Buenos-Ayres. 

Berggren Sven Lund. 

„ Bergh Dr. Rud., Oberarzt am allg. Krankenh. . Kopenhagen. 

„ B etta Edoardo, Nobile de Palermo. 

„ Bentkin Dr. Hein., Steindamm 144 III. St. Georg Hamburg. 

Bigot Jacques, rue de Louxembg. 27 ... . Paris. 

Blanchard Dr. Emil, Professor, Mus. -Director Paris. 

„ Blanchet Ch Lausanne. 

Boek Christ., Prof. an der Universität .... Christiania. 

„ Bolivar Don Urrutia Ignazio, C. d. Hita 1 . . Madrid. 

., Bommer Dr. J. E., Prof. d. Bot. u. Custos . . Brüssel. 

„ Bonizzi Dr. Paul, Prof. an der Univers. . . Modena. 

„ Bon or den Dr. H. F., Rgts.-Arzt, R. B. Minden Herford. 

„ Bonvouloir Comte Henri, Rue de TUniversite 15 Paris. 

„ Boutelou Don Esteban, Berg-Ingenieur . . . Sevilla. 

„ Bowring John j., Esq London. 

„ Branzda Dr. D., Univ.-Prof. d. Botanik . . . Bukarest. 

„ Brehm Dr. Alfred, Tempelhofer Ufer 8 . . . Berlin (SW.). 

„ Brendegani Vinc., Reet. d. Kirche St. Rochus Verona. 

„ Boschniak Nik., Vicar d. serb. Klosters in . Grabovacz. 

„ Br etschneider Dr. Ed., Arzt d. k. russ. Ges. Peking. 

„ Brot Dr. A., Professor, Malagnou 6 Genf. 

„ Bruce Dr. Samuel, 43, Kensington Gard. Sq. . London. 

, Bruhin P. Th., Wisconsin, C. Grant, U.-St. . Potosi. 

„ Bruyn Arie Johannes de, Regimentsthierarzt . Zütphen. 

y Buchenau Dr. Fr., Director u. Prof. d. Realsch. Bremen. 

„ Buchinger Dr. F., Direct.^des Waisenhauses . Strassburg. 

„ Burmeister Heinrich, Einsbüttel, Eichenstr. 22 Hamburg. 

„ Burmeister Dr. Herrn., Dir. d. naturh. Mus. . Buenos-Ayres. 

„ Buse L. H., bei Arnheim Renkom. 

„ Busk Dr. George, Burlington-house .... London. 

„ C ab anis Dr. Joh. Lud., erster Custos am k. Museum Berlin. 

„ Canestrini Dr. Johann, Prof. an d. Univ. . . Padua. 

„ CarpenterDr. Will., 8, Queens-Rd., Primrose hill. London. 

„ Cartier Robert, Hochw., Pfarrer, Cant. Solothurn Oberbuchsiten. 

Carte Dr. Alex., Dir. of the Mus. R. Society . Dublin. 

„ Caruel Theodor, Professor der Botanik . . . Pisa. 

„ Carus Dr. Victor v., Professor a. d. Universität Leipzig. 

„ Castracane degli Antelminelli, Franc. Conte . Rom. 

„ Celi Dr. Hector, Dir. d. h. Landw. Schule . . Portici. 

„ Cesati Baron Vincenz, Dir.; Prof. d. Botauik . Neapel. 



XVI 



Mitglieder 



P. T. Herr Chevreul Mich., Prof., adm. d. Mus. d'hist. nat. Paris. 

„ „ Chiari Gerhard Ritter v., k. k. General- Consul Trapezunt. 

„ „ Cohn Dr. Ferdinand, Prof. d. Bot. a. d. Univ. . Breslau. 

„ „ Colosanti Dr. Josef, Assist, d. Pathologie . . Eom. 

80 „ „ Colheau Jules, Chaussee de Wavre 178 Fielles . Brüssel. 

„ „ Coldham James G., Dir. of Christch. school. . Cawnpore. 

„ „ Collet Robert, Dr. phil. b. Christiania . . . Homansby. 

„ Conrad Paul, Schiffscapitain a. D Bremen. 

„ „ Cornalia Dr. Emil, Dir. d. städt. Museum . . Mailand. 

„ „ Cox C. James, Dir. d. naturhist. Museum . . . Sidney. 

„ „ Crepin Francois, Director des botan. Gartens . Brüssel. 

„ „ Crosse H., Rue Tronchet 25 Paris. 

„ ,, Cunha da Dr. Gerson, Director of asiat. soc. . Bombay. 

„ „ Dana James (Connecticut) New-Haven. 

90 „ „ Darwin Charles, Farnborough Hants .... Kent. 

„ „ Davidson Dr. George, W., 13. Union-Place . Edinburgh. 

„ „ Davidson Thomas London. 

„ „ Davids Dr. Arthur Elson, Cambers Bridge St. . Manchester. 

„ „ De Candolle Alphons, e. Professor der Botanik Genf. 

„ Degenkoll) Herrn., Rittergutsbesitzer bei Pirna Rottwegendorf. 

„ „ Deshayes Dr. G. Paul, Prof. Place royale 18 Paris. 

„ ., Desnoyers Johann, Bibliothecaire du Mus. . Paris. 

„ „ Dingler Dr. Herrn., Custos d. k. Herbars . . München. 

„ „ Do der lein Dr. Pietro, Prof. an der Univers. . Palermo. 

100 „ „ Doenitz Dr. Wilh., Assist, am naturhist. Mus. Berlin. 

„ ., Dohrn Dr. Anton, Prof., Vorstand d. zool. Station Neapel. 

„ „ Dohrn Dr. Heinrich, Stadtrath Stettin. 

„ „ Dohrn Dr. Carl A., Präs. des entom. Vereines Stettin. 

„ „ Douglas J. W., Esq., Beigrave Terrasse, Lee . London (SE.) 

„ „ Douille August, Marine -Wundarzt, Martinique St. Pierre. 

„ „ Drude Dr. Oscar, Prof u. Director d. bot. Gartens Dresden. 

„ „ Du Rieu W. N., Conserv. an d. Bibliothek . . Leyden. 

„ „ Eden F. W. van Harlern. 

„ „ Edwards Harry Wm., West-Virginien .... Coalburgh. 

HO „ 9 Eichel bäum Dr. Felix Hildesheim. 

„ „ Eichler Dr. A. W., Prof. d. Bot. a. d. Univers. Berlin. 

„ „ Eidam Dr. Eduard, Assist, a. d. Lehrkanzel f. Bot. Breslau. 

„ „ Ellenrieder Dr. C. v., OfF. d. Gezondheit, Java Buitenzorg. 

Eliot Karl W., Prof. Boston. 

„ Elliot Walter, Hawik N. B, Schottland . . Wolfelee. 

„ Emery Med. Dr. Carl, Univ.-Professor . . . Cagliari. 

„ „ Engelmann Dr. Georg, Prof., Nordamerika. . St. Louis. 

„ „ Engler Dr. Adolf, Prof. der Bot. an der Univ. . Kiel. 

„ „ Erschoff Nikol., Wassili OstrofF 12. Lin. 15. Haus St. Petersburg. 



Mitglieder. 



XVJI 



120 P. T. Herr Esmark Lauritz, Vorstand d. naturb. Museum . Christiania. 

„ „ Eulen stein Dr. Theodor Dresden. 

„ „ Fahrer Dr. Johann, k. Stabsarzt München. 

„ „ Fairmaire Leon, Directeur de Thöpital St. Louis Paris. 

„ „ Falk Dr. Alfred, an der Universität .... Lund. 

„ „ Famintzin Dr. A., Professor St. Petersburg. 

„ „ Fanzago Filipp, Doceut d. Zool. a. d. Univ. . Padua. 

„ „ Farie James Secr. geol. Soc. Andersonian Univ. Glasgow. 

„ „ Fatio Dr. Victor, nie Massot 4 (N.) .... Genf. 

„ „ Ferreira Man. Lag., Vice-Präsesd.hist.-geog.Inst. Eio de Janeiro. 

130 „ „ Finsch Dr. Otto, Director am naturb. Museum Bremen. 

„ „ Fischer von Waldheim Dr. Alexander, Prof. . Warschau. 

„ „ Fischer Dr. Karl, pr. Arzt , Sidney. 

„ „ Flor Dr. Gustav. Prof. an d. Universität . . . Dorpat. 

„ „ Flügel Dr. Felix Leipzig. 

„ „ Förster Dr. Arnold, Prof. a. d. höh. Bürgersch. Aachen. 

„ „ Förster Dr. Heinrich, Eminenz-Fürstbischof . Johannesberg. 

„ „ Folin F. Marquis de, Praes. soc. d. scienc. et artes Bayonne. 

„ „ Fontaine Cesar, Naturalist. Prov. Hainaut . . Papignies. 

„ „ Fontaine Julius de la, Göns, du Muse'e belg. Univ. Gent. 

140 ,, „ Forel Dr. August, Irrenarzt im Burghölzle b. . Zürich. 

„ „ Forst Gr., Kaufmann Halberstadt. 

„ „ Fournier Dr. Eug., Gen. See. d. soc. bot. . . Paris. 

„ „ Frass Dr. Oskar Fr., Prof. Urbanstr. 13 . . . Stuttgart. 

„ „ Frey Dr. Heinr., Prof. a. d. Universität . . . Zürich. 

„ „ Friedländer Dr. Julius, Karlsstrasse 11 (NW.) Berlin. 

„ „ Fries "Tn. M., Professor a. d. Universität . . Upsala. 

„ „ Friestadt R. F., Adjunct an der Univers. . . Upsala. 

„ „ Frietze R., Apotheker, Reg.-Bez. Oppeln . . Rybnik. 

„ „ Garcke Dr. Aug., Prof. u. Cust. am k. Herbar Berlin. 

150 „ „ Gemminger Dr. Max, Adjunct am zool. Mus. München. 

„ „ Gernet Karl, R.v., k. r. Geheimrath, Haus Lissitzin St. Petersburg. 

„ „ Gerstäcker Dr. Adolf, Prof. a. d. Universität . Greifswalde. 

„ „ Giebel Dr. C. G. Prof. a. d. Universität . . . Halle a/S. 

» » G öpp er t Dr. Heinr. Rob., geh. Med. -Rath u. Prof. Breslau. 

„ „ Gobert Dr. Emil, Naturalist, Dep. Landes . . Mont de Marsan. 

„ „ GonzenbachJ. Guido, Professor Smyrna. 

„ „ Graells, ü. Mariano de la Paz. Dir. d. z. Mus. Madrid. 

., „ Grathwohl Wilhelm Fidelis, Grosshändler . . München. 

„ „ Gray As a, Prof. a. Haward College N. Am. . Cambridge. 

160 „ „ Grönland Dr. J. b. Jüterbock, landw. Akademie Dahme. 

„ „ Grote RadclifTe A. Curat, of nat. sc, N. Am. . Buffalo. 

„ „ Grube Dr. Ed., k. russ. Staatsrath, Univ. Prof. Breslau. 

„ „ Günther Dr. Albert, Direct. am brit. Museum London. 

Z. B. Ges. B. XXIX. C 



XVIII 



Mitglieder. 



P. T. Herr Guillaud Dr. A., Prof. agre'ge ä la fac. de med. Montpellier. 

„ „ Guirao Don Angel., Direct. del Istituto . . . Murcia. 

„ „ Haast Dr. Julius, Director des Canterbury-Inst. Christ Church. 

„ „ Haeckel Dr. Ernst, Prof. d. Zool. a. d. Univ. . Jena. 

„ „ Haelsen G Hamburg. 

„ „ Hagen Dr. Hermann, Prof. a. Mus. zu Boston Cambridge. 

170 „ „ Hai fern Friedrich v., b. Aachen Burtscheid. 

„ „ Hampe Dr. Ernst Georg, Professor .... Helmstedt. 

„ „ Hance Dr. M. H. F., Esq., Vice-Consul . . . Whampoa. 

„ „ Hanley Syl., Hanley-Road 1. Hoarseway Eise . London. 

„ „ Hans Wilhelm, Lausitz Herrenhut. 

„ „ Hanstein Dr. Joh., Prof. d. Bot. a. d. Univ. . Bonn. 

„ „ Harold Edgar Freih. v., Custos a. k. zool. Museum Berlin. 

„ „ Hartmann Karl, Schweden Oerebro. 

„ „ Harz Dr. Carl, Docent a. Polytechnikum . . . München. 

„ „ Haskins Dr. Alfred L., 98, Boylston Street . Boston. 

180 „ „ Hasskarl Dr. J. K., Eheinpreussen .... Cleve. 

„ „ Haus er F., Winklerstrasse 35 Nürnberg. 

„ ., Haussknecht Dr. Karl, Prof. der Botanik . . Weimar. 

„ „ Heaphy Ch. D., Ingenieur Aukland. 

„ „ Hedemann Wilhelm v., Galernaja 46, Kwoit 5 St. Petersburg. 

„ „ Hedenus Th. Apotheker bei Leipzig .... Neuraudnitz. 

„ „ Heer Dr. Oswald, Prof. an der Universität . . Zürich. 

„ „ Held reich Dr. Theodor v., Dir. d. bot. Gartens Athen. 

„ „ Heller v. Hellwald Friedr., Red. d. „Ausland" Stuttgart. 

„ „ He n sei Dr. Reinhold Berlin. 

190 „ „ Herder Dr. F. v., Bibliothekar a. k. bot. Garten Petersburg. 

„ „ Heurck Henri v., Prof. Antwerpen. 

„ „ Heuser Dr. P., Diaconissenhaus-Arzt, Westf. . Bielefeld. 

„ „ Heyden Dr. Luc. v., Schlossstr. 54 Bockenheim b. Frankfurt a. M. 

„ „ Heynemann F Frankfurt a. M. 

„ „ Hiendlmayr Anton, Kaufmann, Weinstrasse 11 München. 

„ Hieronymus Georg E., Assist, der Univers. Arg. Cordova. 

,, „ Hildebrand Dr. F., Prof. d. Botanik Breisgau Freiburg. 

„ Hille Dr. Louis, Hessen Marburg. 

„ „ Hoeme Alfons, Villa Elisabeth, bei Dresden . Ob. -Blasewitz. 

200 ., „ Hoffmann Dr. Hermann, Prof. d. Botanik . . Giessen. 

„ „ Holding J. C, Gutsbesitzer Capstadt. 

„ „ Holmgren Aug. Emil, Prof. der Forstschule . Stockholm. 

„ „ Homeyer Ferd. Eugen v., Pommern .... Stolp. 

n r, Humbert Alois v., 11 rue de i'Hotel de Ville . Genf. 

„ „ Huxley Dr. Thom. Henry, Prof., Royal Institut London. 

„ „ Irigoya Don Simon, Director des Museums . Lima. 

„ ,, Jablonski Max, Gutsbesitzer Berlin. 



Mitglieder. 



XIX 



P. T. Herr Jäckel Johann, Pfarrer, Baiern Windsheim. 

„ „ Janisch Karl, Hüttendirect. bei Seesen, Harz . Wilhelmshütte. 

210 „ „ Janiii Josef, k. u. k. Consular-Agent .... Bombay. 

„ „ Javet Charles, Eue Jean-Bologne 23, ä Passy . Paris. 

„ „ Jeffreys J. Gwyn, 25 Devonsh. Porti. PI. . . London. 

„ „ Jessen Dr. Karl, Prof. d. Bot. an der Universität Berlin. 

„ „ Jonsson Joh., a. d. Universität Upsala. 

„ „ Joseph Dr. Gustav, neue Antonienstr. 6. . . Breslau. 

„ „ Just Dr. Leopold, Prof. a. Polytechnikum . . Karlsruhe. 

„ „ Kahil Constantin, k. u. k. österr. Vice-Consul. . Damiette. 

„ „ Kawall J. H a , Pastor in Kurland Pussen. 

„ „ Keferstein A., k. p. Gerichtsrath . . . . . Erfurt. 

220 „ „ Keyserling Graf Eugen Gross-Glogau. 

„ „ Kinberg Joh. Gustav, Prof. ........ Stockholm. 

„ „ Kirchenpauer Dr., Senats-Präsident u. Bürgerm. Hamburg. 

„ „ Kirchner Dr. Oskar Proskau. 

„ „ Kirsch Th., entom. Custos d. zool. Museum . Dresden. 

„ „ Kirschbaum Dr. Carl, Prof. u. Inspector d. Mus. Wiesbaden. 

„ „ Koch Dr. Ludwig, prakt. Arzt Nürnberg. 

„ „ Koch Dr. Ludwig, Vorstd. d. pflzphysiol. Inst. . Proskau. 

„ „ Kock J. v., k. Maj., Gelderland b. Nym wegen . Hess. 

„ „ Koerber Dr. G. W., Prof. a. d. Universität . Breslau. 

130 „ „ Kölliker Dr. Albert v., Prof. an der Universität Würzburg. 

„ „ Körn icke, D. Friedr. Prof. bei Bonn .... Popelsdorf. 

„ „ Kr a atz Dr. G., Vorst, d. ent. V., Linkstr. 28 (W.) Berlin. 

„ „ Kraus s Dr. Feid., Prof., Director d. k. z. Museums Stuttgart. 

„ „ Krefft Gerard, Secretär d. naturhist. Museum . Sidney. 

„ „ Krempel huber Dr. A. v.,k. Frstm., Amalienstr. 3 München. 

„ „ Kriechbaumer Dr. Josef, Adj. a. k. zool. Mus. München. 

„ „ Krüper Dr. Theobald, Custos am Museum . . Athen. 

„ „ Kubary Johann C Hamburg. 

„ „ Kühn Dr. Julius, Direct. des landw. Institut . Halle a/S. 

240 „ „ Kuhn Dr. Max, Luisenstrasse 67 (NW.) . . . Berlin. 

„ „ Laboulbene Alexander, Prof., Eue de Lille 11 Paris. 

„ „ Lancia Fried. Duca di Castel Brolo .... Palermo. 

„ „ Landerer Fr. X., Apotheker Athen. 

„ „ Lange v., Hofr. Chef der Telegraphen-Station . Odessa. 

„ „ Lange J. Carl, k. und k. öst. Gesandt.-Secretär Athen. 

„ „ Layard E. Secretär, Südamerika Para. 

„ „ Lea Isaac, Präsid. d. Acad. od nat. scienc. . . Philadelphia. 

„ „ Le Comte Theophil, bei Lesines, Belgien . . Ghislenghien. 

„ „ LeConte Dr. John, cor. Secr. d. Ac. of nat. sc. Philadelphia. 

250 „ „ Leder Hans, Naturalist Tiflis. 

„ „ Lefevre Theodor, Ingenieur, nie de Pont neuf 10 Brüssel. 

c* 



XX 



Mitglieder. 



P. T. Herr Leibold Dr. Friedrich, Apotheker Santiago. 

„ „ Leidy Dr. Josef, Professor d. Universität . . . Philadelphia. 

„ „ Le Jolis Auguste, Präs. d. nat.-hist. Vereines . Cherbourg. 

„ „ L etzner K., Hauptlehrer, Nicolaistrasse . . . Breslau. 

„ „ Leuckart Dr. Rudolf, Prof. a. d. Universität . Leipzig. 

„ „ Leuthner Dr. Franz, Assist, a. anat. Institut . Basel. 

„ „ Lichtenstein Julius, b. Montpellier .... La Lironde. 

„ „ Lilljeborg Dr. Wilh., Professor d. Universität Upsala. 

260 „ „ Lindberg Dr. S. 0., Prof., Finnland, .... Helsingfors. 

„ „ Lindem an Dr. Eduard R. v., Hofrath .... Elisabethgrod. 

„ „ Lind ig Alexander, Pragerstrasse 14 . . . Dresden. 

„ „ L in hart Dr. Wenzel, Professor Würzburg. 

„ „ Lischke Dr. C. E., geh. Ob.-Regier.-Rath . . Elberfeld. 

„ „ Lob scheid Dr. W. S., b. Bunzlau. pr. Schlesien Gnadenberg. 

„ „ Logan M. Thoraas, Esq., Californien .... Sacramento. 

„ „ Lorentz Dr. Paul Günther, Univ.-Prof., arg. Rp. Cordoba. 

„ „ LoscosyBernal, Senor Don, Spanien . . . Castel Serao. 

„ „ Loven Dr. S., Professor Stockholm. 

270 „ „ Low Dr. Ernst, Dessauerstr. 5 Berlin. 

„ „ Lütken Dr. Chr. Friedr., am k. Museum . . . Kopenhagen. 

„ „ Mac Lachlan Rob. 39 Limes Grove, Lewishen Loudon (SE.) 

„ „ Magnus Dr. Paul, Professor Bellevuestr. 8 . . Berlin. 

„ „ Malinovsky v., kais. türk. General .... Constantinopel. 

„ p Malm Dr. A. W., Director am naturh. Museum . Göteborg. 

„ „ Malz ine F. de, rue de Moulin 11 Brüssel. 

„ „ Mande rstj er na Alex, v., k. General, b. Warschau Radom. 

„ „ Manzoni Dr. Angelo, b. Bologna Lugo. 

„ „ Marchai E., Conservator am botanischen Garten Brüssel. 

280 „ „ Marcusen Dr. Prof., k. Staatsrath, Lüttichaust. 10 Dresden. 

„ Marion A. F., Prof. d. Zool., allee des Capucines 4 Marseille. 

„ „ Marno Ernst Chartum. 

„ „ Martens Dr. Ed. v., Custos a. k. Mus., Professor Berlin (W.) 

„ Martins Charles, Prof. Dir. d. bot. Gartens . . Montpellier. 

„ „ Mayer Heinrich, Grosshändler Trondhjem. 

„ „ Maximowicz Carl, Collegien-Rath St. Petersburg. 

„ „ Mazarredo Don Carlo de Bilbao. 

„ „ Medem Niki., Freih., k. r. Gen. d. Artillerie . St. Petersburg. 

„ „ Meneghini Dr. Jos. Com., Professor d. Botanik Pisa. 

290 „ ., Mengelbier Wilhelm, Kaufmann Aachen. 

„ „ Merian-Thurneisen Dr. Pet, Rathsh., Prof. Basel. 

„ „ Merk Carl München. 

„ „ Meves W., am königl. Museum Stockholm. 

„ Meyer Dr. Adolf Bernh., Direct. d. k. zool. Mus. Dresden. 

„ „ Meyer Dr. Carl, Assistent am eidgen. Polyt. . Zürich. 



Mitglieder. 



XXI 



P. T. Herr Wieg, Don Fernando, Prof. de hist. natur. . . Bilbao. 

„ Milne-Edwards Alph., Prof. a. naturh. Mus. . Paris. 

„ „ Mniszech Georg Graf v., Rue Balzac. 22 . . Paris. 

„ „ Möbius Dr. Karl, Prof. an der Universität . . Kiel. 

„ „ Moeschier Heinr. B., Bes. d. Kronförstchen b. Bautzen. 

„ „ Moesta Dr. Friedr., an d. Sternwarte, Chile . Santiago. 

„ „ Möhl Dr. H., Director d. Ver. f. Naturkunde . Cassel. 

„ „ Mohnike Dr. 0. G., Gesundheitsoffic, Java . Surabaja. 

„ ,, Möller J. D., bei Hamburg Wedel. 

„ „ More A. G. Esq., royal Dublin society (Stdch.) Dublin. 

„ „ Moore Thora. J., F. L. Ph. S. Cur. a. Derby Mus. Liverpool. 

„ „ Moquin-Tandon Dr. G., Prof. a. d. faculte d. sc. Besan9on. 

„ „ Morawitz Aug., Cust. d. ent. Abth. d. zool. Mus. St. Petersburg. 

„ „ Morawitz Dr. Ferd., Wosnessensky-Prosp. 33 . St. Petersburg. 

„ „ Morren Ed., Prof. und Director d. belg. hört. . Lüttich. 

„ „ Mosling Svend, Adjunct an der Realschule . . Trondhjera. 

„ „ Motta Dr. Maia, Prof. der med. Facultät . . . Rio Janeiro. 

„ „ Mousson Alb., Professor, Zeltweg Zürich. 

„ „ Müller Albert, Grenzacherstr. 72 Basel. 

„ „ Müller Ernst, pr. Schlesien bei Nanislau . . . Mittel- Wilkau. 

„ „ Müller Baron Dr. Ferdinand, Direct. d. bot. Gart. Melbourne. 

„ „ Müller Dr. Hermann, Oberlehrer, Westphalen . Lippstadt. 

„ „ Müller Dr. Karl, Barfüsserstr. 8 Halle a/S. 

„ Müller Karl, Rector a. d. lat. Schule .... Trondhjem. 

„ „ Müller Dr. N. J., Prof. d. Forst.-Akademie . . Minden. 

„ „ Mulsant E., Stadtbibliothekar Lyon. 

„ Naegeli Dr. Heinrich, prakt. Arzt Rio de Janeiro 

;; „ Nägeli Dr. Karl, Prof. d. Bot. a. d. Univers. . München. 

„ „ Naumann Alexander, Sachsen Zittau. 

„ „ Neubauer Joh., S. J. Nordwood, Australien . Adelaide. 

„ „ Nietschke Dr. Theod., Westphalen Münster. 

„ „ No erdling er D. H., p. Ob.-Forstrath, Professor Hohenheim. 

„ „ Nolcken Baron J. H. W., Ins. Oesel b. Riga . Pichtendal. 

„ „ Nylander Dr. Wilhelm Paris. 

„ „ Oehl E., Dr. d. Med., am Collegium Ghislieri . Pavia. 

„ Ornstein Dr. Bernard, Chefarzt d. gr. Armee . Athen. 

„ „ Osten-Sacken Karl Robert, Freih. v., Wredeplatz Heidelberg. 

„ „ OulianiniB., Soc. des amis d. nat. (p. H. L. Kittler) Moskau. 

„ „ Owen Richard, Esq., Prof., brit. Museum . . . London. 

„ „ Packard Dr. A. S., Prof. Brown Univers. . . Salem. 

„ „ Pancic Dr. Josef, Prof. d. Naturg. d. Hochschule Belgrad. 

„ „ Pardozy Saströn, Senor Don Castellote. 

„ „ Pas quäle Josef, Prof. Strada anticilia 13 . . Neapel. 

p „ Passerini Dr. Giovan., Prof. d. Bot. Univ. . . Parma. 



XXII 



Mitglieder. 



340 P. T. Herr Patze C. A., Stadtrath und Apotheker .... Königsberg. 

„ „ Pauls en Don Ferd., Chile Santiago. 

„ „ Pavesi Dr. Peter, Professor am Lyceum . . . Lugano. 

„ „ P er ez Areas, Don Laur., Prof. der Zoologie . Madrid. 

„ „ Perty Dr. Max, Professor Bern. 

„ „ Peters Dr. Carl W., Prof. u. Dir. a. zool. Mus. Berlin. 

„ „ Peters Wilhelm, b. A. Hirschwald. Buchh. . . Berlin. 

„ Pfeffer Dr. W. Prof. d. Botanik Tübingen. 

„ „ P fitz er Dr. Ernst, Prof. d. Botanik .... Heidelberg. 

„ „ Philippi Dr. E. A., Prof. und Direct. a. Museum Santiago. 

350 „ „ Pirazzoli Eduard, k. Major a. D Imola. 

„ „ Prantl Dr. Karl, Prof. der Botanik Forstlehr. . Aschaffenburg. 

„ „ Preadhomme de Borre Alfred, Secr. soc. ent. Brüssel. 

„ „ Pringsheim Dr. N., Prof. Bendlestr. 13 (W.) . Berlin. 

„ „ Purchas Arth., G. Rever Aukland. 

„ „ Puton Dr. A., departement Vosges Remiremont. 

„ „ Puxty VV. C, Lehrer a. Erdington Orphanage . Birmingham. 

„ „ Kabenhorst Dr. Ludwig Meissen. 

„ „ Radde Dr. Gustav, Staatsrath, Direct. des k. Mus. Tiflis. 

„ „ Radlkofer D. Ludw., Prof. d. Bot. a. d. Univ. München. 

360 „ „ Ransonnet Eug., Freih. k. k. Leg.- Secr. a. D. München. 

„ „ Rasch Halvor H., Professor Christiania. 

„ „ Raskovich Michael, Prof. an der Hochschule . Belgrad. 

„ „ Reess Dr. Max, Prof. d. Botanik a. d. Univers. Erlangen. 

„ „ Regel Dr. Eduard, Direct. d. k. botan. Gartens Petersburg. 

„ „ Rehm Dr. H., k. Gerichtsarzt Regensburg. 

„ „ ReinhardDr. Her., Ob. -Med. -Rath, Johannisg. 14 Dresden. 

„ „ Reinhardt Joh. T., k. Professor Kopenhagen. 

„ „ Reinhardt Dr. Otto, Ob. -Lehr., Oranienstrasse 45 Berlin. 

„ „ Renard Dr. Carl v., Vicepräsidentd. nat.jGesellsch. Moskau. 

370 „ „ Ribbe Heinrich, Naturalist. Blasewitz bei. . . Dresden. 

„ „ Richiardi Dr. Sebast., Prof. d. Naturg. d. Univ. Bologna. 

„ „ Roberts Dr. Alfred, Esq Sidney. 

„ „ Robertson David, 4, Regent Park terrace . . Glasgow. 

„ „ Roffiaen Francois, Vicepräs. d. malac. Gesellsch. Brüssel. 

„ „ Röder Victor von, Oekonom, Herzogth. Anhalt Hoym. 

„ „ Römer Dr. Ferd., Prof. an der Universität . . Breslau. 

„ „ Roretz D. Alb. v., Hospital-Director Japan (Horn) Nagoja. 

„ „ Rosenhauer Dr. W. G., Professor Erlangen. 

„ „ Rösler Dr. Carl Friedr. Herrn., Professor. . . Rostock. 

380 „ „ Ross D. Milton, AI. Esq. Canada Toronto. 

„ „ Rüppel Dr. M. Ed Frankfurt a. M. 

„ „ Rütimeyer-Frankhausen Karl L., Prof. . . Basel. 

; > „ Rutot A., p. Staatsbahn-Ingenieur Brüssel. 



Mitglieder. 



XXIII 



P. T. Herr Saccardo Pier Andrea, Prof. d. Botanik . . Padua. 

„ „ Sachsl Leopold, k. u. k. Vice-Consul .... Phillipopel. 

„ „ Sadebeck Dr. Rieb., Prof., Ober-Bergfelde 16a Hamburg. 

„ „ S an db erger Dr. Fridolin, Prof. d. Mineralogie Würzburg. 

* „ Sander Dr. Julius, Arzt a. der Charite . . . Berlin. 

„ „ Sars Dr. G. Ossian, Professor Christiania. 

„ „ Saunders Sidney Smith Sir, Gatstone . . London (SE.) 

„ „ Saussure Henri de, City 24, Tertasse . . . Genf. 

„ „ Schäffer Ignaz Ritter v., k. u. k. General -Consul Alexandrien. 

„ „ Schaufuss L. W., Naturalist, bei Dresden . . Ob. -Blasewitz. 

„ „ Schenk Dr. A., p. Hofrath und Prof. d. Botanik Leipzig. 

„ „ Schieferdecker, Dr. der Med., Sanitätsrath . Königsberg. 

„ „ Schierbrand Curt Wolf v., 2. I. Johannisplatz Dresden. 

„ „ Schiff Dr. Moriz, Prof. a. d. Hochschule . . Florenz. 

„ „ Schilling Hugo, Naturalist Hamburg. 

„ „ Schimper Dr. W. Ph., Professor Strassburg. 

„ „ Schiödte J. C, Prof. u. Custos am k. Museum Kopenhagen. 

„ „ Schlegel Hermann, Direct. des zool. Museums Leyden. 

„ Schliephake Dr. K., Fab.-Dir., Thür. b. Osterfeld Waldau. 

„ „ Schmeltz J. D. E., Custos am Mus. Godeffroy Hamburg. 

„ „ Schmid Anton, Privat Regensburg. 

„ „ Schmid Dr. J. F. Julius, Dir. d. Sternwarte . Athen. 

„ „ Schmitz Dr. Friedrich, Docent d. Botanik Univ. Halle a/S. 

„ „ Schnabl Dr. Johann, Krakauer Vorstadt 81 . Warschau. 

„ Schneider W. G., Dr. Phil Breslau. 

„ „ Schnitzer Dr. Sanitätsarzt, Albanien .... Antivari. 

„ „ Schroeter Dr. J., k. Oberstabsarzt Rastatt. 

„ „ Schübler Dr. Christ. Fried., Dir. d. bot. Gart. Christiania. 

„ „ Schüch Dr. G. de Capanema, Professor, geh. Rath Rio de Janeiro. 

,, „ Schwager Conrad, k. Geolog, Marsstrasse 37 . München. 

„ „ Schweinfurt Dr. Georg, Professor Cairo. 

„ „ Sclater Ph. Luttley, Secr. zool. Soc. Hannov. Sq. London. 

„ „ Scott John, 37, Manor Grove Lee London (SE.) 

„ „ Scott Robert Henry v., Scr. R. geol. S. of Irl. Dublin. 

„ „ Seebold Tb., Ingenieur (b. Krupp) Bilbao. 

„ „ Segeth Carl Dr., Arzt, Chile Santiago. 

„ „ Seidel C. F., Seminarstrasse 6 Dresden. 

„ „ Seidlitz Dr. Georg, Docent d. Anat. a. der Univ. Königsberg. 

„ „ Selys Longchamps Bar. de, Sen., Mitgl. d. Akad. Liege. 

„ „ Semper Georg, van der Schmissen-Allee 5 . . Altona. 

„ „ Semper Dr. Carl, Prof. an der k. Universität . Würzburg. 

„ „ Seoane Lopez Dr. Victor, Advocat, Span. Gahz. Coruna. 

„ Sharp ey Will., 33 Woburn PL, Rüssel Sq. 80 London. 

n Siebold Dr. Theod. v., k. Hofr., Prof., Karlstr. 1 München. 



XXIV 



Mitglieder. 



P. T. Herr Sign or et Dr. Victor, Rue de Rennes 46 . . . Paris. 

„ „ Simonsen Carl Ludw., Adj. an der Realsch. . Trondhjem. 

430 „ „ Skinner Maj., Grosvenor Place England . . . Bath. 

„ Frau Smith Anna M. (p. Kendler), Road Clifton . . Bristol. 

„ Herr Snellen v. Vollenhofen Dr. J. S Haag. 

„ „ Sodiro P. Alois S. J., Prof. d. Bot, Ecuador . Quito. 

„ „ Sonst C. G., Fabriksbes., grüner Deich 77 . . Hamburg. 

„ „ Solms-La ubach Dr. Her. Graf, Prof. d. Bot. Göttingen. 

„ „ Sousa Jose Augusto de, am Museum zu . . . Lissabon. 

„ Frau Soutzo Marie Fürstin, Durchl., Moldau . . . Henzeschti. 

„ Herr Spängberg Dr. Jacob, Docent der Universität . Upsala. 

„ „ Speyer Adolf, Dr., Hofrath, Fürstenthum Waldeck Rhoden. 

440 „ „ Speyer August, Fürstenthum Waldeck . . . Arolsen. 

„ „ Staes Cölestin D., Rae de deux e'glises, 28 . . Brüssel. 

„ „ Stainton Henry, Mountsfield Lewisham bei. . London (SE.). 

„ „ Stangenwald Dr. Hugo, Sandwichs-Ins. . . Honolulu. 

„ „ Staudinger Dr. Otto, Villa Diana bei Dresden Blasewitz. 

„ „ Stearns Robert E. C S. Francisco. 

„ „ Steenstrup Dr. J. Japetus Sm., Museal-Director Kopenhagen. 

„ „ Steiner Leon v., Dr. d. Med Bukarest. 

„ „ Stier Ii n Gustav, Dr. d. Med SchafThausen. 

„ „ St oll Dr. Franz, Arzt im deutschen Spitale . . Constantinopel. 

450 „ „ Strassburger Dr., Prof. d. Bot. a. d. Univers. Jena. 

„ „ Strobel Pelegrino v., Univers. -Prof. .... Parma. 

„ „ S tu der Dr. Bernhard, Professor, Inselg. 132 . Bern. 

„ „ Sullivant William S., Nordamerika, Ohio . . Columbus. 

„ „ S uringar Dr. W. F. R., Rector Leyden. 

„ „ Syracusa Padre Giuseppe, Sup., Insel Tinos . Lutro. 

„ „ TaczanowskyL., Conservator am Museum . Warschau. 

„ „ Targioni-Tozzetti Cav. Adolf, Univ.-Prof. . Florenz. 

„ r Terracciano Dr. Nicolo, Dir. d. k. Gart, zu . Caserta. 

„ „ Thomas Dr. Friedr., herzogl. Professor b. Gotha OhrdrufF. 

460 „ „ T h o m s e n Allen, Prof., 3 College Court., High Str. Glasgow. 

„ „ Thorell Dr. Tamerlan, Prof. a. d. Universität . Upsala. 

„ „ Tischbein, k. Ober-Forstmeister Eutin. 

„ „ Todaro Agostino, Prof., Dir. d. bot. Gartens . Palermo. 

„ „ Trail Dr. Jam.H.W., Univ.-Prof. d. Bot, Schottld. Aberdeen. 

„ Troschel Dr. F. W., Prof. a. d. Universität . Bonn. 

„ „ Turner Wil., M. B., Univ.-Prof. d. Anat . . Edinburgh. 

„ „ Tyermann John S., England Falmouth. 

„ „ Ungern-SternbergDr. Franz Freih. v., Prof. Dorpat. 

„ „ Urban Dr. J., 1. Assist, a.bot. Garten, Potsdstr. 750 Berlin (W.). 

470 „ „ Uricoechea D. Ezecb., Präs. d. naturw. Ges. . St. Fe de Bogota. 

„ „ Uechtritz R, v., Klostergasse 1, e. . f . . Breslau. 



Mitglieder. 



XXV 



P. T. Herr Verrall 0. H., Friars Cottage, England, Sussex Lewes. 

„ „ Veth Moritz, Fabriksbesitzer, Fürstenth. Reuss . Gera. 

„ „ Vincent G., Conservator a. naturhist. Museum Brüssel. 

„ „ Vitorchiano P. Angelico da, apost. Missionär. Tinos. 

„ „ Vogt Karl, Professor Genf. 

B „ Volger Dr. Otto, Professor Frankfurt a. M. 

„ „ Vullers Dr. D., Univ.-Prof. u. geh. Studienrath Giessen. 

„ „ Wallace Alfred, Rüssel Esq., Rosehill .... London. 

„ „ Waltl Dr., Professor Passau. 

„ „ WarmingDr. Eugen, Universitäts-Professor . Kopenhagen. 

„ „ Weddel Hektor A Poitiers. 

„ „ Weinland Dr. Fr., Württemberg Esslingen. 

„ „ Weisbach Dr. August, k. k. Regiments-Arzt am 

öst.-ung. Nat.- Spital (Galatha Serai) .... Constantinopel. 

„ „ Weissflog Eugen, Strehlener-Strasse 7. . . . Dresden. 

„ „ Wenzel Hugo, k. Schulinspect. Kröben, Posen . Rawitsch. 

„ „ West Tuffen London. 

„ „ Westerl und Dr. Karl Agardh, Schweden . . Ronneby. 

„ „ Westwood John Obadiah, Prof. a. d. Universität Oxford. 

n « Weyers Josef Leopold, rue des fripieres 24 . Brüssel. 

„ „ Wilde Sir Will., Vice-Präs. of the Irish Acad. Dublin. 

„ „ Winkler Moriz, bei Neisse Giesmannsdorf. 

„ „ Winnertz Johann, Kaufmann Crefeld. 

„ „ Wocke Dr. M. T., Klosterstrasse 87b. . . . Breslau. 

„ „ Wood-MasonJ. Esq., Curator Ind. Museum . Calcutta. 

„ Wright Dr. Percival Prof. d. Bot. Trinity Coli. Dublin. 

„ „ Zaddach G., Prof. d. Zool. und Mus.-Director . Königsberg. 

„ „ Zell er P. C, Professor, Grünhof nächst . . . Stettin. 

„ „ Zi ckendrath Dr. Ernst, Chemik.d.b. Anilinfabrik Moskau. 

„ „ Zimmermann Dr. Her., Bürgerschul-Lehrer . Limburg a/L. 

„ „ Zirigovich Jakob, k. u. k. Vice-Consul . . . Adrianopel. 

„ r Zwiedinek- Südenhorst Jul., Ritter von, k. und 

k. General-Consul .... Bukarest 



Z. ß. Ges. B. XXIX. 



Mitglieder. 



Mitglieder im Inlande. 



Herr Aberle Dr. Carl, k. k. Prof. und Reg.-Rath . Salzburg. 

n Adamovic Vincenz, Bürgerschul-Director . . Ragusa. 

„ Aichelburg Graf Raphael Wien. 

„ Altenberg Felic., Apoth., V., Margarethenstr. 75 Wien. 

„ Ambrosi Franz, Bibliothekar Trient. 

„ Anker Rudolf, Christ.-St., L, Fabriksgasse 155 Buda-Pest. 

„ Antoine Franz, k. k. Hofgarten-Director . . . Wien. 

„ Arenstein Dr. Josef, Gutsbesitzer Gloggnitz. 

„ Am eth Alfr. v., k. Dir. d. geh. Staatsarchives . Wien. 

„ Arnhart Ludwig, Volksschul-Lehrer, Steiermark Pettau. 

n Äusserer Dr. Anton, Prof. a. I. k. k. Staatsgymn. Graz. 

„ Äusserer Carl, k. k. Professor Wien. 

„ Aust Carl, k. k. Auskultant, III., Schützeng. 8 . Wien. 

„ Bachinger Aug., Prof. Land. -Real-Gymn., N.-Oe. Horn. 

„ Bachinger Isid., stud. phil., Sparcassag. 2 . . Krems a/D. 

„ Bacho fen Adolf von Echt, Bürgermeister, Nr. 68 Nussdorf. 



„ Badini Graf Frz. Jos., k. k. Telegr. -Assist., Dalm. S. Pietro d. Brazza 

„ Baeumler Johann A., Dürrmauththor 96 . . . Pressburg. 

„ Barbieux August, Fabriksb., Rothenthurmstr. 18 Wien. 

„ Barts ch Franz, k.k.Fin.-Ob.-Comm., III. Salmg. 14 Wien. 

„ Bartscht Ambros, k. k. Offic, Hauptstr. 40. II. Hernais. 

„ Becke Friedr., Assist, d. Mineral., IL, Weberg. Wien. 

„ Be ckDr. Günther, Assist. a.bot.Hofkab-Herreng.14 Währing. 

n Benda Franz, Hochw., Bürgersch.-Director. VIII Wien. 

n Benkovic Ignaz, Pfarr., Croatien, P. Kfasic . Sipak. 

„ Berger Emil, Stud., Gonzagag. 5. II Wien. 

„ BergnerEd.,k.k.j. Ob. -Ldgchtsr., Beethovenstr.il Graz. 

„ Bergenstamm J. 9 Edl. von, IL, Tempelg. 8 . . Wien. 

„ B ermann Josef, Kunsthändl. Gartenbauges. -Geb. Wien. 

n BernfussGregor, Hochw., Coop.,P.Kapelln N.-Oe. Jeutendorf. 

„ Betzwar Dr. Anton, Secund. i. allg. Krankenhaus Wien. 

„ Biasioli Carl, Drd. phil., Erlerstrasse 7 . . . Innsbruck. 

„ B i e s o k Dr. Georg, Prof. am k. k. Gymnas., Mähren Strassnitz. 

„ Bilimek Dominik, Custos des k. k. Museum . Miramare. 

„ Bisching Anton, Ob.-Realschul-Prof., Wiedeu . Wien. 

n BittnerDr.Alex.,Geolog,ob.Weissgärberstr.l4IL3 Wien. 



Mitglieder. 



XXVII 



P. T. Herr Blasig Josef, Professor, Küstenland Roncho. 

„ „ Boehm Dr. Josef, k. k. Professor der Botanik 

an der Universität, Reiterg. 17 Wien. 

„ „ Bohatsch Albert, IL, Schreigasse 6 . . . . Wien. 

10 „ Bohatsch Otto, V., Ziegelofengasse 3 . . . . Wien. 

„ ., Boll er Adolf, Nieder- Oesterr Lilienfeld. 

„ „ Boschan Dr. Friedrich, Dominik.-Bastei 5 . . Wien. 

„ ., Brauer Dr. Friedrich, Custos am k. k, zool. Hof- 

cabinet u. Prof. d. Zool. an d. Univ., Wollzeile 23 Wien. 

„ „ Braun Ernst, Dr. med., Kohlmarkt 11 . . . . Wien. 

„ ,, Braun Heinrich, Chemiker, III., Hauptstrasse 8 Wien. 

„ „ Breidler J., Architekt, obere Weissgärberstr. 15 Wien. 

„ „ Breindl Alfred, Stationschef der Südbahn . . Nabresina. 

„ „ Breitenlohner Dr. J., Prof.d. Hochsch. f. Bdkltr. Wien. 

„ „ Brestl Dr. Rudolf, Excellenz Wien. 

50 „ „ Breunig Dr. Ferd., Prof. am Schott.-Gymnasium Wien. 

„ „ Bruck Otto, Freih. v., b. österr. Lloyd . . . Triest. 

„ „ Brunuer v. Wattenwyl, Carl, k. k. Minist.- 

Rath im Handelsminist., Theresianumg. 25 . Wien. 

„ „ Brunner Franz, Südbahn-Beamter Wien. 

„ „ Brusina Spiridion, Prof, u. Custos a. Nat.-Museum Agram. 

„ „ Bryck Dr. Anton, Prof. d. Chir., Grodgasse 88. Krakau. 

„ „ Buchmüller Ferdinand, Privat, VII., Burgg. 108 Wien. 

„ „ Bunz Franz, Hochw., k. k. Feldcapl., p. Nabresina Come'n. 

* ,, Burger stein Dr. Alfred, Gymn.-Prof.,IX.,Hörlg.l5 Wien. 

„ „ Buric Friedr., Curat.-Caplan nächst Ragusa . . Brgat. 

60 „ „ Busenlechner Hanns, Dr. med., Pichlerg. 1 . Hernais. 

„ „ Cassian Joh. Ritt, v., Dir. d. Dampfschiff-Ges. Wien. 

„ Celerin Dominik, Mag. Pharm., I., Operngasse Wien. 

„ Chimani Dr.Ernstv., k. k. Stabs-Arzt, Rennweg Wien. 

„ Chimani Carl, Expecl.-Dir. k. k. Obersthof.-Amt Wien. 

„ Christen Severin, P. Hochw., Gym. -Prof. Kärnt. St. Paul. 

„ „ Chy zer Dr. Cornel, k. Physikus, Zempliner Com. S. a. Ujehely. 

„ Claus Dr. Karl, k.k. Prof. d. Zool., Schttrg. 24 Wien. 

„ „ Colloredo-Mannsfeld, Fürst Josef zu, Durchl. Wien. 

„ „ Conrad Sigmund, Hochw., Wieden, Hauptstr. 79 Wien. 

70 „ „ Csatö Joh. v., Gutsbes. u. Vicegespann Siebenb. Nagy-Enyed. 

„ „ C seil ei Gustav, erzherzogl. Oek. -Beamter . . . Ung.-Altenburg. 

„ „ Cs o kor Dr. Johann, Adj. a. k. k. Thierarznei-Inst. Wien. 

» „ Cypers Victor Landrecy von, bei Hohenelbe . Böhm.-Harta. 

„ „ Czarnecki Johann, b. Lemberg, Galiz. . . . Podzancere. 

„ Czech Theod. v., Dr. d. M., Ungarn, Cm. Szolnok Tasnäd Szantö. 

„ „ Czermak Johann, Hochw., Gymnasial-Director, 

VIII., Piaristencollegium Wien. 



XXVIII 



Mitglieder. 



P. T. Herr Czoernig Carl, Freih. v., k. k. Ober-Finanz-Rath Triest. 

,, ., D all a Torr e Dr. Carl v., Prof., Meinhardtstr. 12 Innsbruck. 

„ „ Damianitsch Martin, k. k. p. Gen.- Auditor, 

I. Elisabethstr. 9 1 Wien. 

80 „ „ Dautwitz Friedrich, k. k. Hofbau -Verwalter . . Schönbrunn. 

„ „ Demi Dr. Arnold, Hauptstrasse 3 HietziDg. 

„ ,, Deschmann Carl v., Custos am Landes-Museum Laibach. 

„ „ De decek Josef, Prof. d. Realschule, Karolinenthal Prag. 

„ „ Dewoletzky Rudolf, Stud. phil, IX., Wasag. 26 Wien. 

„ „ Doblhoff Josef Freiherr v., L, Weihburgg. 26 Wien. 

„ „ Doli Eduard, Realschul-Direct. I., Ballgasse 6 . Wien. 

„ „ Dörfler Ignaz, k. k. Revid. d. F.- u. Dom.-Direct. Gmunden. 

„ „ Dorfinger Johann, bei Wien Nr. 28 ... . Salmannsdorf. 

„ „ Dorfmei ster Georg, Ober-Ing. d. k. k. Ld.-Baud. Graz. 

90 „ „ Dorfme ister Vincenz, IX., Nussdorferstr. 25 . Wien. 

„ „ Dräsche Ritt. v. Wartinberg Heinr., I., Opernring Wien. 

n r> Dräsche Dr. Richard Ritt. v. Wartinberg . . Wien. 

„ „ Dürr Julius, Handelsgärtner ....... Laibach. 

„ „ Dziednszycki Graf Wladimir, Franziskanerpl. 45 Lemberg. 

„ „ Eberstaller Josef, Kaufmann Kremsmünster. 

„ „ Eberwein Josef, Ingenieur Wien. 

„ „ Ebner Dr. Victor v., k. k. Univ.-Professor . . Graz. 

„ „ Eck hei Georg v., Grosshändler, Via di Vienna 2 Triest. 

„ „ Effenberger Dr. Josef, prakt. Arzt .... Hietzing. 

100 „ „ Egger Graf Franz, Kärnten, am Längsee . . . Treibach. 

„ „ Egger Graf Gustar, Kärnten, P. Launsdorf . . St. Georgen. 

„ „ Eggerth Carl, Badeinhaber, VI., Dürrerg. 14 . Wien. 

„ „ Ehrenberg Herrn., Buchh., III., Apostelgasse 12 Wien. 

„ „ Eichler Wilh. Ritter v. Eichkron, k. k. Hofrath Wien. 

„ „ E mich Gustav v.Emöke,k.k.Truchsess,Franziskpl.7 Buda-Pest. 

„ End eres Dr. Carl Ritt, v., VIII., Florianig. 46 Wien. 

„ Frau End eres Aglaja v Wien. 

„ Herr Engerth Wilh. Freiher v., k. k. Hofrath, Direct. Wien. 
„ „ Entz Dr. Geza, Prof. d. Zool. a. d. Univers. . Klausenburg. 
110 „ r Erb Leopold, Lehramts-Cand., IV., Fleischmann- 
gasse 3 ' Wien. 

„ „ Erber Josef, Naturalienhändler, VIL, Sigmundsg. 9 Wien. 

„ „ Er ding er Carl, Hochw., Domherr und Canonicus St. Pölten. 

„ Etti Carl, III., Beatrixg. 16 Wien. 

„ Ettingshausen Dr. Const., Freih., k. k. Prof. Graz. 

„ „ Eysankv., Marienfels Moriz, Apotheker b. Wien Nussdorf. 

r „ Farmady P. Martinian, Hochw., Provincial . . Pressburg. 

„ Feichtinger Alex., Dr. d. Med., Stadt-Phys. . Gran. 

„ „ Feiller Franz v., Privat, VI., Kirchengasse 3 . Wien. 



Mitglieder. 



XXIX 



Herr Fekete Fidelis v., Kapuziner-Ordens-Quardian . Totis. 

„ Felder Dr. Cajetan Freih. v., I., Sehottengasse 1 Wien. 

„ Feuer Dr. David, Waiznerstrasse Buda-Pest. 

„ Fieber Dr. med. Friedrich, jl. Dorotheerg. 5 . Wien. 

„ Filiczky Theodor, Dr. der Med Oedenburg. 

„ Finger Julius, Sparkassebeamter, Hptstr. Nr. 68 Unter-Meidling. 

„ Fischbacher Alois, Cooperator, Weissgärber . Wien. 

„ Fischer Anton Ritt. v. Ankern, Elisabethstr. 12 Wien. 

„ Fitzner, fürstl. Reuss'scher Obergärtner, N.-Oe. Ernstbrunn. 

„ Fl atz Ernst, Hörer d. Hochsch. f. Bodenkultur, 

Marieng. 27 Ob.-Döbling. 

„ Fleischer Gottlieb, ev. Pfarrer, bei Leitomischl Sloupnice. 

„ Forster Dr. Leop., Prof. a. k. k. Thierarz. -Institute Wien. 

„ Förster J. B., Chemiker, X., Laaerstrasse 20 . Wien. 

„ Frank Dr. Johann, Advokat, Operngasse 8 . . Wien. 

„ Franz Carl, Dr. d. Med., Mähr. Post Zastawka Rossitz. 

„ Freyn Josef, Eisenbahn-Ingenieur Opocno. 

„ Friedrich Dr. Adolf, Apoth., Schönbrunnerstr. Fünfhaus. 

„ FriesachDr.Carl von,k. k.Prof.,Strassoldostr.900 Graz. 

„ F ritsch Anton, Dr. med., Cust. a. naturh. Museum Prag. 

„ Fritsch Josef, Privatier, Eichwaldthorstr. 16 . Teplitz. 

„ Frivaldszky Johann v., I. Custos am Nat.-Mus. Buda-Pest. 

„ Fruwirth Eduard, Eisenb.-Ingenieur,Baumbachstr. Linz. 

„ Fruwirth August, Gutsbesitzer, P. St. Pölten . Freiland. 

r Fuchs Franz, Lehrer, N.-Oe., an d. March . . Angern. 

„ Fuchs Josef, k. Rath, Landstr., Hptstr. 67 . . Wien. 

„ Fuchs Theodor, 1. Cust. a. k. k. Hofmin.-Cab. Wien. 

„ Fugger Eberh., Professor d. Ob. -Realschule . . Salzburg. 

„ Fuka Dr. Alois, k. k. Notar, N.-Oe. . . . . Waidhofen a./Ibs. 

„ Fürstenberg Friedr., Landgraf zu, Cardinal, Em. Olmütz. 

„ Fuss Michael, Pfarrer Herraannstadt. 

„ Gall Eduard v., erzherzogl. Secr., Favoritenstr. 18 Wien. 

„ Gassenbau er Mich. Edl.v., Controlor, Herrng. 13 Wien. 

„ Gastein er J., Bürgerschullehr., VI. Spörlingasse Wien. 

„ Gaunersdorfer Johann, Prof. d. Franc. -Joseph. Mödling. 

„ Gerlach Benjamin, Hochw., Dir. d. Gymn. . . Stuhlweissenburg. 

„ Giuriceo Nicolaus R. v., k. k. Ob.-Ldsger.-R. Zara. 

„ Glowacki Julius, Prof. a. Land. -Real-Gymnasium Pettau. 

„ G ob an z Alois, k. k. Forstverwalt., Fleimthal, Tirol Cavalese. 

„ Godeffroy Dr. Richard, Chem. des Apotheker- 
Vereins Wien. 

„ Goldschmidt Moriz, Ritt, v., Opernring 6 . . Wien. 

,. Gör lieh Cajetan, Ober-Lehrer d. Volksschule . Hainburg a/D. 

,, Göth Friedrich, Pharmaeeut, L, Am Hof 5 . . Wien. 



XXX 



Mitglieder, 



P. T. Herr Gr ab ach er Dr. Anton, k, k. Bezirksarzt . . . 

„ „ Grave Heinr., Civil-Ingen.. Fünfhaus, Blütheng. 7. 

n „ Gr äffe Dr. Eduard, Inspector d. k. k. zool. Station 

„ „ Gredler Vincenz, Hochw., Gymn.-Prof. u. Direct. 

„ Gremblich Julius, Hochw., Gymn.-Prof., Tirol 

„ „ G r im u s Carl R.v. Grimburg, k.k. Realseh. -Profess. 

„ „ Grobben Dr. Carl, Universitäts - Docent, VIII., 

Laudong. 10 

„ „ Grunow Albert, Chemik. d. Metallwfab. N.-Oe. 

„ „ Grzegorzek Dr. Adalb., Hochw., Probst . . . 

170 „ „ Guckler Josef, Prof. a. Neust. Gym. Smichov 410 

» „ Gugler Josef, Gyran. -Professor, VIII., Ledererg. 8 

„ „ Guppenberger Lambert, Hoch., Gym. -Prof. . 

„ „ Guth Franz Serf., e. Rector, VIII., Piaristen-Convict 

n n Haberhauer Josef, Naturalist, Arpädg. 26 . . 

„ „ Haberlandt Gottl., Dr. phil. VIII., Löwenbgg. 2 

„ „ Haberler Frz. Ritter v., Dr. Jur., Bauernmarkt 1 

„ „ Hackel Eduard, k. k. Gymnasial-Professor . . 

n „ Hacker P. Leopold, Hochw., Pfarrer, Nd,-Oe. . 

„ „ Hackspiel Dr. Jos., k. k. Gym. -Dir. Altstadt . 

180 „ ,, Hagenauer Franz, Bäckerstr. 4 . . . . . . 

„ „ Haider Dr. Job., k. k. Stabs- Arzt, Böhmen . . 

» „ Haim hoffen Gustav Ritter Haim v., Director des 

k. k. Minist. -Zahlamtes, VIII., Florianig. 2 

n „ Halacsy Eugen, Dr. med., Neubang. 80 . . . 

* „ Haller Karl, Dr. med., k. k. Regierungsrath 

„ „ Hampe Clemens, Dr. d. M., Herrengasse 6 . . 

n „ Handtke Robert, Prof. des Land. Proseminar . 

„ ji Hanel Alois, Dechant, Böhmen 

n „ Hanf Blasius, Hochw., Pfarrer, P.Neurnarkt Ob. -St. 

n „ Hantken Max, R. v. Prudnik, Prof., Hochstr. 5 

190 „ „ Hardegg Carl, p. k. k. Militär-Arzt, Neug. 169 

„ „ Harner Dr. Ignaz, k. k. Regim.-Arzt 22. Inf.-Reg. 

n „ Hartinger August, Hof-Chromolithograpb, VI., 

Mariahilferstrasse 49 

n n Haszlinski Friedr., Prof. d. Naturgeschichte . 

„ „ Hatschek Dr. Berthold, Docent a. d. Universität 

„ „ Hauer Franz R. v., k. k. Minist.-Rath, Dir. d. 

geolog. Reichsanstalt, III., Canovagasse 7 . . 

„ „ Hauck F., k. k. Telegraf.-Beamt., Via Rosetti 229 

„ „ Hayek Gustav v., Gym.-Prof., IH., Marokkanerg. 3 

„ » Haynald Dr. Ludwig, Cardinal-Erzbischof,Excell. 

„ „ Heger Rudolf, Apotheker, Galizien P. Przeworsk 

200 „ „ Heidmann Alberik, Hochw., Abt des Stiftes . 



Krems. 

Wien. 

Triest. 

Bozen. 

Hall. 

Bozen. 



Wien. 

Berndorf. 

Bochnia. 

Prag. 

Wien. 

Kremsmünster 
Wien. 

Fünfkirchen. 
Wien. 
Wien. 
St. Pölten. 
St.Veita/d.Gölsen. 
Prag. 
Wien. 

Theresienstadt. 

Wien. 

Wien. 

Wien. 

Wien. 

St. Pölten. 

Saaz. 

Mariahof. 

Buda-Pest. 

Graz. 

Spalato. 

Wien. 

Eperies. 

Wien. 

Wien. 

Triest. 

Wien. 

Kalocsa. 

Kanczuga. 

Lilienfeld. 



Mitglieder. 



XXXi 



P. T. Herr Heimerl Anton, Assistent d. techn. Hochschule 

„ „ Hein Isidor, Dr. d. M., IX., Nussdorferstr. 39 . 

„ r Hein ze Hermann, k. k. LinienschirTslieutn. I. Cl. 

„ „ Heinzel Ludwig, Dr. d. Med., VII., Kircheng. 3 

„ r Heiser Josef, Eisenwaaren-Fabriksbesitzer N.-Oe. 

„ „ He lfert Dr. Josef Alex. Freih. v., geh. Rath, Exc. 

„ „ Heller Dr. Camill, k. k. Prof. d. Zool. Universität 

„ Heller Karl, k. k. Gym.-Prof., Unt. Alleeg. 30 

„ „ Hepperger Dr. Karl v 

„ „ He r man Otto v., Custos-Adj. k. naturh. Museum 

« Herold Moriz, Prof., III., Barichg. 18 ... 

„ „ Hetschko Alfred, Prof. d. Lehrerbildungsanstalt 

„ „ Hibsch Josef E., Prof. d. deutschen Oberrealsch. 

„ „ Hinterhub er Julius, Apotheker 

„ „ Hinterwaldner J.M., Gym.-Prof., IL, Taborstr. 89 

„ „ Hirn er Josef, Kaufmann, VI., Nelkengasse 2 

„ „ Hitschmann Hugo, Redacteur der landwirth- 
schaftlichen Zeitg., Dominikaner-Bastei 4 . . 

„ „ Hizdeu B. v., Realitäten-Besitzer b. Wien . . 

„ „ Ho dek Eduard, Präparator, Mariahilferstrasse 51 

„ „ Hoefer Franz, .Oberlehrer d. Bürgerschule . . 

„ „ Hoehnel Franz v., Assist, d. k. k. Hoch. f. Bodk. 

„ „ Hoernes Dr. Rudolf, Prof. d. Geologie, Univers. 

„ „ Hoffmann Aug. v. Vestenhof, k. k. Oberlieut. 

14. Inf.-Reg 

„ „ Hof m eis ter Wenz.,Contr.d.k.k.Punz.-Amt. 930/1. 

„ Hohenbühel Lud. Frh., p. k. k Sect.-Chef, Tirol 

„ „ Ho hen brück Arthur Freiherr v., Sectionsrath 

im k. k. Ackerbauministerium 

„ „ Holz hausen Adolf, Buchdr.-Bes., VII., Breiteg. 8 

„ „ Holzinger Dr. jur. Josef B., Advocat, Realschlg. 6 

„ „ Holuby Jos. Ludw., ev. Pfarr., Post Väg-Ujhely 

„ „ Hormuzaki Constantin von, Untere Herrengasse 

„ „ Hornung Carl, Apotheker, Siebenbürgen . . . 

„ „ Horvät Sigmund, Hochw., Prof. d. Mathematik 

„ „ Horväth Dr. Geyzav., Bez.-Arzi, Zempl. Com. . 

„ „ Hoyos Graf Ludwig, k. k. Rittm., Maifredig. 10 

„ „ Hub er Eduard, Dr. Med., I., Bräunerstr. 5 . . 

„ „ Huter Rupert, Hochw., Cooperator, Tirol . . . 

„ „ Hutten-Klingenstein, Moriz v., k. k. Ritt- 
meister a-. D., Neut. Com. b. Gross- Tapolcsan 

„ Hy rtl Dr. Josef, k. k. Hofr., Prof. i. P., Kircheng. 2 

„ „ Jablonsky Vincenz, Gymnas. -Professor . . . 

,. ,. Jachno Dr. Johaun, Hauptlehrer a. Seminar, Galiz. 



Wien. 
Wien. 
Pola. 
Wien. 
Gaming. 
Wien. 
Innsbruck. 
Wien. 
Bozen. 
Buda-Pest. 
Wien. 
Bielitz. 
Pilsen. 
Salzburg. 
Wien. 
Wien. 

Wien. 

Hacking. 

Wien. 

Bruck a/L. 

Mariabrunn. 

Graz. 

Wien. 
Prag. 
Hall. 

Wien. 
Wien. 
Graz. 

Nemes-Podhrad. 

Czernowitz. 

Kronstadt. 

Erlau. 

Varano. 

Graz. 

Wien. 

Sterzing. 

Gross-Bossän. 
Perchtoldsdorf. 
Krakau. 
Stanislau. 



XXXII 



Mitglieder. 



P. T. Herr J eittelesLudw.,k.k. Prof., III., Salesianerg. 25/111 Wien. 

Jermy Gust., Prof. der Naturg. am Gymnasium Szepes-Iglo. 

Joas Johann, P. Hochw., Pfarrer, Kärnten . . Eberstein. 

Junovicz Rudolf, k. k. Gymnasial-Professor . . Czernowitz. 

Juränyi Dr. Ludwig, Univ.-Professor d. Botanik Buda-Pest. 

Just Benedikt, III., Krüglgasse 15 Wien. 

Kalchbrenner Carl, Pastor, i. d. Zips . . . Wallendorf. 

Kapeller Ludwig, Mechaniker, Wied. Freihaus Wien. 

Karl Dr. Joh., Adjunct a. ung. Nat.-Museum . Buda-Pest. 

Karrer Felix, k. k. Beamter i. P Döbling. 

Kaspar Rudolf, Hochw. Dechant, b. Hullein, Mähr. Holeschau. 

Kaufmann Josef, IV., Neumanngasse 5 . . . Wien. 

Kempf Heinr., Lehramtscand., Alleeg. 8, b. Wien Ober-Döbling. 

K e r n e r Dr. Ant., Ritter v. Marilaun, Prof. der Bot. Wien. 

K e r n e r Josef, k. k. Landesgerichtsrath, Alleestr.21 Krems. 

Kinsky Ferdinand Fürst, Durchlaucht .... Wien. 

K i s p a t i c Michael, Prof. d. Naturg. a. d.Ob.-Realsch. Agram. 

Kittel August, pract. Arzt, N.-Oe Markg. Neusiedl. 

Kittel Dr. Med. Franz, bei Wittingau .... Platz. 

Klecak Blasius, k. k. Bzk.-Commissär, Dalm. . Lesina. 

Klein Julius, Prof. d. Botanik, Josefs-Polytechn. Buda-Pest. 

Klemm Josef, Buchhändler, hoher Markt 1 . . Wien. 

Knapp Josef Arm., Custos d. Apothekervereines Wien. 

Knau er Dr. Blasius, k. k. Gymn.-Prof., Albertg. 23 Wien. 

Knau er Dr. Friedr. Karl, Karl-Ludwigstrasse . Währing. 

Knöpf ler Dr. Wilhelm, k. Kreisarzt .... Maros- Väsärhely. 

Koch Dr. Adolf, Gymn.-Prof., VIII., Langeg. 12 Wien. 

Kodermann Cölestin, Hochw., St.-Hofmeister . St. Lambrecht. 

Koelbel Carl, Assist, a. zool. Hofe, Wasag. 28 Wien. 

Kolazy Josef, k. k. Min.-Official, Kaunitzg. 6/b Wien. 

Kolbe Carl, stud. jur., V., Margarethenstr. 31 . Wien. 

Kolombatovic Georg, k. k. Prof. d. Ob. -Realschule Spalato. 

Körners Carl, Kastner, Ungv. Com., P. Csap . Salamon. 

Königswarter Moriz, Freiherr von .... Wien. 

Kopecky Josef, k. k. Gymnas. -Professor . . . Pisek. 

Körle wie Anton, Lehrer am croat. Ober-Gymn. Fiume. 

Kornhuber Dr. Andr., k. k. Prof. d. Technik . Wien. 

Kotschy Dr. Eduard, Advocat, Gemeindeg. 6 . Fünfhaus. 

Kowäcs Adalbert, Prof. d. Naturw. a. Gymnasium Marmaros Sziget. 

Kowacs Friedrich, stud. med., VIII., Laudong. 41 Wien. 

Kowarz Ferd., k. k. Telegraphenbeamter, Böhmen Franzensbad. 

Kr äfft Dr. Guido, k. k. Prof. d. Techn., üngarg. 26 Wien. 

Krasan Franz, k. k. Gymn.-Prof., Steiermark . Graz. 

Krau ss Dr. Herrn., Assistent a. k. k. zool. Hofcab. Wien. 



Mitglieder. 



XXXI H 



P. T. Herr Kraus-Elislago Rudolf v., Josefstädterstr. 2 t Wien. 

„ „ Kreithner Eduard, Pharma, Sperrg. 16, b. Wien Fünfhaus. 

Krenberger Jos., Hochw., Caplan, Bäckerstr. 10 Wien. 

Kr ie sch Johann, Prof. am Josefs-Polytechnicum Buda-Pest. 

Krist Dr. Josef, k. k. L.-Schul.-Insp., Lagerg. I Wien. 

Kristof Dr. Lorenz, Lyceal-Prof., Zalingg. 5 . Graz. 

Kröl Ignaz, k. k. Prof. am Gymn., Galizien . Jaslö. 

Krön e Wilhelm, k. k. Professor d. Staats-Realsch. Trautenau. 

Krueg Julius, Doct. d. Med., Döbling b. . . . Wien. 

Kundrat Jos., Leibkammerdiener Sr. Maj. d. Kais. Wien. 

Künstler Gust. A., Realitätenbes., Sobieskig. 25 Wien. 

Kutsche r a Franz, k. k. Beamter, VIII. Reiterg. 12 Wien. 

Kuzmic Joh. E., Hochw. M. d. Pharm. F. 0. Pr. Ragusa. 

Langer Dr. Carl, k. k. Hofrath, Prof. a. d. Univ. Wien, 

Latzel Dr. Robert, k. k. Gym.-Prof. Hegelg. 3 Wien. 

Lazar Matthäus, k. k. Gymn. -Professor . . . Görz. 

Leinkauf Dr. Johann, k. k. Prof., IV. Alleeg. 30 Wien. 

Leisser Johann, Lehrer, III., Schulgasse 3 . . Wien. 

Leitenberger Heinr., k. k. Realschul-Professor Trantenau. 

Leitgeb Ludwig, P., Capitular des Stiftes . . Göttweih. 

Leithner Dr. Franz, Advokat Krems. 

Lenhossek Dr. Josef v., Universitäts-Professor Buda-Pest. 

Lenz Dr. Oscar, Geolog d. k. k. Reichsanstalt . Wien. 
Lewandowsky Dr. Rudolf, e. k. k. Oberarzt 

am Milit.-Mädchen-Pensionat, Karlsgasse 40 . Hernais. 

Liechtenstein Joh., reg. Fürst von und zu . Wien. 

Lichtenstern Frh. Franz, k. k. Hptm. a. D., Istr. Rovigno. 

L i h o t z k y Moriz, Magistratsbeamter, Martinstr. 60 "Währing. 

Lindpointner Anton, Hochw., regul. Chorherr St. Florian. 

Lippert Christ., Ob.-Forstrth. i. k.k. Ackerb.-Min. Wien. 

Logier P. Augustin, Hochw. und Fr. O. Pr. 221 Schlan. 

Low Franz, Dr. d. Med., 43 bei Wien .... Heiligenstadt. 

Low Franz, Dr. d. Med., Wieden Hanptstr. 47 II. Wien. 

Low Paul, IV., Hauptstr. 47 Wien. 

Lomnicki Marian, k. k. Prof. a. 4. Staats-Gymn. Lemberg. 

Lopuschan Johann, Gymn.-Prof., Neutr. Com. Trentschin. 

Lorenz Dr. Jos. v., Min. -Rath i.k. k. Ackerb.-Min. Wien. 

Lorenz Dr. Ludw. v. Liburnau, III., Beatrixg. 32 Wien. 

Lostorfer Adolf, Dr. med., I., Spiegeig. 4 . . Wien. 

Ludwig Dr. Ernst, a. Prof. a. d. Universität . Wien. 

Lukätsy P. Thom., Quardian d. Franc.-Conv. . Eisenstadt. 

Maj er Mauritius, Pfarrer, Veszp. Cm., P.Värosled Polany. 

Makowsky Alex., k. k. Prof. d. Techn., Thalg. 25 Brünn. 

Maly Franz, k. k. Hof- Gärtner, Belvedere . . Wien. 

Z. B. Ges. B. XXIX. e 



XXXIV 



Mitglieder. 



P. T. Herr Mandl Dr. Ferdinand, IL, Asperngasse 1 . . . Wien. 

„ „ Mann Jos., a. k. k. zool. Hofcab., III., am Canal 17 Wien. 

3S0 ,, „ Marchesetti Dr. Carl v., Dir. d. städt. Museum Triest. 

„ „ Marenz eil er Dr. Emil v., Custos am k. k. zoolog. 

Hofcabinete, I. Donnerg. 1 ....... Wien. 

„ „ Margo Dr. Theodor, Prof. d. Zoologie a. d. Univ. Buda-Pest. 

„ „ Marno Ernst (derzeit in Afrika) Wien. 

„ „ Marschall Gf. Aug., Schönbrunner Hauptstr. 152 Ob. MekUing. 

„ „ Maschek Adalbert, fstl. Ronan. Gartendirector Sichrow. 

„ „ Massapust Hugo, Prof. a. d. Hand. u. naut. Akad. Triest. 

„ „ Matz Maximilian, Hochw., Pfarrer, N.-Oesterr. . Höbesbrunn. 

„ „ Maupas Peter Doimus, Erzbischof, Excellenz . Zara. 

„ „ May er Dr. Anton, Secr. d. Verein, f. Landeskunde Wien. 

340 „ „ Mayerhofer Carl, k. k. Hof- Opernsänger, 

Friedrichstrasse 4/II Wien. 

„ „ Mayr Dr. Gustav, Prof., Landstr., Hauptstr. 75 Wien. 

„ „ Mendel Gregor, Hchw., Prälat d. Augustiner . Altbrünn. 

„ „ Metzger Ant., Spark.-Beamt., IL, roth. Kreuzg. 8 Wien. 

„ „ Mich Dr. Josef, Dir. d. k. k. Lehrerbildungsanst. Troppau. 

„ „ Michl Anton, Realsch.-Prof., VII., Lindeng. 21 Wieu. 

„ „ Miebes Ernest, Hochw., Rector am Piar.-Colleg. Prag. 

» „ Mihailo vi c Vict , Hochw., Professor am k. Gymn. Zengg. 

„ Mik Jos., Prof. a. akad. Gymn., Marokkanerg.3,IL50 Wien. 

„ „ Mikosch Carl, Assist, am päanzenfis. Institut . Wien. 

350 „ „ Miller Ludwig, Adjunct im k. k. Ackerbau-Minist. Wien. 

„ „ Mitis Heinrich v., k. k. Militär- Official, Schön- 

brunnerstr. 35 Rudolfsheim. 

„ „ Mojsisovics Dr. August v. Mojsvar, Suppl. d. 

Zool. a. d. Technik u. Docent a. d. Universität Graz. 

„ „ Möller Dr. M. Jos., Adjunct a. d. forstl. Vers. -Stat. Mariabrunn. 

„ „ Moser Dr. Carl, k. k. Professor d. Staats- Gymn. Triest. 

., „ Much Dr. Matthäus, VIII., Josefsgasse 6 . . . Wien. 

„ „ Mühlich Alois, Beamter d.Nordb., III., Beatrixg. 13 Wien. 

., „ Müller Florian, Hochw., Pfarrer, Marchfeld . . U. Siebenbrunn. 

„ „ Müller Hugo, Grünangergasse 1 Wien. 

„ „ Müller Jos., Smichov, Karlsg. 418 Prag. 

360 „ „ Müller Dr. Arnold Julius, prakt. Arzt .... Bregenz. 

„ ., Müllner Michael F., Neugasse 39 Rudolfsheim. 

„ Mürle Karl, Professor u. k. k. Milit.-Pfarrer . St. Pölten. 

„ „ Nader Dr. Josef, emer. Primararzt, Göthestr. 8 Graz. 

„ „ Nahlik Joh., Edl. v., p. k. k. Oberlandes-Gerichts- 

rath, Taborstr. 27 Wien. 

„ „ Nedwed Karl, Ingenieur, L. Weihburgg. 26 . Wien. 

„ Nem ethy Ludwig v., Caplan, IL, Bombenplatz 26 Buda-Pest. 



Mitglieder. 



XXXV 



P. T. Herr Neufelln er Karl, k. k. Res.-Lieut., V., Rüdigerg.6 Wien. 

„ „ Neugebauer Leo, Prof. d. k. k. Mar.-Realsch. Pola. 

„ „ Neu mann Dr. Filipp, prakt. Arzt Lugos, 

„ „ Neumayr Dr. Melch., a. Univ. Prof. d. Paläontol. Wien. 
„ „ Nickerl Ottokar, Dr. d. M., Wenzelsplatz 16 . Prag. 
„ „ Niessl v. Mayendorf Gust., Prof. a. d. Technik Brünn. 
„ „ Noestelberger Frz., Hchw., Pfarrer, Nied.-Oest. Ober-Absdorf. 
„ „ Novotny Dr. Steph., Herrschafts -Arzt, Neutr.Com. Komjath. 
„ „ Nowicki Dr. Max., Prof. d. Zool. a. d. Universität Krakau. 
„ „ Nürnberger Clemens, Heil. Geistgasse 12 . . Troppau. 
„ „ Nycklicek Expeditus P., Gymnasial-Professor . Trautenau. 
„ „ Oberleitner Frz., Pfarrer, Ob.-Oe., P. Dirnbach St. Pankraz. 
„ „ Obersteiner P. Ignaz, Hochw., Knabenseminar Brixen. 
,0 „ „ Oesterreicher Tobias, Freih. v., k. k. Linien- 
schiffs -Capitän, im Marine-Ministerium . . . Wien. 
„ „ Ofenheim Victor Ritter v. Ponteuxin .... Wien. 

„ „ Ofenheimer Anton, Slavonien Nasice. 

„ „ rt mann Johann, Rechn.-Rath b. o. Rchgs.-Hof Wien. 
„ „ P acher David, Hochw., Dechant, Kärnten . . Obervellach. 
„ „ Palm Josef, Prof. am Gymnas., Ob.-Oe., Innkreis Ried. 
„ „ PantoczekDr. Jos., P. Gr.-Tapolcsan, Neutr.Com. Tawornak. 
„ „ Papi-Balogh Peter v., Com. Csanad .... Mezöhegyes. 
„ „ Paradi Koloman, Prof. a. Ober-Gymnasium . . Klausenburg. 
„ „ Paulin yi Paulin, Hochw., Seelsorger, Siebenb. Maros-Väsärhely. 
„ » Paszlavszky Jos., Prof., IL Bez., Oberrealschule Budapest. 
„ „ Pawlowski Dr. Alexander, Ritter v., k. k. Hof- 
rath, e. Director, [V., Schmöllerlg. 3 ... Wien. 
„ „ Pazsitzky Eduard, Dr. d. Med., Stadtarzt . . Fünfkirchen. 
„ „ P eitler Anton Josef v., Hochw., Bischof, Exc. . Waitzen. 
„ „ Pelikan v.Plauenwald Anton, k. k. Vice-Präsi- 

dent und Fin.-Landes-Director für N.-Oe. . . Wien. 

„ „ Pelzeln Aug. v., 1. Custos a. k. k. zool. Hofcab. Wien. 

„ „ Pesta Aug., k. k. Finanz-Minist.-Vice-Secretär Wien. 

„ „ Petter Dr. Alexander, g. Hofapotheker . . . Salzburg. 

„ „ Petrin o Otto, Freih. v., Gutsbesitzer .... Czernowitz. 

„ „ Pey ritsch Dr. Joh., Univ.-Prof. der Botanik . Innsbruck. 

„ „ Pfurtscheller Paul, Dr. phil., III., Münzg. 3 Wien. 

„ „ Pichl er Johann, Realschul-Professor, Mähren . Prossnitz. 

» „ Pick Dr. Adolf Jos., I. Stoss am Himmel 3. IV. Wien. 

„ n Pierschke Heinrich, IX., Nussdorfstr. 66 . . Wien. 

„ „ Pilaf Dr. Georg, -Custos am k. National-Museum Agram. 

„ Plason Dr. Adolf v., k. k. Min.-Secret, Postg. 22 Wien. 

„ „ Platz Josef, Graf, VII., Burggasse 2 . . . . Wien. 

„ „ Plenker Georg Freih. v., k. k. Min.-R., Seilerst. 1 Wien. 



xxx vi 



Mitglieder. 



P. T. Herr Podusehka Franz, Arckit., III., Beatrixg. 6 . Wien. 

„ Poetsch Dr. Ignaz Sig., b. Gresteu N.-Ocst. . Randegg. 

„ Polak Dr. J. E., I., Teinfaltstr. 6 Wien. 

„ Pokorny Dr. Alois, Dir. d- Leopoldst. Realg., 

k. k. Regieruugsrath, kleine Sperlg. 2 . . . Wien. 

„ Pokorny Eman., Präfect a. k. k. Theresiaumn Wien. 

„ P o n gr atz Gerard v., Hcliw., Prov. d. Minorit.-Ord. Miskolez. 

„ Porm Dr. Adolf, Bürgerschuldirector .... Zwittau. 

„ PospisehillJoh.,k.k.Mil.-Bez.-Pfarrer,Kaiserg.6 Brünn. 

„ Poszvek Gustav, Gyinnasial-Professor .... Oedenburg. 

„ Prausek Vinz.,k.k.Ldessch.-Insp., VII., Tulpeng. 6 Wien. 

„ Pr ei ssm an n Ernest, k. k. Aieh-Insp., Burgring 16 Graz. 

„ Prinzl August, Oeconoiniebes. d. Karlhof. . . Burgstall a/E. 

„ P i'ihoda Moriz, k. k. Milit.-Beaint. i. P., Engelg. 4 Wien. 

„ ProchaskaLeop.,grfl.Zichy.Schlossgtner.,N.-Oe. Hainburg. 

„ Pullich Dr. Georg, Hochw. (derzeit in Rom) . Trient. 

„ Putz Josef, Hochw., Dir. am Piarist. -Gymnas. . Krems. 

„ Raimann Leopold, N.-Oe.Ld.-Beamt. Johanng. 31 Weinhaus. 

„ Racovac Dr. Ladislav, Primararzt Agram. 

„ Rath Paul, Hochw., Villa Metternich .... Wien. 

„ Rathay Emerich, Prof. d. oen.-pom. Lehranst. Klosterneuburg. 

,, Rauscher Dr. Robert, p. k. k. Pinanzrath . . Linz. 

„ ReichardtDr.Heinr. Wilh., Custosu. Leiter d.k.k. 

bot. Hofcab., Univ.-Professor, III., Trauug. 4 . Wien. 

„ Reinisch Oscar, Fabrikant, Böhmen .... Warnsdorf. 

„ R e i s i n g e r Alexand., p. Director, Ottakringstr. 82 Hernais. 

„ Reiss Franz, prakt. Arzt Kierling. 

„ Reithammer Ant. Emil, Apotheker, Steiermark Pettau. 

„ Reitter Edmund, Naturalist, VII. Schottenfeldg.21 Wien. 

Rescetar Paul, Ritt, v., k. k. Hofrath a. D. . . Ragusa. 

„ Res s mann Dr. juris F., Kärnten Malborgeth. 

„ Reuss Dr. Aug. Leop. Ritt, v., Mariahilferstr. 5 Wien. 

„ Reuth P. Emerich L., Hochw., Wieselbg. Com. . Boldog-Asszony. 

„ Richter Ludw., (Adr. L. Thiering) Mar. Valeriag. 1 Buda-Pest. 

„ Richter Dr. Vincenz, Gutsbesitz., Taborstr. 17 Wien. 

„ Richter Carl, Dr. phil., Taborstr. 17 ... . Wien. 

„ Rimmer Franz, VII, Mechitaristeng. 9,111 . . Wien. 

„ Robert Franz v., I., Zedlitzgasse 4 Wien. 

„ Robic Sim., Hchw., Administr., Krain, P. Zirklach Ulrichsberg. 

„ Rock Dr. Wilhelm, III., Reisnerstr. 28/1 . . . Wien. 

„ Rodenhof er Alois Friedrich, Custos am k. k. 

zool. Hofcabinete, Josefstädterstrasse 19 . . Wien. 

„ Rollet Emil, Dr. d. Med. I., Opernring 7 . . Wien. 

,. Ronniger Ferd., Buchh., III., Strohgasse 1 . . Wien. 



Mitglieder. 



XXXVII 



1\ T. Herr Uosenthal Ludwig Kitter v., Bäckerstr. II . . Wien. 

450 „ „ Rossi Ludwig, k. k. Landw.-Lieutenaut. . . . Agram. 

„ Rostafinski Dr. Jos., Prof. d. Bot., Krupniczal58 Krakau. 

„ Rothschild Albert, Freiherr v Wien. 

„ Rottensteiner Franz, Wirtschfts.-Dir.,P.Weitersf. Fronsburg. 

„ Rudrof Dr. Ludwig, prakt. Arzt, N.-Oe. . . . Raabs. 

„ Rup ertsberg er Mathias, Hchw., Coop., Ob.-Oe. Wallern. 

„ Saga Dr. Karl, Graben 395, 1 Prag. 

„ Sajo Karl, Gymnasial-Professor, Ungarn . . . Unghvär. 

„ Saxinger Eduard, Kaufmann Linz. 

„ ISchaitter Ignaz, Kaufmann Rzeszow. 

460 „ „ Schaub Robert Ritt, v., I., Fleischmarkt 6 . . Wien. 

„ Schauer Ernst, Kr. Zloczow, Post Brody . . Pieniaki. 

„ Scheffler Carl, Sparkasse-Beamter Wien. 

„ Scher fei Aurel, Apotheker, Post Poprad . . . Felka. 

„ Scheuch Ed., Beamter der österr.-ung. Bank . Wien. 

„ Schiedermayr Dr. Carl, k. k. Statth.-Rath . Linz. 

„ Schief er er Mich., Bahnbeamter, VIII., Ledererg. 6 Wien. 

„ Schiffner Rudolf, Apotheker, Praterstrasse . . Wien. 

„ Schindler Carl Graz. 

„ Schleifer Wilhelm juu., Gemeindegasse 1 . . Sechshaus. 

470 „ „ Schleicher Wilhelm, Oekonomiebes., N.-Oe. . Gresten. 

„ Schlesinger Ed., Dr. Med., Praterstrasse 51 . Wien. 

Frau Schloss Nathalie, IX., Peregringasse 1. 3 . . Wien. 

Herr Schlosser Dr. Jos. R. v. Klekowski, k. Protom. Agram. 

„ Schmerling Anton Ritter v., geh. Rath, Excell. Wien. 

Fräul. Schmid v. Schmidsfelden Karoline. . . . Vöslau. 

Herr Schmidt-GoebelDr.Hrm.,e.Prof.,III.,Hptstr.93 Wien. 

„ „ Schmölz Leopold, k. k. Förster, Ob.-Oe. . . . Ebensee. 

„ „ Schoenn Moriz,k.k.Mil.-Rech.-Offic.,Hauptstr. 13 Penzing. 

n n Schreiber Dr. Egid, Director d. Staats-Realsch. Görz. 

480 „ „ Schröckinger-Neudenberg Julius Bar. v., 

k. k. Sections-Chef a. D., geh. Rath, Excellenz Wien. 

„ „ Schroff Dr. D.Carl Ritt, v., Carl-Ludwigs-Rg. 8, II Graz. 

„ „ Schubert W., k. k. Schulrath, Gymn.-Director Bielitz. 

„ „ Schuler Joh., Assistent a. d. techn. Hochsch. . Wien. 

„ „ Schulze Dr. Franz Eilh., Prof. d. Zool. Univers. Graz. 

„ „ Schütz Dr. Jak., Privat-Doc. an der Universität Prag. 

„ „ Schulzer v. Müggenburg Stef., p. k. k. Hptm. Vinkovce. 

„ „ Schwab Adolf, g. Apotheker, Mähren .... Mistek. 

„ „ Schwab Michael, Hochw., Domscholaster . . . Triest. 

„ „ Schwaighofer Anton, Doct. d.phil., Heumarkt 9 Wien. 

490 „ „ Schwarz Gust. E. v. Mohrenstern, Praterstr. 23 Wien. 

„ ,, Schwarz-Senborn Freih. Wilh. v., Excellenz Wien. 



XXXVIII 



Mitglieder. 



P. T. Herr Schwarzel Felix, Oek. b. Böhm.-Deutschbrod . Bastin. 

„ „ Schwarzenberg Fürst Job. Adolf, Durchlaucht Wien. 

„ „ Sebisanovic Georg, Real-Lehrer, b. Agram . Racovac. 

„ „ Sedlitzky Dr. Wenzel, Apothek.,Westbahnstr. 19 Wien. 

„ „ Senoner Adolf, III., Marxergasse 14 ... . Wien. 

„ „ Setari Franz, Dr. d. Med Meran. 

„ „ Sie gl Moriz, Civil-Ingen., V., Hundsthurmstr. 68 Wien. 

„ „ Sigl Udiskalk, P. Hochw., Gymn.-Director . . Seitenstetten. 

500 „ „ Sigmund Wilhelm j., Böhmen Reichenberg. 

„ „ Simony Dr. Friedr., k. k. Prof., Salesianerg. 13 Wien. 

„ „ S imony Dr. Oscar, a.Prof.d. Hochschule f.Bodenk. Wien. 

„ „ Sinei ch Joh., Hochw., Domh. a. d. Kathedrale Triest. 

„ „ Skofitz Dr. Alexander, V., Schlossg. 15 . . . Wien. 

„ „ So IIa Dr. Rüdiger Felix, V., Krong. 13 . . . Wien. 

„ „ Spreitzenhofer G. C, Spark.-Beamt. Postg. 20 Wien. 

„ r Stäche Dr. Guido, k. k. Bergr. d. geol. Reichsanst. Wien. 

„ „ Stadler Anton, Dr. d. Medicin Wr.-Neustadt. 

„ „ Staub Dr. Moriz, Prof. a. Semin. d.Univ., Tabakg. 27 Buda-Pest. 

510 „ „ Stauf f er Vinc, Hochw., Bibliothekar im Stifte Melk. 

„ Stapf Otto, Drd. phil., IL, Praterstr. 38 . . . Wien. 

„ „ Stefanovics Thomas, Dr. d. Med., Stadtarzt . Temesvar. 

„ „ Steindachner Dr. Fr., Dir. d. k. k. zool. Hofe. Wien. 

„ „ Steiner Dr. Julius, Prof. am Staats-Gyranas. . Klagenfurt. 

„ „ Steinhaus er Ant.,k.Reg.-Rath,IX.,Beethoveng.3 Wien. 

„ „ Stellwag Dr. Carl v. Carion, k. k. Univ. -Prof. Wien. 

„ „ Stenzl Anton, Dr. Med., IX., Nussdorferstr. 25 Wien. 

„ „ Sternbach Otto, Freiherr v Bludenz. 

„ „ Stieglitz Franz, Hochw., Pfarrer, P. Ried, Innk. Tumelsham. 

520 „ „ Stöger Wilh., k. k. Ob.-Förster, Piesting, N.-Oe. Hörnstein. 

„ „ Stöger Franz, Lehrer, b. Wien Mauer. 

„ „ Stöhr Adolf, stud. phil., IX., Marianneng. 12 . Wien. 

„ „ Stohl Dr. Lukas, fürstl. Schwarzenbg. Leibarzt Wien. 

„ „ Stoitzner Johann N., Oberlehrer, N.-Oe. . . Weikertschlag. 

„ „ Storch Dr. Franz, k. k. Bezirksarzt, Pongau . St. Johann. 

„ „ Stränsky P. Franz, Hochw., Post Polna Böhmen Schlapenz. 

„ „ Strauss Josef, städt. Marktcommiss., Waagg. 1 Wien. 

„ „ S tr ob 1 Gabriel, P., Hochw., Gymnasial-Professor Seittenstätten. 

„ „ Ströbitzer Martin, Hochw., Pfarrer, N.-Oe. . . Frankenfels. 

530 „ „ Studnicka Karl, k. k. Artiii.- Ober-Lieutenant . Cattaro. 

„ „ Stummer Jos. R. v., Präs. d. pr. K. Fd.-Ndbahn. Wien. 

„ „ Stur Dionys, k. k. Bergrath d. geol. Reichsanst. Wien. 

„ „ Stussiner Josef, k. k. Postbeamter, Neugasse 5 Laibach. 

„ „ Suschka Richard, Oeconomie-Adjunct .... Ung.- Altenburg. 

„ „ Su e ss Dr. Eduard, k. k. Univ.-Prof., Novarag. 49 Wien. 



Mitglieder. XXXIX 

P. T. Herr Ö van da Stefan, Punzg.-Beamt., Gumpendstr. 63 Wien. 

„ „ Szaniszlö Dr. Alb., Professor, Vorstadt Monostor Klausenburg. 

„ „ Tauscher Dr. Julius Aug., k. Hon. Com. -Physicus Ercsi. 

„ „ Teller Friedrich, Hilfsgeol., Ob.Weissgärberstr. 14 Wien. 

540 „ „ Tempsky Friedrich, Buchhändler Prag. 

„ Teuffen Carl, Buchhändler, IV., Hauptstr. 18 . Wien. 

„ „ Then Franz, Präfect a. d. k. k. Theres. Akademie Wien. 

„ „ Thümen Felix, Freih. v., k. k. Adj. d. f. Vers.-Stat. Wien. 

„ „ Tief Wilhelm, Gymnasial -Professor Villach. 

„ „ Tomaschek Dr. Ignaz, k. k. Univ.-Bibliothekar Graz. 

„ „ T omek Josef, Dr. d. Med., fürstl. Leibarzt, Böhm. Kammerburg. 

„ „ Töth Franz, Hochw., Gymnasial-Professor . . Fünfkirchen. 

„ „ Toula Dr. Franz, Realsch.-Prof., Kircheng. 19 . Wien. 

„ „ Treuinfels Leo, Hochw., Prof., Benedict. O.-P. Meran. 

550 „ » Tromba Johann, Apotheker Rovigno. 

„ „ Trstenjak Davorin, Schul- Director, Croat. . . Karlsstadt. 

„ „ Tscherniki Carl, k. k. Hofgärtner Innsbruck. 

„ „ Tschusi Vict. ß. zu Schmidhoffen, b. Hallein Tännenhof. 

„ „ Türk Rudolf, k. k. Finanz-Min.-Secretär, Lagerg. 1 Wien. 

„ Unterhuber Dr. Alois, Prof. am Real-Gymnas. Leoben. 

„ Urban Em., e. k. k. Prof., Beckergasse 23 . . Troppau. 

„ „ Valenta Dr. Alois, k. k. Prof. u. Spitalsdirector Laibach. 

„ „ Valle Antonio, via d'Acquaedutto 25 .... Triest. 

„ „ Vesque v. Püttlingen Joh. Freiherr v., k. k. 

Sectionschef, Kantg. 8 Wien. 

560 „ „ Vieh aus Claudius, Hochw., Stifts capitular . . Kremsmünster. 

„ „ Vielguth Dr. Ferdinand, Apotheker, Ob.-Oestr. Wels. 

„ „ Viertel Adalbert, k. k. Hauptmann i. P. . . . Fünfkirchen. 

„ „ Vivenot Franz, Edl. v., VII., Siebensterng. 32. Wien. 

„ „ Vodopich Matth., Hochw., Pfarrer, Dalmat. . Gravosa. 

„ „ Vogel F. A., k. k. Hofgärtner Laxenburg. 

„ Vogl Dr.Aug.,k.k.Univ.-Prof., IX.,MaximiIianpl. 12 Wien. 

„ „ Voss Wilh., k. k. Professor d. Staats- Ob.-Realsch. Laibach. 

„ WachtlFriedr.,k.k. Oberförster, VIII., Tulpeng. 3 Wien. 

„ „ Waginger Dr. Carl, Piaristengasse 10 . . . Wien. 

570 „ „ Wagner Paul, Untere Donauzeile 12 ... . Buda-Pest. 

» » Wajgiel Leopold, Prof. am k. k. Gymnasium . Kolomea. 

„ „ Wallner Dr. Ignaz, k. Professor Oedenburg. 

* Walter Julian, Hchw. P.O. P., Gym.-Prof, 892 II Prag. 

„ „ Watzel Dr. Cajetan, Director d. Ober-Realsch. . Böhm.-Leipa. 

n „ WawraDr.Hein.R.v.Fernsee,k.k.Mar.-Stabsarzt Wien. 

» n Wegmayer Andreas, Lehrer, Pazmaniteng. 17 . Wien. 

„ „ Wei den holz er Johann, Hochw., Coop., Weizen- 
kirchen, Ober- Oesterreich St. Agatha. 



XL 



Mitglieder. 



P. T. Herr Wei gelsberger Franz, Hochw., Pfarrer, N.-Oe., 

P. Atzenbruck Michelhausen. 

n „ Weinke Franz Karl, Dr. d. Med., Tuchlanben 7 Wien. 

580 „ „ WeinzierlDr. Theodor Ritter v., Assistent a. d. 

Hochschule für Bodenkultur, VIII., Reiterg. 17 Wien. 

„ „ Weiser Franz, k. k. Bez.-Ger.-Adjunct, IV. . . Wien. 

„ „ Weiss Dr. Adolf, Regier.-Rath, k. k. Univ.-Prof. Prag. 

n „ Wesselovsky Dr. Karl, Arvaer Comitat . . . Arva Värallji 

„ „ Wierer Lud. v.Wierersberg, Bz.-Ger.-Adjunct Hallein. 

„ „ Wi erzej ski Dr. Ant., Prof. d. k. k. Ob.-Realsch. Krakau. 

„ „ Wiesbaur Joh., Hchw. S. J., Professor a. Colleg. Kalksburg 

„ n Wiesner Dr. Jul., k. k. Univ.-Professor d. Bot. Wien. 

„ Wilckens Dr., Prof. d. k. k. Hochsch. f. Bdclt. Wien. 

„ „ Wilczek Hans Graf, Excellenz, geh. Rath . . Wien. 

590 „ „ Wilhelm Dr. Gustav, Prof. a. d. tech. Hochschule Graz. 

„ „ Wladarz Dr. Michael, k. k. Notar, Steiermk. . Frohnleiten. 

„ Wolff Gabriel, Mag. d. Ph., Apothek., Siebenb. Thorda. 

„ „ Woloszczak Dr. Eustach, Ass. d. Lehrk. f. Bot. Wien. 

„ „ Wozas ekLeop.,Lehramts-Cand.,IV.,Paulanerg.4 Wien, 

n n Wyplel Martin, Stud. phil., IV., Trappelgasse 2 Wien. 

„ Wittin g Eduard, VII., Zieglerg. 27 Wien. 

„ „ Wüllersdorf-Urbair Bernh. Freih. v., Exc. . Graz. 

„ „ Zahn Dr. Franz, k. k. Professor Wien. 

„ „ Zanchi Franz Edl. v., k. k. Statthalt. -Rath . . Zara. 
600 „ „ Zebrawsky Theophil, Ingenieur, Grodgasse . Krakau. 
* „ Zell er Fritz, Kaufmann, Untere Donaustrasse 13 Wien. 
., „ Zinnern Joh. Edl. v., BurgthaJ, Eisenbahn- 
Ingenieur, b. Karlsburg, Siebenbürgen . . . Alvincz. 
„ „ Zsigmondy Dr. Adolph, k. k. Primär., Krankenh. Wien. 
„ „ Zivotsky Josef, Ev. Katechet, I. Elisabethstr. 3 Wien. 



Irrthümer im Verzeichniss und Adressänderungen wollen dem Secre- 
tariate zur Berücksichtigung gütigst bekannt gegeben werden. 



Mitglieder. 



XLl 



Ausgeschiedene Mitglieder. 

1. Durch den Tod: 



P. T. Herr Angas Georg G. 

n „ Appelius Friedr. Ludw. 

„ „ Aschner Theod., Hochw. 

„ Blau Dr. Otto. 

„ „ Brandt Johann Friedr. 

„ „ Czeglay Johann. 

„ „ Fenzl Dr. Eduard. 

„ „ Fritsch Carl. 

„ B Giskra Dr. Carl, Excell. 

„ „ Gründl Ignaz, Hochw. 

„ „ Heinzel Ferdinand. 

„ „ Klessl Prosper, Hochw. 



P. T. Herr Koch Dr. Karl. 

„ „ Lechner Dr. Fr. , Ritter v. 

„ „ Low Dr. Hermann. 

„ „ Luschin Dr. Andr.,Ritt.v. 

„ „ Moore Dr., Director. 

„ „ Parreyss Ludwig. 

„ „ ReichenbachDr.H. G.L. 

w „ Rittler Julius. 

„ „ Rondani Dr. Camill, Cav. 

„ „ Smith Fried., Esq. 

., „ Tomm asini M. Jos., R. v. 

„ Well Dr. Wilh., Edl. v. 



2. Durch Austritt: 



T. Herr Bauer Dr. 

, „ Borbäs Dr. Vincenz. 

, n Gaiger Vincenz. 

, „ Granner Alex. 

, „ Haschek Jakob Karl, Dr. 

, ., Holzer Ladislaus. 



P. T. Herr Minks Dr. Arthur. 
„ „ Müller Dr. Theodor. 
„ „ Nowak Hanns, Architekt. 
„ „ Scarpa Georg Don. 
„ „ Wallentin Dr. Ignaz. 



3. Wegen Zurückweisung der Einhebung des Jahresbeitrages 
durch Postnachnahme: 



P. T. Herr Abs a Ion Dr. Wilh. 
„ „ Czerwiako wski Dr. Ign. 
„ „ Grössl Franz. 
„ „ Ho ff mann Nicolaus. 
„ „ Kolbay Johann. 



P. T. Herr Nicolich Emanuel. 
„ Plohn J. 
„ „ Purkyne Emanuel. 
„ „ Rie der Franz. 



Z. B. Ges. B. XXIX. 



f 



XLII 



Lehranstalten und Bibliotheken. 



Lehranstalten und Bibliotheken, 

welche die Gesellschaftsschriften beziehen. 

Gegen Jahresbeitrag". 

Agram: k. Gymnasium. 

Bielitz in Schlesien: evang. Lehrerbildungsanstalt. 
Bozen: K. k. Staats-Gymnasium. 
Brixen: Fürstb. Gymnasium Vincentinum. 
Brünn: K. k. 1. deutsches Ober-Gymnasium. (Nachn.) 
Czernotvitz: Griech. -Orient. Ober-Realschule. 
Eger: K. k. Lehrerbildungsanstalt. 
FeldMrch: K. k. verein. Staats-Mittelschulen. 
Görz: Landesmuseum. 
10 „ K. k. Ober-Realschule. 

„ Staats- Gymnasium. 
Graz: Staats-Oberrealschule. 

„ K. k. 1. Staats-Gymnasium. 
Güns: K. kath. Gymnasium. (P. f.) 
Iglau: K. k. Staats- Gymnasium. 
Kalksburg: Convict der P. P. Jesuiten. 
Klagenfurt: K. k. Ober- Gymnasium. 
Laibach: K. k. Lehrerbildungsanstalt. 
„ k. k. Staats- Ober-Realschule. 
20 Lemberg: Zoolog. Museum der k. k. Universität. (Nachn.) 
Leoben: Landes-Mittelschule. 
Linz: Oeffentl. Bibliothek. 

„ Bischöfl. Knaben-Seminar am Freinberge. 
Mährisch- Neustadt : Landes -Realgymnasium. 
Marburg: K. k. Gymnasium. 

Mariaschein bei Teplitz: Bischöfl. Knaben-Seminar. 
Martinsberg bei Raab: Bibliothek d. e. Bened. Erzstiftes. (Nachn.) 
Nassod: Griech. -kath. Ober- Gymnasium. 
Ober-Hollabrunn: Landes-Realgymnasium. 
30 Oedenburg: Evangel. Lyceum. 

„ K. kath. Ober- Gymnasium. 
Olmütz: K. k. Studien-Bibliothek. 

„ K. k. Ober-Realschule. 
Pettau: Landes-Realgymnasium. 
Prag: K. k. deutsche Lehrerbildungsanstalt. 

„ K. k. Deutsches Gymnasium der Altstadt, Franzensquai 8. (Nachn.) 
„ K. k. Deutsches Ober-Gymnasium der Kleinseite. (Nachn.) 
„ Deutsches Staats-Gymnasium der Neustadt, Graben 20a. 
Przibram: K. k. Lehrerbildungsanstalt. 



Lehranstalten und Bibliotheken. 



XLIII 



40 Raudnitz (Böhmen): Real- Gymnasium. 

Reichenberg (Böhmen): K. k. Ober-Realgymnasium. 
Ried (Ob.-Oesterr.) : K. k. Staats-Ober-Gymnasium. 
Roveredo: Stadt. Museal-Bibliothek. (M. cittadino.) 
Salzburg: K. k. Gymnasium. 

„ K. k. Ober-Realschule. 
Schässburg: Evang. Gymnasium. 

St. Petersburg: K. öffentliche Bibliothek (L. Voss, Leipzig). 
Stocherau: Landes-Realgymnasium. 
Szepes-Iglo: K. Ober-Gymnasium. 
50 Tabor: Höh. landwirthsch. -industrielle Landes -Anstalt. 
Temesvar: K. Ober- Gymnasium. 
Teschen: K. k. Staats-Realschule. 
Troppau: Landes-Museum. (Nachn.) 

„ K. k. Staats-Gymnasium. 

„ E. k. Ober-Realschule. 
Ung. Hradisch: K. k. Staats- Ober- Gymnasium. 
Villach: K. k. Real- Obergymnasium. 
Weisswasser: Forstlehranstalt. 

Wien: K. k. Akademisches Gymnasium, I., Christinengasse 1. 
60 „ Oesterr. Apotheker -Verein. 

„ Bibliothek der k. k. techn. Hochschule. 

„ K. k. Franz Josefs-Gymnasium der innern Stadt, Hegelgasse. 
„ Leopoldstädter k. k. Staats-Ober-Realschule, IL, Vereinsgasse 21. 
„ Schottenfelder k. k. Ober-Realschule. (Nachn.) 
„ Staats-Unter-Realschule, V., Rampersdorferg. 20. 
„ Zool.-bot. Bibl. d. k. k. techn. Hochschule. 
Wiener- Neustadt: Landes-Lehrer-Pro-Seminar. 



Unentgeltlich. 

Czernowitz: K. k. Universitäts-Bibliothek. 
Graz: Akademischer Leseverein. 
70 Prag: Akademischer Leseverein. 

„ Lese- und Redehalle der deutschen Studenten. 
Waidhofen a. d. Thaya: Landes-Realgymnasium. 
Wien: K. k. Hofbibliothek. 

„ Communal-Gymnasium Gumpendorf. 

„ „ „ Leopoldstadt. 

„ „ Ober-Realschule Gumpendorf. 

„ n • n .» Rossau. 

» » » „ Wieden. 

„ Universitäts-Bibliothek. 
80 „ Landesausschuss-Bibliothek. 



f* 



XL1V 



Wissenschaftliche Anstalten. 



Wissenschaftliche Anstalten, 

mit welchen Schriftentausch stattfindet. 
Oesterreich. 

Aussig ajElbe: Naturwissenschaftlicher Verein. 
Bregenz: Landes-Museum -Verein. 
Brünn: Naturforschender Verein. 

„ Mährisch-schles. Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues. 
Czernowitz: Verein für Landeskultur im Herzogthum Bukowina. 
Graz: Naturwissenschaftlicher Verein für Steiermark. 

„ Akademischer naturwissenschaftlicher Verein. 

„ K. k. steiermärkischer Gartenbau -Verein. 
Innsbruck: Naturwissenschaftlich-medicinischer Verein. 
10 „ Ferdinandeum. 

Klagenfurt: Naturhistorisches Landes-Museum. 

„ K. k. Gesellschaft z. Beförderung des Ackerbaues und der Industrie 
in Kärnten. 
Linz: Museum Francisco-Carolinum. 

„ Verein für Naturkunde. 
Frag: K. böhm. Gesellschaft der Wissenschaften. 

„ Naturhistorischer Verein „Lotos". 
Reichenberg: Verein der Naturfreunde. 
Salzburg: Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. 
Triest: Societä adriatica di scienze naturali. 
20 „ Societa d'orticultura del Littorale. 
Wien: Kais. Akademie der Wissenschaften. 

„ Akademischer Verein der Naturhistoriker. 

„ Deutscher und österreichischer Alpenverein. 

„ K. k. Gartenbau-Gesellschaft. 

„ K. k. geographische Gesellschaft. 

„ K. k. geologische Reichsanstalt. 

„ K. k. Gesellschaft der Aerzte. 

„ Oest. Reichs-Forstverein. 

„ Redaction der österr. bot. Zeitschrift. 
30 „ Verein für Landeskunde von Niederösterreich. 

„ Verein zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse. 

„ Naturw. Verein an der k. k. technischen Hochschule. 

Ungarn. 

Agram: K. croat.-slavon. Landwirthschaftsgesellschaft. 
Buda-Pest: K. ungar. Akademie der Wissenschaften. 

„ K. ungar. geologische Anstalt. 

„ Ungar, naturwissenschaftlicher Verein. 

,. Redaction der natur-historischen Hefte des Nat. Museums. 



Wissenschaftliche Anstalten. 



XLV 



Hermannstadt: Siebenbürgischer Verein für Naturwissenschaften. 
„ Verein für siebenbürgische Landeskunde. 

40 Kesmark: Ungarischer Karpathen -Verein. 
Pressburg: Verein für Naturkunde. 

Trentschin: Naturwissenschaftlicher Verein des Trentschiner Comitats. 

Deutschland. 

Altenburg: Naturforschende Gesellschaft des Osterlandes. 

Annaberg-Buchholz: Verein für Naturkunde. 

Augsburg: Naturhistorischer Verein. 

Bamberg: Naturforschender Verein. 

Berlin: Königl. Preuss. Akademie der Wissenschaften. 

Botanischer Verein für die Provinz Brandenburg. 
Entomologischer Verein. 
Redaction der Linnaea. 

Naturwissenschaftlicher Verein von Neu -Vorpommern und Rügen. 
Redaction des Archives f. Naturgeschichte. 
Redaction des Naturforscher. 

Verein zur Beförderung des Gartenbaues in den preuss. Staaten. 
Bonn: Naturhistorischer Verein d. preuss. Rheinlande und Westphalens. 
Bremen: Naturwissenschaftlicher Verein. 
Breslau: Verein f. schlesische Insectenkunde. 

„ Schlesische Gesellschaft für vaterländische Cultur. 
Cassel: Verein für Naturkunde. 
60 Chemnitz: Naturwissenschaftliche Gesellschaft. 
Danzig: Naturforschende Gesellschaft. 
Barmstadt: Verein für Erdkunde. 
Dresden: Gesellschaft Isis. 

„ Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. 
Dürkheim: Pollichia (Naturw. Ver. d. baierischen Pfalz). 
Elberfeld: Naturwissenschaftlicher Verein von Elberfeld und Barmen. 
Emden: Naturforschende Gesellschaft. 
Erlangen: Physikalisch-medicinische Societät. 
Frankfurt a. M,: Senkenbergische naturforschende Gesellschaft. 
70 „ Redaction des Zoologischen Gartens. 

Freibmg i. B.: Naturforschende Gesellschaft. 
Fulda: Verein für Naturkunde. 

Giessen: Oberhessische Gesellschaft für Natur- u. Heilkunde. (Buchh. Richter.) 
Görlitz: Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften. 

„ Naturforschende Gesellschaft. 
Göttingen: Königl. Gesellschaft der Wissenschaften. 

Halle a. d. S.: Naturwissenschaftlicher Verein für Sachsen und Thüringen. 
„ Naturforschende Gesellschaft. 

Redaction der Natur. 



XLVI 



Wissenschaftliche Anstalten. 



80 Halle a. d. S.: Kaiserl. Leopold. Carolin, deutsch. Acad. d. Naturforscher. 
Hamburg: Naturwissenschaftlicher Verein. 

„ Verein für naturwissenschaftliche Unterhaltung. 
Hanau: Wetterauische Gesellschaft für die gesamrate Naturkunde 
Hannover: Naturhistorische Gesellschaft. 
Heidelberg: Naturhistorisch-medicinischer Verein. 
Jena: Medicinisch-naturwissenschaftliche Gesellschaft. 
Kiel: Naturwissenschaftlicher Verein für Schleswig-Holstein. 
Königsberg: König!, physikalisch-ökonomische Gesellschaft. 
Landshut: Botanischer Verein. 
90 Leipzig: Redaction der Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie. 
„ Königl. sächsische Gesellschaft der Wissenschaften. 
„ Redaction der Botanischen Zeitung (Verlagsbuchh. Arthur Felix., 

Königsstrasse 18, b). 
„ Redaction d. zoologischen Anzeigers (W. Engel mann). 
Lüneburg: Naturwissenschaftlicher Verein für das Fürstenthum Lüneburg. 
Magdeburg: Naturwissenschaftlicher Verein. 
Mannheim: Verein für Naturkunde. 

München: Königl. Bairische Akademie der Wissenschaften. 
Münster: Westfälischer Provinz. Verein für Wissenschaft und Kunst. 
Neisse: Philomathie. 

100 Neu- Brandenburg : Verein der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg. 
Nürnberg: Natui historische Gesellschaft. 
Offenbach: Verein für Naturkunde. 
Passau: Naturhistorischer Verein. 

Putbus: Redaction der entomologischen Nachrichten von Dr. Katter. 
Begensburg: Zoologisch-mineralogischer Verein. 

„ Königl. bairische botanische Gesellschaft. 

Stettin: Entomologischer Verein. 

Stuttgart: Verein für vaterländische Naturkunde in Würtemberg. 
„ Redaction der Illustrirten Garten- Zeitung. 
110 Wiesbaden: Verein für Naturkunde in Nassau. 
Zwickau: Verein für Naturkunde. 

Schweiz. 

Aigle: Societe botanique Murithienne. 
Basel: Naturforschende Gesellschaft. 
Bern: Allgem. Schweiz, naturforschende Gesellschaft. 
„ Naturforschende Gesellschaft. 

„ Schweizerische entomologische Gesellschaft. (M. Müller.) 
Chur: Naturforschende Gesellschaft. 
Genf: Socie'te de physique et d'histoire naturelle. 
Lausanne: Societe vaudoise des sciences naturelles. 



Wissenschaftliche Anstalten. 



XLVII 



120 Neufchatel: Societe des sciences naturelles. 
St. Gallen: Naturwissenschaftliche Gesellschaft. 
Zürich: Naturforschende Gesellschaft. 

Skandinavien. 

Christiania: Vedenskabs Sällskapet. 
Gothenburg: K. Vetenskabs Sällskapet. 
Kopenhagen: Naturhistoriske forening. 

„ K. danske videnskabernes Selskab. 

Lund: K. Universität. 

„ Kön. fysiografiska Sällskapet. 
Stockholm: K. Vetenskaps Akademie. (Buchh. M. W. Samson & Wollern 
d. R. Hartmann in Leipzig.) 
»30 Trondhjem: K. Norske videnskabers Selskabs. 
Upsala: Vetenskaps Societät. 

Holland. 

Amsterdam: Koninklijke Akademie van Wetenschappen. 
Haag: Nederlandsche Entomologische Vereeniging. 

„ Hollandsche Maatschappij de Wetenschappen. 
Rotterdam: Nederlandsche Dierkundige Vereeniging. 

Utrecht: Provincial Utrechtsche Genootschap van Künsten en Wetenschappen. 

Belgien. 

Brüssel: Academie Royale des sciences, des lettres et des beaux arts de Belgique. 
(Commission des echanges internationeaux.) 
„ Societe Royale de Botanique de Belgique. 
» „ entomologique de Belgique. 

40 „ n malacologique de Belgique. 

» „ Beige de Microscopie. 

Liege: Redaction de la Belgique Horticole. (Morren, ä la Boverie 1.) 

„ Societe' Royale des Sciences. 
Luxembourg: Societe des Sciences naturelles du Grand-Duche de Luxerabourg. 

Grossbritannien. 

Bubiin: Royal Irish Academy. 

„ Geological Society. (Trinity College.) 
Edinburgh: Royal Physical Society. 
„ Royal Society. 

„ Geological Society. 

50 Glasgow: Natural history society. 
London: Entomological Society. 
„ Geological Society. 



XL VIII 



Wissenschaftliche Anstalten. 



London; Linnean Society. 
„ Royal Society. 

„ Royal microscopical society. (Kings College.) 

„ Zoological Society. 

„ Entomologist's Monthly Magazine. 

„ Record of zoological Literature. 

„ Nature. 
160 „ the Entoraologist. 

Manchester: Literary and philosophical Society. 
Newcastle upon Tyne: Tyneside Naturalist 1 s Field club. 

Russland. 

Dorpat : Naturforscher- Gesellschaft. 

Ekatherinbourg : Societe ouralienne d'amateurs des sciences naturelles. 
Heising fors : Finska Vetenskaps-Societeten. 

„ Societas pro Fauna et Flora fennica (Brockhaus). 
Moskau: Societe Imperiale des Naturalistes. 
Odessa: Neurussische Gesellschaft der Naturforscher. 
Petersburg: Acaderaie Imperiale des sciences. 
170 „ Kais. St. Petersburger botanischer Garten. 
„ Socie'te entomologique de Russie. 
Riga: Naturforschender Verein. 

Warschau: Botanisches Laboratorium der k. Universität. 

Italien. 

Bologna: Accademia delle scienze. 
Florenz: Societä entomologica italiana. 
Genua: Museo civico di storia naturale. 

„ Societä di letture e conversazioni scientifiche. 
Lucca: Accademia lucchese di scienze, lettere ed arti. 
Mailand: Societä italiana di scienze naturali. 
180 „ Istituto lombardo di scienze, lettere ed arti. 

„ Societä crittogamologica italiana. 
Modena: Societä dei naturalisti. 

„ Accademia di scienze, lettere ed arti. 
Neapel: Accademia delle scienze. 

„ Zoologische Station (Dr. Dohm). 
Padova: Societä veneto-trentina di scienze naturali. 

Palermo: Real Accademia palermitana delle scienze, lettere etc. (via Ruggiero) 
Pisa: Societä toscana di scienze naturali. 
„ Societä malacologica italiana. 
190 „ Redazione del Nuovo Giornale botanico. 
Rom: R.- Accademia dei Lincei. 
Venedig: Istituto veneto di scienze, lettere ed arti. 
Verona: Accademia di Agricoltura, Commercio ed arti. 



Wissenschaftliche Anstalten. 



XLIX 



Frankreich. 

Amiens: Societe Linne'enne du Nord de la France. 
Bordeaux: Societe Linne'enne. 
Ca'e'n: Societe Linneenne de Normandie. 
Cherbourg: Societe des sciences naturelles. 
Colmar: Societe d'histoire naturelle. 
Dijon: Academie des sciences, arts et belles-lettres. 
200 Lille: Societe des sciences de l'agriculture et des arts. 
Lyon: Academie des sciences, belles-lettres et arts. 
„ Societe d'agriculture. 

„ Societe botanique de Lyon (palais des arts, place des terreaux). 
„ Societe Linne'enne de Lyon. 
Nancy: Societe des sciences. 

„ Academie de Stanislas. 
Paris: Journal de Conchiliologie. 

„ Nouvelles archives du Muse'e d'histoire naturelle. 
„ Societe botanique de France. 
210 „ Societe entomologique de France. 

Rouen: Societe des amis des sciences naturelles. 

Portugal. 

Lissabon: Academia real das sciencias. 

Spanien. 

Madrid: Sociedad espanola de bistoria natural. 

Asien. 

Batavia: Bataviaasch Genotschap van Künsten en Wettenschappen. 

„ Natuurkundige Vereeniging in Nedcrlandiseh-Indie. 
Calcutta: Asiatic Society of Bengal. 
Shanghai: Asiatic Society, north China brauch. 

Afrika. 

Alexandrien: L'Institut Egyptien. 

Amerika. 

a) Nordamerika. 

Boston: Society of Natural History. 
220 „ American Academy. 

Buffalo: Society of Natural Sciences. 

Z. B. Ges. B. XXIX. g 



L 



Wissenschaftliche Anstalten. 



Cambridge: American Association for the advancement of science. 
„ Museum of comparative Zoology. 

„ Entomological Club. (Psyche, Organ of the.) 

Columbus: Geological Survey of Ohio. 

„ Ohio State Board of Agriculture. 
St. Francisco: Academy of Natural Sciences. 
New-Haven: American Journal of Science and Arts. 
„ Connecticut Academy. 

230 St. Louis: Academy of science. 

Madison: Wisconsin Academy of Sciences, Arts and Letters. 
New- Orleans: Academy of Sciences. 
Newport: Orleans' County Society of Natural Sciences. 
New -York: Society of Natural History. (olim Lyceum.) 
Philadelphia: Academy of Natural Sciences. 
„ American Philosophical Society. 

„ Entomological Society. 

„ Zoological Society of Philadelphia. 

Salem: American Naturalist. 
240 „ Essex Institute. 

Toronto: Canadian Institute. 

„ Entomological Society of Canada (N.). 
Washington: Departement of Agriculture of the Unit. Stat. of N. America. 
„ Smithsonian Institution. 

„ United States Geological Survey. 

b) Südamerika. 
Buenos-Aires: Museo publico. 

„ Sociedad cientifica argentina. 

Cordova: Academia nacional di ciencias exactas a la Universidad. 
Mexico: Sociedad mexicana de historia natural. 
250 Bio Janeiro: Commission geologique de l'empire de Bresil. 

Australien. 

Adelaide: Philosophical society. (South austral. institute.) 
Sidney: Koyal Society of New South Wales. 
„ Linnean society of New South Wales. 



Verhandlungen 

der kaiserlich-königlichen 

zoologisch-botanischen Gesellschaft 

in Wien. 



Herausgegeben Ton der Gesellschaft. 

Jahrgang; 189 9. 

XXIX. Band. — I. Halbjahr. 

(Versammlung am 8. Jänner, 5. Februar, 5. März, 2. April, 7. Mai.) 
Mit 4 Tafeln. (T. I— IV.) 



Wien, 1879. 



Im Inlande besorgt durch W. Braumüller, k. k. Hof buchhändler, 
Für das Ausland in Commission bei F. A. Brockhaus in Leipzig. 

Druck von Adolf Holzhausen in W;en. 



Sitzungsberichte. 



Z. B. Ges. B. XXIX. Sitz.-Ber. 



A 



Versammlung am 8. Jänner 1879. 



Vorsitzender: Herr Professor Dr. Gustav L. Mayr. 



Neu eingetretene Mitglieder: 

P. T. Herr Als Mitglied bezeichnet durch 

P. T. Herren 

Brandza Dr. D., Universitäts-Professor und 

Director des botan. Gartens in Bukarest H. Braun, J. A. Knapp. 

Papi-Balogh Peter von, Secretärdes landw. 
Comitats- Vereines zu Mezöhegyes, Csanäder 
Comitat Das Secretariat. 



Eingesendete Gegenstände : 

4721 Coleopteren zur Verwendung für die Vereins -Sammlung und zur 
Betheilung von Schulen von Herrn A. Pelikan von Plauenwald. 

Eine Partie Coleopteren aus Tunis von Herrn M. v. Damianitsch. 



Herr Professor Reichardt besprach die von dem verstorbenen 
Mitgliede Herrn E. Kubin in Gesellschaft des Herrn J. F. Müller 
verfasste Arbeit über die Entwicklungsvorgänge bei Pistia Stratiotes 
und Vallisneria spiralis. Bonn 1878. 



Derselbe legte vor: Beiträge zur Literaturgeschichte und Ver- 
breitung der Lebermoose in Böhmen von Professor Jos. Dedecek. 
(Siehe Abhandlungen.) 



A* - 



4 



Versammlung am 8. Jänner 1879. 



Herr Dr. Günther Beck übergab die folgenden Beiträge: 

Zur Flora von Niederösterreich. 

Auch im Jahre 1878 war es mir gegönnt, zahlreiche Excursionen zur 

Erforschung unserer heimischen Flora zu unternehmen. Insbesondere stellte ich 

mir die Aufgabe, das Oetschergebiet eingehender zu durchstreifen. — Mögen die 

neuen Standorte mehrerer, für Niederösterreich höchst seltener Pflanzen von 

Neuem Andere animiren, diesem Gebiete ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden, um 

die Erforschung unseres Kronlandes zu einer vollständigen zu machen. 

Polypodium vulgare L. Auf Sandstein reichlich in den Schluchten des Ameis- 
berges hinter Tullnerbach. 

Athyrium alpestre Nyland. Im Krummholze vom Hochalbel gegen den Krummbach- 
sattel, ferner am Waxriegel, am Abhänge des Alpengipfels gegen das 
Waichthal und in demselben. Auf der Voralpe und zwischen Krumm- 
holz am kleinen Oetscher. 

Blechnum Spicant L. Am Königsberge, besonders oberhalb Göstling sehr häufig. 

Scolopendrium vulgare Sym. Zwischen Felsspalten im Waichthale des Schnee- 
berges, im Königsgraben am Hochkor, auf der Ostseite der Stumpfmauer. 1 ) 

Phegopteris Dryopteris Fee. (Polypodium Dryopteris L. a. glabrum Neilr.) 
Auf Sandstein in den Schluchten des Ameisberges hinter Tullnerbach. 

P. polypodioides Föe. (Polypodium Phegopteris L.) Auf allen Voralpen des 
Oetschergebietes häufig. 

Aspidium aculeatum Doli. Auf Sandstein in den Schluchten des Rahmberges 
gegen das Weidlingthal. 

A. montanum Vogler. (A. Oreopteris Sw.) Sehr häufig am Königsberge von 
Göstling bis Hollenstein, öfters in riesigen Exemplaren. Am Oisberge 
bei Gr. -Hollenstein. 

A. rigidum Sw. Zwischen Krummholz am grossen Oetscher. 

A. spinulosum Schk. a. genuinum Röper. Auf Sandstein in den Schluchten 
des Ameisberges hinter Tullnerbach. 

Cystopteris montana Bernh. In den Schluchten der Waldregion im Oetscher- 
gebiete häufig. Zu den bereits aus diesem Gebiete bekannten Standorten 
füge ich folgende hinzu: In den tieferen Oetschergräben bei Lackenhof, 
am Aufstieg zum Dürrnstein zwischen Lend und Mitter-See, auf der 
Stumpfmauer oberhalb der Wentneralm, am Oisberge, am Königsberge 
auf der Nordseite des Almkopfes. — An der Thalhofriese oberhalb der 
Holzknechthütte. 

Botrychium Lunaria Sw. In üppigen Exemplaren im Nadelwalde unterhalb des 
Albelecks gegen die kaiserliche Jagdhütte. In Felsritzen auf der Nordseite 
des Oetschers. Auf der Voralpe in Wiesen zwischen Krummholz vom 
Gipfel angefangen bis zur Esslingalm und am Aufstiege von der Seeau. 



!) Bei dem Standorte dieser Art (Verh. der zool.-botan. Ges. 1876. p. 466) ist statt Wendel- 
alm richtiger Wentneralm zu setzen. 



Günther Ii eck. 



5 



Botrychium Lunaria Sw. var. y. incisum Milde (Monogv. deutsch. Ophiogl. 1856, 
p. 5). Auf dem Sonnweudstein. Diese Varietät dürfte für Niederöster- 
reich neu sein, da Neilreich in seiner Flora des Kronlandes derselben 
keine Erwähnung that. 

Lycopodium Selago L. ß. recurvam Neilr. Auf Sandstein in den Schluchten 
des Ameisberges bei Tullnerbach. 

L. annotinum L. und L. clavatum L. Am Kamme des kleinen Oetschers. 

Eragrostis poaeoides Trin. a. minor Neilr. Auf dem Stationsplatze der West- 
bahn in Neu-Lengbach. 

Poa cenisia Allion var. a. diffusa und ß. coarctata Neilr. Bei der Herrnalpe 
am Dürrnstein. 

Bromus inermis Leyss. Bei dieser Art hebt Neilreich (in seiner Flora von 
Niederösterr. p. 80) die kahlen Blätter und Scheiden als specielles Merk- 
mal hervor. Ich fand heuer an mehreren Stellen der Umgegend Wiens 
Exemplare, deren grundständige Blätter und Scheiden dicht behaart waren. 
Auch im Neilreich'schen Herb. Austr. infer. finden sich derartige Formen. 

Lolium perenne L. y. ramosum Roth. In einem etwas feuchten Graben der 
Türkenschanze fand ich ein Exemplar, dessen Aehre 7, bis 6 Cm. lange 
Aeste aufwies. Diese monströse Varietät ist jedoch nicht immer das 
Erzeugniss eines fetten oder gedüngten Bodens (Neilreich, Flora von 
Niederösterr. p. 89), denn auch auf den trockenen Sandfeldern der Türken- 
schanze kommt dieselbe gar nicht selten vor. 

Nardus stricta L. Auf Alpenwiesen im Oetschergebiete häufig. Ausser an den 
bekannten Standorten am Dürrnstein und Hochkor auch am Oetscher, 
Königsberge bei Göstling, auf der Voralpe. 

Carex capillaris L. Auch auf der Voralpe häufig. 

C. alba Scop. Eine interessante Varietät dieser Art mit fast kugeligen, stark 

gerillten und glänzend braunen Früchten fand ich im Krengraben am 

Oisberge bei Hollenstein. 
C. ferruginea Scop. Auf Alpenwiesen im Oetschergebiete nicht selten. Am 

Rifflsattel und am kleinen Oetscher, auf der Voralpe, am Dürrnstein. 

Am Sonnwendstein. 
C. tenuis Host. An Felsen im Waichthale des Schneeberges. 
C. atrata L. a. conglomerata Neilr. am Dürrnstein. 
C. mucronata Allion. Auf der Voralpe. 

C. glauca Scop. var. androgyna Reich. (Icon. Flor. Germ. XVIII. Fig. 648). 

Auf der Wiese am Fusse des Herrmannskogels. 
Scirpus Holoschoenus L. An Tümpeln der neuen Anschüttungen im Prater. 
Luzula flavescens Gaud. Am Königsberge bei Göstling. 

L. spadicea DC. a. glabrata Neilr. Im Krummholze am Kamme des Hochkors 
gegen das Lengfeld. 

L. campestris DC. y. congesta Desv. In Sumpfwiesen bei Lackenhof, am kleinen 
Oetscher und auf dem Königsberge bei Göstling. 



6 Versammlung am 8. Jänner 1879. 

Toßeldia cdlyculata Wahl. Im Triestingthale auf feuchten Wiesen bei Fahra- 
feld sowie im Haselbachgraben. Auch fand ich am Hochkor wie auf der 
Voralpe Exemplare mit deutlich ausgeprägter Blüthentraube , wobei das 
unterste Blüthenstielchen eine Länge von 15 Mm. und das oberste noch 
eine solche von 5 Mm. aufwies. 

Lilium Martagon L. Als Zeugniss der Ueppigkeit, mit welcher diese Pflanze 
in den Holzschlägen um Pottenstein vegetirt, führe ich an, dass Exem- 
plare mit 30 Blüthen nicht zu den Seltenheiten gehören. Letzten Sommer 
aber fand ich ein Exemplar, welches zwei Blüthenschäfte trug, von denen 
der eine 39 der andere aber 87 Blüthen hervorgebracht hatte. 

Allium carinatum L. Auf Sandstein am Weidlingbacher Fusswege hinter Sievring. 
An schattigen Stellen am westlichen Fusse des schwarzen Oetschers bei 
Lackenhof, ferner in Gesellschaft mit Potentilla caulescens L. von der 
Seeau bis Klein-Hollenstein und wahrscheinlich noch an anderen Stellen 
des oberen Ybbsthales. 

Orchis ustulata L. Diese Pflanze, gewöhnlich nur eine Wiesenbewohnerin, findet 
sich auch in Holzschlägen und dichten Waldungen am Kuhberge bei 
Fahrafeld. 

0. globosa L. Am Kamme des Hochkors. Für dessen Flora neu. 

Anacamp tis pyramidalis Rieh. In einem Exemplare im Holzschlage des Kuh- 
berges bei Fahrafeld. 

Coeloglossum viride Hartm. Auch auf Schiefer z. B. am Semmering häufig. 

Plathanthera bifolia Rieh. Auf der Höhe des Kuhberges bei Fahrafeld fand ich 
ein kräftiges Exemplar mit drei Basalblätter und monströsem gabelförmig 
getheilten Blüthenstande. 

P. chlorantha Cust. In Gesellschaft der vorigen an buschigen Stellen nächst 
dem Herlhofe bei Merkenstein. 

Ophrys myoides Jacq. In ziemlicher Gesellschaft auf einer Haide (Brentinger 
Haid) bei Fahrafeld. 

0. arachnites Mur. Auf nassen Wiesen im Tristingthale von Pottenstein bis 
Weissenbach, besonders in grosser Zahl beim Josefsbrunn. 

Cephalanthera ensifolia Rieh. Auf nassen Wiesen bei Merkenstein. 

C rubra Rieh. Nicht selten in den Holzschlägen am Kuhberge gegen Fahra- 
feld meist unter mannshohen Exemplaren von Veratrum nigrum L. 

Cypripedium calceolus L. Unter einem thurmhohen Felsen am Fusse der Vor- 
alpe in der Nähe des Pfannschmiedes (Seeau). 

Taxus baccata L. Ein Strauch in den Schluchten am Vogelsang des Kahlen- 
gebirges. Vielleicht nur ein Flüchtling aus dem Kobenzl-Parke. 

Juniperus vulgaris L. ß. alpina Neilr. (J. nana Willd.) Auf der Voralpe. 

Pinus mughus Scop. Auf der Raxalpe fand ich einige Exemplare, welche in den 
älteren Kurztrieben gewöhnlich drei Nadeln enthielten. 

Parietaria officinalis L. Steigt bis in die Krummholzregion, so im Waichthale 
am Schneeberge. 



Günther Beck. 



7 



Salix repens L. ß. latifolia Neilr. unter S. cinerea L. In Wiesengräben bei 
Fahrafeld. 

Thesium alpinum L. var. bracteis scabris. Zwischen Krummholz am grossen 
Oetscher. 

Eupatorium canndbinum L. ß. indivisum Neilr. Im Krengraben am Oisberge 
bei Gross-Hollenstein. 

Erigeron alpinum L. ß. glabratum Neilr. Am kleinen Oetscher. 

E. acre L. ß. glabratum Neilr. Am Königsberge bei Göstling. 
*Achillea Reichardtiana G. Beck. (A. Clavennae-Clusiana). In den Felswänden 
auf der Südseite des grossen Oetschers in einem Exemplare. 

A. nobilis L. flore albo. Auf der Türkenschanze gegen Döbling. 

Gnaphalium supinum L. Auf dem bekannten Standorte am sogenannten Tegel 
des Hochkors nur spärlich; viel häufiger auf wiesigen Plätzen zwischen 
Krummholz gegen den Gipfel desselben Berges. Auf dem Schneeberge 
an den Abstürzen des Alpengipfels gegen das Waichthal. 

Aronicum Clusii Koch. Diese in den östlichen Kalkalpen Niederösterreichs häufige 
Pflanze fehlt mit Ausnahme des grossen Oetschers in den östlichen Alpen. 
Am Dürrenstein scheint A. scorpioides dieselbe zu ersetzen. 

Doronicum austriacum Jacq. Bei Oberpolzberg nächst Gaming. Nach Neil- 
reich (Flora von Niederösterr. p. 361) wäre das Blüthenlager des Genus 
Doronicum nackt. Dor. austriacum hat aber stets ein dichtbehaartes 
Blüthenlager. 

Senecio alpinus Koch a. cordifolius Reich. Am kleinen Oetscher. 
S. umbrosus W. et K. In den Schluchten des Kuhberges gegen Weissenbach 
an der Triesting. 

8. campestris Neilr. a. pratensis Neilr. (S. campestris DC.) Am Bahndamme 
bei Fahrafeld und auf Wiesen bei Weissenbach. im Triestingthale. 

Centaurea montana L. ß. incana Neilr. Im Kampthale in der Umgegend der 
Rosenburg nicht selten. Die Varietät <x. viridis Neilr. zerstreut unter 
derselben. 

C. ScabiosaL. y- fuliginosa Neilr. (C. fuliginosa Doli.) Am südlichen Abhang 
der Voralpe. 

*Cirsium cano-oleraceum Reich. Sehr häufig und bald in die eine oder in die 
andere Stammart durch Blüthenfarbe und Tracht übergehend auf feuchten 
Wiesen bei Fahrafeld. 

*C. Erisithali-rivulare Reich. Auf Wiesen bei Mitterau und auf Wiesen am 
Aufstiege zum Polzberg (nächst Gaming). 

*C. Erisithali-palustre Kerner. Am westlichen Fusse des schwarzen Oetschers 
bei Lackenhof nicht selten. Auch fand ich daselbst die C. palustre näher 
stehende Form (Neilreich, Nachtrag 1866. p. 54). 

*C. oleraeeo-arvense Nägeli. An demselben Standorte. 
Saussurea discolor DC. Am Langfelde und am östlichen Abhänge des Hoch- 
kors nicht selten. 



8 Versammlung am 8. Jänner 1879. 

Scorzonera hispanica L. ß. latifolia Neilr. In schattigen Wäldern bei Merken- 
stein nächst dem Herlhofe. 

Leontodon Taraxaci Loisel. Am grossen Oetscher. 

Willemetia apargioides Less. Auf Sumpfwiesen am Hochkor. 

Crepis setosa Hall. Auf der Türkenschanze besonders in Schneckenkleefeldern 
alljährlich häufiger. In Obstgärten von Währing. 

C. blattarioides Vill. Zwischen Krummholz am kleinen Oetscher (in der dolden- 
traubig ästigen, vielköpfigen Form). 

C. montana Tausch. Auf der Ostseite des Hochkors nicht selten. 

C. paludosa Mönch. Sehr häufig auf Sumpfwiesen im Triestingthale bei 
Fahrafeld. 

C. Jacquini Tausch. Am kleinen Oetscher und am Hochkor. 

Hieratium saxatile Jacq. y. latifolium Neilr. Auf Kalkfelsen bei Weissenbach 

an der Triesting ; auch in Uebergangsformen zu H. murorum L. y. poly- 

phyllum Neil. 

H. staticefolium Vill. Auf Felsen am Lusthausberge bei Gainfahrn. 

villoso-prenanthoides Schultz. In den Oetschergräben gegen Lackenhof. 
Ein auffallender Standort, da H. prenanthoides meines Wissens keinen 
in der Nähe liegenden Standort besitzt. 
*H. villosO'Saxatile Petter. In einer Form, welche auf H. saxatile ß. angusti- 
folium hinweiset, in den Felswänden auf der Südseite des grossen 
Oetschers. 

*H. villoso-murorum Neilr. Am Hochkor. 
Phytheuma spicatum L. flore coeruleo. Nicht selten unter dem normalfärbigen 
Ph. spicatum und Ph. orbiculare in Holzschlägen am Kuhberge bei 
Pottenstein. 

Gentiana asclepiadeia L. Mit einblüthigem Stengel und viertheiliger Blumen- 
krone am Königsberge bei Göstling. 

JSrythraea linarifolia Prs. Auf Sumpfwiesen bei Fahrafeld im Triestingthale. 

Lamium maculatum L. flore albo. In Gebüsch am Südabhange des Leopolds- 
berges. 

*Verbascum nigro- Orientale Neilr. An der Triesting bei Fahrafeld. 
Antirrhinum majus L. Auf Kalkfelsen bei Pottenstein wahrscheinlich wild, 

denn ich beobachtete die Pflanze daselbst schon seit dem Jahre 1868. 
Veronica montana L. Bei Hadersfeld und an den Abstürzen des Kahlen- 

gebirges gegen St. Andrä. 
V. Chamaedrys L. Bei dieser Art zeigt die unterste Blüthe der Traube sehr 

häufig einen fünftheiligen Kelch oder die Theilung des letzteren ist durch 

die Spaltung eines Kelchzipfels angedeutet. 
Pedicularis foliosa L. In den Schluchten des Waichthaies und oberhalb des 

Thurmsteines am Schneeberge. Am südlichen Abhänge der Voralpe. 
Melampyrum barbatum W. et K. Am Bahndamme zwischen Fahrafeld und 

Weissenbach an der Triesting. Wahrscheinlich nur durch fremden Samen 

eingeführt. 



Günther Bock. 



9 



Orobanche Teucrii Schutz. Auf Teucrium Chamaedrys in Waldwiesen auf der 
Höhe des Kuhberges in ziemlicher Menge. 

Primula Clusiana Tausch, var. foliis crenatis (Lehm. Monogr., Prim. t. 8; 
Reich., Icon. XVII. 58. Fig. 1). Diese für Niederösterreich neue 
Varietät fand ich auf der Nordseite des kleinen Oetschers. 

Cortusa Matthioli L. Im Königsgraben am Hochkor. 1 ) 

Rhododendron Chamaecistus L. In der Thalsohle der Seeau bei Gr-. Hollenstein. 
Arctostaphylos dlpina Spr. Auf der Südwestseite der Stumpfmauer (Voralpe). 
Bupleurum rotundifolium L. Im schattigen Buchenwalde auf der Höhe des 

Kuhberges bei Pottenstein. Ein abnormer Standort! 
Angelica süvestris L. ß. angustisecta Neilr. Auf der Voralpe. 
Saxifraga mutata L. Am östlichen Abhänge des kleinen Oetschers; an der 

Strasse in der Seeau hinter dem neuen Jägerhause. 
S. Aizoon L. Eine auffallende Form mit mehreren, feinen, klein beblätterten 

Ausläufern, welche knapp unter der Blattrosette entspringen und eine 

ziemliche Länge erreichen, fand ich in Felsritzen im Waichthale des 

Schneeberges. 

Ribes Grossularia L. Auf Kalkfelsen bei Pottenstein. 

R. petraeum Wulf. Am Dürrnstein oberhalb der Herrnalpe. 

Thälictrum simplex Wahl. Im Prater an feuchten Stellen der Krieau. 

Anemone Hepatica L. Bei dieser Art kommen nicht selten abnorme Blattformen 
vor. Blätter mit vier oder noch mehr Zipfeln sind gerade keine Selten- 
heit. Man findet aber auch solche, welche durch die fast regelmässige 
Kerbung den Blattformen der transy Ivanischen Hepatica angulata Lamrk. 
sehr nahe stehen. Als charakteristisches Unterscheidungsmerkmal wird 
jedoch für H. angulata angegeben, dass die Blattspreiten oberseits be- 
haart seien, während A. Hepatica L. oberseits kahle Blätter besitze 
(vergl. Neilreich, Flora von Niederösterr. p. 673). Dieses Unterscheidungs- 
merkmal trifft jedoch nicht immer zu, denn man findet auch Formen der 
unverkennbaren A. Hepatica mit oberseits reichlich behaarten Blatt- 
spreiten. Vielleicht gelingt es, die H. angulata Lmrk. auch in unserer 
Gegend aufzufinden! 

Ranunculus anemonoides Zahlbr. In der Seeau an feuchten Felswänden an der 

Strasse vor der Wegtheilung. 
R. alpestris L. y. angustisectus Neilr. An Schneefeldern am Dürrnstein. 
Aquilegia vulgaris L. flore dlbo. Auf Kalkfelsen bei Pottenstein nicht selten. 
Papaver Argemone L. Auf der Höhe der Türkenschanze. 
Arabis ciliata R. Br. Auf Felsen am Sonnwendstein. 

Cardamine hirsuta L. a. campestre Fries. Auf Wiesen im Tullnerbachthale häufig. 
Nasturtium officinale R. Br. Im Antonibründl bei Pottenstein. 
Biscutella laevigata L. ß. lucida Neilr. Auf Kalkfelsen bei Weissenbach an der 
Triesting. 



J ) Siehe A. Kern er, Das Hochkar, diese Verhandlungen 1857. 52G. 
Z. B. Gee. B. XXIX. Sitz.-Ber. 



Ked. 

B 



10 Versammlung am 8. Jänner 1879. 

Viola mirdbilis L. In Wäldern bei Fahrafeld. 

V. tricolor L. ß. grandiflora Neilr. Am Kamme des kleinen Oetschers. 
Sagina procumbens L. a. glaberrima Neilr. Auch in der Alpenregion, wie am 

Alpengipfel des Schneeberges. 
Spergula arvensis L. a. sativa Neilr. Mit der Varietät ß. trachysperma Neilr. als 

Unkraut auf Feldern am Kurzeck bei Göstling. 
ALüne laricifolia Wahl. Am Kamme des kleinen Oetschers. 
Moehringia muscosa L. Fast in der Thalsohle auf Felsen bei Pottenstein. 
Cerastium glomeratum Thuill. Auf nassen Wiesen am Polzberg bei Gaming. 
Älthaea offieinalis L. Der Standort bei Fahrafeld (Verh. d. zool.-botan. Ges. 

1877, p. 857) wurde durch unberufene Hände vernichtet. 
Lavathera thuringiaca L. In Holzschlägen am Kuhberge bei Pottenstein. Im 

Jahre 1877 ein, im Jahre 1878 drei Exemplare. 
Uliamnus saxatilis L. floribus androgynis. Am nördlichen Abhänge des 

Leopoldsberges. 

Euphorbia pilosa L. S. lasiocarpa Neilr. Am kleinen Oetscher. 
E. saxatilis Jacq. Auf den Kalkfelsen im Furterthal hinter Weissenbach an der 
Triesting. 

Geranium Robertianum L. flore albo. Auf Kalkfelsen bei Pottenstein. 
Epilobium alsinefolium Vill. a. minus Fries. Am kleinen Oetscher, auf der 
Voralpe. 

E. palustre L. An quelligen Stellen bei Hochstrass im Wienerwalde. 
*Circaea alpino-lutetiana Reich. (C. intermedia Ehrh.) Am Polzberg bei Gaming. 

Sorbus Chamaemespilus Crantz, a. glabra Neilr. Auf der Voralpe. Die für 
Nieder Österreich neue Varietät y. discolor Neilr. ebenfalls am süd- 
lichen Abhänge der Voralpe. 

Sanguisorba offieinalis L. Auf Sumpfwiesen bei Fahrafeld. 

Potentilla Fragariastrum Ehrh. Im Tullnerbachthale längs des Baches häufig. 

P. caulescens L. Von dem bekannten Standorte „Seeau" angefangen auf allen 
Kalkfelsen des Ybbsthales bis Klein-Hollenstein und wahrscheinlich noch 
an ähnlichen Localitäten bis Waidhofen. 

P. minima Hall. Auf der Nordseite des Hochkors unter dem Gipfel; am 
Gipfel des grossen Oetschers. 

Trifolium pratense L. ß. alpinum Neilr. Unter dem Gipfel am Hochkor; auf 
der Voralpe. 

T. ochroleucum Huds. Auf Sandfeldern der Türkenschanze. 

T. incarnatum L. Wird in neuester Zeit im Krottenbachthale bei Döbling 

gebaut und findet sich daselbst auch in einigen Exemplaren verwildert vor. 
T. badium Schreb. Am Hochkor ausser an dem bekannten Standorte „Tegel" 

(wo ich die Pflanze 1877 nur spärlich antraf) noch an einer zweiten 

Stelle am Ausgange des Königsgrabens. 
Vicia monantha Desf. Wird in der Gegend von Eggenburg über Dreieichen bis 

Horn und südwärts bis Gars häufig im Grossen gebaut. Verwildert fand 

ich sie bei Gars und hinter Schönberg im Kampthale an wiesigen Abhängen. 



F. v. Feiller. 



1 1 



Herr F. v. Feil ler berichtete über die Auffindung der 
Tausendfüssler-Gattung Craspedosoma bei Wien: 

Das Vorkommen von Kepräsentanten der Familie Craspedosomidae bei 
Wien war bisher fraglich. Was in dieser Beziehung bekannt wurde, beschränkt 
sich auf die Worte C. L. Koch's, ein Exemplar der Art Craspedosoma marmo- 
ratum Koch aus einer Sammlung in Wien ohne Angabe des Fundortes 
erhalten zu haben. Ueber die Identität der Arten Craspedosoma Bawlinsii Leach 
und Craspedosoma marmoratum Koch differiren die Ansichten. 

Im Laufe des Herbstes 1877 wurden nun Craspedosoma-Arten um Wien 
factisch gefunden. Herr Custos Kogenhofer fand ein Exemplar einer Art in 
Dornbach am Fusse von Bäumen, Feiller fand ein Exemplar einer Art im 
Prater bei Wien am Fusse von Aubäumen unter Blättern, woselbst sich Poly- 
desmus sp. ? massenhaft aufhielt, letztere Thiere nahe im selben Altersstadium ; 
in einer halben Stunde waren über ein halbes Hundert auf einer Stelle weniger 
Quadratfuss gesammelt. Dies nebenbei gesagt über das Polydesmus -Vorkommen. 

In den Auen der Wien, am rechten Ufer zwischen Weidlingau und Hüttel- 
dorf, unter der lockeren Rinde alter Bäume der Salix alba, am Fusse derselben 
besonders, fand Feil ler etwa zehn Exemplare von Craspedosoma; auch unter 
Steinen, die auf faulenden Blättern, auf Moos lagen, kamen sie vor. 

Ein gross gewachsenes Exemplar einer Art Craspedosoma, deren erste 
Segmente vom Halsschild inclusive, abwärts schön rosa gefärbt sind, fand 
Feiller im Flussbette der Wien, doch mehr dem Ufer zu, unter einem grösseren 
Steine, welcher auf feinem Flusssande ruhte. 

Wahrscheinlich ist, dass die hiesigen Craspedosomen sich ausser in den 
Arten Cr. Rawlinsii Leach, Cr. marmoratum Koch, noch in ein paar weiteren 
Arten wiederfinden. 

Die Empfindlichkeit der Craspedosoma-Arten gegen den Feuchtigkeits- 
zustand der Luft und der Räume, in denen sie gefunden werden, erregt die 
Aufmerksamkeit; das Leben der Craspedosomen im Wasser (ob überhaupt und 
wie lange Zeit sie unter Wasser zu leben vermögen), wie sich der, wie bei 
Juliden, Polydesmiden ausstülpbare Darm theils als Haftorgan beim Gehen über 
nasse Flächen, theils möglicher (?) Weise als ein die Athmung zeitweise ver- 
mittelndes Organ verhält, harret als offene Frage der Beantwortung. 



Herr Custos A. Rogenhofer besprach den II. Theil der: 
Illustrations of typical specimens of Lepidoptera heterocera in the 
British Museum von A. G. Butler. London 1878, der bloss nur 
neue Arten aus Japan behandelt; der Vortragende macht auf die 
Aehnlichkeit der japanischen Fauna mit der mitteleuropäischen 
aufmerksam, die sehr viele vicarirende Formen aufweist. 



B* 



12 



Versammlung am 5. Februar 1879. 



Versammlung am 5. Februar 1879. 

Vorsitzender: Herr Professor Dr. H. W. Reichardt. 

Neu eingetretene Mitglieder: 

P. T. Herr Als Mitglied bezeichnet durch 

P. T. Herren 

W o z a s e k Leopold , Lehramts - Candidat in 

Wien, IV., Paulanergasse 5 .... . A. Heimerl, H. Braun. 
Erb Leopold, Lehramts - Candidat in Wien, 

IV., Fleischmanngasse 3 A. Heimerl, H. Braun. 

Leder Hans, Naturalist in Paskau (Mähren) Ed. Reitter, Dr. L. v. Heyden. 
Teuffen Carl, Buchhändler in Wien, IV., 

Hauptstrasse 15 J. Kaufmann, J. Kolazy. 

Lorenz Ludwig, Ritter von Liburnau, Dr. d. Dr. Friedr. Brauer, Dr. Emil von 

Phil Marenzeller. 

Cypers von Landrecy Victor, Lehramts- 

Candidat in Wien, IV., Rainergasse 16 A. Heimerl, H. Braun. 
Rimmer Franz, stud. philos., Wien, VIII., 

Buchfeldgasse 16 Dr. Reichardt, K. Solla. 

Eingesendete Gegenstände : 
300 Conchylien von Herrn J. Kaufmann. 

Anschluss zum Schriftentausche: 
Societä crittogamologica italiana. 



Herr F. Arnold hat die Folge seiner Lichenes exsiccatae 
dem Gesellschafts-Herbare zum Geschenke gemacht. 



Die Bataviaasch Genootschap van Künsten en Wetenschappen 
in Batavia übersendet die zur Feier ihres hundertjährigen Bestandes 
herausgegebene Festschrift und Gedenkmedaille. 



Gustav M a y r. 



LS 



Herr A. StÖhr sprach über das von ihm aufgefundene Vor- 
kommen von Chlorophyll in der Pflanzen-Epidermis. 



Herr Custos Alois Rogenhofe r legte vor: Beiträge zur 
Kenntniss der kaukasischen Käferfauna von O. Schneider und 
H. Leder mit 6 Tafeln, ein Geschenk der Autoren und gab eine 
Uebersicht der zahlreichen Arten, worunter nicht weniger als über 
zweihundert neue beschrieben sind. 



Anzeige. 

Das Herbarium des verstorbenen Baron Hausmann, des hochverdienten 
Erforschers der Flora Tirols, ist in den Besitz des Herrn B. Stein, Inspectors 
des botanischen Universitätsgartenä in Innsbruck übergegangen. Derselbe ist 
geneigt, die Sammlung centurienweise zu verkaufen oder zu vertauschen. 



Versammlung am 5. März 1879. 

Vorsitzender: Herr Professor Dr. Gustav Mayr. 

Neu eingetretene Mitglieder : 

P. T. Herr Als Mitglied bezeichnet durch 

P. T. Herren 

Arn hart Ludwig, Lehrer in Pettau . . . J. Glowacky, Dr. Reichardt. 
Stöhr Adolf, Hörer der Philosophie, Wien, 

IX., Mariannengasse 12 Prof. Wiesner, Prof. Solla. 



Landes-Real- Gymnasium Stockerau .... Die Direction. 



Eingesendete Gegenstände: 

Herbarium pathologicum von Freiherrn F. v. Thümen 2 Centurien, 
Geschenk von Herrn A. Rogenhof er. 

50 Stück Coleopteren von Herrn H. Braun. 

Die Pilze der landwirtschaftlichen Culturgewächse von Freiherrn F. von 
Thümen, Geschenk von Herrn J. Baron Schröckinger-Neudenberg. 
10 Centurien Pflanzen von Herrn H. Braun. 



14 



Versammlung am 5. März 1879. 



Der Ausschuss der Gesellschaft hat in seiner Sitzung am 
3. März den Beschluss gefasst, die Gesellschaft werde an der Feier 
der silbernen Hochzeit Ihrer Majestäten durch Ueberreichung einer 
Huldigungsadresse theilnehmen. 



Herr de Mazaredo in Bilbao hat den Mitgliedsbeitrag auf 
Lebensdauer eingezahlt. 



Herr Alois Müh lieh gab die nachstehenden Beiträge: 

Zur Flora von Niederösterreich. 

Während der langen Zeit meines Bofcanisirens bin ich auf manche Fälle 
gekommen, die mir von allgemeinem Interesse zu sein schienen. Betrachten wir 
vorerst eine Reihe abnormer Formen. 

Eine Pelorienbildung besteht zumeist darin, dass symmetrische Blumen 
in asymmetrische verwandelt erscheinen. Anders verhält es sich bei der Linaria 
vulgaris, die ich am 11. September 1873 im Wiener Prater fand. Das Exemplar 
zeigte mehrere Blüthen, denen eines Antirrhinum täuschend ähnlich. Calcar et 
lobolus interna, labii inferioris prorsus evanida. Atavismus im Sinne Darwin's? 
An anderen Zweigen mehrere normale Blumen. Wurde auch anderwärts beob- 
achtet: Forma anectarea Peyritsch, siehe Just, bot. Jahresbr. 2, 570. 

Vier Jahre früher sammelte ich ein auffälliges Verbascum (2. September 
1869, Wien, beim Augarten). Der Species nach ist es phlomoides. Fast alle Blüthen 
verbildet. Die pedicelli oft zolllang, der Kelch fünf blättrig , die Krone lang, 
röhrig, vergrünt, der Saum fünf lappig. Die corolla erinnert in der Form an 
Pentstemmon. 

Vincenz Borbäs, der verdiente Botaniker Ungarns, führt Oesterr. bot. 
Zeitg. 1869, S. 59 den Fall einer Umbildung bei Galanthus an. Folgendes als 
Gegenstück. Ende März 1863 erhielt ich einen Galanthus aus dem Prater. Von 
dem äusseren Kreise der Blüthenblätter war nur eines normal, das zweite 
erschien auf einer Seite petaloid, das dritte war der Form und Farbe nach 
ganz petaloid, nur etwas grösser. Diese Gattung neigt überhaupt zu derlei 
Umbildungen. 

Cheilomanie wurde bei Orchideen mehrfach beobachtet, besonders bei 
Orchis und Ophrys. Siehe Just, bot. Jahresbr. 2, 457 und unsere Schriften 
1875, S. 21. Im Frühjahre 1871 wurde mir eine Orchis fusca von der Wiener 
Sandstein-Zone (Sievring) gebracht. Vielleicht drei der untersten Blüthen hatten 
die Lippe doppelt, zwei grosse breite Lippen. 

Am 13. Juni 1869 botanisirte ich auf dem Galizinberge nächst Wien. 
Achtlos riss ich eine Gymnadenia conopsea R. Br. ab. Kaum die untersten 



Alois Mühlich 



15 



Blumen waren offen. Aber wie sehr bedauerte ich, sie nicht ganz ausgehoben 
zu haben. Es war ein Unicum. Bina phylla interiora (iepala Rbch. fil.) periyonii 
calcarata ! ! Diess ist ein Fall, der Analogien nur bei gewissen Orchideen vom 
Cap findet. Ich gab das Exemplar an das Wiener Museum ab. 

Jahrgang 1877, S. 856 unserer Schriften wird erwähnt, dass Scilla bifolia 
bei Stockerau (Niederösterreich) gefunden wurde mit Bracteen bis 1 Cm. lang. 
Ich fand am 1. April 1869 im Prater ein reichblüthiges Exemplar, wo das 
unterste Deckblatt etwa 3 Cm. lang war, die folgenden etwa 1 Cm., vergl. auch 
Just, bot. Jahresber. 4. 1070. 

Aeusserst auffallend erscheint mir eine Globularia cordifolia von Mödling 
bei Wien, 21. Mai 1869. Etwa 1 / i Zoll unter dem Köpfchen steht am Schafte 
eine Einzelblüthe, 3 /4 Zoll darunter eine zweite Einzelblüthe ! 

Das von mir erwähnte Thesium ebracteatum mit mehreren Vorblättern 
wurde auch schon früher gefunden. So las ich in dem vortrefflichen Werke 
Celakovsky's, Prodr. fl. Bohem. S. 169. 

Echinospermum Lappäla, auch schon anderwärts als Forma leucantha 
beobachtet (Oesterr. bot. Zeitg. 1873. 116), fand ich rein weiss blühend Ende 
August 1872 bei Gutenhof an der Raab er Bahn. 

Betrachten wir jetzt einiges Floristisches im engeren Sinne. 

In B. Z. 1872, S. 496 spricht Ascherson seine Verwunderung aus, dass 
in Böhmen Linaria spuria häufiger vorkomme als L. JElatine. Auch hierin 
aber, gerade so wie in hundert anderen Fällen, hat Celakovsky wohl Recht. 
Ich habe in den vielen Jahren meines Botanisireus Linaria JElatine in agro 
Vindobonensi gar nie gesehen, wohl aber öfters L. spuria, diese zumal an der 
Raaber Bahn. Ich muss freilich beisetzen , dass ich den Radius der Wiener 
Flora mit 23 Kilometer annehme. *) Vielleicht ist jenes Verhältniss in vielen 
Ländern so, zumal die L. spuria im Kampfe ums Dasein gut beanlagt erscheint. 
Vergl. z. B. Dedecek, in Oesterr. bot. Zeitsch. 1876, S. 236. 

Von Pulicaria vulgaris, einer Pflanze, welche dem Wiener Gebiete auf 
drei Meilen fehlt, fand ich 1869 auf dem Schützenfestplatze ein paar Stück und 
schon früher Juli 1862 spärlich in Gruben bei der Fasangasse. Althaea hirsuta 
bei Simmering angegeben, bei Klederling 1877, 10. Juli in voller Blüthe! Eine 
Woche später Orobanche Gdlii im Rauhenwarther Holze. Wohl ein Unicum ist 



*) Ich bin überhaupt nicht der Ansicht, den Kreis der „Flora" einer Stadt so zu erweitern, 
wie diess vielfach in neuerer Zeit geschieht. Ich glaube, dass darunter die Uebersicht leidet, 
sowohl im Bezirke selbst, als beim Vergleiche mit anderen Florengebieten. Und je mannigfaltiger 
die um eine günstig liegende Hauptstadt aufgeschlossenen Gegenden sind, desto fremdartigere 
Elemente werden dann durch den Kähmen der „Flora" hereingedräugt. Meiner Meinung nach 
wäre ein Radius von 23, höchstens 30 Kilometer entschieden anzuempfehlen. „Wohin man leicht 
in kürzester Zeit mit der Eisenbahn kommen kann." Da müsste ein grosser Theil des südöstlichen 
Mähren zum Wiener Gebiete gehören! — Ich schreibe aus Erfahrung. In der Frühe fuhr ich mit 
der Nordbahn nach Mähren. Ich sammelte im Gödinger Walde. Abends war ich wieder in Wien 
mit guter Ausbeute. — Also fort mit Schneeberg und Karpathen aus der „Wiener Flora" ! 



IG 



Vorsammlung am 5. März 1879, 



der Fund eines Linum angustifolium Hnds. im Prater nnweit der Rasuinovsky- 
Brücke am 13. August 1867. Die Species ist sicher. Das Exemplar wurde ge- 
theilt. Ein Stamm in meinem Herbarium, ein anderer in der prächtigen Samm- 
lung unseres ausgezeichneten Mitgliedes Dr. A. v. Reuss. Achillea nöbilis ist 
schon in Neilreich für den Laaerberg angegeben, von Hayne gefunden. Sie 
scheint aber kaum einen regelmässigen Standort zu haben. Ich fand sie daselbst 
auf der Ostseite, aber specimen unicum inter innumera Millefolia. Ganz zufällig 
ist wohl Lathyrus hirsutus, ein Stück am grossen Wassergraben der Wiener- 
gasse in Gumpoldskirchen; im Sommer 1878. 

Am 21. Juni 1876 glückte es mir Silene dichotoma zu finden auf neuem 
Donaugrunde bei den sogenannten Kaisermühlen. Man wird hier sofort sich 
erinnern, dass ja die Pflanze hart ausserhalb der Grenze der Wiener Flora bei 
Götzendorf vorkommt. Ein Zusammenhang wäre nicht ausgeschlossen. Aber 
diese Art ist eine eminente Wanderpflanze. So wurde sie schon gefunden bei 
München (Just, 4. 1167), bei Breslau (S. 1179), bei Steele (Rheinprovinz) 1. c. 
Gewohnt, jede Art meines Herbariums cosmographisch zu betrachten, habe ich 
lange vergebens nach dem Hauptbezirke dieser Art gesucht. Neilreich nennt 
sie einfach osteuropäisch. In Serbien, Syrmien, Ungarn, Ost-Galizien ist sie 
wohl überall selten. Endlich glaube ich gefunden zu haben, dass es eine kau- 
kasische Pflanze ist. Dort scheint sie verbreitet und dort macht sie Abänderungen ! 

In der jetzt anzuführenden Art aber dürfen wir vielleicht einen neuen 
Bürger der Provinz-Flora erblicken. Anfangs Juli 1874 fand ich im Prater 
am oberen Rande des Schützenfestplatzes Polyyonum Bellardi All. Es ist 
sicher die echte Art! Der Fall ist um so interessanter, als deren Vorkommen 
im nordwestlichen Ungarn bezweifelt wird. Im Allgemeinen gehört sie dem 
Süden und Südosten an 

Der nächste und letzte Fall betrifft eine eminente moderne Wanderpflanze. 
Am 25. Juni 1878 stiess ich bei dem aufgelassenen Liechtenstein-Parke, Vorstadt 
Landstrasse-Erdberg, auf Medicago lappacea Lam. 

Diese Art gehört der Mittelmeerflora an und reicht in ihrer Verbreitung 
nach Osten weit in den Orient, nach Westen zu den atlantischen Inseln. Doch 
ich muss meinen obengebrauchten Ausdruck rechtfertigen. Die Pflanze wurde 
auch gefunden bei Lyon und im Departement Charente inferieure. Nun werden 
mir die Kenner der französischen Flora sofort den Einwurf machen, dass ja 
viele südeuropäische Arten in Frankreich bis Lyon im Osten und bis Angers 
im Westen reichen und dass daher obige Fundorte die Bezeichnung „Wander- 
pflanze" nicht begründen. Darauf habe ich zu antworten, dass diese Species 
in Frankreich in ihrer zusammenhängenden Verbreitung nur am Mittelmeere 
vorkommt, dass sie bei Lyon sich erst zeigte nach einer Ausstellung mit 
mehreren anderen eingeschleppten Arten, dass sie in Lloyd's Flora von West- 
Frankreich erst in der dritten Auflage angeführt wird! Ferner erschien aber 
in neuerer Zeit die Pflanze auch in England bei Farley Green in Bedfordshire. 
Wem aber alle diese Angaben zur Rechtfertigung meiner Bezeichnung nicht 



Alois M Ohlich. 



17 



genügen, dem sei mitgetheilt, dass dieser Klee auch schon bei Hongkong, in 
Neu-Californien und bei Orizaba im Mexico gefunden wurde. S. Just, bot. 
Jahresber. 4, in welchem ausgezeichneten Sammelwerke auch eine höchst ein- 
gehende Synonym ie dieser Art gegeben ist (S. 1026). 

Ueber andere Funde von minderer Bedeutung will ich mich nicht weiter 
auslassen. Vicia sordida, Turgenia, Anchusa italica, einzelne Exemplare an 
einzelnen Orten ; weiter ohne Bedeutung. Wohl aber muss ich eine Ergänzung 
zu meiner Angabe vom 5. Juli 1876 beibringen (Sitzungsber. unserer Gesell- 
schaft). Die dort hervorgehobene Älthaea cannabina wurde von mir gefunden : 
Lang-Enzersdorf bei Wien. Der von mir angeführte Sonchus päluster war 
schon früher bei Gramat-Neusiedl gefunden worden, was mir erst später durch 
Lecture bekannt wurde. 

Auch jetzt bitte ich um Nachsicht, wenn vielleicht Einiges nicht ganz 
neu oder schon überholt ist. Um keinen Preis aber will ich derlei an mir aus- 
setzen lassen, wie ich selbst es mit Schrecken las in einer sonst ausgezeichneten 
und gediegenen Zeitschrift, dass Einer Himantoglossum vom Leopoldsberge, ein 
Anderer Dipsacus pilosus aus dem Prater als Neuigkeiten drucken lässt. Was 
müssen (Jechtritz, Ascherson zu derlei sagen, was für Begriffe müssen 
diese, die unsern Neilreich ganz genau inne haben, von unseren Epigonen 
erlangen? Wie aber solchen MissgrifFen in ernsthafter Weise vorgebeugt werden 
könnte, davon will ich ein andermal eingehender sprechen. 



Herr Dr. Franz Low sprach über die specifische Verschieden- 
heit von Tetraneura pattida Halid. und Schizoneura compressa Koch, 
von denen die erstere auf Ulmus campestris, die letztere auf 
Ulmus effusa Gallen erzeugt. (Siehe Abhandlungen.) 



Freiherr F. v. T hürnen berichtete über die Ergebnisse 
seiner Untersuchungen, die Brandpilze Sibiriens betreffend. 



Herr H. Krauss machte Bemerkungen zur Synonymie einiger 
Orthopteren der paläarktischen Zone. (Siehe Abhandlungen.) 



Herr Custos A. Rogenhofer legte die folgenden Arbeiten vor: 
Coleopterologische Ergebnisse einer Reise nach Croatien und 
Slavonien unter Mitwirkung der Herren Dr. Eppelsheim und 

Z. B. Ges. B. XXIX. Sitz.-Ber. C 



18 Jahres -Versammlung am 2. April 1879. 

v. Heyden, bearbeitet von Edmund Reitter. (Siehe Abhand- 
lungen.) 

Ueber zwei der Runkelrübe schädliche Fliegen von Professor 
F. Farsky. (Siehe Abhandlungen.) 



Jahres- Yersammlung am 2. April 1879. 

Vorsitzender: Herr Präsident-Stellvertreter C. Brunner 

v. Wattenwyl. 



Neu eingetretene Mitglieder: 

P. T. Herr Als Mitglied bezeichnet durch 

P. T. Herren 

Siegel Moriz, Civil -Ingenieur, in Wien, V., 

Hundsthurmerstrasse 68 J. Kolazy, H. Grave'. 



Eingesendete Gegenstände: 

1 Partie Rubus- Formen des Trentschiner Comitats von Herrn Pfarrer 
Holuby. 

4V2 Centurien Pflanzen von Herrn M. F. Müll n er. 

2 Centurien Schmetterlinge von Herrn Otto Bohatsch. 
1 Centurie Pflanzen von Herrn Heinrich Braun. 

630 Insecten von Herrn Ferdinand Buchmüller. 



Anschluss zum Schriftentausche: 
Naturwissenschaftlicher Verein des Trentschiner Comitates (1878). 



Bericht des Herrn Präsidenten- Stellvertreters C. Brunner v. Wattenwyl. 

Hochgeehrte Herren Collegen! 

Die zoologisch-botanische Gesellschaft hat auch im abgelaufenen Vereins- 
jahre in gewohnter Weise für den Fortschritt und die Verbreitung unserer 
Wissenschaft gewirkt. 



Brunner von Wattenwyl 



19 



Ausser einer namhaften Betheilung öffentlicher Institute mit unseren 
Sammlungen, verzeichnen unsere Verhandlungen einen reichen Schatz von Beob- 
achtungen und Zusammenstellungen auf dem Gebiete der Zoologie und Botanik. 
Der achtundzwanzigste Band ist 103 Bogen stark, enthält 10 Tafeln und mehrere 
dem Texte beigedruckte Holzschnitte. 

Neben dieser regelmässigen Publication hat die Gesellschaft ein grösseres 
selbstständiges Werk publicirt : Die Monographie der Phaneropteriden von 
Brunner von Wattenwyl, welches 50 Druckbogen und 8 grosse Tafeln 
enthält. 

Es unterliegt keinem Zweifel, dass ohne Unterstützung von Seite wissen- 
schaftlicher Gesellschaften derartige Specialwerke nicht publicirt werden können, 
und indem unsere Gesellschaft von Zeit zu Zeit dieses Opfer bringt, rechtfertigt 
sie den wissenschaftlichen Euf, dessen sie sich erfreut. 

Ich kann diese Gelegenheit nicht unbenützt lassen, um unsere volle An- 
erkennung unserem Drucker Herrn Adolf Holzhausen und der lithographischen 
Anstalt von Anton Hartinger auszusprechen, welche den Bedürfnissen der 
Autoren und den graphischen Anforderungen auf eine Weise entgegenkommen, 
welche unsere Schriften zu dem Besten gestalten, was in Bezug auf die Technik 
geleistet wird. 

Ich habe ferner zu erwähnen, dass die Gesellschaft bei der Weltausstellung 
in Paris mit der silbernen Medaille bedacht wurde. 

Der Personalstand hat im Berichtsjahre in Bezug auf die Ziffern kaum 
eine Veränderung erlitten. Die Zahl der Mitglieder im Auslande betrug am 
Schlüsse des Jahres 506, diejenige des Inlandes 690. Die wissenschaftlichen 
Vereine, mit welchen wir im Schriftentausch stehen, haben sich um zwei ver- 
mehrt und betragen 252. 

Durch den Tod verlor die Gesellschaft eine grosse Zahl Mitglieder (siehe 
Verzeichniss). 

In Jakob Juratzka betrauern wir nicht nur den hervorragenden Botaniker, 
sondern die Gesellschaft verlor in ihm den Cassier, welcher während zwanzig 
Jahre gewissenhaft das Amt verwaltete. In den Verhandlungen der Gesellschaft 
sind ihm warme Nachrufe gewidmet und der Erinnerung bleibt sein Andenken 
durch ein aus Beiträgen der Mitglieder geschaffenes würdiges Grabdenkmal 
erhalten. 

Ich ersuche die Versammlung durch Erheben von den Sitzen dem An- 
denken aller unserer verstorbenen Collegen Ausdruck zu geben. 

In finanzieller Beziehung weisen wir ein günstiges Resultat nach, worüber 
unser neugewählter Cassier, Herr Josef Kaufmann, Ihnen einen speciellen 
Bericht vorlegen wird. 

Mit den besten Wünschen für das fernere Gedeihen unserer Gesellschaft 
und den weiteren Ausbau der von uns gepflegten Wissenschaft schliesse ich 
diesen Jahresbericht. 

C* 



20 



Jahres -Versammlung am 2. April 1879. 



Verzeichniss der durch den Tod ausgeschiedenen Mitglieder, 

Ausländer: 



Bianconi Jos., Zoolog, in Bologna. 
Bleeker Dr., Ichthyolog, in Leyden. 
Fries Dr. Elias, Mycolog, in Upsala. 
Henry Jos., Secretär d. Smiths Inst., 

in Washington. 
HewitsonW., Lepidopterol., in London. 
Kurz Sulpiz, Botaniker, in Calcutta. 

Inlä 

Berroyer Em., in Wien. 
Engelthaller Hans, in Wien. 
Feyerfeil Carl, in Wien. 
G eitler Hermann, in Wien. 
Haberlandt D. F., in Wien. 
Hausmann Freiherr von, in Bozen. 



Mörch O.A.,Malacolog, in Kopenhagen. 
Notar is G. de, Botaniker, in Rom. 
Schenk A., Hymenopterolog, in Weil- 
burg. 

Stäl D. Carl, Entomolog, in Stockholm. 
Swinhoe R., Zoolog, in London. 
Visiani R. de, Botaniker, in Padua. 

nder: 

Juratzka J., in Wien. 
Kempelen Ludw. von, in Wien. 
Kolndorfer Jos., in Wien. 
Schur Dr. Ferdinand, in Bielitz. 
Zimmermann Dr. Heinrich von, in 
Wien. 



Bericht des Secretärs Herrn A. Rogenhofer. 

Unsere Publicationen, das geistige Band zwischen den Mitgliedern unserer 
Gesellschaft, haben im abgelaufenen Jahre einen kaum geringeren Umfang als 
die früheren aufzuweisen. Der achtundzwanzigste Band, bereits ausgegeben, 
enthält auf 103 Druckbogen, 34 selbstständige Aufsätze mit 10 Tafeln Illu- 
strationen. 

Ausser den Arbeiten unserer heimischen Genossen, bietet derselbe eine 
Reihe gediegener Aufsätze aus der Feder ausländischer Gelehrter, die seit Jahren 
als ständige Mitarbeiter betrachtet werden können. — Namen wie Arnold, 
Beling, Bergh, Bruhin, Folin, Holmgren, L. Koch und Möschler 
bedürfen nicht weiterer Versicherung für den wissenschaftlichen Werth des Ge- 
botenen. Auch die Arbeit einer Dame, A. M. Smith, ziert den Band. 

Ausser den stattlichen zwei Heften hielt es die Leitung der Gesellschaft 
für angemessen, auch noch eine selbstständige Publication von bedeutendem 
Umfange herauszugeben. Es ist diess Dr. Brunner von WattenwyFs Mono- 
graphie der Phaneropteriden , die 400 Seiten stark mit 16 (8 Doppel-) Tafeln 
ausgestattet, einen Aufwand von circa 1400 Gulden beanspruchte. 

Da die Verkehrsanstalten seit Jahren bereits die Fahrt-Erleichterungen 
überhaupt sehr beschränkten, so waren auch im vorigen Jahre nur wenige 
Mitglieder in der Lage, Begünstigungen durch uns zu beanspruchen. Nichts- 
destoweniger gewährten die k. k. priv. Südbahn- Gesellschaft Herrn G. Spreitzen- 
hofer Ermässigung auf der Linie Wien-Triest und zurück, demselben Herrn 



Emil v. Marenzeller. 



21 



der österr. -ungar. Lloyd Begünstigung zur Fahrt von Triest nach den jonischen 
Inseln für Hin- und Heimreise. Beiden Verkehrs-Instituten sei der Dank dafür 
ausgesprochen. 



Bericht des Secretärs Herrn J)r. Emil v. Marenzeller. 

Es gereicht mir zur besonderen Befriedigung meinen Bericht über den 
Stand der Gesellschaftssammlungen und der Bibliothek mit dem Danke für 
die reichlichen Spenden an zoologischen und botanischen Objecten einleiten zu 
können, welche uns in den Stand setzten die Betheilung mittelloser Lehr- 
anstalten fortzusetzen. Es liefen über 11.000 Exemplare ein. Ein Blick auf den 
folgenden Ausweis zeigt, dass wir 12.161 zoologisch-botanische Gegenstände ab- 
gaben, dass somit der Verbrauch das Erhaltene überstieg. Die geehrten Herren 
Mitglieder mögen daher nicht ermüden uns mit neuen Vorräthen zu versehen, 
damit wir auch ferner diesem Theile unserer Thätigkeit die gleiche Ausdehnung 
geben können wie bisher. 

Es spendeten zoologische Objecto die Herren: J. Kolazy, J.Kaufmann, 
A Barbieux, Joh. Wiesbaur, Dr. G. Beck, V. Dorfmeister, Dr. Demi, 
Dr. G. Mayr, A. Eogenhofer, H. von Zimmermann, C. Neufellner, 
Gebrüder Handlirsch, P. Low, J. Schaitter, M. Schieferer, J. Mik, 
Dr. Eessmann, E. Kreithner, A. Bohatsch, M. Damianitsch. 

Botanische Objecte die Herren: Dr. H. Rehm, Dr. C. v. Marchesetti, 
F. von Thümen, G. Fleischer, H. Braun, F. Bartsch, M. Pfihoda, 
Dr. Eessmann. 

Wurde auch stets bei der Zusammenstellung der Sammlung das Bedürfniss 
der betreffenden Anstalten ins Auge gefasst, so genügte doch nicht immer das 
vorhandene Material diesen Absichten. Es wurde daher von dem Herrn Ausschuss- 
rathe H. Braun und dem Berichterstatter zunächst eine Liste von Pflanzen 
verfasst, dem Bedürfnisse des Unterrichtes in Volksschulen entsprechend. Diese 
Liste wurde gedruckt und liegt in den Vereinslocalitäten zur Einsicht ein. 
Mehrere Mitglieder haben bereits ihre Absicht ausgesprochen ihre Spenden 
diesem Verzeichnisse gemäss einzurichten. 

In dem abgelaufenen Vereinsjahre wurde auch der Entschluss gefasst 
das grosse Normalherbar der Gesellschaft gänzlich durchzusehen und einen 
Katalog desselben anzulegen. Diese mühevolle Arbeit haben in Angriff ge- 
nommen die Herren Braun, Halascy, Müllner, Pfihoda und Witting, 
welche Herren sich überhaupt um die Instandhaltung des Materiales und die 
Zusammenstellung der Pflanzensammlungen für Schulen verdient gemacht haben. 
Ausser ihnen waren in gleicher Weise in Rücksicht auf die zoologische Ab- 
theilung thätig die Herren Barbieux, Kaufmann, Rogenhofer und in der- 
selben unermüdlichen Weise wie in vergangenen Jahren Herr Josef Kolazy, 
dem die ganze Organisation der Betheilung der Lehranstalten mit Naturalien 
zu danken ist. Von ihm rührt auch der nachstehende diesbezügliche Aus- 
weis her. 



22 



Jahr es -Versammlung am 2. April 1879. 



AUSWEIS 

über die Betheilung der Lehranstalten mit Naturalien. 

Im Jahre 1878 wurden einundzwanzig Lehranstalten mit 526 Wirbel- 
thieren, 5926 Insecten, 3146 Conchylien, 216 Krebsen, Strahlthieren, Würmern 
und 2347 Pflanzen, im Ganzen mit 12.161 zoologischen und botanischen Objecten 
betheilt. 



Postnummer 


Name der Lehranstalt 


Ausgest. 
Wirbelthiere 


Wirbelthiere 
in Weingeist 


Insecten 


Conchylien 


af 

«".2 8 
.2 5 g 

PQ 


Pflanzen 


1 


Pilsen: Deutsche Ir. k. Staatsrealschule . . 


9 


37 


615 


350 


26 


600 


2 




— 


28 


775 


350 


23 


352 


3 


Wien: k. k. Lehrerinnenbildungs-Anstalt . . 






— 


— 


— 


53 


4 




— 


30 


371 


250 


15 


105 


5 


„ » » Mädchen 


— 


30 


371 


250 


15 


105 


6 


Preudenthal : Volks- und Bürgerschule . . . 


— 


— 


165 




— 




7 


Gratzen: Volks- und Bürgerschule 


2 


32 




250 


6 




8 


Freudenthal: Mädchenschule der deutschen 






















185 


117 


4 


170 


9 


Troppau : Mädchenschule der deutschen 






















255 


126 


4 


195 


10 




7 


- 


293 


112 


8 


152 


11 








315 


155 


8 




12 


Wien: Communal -Volksschule für Knaben, 


















15 


35 


390 


220 


23 


170 


13 


„ Communal -Volksschule f. Mädchen, 


















10 


34 


375 


128 


23 


170 


14 


„ Communal -Volksschule für Knaben, 


















22 


38 


417 


128 


15 


170 


15 


„ Communal -Volksschule für Mädchen, 


















14 


35 


371 


155 


8 




16 


„ Communal -Volksschule für Mädchen, 
















V., Nikolsdorf er Strasse 18 .... 


17 












17 


„ Communal -Volksschule für Mädchen, 


















9 


35 


326 


155 


8 




18 


„ Communal -Volksschule für Mädchen, 


















9 


35 


326 


150 


8 




19 


„ Communal -Volksschule für Mädchen, 
















IX., Lichtenthalergasse 3 


7 


1 






2 




20 


„ Communal -Volksschule für Mädchen, 


















10 












21 






25 


376 


250 


20 


105 




Summa . . 


| 131 


395 


5926 


3146 


216 


2347 



Ausserdem wurden an die genannten Lehranstalten 3 Bände Gesellschafts- 
schriften, 74 Separat- Abhandlungen und 10 Abbildungen vertheilt. 



J. Kaufmann. 



23 



Es erübrigt mir noch über unsere Bibliothek zu berichten und hiebei 
dem vorzüglichen Wirken unseres Bibliothekars Herrn Ausschussrathes Franz 
Bartsch Dank und Anerkennung zu zollen. Die Sammlung selbstständiger 
Publicationen oder von Separatabdrücken wurde durch die Geschenke der 
Gesellschaft Natura artis magistra in Amsterdam, des Vereines für Naturkunde 
in Cassel, des englischen Ministerium für Indien, der niederösterreichischen 
Handels- und Gewerbekammer, der k. norwegischen Universität in Christiana, 
des Herrn A. Eogenhofer, sowie der Herren Verfasser naturhistorischer 
Abhandlungen im Ganzen um 75 Separatabdrücke und selbstständige Publi- 
cationen vermehrt. 1 ) 

Dem Schriftentausche sind beigetreten: 

Der naturwissenschaftliche Verein in Aussig an der Elbe. 

Die Natural History Society in Glasgow. 



Bericht des Rechnungsführers Herrn J. Kaufmann. 

Einnahmen pro 1878 : 
Jahresbeiträge mit Einschluss der Eintrittstaxen und Mehrzahlungen von zu- 



sammen 285 fl. 94 kr fl. 3.025 . 94 

Subventionen „ 2.164 . 60 

Verkauf von Druckschriften und Druckersätze „ 708 . 57 

Interessen für Werthpapiere und für die bei der Ersten öster- 
reichischen Sparcasse hinterlegten Beträge „ 278 . 93 

Porto- und sonstige Ersätze 45 . 80 

Beiträge auf Lebensdauer „ 251 . 40 

Legat nach Herrn Dr. Ludwig Bitter von Kö chel fünf Stück Silber- 
rente vom 1. Juli 1868 Nr. 347964, 347965, 347966, 347970 

und 355636 ä 100 fl fl. 500 . — 

Summa . . fl. 500 . — fl. 6.475 . 24 
und mit Hinzurechnung des am Schlüsse des Jahres 
1877 verbliebenen Cassarestes sammt 2.460 fl. 

unantastbaren Vermögen von „ 4.658 . 60 

in Baarem, und fl. 1.000 . — 

in Werthpapieren, worunter ein Rudolfsloos (zwei 
bereits gezogen), gespendet von Herrn Martin 
Damianitsch zum Andenken an seinen ver- 
storbenen Sohn Rudolf. S. 3898 Nr. 48. 

Im Ganzen . . fl. 1.500.— fl. 11.133.84 



») Sind aufgeführt Bd. XXVIII, p. 61 et seq. d. Sitzungsberichte. 



24 



Jahres -Versammlung am 2. April 1879. 



Ausgaben : 

Besoldungen und Remunerationen . . fl. 792 . — 

Neujahrsgelder n 65 . — 

Beheizung, Beleuchtung und Instandhaltung der Gesellschafts- 
localitäten , dann der diessbezügliche Beitrag für den 
Sitzungssaal „ 211 . 15 



Herausgabe von Druckschriften: 

a) für den Druck des XXVII. Bandes, 
zweiter Theil . . . . fl. 1.269 . 30 

b) für den Druck des XXVIII. 

Bandes zum Theile . . „ 2.379 . 88 

c) für Illustrationen . . . „ 426 . 80 

d) „ Buchbinderarbeit . . „ 69 . 6 5 fl. 4.145.63 

e) „ Druck der Phaneropte- 
riden von Brunner von 
Wattenwyl „ 928.— 

f) für Illustrationen hiezu . „ 469 . — 



g) „ Buchbinderarbeit . . , 9.— fl. 1.406.— „ 5.551 . 63 

Bücherankauf „ 101 . 54 

Erfordernisse für das Museum „ 114.48 

Kanzlei-Erfordernisse, Diplome und Drucksorten „ 286 . 25 

Porto-Auslagen „ 106 . 40 

Stempelgebühren „ 50 . 96 

Beitrag zu Alexander Braun's Denkmal „ 19.05 

Auslagen für die Pariser Weltausstellung „ 67 . 11 

Zusammen . . fl. 7.365 . 57 



Hiernach verblieb am Schlüsse des abgelaufenen Jahres ein Cassarest, beziehungs- 
weise in Werthpapieren und in Baarem . fl. 1.500 . — und fl. 3.768 . 27 
welch' letzterer zum grössten Theile bei der Ersten österreichischen Sparcasse 
hinterlegt ist, und wovon der Theilbetrag von 2.700 fl. ein unangreifbares, aus 
den für Lebensdauer eingezahlten Beiträgen entstandenes Capital bildet. 

Verzeichniss 

jener der Gesellschaft gewährten Subventionen, sowie der höheren Beiträge von 
fünf Gulden aufwärts, welche von der Zeit vom 4. April 1878 bis heute in 
Empfang gestellt wurden. 

a) Subventionen : 

Von Sr. k. u. k. Apostolischen Majestät dem Kaiser Franz Josef fl. 200.— 
„ Sr. k. k. Hoheit dem durchlauchtigsten Herrn Erzherzoge und 



Kronprinzen Eudolf „ 80.— 

„ Ihren k. Hoheiten den durchlauchtigsten Herren Erzherzogen: 

Carl Ludwig „ 30. — 

Ludwig Victor »20. — 



BRrMENl 



J, Kaufmann. 25 

Albrecht "'V v ' . 11 fl. 50.- 

Josef „ 50. — 

Wilhelm „ 50.— 

Bainer „ 50 . — 

Heinrich „ 50 . — 

Von Sr. Majestät dem Kaiser von Deutschland „ 60 . — 

„ Ihrer Majestät der Königin von England „ 09 . 60 

„ Sr. Majestät dem König von Baiern „ 40 . — 

Vom hohen k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht . . . „ 315 . — 

„ „ niederösterreichischen Landtage „ 800 . — 

„ löblichen Gemeinderathe der Stadt Wien „ 200 . — 

b) Höhere Beiträge von 5 fl. aufwärts. 

Für das Jahr 1877. 

Von den P. T. Herren: 

Schliephacke Dr. Carl . fl. 5. — 



Für das Jahr 1878: 

Colloredo-Mannsf eld Fürst Josef zu, Durchlaucht 

Liechtenstein Johann regier. Fürst von und zu, Durchlaucht . 

Schwarzenberg Johann Adolf, regier. Fürst, Durchlaucht . . . 

Fenzl Dr. Eduard, Förster Dr. Heinr., Hochw. Erzbischof, Roth- 
schild Albert Freih. von je 

Drude Oskar 

Zickendraht Dr. Ernst 

Brunner v. Wattenwyl C, Damianitsch Martin, Doblhoff 
Jos. Freih. von, Erdinger Carl, Hochw., Gall Eduard, Gold- 
schmidt Moriz Ritter von, Haimhoffen Gust. Ritter von, 
Hedemann Wilhelm von, Kittel August, Kölbl Carl, 
Kraatz Dr. G., Krempelhuber Dr. A. von, Künstler 
Gust. A., Majer Mauritius, Hochw., Ma renzeller Dr. E. von, 
Mayer Dr. Ant., Müller Florian, Hochw., MürleCarl. Pey- 
ritsch Dr. Joh., Pötsch Dr. Ign. S. , Pokorny Dr. A, 
Reisinger Alex., Schiedermayer Dr. Carl, Schleicher 
Wilhelm, Schnabel Dr. Johann, Schlosser Dr. Jos. von 
Klekowsky, Strauss Josef, Stur Dionys, T ief Wilhelm, je 

Für das Jahr 1879. 
H e i d m a n n Alberich , K i n s k y Ferd. Fürst, Durchlaucht, Pelikan 



von Plauenwald Ant., je „10.— 

Heyden Dr. Lukas von „ 6.88 

Berg Carl „ 5.76 

Z. B. Ges. B. XXIX. Sitz.-Ber. D 



, 100.- 
„ 25.- 
„ 10 . 50 

„ io.- 

„ 8 . 69 
„ 5 . 75 



26 



Jahres -Versammlung am 2. April 1879. 



Arnold Fr., Bartsch Fr., Doblhoff Jos. Freih. von, Erber Jos., 
Erdinger Carl, Hoehw., Felder Dr. Cajetan Freih. von, 
Förster J. B., Fuchs Theod., Hedemann Wilhelm von, 
Hirner Jos., Kaufmann, Jos., Kölbel Carl, Kolazy Jos., 
Lindpointner Ant., Lukätzy P. Thom., Majer Maurii, 
Hochw., Müller Dr. Theod, Pelzeln Aug. von, Pötsch 
Dr. Ig. S. , Pokorny Dr. Alois, Reichardt Dr. H. W., 
Reisinger Alex., Ronniger Ferd., Rosenthal Ludw. 
Ritt, von, Rupertsberger Math., Hochw., Schieder- 
mayer Dr. Carl, Schleicher Wilhelm, Schröckinger- 
Neudenberg Jul. Baron von, Schwab Adolf, Seoane 
Lopez Dr. Victor, Sohst C. G. , Spreitzenhof er G. C, 
Stauf fer Vinc, Steindachner Dr. Frz., Tomek Dr. Joh., 
Tommasini Mut. J. Ritt, von, Türk Rud., Vogel Dr. Aug., 
Weissflog Eugen, je fl. 5.— 

Als Rechnungsrevisoren werden ernannt die Herren Alois 
Mühlich und M. Pfihoda. 

Der Herr Vorsitzende berichtete über ein neues Organ, 
welches er bei den Acridiodeen entdeckte : 

In einer zum Behufe meiner Sammlung im Jahre 1874 geschriebenen 
Systematik der Zunft der Eremobiden finde ich die Anwesenheit eines stumpfen 
Dornes an der Unterseite des Hinterschenkels angeführt. Durch meine Be- 
arbeitung der europäischen Orthopteren wurde ich in den letzten Tagen ver- 
anlasst dieser Notiz mehr Aufmerksamkeit zu schenken und fand, dass diese 
Erscheinung sich beinahe bei allen Acridiodeen findet. 

In der Hohlkehle auf der Unterseite des Hinterschenkels, in welche sich 
bei der Vorbereitung zum Sprunge die Schiene anschmiegt, findet man nahe 
dem Rande, etwa im vierten Theile der Länge von der Basis an gerechnet, 
eine warzenförmige Erhöhung, welche unter der Lupe betrachtet, sich als eine 
runde Oeffnung in der Chitinmasse erweist, in welcher ein weicher Polster sich 
findet, der sich mitunter zu einer stumpfen Tuberkel hervordrängt. Der etwas 
aufgeworfene Rand ist auf der Basalseite mit einzelnen zarten, weissen Haaren 
besetzt und der Polster, welcher den Eindruck einer Drüse macht, ist stets 
weisslich oder grau gefärbt. 

Da dieses Organ sich nur bei Acridiodeen findet, so wird man zunächst 
geneigt sein, seine physiologische Bedeutung auf das Zirporgan zurückzuführen, 
welches nur bei dieser Familie im Hinterschenkel vorkommt. Allein es zeigt 
sich, dass jene Acridiodeen, welche nicht zirpen, wie die europäischen Pezotettix- 
Arten und viele andere, dieses Organ ganz ebenso entwickelt haben, wie die 
zirpenden Species. Dagegen fehlt es bei jenen Zünften der Acridiodeen, welche 
keine Springfüsse besitzen, wie die Proscopiden und Pneumoriden, was mich 



Brnnner von Wattenwyl. 



27 



vorläufig veranlasst, dasselbe eher mit dem Springvermögen in Verbindung zu 
bringen. 

Es bleibt der genaueren anatomischen Untersuchung vorbehalten, die 
Bedeutung des Organes festzustellen, welches durch die Constanz des Vorkommens 
und die gleichartige Entwicklung sich unzweifelhaft als für die Oekonomie der 
Acridiodeen von Wichtigkeit erweisen wird. 

Ich finde in der Literatur dasselbe nirgends erwähnt und es ist mir 
besonders auffallend, dass Stäl, welcher die Acridiodeen mit besonderer Vorliebe 
systematisch behandelte und so viele, bisher unbemerkt gebliebene Merkmale 
fand, von diesem Organe nicht Erwähnung macht. Herr Dr. H. Krauss, 
welcher in neuester Zeit das Zirporgan der Cuculligera hystrix Germ, mit so 
grosser Genauigkeit untersucht hat, 1 ) deutet auf Tab. II Fig 8 das neue Organ 
an und zeigt mir aus der Originalzeichnung dass er es mit Bewusstsein angab, 
allerdings ohne seine Bedeutung zu erkennen, indem er es als eine specifische 
Unebenheit des Schenkels des untersuchten Thieres betrachtete. 

Herr Dr. Emil von Marenzell er besprach das Werk 
Dr. C. Klunzinger's über die Korallenthiere des rothen Meeres. 
Berlin 1879. 

Herr Custos A. Rogenhof er legte eine Arbeit des Herrn 
E. Reitter vor, mit dem Titel: 

Bestimmungs-Tabellen der europäischen Coleopteren. I. Ent- 
haltend die Familien der Cucujidae, Telmatophilidae, Tritomidae, 
Mycetaeidae, Endomychidae, Lyctidae und Sphindidae. (Siehe Ab- 
handlungen.) 



Vorsitzender: Herr Professor Dr. H. W. Reichardt. 



Versammlung am 7. Mai 1879. 



Neu eingetretene Mitglieder: 



P. T. Herr: 



Als Mitglied bezeichnet durch 
P. T. Herren 



Gaunersdorfe r Johann, Prof. am Francisco- 
Josephinum in Mödling 



J. Kolazy, A. Rogenhofer. 



Eingesendete Gegenstände : 
Fascikel III der Cladonien von Dr. Rehm. 



*) Dr. H. Krauss, Die Orthopteren-Fauua Istriens. Sitzungeber. der k. Akademie der 
Wissensch. in Wien. Band LXXVIII. 1878. 

D* 



28 



Versammlung am 7. Mai 1879. 



Der Herr Vorsitzende theilt mit, dass eine Deputation der 
Gesellschaft, bestehend aus dem Herrn Präsidenten-Stellvertreter 
und den beiden Secretären am 24. April die aus Anlass der 
Feier der silbernen Hochzeit Ihrer Majestäten beschlossene Glück- 
wunsch- und Huldigungsadresse in die Hände des Statthalters 
übergeben habe. 

Derselbe bringt den Tod des verdienten Dipterologen 
Dr. Herrman Low zur Kenntniss der Versammlung, welche sich 
zum Zeichen des Beileides von den Sitzen erhebt. 

Herr Franz Bartsch hat sein reiches Moosherbar der Gesell- 
schaft zum Geschenke gemacht. Die Anwesenden drücken dem- 
selben durch Erheben von den Sitzen ihren Dank aus. 

Herr Custos A. v. Pelz ein übergab eine Arbeit des Herrn 
Dr. 0. Finsch über die Wirbelthiere West-Sibiriens. (Siehe 
Abhandlungen.) — 

Freiherr F. v. T hürnen hielt einen von Demonstrationen be- 
gleiteten Vortrag über die Pilzgattungen Mylitlia Fr. u. Pachyma Fr. 

Herr Secretär A. Rogenhofer legte drei eingesandte Arbeiten 
(siehe Abhandlungen) vor: 

Neue Grabwespen aus Tirol, von J. Kohl. 

Lichenologische Ausflüge in Tirol. XX. Predazzo, von 
F. Arnold. 

Neue Spinnen aus Amerika, von Graf Keyserling. 

Herr Dr. J. B. Holzinger sendet folgende Lichenologische 
Berichtigung ein : 

In der sehr verdienstlichen Abhandlung, welche Herr Professor J. Eman. 
Hibsch in diesen Verhandlungen 1878 über „die Strauchflechten Niederöster- 
reichs" veröffentlicht, ist p. 415: Cladonia decorticata Flk. als auf Wald- 
erde am Kalenderberge (bei Mödling nächst Wien) vorkommend aufgeführt 
und wird als Gewährsmann für diesen Fund „Holzinger" citirt. 

Es ist jedoch Cladonia decorticata Flk. am Kalenderberge von mir nicht 
gefunden worden und habe ich die in meinem, in diesen Verhandlungen Bd. XIII, 
1863, p. 1003 u. f. erschienenen „Beitrag zur Lichenen -Flora Niederösterreichs" 
enthaltene irrige Angabe schon im Jahrgang 1868 derselben Verhandlungen 
p. 60 dahin berichtigt, dass die fragliche Flechte: Cladonia neglecta Flk. 
forma scyphosa polycephala Schaer., En. p. 192 (= Cladonia myrio- 
carpa Delis Herb.) ist. 



Versammlung am 4. Juni 1879. 



Vorsitzender: Herr Professor Dr. Friedr. Brauer. 



Neu eingetretene Mitglieder: 

P. T. Herr Als Mitglied bezeichnet durch 

P. T. Herren 

Lewandowsky Dr. Rudolf, em. k. k. Ober- 
arzt, Hernais, Karlsgasse 40 Dr. Fr. Knauer, Dr. Emil von 

Csokor Dr. Johann, Adjunct im k. k. Thier- Marenzeller. 
arznei-Institute in Wien Prof. Forster, Prof. Zahn. 



Eingesendete Gegenstände: 

2 Centurien Insecten von Herrn A. Rogenhof er. 
Eine Partie Orthopteren von Herrn F. Ronniger. 

Anschluss zum Schriftentausche : 
Royal Microscopical Society of London. 



Die Royal Microscopical Society in London hat Se. Durch- 
laucht den Fürsten Josef Colloredo-Mannsfeld als Präsidenten 
unserer Gesellschaft zum „ex officii fellow" ernannt. 



Herr Custos A. von Pelz ein machte die folgenden Mit- 
theilungen, den Riesenhirsch (Cervus megaceros) betreffend: 

Ob der mächtige Riesenhirsch (Cervus megaceros), der mit dem Wisent, 
dem Ur und Elch früher einen grossen Theil Europas bewohnt hat, bis in das 
Mittelalter gelebt habe oder bereits in früheren Jahrhunderten ausgestorben sei, 
darüber sind die Meinungen getheilt. 

Im Nibelungenliede wird gesagt, dass Siegfried auf der Jagd, wo er den 
Tod fand, erschlagen habe einen Wisent und einen Elch, starker Ure viere und 

Z. B. Ges. B. XXIX. Sitz.-Ber. E 



30 



Versammlung am 4. Juni 1879. 



einen grimmen Scheich. Sein Ross trug ihn so schnell, dass er ihm nicht ent- 
rann, Hirsche und Hinden konnten ihm wenig entgehen. Vielfach wird ange- 
nommen, dass unter dem hier erwähnten Scheich der Riesenhirsch zu verstehen 
sei. Die Zusammenstellung mit dem Hirsche, die angeführte Schnelligkeit und 
Wehrhaftigkeit des Thieres würden auch sehr gut auf dieses stolze Wild passen, 
jedoch sind diese Anhaltspunkte sehr unbestimmt und unsicher, und die Frage 
muss noch immer als eine offene betrachtet werden. Bei dem bedeutenden 
Interesse des Gegenstandes sind alle darauf bezüglichen Daten von grosser 
Wichtigkeit. 

Ich bin daher dem Herrn Director Newald, dem sowohl Geschichte und 
Alterthumskunde, als die Naturwissenschaft bereits so werthvolle Beiträge ver- 
danken, sehr verbunden für die gütige Mittheilung der folgenden urkundlichen 
Nachweisungen : 

„Zur Beantwortung der Frage, ob im Mittelalter mit Elch und Scheich 
dieselbe Wildart bezeichnet worden ist, möge das Folgende als Beitrag dienen. 

„Mit Urkunde dto. 26. Nov. 943, ,in loco qui dicitur Walahusen', ertheilt 
Kaiser Otto I. dem Utrechter Bischof Balderich, beziehungsweise dem Bisthum 
Utrecht, den Wildbann im Walde , Thronte'. Diese Urkunde enthält folgende 
Stelle: ,nemo sine venia Balderici Episcopi in pago forestensi Drentano, cervos, 
ursos, capreas, apros, bestias insuper, quae Teutonica lingua, Elg aut Schelg 
appellantur, venari praesumat.' 

„(Böhmer Regesten Kaiser Otto I. Nro. 118. Heda Historia episcoporum 
Ultraiectensium, Ultraiecti. 1642. 83. 84. Mieris. Charterboek der Graven von 
Holland. Leyden 1753. I. Band 41.) 

„Dto. Inglehem 24. April 1006, wiederholt Kaiser Heinrich II. diese 
Schenkung über den Wildbann im Gau Trente an das Bisthum Utrecht, be- 
ziehungsweise an den Bischof Anfried (Böhmer Reg. Kaiser Heinrich H. Nro. 984 
Heda 101.), endlich bestätigt auch Kaiser Konrad II. dto. Triburiae 26. Juli 
1025 dem Bischof Adelbold von Utrecht diese Dotation. (Böhmer Reg. Konrads II. 
Nro. 1291, Heda 113, Mieris I. 62.) In den beiden letztgenannten Gabbriefen 
erscheint die oben erwähnte Stelle wiederholt." 

Der berühmte Germanist Fr. Pfeiffer hat in einem im VI. Jahrgange der 
„Germania" veröffentlichten Aufsatze über den Scheich, in welchem er die bei 
verschiedenen Schriftstellern des Alterthumes und des Mittelalters den Trage- 
laphus behandelnden Stellen auf den Riesenhirsch deutet, eine sehr ähnliche, 
wenn nicht identische Stelle, als Argument für die Verschiedenheit von Elch 
und Scheich betrachtet; ich muss aber gestehen, dass mir der Text eher darauf 
hinzudeuten scheint, dass, wenigstens zur angegebenen Zeit und am angegebenen 
Orte, diese Namen als zwei Bezeichnungen für eine und dieselbe Thierart ange- 
sehen worden seien. 



Herr Dr. Franz Low theilt den folgenden Brief des Herrn 
J. Lichtenstein mit: 



J. Lichtenßtein. 



31 



Villa la Lironde, 24. Mai 1879. 
Nach langjährigen Versuchen ist es mir endlich geglückt die Metamor- 
phose der Lytta vesicatoria vom Ei an bis zum vollkommenen Insekte zu 
beobachten. 

Anfangs Juni 1878 lieferte mir ein in copula gefangenes Weibchen die 
Eier, aus welchen die längst bekannten, von Dufour Triungulinus genannten 
Larven ausschlüpften. 

Ich hatte schon viele Jahre vorher vergebens versucht, die Nahrung dieser 
Larven ausfindig zu machen, und endlich entdeckt, dass diese in Bieneneiern und 
Bienenlarven bestehe, welche von ihnen aber nur dann angegriffen werden, wenn sie 
ihnen in Verbindung mit Honig gereicht werden, während sie dieselben verschmähen 
und lieber zu Grunde gehen, wenn sie ihnen ohne Honig vorgesetzt werden. 

Ich benützte daher zur Aufzucht meiner Larven den Inhalt (Ei oder Larve 
mit Honig) der Zellen einer um Montpellier häufig in Hollunderstengeln nisten- 
den Biene Ceratina chalcites Germ. 

Der Triungulinus der Lytta vesicatoria ist braun, hat einen weissen 
Gürtel, scharf zugespitzte Mandibeln, grosse Augen und zwei lange Schwanz- 
borsten. 

Diese Larven häuteten sich nach fünf Tagen und es kamen milchweisse, 
weiche Larven zum Vorschein, welche breite und stumpfe Mandibeln, schwach 
entwickelte Augen und keine Schwanzborsten haben und nur von Honig leben. 

Nach drei Häutungen haben wir eine Larve vor uns, welche einer 
Lamellicornierlarye nicht unähnlich ist , keine Augen, dicke Mandibeln und 
mit starken Klauen versehene, zum Graben eingerichtete Beine hat. 

Um diese Larve weiter beobachten zu können, gab ich sie in einen mit 
Erde zum Theile gefüllten und unten mit einem nassen Schwammstückchen 
verschlossenen Glascylinder. Sie grub sich sogleich in die Erde ein und be- 
reitete sich an der Wand des Glases eine Zelle, so dass ich sie ganz gut be- 
obachten konnte. 

Nach fünf Tagen verwandelte sie sich in eine weisse, einer Dipterenpuppe 
nicht unähnliche Puppe, welche an der Stelle der Beine sechs kleine Wärzchen hatte. 

Diese Puppe oder Pseudonymphe blieb den ganzen Winter hindurch ohne 
alle Veränderung, und sonderte nur zuweilen kleine helle Tröpfchen aus, womit 
sie schliesslich ganz überdeckt war. 

Am 15. April d. J. platzte diese Puppe und es kam eine weisse Larve 
zum Vorschein, welche ungefähr so aussah, wie diejenige, welche sich früher 
eingegraben hatte; nur waren ihre Glieder mehr plump und rudimentär und 
ihre Bewegungen sehr langsam. 

Nach 14 Tagen, welche sie ohne alle Nahrung in der Erdzelle zubrachte, 
verwandelte sie sich am 29. April in die echte Nymphe, welche die gewöhnliche, 
wohlbekannte Form aller Coleopterennymphen hatte und auf den Rücken- 
segmenten mit steifen Borsten besetzt war. 

Am 23. Mai kam endlich der vollkommen entwickelte Käfer zum Vor- 
schein, der sich jetzt von Eschenblättern nährt und die erste Cantharide ist, 

E* 



32 



Versammlung am 4. Juni 1879. 



welche ich heuer zu sehen bekam, da diese Thiere in Folge des kalten Wetters 
im Freien noch nicht erschienen sind." 



Der Vorsitzende Herr Professor Dr. Friedr. Brauer knüpft 
an diese Mittheilung folgende Bemerkungen: 

Die interessanten Beobachtungen Lichtenstein's, welchen es gelungen 
ist, die künstliche Zucht der Lytta vesicatoria zu Stande zu bringen, geben 
jedoch noch immer keinen Aufschluss über die Lebensweise dieses Insektes 
in der Natur und lassen die Frage nach dem Wohnthiere desselben, d. h. nach 
jenem Thiere, von dessen Brut sich die Lyttalarve nährt, noch offen. Es scheint, 
dass dieses Wohnthier gar nicht unter den Apiden zu suchen sei, denn einer- 
seits hat man den durch seine weisse Querbinde so ausgezeichneten Triungulinus 
von Lytta vesicatoria noch nie auf einem Apiden gefunden (die Lyttalarve 
könnte übrigens auch selbst die Bienennester aufsuchen), und andererseits wurde 
in neuester Zeit in Amerika die Entdeckung gemacht, dass die Larven der dem 
Genus Lytta zunächst verwandten Epicauta- Arten in den Eiersäcken der Heu- 
schrecken leben, was auch bei Lytta der Fall sein könnte und wofür schon das 
oft sehr häufige Auftreten dieses Käfers sprechen würde. 

Was die von Newport zuerst entdeckte Metamorphose der Meloiden 
selbst anbelangt, so kann sich der Name Hypermetamorphose, den Fabre für 
dieselbe einführte, nur auf die grössere Mannigfaltigkeit der während derselben 
auftretenden Formen beziehen, nicht aber ein Ueberschreiten, ein Hinausgehen 
über die gewöhnliche Art der Verwandlung bedeuten, da im Gegentheile, wie 
ich in einer im XIX. Bande der Verhandlungen der zool.-botan. Gesellschaft 
p. 831 über diesen Gegenstand von mir veröffentlichten Arbeit zeigte, eine 
Phase der Meloiden-Metamorphose , so verkürzt ist, dass sie gar nicht zur 
Geltung kommt, sondern gleichsam übersprungen wird. Es ist diess das letzte 
Larvenstadium, welches nur angedeutet und rasch überschritten wird, indem 
seine Bildung mit der Verpuppung zusammenfällt. Ich habe dieses für die 
Hypermetamorphose der Meloiden charakteristische Stadium (1. c.) Larva oppressa 
genannt. Die Meloiden kommen in ihrer Verwandlung alle darin überein, dass 
aus dem Ei eine sehr bewegliche, mit gut entwickelten Beinen und Fresswerk- 
zeugen und Schwanzborsten versehene, Triungulinus genannte Larve schlüpft, 
welche nach der ersten Häutung madenartig wird, einen Raupenkopf, von denen 
des ersten Stadiums verschiedene Mundtheile und rudimentäre Beine bekommt. 
Sie zeigen aber doch nach den einzelnen Gattungen Verschiedenheiten in der 
Metamorphose, indem z. B. bei Zonitis das letzte Larvenstadium (die Larva 
oppressa), bei Meloe das vorletzte und letzte, bei Lytta, wie eben Lichtensteiii 
mittheilt, das vorletzte Larvenstadium zu einem Puparium wird. 

Schliesslich muss ich noch bemerken, dass ich die in den Schriften über 
Apicultur ausgesprochene Ansicht, dass die Triungulinen den Honigbienen 
schädliche Thiere seien, nicht theile; denn erstens wurden diese Larven der 
Meloiden bisher noch niemals auf Honigbienen beobachtet, und zweitens können 



Franz LÖw. Albert v. Szanizsl<5. 



33 



diese, ob sie nun activ oder passiv in die Bienennester gelangen, nur bei solchen 
Apiden ihr Fortkommen finden, welche ihrer Brut den für deren gänzliche Ent- 
wicklung nöthigen Futterbrei ein für allemal beigeben, nicht aber in den 
Nestern derjenigen Bienen, welche, wie Apis mellifica, ihre Larven zeitweise 
füttern, da diese den Schmarotzer alsbald entdecken und entfernen, oder wenigstens 
nicht füttern würden. Jedoch wäre es immerhin erwünscht, wenn die Bienen- 
züchter diesbezügliche Beobachtungen anstellen würden. 



Herr Dr. Franz Low zeigte ferner ein Stück Rothbuchenholz vor, in 
welchem man bei Spalten desselben einen etwa 8 Cm. langen, 1 Cm. breiten, 
leicht gekrümmten und blind endenden Hohlgang entdeckte, in welchem sich 
vier hintereinander gereihte und durch Querwände von einander getrennte 
Zellen befanden, deren jede von einem elliptischen, blass bräunlich gelben, 
ziemlich festen Cocon erfüllt war. Der erste dieser Cocons enthielt eine 
todte Wespenlarve, der dritte war leer, aus dem vierten schlüpfte am 20. und 
aus dem zweiten am 21. Mai d. J. je ein Weibchen einer der Familie der 
Eumenidae angehörigen Wespenart, welche nach Herrn Custos Eogenhofer's 
gütiger Bestimmung Symmorphus (Oäynerus) crassicomis Panz. ist. Im vor- 
liegenden Falle hat die Wespe offenbar den verlassenen Bohrgang einer Käfer- 
larve zur Anlage ihrer Brutzellen benützt, und da die in den einzelnen Zellen 
sich entwickelnden jungen Wespen nicht seitlich durch die dicken Holzwände 
ins Freie gelangen konnten, so musste sich jede durch die folgenden oberhalb 
den ihrigen gelegenen Zellen durcharbeiten, wobei, da die untersten als die 
ältesten zuerst zur Entwicklung kamen, die oberen stets durch die unteren ge- 
stört wurden. 



Secretär A. Rogenhofer legte vor: 

Beitrag zur Schmetterlingsfauna Syriens von 0. Bohatsch 
(siehe Abhandlungen); und die folgenden: 

Beiträge zur Lebensweise von Thrips frumentarius Beling, 
von Dr. Albert v. Szaniszlo, Professor in Klausenburg. 

Im Jahre 1876 tauchte in mehreren Gegenden Ungarns auf der Halmfrucht 
eine grosse Anzahl eines kleinen Physapoden auf, welchen ich mit dem von 
Theodor Beling (diese Verhandlungen 1872, Seite 651) beschriebenen Thrips 
frumentarius identisch halte. — Im erwähnten Jahre bot sich mir die Gelegenheit 
dieses Insekt, dessen Entwicklung so wie seine Lebensverhältnisse zu beobachten, 
theils weil mir aus mehreren Gegenden des Landes zur Aufklärung diese 
Insektenart zugeschickt wurde, theils weil ich auf einem in der Nähe meiner 
Wohnung liegenden Weizenfelde dasselbe täglich beobachten konnte. — Ich 
hatte daher Gelegenheit auch solche auf dieses Insekt sich beziehende Umstände 
wahrzunehmen, von denen ich bis heute nirgends eine Erwähnung fand; so z. B. 



34 



Versammlung am 4. Juni 1879. 



den Unterschied zwischen Männchen und Weibchen, deren gegenseitiges "Verhalten 
während der Paarung, den Ort, wo sie ihre Eier legen u. s. w.; die ich im 
Folgenden gebe: 

Die Eier findet man an den Aehren, und zwar innen am Grunde der 
einzelnen Aehrchen, sind nicht viel grösser als ein Sandkorn, und nur mit 
scharfem Auge wahrnehmbar; ihre Farbe weiss, ein wenig ins Gelbe übergehend, 
die Form ist länglich, durch das Mikroskop betrachtet, bemerkt man an einem 
Ende eine braune oder schwarze Erhabenheit, und darin eine kleine Oeffnung 
(Micropyle). 

Die Farbe der Larven ändert sich nach dem Alter; die erwachsenen 
sind zinoberroth, die jüngeren gelb, röthlichgrau oder dunkelgrau, ja selbst licht- 
grau. Bei den erwachsenen rothen Larven tritt während ihrer weiteren Ausbildung 
die schwarze Farbe auf, und zwar zu allererst an den beiden Enden des Körpers, 
an den Augen und Fühlern, was man anfangs nur bei Vergrösserung, später 
aber, überhaupt am Hinterende des Körpers, auch schon mit freiem Auge wahr- 
nehmen kann ; zuletzt wird die rothe Farbe durch die schwarze gänzlich verdrängt. 
Der Hinterleib der Larven ist zehngliederig, doch später werden aus den drei letzten 
nur zwei, und hiemit nur neungliederig ; bei den Fühlern geschieht das Entgegen- 
gesetzte, denn diese sind zuerst siebengliederig; das achte Glied entwickelt sich 
später aus dem siebenten. — Es wäre noch zu erwähnen, dass die Form der 
Fühlerglieder mit denen der ausgebildeten Insekten nicht ganz übereinstimmt, 
doch das Detail dieses Umstandes glaube ich übergehen zu können. 

Diese hier beschriebene Insektenart hat Beling am Weizen, Koggen und 
an der Gerste gefunden ; im Jahre 1876 fand ich dieselbe auch auf den genannten 
Getreidearten, und zwar in grösster Menge am Weizen, hauptsächlich in sehr 
grosser Zahl an solchen Exemplaren, deren Aehren noch in der Blatthülle ver- 
borgen waren. — Auf einzelnen Exemplaren konnte ich 50—100 zählen, welche, 
wenn ich dieselben berührte, ziemlich schnell hin und her liefen. Wenn wir ihre 
Bewegungen besser betrachten wollen, so brauchen wir selbe auf ein reines Papier 
zu bringen, und werden bemerken, dass sie, bisweilen den Hinterleib hebend und 
nach oben richtend, sich weiter begeben, manchmal ihre kleine Flügel schwingend 
weiter springen ; wirkliches Fliegen aber kann man bei ihnen nicht bemerken. — 
Bei der Paarung sitzt das Männchen auf dem Rücken des Weibchens. Das 
Weibchen legt die Eier, wie ich es schon bemerkte, an die innere Seite der 
Aehrchen am Grunde der Spelzen ; die aus den Eiern herauskriechenden Larven 
sind theils zwischen den Spelzen, theils unmittelbar am Korn. 

Was die Entwicklungszeit betrifft, will ich Einiges erwähnen. — Mit Ende 
des Monates Mai 1876 erschienen diese Insekten in Klausenburg und Kolozs- 
monostor in sehr grosser Menge, besonders am Weizen; zur selben Zeit, am 
30. Mai, fand ich auch Eier. Am 12. Juni waren noch sehr viele Thrips zu 
sehen, Larven fand ich jedoch zu dieser Zeit nicht. — Am 22. Juni waren nur 
sehr wenige Insekten zu finden, einzelne schon todt. — Zur selben Zeit fand 
ich auch Larven, und zwar von verschiedenem Alter; einige waren schon ganz 
roth, weitere Larven, die eben auskrochen, leere Eierschalen, als auch Eier, in 



Albert v. Ptaniz sl 6. 



35 



denen die Larven schon ausgebildet waren. — Am 28. Juni waren grösstenteils 
nur rothe Larven zu sehen, Eier fanden sich keine mehr. — Am 17. Juli roth 
gefärbte Larven, deren Körperenden schon dem unbewaffneten Auge sich schwärzlich 
zeigten. — Am 28. Juli waren die geschlechtsreifen Insekten grösstenteils ver- 
schwunden, einige todt. Die schwarze Färbung der Larven nahm zu, doch im 
ganzen noch vorherrschend roth, und schmiegten sich auffallend an unreife 
Körner, welche noch milchig waren, wo fast an jedem Korn eine Larve sass, 
während an den reifen Aehren nur hie und da einige zu finden waren. Aus 
dem Gesagten ist ersichtlich, dass die geschlechtsreifen Individuen im Frühjahre 
auf die Halmfrucht zur Zeit erscheinen, wo die Aehren bald herausschiessen ; 
das Eierlegen folgt darauf in sehr kurzer Zeit, und die erwachsenen Larven 
zeigen sich gegen die Erntezeit. Die Landwirthe behaupten, dass man bei der 
Ernte fast in jedem Jahre auf den Weizenkörnern „solche rothe Würmer" trifft, 
und dass der Weizen dann geschnitten werden soll, sobald diese „rothen Würmer" 
erscheinen. Was mit diesen Larven nach der Ernte geschieht — auf diese Frage 
kann ich nach unmittelbarer Beobachtung nur so viel sagen, dass ich sowohl 
vor, als auch nach der Ernte einzelne geschlechtsreife Insekten auch auf wild- 
wachsenden Pflanzen gefunden habe; so namentlich an verschiedenen Trifo Ii um- 
Arten, an Compositen, besonders an Chrysanthemum leucanthemum etc. 
Beling hat sie im Monate August auf Centaurea jacea und Cynosurus cristatus 
gefunden. Taschenberg erwähnt von Thrips cerealium, dass er im Herbst und 
auch später an faulenden Wurzeln und in verschiedenen Verstecken zu finden ist, 
im nächsten Frühjahre sehr zeitig erscheint, was wohl auch von Th. frumentarius 
zu gelten hat. 

Das Auftreten des Th. frumentarius wurde zu allererst im Jahre 1872 
von Beling besprochen. Im Jahre 1876 erschien derselbe in Klausenburg 
und Kolosz -Monostor in unendlicher Zahl, und wahrscheinlich auch in vielen 
anderen Gegenden Ungarns, da mir auch aus Felvincz und Maros-Väsärhely 
u. s. w. einige zugesendet wurden. In der Numer vom 3. Juni 1876 des österr. 
landw. Wochenblattes erwähnt Haberlandt des aus dem Banate er- 
haltenen Th. frumentarius. Im „Pesti Naplo" (Abendblatt vom 9. Juni 1876) 
findet man zwei Mittheilungen, eine aus Körös-Ladäny, eine andere aus dem 
Comitate Temes im Abendblatte vom 10. Juni 1876, welche über ein sehr 
kleines, auf den Aehren in ungeheuerer Zahl aufgetretenes Insekt klagen, das 
der Beschreibung gemäss jedenfalls mit diesem Thrips identisch war. Die 
meisten dieser Fälle beziehen sich auf den Weizen, doch findet man sie auch 
auf Koggen und Gerste. Beling hat das Thier auch auf diesen Pflanzen getroffen, 
und er sagt, dass diese zur Zeit auftreten, wo das Ausschiessen der Aehren aus 
der Blatthülle anfängt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass dieses Insekt in jedem 
Jahre auf unseren Halmfrüchten erscheint, was auch dadurch bestätigt wird, 
dass ihre Larven — wie oben erwähnt — den Landwirthen sehr gut bekannt 
sind. Seit dem Jahre 1876 habe ich in jedem Jahre einige gefunden. Bezüglich 
ihres zahlreichen Auftretens im Jahre 1876 erwähne ich, dass in diesem Jahre 
der Frost im Frühling sehr geschadet hat, und der Vorsommer sehr regnerisch war. 



36 



Versammlung am 4. Juni 1879. 



Wie ernährt sich nun der Thrips, und inwieweit ist er schädlich? — 
diese wären die wichtigsten Fragen des Landwirthes. Was die Ernährung be- 
trifft, verweise ich mich auf die übrigen Physapoden, von welchen gesagt wird, 
dass sie sich von Pflanzensaft und von oberflächlichen Zellen der Blätter und 
blattartiger Organe ernähren. Taschenberg meint, dass die Larven des 
Thrips cerealium aus den Epidermzellen der Spelzen und aus den Safte der 
noch milchigen Körner sich ernähren. 

In Bezug der Schädlichkeit von Thrips cerealium findet man in der 
betreffenden Literatur sehr wenig. Nördlinger und Taschenberg sagen, 
dass die Körner sich nicht ausbilden; Beling spricht sich über Th. frumentarius 
gleichlautend aus, und behauptet weiter, dass einzelne Aehrchen von dem Stiele 
der Aehren herabfallen und der Verlust mache ein oder mehrere Procent des 
Ertrages aus. Das Nichtausbilden der Körner und Herabfallen einzelner 
Aehrchen habe ich nie bemerkte, obwohl ich im Jahre 1876 in dieser Hinsicht 
tägliche Beobachtungen machte; von den Landwirthen habe ich auch kaum 
etwas über den Schaden gehört, welcher durch die „rothen Würmer" verursacht 
ward. Auf den Weizensaaten, welche ich mit besonderer Aufmerksamkeit be- 
obachtete, war eine dem Thrips zuzuschreibende Ertragsverminderung auch bei 
der ungeheuer grossen Zahl desselben und der Larven nicht bemerkbar, daher 
bin ich in der Meinung, das Th. frumentarius, wenn es in grosser Anzahl 
erscheint, jedenfalls den Ertrag vermindere, da sich sowohl die ausgebildeten 
Insekten, wie die Larven, von einem oder anderen Theile der Aehren ernähren, 
was auf die Entwicklung der Körner jedenfalls nachtheilig wirkt; doch die Ab- 
nahme des Ertrages ist so gering, dass die Grösse derselben bisher kaum be- 
stimmt werden konnte. 



Das Mitglied Herr Marquis F. de Folin in Bayonne sandte 
eine Notiz über das Sammeln kleiner Mollusken, welche wir hier 
in Uebersetzung folgen lassen: 

Methode zum Sammeln kleiner Conchylien. 

Von 

Marquis F. de Folin 

(Bayonne). 

Das Verfahren, welches ich bei den in dem Werke „Les fonds de la 
mer" veröffentlichten Untersuchungen in Anwendung brachte und mir so günstige 
Resultate gab, ward mir durch einen glücklichen Zufall eingegeben. 
/Isi, Als ich einst von Panama Meleagöma margaritifera erhielt und bemerkte, 

dass die meisten der Schalen zahlreiche Bohrlöcher anderer Mollusken, so von 
Modiola, Pholas, Gastrochaes\a etc. zeigten, wollte ich mich noch von der Art, 
wie solche zu Stande gekommen, überzeugen. Indem ich sie aufmerksam mit 
der Lupe untersuchte, erblickte ich in dem Sande, der ein Bohrloch erfüllte, 



F. de Polin. 



37 



ein Coecum laeve Dadurch wurde meine Aufmerksamkeit rege, und ich sammelte 
bald eine grosse Zahl kleiner Schalen, welche einer Unzahl von verschiedenen 
Arten angehörten, von denen die meisten noch unbeschrieben waren. Es schien 
mir klar, dass wenn man Sand oder Schlamm anderen Herkommens in gleich 
genauer Weise untersuchte, man ebenso zahlreiche Formen finden müsste. Ich 
trachtete, mir Untersuchungsmaterial von allen Orten, wo ich Verbindungen hatte, 
zu verschaffen, und meine Erwartung wurde nicht getäuscht. In Kurzem erhielt 
ich eine ungeheure Zahl von Objecten, die ich den von fast allen Theilen der 
Erde herrührenden Grundproben entnahm. Als Beweis für den Erfolg des Ver- 
fahrens führe ich nur an, dass ich mehr als 40,000 Exemplare von Coeciden erhielt. 

Ob dieses mein Beispiel, das eine gewisse Verbreitung bekam, den Anstoss 
zu einer Art ähnlicher Nachforschungen hinsichtlich der kleinen Arten von Land- 
und Süsswasser-Mollusken gegeben, weiss ich nicht zu sagen. Sicher ist nur, 
dass diese Methode ziemlich verbreitet ist und Dank ihr gar manche Ent- 
deckungen gemacht wurden. Doch scheint sie mir es noch nicht in dem Maasse, 
als sie es verdient, deshalb will ich ihre Anwendung in verschiedenen Fällen 
hier auseinandersetzen. 

Handelt es sich um kleine Meeresthiere, wie niedere Crustaceen, Mollusken, 
Foraminiferen etc., so trachte man sich Grundproben, entweder dem Strande, 
oder dem Schleppnetze, oder auch den Zähnen der Anker entnommen, zu ver- 
schaffen. Man wasche sie andauernd auf einem sehr feinen Siebe mit süssem 
Wasser, und trockne den Rückstand. Das Seihwasser kann in einem Gefässe 
angesammelt werden, wenn man z. B. Diatomeen gewinnen will. Man decantirt 
und trocknet gleichfalls den Bodensatz. Ist das, was auf dem Siebe geblieben, 
vollkommen trocken, so nehme man einen kleinen Theil und untersuche es mit 
der Lupe in einem kleinen Behälter, den man sich bequem herstellt, wenn man 
an eine Glasplatte von 10 Cm. im Quadrate 1 Cm. hohe Seitenwände aus Holz 
mittelst Papierstreifen anklebt. Man kann leicht durch Schütteln den Inhalt 
ausbreiten, ohne befürchten zu müssen ihn zu verstreuen, und suche die ent- 
sprechenden Objecte aus. 

Will man sich Land- oder Süsswasserthiere verschaffen, so sammle man 
an den Rändern von Wasserläufen Sand, Schlamm, feine modernde Substanzen 
der verschiedensten Art, insbesondere nach Regengüssen, und unterziehe sie dem 
gleichen oben geschilderten Verfahren. 

Endlich muss man auch an kühlen und feuchten Orten, so insbesondere 
in der Nähe von Quellen, Bächen, mit Moos bedeckte Stellen aufsuchen. Man 
entferne dieses und bewahre es mit der an den Wurzeln haftenden Erde auf. 
Hierauf wühle man den also entblössten Boden bis zu einer Tiefe von 5—6 Cm. 
auf, immer Acht habend, ob sich nicht die eine oder die andere kleine Art zeige. 
Das so gewonnene Erdreich wird mitgenommen und auf dem Siebe ausgewaschen, 
getrocknet etc. Das Moos wird in einem Ofen auf einer Thonplatte einer 
mittleren Temperatur ausgesetzt, und sodann über einem grossen Blatt Papier 
mit den Händen zerpflückt, das Ganze wird dann wieder in dem kleinen Be- 
hälter mit der Lupe durchsucht. Es ist selbstverständlich, dass man sich eben 

Z. B. Ges. B. XXIX. Sitz.-Ber. F 



38 



Versammlung am 2. Juli 1879. 



so gut wie Grundproben für die Meeresthiere, auch Sand, Schlamm etc., Moos 
für die Land- und Süsswasserthiere aus entfernten Gegenden kommen lassen kann, 
und hege ich die Ueberzeugung, dass mit Anwendung dieses von mir mit dem 
besten Erfolg erprobten Verfahrens eine grosse Zahl neuer kleiner Arten, die 
bisher dem Forscher sich entzogen, werden entdeckt werden. 



Yersammlung am 2. Juli 1879. 

Vorsitzender: Herr Professor Dr. Gustav Mayr. 

Neu eingetretenes Mitglied: 

Höhere landwirtschaftliche und industrielle Als Mitglied bezeichnet durch 
Landes-Anstalt zu Tabor (Böhmen) . . die Direction. 

Der Herr Vorsitzende theilt mit, dass der Beschluss der 
Gesellschaft, auf dem Grabe Jakob Juratzka's einen Denkstein 
zu errichten, ausgeführt wurde, und zwar Dank der warmen 
Theilnahme, welche der Gedanke in dem Kreise der Freunde 
des Dahingeschiedenen fand, in würdigster Weise. Das Denkmal, 
ein über 2 Meter hoher Obelisk aus bläulichem Granit mit ent- 
sprechender Inschrift, wird am 4. Juli der Familie des Verblichenen 
übergeben werden, an welchem Act theilzunehmen die Anwesenden 
eingeladen werden. 

Zugleich wird ein Bericht über das Resultat der eingeleiteten 
Subscription und die gemachten Auslagen gegeben. Die Kosten 
des Grabsteines und die Ausschmückung der Grabstätte betrugen 
308 fl. ; subscribirt wurden 275 fl. 2 kr. Der nicht gedeckte 
Rest von 32 fl. 98 kr. wurde aus dem Gesellschaftsvermögen 
getilgt. 

Die Einladung zu der vom 28. August bis 2. September in 
Budapest zusammentretenden Versammlung der ungarischen Aerzte 
und Naturforscher wird zur Kenntniss gebracht. 



Josef Erl) 



39 



Herr Dr. J. Csokor hielt einen von Demonstrationen be- 
gleiteten Vortrag über Haarsackmilben und eine neue Varietät der- 
selben bei Schweinen (Demodex phylloides). (Siehe Abhandlungen.) 



Herr F. v. Feiller gibt eine vorläufige Uebersicht der bisher 
bekannten Arten aus der Myriapoden - Familie der Scutigeriden 
und Lithobiiden. 

Herr Josef Erb er zeigt und bespricht: 

Einen Albino der Aesculapnatter (Elaphis Aesculapii). 

(Mit Tafel V.) 

Im Juni 1877 wurde mir durch einen meiner Sammler mitgetheilt, einer 
seiner Kameraden hätte bei Weidling am Bach nächst Wien eine ganz 
rothe Natter gefangen. j ) Die Natter war abgemagert , etwa 68 Cm. lang und 
nahm durch vier Monate keine Nahrung, erst im Spätherbst gab ich einen lebenden 
Vesperugo pipistrellus in das Behältniss zu ihr, und diesen verzehrte sie. Nach 
dieser Mahlzeit nahm sie 1877 keine Nahrung mehr. Ich hielt das Thier im ge- 
heizten Zimmer über Winter in einem kleinen Käfig mit Moos; es hielt keinen 
Winterschlaf, trank oft Wasser, war ziemlich lebhaft, magerte aber so ab, dass 
ich glaubte, es würde das Frühjahr nicht erleben. 

Im Mai 1878 versuchte ich, da die Natter keinerlei Nahrung nahm, ihr 
einige ganz kleine weisse Mäuse mit Gewalt beizubringen. Es gelang, die Natter 
behielt die Mäuse bei sich, nahm nach einigen Tagen selbst Futter, Mäuse und 
Eidechsen, und gedieh sichtlicher. 

Die Natter häutete sich in diesem Jahre viermal, frass oft, und über- 
winterte ganz wie im früheren Jahre. Im heurigen Frühjahre octroirte ich ihr 
wieder einige junge Mäuse, welche, wie im Vorjahre, von der Natter genommen 
wurden. In diesem Sommer nahm sie nur Eidechsen (Lacerta agilis) als Futter. 

Das Thier ist gegenwärtig 79 Cm. lang, gut genährt, bleibt aber stets 
schlanker und schwächlicher wie die normal gefärbten Aesculapnattern, deren 
ich eine grössere Anzahl halte. Die Färbung der Natter ist an der Unterseite 
strohgelb wie bei der gewöhnlichen Form. Die Oberseite ist licht orangegelb 
mit den gewöhnlichen weissen Fleckchen. Die Augen sind hell carminroth, 
die Zunge rostroth. Die Lebensweise ist gleich der anderen, nur meidet sie 
direkten Sonnenschein, vor welchem sie sich verkriecht. Bemerkenswerth dürfte 
noch sein, dass die abgelegten Häute dieses Albino weit feiner und zarter sind, 
wie bei den normal gefärbten Stücken dieser Art. 

Auf mein Versprechen, das Thier gut zu bezahlen, ward es mir nach längeren Unter- 
handlungen gebracht. 



40 



Versammlung am 2. Juli 1879. 



Herr J. Kusta sendet folgende Notizen: 

1. Lepidium perfoliatum L. bei Eakonitz. 

Diese niederösterreichische Species, welche in Böhmen nach Professor 
Dr. Öelakovsky („Prodromus der Flora von Böhmen") bis jetzt nur bei Prag 
(wahrscheinlich eingeschleppt) , und zwar längs der Verbindung der Kaiser 
Franz Josephs-Bahn bei Nussel und „Premyslovka" in letzterer Zeit zum Vor- 
schein kam, habe ich heuer auch bei Eakonitz gefunden. Dieselbe kommt in 
circa 50 Exemplaren am linken Ufer des schwarzen Baches auf dem Wege nach 
Lubna beim „Brückel", in einer Entfernung von 50 Schritten von dem Eisenbahn- 
flügel Eakonitz-Hostokrej der Bustehrader Eisenbahn vor (der Bach fliesst in 
der Eichtung gegen die Bahn zu). Auf der Eisenbahnböschung selbst habe ich 
diese Pflanze nirgends beobachtet. 

2. Spongilla jordanensis bei Eakonitz. 

Die Diagnose dieses Süsswasserschwammes ist nach Dr. Ve j d o v s k y folgende : 
Glatte Nadeln, Gemmulae bedeckt mit unregelmässigen Körperchen von rauher 
Oberfläche und von sehr verschiedener Gestalt. Auch der Habitus derselben 
weicht, wie das beiliegende Exemplar zeigt, von jenem der anderen Arten ab. 
Diese Species, welche in Böhmen bis jetzt nur aus dem grossen Teiche „Jordan" 
bei Tabor bekannt ist (Professor Dr. Fric: Ueber die Crustaceen etc. der 
Wittingauer Teiche 1873), habe ich beim Ablassen des Zäk'schen Teiches bei 
Eakonitz in mehreren Exemplaren gefunden. 



Herr Professor A. Burgerstein übergibt eine Arbeit des 
Herrn H. Wichmann, betitelt: Zur Anatomie des Samens von 
AUurites triloba. (Siehe Abhandlungen.) 

Herr G. C seil ei in Ungarisch - Altenburg macht brieflich 
folgende Mittheilungen: 

In den Beständen von Bergahorn (Acer pseudoplatanus) bei Ungarisch - 
Altenburg trat die Eaupe von Anisopteryx aescularia Schiff, im Mai d. J. ver- 
heerend auf ; nachdem sie die Bäume kahl gefressen bis auf die halben Blattstiele, 
griffen die Schädlinge die eingesprengt vorkommenden Silberpappeln und Trauben- 
kirschen an, Eichen Hessen sie unberührt, Die Eier waren in breiten Eingen 
um die ein- bis zweijährigen Aeste abgelegt, manchesmal in solcher Zahl, dass 
sie kaum von Einem Weibchen, sondern nur von mehreren herrühren können. 

Herr Custos Alois Rogenhofer erwähnt das von ihm und 
anderen Entomologen bei Wien beobachtete massenhafte Auftreten 
des Distelfalters (Vanessus cardui), welcher in starken Zügen am 
8. Juni und die folgenden Tage, alle in der Richtung von Westen 



B r n n n e r v. VV a 1 1 e n w y 1 



41 



gegen Osten, selbst in einzelnen Gassen der inneren Stadt ge- 
sehen ward. 

Die Zeit stimmt genau mit dem auch am Rhein , in der 
Schweiz, bei Graz, bei Olmütz etc. beobachteten Erscheinen des- 
selben Falters. 

Am 29. Juni sah der Vortragende die stark verflogenen 
Weibchen des Distelfalters im Marchfelde (bei Baumgarten) eifrig 
mit Eierablegen auf verschiedenen Pflanzen beschäftigt und junge 
Raupen, denen das wohl in Masse vorhandene Cirsium arvense 
nicht mehr genügte, sich von Carduus, Artemisia, Urtica, Trifolium, 
Filago und Nonnea pulla nähren. 

Ferner berichtet derselbe über das verheerende Auftreten 
des Wein- Springwurmes (Tortrix Pilleriana L.) bei Martinsdorf im 
Kreise unterm Manhartsberge. 



Versammlung am 1. October 1879. 

Vorsitzender: Herr Hofrath Brunner v. Wattenwyl. 



Neu eingetretene Mitglieder: 

P. T. Herr Als Mitglied bezeichnet durch 

P. T. Herren 

Göth Friedrich, Pharmaceut in Wien, Apo- 
theke „zum Engel", am Hof J. A. Knapp, J. Freyn. 

Novotny Dr. Stephan, Herrschaftsarzt in 

Komjät (Ungarn, Neutraer Comitat) . . J. A. Knapp, Dr. J. Pantocsek. 

Suschka Richard, Oekonomie - Adjunct in 

Ungarisch-Altenburg Gust. Csellei, A. Rogenhofer. 

Spängberg Dr. Jacob, Docent an der Uni- 
versität in Upsala Hofr. v. Brunner, Dr. G. Mayr. 



Eingesendete Gegenstände: 

2 Centurien Schmetterlinge von Herrn Otto Bohatsch. 

V2 Centurie Conchylien von Herrn Josef Kaufmann. 

2 Centimen Insecten von Herrn Josef Kolazy. 

2 Centurien bestimmte Dipteren für Schulen von Herrn Josef Mik. 

IV2 Centurie Skeletköpfe von Herrn Josef Kolazy. 

9 Centurien diverse Conchylien von Herrn Felix Solla. 



42 



Versammlung am 1. October 1879 



Der Herr Vorsitzende maeht Mittheilung von dem Dahin- 
scheiden der Mitglieder Herrn Staatsrath Professor Dr. Johann 
Friedrich Brandt in Petersburg, Herrn Hofrath Professor Dr. 
Eduard Fenzl in Wien und Herrn Johann Czegley, k. k. pens. 
Bezirksvorsteher in Troppau. Die Versammlung erhebt sich zum 
Zeichen des Beileides von ihren Sitzen. 



Herr E. Reitter legt vor: 

Beiträge zur kaukasischen Käfer-Fauna von H. L e der und 
eigene Beiträge zur Synonymie der Coleopteren. (Siehe Abhand- 
lungen.) 

Herr Schulzer von Müggenburg sendet die Folge IV 
seiner mycologischen Beiträge ein. (Siehe Abhandlungen.) 



Herr Th. Bruhin in Potosi überschickt: 
Neue Entdeckungen in der Flora Wisconsins. 

Ich glaube nicht ganz Ueberflüssiges zu thun, wenn ich jährlich ein 
Verzoichniss neuer Standorte weniger häufiger , oder von mir zum ersten Male 
aufgefundener Pflanzen Wisconsins in diesen Schriften niederlege, welche bereits 
eine relativ vollständige Aufzählung der Gefässpflanzen Wisconsins enthalten. 
Siehe „Vergleichende Flora Wisconsins" nebst zwei „Nachträgen" in den Verh. 
der k. k. zool.-botan. Ges. vom Jahre 1876, 1877 und 1878. 

Im Folgenden bediene ich mich derselben Zeichen wie im zweiten Nach- 
trag, nämlich eines f für Pflanzen., die ich zum ersten Male gefunden, und einer 
O für neue Pflanzen. 

t Anemone patens L. var. Nuttallina Gray. In Gross Plains und Sank City, Wisc. 

Im April von Herrn Wem ich in Milwaukee gesammelt! 
■\Delphinium azureum Michx. Am Grant Kiver bei Potosi! 
fPolanisia graveolens Raf. Eiland zwischen dem Mississippi und Grant River 

bei Potosi! Eine eigenthümliche Pflanze mit dreizähligen Blättern und 

Schotenfrucht, mit dem Geruch von Geranium Robertianum. 
jfTephrosia Virginiana Pers. Am Grant River ! Die Geisraute — „Goat's nie" 

der Amerikaner. 

QVicia tetrasperma Schreb. (Ervum tetrasperma L.) Für Wisconsin neu! 
Siehe „Acker- und Gartenbau-Zeitung" vom 1. Aug. 1879, S. 128. 
Oenothera biennis L. in den Varietäten: 

a) -fOakesiana (= canescens), Staubfäden länger als die Blumenblätter, 
heraustretend; und 



Th. Umhin. 



43 



b) fgrandiflora (= Oe. grandiflora Ait., Labram, Zierpflanzen, No. 54), 
in Dutch Hollow bei Potosi! 
fVernonia fasciculata Michx. Am Platte River und Eilaud zwischen dem 

Missisippi und Graut River. Habitus der Serratula tinctoria. 
fHelianthus giganteus L. Am Platte River! 

f Verbena stricto, Vent. bei Potosi ! Nebst dieser wachsen um Potosi noch vier 
andere Arten häufig, nämlich: V. hastata und urticifolia L., V. xutha 
Lehm. (Siehe zweiter Nachtrag) und V. bracteosa Michx. 

•fSatureia hortensis L. wirklich wild wachsend in Potosi, Dutch Hollow etc.! 

t Hedeoma hispida Pursh. Potosi! Wird in Texas, von wo sie mir zugeschickt 
wurde, wegen des citronenartigen Geruches zum Einfangen von Bienen- 
schwärmen benutzt. (Steht der Calamintha Acinos sehr nahe) 

■\Lophantlms nepetoides Benth. Dutch Hollow! Erinnert an die Katzenmünze, 
sowohl durch die Blätter als den Blüthenstand, ist aber in allen Theilen 
viel grösser! 

f Scutellaria parvula Michx. Um Potosi! 

fQuercus Prinus L. var. acuminata Michx. (— Qu. Castanea Muehl.) Am 
Grant River! 

fEragrostis poaeoides Beauv. var. megastachya Gray (= E. major Host., Briza 
Eragrostis L.). 

Unsere Art unterscheidet sich von der europäischen dadurch, dass sie 
mehr-, d. h. vierzig- bis fünfzigblüthig ist, und die Scheide im ganzen Umfang 
und nicht nur, wie Gaudi n sagt: „Pili oppositifolii ad vaginae orificium" 
— Synops. p. 57 unter dem Namen Poa megastachys Gaud. behaart ist. 

Von Monstrositäten habe ich eine Zwillingsfrucht von Phaseolus 
nanus und Hopfen, mit aus den Früchten wachsenden (herzförmigen) Blättern 
zu verzeichnen; die merkwürdigste Missbildung zeigte sich an Eaphanus sativus. 
An der Basis der Schote keimte der Same und bildete eine monströse grüne 
Blume, deren Blätter P/4 Zoll lang und 3 / 4 Zoll breit waren; der Griffel (Schote) 
selbst war 2V 4 Zoll lang; bei einem anderen Exemplar wuchsen bei jedem Knoten 
hornförmige Schoten heraus, welche an der Spitze eine regelmässige Blüthe 
trugen; das Ganze machte den Eindruck eines vielarmigen Kronleuchters. 



Herr Custos Rogenhofer theilt aus einem an die Gesell- 
schaft gerichteten Schreiben des Freiherrn Villa-Secca mit, dass 
auf den Kleefeldern bei Grossau in Niederösterreich (V. 0. M.-B.) 
Raupen in verheerender Menge auftraten und in kurzer Zeit 
Felder in der Ausdehnung von 16—18 Joch kahl frassen. Die 
Raupen stellten sich als die der Vanessa cardui und Plusia gamma 
heraus. 



44 



Versammlung am 5 November 1879 



Versammlung am 5. November 1879. 

Vorsitzender: Herr Regierungsrath Dr. Alois Pokorny. 

Neu eingetretene Mitglieder: 

P. T. Herr Als Mitglied bezeichnet durch 

P. T. Herren 

Cartier Robert, Pfarrer in Oberbuchsiten 

(Schweiz) Dr. Leuthner, A. Rogenhof er. 

Fatio Dr. Victor, Vice-Präsident der Phyllo- 

xera-Commission in Genf Dr. Leuthner, Dr. A. Forel. 

Fiat z Ernst, Hörer der Hochschule für Boden- 

cultur . Dr. G. Mayr, A. Rogenhofer. 

Rodriguez J. Barbosa, Professor am kais. 

Collegium Dom Pedros II. in Rio Janeiro Dr. v. Wawra, ■ Prof. Reichardt. 
Zivotsky Josef, evang. Katechet in Wien, 

L, Elisabethstrasse B. Fleischer, H. Braun. 

Eingesendete Gegenstände: 

575 Insecten vou Herrn Ferd. Buchmüller. 

380 Hemipteren von Herrn Paul Low. 

200 Schmetterlinge von Herrn Eduard Kreithner. 

450 Hymenopteren und 900 Conchylien von Herrn Jos. Kolazy. 

120 Phanerogamen von Herrn Moriz Pfihoda. 

1 Collection Ascomyceten von Herrn Dr. H. Rehm. 
36 Phanerogamen von Herrn Franz Höf er. 
1 grosses Axolotl von Herrn Carl Neufei In er. 
1000 Phanerogamen von Herrn Heinr. Braun. 

Würmer, Phylloxeragallen, Mollusken, Amphibien und Fische von Herrn 
Dr. Franz Leuthner. 

Der Herr Vorsitzende ersucht die Herren Josef Kolazy, 
O. Kolbe und E. Reitter das Scrutinium der zur Wahl von 
neun Ausschussräthen abgegebenen Wahlzettel vorzunehmen. 



Herr Professor Dr. A. Kerner von Marilaun zeigt ein 
der Bibliothek des Benedictiner- Gymnasiums in Meran in Tirol 
gehöriges Herbarium in Buchform (Kleinquart), welches wohl die 



Alois Pokorny. 



45 



iiiteste bekannte Sammlung" getrockneter Pflanzen in Oesterreich 
sein dürfte. Es führt in einer Note die Jahreszahl 1587. Her- 
barien aus dem Anfange des siebzehnten Jahrhunderts finden 
sich in Brixen und Innsbruck. Die Pflanzen, welche vollkommen 
gut erhalten sind, ja noch zum Theil ihre Farbe erkennen lassen, 
stammen zumeist vom Monte Cassino in Italien, dem ältesten 
Benedictinerkloster. Die einzelnen Blätter zeigen zweierlei Hand- 
schrift. Die Notizen über den Fundort rühren von einer anderen 
Hand her als die, welche die Pflanzennamen schrieb. Es liegt 
die Vermuthung nahe, ein Benedictinermönch habe das Herbarium 
angelegt und einem anderen Botaniker zur Bestimmung übergeben. 
Durch diesen Orden dürfte es aus Italien nach Oesterreich ge- 
kommen sein. 

Herr Dr. Franz Low macht neue Mittheilungen über die 
Psylloden. (Siehe Abhandlungen.) 



Herr Custos August von Pelz ein spricht über eine von 
Dr. Breiten stein in Borneo gemachte, im Besitze des k. k. zool. 
Hofcabinetes in Wien befindliche Sammlung von Säugethieren und 
Vögeln, sowie über eine abermalige Sendung von Vögeln aus 
Ecuador. (Siehe Abhandlungen.) 



Freiherr Felix von T hürnen beschreibt und demonstrirt 
zwei neue blattbewohnende Ascomyceten aus der Flora Wiens. 
(Siehe Abhandlungen.) 

Herr Professor J. Mik liest den folgenden Nekrolog, ver- 
fasst von Herrn F. Kowarz. 

Professor Dr. Hermann Loew f. 

Am 21. April d. J. verschied im Diakonissenhause zu Halle a./S. unser 
langjähriges Mitglied, der hochverdiente Naturforscher und berühmte Dipterologe 
Professor Dr. Hermann Loew; er war zu Weissenfeis in der preussischen 
Provinz Sachsen am 19. Juli 1807 als der älteste Sohn des damals herzoglich 
sächsischen Justizbeamten und nachmaligen preussischen Geheimen Regierungs- 
rathes Loew geboren, besuchte die Klosterschule in Rossleben und hierauf die 

Z. B. Ges. B. XXIX. Sitz.-Ber. G 



46 



Versammlung am 5. November 1879. 



Universität in Halle, um sich den mathematischen, naturwissenschaftlichen und 
philologischen Studien zu widmen; nach Beendigung dieser Studien promovirte 
er in Halle zum Doctor der Philosophie, zog nach Berlin und unterrichtete dort 
als Privatdocent an verschiedenen höheren Lehranstalten und als Erzieher, wie 
des Prinzen Biron, des Augenarztes von Graefe u. A.; seiner umfangreichen 
Kenntnisse und seiner ausgezeichneten Lehrmethode wegen berief ihn die Regierung 
1833 als Professor an das k. Friedrich Wilhelms-Gymnasium in Posen und 1850 
als Director an die Realschule in Meseritz; 1868 trat er freiwillig in den Ruhe- 
stand und übersiedelte nach Guben, wo er nicht nur wissenschaftlichen Zwecken 
oblag, sondern sich auch als Stadtverordneter und als Vorstand mehrerer gemein- 
nütziger Vereine sehr verdient gemacht und ein dauerndes dankbares Andenken 
gesichert hat. Loew hatte schon lange her mit einem hartnäckigen Nerven- 
leiden zu kämpfen, das ihn zwang, sein rastloses und geistig anstrengendes 
Arbeiten durch Erholungsreisen zeitweise zu unterbrechen; während einer solchen 
Reise wurde er 1876 zu Blankenburg in Thüringen vom Schlage getroffen und 
erholte sich seitdem nicht wieder; er suchte vergebens eine Erleichterung in 
Liebenstein 1877 und 1878 in Alexanderbad zu finden; sein qualvolles Leiden 
nahm stetig zu, bis ihn davon der Tod befreite. 

Die Thätigkeit zu schildern, welche Loew auf dem Felde der Politik 
entfaltete, kann selbstverständlich nicht der Zweck dieser Zeilen sein ; sie wurde 
ausführlich uud vielseitig von den politischen Blättern in Deutschland und auch 
in Oesterreich gewürdigt; erwähnt sei nur, dassLoew 1848 Mitglied des Frank- 
furter Parlaments und von 1873 — 1876 Abgeordneter des Guben-Sorauer Wahl- 
kreises gewesen ist. 

Während seines Aufenthaltes in Posen unternahm Loew in Gemeinschaft 
mit Riepert und Schönborn eine Forschungsreise nach Kleinasien 1841 — 1842, 
um dort wissenschaftliche Beobachtungen und antike Inschriften zu sammeln; 
die Ergebnisse dieser Reise theilte er B u r m e i s t e r und Alexander vonHumboldt 
mit und veröffentlichte sie auch zum Theile in seinen Schriften. 

In Posen begründete Loew 1836 den naturwissenschaftlichen Verein der 
Provinz Posen und begann mit der ihm eigenthümlichen, bewunderungswürdigen 
Energie die mit so grossem und günstigen Erfolge aufgenommenen diptero- 
logischen Arbeiten; er trat in einen regen wissenschaftlichen Verkehr mit fast 
allen hervorragenden Entomologen seiner Zeit; er besass Freunde, Fachgenossen 
und Correspondenten zu hunderten in allen Welttheilen; er gehörte zu den 
eifrigsten Besuchern der Versammlungen deutscher Aerzte und Naturforscher. 
Bei solchen Gelegenheiten erweiterte sich immer wieder der grosse Kreis seiner 
Freunde und Verehrer durch neue Bekanntschaften, wobei ihn seine gediegene 
Erfahrung, seine anspruchslose Liebenswürdigkeit im Umgange, und sein biederer, 
streng rechtlicher Charakter wesentlich unterstützten. In Frankfurt a./M. war 
Loew seinerzeit wiederholt der Gast des Reichsverwesers weiland Erzherzog 
Johann. 

Dieselbe Gründlichkeit, welche wir in seinen dipterologischen Arbeiten be- 
wundern, entwickelte Loew in allen Zweigen seines universellen Wissens. Loew 



F. Kowarz. 



47 



war nicht nur ein bedeutender Forscher und Schriftsteller, sondern auch ein 
seltener Meister in der bildlichen Darstellung zoologischer und botanischer 
Objecto, wie dies die vielen seine Publicationen begleitenden Tafeln genügsam 
beweisen. Seine Bibliothek und seine Sammlungen haben längst einen Weltruf 
erworben; seine Dipterensammlung ist die grösste der existirenden, sie enthält 
Dipteren aus fast allen Localitäten, die noch je von Forschern seines Faches 
betreten wurden — gegenwärtig ist sie dem Staatsmuseum in Berlin einverleibt. 
Loew hat ausser auf die lebenden auch auf die fossilen Insektenformen seine 
Untersuchungen ausgedehnt ; seine Bernsteinsammlung mit Diptereneinschlüssen 
ist die seltenste dieser Art. 

Die ausserordentlich zahlreichen dipterologischen Publicationen Loew's 
sind ein unentbehrliches Gemeingut aller Dipterologen geworden, meist bekannt 
und in Schulprogrammen und nahezu in allen Fachschriften von Europa und 
Amerika enthalten. Sein bedeutendstes Werk „die Bernsteinfauna" blieb leider 
bisher unpublicirt, ebenso eine preisgekrönte Arbeit über „die der Landwirthschaft 
schädlichen Insekten". 

Den Werth der Loew'schen Arbeiten hat schon unser verdienstvoller 
Schiner in der Einleitung zu seiner „Fauna austriaca" hervorgehoben, indem er 
dort p. XXXII sagt: „Loew's Schriftengehören zu den bedeutendsten auf dem 
Gebiete der Dipterologie. Scharfsinn und gründliche Sachkenntniss sprechen 
sich in denselben überall aus. Loew ist der eigentliche Gründer einer streng 
wissenschaftlichen, echt kritischen Richtung, durch welche für die Feststellung 
der Arten so Vieles und Ausgezeichnetes geleistet worden ist". 

Die Verdienste Loew's um die Naturwissenschaft wurden auch vielfach 
anerkannt und mit allen Ehren, die ihm die Wissenschaft bieten konnte, aus- 
gezeichnet. Loew war Mitglied und Ehrenmitglied von 25 verschiedenen 
wissenschaftlichen Vereinen; der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft in 
Wien gehörte er seit dem Jahre 1855 an. 



Herr Custos A. Rogenhofer legt vor: 
Freiherr von Osten-Sacken: 

Tabelle zum Bestimmen der nordamerikanischen Arten der 

Tipuliden- Gattung Pachyrrhina von Dr. H. Low. 
Die Tanyderina, eine merkwürdige Gruppe der Tipuliden. 
(Siehe Abhandlungen.) 



Herr Franz Höf er berichtet über die Auffindung von Stand- 
orten mehrerer für die Flora Niederösterreichs seltener Pflanzen 
in der Umgebung von Bruck a. d. Leitha und am nordöstlichen 
Ufer des Neusiedlersees, und zwar: 

G* 



48 



Versammlung am 5. November 1879. 



Carex Pseudocyperus L., in der Stadtau bei Bruck a. d. Leitha. 

Cyperus panonicus Jacq., in unzähliger Menge, nahezu ausschliesslich den 
Boden überdeckend. 

Lunaria annua L., in einer Leitha-Au bei Bruck. 

Lepidium crassifolium W. et K., in grösserer Menge. 

Althaea hirsuta L., auf den östlichen Lagerwiesen bei Bruck a. d. Leitha. 

Trigonella monspeliaca L., an der Ostseite der Ruine bei Neusiedl am See. — 
Ferner am 23. August 1879 bei der sogenannten Golserlacke (Grenz- 
graben zwischen Gols und Podersdorf) nahe dem Neusiedlersee. 

Artemisia maritima L., sehr häufig. 

Suaeda salsa Pallas, in sehr grosser Menge. 

Suaeda maritima Dum., ziemlich häufig. 

Kochia arenaria Roth, in grösserer Menge. 

Amygdalus nana L., auf dem Lübeck'schen Standorte in Host's Synopsis 1797, 
p. 272, nämlich bei Zurndorf an Waldrändern rechts von der Bahnstation, 
sehr häufig. 

Peucedanum officinale L., fand ich und Herr Oberlehrer Ried er am Neusiedler- 
see, auf Sandhügeln bei Podersdorf in zwanzig üppigen Exemplaren. 



Einem an Herrn Professor Dr. H. W. Reichardt gerichteten 
Schreiben des Herrn Carl Petter ist zu entnehmen, dass derselbe 
Anfangs Juli Thalictrum pubescens Schleicher in Niederösterreich 
aufgefunden. Der Standort ist auf den rechts von der Strasse 
von Miesenbach, im Miesenbachthale bei Oed nächst Wiener- 
Neustadt, nach Buchberg gelegenen Wiesen. Die Exemplare waren 
nicht selten und fielen durch ihre Höhe (1 Meter) auf. 



Zum Schlüsse wird das Resultat des Scrutiniums bekannt- 
gegeben. Es erscheinen als Ausschussräthe gewählt die Herren: 



Bergenstamm Julius von. 
Haimh offen Gustav Ritter von. 
Halacsy Dr. Eugen von. 
Jeitteles L. H. 
Mayr Dr. Gustav. 



Pelz ein August von. 
Reichardt Dr. H. W. 
Reu ss Dr. Aug. Ritter von. 
Thümen Felix Freiherr von. 



Gus ta v May 



49 



Versammlung am 3. December 1879. 

Vorsitzender: Herr Professor Dr. Gustav L. Mayr. 

Neu eingetretene Mitglieder: 

P. T. Herr Als Mitglied bezeichnet durch 

P. T. Herren 

Nedwed Karl, Ingenieur, Wien, I., Weih- 
burggasse 26 Das Secretariat. 

Nürnberger Clemens, Troppau , Heilige 

Geistgasse 12 J. Mann, A. Rogenhofer. 

Hormuzaki Constantin von, Czernowitz . Otto von Petrino, Dr. Emil von 

Marenzeller. 

Platz Josef Graf, Wien, VII., Burggasse 2 . A. v. Pelzein, J.Wiesbaur, Hochw. 



Eingesendete Gegenstände: 

180 Species küstenländische Pflanzen für das Normalherbarium von Herrn 
Hofrath Mutius v. Tommasini in Triest. 

500 Insecten von Herrn J. v. Bergenstamm. 
1000 Phanerogamen von Herrn Franz Bartsch. 

1 Partie Phanerogamen und Käfer, 5 Centurien Mollusken von Herrn 
Dr. F. Ressmann. 

1 Centurie Lepidopteren von Herrn Rudolf Anker. 
500 Phanerogamen von Herrn Heinrich Braun. 



Anschluss zum Schriftentausche: 

Westphälischer Provinzial -Verein für Wissenschaft und Kunst in Münster. 
Philosophical Society (South australian institute) Adelaide. 



Der Herr Vorsitzende ersucht die Herren Anton Heim er], 
Josef Kolazy und Michael Müllner, das Scrutinium der zur 
Wahl des Präsidenten und der sechs Vice-Präsidenten abgegebenen 
Wahlzettel vorzunehmen. 



Das Mitglied Herr Professor Dr. Camill Rondan i in Parma 
ist gestorben. 



50 Versammlung am 3. December 1879. 

Herr Robert Cartier hat den Mitgliedsbeitrag auf Lebens- 
dauer eingezahlt. 

Herr Dr. Franz Low spricht über Milbengallen. (Siehe Ab- 
handlungen.) 

Herr E. Reitter legt mehrere coleopterologische Abhand- 
lungen (siehe diese) vor: 

Ueber Spelaeodytes mirabilis Miller. 

Neue Coleopteren aus dem südöstlichen Russland. 

Beiträge zur Kenntniss der europäischen Pselaphiden und 
Scydmaeniden. 

Herr Dr. Gustav L. Mayr übergibt eine Bearbeitung der 
Hymenopteren-Gattung Telenomus. (Siehe Abhandlungen.) 



Herr W. Voss sendet eine Arbeit ein mit dem Titel: 
Materialien zur Pilzkunde Krains II. (Siehe Abhandlungen.) 



Herr Dr. E. v. Ma renzeller referirt über: 
Beiträge zu einer Monographie der Polyceraden I., von Dr. 
Rudolph Bergh in Kopenhagen. (Siehe Abhandlungen.) 



Derselbe legt vor und bespricht das im Allerhöchsten Auf- 
trage der Gesellschaft übermittelte, eben erschienene botanische 
Prachtwerk: „Aroideae Maximilianae", eine Beschreibung und Ab- 
bildung der auf der Reise weiland Sr. Majestät des Kaisers Max I. 
von Mexiko nach Brasilien, welche er noch als Erzherzog in den 
Jahren 1859 — 1860 unternommen, gesammelten Aroideen mit 43 
Foliotafeln in Farbendruck. Mit der endlichen Fertigstellung 
dieses mit wahrhaft fürstlicher Munificenz ausgestatteten Werkes, 
welches schon von Schott, Kotschy, Reissek und seit 1868 
von Fenzl in Angriff genommen wurde und dessen Tafeln seit 
mehr als zwölf Jahren gedruckt vorlagen, war Prof. Dr. J. Pey- 
ritsch in Innsbruck betraut worden. 



Fritz Wachtl. 



51 



Herr Oberförster Fritz Waehtl gibt im Folgenden die Be- 
schreibung eines neuen Borkenkäfers: 

Ein neuer Feind der Schwarzkiefer. 

Die Kenntniss derjenigen Insekten, welche auf der Scbwarzkiefer, einer der 
dominirenden Holzarten in den Forsten Niederösterreichs, leben, ist gegenwärtig 
eine noch sehr beschränkte und mangelhafte. 

Ich beschäftigte mich seit mehreren Jahren schon mit dem Studium 
derselben und verdanke den zu diesem Zwecke betriebenen Zimmerzuchten 
bereits manches überraschende Resultat. 

Durch diese Zuchten habe ich ausser vielen bekannten Arten auch eine 
Anzahl solcher erhalten, welche theils für die österreichische Fauna neu, theils 
überhaupt noch unbekannt sind. 

Unter den letzteren befindet sich auch ein namentlich durch die Form 
der Zähne im Umkreise des Flügeldeckenabsturzes habituell sehr ausgezeichneter 
Borkenkäfer, welchen ich Sr. Excellenz dem ehemaligen Ackerbauminister, Herrn 
Hieronymus Grafen zu Mannsfeld, der stets in hochherzigster Weise das 
forstliche Versuchswesen Oesterreichs förderte, als Zeichen meiner Hochachtung 
und Verehrung zu widmen mir erlaube und dessen Diagnose hier folgt: 

Tomicus Mannsf eldi n. sp. 

$ Corpus nigro-piceum, nitidum, oblongum, cylindricum, pilis longius- 
culis flavescentibus tenuiter adspersum. 

Prothorax oblongus, cylindricus, lateribus rectis leniter impressus, 
dimidio anteriore tuberculato-rugoso, dimidio posteriore nitidissimo, praecipue 
in disco punctis subtilissimis et parcissimis adsperso. 

JElytra dilute picea, nitida, levissime punctato-striata, striarum punctis 
remotius dispositis, rotundis leviter impressis; interstitiis subplanis, impunctis, 
glaberrimis ; apice abrupte truncato, truncatura excavata in ambitu utringue 
tridentata. Dente superiore (i. e. primo) parvo, hamato, acuto; secundo dupli- 
cato, permagno, valde prominente, a lateribus compresso, latissimo, angulo 
superiore minus, inferiore longius acute producto; tertio conico acuto. 

Antennae rufinae. 

Pedes dilutius vel obscurius picei. 

Statura et colore feminae, sed elytrorum truncatura utrinque dentibus 
quatuor acutis limitato, quorum secundus latus et maximus. 

Longitudo corporis 3—3 75 Mm. 

Habit at sub Pini Laricionis Poir. (var. austriacae) cortice. 
Patria: Austria inferior. 

Dem Tomicus duplicatus Sahlb. (Diss. Ins. Fenn., II. Pars IX et X. 1836. 
p. 144) und rectangulus Ferr. (Borkenk. 1867. p. 83) Eichh. (Tomic. 1879. p. 260) 
nahe verwandt durch die Sculptur des Halsschildes und der Flügeldecken, sowie 
durch die Zahnung des Flügeldeckenabsturzes, aber von beiden verschieden. 



52 



Versammlung am 3. December 1879. 



Eine ausführliche Beschreibung des Käfers, nebst einer Abbildung desselben, 
werde ich in dem III. Bande der „Mittheilungen aus dem forstlichen 
Versuchswesen Oesterreichs" geben. 



Freiherr Felix von T hürnen berichtet: 

Ueber einen prähistorischen, aus den Pfahlbaustätten bei 
Laibach stammenden Polyporus. 

Unter einer kleinen Sammlung prähistorischer Gegenstände aus den Pfahl- 
baustätten in der Umgebung Laibachs, welche ich der Liebenswürdigkeit des 
Herrn Professors W. Voss dortselbst verdanke, befand sich auch ein Stück eines 
Polyporus, und ich glaube es für gerechtfertigt zu halten, von diesem ebenso 
seltenen wie interessanten Funde eine kurze Beschreibung zu liefern. 

Das Stück hat eine Länge von 65, eine Breite von 51 und eine Höhe 
von 44 Mm., sein Gewicht beträgt nur 25 Gramm. Es ist auf drei Seiten noch 
völlig von der Rindenschicht umgeben, an der vierten war es zweifelsohne am 
Baume angewachsen. Die Gestalt ist mehr oder weniger hufförmig, ziemlich 
regelmässig, die Farbe der Rindenschicht schwarzgrau mit viel Glanz, die Ober- 
fläche ganz glatt. Das Innere ist tiefer gefärbt, schwarzbraun, an die Farbe 
guten Brenntorfs erinnernd, die Constanz ist zerreiblich, ziemlich locker, aber 
noch immer fest zusammenhängend. Deutlich ist die Structur der Poren zu 
erkennen, doch sind die Porenschichten der verschiedenen Jahre selbst nur 
undeutlich und schwer wahrnehmbar. Die Rindenschicht zeigt ziemlich zahl- 
reich die runden, kleinen Löcher, welche an den Hymenomyceten durch den 
Frass verschiedener Käfer und ihrer Larven, besonders von Anobium-Arten, ver- 
ursacht werden. 

Ein Versuch der Bestimmung dieses prähistorischen Polyporus erwies sich 
als verhältnissmässig leicht; die fast vollkommen intact erhaltene Rinde, die 
Gestalt, die Structur und Länge der Poren machen es mehr als wahrscheinlich, 
ja fast gewiss, dass wir es hier mit einem Exemplar des echten Feuerschwammes, 
des Polyporus fomentarius Fr. zu thun haben, oder doch wenigstens sicher mit 
einer diesem sehr nahe stehenden, eventuell jetzt nicht mehr vorkommenden Form. 

Ob freilich dieser Pilz an einem Baumstamme des Pfahldorfes vegetirte, 
oder ob er vielleicht von den Bewohnern desselben im Walde gesammelt und 
nach Hause getragen, wohl gar schon zur Bereitung von Zunder verwendet werden 
sollte, diese und andere Fragen entziehen sich leider der Beantwortung. 



Herr Custos Theodor Fuchs spricht über die geschlecht- 
liche Affinität als Basis der Speciesbildung. 

Der Vortragende weist darauf hin, dass das Wesen organischer Körper 
nicht in ihren morphologischen, sondern in ihren physiologischen Eigenschaften 



Theodor Fuch 



53 



wurzle, und sucht im Anschlüsse an diesen Grundsatz den Gedanken durch- 
zuführen, dass die Bildung geschlossener Formenkreise, wie wir sie erfahrungs- 
gemäss in den einzelnen Thier- und Pflanzenarten finden, eine Folge der 
geschlechtlichen Affinität sei und sich als eine nothwendige Folgeerscheinung 
derselben ableiten lasse. 

Stellt man sich nämlich vor, dass durch irgend einen Schöpfungsact eine 
grosse Menge von Pflanzen- und Thierindividuen ins Leben gerufen werden, 
ohne dass hiebei auf eine Gliederung nach einzelnen Arten Rücksicht genommen 
wäre, so wird sich doch eine derartige Sonderung unter dem Einflüsse der 
geschlechtlichen Fortpflanzung in wenigen Generationen ganz von selbst als 
Nothwendigkeit ergeben. 

Es werden nämlich alle diejenigen Individuen, welche zu einander eine 
vollkommene geschlechtliche Affinität besitzen, auf dem Wege der gegenwärtigen 
Befruchtung ihre individuellen Eigenschaften austauschen, und so im Verlaufe 
weniger Generationen einerseits zu einer einheitlichen Formgruppe verschmelzen, 
andererseits aber sich gegen andere Fortpflanzungskreise absondern. 

Die einzelnen Arten sind daher von Haus aus weder einfache, noch gleich- 
werthige, sondern sie sind zusammengesetzte Grössen, deren Natur und Umfang 
von der Anzahl und Beschaffenheit der constituirenden Elemente, sowie von 
dem Grade ihrer Verschmelzung abhängt. 

Ist eine Art nur aus einander sehr ähnlichen Individuen entstanden, und 
sind dieselben sehr innig mit einander verschmolzen, so werden wir eine sehr 
engbegrenzte, homogene Art haben; ist eine Art hingegen aus der Verschmelzung 
von Individuen hervorgegangen, welche morphologisch sehr verschieden sind, 
und ist die Ausgleichung der individuellen Charaktere nur unvollkommen erfolgt, 
so werden wir das vor uns haben, was wir eine polymorphe Art nennen. 

Variabilität und Polymorphismus sind keine secundären, sondern 
primäre Erscheinungen, und die Varietäten einer Art sind keineswegs Neu- 
bildungen, sondern stellen nur die nicht vollständig verwischten Reste der 
ursprünglichen Stammformen vor, aus deren Vereinigung und Verschmelzung die 
betreffende Art entstand. 

Ebenso ist es klar, dass auf Grundlage dieser Anschauungen die Züchtung 
verschiedener Rassen aus einer und derselben Art, auf dem Wege der Auswahl 
und Isolirung, nichts anderes ist als die Zerlegung einer zusammengesetzten 
Grösse in ihre näheren Elemente. 

Die Variabilität einer Art ist nicht unbegrenzt, sondern beschränkt durch 
die Beschaffenheit der Stammformen, aus deren Vereinigung sie hervorgegangen. 

Die naturhistorische Erfahrung, dass die Individuen einer und derselben 
Art in der Regel unter einander vollkommen fruchtbar sind, die Individuen 
verschiedener Arten aber nicht, darf nicht in dem Sinne aufgefasst werden, dass 
diese physiologische Eigentümlichkeit jeder einzelnen Art bei ihrer Erschaffung 
gleichsam als Mitgift mitgegeben wurde ; denn nicht die Art ist das ursprüng- 
lich Gegebene und die geschlechtliche Affinität eine ihrer Eigenschaften, sondern, 

Z. B. Ges. B. XXIX. Sitz.-Ber. JJ 



54 



Versammlung am 8. December 1879. 



umgekehrt, die geschlechtliche Affinität ist das ursprünglich Gegebene und die 
Bildung der Art nur eine Folge derselben. 

Würden eine Art A und eine andere Art B unter einander vollkommen 
fruchtbar sein, so müssten ja diese beiden Arten, woferne keine äusseren Hinder- 
nisse entgegenstehen, in kurzer Zeit zu einer Art verschmelzen, und dieses Ein- 
beziehen und Verschmelzen der Formen müsste sich so weit ausdehnen, als 
überhaupt die vollkommene Affinität reicht. 

Viele Thierarten, welche sich im freien Naturzustande nicht kreuzen, 
können im Zustande der Domestication dazu gebracht werden, und die Folge 
davon sind unsere vielgestaltigen Hausthiere, welche äusserlich ganz wie poly- 
morphe Arten erscheinen. 

Bei mehreren polymorphen Hausthieren ist es bereits sicher nachgewiesen, 
dass sie aus der Verschmelzung verschiedener wilder Stammformen entstanden 
sind (Hund, Eind), und auch bei anderen (Schaf, Ziege, Huhn) ist dies kaum 
mehr zu bezweifeln. 

Durch die Zucht des Menschen sind allerdings neue Arten künstlich ge- 
bildet worden, aber nicht in dem Sinne, dass er aus Einer Art mehrere 
machte, sondern vielmehr, dass er aus mehreren scheinbar eine (allerdings 
sehr polymorphe) machte. 

Indem der Mensch verschiedene wilde Thierarten durch Auswahl und 
Isolirung in ihre Elemente zerlegte und dieselben wieder durch Bastardirung in 
mannigfacher Weise combinirte, erzielte er die grosse Menge von verschiedenen 
Rassen, welche unsere Hausthiere thatsächlich aufweisen. 

Das Wesen dieser Züchtung besteht aber der Hauptsache nach nur in der 
verschiedenartigen Combinirung und Mischung bereits vorhandener Elemente 
und nicht in der Neubildung von solchen. 



Herr Ludwig Arnhart in Pettau theilt seine Beobachtungen 
über einen secundären Sexualcharakter von Acherontia Atropos mit: 

Einige Untersuchungen, die ich über diesen Gegenstand an einigen 
Sphingiden anstellte, leiteten mich bei Acherontia auf einen der interessantesten 
dieser Charaktere, welcher (nach der freundlichen Mittheilung des Herrn Prof. 
Dr. Brauer) noch nicht bekannt zu sein scheint. Die Bedeutung dieses Organs 
lässt sich nur annäherungsweise bestimmen, da sie durch keine directe Beobachtung 
sichergestellt ist. 

Der von den Schuppen durch Abbürsten gereinigte Hinterleib des Männchens 
zeigt im Gegensatze zu dem sehr einfachen des Weibchens eine Abweichung 
dahin, dass die zwischen den Ventral- und Dorsalplatten liegende Verbindungs- 
haut (in welcher die Stigmata an den Dorsalplatten liegen) eine schmale /-förmig 
gebogene Längsfalte besitzt. Dieselbe tritt bei gut ausgetrockneten Thieren 
stärker auf als bei frisch getödteten. An der Seite zu den Ventralplatten begrenzt 
sie eine mit ihr gleichlaufende Nuth, die von einer hornartigen dünnen Platte 
mehr weniger geschlossen und geöffnet werden kann. In derselben befinden 



Ludwig Ärnhart. 



55 



sich eine Anzahl an dem oberen Ende derselben befestigte halbsteife Borsten, 
die, in der Ruhelage parallel eingebettet, in Thätigkeit fächerförmig heraus- 
gestülpt sind. 

Das Ausstülpen scheint mit dem forcirten Ein- und Ausathmen zusammen- 
zuhängen, wie ich an einigen lebenden Exemplaren beobachten zu können glaubte. 
Namentlich bei dem letzten Athmen nach einer Cyankali Vergiftung Hessen fast 
Alle dieses Ausstülpen sehen. 

Dieses Organ scheint die Bedeutung eines Kitzelorgans bei der Begattung 
zu haben, was um so wahrscheinlicher wird, wenn man beobachtet, dass einer- 
seits die entsprechende Stelle am Rücken des Weibchens neben den Schuppen 
noch mit weichen, schwer wegbürstbaren Borsten besetzt ist, welche zu den längsten 
des Körpers zählen ; andererseits die Empfindlichkeit des oberen Rückens wegen 
der darunter liegenden Ganglien angenommen werden kann. Auch ist es be- 
rücksichtigenswerth, dass bei dem Geschlechtsact eine erhöhte Athmung stattfindet. 




Die ersten zwei Abdominalsegmente des Männchens, von der Seite 
a. Stigmen. 
6. Dorsalplatten. 

c. Die Deckplatte, unter welcher sich die Borsten befinden 

d. Verbindungshaut, 
c. Die Falte. 

/. Ventralplatten. 



Zum Schlüsse wird das Resultat des Scrutiniums bekannt 
gegeben. Es erscheinen als gewählt: 
Zum Präsidenten: 

Se. Durchlaucht Fürst Josef Colloredo-Mannsfeld. 
Zu Vice-Präsidenten die Herren: 



Brauer Dr. Friedrich. 
Pelikan von Plauenwald Anton. 
Schröckinger-Neudenberg Julius 
Freiherr von. 



Pelz ein August von. 
Wiesner Dr. Julius. 
Vogl Dr. August. 



H* 



56 



Anhang. 



ANHANG. 

Werke, 

welche der k. k. zoologisch -botanischen Gesellschaft im Jahre 1879 

geschenkt wurden. 

Im Allerhöchsten Auftrage: 

Pey ritsch Dr. J. Aroideae Maximilianae. Wien 1879. 

Geschenk von Sr. kaiserl. Hoheit dem durchlauchtigsten Herrn Erzherzoge 
Salvator von Toscana: 

Eine Blume aus dem goldenen Lande, oder Los Angeles. Prag 1878. 

Geschenk des Herrn Hans Leder: 

Böttger Dr. 0. Kaukasische Mollusken, gesammelt von Herrn Hans Leder 
in Paskau. 

Geschenk des Herrn Hofbuchhändler Dieter aus Salzburg: 

Hinter huber Julius und Pichelmayer Franz. Prodromus einer Flora des 
Herzogthums Salzburg. II. Aufl. Salzburg 1879. 

Geschenk des Herrn Sectionschef Frh. v. Eubin: 

Kubin Ernst und Müller Dr. Josef Franz. Entwicklungsvorgänge bei Pistia 
stratiotes und Vaüisneria spiralis. Bonn 1878. 

Geschenk von der Direction des deutschen k. k. Staats-Obergymnasiums 

in Olmütz: 

Tkany Franz. Vegetationsverhältnisse der Stadt Olmütz und ihrer Umgebung 
(Schul-Programm für 1879). 

Geschenk von der Direction der Landes-Oberrealschule zu Leoben: 

Cilensek Martin. Bau und Thätigkeit der Foraminiferen und riffbildenden 
Korallen (Schul-Programm für 1879). 

Geschenke von den Herren Verfassern: 

Pancic Dr. Josef. Flora der Umgebung von Belgrad. II. Aufl. Belgrad 1878. 

B ru sin a S. Molluscorum fossilium species novae et emendatae in tellure tertiana 
Dalmatiae, Croatiae et Slavoniae inventae. 

Knapp J. A. Friedrich August F lückig er. Eine biografische Skizze. Wien 1879. 

Hayna ld Dr. Ludovicus. De distributione geographica Castaneae in Hungaria. 
— Denkrede auf Philipp Pariatore, ung. 

Schneider Dr. Oscar und Leder Hans. Beiträge zur Kenntniss der kaukasi- 
schen Käferfauna. Brünn 1878. 



Anbang. 



57 



Radelkofer L. Ueber die Sapindaceen von Holländisch- Indien. 

Regel E. Descriptiones plantarum novarum et minus cognitarum fasciculus VI. 

Drude Dr. Oscar. Bericht über die Fortschritte in der Geographie der Pflanzen. 

— August Grisebach. 

— Die insektenfressenden Pflanzen. 

Spängberg Jacob. Species Jassi, generis Homopterorum 1878. 
Ardissone Francois. La vie des cellules et rindividualite" dans le regne 
vegetal. Mailand 1874. 

— Nota intorno all' uso della Diatomee nella determinazione della penetra- 
zione degli objettivi. 

— Lettera interno alla determinazione dei alcune specie del genere Schizy- 
menia. 

— Spyridieae, Dumontieae, Rhodymeniae italiche. Milano 1874. 

Ross A. M. Catalogue of Mammals, Birds, Reptiles and Fishes, of the Dominion 

of Canada. Montreal 1878. 
Canestrini Giovanni, Prof. Sulla produzione dei sessi. Padua 1879. 
Dimmok G. Special Bibliography. Nr. 1 and 2. Cambridge, Mass 1878. 
Preudhomme de Borre A. Quelques conseils aux chasseurs d'insectes. 

— Sur l'oeuf et la jeune larve d'une espece de Cyphocrania. 

— Note sur des difformites observees chez l'Abax ovalis et le Geotrupes syl- 
vaticus. 

— Etüde sur les especes de la Tribu des Feronides qui se rencontrent en 
Belgique. 1878. 

Folin Marquis de. Faune lacustre de l'ancien lac d'Ossegor. Bayonne 1879. 
Valle Antonio. Legno silicizzato dall' Istria. 

— Cirolana hirtipes M. Edw. nella Thalassochelys corticata Rondel. 
Dall W. H. Report on the Limpets and Chitons of the Alaskan and arctic regions 

with descriptions of genera and species belived to be new. 
Pini Napoleone. Nuove specie o forme poco note di molluschi. Milano 1879. 

— Appunti malacologici sopra alcune forme di conchiglie italiane pubblicate 
come nuove specie nel Vol. V del Bulletino della societa malacologica 
italiana. 

— Contribuzione alla fauna fossile postpliocenica della Lombardia. 

— Notizie Malacologiche relative alla fauna lombarda. 

Andre Ed. Species des Hymönopteres d'Europe et d'Algerie. 1. 2. Beaune 1879. 
Marchesetti Dr. C. Particolaritä della fjpra d'Isola. 

— Una passeggiata alle Alpi Carniche. 

Forel Dr. August. Etudes myrmecologiques en 1879. II. Partie. 

Nick er 1 Dr. Ottokar. Bericht über die im Jahre 1878 der Land- und Forst- 

wirthschaft Böhmens schädlichen Insekten. Prag 1879. 
Lefevre Th. Description de l'ovule des environs de Bruxelles. 1878. 
Knauer Dr. Friedr. Naturgeschichte der Lurche. Wien 1878. 

— Naturgeschichte des Thierreiches. Wien 1878. 

Lefevre Th. & Watelet A. Descriptions des deux Solens nouveaux. Bruxelles. 



58 



Anhang. 



Stearns Rob. In the matter of certain badly treated Mollusks. 1879. 

— Remarks on fossil shells from the Colorado Desert. 1879. 

— Description of a new species of Dolabella from the Gulf of California 
with Remarks on other rare or little known species from the same 
region. 1878. 

— Form of seeds as a factor in natural selection in Plants. 1879. 

— Description of a new species or variety of Landsnail of California. 
Loew Dr. E. Arbeiten über die Morphologie der Gewächse in den Jahren 1875 

und 1876. 

— Ueber zwei kritische Hyphomyceten : Acrostalagmus Corda und Arthro- 
botrys oligospora Fries. 

Reinhardt Dr. Otto. Beiträge zur Molluskenfauna der Sudeten. 

— Ueber japanische Hyalinen. 

— Bemerkungen über einige transcaucasische Pupa-Arten. 

— Die Binnenmollusken Magdeburgs. 

— Mittheilungen über die Molluskenfauna des salzigen Sees und einiger 
anderer Punkte bei Halle a. S. 

— Nachträgliche Bemerkung zu der Mittheilung über die Fauna des Salzsees 
bei Halle a. S. 

— Zur Fauna von Thüringen. 

— Diluviale Funde bei Müggelheim. 

Cobelli Ruggero. Del doppionismo nel bombice del gelso. 

— Contribuzioni alla teratologia del bombice del gelso. 

— Altre contribuzioni alla teratologia del bombice del gelso. 

— Teratologia del bombice del gelso. 

— Nuove contribuzioni alla teratologia del bombice del gelso. 

— Esame microscopico delle farfalle del bombice des gelso. 

— II polso del baco da seta. 

— 1/ organo di Herold nel baco da seta. 

— La processionaria del pino. 

— Biographie von Fortunate Zeni. Rovereto 1879. 

Weyenbergh H. Alcunos nuevos pescados del museo nacional y alcunas 

noticias ictiologicas. Buenos-Ayres 1877. 
Collett Robert. versigt af Norges Araneider. 
Da IIa Torre, Dr. K. W. Die Käferfauna von Oberösterreich. 

— Die Wirbelthierfauna von Tirol*und Vorarlberg, in analytischen Tabellen 
dargestellt. Innsbruck 1879. 

Horväth Geyza. Hemiptera Heteroptera a dorn. Ioanne Xanthus in China et in 
Japonia collecta. 1879. 

— Beitrag zur Hemipterenfauna Transkaukasiens. 1878. 

— Hemipterologisches aus Transkaukasien. 

Burmeister H. Dr. Description physique de la Republique argentine. Tome V. 

Lepidopteres £. Partie. Buenos-Ayres 1878. 
Gremblich P. Julius. Die Conchylien Nordtyrols. 1879. 



Anhang. 



59 



Hagen Hermann Dr. Synopsis of the Neuroptera of North America with a 
List of the South American Species Washington 1861. 

— Synonymia Libellularum europearum Inaug. Diss. Königsberg 1840. 

— On some Insect Deformities. Cambridge 1876. 

— Notes on the Genus Baphidia. 

— Revision critique des Phryganides decrits par M. Rambur. 

— The Odonat fauna of the Island of Cuba. 

— Synopsis Pseudoscorpionidum synonymica. Boston 1870. 

— Mimicry in the colors of insects. Boston 1872. 

— On the Larvae of the Hemerobina. Boston 1872. 

— The Odonate fauna of Georgia, from original drawings now in possession 
of Dr. J. Le Comte, and in the British Museum. Boston 1874. 

— Psocinarum et Embidinorum Synopsis synonymica. 

— On Attacus Columbia and its Parasites. 

— Die Odonaten- und Neuropterenfauna Syriens und Kleinasiens. 

— Synopsis of the Odonata of America. Boston 1875. 

— North American Phryganidae. 

— Notes on Mr. S. H. Scudders „Odonata of the Isle of Pines". 

— Die Larven von Myrmeleon. 

— Die Larven von Ascalaphus. 

— Zur Kenntniss von Psychomya Latr. 

— Monographie der Gattung Dasystoma Rambur. 

— Monograph of the North American Astacidae. Cambridge 1870. 

— Report upon the Collections of Neuroptera and Pseudo-Neuroptera made 
in portions of Colorado. 

— New Mexico, and Arizona during the years 1872, 1873 and 1874. 

— Ueber rationelle Benennung des Geäders in den Flügeln der Insekten. 

— On a Wingless white ant from Japan. 

— Mode of locomotion in Chelifer and other Pseudoscorpions. 

— On Lachlania abnormis, a new Genus and species from Cuba belonging 
to the Ephemerina. 

— The immature state of the Odonata. Part I. Subfamily Gomphina by 
Louis Cabot. 

— Destruction of obnoxions insects : Phylloxera, Potats butle, Cottonworm, 
Colorado grashopper and Greenhouse pests by Application of the Yeast 
fungus. 

Thümen F. von. Verzeichniss der um Bayreuth in Oberfranken beobachteten 

Pilze. Landshut 1879. 
Puton Dr. Synopsis des Hemipteres - Heteropteres de France. II. Partie. 

Paris 1879. 

Warming Eug. Om nogle ved Danmarks Kyster levende Bakterier. Kjöben- 
havn 1876. 

— Bidrag til Cycadeernes Naturhistorie. Kjöbenhavn 1879. 
Poetsch Dr. J. S. Neue österreichische Pilze, 



60 



Anhang. 



Kraus s Dr. Hermann. Die Orthopterenfauna Istriens. 1878. 

Ma renzeller Dr. Emil. Südjapanische Anneliden. 1879. 

Oberthür Charles. Diagnoses d'especes nouvelles de Lepidopteres de l'ile 

Askold. Rennes 1879. 
Rodrigues J. Barbosa. Genera et species Orchidearum novarum. Sebastiano- 

polis 1877. 

— Enumeratio Palmarum novarum. Sebastianopolis 1875. 
Rees M. Ueber die Natur der Flechten. Berlin 1879. 

Nehring Dr. Alfred. Fossilreste kleiner Säugethiere aus dem Diluvium von 
Nussdorf bei Wien. 

— Die quaternären Faunen von Thiede und Westeregeln nebst Spuren des 
vorgeschichtlichen Menschen. Braunschweig 1878. 

Conwentz Dr. H. Ueber ein miocänes Nadelholz aus den Schwefelgruben von 

Comitini bei Girgenti. 
Signoret Victor. Essai sur les Jassides Stäl et plus particulierement sur les 

Acocephalides Puton. 
Haast Julius von. Geology of the Provinces of Canterbury and Westland. New 

Zeeland, Christchurch 1879. 
Seoane Lopez Victor. Description de deux orthopteres nouveaux d'Espagne. 
Roemer C. Beiträge zur Laubmoosflora des oberen Weeze- und Göhlgebietes. 



Abhandlungen. 



Entwiekliingsgeschiehte des Prothalliums 
von Scolopendrium. 

Von 

Dr. Günther Beck. 



(Vorgelegt in der Versammlung am 4. December 1878). 

(Mit Tafel I u. II.) 

Da der Entwicklungsgeschichte des Vorkeimes von Scolopendrium nur 
wenig Aufmerksamkeit zugewendet worden war, stellte ich mir die Aufgabe, 
dieselbe möglichst genau zu erforschen und meine Untersuchungen ergaben, 
dass das Prothallium von Scolopendrium in vielen Punkten, besonders in Bezug 
auf die ersten Entwicklungsstadien sowie deren Bedingungen von jenem der 
Polypodiaceen abweiche. 

I. Die Spore. 

Die Sporen von Scolopendrium vulgare Sym. (Taf. I, Fig. I), 1 ) welche 
im Mittel 0'026 Mm. Länge erreichen, besitzen ein tief braun gefärbtes, unregel- 
mässig verdicktes Exosporiura, an welchem man zwei Schichten wahrnehmen 
kann, eine äussere, welche die unregelmässig als Leisten, Höcker und Stacheln 
vorspringenden Verdickungen enthält und eine innere, weniger derbe, schwach 
braun gefärbte Hülle. 2 ) Wie bei allen Farnkräutern ist auch das Endosporium 
von Scolopendrium ein zartes, sich an das Exosporium dicht anlegendes Häutchen. 
Trotzdem die Sporen in ihren Mutterzellen als echte Tetrasporen entstehen, 3 ) 
zeigen dieselben dennoch keine so scharf ausgesprochene Kanten wie die anderer 
Polypodiaceen. Bei fortschreitender Quellung wird die Spore vollkommen 
kugelig und erst dann, wenn sie diese Form erreicht hat, tritt der Keim- 
schlauch aus. 



*) Eine Abbildung derselben gab auch Fischer v. Waldheim : lieber die Entwicklungs- 
geschichte der Farnsporen; Jahrb. f. wiss. Bot. von Pringsheim, IV, Taf. XXVII, Fig. 20—21. 

J ) Eine derartige Schichtung des Exosporiums scheint bei den Polypodiaceen ziemlich all- 
gemein vorzukommen, denn ich fand sie bei Aspidium Lonclütis, A. filix mos und anderen Arten. 
Luerssen (Zur Keimungsgeschichte der Osmundaceen in Schenk und Luerssen, Mittheil, aus der 
Botanik I. p. 462) wies diese auch bei Todea barbara Moore nach. Bei Letzterer aber besitzt die 
innere Schichte die dunklere Färbung. 

3 ) Vergl. H. Schacht, Beitrag zur Entwicklungsgeschichte des Sporangiums wie der 
Sporen einiger Farnkräuter. Bot. Zeitg. 1849. p. 537. 

Z. B. Ges. B. XXIX. Abh. 1 



2 



Günther Beck. 



Im Inhalte der Sporenzelle findet sich eine protoplasmatische, etwas 
körnige Grundmasse mit grossen, dickflüssigen Oeltropfen. (Taf. I, Fig. 2o.) 
Das Protoplasma tritt jedoch bei manchen Sporen im Verhältnisse zu den Oel- 
tropfen sehr stark zurück, so dass man bei flüchtiger Beobachtung glauben 
könnte, es wäre in der Spore blos Oel oder Fett enthalten. Legt man Sporen 
in Kali, so wird die Exine sehr bald erweicht und der Sporenkern lässt sich mit 
unverletztem Endosporium leicht (durch Druck auf das Deckgläschen) heraus- 
quetschen. Man erhält sodann ein Bild von der Vertheilung des Oeles und 
des Protoplasmas, indem ersteres ungefärbt bleibt, letzteres aber sammt dem 
Endosporium durch die Einwirkung des Kali gelb gefärbt wird. 

II. Die Keimung und Bildung der Vorkeimzellreihe. 

Wird die Spore günstigen Keimungsbediugnissen ausgesetzt, so verliert 
die Exine ihre Festigkeit. Sie wird derart erweicht und gelockert, dass der 
Keimschlauch an jeder beliebigen Stelle durchbrechen kann. Oefters wird die 
äussere Schichte des Exosporiums abgestossen, während die innere den Sporen- 
kern noch als zarte, durchsichtige Hülle umkleidet. (Taf. I, Fig. 5 c.) 1 ) Es 
wird also bei der Keimung von Scolopendrium das Exosporium nicht wie bei 
anderen Farnkräutern an den Kanten zerrissen, sondern durch den Quellungsact 
so weit vorbereitet, dass dem Durchbruche des Keimschlauches nichts entgegen- 
steht. Es ist dieser Vorgang vielleicht auch mit dem in Zusammenhang zu 
bringen, dass die erste Haarwurzel 2 ) nicht seitlich an der Sporenzelle entsteht 
und durch dieselbe Oeffnung der Exine wie der Vorkeim nach aussen tritt, 
sondern in der Eegel diametral entgegengesetzt das Exosporium durchbricht. 

Bei meiner ersten Sporenaussaat trat bei mittlerer Temperatur von 
12° Cels. die Keimung erst in fünfzehn Tagen ein; bei höherer Temperatur 
wird die Quellungsdauer auf zwölf Tage herabgemindert. Sporen, auf Wasser 
schwimmend, keimten am schnellsten. 

Eine Keimung erfolgt aber nur im Lichte. Während die Sporen, 
welche im Dunkel den Keimungsbedingnissen ausgesetzt wurden, auch nach 
fünfzig Tagen noch keinen Keimschlauch entwickelt hatten, besassen jene, 
welche im Tageslichte auferzogen wurden, schon kräftige Prothallien. Eine 
Keimung findet daher im Dunkel nicht statt, aber die Sporen verlieren ihre 
Keimfähigkeit nur allmälig. Einzelne Sporen, welche zweiundzwanzig Tage 
den Keimungsbedingnissen im Dunkel ausgesetzt waren, entwickelten aber erst 
nach achtzehntägiger Einwirkung des Lichtes, normale Keimschläuche und 
wuchsen zu kräftigen Prothallien heran, ja selbst solche, welche drei Monate 



1 ) Noch deutlicher ist diese Trennung der Exosporiumsschichten an Keimlingen von Aspi- 
dium Lonchitis ausgeprägt. 

2 ) Zur ^Rechtfertigung dieses Ausdruckes als eines mit „Rhizoid" oder „Wurzelhaar" äqui- 
valenten, verweise ich auf die Arbeit Bauke's (Entwicklungsgeschichte des Prothalliums hei den 
Cyatheaceen. Jahrb. f. wiss. Bot. von Pringsheitn. X, 1876.) p. 56. Anmerkung. 



KntwicklungHgoschiclitP dos Prothallinras von Scolopendriwn. 



3 



im Duukel den Keimungsbedingnissen unterworfen wurden, brachten im Lichte 
noch Prothallien hervor, welclio aber meistens unregelmässige Formen aufwiesen. 

Da die Ansichten in Bezug auf die Möglichkeit oder Unmöglichkeit einer 
Keimung von Farnsporen im Dunkel vielfach divergiren, ja sogar den Sporen 
von Aspidium fdix mas und Osmunda regalis eine Keimung wie die Unmöglich- 
keit einer solchen im Dunkel zugesprochen wird, 1 ) untersuchte ich auch die 
Sporen anderer Farnarten 2 ) bezüglich dieses Punktes und kam zu dem Resultate, 
dass eine Keimung der Sporen in vollkommenem Dunkel nicht eintritt. Es 
scheint daher nicht unwahrscheinlich, dass diese Thatsache nur für solche Sporen 
zutreffe, welche blos Oel und kein Chlorophyll enthalten, dass aber eine 
Keimung von Sporen, welche entweder schon Chlorophyll besitzen ( Osmunda) 
oder in denen die Umwandlung der Reservestoffe schon bis zur Chlorophyll - 
bildung vorgeschritten ist, immerhin möglich sei. 3 ) 

Den Eintritt der Keimung kennzeichnet die Bildung einer Ausstülpung 
an dem Endosporium, welche die Anlage der ersten Haarwurzel repräsentirt 
(Taf. I, Fig. SA). Während sich die erste Haarwurzel bedeutend in die Länge 
streckt, entwickelt sich meist am conträren Ende der Spore eine schon in der 
Anlage breitere und durch den Besitz von Chlorophyllkörnern ausgezeichnete 
Ausstülpung, die Anlage des Vorkeirns (Taf. I, Fig. 3 und 4v). 

Der Zeitpunkt des Hervorbrechens der ersten Haarwurzel ist also bei 
Scolopendrium knapp vor der Entwicklung des Vorkeimes. Hofmeister 4 ) 
bemerkte, dass nach etwa der fünften oder sechsten Theilung der Scheitelzelle 
des jungen Keimpflänzchens durch Querwände sich die Scheitelzelle durch eine 
Längswand theile, und ungefähr um dieselbe Zeit die erste Haarwurzel des 
Prothalliums als Ausstülpung der untersten oder nächsten Zelle entstünde. 
Auch Wigand 5 ) fehlte, wenn er die Wahrscheinlichkeit seiner Annahme, dass die 
erste Haarwurzel an der bereits aus der Spore herausgetretenen ersten Zelle 
entspringe, für die meisten Farne in Aussicht stellte. Leszczysc-Suminski's ) 
und Mercklin's 7 ) Untersuchungen stimmen mit meiner an Scolopendrium voll- 



J ) A. Schelting, Einige Fragen betreffend die Entwicklungsgeschichte der Farnkräuter- 
vorkeime. Schrift, d. k. neuniss. Univ. in Odessa, XVII, 1875. — P. Schmidt, Ueber einige 
Wirkungen des Lichtes auf Pflanzen; Inauguraldiss., Breslau, 1870, p. 20 und p. 21, Anmerkung. 
— Dr. L. Kny, Entwicklung des Vorkeimes von Osmunda regalis. Jahrb. f. wiss. Bot. von Pings- 
heim; VIII. 1872, p. 4. 

2 ) Polypodium vulgare, P. Dryopteris; Aspidium fdix mas; A. Lonchitis ; Pteris quadriaurita ; 
Asplenium Belanger i. 

3 ) Es ist hiebei zu bedenken, das eingesammelte Sporen oft schon (wie z. B. in Glas- 
häusern oder an älteren Wedeln nahe dorn Erdboden) die Umwandlung der ßeservestoffe durch- 
gemacht haben und im Inhalte Chlorophyll besitzen. Solche Sporen können im Dunkel keimen 
und leicht den Gedanken erregen, dass eine Keimung im Duukel stattfinde. 

i ) Vergleichende Untersuchungen der Keimuug, Entfaltung und Fruchtbildung höherer 
Kryptogamen; Leipzig, 1851, p. 78. 

ä ) Wigand, Botanische Untersuchungen; Braunschweig, 1854, p. 34. 

")Leszczysc-Suminski, Zur Entwicklungsgeschichte der Farnkräuter; Berlin, 
1848, p. 8. 

') 1. c, p. 6 und 7. 

1* 



4 



Günther B eck. 



führten Be obachtung überein, dass zuerst die Haarwurzel hervortrete und dann erst 
der Vorkeim. Scolopendrium weicht jedoch auch darin ab, dass die erste Haar- 
wurzel meistens nicht seitlich an der Sporenzelle, sondern in der Längsrichtung, 
der Ausbauchung des Vorkeimes gerade gegenüber, hervorbricht. 1 ) Da dieselbe an 
der Exine kein Hinderniss findet, kann sie auch leicht an dieser Stelle das Exo- 
sporium durchbrechen, während bei anderen Farnen das derbe Exosporium Wider- 
stand leistet und den Austritt der Haarwurzel nur an der Berstungsstelle gestattet. 
Ich fand bei der vergleichenden Untersuchung, dass die Polypodiaceen überhaupt 
im Zeitpunkte und in der Art der Anlage der ersten Haarwurzel sehr viele 
specielle Eigenthümlichkeiten aufweisen. Bei den meisten Arten entsteht die 
erste Haarwurzel entweder zugleich mit dem Vorkeime oder etwas später. Bei 
Polypoäium vulgare bildet sich dieselbe als seitliche Ausstülpung der Basal- 
zelle, nachdem schon eine Scheitelzelle abgegliedert wurde, bei Polypoäium 
Dryopteris, Pteris quadriaurita und bei Aspidium fdix mas 2 ) ebenfalls seitlich 
an der meist schlauchförmig verlängerten Sporenzelle, währeud Aspidium 
Lonchitis öfters ähnliche Verhältnisse wie Scolopendrium darbietet, indem das 
Haarwürzelchen oft schon die Länge von 03 Mm. erreicht hat und erst dann 
am entgegengesetzten Ende der Spore der Chlorophyll führende Vorkeim her- 
vorbricht. 

Das rasche Längenwachsthum der ersten Haarwurzel, welche sich gleich 
anfangs durch eine Querwand von der Sporenzelle abtrennt, steht jedoch bald 
scheinbar still, indem die Zelle vor dem Durchbruche des Vorkeimes höchstens eine 
Länge von 0"05 Mm. erreicht und hernach nur langsam weiterwächst. Erst in 
späteren Stadien des Vorkeimes, wenn bereits das Flächenwachsthum begonnen hat, 
findet man in einigen Haarwurzeln kleine Chlorophyllkörner, während bei den 
Osmundaceen 3 ) schon die erste Haarwurzel reichlich Chlorophyll enthält. Auch 
das braungefärbte erste Haarwürzelchen von Polypoäium vulgare zeigt ebenfalls 
kleinere Chlorophyllkörner im Inhalte. Die kräftig heranwachsende Basalzelle 
des Vorkeimes überflügelt die Haarwurzel bald im Längenwachsthum. Sie streckt 
sich, trennt sich jedoch nicht alsbald durch eine Scheidewand in eine Scheitel- 
und Basalzelle, sondern die erste Querwand wird erst gebildet, wenn die schlauch- 
artig verlängerte Sporenzelle eine ziemliche Länge (oft erst von 0'19 Mm.) 
erreicht hat. (Taf. I, Fig. 6.) Es zeigt also Scolopendrium auch in dieser 
Hinsicht von den Polypodiaceen abweichende Verhältnisse, da nach Pedersen 4 ) 
das Endosporium von Aspidium fdix mas sich unmittelbar nach Sprengung 
des Exosporiums in eine Scheitel- und Basalzelle theilt, und Hofmeister 5 ) 



J ) Dasselbe Richtuugsverhältniss der ersten Haarwurzel fand Kny (1. c. p. 4 und 21) für 
Osmunda regalis und hebt dieses Merkmal des Vorkeimes von Osmunda besonders gegen jenen 
der Polypodiaceen hervor. 

2 ) Man vergleiche auch: Wigand 1. e. p. 34 und Pedersen, Beitrag zur Entwicklungs- 
geschichte des Vorkeimes der Polypodiaceen. Mitth. aus der Bot. von Schenk und Luerssen; 
II, 1. Heft, p. 135. 

3 ) Kny 1. c. p. 4. 
*) 1. c. p. 134. 

5 ) 1. c. p. 78 und Tat. XVII, Fig. 25. 



Entwicklungsgeschichte des Frothalliums von Scolopendrkm. 



5 



erwähnt, dass bei den Polypodiaceen nach Berstung des Exosporiums der aus 
dem Spalte der äusseren Sporenhaut hervorragende Theil der primären Sporen- 
zelle von dem innerhalb derselben verbleibenden durch eine Querwand ab- 
geschieden sei. Aber nicht nur bei Scolopendrium sondern auch an den Pro- 
thallien von Polypodium Dryopteris, Aspidium filix mas und A. Lonchitis 
fand ich, dass die erste Querwand des Vorkeimzellfadens erst spät, wenn die 
primäre Sporenzelle schlauchartig ausgewachsen ist und immer im obersten 
Theile derselben entstehe. Für Polypodium vulgare bestätige ich jedoch die 
Angaben Hofmeisters vollkommen. Nach der Abgliederung der Scheitelzelle 
hört jedoch bei Scoloyendrium das Längenwachsthum der Basalzelle nicht auf; 
sie besitzt die Fähigkeit sich noch um das Doppelte ihrer früheren Länge zu 
strecken , ohne jedoch derartige Längendimensionen wie die Basalzellen bei 
Asplenium -Vorkeim en ') anzunehmen. Durch wiederholte Bildung von Quer- 
wänden in der Apicalzelle, in welcher die Hauptmenge der Chlorophyllkörner sich 
ansammelt, wird ein Faden von sechs bis sieben Gliederzellen erzeugt, welcher 
durch nachträgliche Streckung der Zellen eine ziemliche Länge erreicht. Eine 
weitere Theilung der Segmentzellen durch Querwände findet in dieser Wachsthums- 
periode des Prothalliums nicht statt. 

Wie ich oben erwähnte, ist in der gereiften Spore kein Amylum als 
Inhaltsstoff aufzufinden. Trotzdem sind in der Anlage des Vorkeimes Chlorophyll- 
körner herangebildet. Es sind dies Stärkekörner mit dünner, chlorophyllhältigev 
Plasmahülle umgeben. Bald hernach bilden sich schon echte, assimilirende 
Körner, welche sich sehr lebhaft theilen. Durch die stete Aufeinanderfolge der 
Theilungen reihen sich die Chloroxmyllkörner kettenförmig aneinander und 
durchziehen nach verschiedenen Eichtungen, öfters auch schraubig, den Plasma- 
strängen folgend, das Lumen der Zellen. Die noch in der Sporenzelle übrig 
gebliebenen Oeltropfen treten in den Stoffwechsel ein, sie werden immer kleiner 
und wenn die Scheitelzelle abgegliedert ist, findet man höchstens einige Tröpfchen 
von der Grösse eines Chlorophyllkornes, die dann vollständig aufgebraucht werden. 

Hat sich ein mehrzelliger Faden entwickelt, so bilden sich neue Haar- 
wurzeln oft an allen Zellen des Fadens. Da jedoch deren Entwicklung von 
sehr vielen Bedingnissen abhängig ist, finden sich zahlreiche Unregelmässigkeiten. 
Sehr oft bildet sich die zweite Haarwurzel im unteren Theile der Basalzelle 
(Taf. I, Fig. 27) und die folgenden der Reihe nach an den Zellen des Fadens, 
manchmal eine oder mehrere Zellen überspringend. Die später sich bildenden 
Haarwurzeln zeigen meistens ein schnelleres Längenwachsthum als die aus der 
Sporenzelle entspringenden, weswegen man nicht selten solche antrifft, welche 
die Länge des Vorkeimzellfadens weit überreichen. Mehrmals beobachtete ich 
zweizeilige Haarwurzeln, welche im unteren Theile die Scheidewand besassen 
oder gabelförmig zertheilt waren. (Taf. I, Fig. 27.) Einzellige, gabelige 
Formen dürften wahrscheinlich dadurch entstanden sein, dass zwei nahe 
aneinander stehende Haarwurzelanlagen sich emporhoben, beide jedoch ihr 



') Hofmeister 1. c. Taf. XVII, Fig. 17. 



6 



Günther Beck. 



Spitzenwachsthum beibehielten. (Fig. 27.) Zweizeilige 1 ) sowie verästelte Haar- 
wurzeln, die am Vorkeime von Scolopendrium nur als abnorme Bildungen 
anzusehen sind, finden sich auch bei Aspidium filix mas und sehr häufig auf 
jugendlichen Vorkeimen von Aspidium Lonchitis. Meistens ist es bei dieser 
Art die zweite Haarwurzel, welche ebenfalls aus der Basalzelle entspringt und 
gabelig verästelte, ein- oder zweizeilige Formen aufweist. Da die Haarwurzeln 
vermöge ihrer zarten Constitution sehr viel von Wachsthumshindernissen irritirt 
werden, ist es erklärlich, dass man so häufig Krümmungen und abnorme, 
papillöse Ausbauchungen besonders an der Spitze (Fig. 27) bei denselben vor- 
findet. — Aber auch viele Vorkeime bilden sich theils durch die gegenseitige 
Beengung im Sporangium, theils durch äussere Wachsthumshindernisse (Licht- 
mangel, Trockenheit) zu abnormen Formen heran. In seltenen Fällen zeigt 
die Scheitelzelle echte Dichotomie, indem zwei gleich starke und später sich 
gleichmässig weiter entwickelnde Aeste angelegt werden. (Taf. I, Fig. 24—25.) 
Häufiger tritt eine Verästelung in der Weise ein, dass eine der Gliederzellen 
in ihrem unteren Theile, seltener die Basalzelle, 2 ) eine Ausbauchung bildet, 
welche sich vergrössert und durch eine Scheidewand als Scheitelzelle eines 
Astes abtrennt. (Fig 23 und 26.) Durch diese Zweigbildung wird meistens 
auch die Richtung des oberen Theiles vom Zellfaden verändert und man hat 
dann Gelegenheit t- oder hakenförmig geknickte Prothallien zu beobachten. 
(Fig. 22.) Die Aeste gliedern in der späteren Entwicklung zwei bis sechs 
Zellen ab und nur ausnahmsweise fand ich bei denselben auch Flächen- 
wachsthum. Es tritt also eine Verästelung des Vorkeimzellfadens auch am 
Prothallium von Scolopendrium wie an jenem von Aspidium filix mas d ) auf, 
ist jedoch für beide Arten nur als ein abnormes Vorkommen zu bezeichnen. 4 ) 

III. Entwicklung der Yorkeimzellfläche. 

Nach Bildung der fünften bis achten Segmentzelle der Vorkeimzellreihe, 
bemerkt man, dass die zuletzt gebildeten Zellen sich nicht mehr in die Länge 
strecken, sondern in die Breite wachsen, so dass letztere besonders in den der 
Scheitelzelle nächsten Zellen die Länge öfters doppelt ja dreifach überwiegt. 
(Taf. I, Fig. 8.) Meistens wird nun das Flächenwachsthum angebahnt durch 
eine Zellwand, welche die der Scheitelzelle zunächst liegende Segmentzelle nach 
der Axenrichtung des Prothalliums halbirt. (Taf. I, Fig. 10.) Zuweilen findet 
man derartige Scheidewände auch in älteren Gliederzellen, so dass der Faden 
gleichsam in zwei Hälften getheilt erscheint. Ausnahmsweise bemerkte ich 
eine Längstheilung auch in einer der Basalzelle zunächst liegenden, bauchig 
aufgetriebenen Gliederzelle. Wenngleich auch die Längstheilung der an die 



J ) Bauke (1. c. p. 64) fand derartige Haarwurzeln auch bei Cyathea medullaris. 

2 ) Vergl. Luerssen: Medic. pharm. Botanik. 1878. p. 536. 

3 ) Pedersen 1. c. p. 136; Luerssen, Med. pharm. Botanik, p. 536. 

4 ) Wie für die Polypodiaceen ist auch eine Verästelung des Vorkeinies von Hemitdia 
spectabüis (Bauke 1. c. Taf. VII, Fig. 16) nur eine unregelmässige Erscheinung. 



Entwicklungsgeschichte dos Prothalliuras von ScolopendritiM. 



7 



Scheitelzelle sich anschliessenden Segmentzelle sehr häufig zu finden ist, tritt 
doch manchmal der Fall ein, dass die Scheitelzelle sich durch eine geneigte 
Scheidewand zu theilen beginnt, bevor noch eine Längstheilung der Segment- 
zelle eingetreten ist. Zu den Ausnahmsfällen gehört es immer, wenn eine 
Gliederzelle einen anderen Theilungsmodus annimmt. Figur 9 gibt das Bild 
eines abnormen Falles, wo zwei der Scheitelzelle zunächst liegende Segment- 
zellen sich durch intercalare Querwände getheilt hatten. Die Segmentzellen 
zeigen aber auch noch einen dritten Theilungsmodus, nämlich den durch tangen- 
tiale Wände. (Taf. I, Fig. 11—13.) Die Art der Abtrennung der Tochterzelle 
bei derartigen Wandbildungen scheint wohl nicht derart zu sein, um nur eine 
Verrückung einer Längswand anzunehmen, da ferner auch derartige Zelltheilungen 
in späteren Stadien des Prothalliums si*h zahlreich wiederholen. — Es können 
also die Segmentzellen, bevor noch die Scheitelzelle das eigentliche Flächen- 
wachsthum beginnt, auf dreifache Weise zur Vermehrung der Zellen beitragen, 
indem sie sich entweder durch Längs- oder durch Tangential-, ausnahmsweise 
durch Querwände theilen. 

•Das eigentliche Flächenwachsthum des Vorkeimes beginnt mit einem 
neuen Theilungsmodus der Scheitelzelle, indem letztere nicht mehr durch 
Querwände sondern durch abwechselnd geneigte Scheidewände Segmentzellen 
abgliedert. Aber noch während der Productionsfähigkeit der Apicalzelle, wächst 
das Prothallium vornehmlich durch Eandzellen in die Breite, bis endlich, oft 
erst sehr spät die Scheitelzelle durch eine Querwand, d. h. durch die Bildung 
einer Marginal- und einer Innenzelle ihre Zelltheilungen einstellt, worauf das 
Wachsthum des Prothalliums ausschliesslich durch Quertheilung der terminalen 
Randzellen wie durch mehrfache und verschiedenartige Theilung der Innen- 
zellen erfolgt. Je mehr das Prothallium in der Entwicklung vorwärts schreitet 
und die so charakteristische Herzform annimmt, desto schwieriger wird es den 
ursprünglichen Theilungsmodus der Scheitelzelle ausfindig zu machen. Schon 
in jüngeren Stadien der Vorkeimzellfläche (Taf. I, Fig. 12—21) bietet die 
Deutung der Zellfolge vielerlei Auflösungen und nur in nächster Nähe der 
Scheitelzelle kann man das Wachsthum der Apicalzelle wie das der Segment- 
zellen verfolgen. Da jedoch das Flächenwachsthum des Vorkeimes minder 
interessante Details bietet, beschränke ich mich, nur einiges Bemerkenswerfches 
hervorzuheben. — Jenachdom die erste geneigte Scheidewand der Apicalzelle 
(Taf. I, Fig. 12 — 21 bb), noch die Basalwand {ad) trifft oder nicht, wird sowohl 
die Form der abgetrennten Gliederzellen als auch die Gestalt des Prothalliums 
verändert. (Man vergleiche die Figuren 17 und 18 sowie die Figuren 19 
und 20.) Auch bei Scolopendrium finden sich Prothallien (z. B. das in 
Figur 19 dargestellte), an welchen man, wie es Pedersen für Aspidium 
filix mas zeigte, eine Theilung der Scheitelzelle durch zwei aufeinander folgende, 
parallele, geneigte Scheidewände nicht mit Unrecht annehmen könnte. 1 ) Ist eine 
Segmentzelle von der Scheitelzelle abgegliedert, so streckt sie sich gewöhnlich 

») 1. c. p. 138 und Taf. VIII, Fig. 11. 



8 



Günther Beck. 



in die Länge und theilt sich durch eine Querwand in eine Rand- und in eine 
Innenzelle. Erstere nimmt alsogleich ein kräftigeres Wachsthum an, theilt 
sich wiederholt und rasch nacheinander durch Querwände. Auf diese Weise 
wird die Scheitelzelle bald von den kräftig wachsenden Seitenlappen des Pro- 
thalliums überflügelt. Noch sei bemerkt, dass durch dichte Sporenaussaaten 
schlankere, mehr fadenförmige Prothallien erzeugt werden und dass sich die 
symmetrisch herzförmigen Prothallien mehr bei spärlicher Aussaat von Sporen 
heranbilden. Unregelmässig gelappte oder durch Adventivsprosse verzweigte 
Prothallien sind gerade keine Seltenheit. 

IV. Entwicklung und Bau der Antheridien. 

Der Zeitpunkt des Hervorbrechens der Antheridien am Vorkeime von 
Scölopendrium ist sehr verschieden. Gewöhnlich entstehen die Antheridien 
zwei bis drei Monate nach der Sporenaussaat, bei Aussaaten im Herbste aber 
erst im nächsten Frühjahre. (Beiläufig nach sechs Monaten, wobei dieselben in 
einem nicht überheizten Zimmer überwinterten.) Sie finden sich auf der be- 
schatteten, unteren Seite der Prothalliumsplatte oder am Rande nicht selten 
schon bei Anfang des Flächenwachsthumes. Das Vorkommen derselben am Rande 
des Vorkeimes ist jedoch so untergeordnet, dass ich auf keinem Falle der 
Ansicht W ig an d's 1 ) beitreten kann, dass die Spiralfadenorgane aus dem Rande 
des Vorkeimes oder wenigstens in der Nähe desselben erzeugt werden. Aber 
auch an sechs bis achtzelligen, noch fadenförmigen Prothallien fand ich mehr- 
mals einige vollkommen ausgebildete Antheridien. 2 ) Die Anlage eines Anthe- 
ridiums (Taf. II, Fig. 28 a) ist kaum von der einer Haarwurzel verschieden. 
Da jedoch die Papillen der Antheridien in grosser Zahl öfters sogar an allen 
Zellen des Vorkeimes entstehen und stets abgerundete Scheitel besitzen, erhält 
man bald ein unterscheidendes Merkmal, um diese Papillen von jenen der 
Haarwurzeln und der in diesem Stadium des Vorkeimes auftretenden Drüsen- 
haare (Taf. II, Fig. 37 b und c) zu sondern. Die halbkugelige, gewöhnlich etwas 
Chlorophyll enthaltende Papille des Antheridiums gliedert sich bald durch eine 
Querwand von der Mutterzelle ab. (Fig. 28 a — b.) Durch eine trichterförmige 
Zellwand wird die untere, annulare Wandzelle (Fig. 28 c— e, I) gebildet. Her- 
nach scheint nicht eine glockenförmige Membran die Centraizelle abzuschliessen, 
sondern sich zuerst die kreisrunde Deckelzelle (II) abzugliedern und dann eine 
annulare Wand sowohl die Centralzelle (IV) vollständig zu umhüllen als zugleich 
die obere Wandzelle (III) zu erzeugen. Ist die Centralzelle vollständig umhüllt, 
so zerfällt deren Inhalt durch wiederholte Zweitheilung (Fig. 28 e) in 40—50 

J ) A. Wigand, Botan. Untersuchungen p. 43. 

2 ) Ein so frühes Auftreten von Antheridien erwähnt sowohl M. Cornu von Nephrodium 
filix mas in ßeiner Notiz: „observ. des prothalles, eu voie de developperaent adherant encore ä 
leur spore, qui presentaient neaumoins dejä une antheridie bien constituee" Bull, de la Soc. bot. de 
France XXI, p. 161 als auch Schacht in seinem Beitrage zur Entwicklungsgeschichte der Farn- 
kräuter; Linnaea 1849, p. 758 und Taf. V, Fig. 1—3, ferner Wigand 1. c. p. 42 von Blechnum Spicant 
und Luerssen, Medic. pharm. Botanik, p. 539. 



EntwiclflungBgeBcliiche des Prothalliums von Scolopendrium. 



9 



Spermatozoidenimitterzellen, welche sich durch gegenseitigen Druck polyedrisch 
abplatten. Die Entleerung der Sperniatozoidenmutterzellen aus dem Antheridiuni 
wird wie bei anderen Farnkräutern durch den Druck der durch Wasseraufnahme 
bedeutend an Volumen gewinnenden Wandzellen bewirkt. (Taf. I, Fig. 29.) In 
Folge dieses Druckes zerreisst die Deckelzelle und die Sperniatozoidenmutterzellen 
werden meist stoss- oder ruckweise ins Freie gepresst. Nach einigen Secunden 
platzen letztere und die Spermatozoiden eilen, wenn ihnen das nöthige Medium 
(Wasser) gegeben wird, in sehr rascher, schraubenförmiger Bewegung davon. 
Die Spermatozoiden (Fig. 29) besitzen drei bis fünf Windungen, von denen 
die drei oberen, zugleich feineren, sich dichter aneinander legen. Am Aussen- 
rande derselben finden sich zahlreiche, ziemlich lange und feine Wimpern. 
Das dickere, hintere Ende der Samenfäden ist nur massig angeschwollen, dabei 
bandförmig abgeplattet und etwas zugespitzt und legt sich nicht selten um 
ein hyalines, klebriges Bläschen herum, in welchem kleine, helle Körperchen 
mit lebhafter Bewegung sich vorfinden. Die meisten Spermatozoiden werfen 
dieses ihre Bewegung sehr hindernde Bläschen schon bei ihrer Entrollung aus 
der Mutterzelle ab oder schleppen nur einige Beste desselben mit sich fort. 
Die lebhafte Schraubenbewegung der Spermatozoiden dauert nicht lange, sie 
zählt nur nach Minuten. Nach einer halben Stunde sieht man höchst selten 
noch Spermatozoiden lebhaft herumtummeln, wobei zu bedenken ist, dass das 
Oeflnen der Antheridien und das Platzen der Spermatozoidenmutterzellen nicht 
alsogleich und nicht auf einmal bei Einwirkung von Wasser vor sich geht. 
Die Wimperbewegung beginnt und beschliesst die Bewegung der Spiralfäden. 

Kurze Zeit nach der Epoche machenden Entdeckung Leszczysc- 
Suminski's unterzog Thür et 1 ) im Jahre 1849 die Antheridien von Scolo- 
pendrium (und Pteris) einer eingehenderen Untersuchung. Schon damals er- 
kannte dieser bekannte Forscher den Bau der Antheridien von Scolopendrium 
und fügte seiner Untersuchung meisterhafte Zeichnungen hinzu. 2 ) Thuret's 
Untersuchung kann ich nur in dem Punkte verbessern, dass er die unterste 
Zelle der Antheridie, die er als „Stielzelle" erklärte, durch eine der Basal wand 
parallele Scheidewand gebildet, betrachtete, in welche sich nur manchmal die 
Centralzelle einsenke, 3 ) während dieselbe durch eine trichterförmige Wand in 
der Antheridie abgegliedert wird. Auch die Spermatozoiden besitzen nach 
meiner Beobachtung mehr Schraubengänge, als sie Thür et in seinen Zeich- 
nungen 4 ) wiedergab. T huret 3 ) wie Wigand 5 ) entging es nicht, wie ich es 
in seltenen Fällen beobachtete, dass auch bei Scolopendrium einzellige Anthe- 
ridien vorkämen, die unmittelbar zu Urmutterzellen der Spermatozoiden werden. 
Vergleicht man die Antheridien von Scolopendrium mit denen anderer Poly- 



*) M. G. Thür et, Note sur les antheridies des fougeres. Ann. des scienc. nat. III. Ser 
Bot. XI, p. 5. 

2 ) 1. c. Taf. 2 nnd 3. 
8 ) 1. c. p. 7. 

4 ) 1. c. Taf. 2, Fig. 2. 

5 ) Botan. Untersuchungen; 1854; p. 45; Taf. II, Fig. 22 i. 

Z. B. Ges. ß. XXIX. Abh. 2 



10 



Günther Beck. 



podiaceen, so fällt die Aehnlichkeit derselben mit jenen von Pteris aquilina x ) 
und P. serrulata 2 ) ins Auge. Nach Strasburg er „theilt sich die junge 
Antheridie, nachdem sie durch eine Basalwand zur selbstständigen Zelle ge- 
worden, durch eine trichterförmige Scheidewand, auf welche sich hernach eine 
glockenförmige aufsetzt und so die Centralzelle abschliesst. Die Deckelzelle 
entsteht sodann durch kreisförmige Theilung am Scheitel der glockenförmigen 
Zelle, wodurch selbe in die obere annulare Wandzelle und in die Deckelzelle 
zerfällt". 3 ) Die Gestalt der Deckelzelle bei Scolopendrium scheint jedoch nicht 
derart zu sein, um einen gleichen Theilungsvorgang der Antheridie anzunehmen. 
Es dürfte viel mehr nach meiner Beobachtung die kreisrunde Deckelzelle sich 
zuerst abgliedern und dann erst durch eine annulare Wand die Centralzelle des 
Antheridiums geschlossen werden. Oefters glaubte ich eine glockenförmige 
Zellwand gefunden zu haben, doch war es nur Täuschung, indem bei schiefer 
Stellung der Antheridie die Begrenzung der trichterförmigen Zellwand von der 
Unterseite des Antheridiums durchschimmerte. In solchen Entwicklungsstadien, 
wo die Centralzelle noch gar nicht angedeutet war, konnte ich bei Einwirkung 
von Kali und Salzsäure die Deckelzelle scharf markirt unterscheiden, suchte 
jedoch vergebens nach der inneren Membran der oberen, annularen Wandzelle, 
welche ja durch die glockenförmige Membran gebildet wird und nach der 
Ansicht Strasburger's früher entstanden sein sollte. In allen anderen Punkten 
stimmen meine Untersuchungen mit jenen Strasburger 1 s überein. Auch halte 
ich es nicht für nöthig, die Irrthümer älterer Forscher in Bezug auf den Bau 
und die Entwicklung der Antheridien an dieser Stelle zu behandeln, da die- 
selben ohnehin mehrfach und gründlich widerlegt wurden. 

Ich will an dieser Stelle einige Bemerkungen über die Trichomgebilde 
des Prothalliums von Scolopendrium einschalten. Wigand 4 ) und Bauke 5 ) 
behaupteten, dass Borstenhaare für die ' Prothallien der Cyatheaceen charakte- 
ristisch seien. Dieselben kommen jedoch auch auf den Vorkeimen von Scolo- 
pendrium vor. Hier sind sie jedoch verschieden gestaltet. Der Zellkörper von 
pyramidaler oder Keilform, manchmal nur die Zellfläche, endigt wie bei den 
Cyatheaceen 6 ) mit einer etwas zugespitzten Zelle und führt im Zelllumen 
Chlorophyllkörner in gleichmässiger Vertheilung. (Taf. II, Fig. 37 f— h.) 
Ausserdem kommen noch zahlreiche fadenförmige Trichome vor, welche theils 
Drüsen tragen, theils in eine Spitze auslaufen. (Taf. I, Fig. 37 a—e.) 



*) Thür et 1. c. Taf. 4 und 5. 

2 ) Die Sexualorgane von Pteris serrulata waren Gegenstand vielfacher, theilweise sehr 
widerstreitender Discussionen. Am klarsten und mit richtigen Forscherblicken dürften dieselben 
wohl E. Strasburger (die Befruchtung bei den Farnkräutern in Pringsheim Jahrb. f. wiss. 
Bot. VII. p. 392—394) und H. Schacht (Beitrag zur Entwicklungsgesch. der Farnkräuter ; Linnaea 
1849) behandelt haben. Ausserdem untersuchten dieselben Leszczysc-Suminski, Mercklin, 
Farlow u. A. 

s ) 1. c. p. 392 und 393. Taf. XXV, Fig. 1-2. 

*) Botanische Untersuchungen p. 38. 

5 ) 1. c. 65. 

6 ) Bauke 1. c. Taf. IX, Fig. 5. 



Entwicklungsgeschichte des Piothallinms von Scolopendrium. 



11 



V. Entwicklung und Bau der Archegonien. 

Die Prothallien von Scolopendrium zeigen in der Vertheilung der Sexual- 
organe wie manche andere Farne diöcische Verhältnisse. Die Archegonien 
tragenden Vorkeime entstehen gewöhnlich später als die Antheridien tragenden 
und zeichnen sich vor letzteren durch die Grösse sowie durch die Armuth an 
Antheridien aus, während die Antheridien erzeugenden Vorkeime dicht mit den- 
selben bedeckt sind und nur in späteren Wachsthumsstadien manchmal Arche- 
gonien erzeugen. 

Wie die Antheridien entstehen auch die Archegonien auf der Schatten- 
(Unter-) Seite des Prothalliums, schon sehr früh, wenn das Zellpolster erst aus 
zwei Zelllagen besteht und bilden sich gegen die Scheitelzelle oder bei nicht 
mehr vegetationsfähiger Apicalzelle gegen die Einbuchtung des Vorkeimes neu 
heran. Hat das Zellpolster eine Dicke von fünf bis sechs Zelllagen erreicht, 
so entstehen sie ziemlich zahlreich, ohne jedoch zweireihig geordnet zu sein. 
Sie bilden concentrische Kreise um die Scheitelzelle, wobei der kleinste Kreis 
die jüngsten Entwicklungsstadien von Archegonien, der grösste meistens nur 
abortirte, braun gefärbte Archegonien aufweist. Da ich mich während meiner 
genauen Untersuchung der Archegonien überzeugte, dass dieselben bei Scolo- 
pendrium in allen, hauptsächlichen Punkten mit jenen anderer Polypodiaceen 
übereinstimmen und ich die Ergebnisse der bekannten Arbeit Strasburger's 
nur zu wiederholen bemüssigt wäre, unterlasse ich es, die Entwicklungsgeschichte 
und den Bau der Archegonien von Scolopendrium zu schildern und verweise 
auf die meiner Arbeit beigegebene Tafel II, auf welcher ich dieselben in mehreren 
Entwicklungsstadien darstellte. 

VI. Einige Bemerkungen über den Befruchtungsact. 

Der Befruchtungsact bei den Farnkräutern im engeren Sinne wurde 
bekannter Massen in ausgezeichneter Weise von Strasburger, Kny, Hof- 
meister und Bauke klar gelegt. Meine Beobachtungen über diesen Gegen- 
stand bestätigten auch am Prothallium von Scolopendrium die genauen An- 
gaben vorhergenannter Forscher. Leider bietet der Vorkeim der Hirschzunge 
für diesen Theil der Untersuchung möglichst ungünstige Zustände. Die mit 
Chlorophyllkörnern vollgepfropften Zellen des Polsters, die zahlreichen Drüsen- 
haare bieten einer gründlichen Beobachtung grosse Schwierigkeiten. Nur 
glücklich geführte Schnitte gestatten ein näheres Studium des Befruchtungs- 
actes. Da aber die Prothallien eine grosse Menge von Antheridien erzeugen, 
wird es anderseits leicht möglich, eine grosse Anzahl von Antheridien zum 
Zerreissen und auf diese Weise eine genügende Anzahl von Spermatozoiden ins 
Gesichtsfeld zu bringen, sowie bei der kurzen Lebensdauer letzterer, den Be- 
fruchtungsact besonders aber das Eindringen der Spermatozoiden in den 
Schleim des Archegoniumskanales länger der Beobachtung zu unterziehen. 

2* 



12 



Günther Beet. 



Die Spermatozoiden verlangsamen fast plötzlich, wenn sie den Schleim- 
strom des geöffneten Archegoniums berühren ihre Bewegung, einige bohren 
sich tiefer in denselben ein (Taf. II, Fig. 36), während es anderen durch 
mehrere Drehungen gelingt, dem unfreiwilligen Hindernisse zu entfliehen. Jene 
welche noch die Kraft besitzen, in den dichteren Schleim einzudringen ver- 
lieren ihr etwaig noch vorhandenes Bläschen. (Fig. 36 b.) Deren Bewegung 
wird gegen die Mündung des Archegoniumskanales immer träger. Im Kanäle 
öfters aber auch schon vor der Mündung desselben strecken sich die Spermato- 
zoiden stark in die Länge, während sie am Grunde des Kanales ihre ursprüng- 
liche Gestalt zurück erlangen. 1 ) Viele Spermatozoiden gelangen jedoch nicht 
so weit, sie bleiben im Schleime stecken, rollen sich öfters auf sehr verschiedene 
Weise zusammen und werden nach Verlauf einiger Minuten aufgelöst. Interessant 
ist es auch, dass die herumschwimmenden Spermatozoiden nicht nur vom 
Schleime der Archegonien sondern oft in grosser Zahl von der klebrig-schleimigen 
Membran der Endzellen an den Drüsenhaaren aufgefangen werden. Eine strauss- 
artige Anhäufung von Spermatozoiden beobachtete ich (wie Strasburger 2 ) 
und Bauke) 3 ) nur in seltenen Fällen (dreimal) bei normaler Ausbreitung des 
Kanalschleimes und bei günstiger, hinreichender Anzahl von Spermatozoiden. 
Ich stimme jedoch mit Strasburg er 4 ) vollkommen überein, iodem ich der- 
artige Anhäufungen von Spermatozoiden nur zu den unter günstigen Umständen 
möglichen Ausnahmen zähle. Die Einbohrung des Spermatozoides in die Be- 
fruchtungskugel erfolgt genau nach der Angabe Strasbur gers, indem sich 
dasselbe langsam fast unmerklich drehend in die Befruchtungskugel einsenkt 
(Fig. 36 x) und nach einigen (drei) Minuten verschwindet. Die hellere Partie 
in der Befruchtungskugel (der Empfängnissfleck) ist bei Scolopendrium nicht 
scharf ausgesprochen. Später nachfolgende Spermatozoiden dringen nicht mehr 
in die Befruchtungskugel ein, sondern gelangen früher oder später im Kanäle 
zur Kuhe. In Folge der Befruchtung, welche ich zweimal genau beobachtete, 
trübt sich das Plasma der Befruchtungskugel und umkleidet sich nach etwa 
fünfzehn Minuten mit einer zarten Membran. Die Bräunung des Halstheiles 
und die Verengerung des Archegoniumskanales erfolgt in bekannter Weise. 



Die Resultate vorliegender Untersuchung lassen sich in folgende Punkte 
zusammenstellen : 

1. Die Keimung der Sporen von Scolopendrium vulgare Sym., welche 
ein geschichtetes Exosporium und im Inhalte der Hauptmasse nach Oeltropfen 
besitzen, erfolgt nur im Lichte von genügender Intensität. 

2. Durch die Quellung wird das Exosporium derartig erweicht, dass der 
Keimschlauch an jeder beliebigen Stelle hervorbrechen kann. 



*) Eine genaue Erklärung dieses Phänomens gibt Bauke 1. c. p. 87. 
J ) 1. c. p. 403 und Taf. XXVI. Fig. 24—26. 
») 1. c. p. 88 und Taf. X. Fig. I. 
*) 1. c. p. 404. 



Entwicklungegeschichte des Prothalliumfi von Seolopendrium. 



13 



3. Erst dann, wenn die zuerst herausgetretene Haarwurzel eine ziemliche 
Länge erreicht hat, erscheint am entgegengesetzten Ende der Spore, der schon 
Chlorophyll enthaltende Vorkeim und bildet, nachdem er sich schlauchförmig 
verlängerte, die erste Scheidewand in seinem obersten Theile. Der Vorkeim- 
zellfaden besteht aus sechs bis acht Zellen. Verästelungen finden sich nur in 
Ausnahmsfällen. 

4. Die Segmentzellen können noch bevor das eigentliche Flächenwachsthum 
beginnt, durch Längs- oder Tangentialwände und nur ausnahmsweise durch 
intercalare Querwände zur Vermehrung der Zellen beitragen. Das eigentliche 
Flächenwachsthum erfolgt in der Apicalzelle durch die Aufeinanderfolge ab- 
wechselnd geneigter Scheidewände und nach Erlöschen der Productionsfähigkeit 
der Scheitelzelle oder auch noch früher durch das Wachsthum terminaler 
Randzellen. 

5. Die Antheridien, welche in grosser Zahl auf der unteren, beschatteten 
Seite des Prothalliums oder am Rande öfters schon zu Anfang des Flächen- 
wachsthums entstehen, sind entweder einzellig oder bestehen aus zwei annu- 
laren Zellen und einer Deckelzelle, welche die Centraizelle einschliessen. Aus 
dem Inhalte letzterer bilden sich durch wiederholte Zweitheilung die Sperma- 
tozoidenmutterzellen, welche im Wasser platzen und je ein Spermatozoid befreien. 
Letztere besitzen drei bis fünf Windungen und am Rande zahlreiche, feine, 
ziemlich lange Wimpern. 

6. In Bezug auf den Bau der Archegonien, welche auf grösseren, von 
den Antheridien erzeugenden verschiedenen Prothallien vorkommen, sowie in 
Bezug auf den Befruchtungsact schliesst sich Seolopendrium den echten Fili- 
cinen an. 

7. Auch am Vorkeime von Seolopendrium kommen borstenförmige 
Trichomgebilde vor, welche den für die Prothallien der Cyatheaceen charakte- 
ristischen vollkommen gleichen. 



Erklärung der Abbildungen. 



Tafel I. 

Figur 1. Eine reife Spore von Seolopendrium vulgare Sym. (Vergr. 430.) 
„ 2. Das Endosporium nach Erweichen im Kali ; o Oeltropfen. (Vergr. 430.) 
„ 3 — 5. Aufeinanderfolgende Keimungsstadien; h erste Haarwurzel; v der 

Vorkeim; c äussere, derbe, e innere Schichte des Exosporiums; 

o Oeltropfen. (Vergr. 430.) 
„ 6-27. (Vergr. 160.) 

„ 6—8. Weitere Entwicklung des Vorkeimzellfadens. 

„ 9. Zelltheilung der zwei jüngsten Segmentzellen durch intercalare Quer- 
wände. 



14 Günther Beck. Entwicklungsgeschichte des Prothalliums von Scolopendrium. 



Figur 10. Zelltheilung einer Segmentzelle durch eine Längswand. 

„ 11. Zelltheilung der jüngsten Segmentzelle durch eine Tangentialwand. 
„ 12—21. Verschiedene Entwicklungsstadien der Yorkeimzellfläche. aa Basal- 

wand der Scheitelzelle; bb, cc, dd, ee die aufeinanderfolgenden, 

abwechselnd geneigten Zellwände. 
„ 22. £-förmiger Vorkeimzellfaden. 

„ 23 — 26. Anormale Verzweigungen des Vorkeimzellfadens. Bei Fig. 24 

und 25 echte Dichotomie. 
„ 27. Deformationen und Verzweigungen an Haarwurzeln. 

Tafel II. 

Figur 28—36. (Vergr. 350.) 

„ 28 et — f. Aufeinanderfolgende Entwicklungsstadien der Antheridien. 

I. Untere, III. Obere annulare Wandzelle ; II. Deckelzelle ; IV. Cen- 
tralzelle. 

„ 29 Ein Antheridium, welches die Spermatozoidenmutterzellen (m) entleert; 
s Spermatozoiden. 

„ 30. Ein junges Archegonium im Längsschnitt; c die Centralzelle; h die 
Halszellen. 

„ 31. Dasselbe Entwicklungsstadium eines Archegoniums in der Aufsicht, 
nur die vier ersten Halszellen sichtbar. 

„ 32. Weiteres Entwicklungsstadium des Archegoniums; c Centralzelle, 
Tic die zwei Halskanalzellen. 

„ 33—34. Vollständig ausgebildete Archegonien, deren Halskanalzellen auf- 
gelöst und verschleimt sind. Bei Fig. 33 die Schleimmassen noch 
getrennt. 

„ 35. Der Halstheil eines Archegoniums knapp vor Oeffnung desselben. 

„ 36. Ein geöffnetes Archegonium mit eindringenden Spermatozoiden; 

x ein sich gerade in die Befruchtungskugel (c) einbohrendes 
Spermatozoid; m gröbere Schleimmassen aus dem Halskanale des 
Archegoniums; b abgestreifte Bläschen der Spermatozoiden. 

„ 37. Verschiedene Trichomgebilde des Vorkeimes, a, d, e fadenförmige 
Trichome; b, c Drüsenhaare; f—li Borstenhaare. (Vergr. 160.) 



Beiträge zur Literaturgeschichte und Verbreitung 
der Lebermoose in Böhmen. 

Von 

Prof. Jos. Dedecek. 

(Vorgelegt in der Versammlung am 8. Jänner 1879.) 

Wie bekannt, fallen die Anfänge des allseitigen und wissenschaftlichen 
Naturstudium eigentlich erst in die Lebzeiten der beiden Nestoren der Wissen- 
schaft organischer Gebilde, nämlich Karl v. Linne und Georg Cuvier. Mit 
diesen beiden hat die wissenschaftliche Eichtung begonnen, und nach dem 
Eecepte Beider wurde von ihren Schülern und Nachkommen weiter gearbeitet. 
Es darf uns also nicht Wunder nehmen, dass, wie es bei unsern nordwestlichen 
Nachbarn der Fall, auch bei uns in Böhmen erst Anfangs der zweiten Hälfte 
des achtzehnten Jahrhunderts ein tieferes botanisches Studium die Bahn sich 
zu brechen angefangen hat. 

Schon aus dieser ersten Periode sind bei uns zwar wenige, aber der Bo- 
tanik ganz ergebene, emsige Mitarbeiter zu verzeichnen. Wie überall, haben auch 
sie im Gebiete der topographischen Botanik zu arbeiten begonnen, darauf das 
Hauptgewicht legend, wo möglich vieles Materiale mit oder ohne Localitäts- 
angabe auf heimatlichem Boden zusammenzusuchen und zu bestimmen. Das 
Eesultat dieses Strebens waren anfänglich nur Sammlungen von Exsiccaten. 
Unter solchen behauptet die erste Stelle die von F. W. Schmidt im Jahre 
1793 — 1794 ausgegebene, einige Centurien umfassende: „Flora bohemica 
inchoata", und ferner die „Flora cryptogamica bohemica sicca" des Fil. Max Opiz. 
Später waren es bereits topographische Schilderungen und Floren, wie das: 
„Tentamen Florae Bohemiae" von Pohl (1809 und 1814), sowie die „Flora 
Cechica" von Johann und Karl Presl (1819); von Interesse für uns ist aber 
besonders die von Opiz im Jahre 1816 ausgegebene Abhandlung: „Deutschlands 
kryptogamische Gewächse" und die von demselben Autor 1823 verfasste längere 
Arbeit: „Böhmens phanerogamische und kryptogamische Gewächse" 1 ). — Den 



*) Das Hauptverdienst um den Aufschwung des botanischen Wissens in Böhmen in den 
vier letzten Decennien des achtzehnten Jahrhunderts und also in weiterer Folge auch im Anfang 
des neunzehnten Jahrhunderts muss dem Filip Maxmilian Opiz zugeschrieben werden. Am 5. Juni 



16 



Jos. Dfidecek. 



genannten' Aufsätzen folgten bald andere Arbeiten anatomisch-systematischer 
Wichtigkeit von anderer Feder, wie unten weiter auseinandergesetzt, verfasst. 

Die allerersten Beweise für das Studium der Lebermoose in Böhmen liefert 
eben das früher erwähnte Opiz'sche Werkchen: „Deutschlands kryptogamische 
Gewächse", vom Jahre 1816, worin der Autor auch einige von ihm in Böhmen 
gesammelte Lebermoose nach der Localität (substrat) geordnet anführt, und das 
ohne Autoren und ohne specielle Ortsangabe. Es sind folgende, besonders 
Linne"sche Arten: Jungermannia complanata, J. dilatata, J. platyphylla, 
J. tamariscifolia, J. furcata, J. pubescens, J. ciliaris, J. bidentata, J. viticu- 
losa, J. exsecta, J. quinquedentata, J. reptans, J. trichophylla, J. asplenioides, 
J. epiphylla, J. pinguis, J. Scolaris, Marchantia polymorpha, M. conica, 
M. hemisphaerica und Rieda fluitans. — Bemerkt man zu diesem Verzeichniss, 
dass J. viticulosa (Saccogyna) nur in südeuropäischen Ländern heimisch ist und 
von Opiz mit einer ähnlichen Form, vielleicht mit Calypogeia verwechselt 
worden, und dass unter Marchantia hemisphaerica die Preissia commutata zu 
verstehen ist, so beläuft sich die Zahl der bei uns im Jahre 1816 bekannten 
Lebermoose auf 21 Arten. 

Mittlerweile fand Opiz in der botanischen Durchforschung seines Vater- 
landes eine tüchtige Unterstützung an mehreren einheimischen wie auch an 
berühmten ausländischen Kräften, so dass unter diesem Zusammenwirken recht 
bald mehrere zum Theile seltenere Formen der Hepatici in die Liste böhmischer 
eingereiht werden konnten. Die Botaniker (theilweise Sammler) Sykora, Presl, 
Haenke, Fischer, Jungbauer, Spengler, Palliardi, Martius und 
Funck haben unter Mitwirkung des Opiz nicht nur in der Ebene sondern 
auch an den Nord- und Südgrenzen Böhmens bereits um das Jahr 1820 ihre 
Durchforschungen angefangen. Die Eesultate, welche sie erzielt, gaben Opiz 
Veranlassung zur Herausgabe eines zweiten Verzeichnisses von Lebermoosen, 
die er im Jahre 1823 im Werke: „Böheims phanerogamische und kryptogamische 
Gewächse" untergebracht hatte. 



1787 in Cäslau geboren (wo sein Vater Inspector und dessen Mutter, als Nachkomme des berühmten 
Reisenden Kämpfer, ansässig waren), ward Opiz später Concipient beim Cameral -Waldamte, 
und nachdem er sich durch Besuch der Prager Universität noch ein gründliches wissenschaftliches 
Wissen in der Botanik beigebracht, sowie durch seinen beispiellosen Eifer, wurde er Mitglied vieler 
naturwissenschaftlicher Gesellschaften und Vereiue, unter anderen auch der Gesellschaft der Wissen- 
schaften in Prag. Als Gründer der Schule, die seinen Namen trägt, hatte Opiz nicht nur darauf sein 
Augenmerk gerichtet, ganz Böhmen botanisch zu durchforschen, — und die Tausende von Phanero- 
und Kryptogamen, die er uns hinterlassen, beweisen, dass Opiz in dieser Eichtung seine Aufgabe 
gelöst, — sondern, er hatte auch, geleitet vom Grundsatz: „zu unterscheiden was sich unter- 
scheiden lässt," eine jede Species so zu sagen mit so vielen Varietäten-Namen bereichert, mit wie 
vielen unwesentlichen Abänderungen er selbe theils gesammelt theils gekannt hatte. Nicht durch 
diese zweite, sondern durch die erste Richtung, in der Opiz hauptsächlich bestrebt war, hatte er 
der Pflanzenwelt eine ganze Reihe Freunde und Anhänger verschafft, und das aus allen Ständen 
und, was wenigstens Europa betrifft, aus aller Herren Ländern. Denn nicht nur Oesterreicher 
waren am „Naturalientausch" Opiz 1 betheiliget, sondern man findet unter den 359 Mitgliedern 
desselben vom Jahre 1827 auch Betheiligte aus Italien, Sicilien, Hamburg, Schleswig u. a. 



Beiträge zur Literaturgeschichte und Verbreitung der Lebermoose in Böhmen. 



17 



Nach diesem Verzeiehniss entdeckte Spengler: Mastigobryum deßexum 
bei Loukovee; Martius: Chiloscyphus pallescens, Sarcoscyphus Funckii und 
Jung. Mülleri im Böhmerwalde; Fischer: Blasia pusilla bei Nixdorf; 
Palliardi: Scapania undulata im Riesengebirge; der fürstl. Schwarzen- 
berg'sche Beamte Jungbauer: Jung. Schraden bei Krummau ; Prof. H a e n k e : 
Rieda natans bei Kummern und Prof. Presl: Grimaldia barbifrons bei 
Podbaba nächst Prag. 

Mehrere Funde sind in jener Schrift an die Namen Sykora, Opiz und 
Funck geknüpft. Sykora, Secretär des Grafen Salm, bereicherte unsere 
Lebermoosflora mit bei Stinn gesammelten Arten: Chil. pölyanthos var. rivu- 
laris mit Lophocolea heterophylla, Trichocolea tomentella, Lejeunia serpyllifolia, 
Fossombronia pusilla, Aneura palmata, Anthoeeros laevis, A. punetatus und 
March. Sykorae Corda (eine fragliche Art). — Opiz sammelte am Kleis 
das Gymnomitrium concinnatum, Jung, obtusifolia und J. connivens; bei Neu- 
schloss die albicans; im Isergebirge J. minuta; bei Ober-Krc nächst Prag 
J. divaricata und Scapania curta (als Jung, vaginata Opiz) ; im Thiergarten 
Stern die von ihm als J. saxicola gedeutete J. exsecta; bei Ounetic, Tupadly und 
auf der Hetzinsel bei Prag die Riccia eiliata. 

Der Apotheker Christ. Funck in Gefrees, welcher 1819 das Riesen- 
gebirge durchforscht, entdeckte daselbst nach der Angabe Opiz': Sarcoscyphus 
Ehrharti, J. lanceolata und J. julacea und nach Nees v. Esenbeck: J. saxi- 
cola, J. Taylori, J. anomala, J. inflata, J, alpestris, Chil. pölyanthos und 
Harpanthus scutatus. — Nebst den oben citirten enthält das Opiz'sche 
Verzeichniss vom Jahre 1823 ohne Localitätsangabe und Sammler: Mastig. 
trilobatum, Scap. nemorosa, J. excisa und J. minima Scopoli (!) und Riccia 
glauca, dann die der March, polymorpha einzureihenden: M. umbellata Schmid. 
und M. stellata Schmid. — Da nach Exemplaren des k. böhm. Museums die J. obtu- 
folia (Kleis Opiz) der Scap. nemorosa gleicht und Anth. laevis (Stifin, Sykora) 
nach den höckerigen schwarzbraunen Sporen ein echter Anth. punetatus ist, 
so ist die obige Liste in dieser Richtung auszubessern und die bis 1823 bei uns 
bekannte Zahl an Lebermoosen ohne die J. minima Scop. auf 51 Arten zu 
rechnen. (Darin sind die von Funk nach N. v. E. gesammelten Arten aus- 
geschlossen.) 

Als Mitarbeiter im Gebiete der Musci hepatici speciell, obwohl nebstdem 
in allen Fächern der Naturwissenschaft, besonders in der Systematik, Anatomie 
und Paläontologie beflissen, trat bei uns Corda in den Jahren 1820 — 1835 
besonders thätig und erfolgreich auf. 

Aug. Jos. Corda (1809— 1849) '), weniger Sammler als unermüdeter 
Beobachter und Mikroskopiker , hatte auch weniger Gewicht auf die Angabe 

*) Corda im Jahre 1809 am 22. October in Reichenberg geboren, wurde bereits im Knaben- 
alter Waise, und sich selbst überlassen, konnte er nicht gleich die wahre Laufbahn treffen. Es 
scheint jedoch, dass er bald nach seinem vierzehnten Jahre die Naturwissenschaft allein zu 
pflegen angefangen, mit einem solchen Eifer und so intensiver körperlicher Anstrengung, dass er 
als Autodidakt schon im neunzehnten Lebensjahre mit einem wissenschaftlichen Aufsatz vor das 
Z. B. Ges. B. XXIX. Abh. 3 



18 



Jos. DSdedek. 



von Localitäten bei von ihm gesammelten Pflanzen gelegt. In dessen Schriften, 
von denen 1828 die „Genera Hepaticarum" und 1829 die „Monographia Rhizo- 
spermarum et Hepaticarum" (die erste in Opiz 1 Naturalientausch) erschienen, 
ferner in der grössten diesbezüglichen Arbeit: „Die Jungermannien Deutschlands", 1 ) 
welche er in Jakob Sturm's „Flora" 1830—1835 beschrieben, — findet man 
selten einen Standort, trotzdem solcher bei manchen seltenen Arten sehr 
erwünscht wäre. Dennoch erscheint Cor da als Entdecker mehrerer, theils in 
Sturm's Flora, theils in Nee s v. Esenbeck's „Europ. Lebermoose" angeführten, 
zum geringen Theile sehr seltenen, wenn nicht speciell unserem Gebiete an- 
gehörenden Formen, die da sind: Jung. Menzelii Corda (1833 mit Pfarrei- 
Menzel bei Reichenberg entdeckt); J. curvifolia (wenn nicht J. bicuspidata) 
vom Böhmerwald ; J. barbata var. Schreberi vom Böhmerwald ; J. lycopodioides 
vom Isergebirge; ventricosa; J. orcadensis vom Jeschken; J. porphyroleuca 
(Jeschken); Scap. rosacea Cda. (wohl: Scap. curia b. rosacea vom St. Matthaeus 
bei Prag); Scap. umbrosa; Scap. irrigua (Riesengebirge); Alicularia minor 
(Reichenberg); Lejeunia minutissima (Böhmerwald); Biccia sorocarpa (Reichen- 
berg), Fossombronia Wondraczeki Corda (Stern bei Prag); Haplomitrium 
HooJceri (Töpl), Moerkia hibernica (Isergebirge), J. obtusifolia (Reichenberg) 
und J. Conradi (wohl eine Form aus dem Formenkreis der Scap. curta unter 
von Conrad bei Töpl gesammeltem Materiale von Corda gefunden). — Die Jung, 
cuneifolia Hook; welche Corda bei Friedland 1830 gefunden, wird neulichst 
von Lindenberg als Jugendform der Plagiochila asplenioides gedeutet. Auch 



Forum der Kryptogamiker aufgetreten ist. Als Custos der zool. Abtheilung des k. böhm. Museums, 
der er 1835 geworden, hat er eine Reihe meistentheils mikroskopisch-kryptogamischer Arbeiten 
veröffentlicht, die bisher von Fachmännern als wahr gewürdigte Quellen gebraucht werden. Im 
Jahre 1848 verliess Corda vom Grafen Colloredo-Mannsfeld unterstützt, Böhmen, um 
Amerika botanisch auszubeuten, fand aber, nachdem er 1849 mit reicher Ausbeute Texas verlassen, 
mit dem gestrandeten Bremer Schiff „Victoria" am 16. September, in den Wellen der Atlantis 
den frühen Tod. 

*) Schon in der Vorrede zur „Monographia Rhizospermarum et Hepaticarum" versprach 
Corda, dass das eben citirte Werk in schnell aufeinander folgenden Heften erscheinen wird. 
Selbes erreichte aber mit der Beschreibung von Grimaldia, Anthoceros und Corsinia einen jähen 
Abschluss. Daher ist es wahrscheinlich, dass Corda schon beim Beginn der Monographia R. et H. 
den Plan und die artistische Ausführung der Abbildungen grösstenteils fertig gehabt, und dass 
er selbe in dem eben zu derselben Zeit erscheinenden Werke des Jakob Sturm besser verwerthen 
und einem grösseren Leserkreise anpassen konnte. Die „Jungermannien Deutschlands" von Corda 
umfassen an vierzig einheimische Arten, von denen mehrere, vom Autor selbst aufgestellt, bis heute 
anerkannt werden. Corda hat in demselben Werke, da ihm wohl das Dum or tier'sche Werk 
Comm. bot. vom Jahre 1822 unbekannt geblieben, den Linne'schen Gattungsbegriff: „Jungermannia" 
in viel engere Grenzen eingezwängt, indem er aus demselben mehrere ebenfalls bis jetzt giltige 
Gattungen geschaffen, von denen z. B. die Gattung Preissia, Sarcoscyphus , Alicularia, Chiloscyphus 
u. m. a. jedem Hepatologen sehr geläufig sind. Als scharfsichtiger Beobachter hatte sich Corda 
aber doch nicht der Opiz'schen Einwirkung in Betreff der Artenbildung ganz entziehen können, 
und hat Arten geschaffen (erwähne z. B die Marchantia tnacromphala, coarctata, Kablikiana und 
conica), die alle heutzutage nicht einmal als Varietäten aufgestellt werden können. — Das Rhakio- 
carpon conspersum Cda., welches bei Prag wachsen soll, scheint ein Synonym der Preissa commu- 
tata zu sein (welche Art Corda nicht gekannt) und nicht das der Reboullia hemisphaerica, wie 
Gotteche angegeben. 



Beiträge zur LiteraturgeNchiclite und Verbreitung der LebermooB? in Böhmen. 



1!) 



die Jungermannia Mülleri Corda, welche nirgends citirt wird, und die nach 
der Corda'schen Abbildung einer Lophocölea (nach den Seiten- und Unter- 
blättern geschlossen) auffällig gleicht, ist aus der Reihe für Böhmen neuer Arten 
wahrscheinlich zu streichen. Gesammelt wurde sie bei Hohenelbe, am Kapellen- 
berg und am Jeschken (da von Müller 1833). 

Neben Funck und Corda haben in den Jahren 1830—1840 einige 
hervorragende Bryologen Schlesiens der Durchforschung des Riesen gebirges viel 
Zeit und Mühe geopfert und daselbst eine solche Ausbeute gemacht, dass seit 
dieser Zeit nur noch einige Arten, von späteren Forschern entdeckt, zur Sudeten- 
flora der Lebermoose hinzugefügt werden konnten. Die Hauptverdienste darum 
erwarb sich v. Flotow und Nees v. Esenbeck. 

Major L. v. Flotow, von 1824—1858 im Schles. -Hirschberg ansässig, 
ist der Entdecker nachfolgender böhmischer Arten: Gymnomitrium concinnatum 
(1835) nach Opiz (1823); Scapania uliginosa, Jung, subapicalis, J. nana, 
J. obovata, J. sphaerocarpa , J. Wentzelii, J. Zeyheri, J. quinquedentata, 
J. Floerkei, J. setacea, Lophocölea minor, Harpanthus Flotowianus, Chilo- 
scyphus lophocoleoides, Madotheca laevigata, M. rivularis, Frullania fragilifolia, 
Pellia calycina, Aneura pinnatifida (Glatz) und Duvalia rupestris. 

Der getreue Begleiter Flotow's, Nees v. Esenbeck, Prof. in Breslau 
(t 1858), enthüllte uns das Gymnom. coralloides, Scap. compacta, S. aequiloba, 
S. irrigua, J. Micheauxii, J. tersa, J. attenuata, J. rubella (und von Göppert 
bei Liebwerda 1834), J. Hampeana (in Glatz 1837), J. setiformis, J. catenu- 
lata, Lophoc. Hookeriana, Madotheca navicularis (M. platyphylla var. Thuja 
Lindenb.), M. Porella, Moerkia norvegica, Riccia bifurca (Glatz) und JR. cry- 
stallina (am schles. Fuss des Riesengebirges). 

Unter den Auspicien Opiz' und allerseits angeeifert treten in den Vierziger 
Jahren in vielen Gauen Böhmens neue Sammler auf, die sich zur Hauptaufgabe 
die Durchforschung ihrer Umgebungen gemacht zu haben scheinen. Durch 
diese locale Richtung werden zwar nicht viele neue Arten entdeckt, aber es 
wurde dadurch sehr Vieles dem Bilde, welches die Gesammtflora der einheimischen 
Lebermoose veranschaulichen sollte, hinzugeschafft und jenes erweitert. Aus der 
Prager Umgebung findet man in Herbarien Lebermoose von nachfolgenden 
Sammlern: Wondräcek, gefunden die Jung, caepiticia und J. crenulata, ferner 
Fossombronia Wondraczeki Corda im Thiergarten Stern; Dr. Calmus, der Mado- 
theca laevigata, bei St. Prokop gesammelt, versendet hatte; Dr. Schöbl; 
Tucek; Förster; Kratzmann; Dr. Leonhardi und Dr. Kosteletzky. 
— Cenek sammelte Lebermoose in Ost- und Nordböhmen, Apoth. Seker a bei 
Münchengrätz, Obergärtner Peyl bei Kolin, Präsident Veselsky bei Kutten- 
berg und in Ostböhmen, Dr. Pokorny bei Pocätek, Dr. Em. Purkyne im 
Böhmerwald; Dr. Jechl bei Krummau und Budweis, woher Aneura pinguis 
sichergestellt; Jos. Conrad bei Töpl (Jung. Conradi Cda.) ; Roth bei Rothen- 
haus; Moritz Winkler bei Teplitz; Hrabal und Karl in Nordböhmen 
besonders bei Böhm. Kamnitz (Pfarrer Karl scheint Anthoceros laevis und 
Jung, curvifolia var. Bavert zuerst bei Schluckenau gefunden zu haben). 

3* 



20 



Jos. DSdecek. 



Dir. Watzel bei Böhm.-Leipa; Prof. Lorinser bei Mernes; Apoth. Siegmund, 
Entdecker der J. dlpestris latior Gottsche, und Langer bei Reichenberg; 
Prof. Jul. Sachs, der bei Rothenhaus J. Genthiana (J. crenulata var.) 
gesammelt; Prof. Braun hat am Donnersberg (Mileschauer) J. Starkii gefunden. 

Pfarrer G. Menzel sammelte bei Reichenberg und Haindorf (bereits um 
das Jahr 1833 die J. Mentzelii mit Corda gefunden); Prof. Neumann bei Nix- 
dorf und Josephine Kab Ii k, Apothekerswitwe in Hohenelbe, botanisirte daselbst, 
wo sie March, polymorpha var. dlpestris (M. Kablikiana Corda) und M. nigro- 
maculata Opiz, eine nach Art der Preissia von den Karpathen braun gross- 
gefleckte Varität der M. pölym. gesammelt hatte. Auch Opiz war in der Zeit 
noch rege und hinterliess eine Fegatella conica (March, umbellata Opiz) von 
Cäslau, mit breit-rundlichen bis herzförmigen Endlappen von sehr auffallender 
Form. Ausser von den Genannten finden wir stellenweise böhmische Specimina 
von Benes, Fieber, Ramisch, Reuss und Ortmann. 

Von nicht geringem Werthe war damals und ist bis jetzt bei uns die 
einzige anschauliche Quelle zur Orientirung beim Bestimmen der Lebermoose 
der von J. Sw. Presl im Jahre 1846 ausgegebene von Bohun gravirte Bilder- 
atlas, betitelt: „Tricet dwa obrazy k pocätküm rostlinoslovi", worin an 52 Arten 
bildlich und anatomisch theils nach Eckart's respective Hooker's, theils 
nach Bischoffs Illustrationen dargestellt erscheinen. 

Das Streben so vieler Beobachter, die oben angeführt wurden, fand auch 
in mehr als doppelter Beziehung volle Würdigung, Nachahmung und Ver- 
wendung, erstens durch Herausgabe von Localfloren und ferner durch die An- 
regung anderer Kräfte zum selbstständigen Beobachten des eigenen Bezirkes. 

Auch der bejahrte Opiz benützte die reiche Ausbeute seiner Fachgenossen 
zur Bereicherung der Reihe ihm bekannter Lebermoose, welche er in seinem 
„Seznam kveteny Ceske" vom Jahre 1852 verzeichnet hatte. Schade nur, dass 
sich dieser greise Mecaenas der Botanik dabei stellenweise zu weit über die 
Grenzen hinausgewagt und manche Arten als einheimische angeführt hatte, 
welche damals (und grösstenteils bis jetzt) nur von den Grenzen entlegeneren 
Localitäten bekannt waren. (Ein Fehler das , der eigentlich jede Flora 
auch heutzutage zu begleiten pflegt!) Der „Seznam" führt 104 Arten Leber- 
moose an, von denen einige schon oben stellenweise erörterte meist Opiz'sche 
Arten 1 ) als Synonyma zu unterordnen sind; andere wieder, wie J. arenaria 
N. v. E; J. gymnomitrioides N. v. E; J. scutata Web. und Scap. Bartlingii 
N. v. E. zu streichen sind, weil selbe selbst im Bereiche unserer Grenzen noch 
nicht sichergestellt worden sind. Diese Mehrzahl gleicht wieder wenigstens 
der Umstand aus, dass Opiz die Nees'schen Varietäten der Jung, barbata 
beibehalten und also die J. attenuata Mart., J. Floerkei W. et M., J. quinque- 
dentata Web., lycopodioides Wallr. und J. barbata Schmid. sämmtlich als 
Varietäten der J. barbata Nees angeführt hatte. Ferner hat Opiz im Seznam die 



l ) J. vaginata Opiz, J. Conradi Cda; Metzgeria lactivirens Opiz in schedis =z M. furcata etc. 



Reitrage zur Literaturgeschichte und Verbreitung der Lebermoose in Böhmen. 21 



Arten Ptilidium und Lejeunia, die er in früheren Schriften aufgezeichnet, wohl 
aus Versehen ausgelassen. 

Dem Prof. Lehmann glückte es im Jahre 1856 bei Marienbad die 
Notothylas festilis ausfindig zu machen, also zur Zeit, in der dieselbe Selten- 
heit Prof. Dr. Milde bei Gräfenberg vorgefunden. Wie früher erwähnt, knüpft 
sich an die weitläufigere Durchforschung, besonders Nordböhmens, von Seite 
oben genannter Botaniker auch die Herausgabe von Localfloren an. 

Eine solche ist im Buche „der Curort Liebwerda" aus der Feder des 
Badearztes Dr. Jos. Plumert unter dem Titel: „Zur Flora des Iser- und 
Jeschkengebirges" im Jahre 1869 erschienen. Darin werden von P. G.Menzel 
67 Jungermannien genannter Umgebung ohne nähere Localitätenangabe ver- 
zeichnet, darunter mehrere seltene Arten, wie: J. resupinata (J. saxicöla), 
J. cordifolia, J. pumila, J. curvula, Saccogyne viticulosa, Alicularia compressa, 
Madoth. laevigata und Diplom. Lyellii. Daraus kann man die Älicul. compressa, 
J. cordifolia und Saccogyne viticulosa mit grosser Bestimmtheit auslassen, da 
diese Alicularia nach Exemplaren des böhmischen Museums mit J. Taylori 
übereinstimmt; J. cordifolia aber ebenso als ein Bürger des höheren Nordens, 
wie Saccogyne als eine südlichere Art bis jetzt bekannt ist. 1 ) 

Im Jahre 1870 hat H. K. Gust. Limpricht in Breslau durch die Er- 
forschung des Isergebirges zur Bereicherung der böhmischen Lebermoosflora 
das Meiste beigetragen, indem er eine Reihe seltener Formen, darunter auch 
neue Arten, im Bereiche unserer Grenzen vorgefunden. Unter diese gehören: 
LopJiocolea cuspidata Limpricht, Sarcoscyphus adustus, S. sphacelatus, S. densi- 
folius (J. Juratzkana Limpricht, Brunnenberg), (J. Hornschuchiana Gesenke), 
J. obovata, J. sphaerocarpa, J. nana, J. obtusifolia, Scap. umbrosa, S. compacta, 
S. irrigua, J. tersa, J. alpestris , Plagiochila interrupta, J. Floerkei und 
Sphagnoecetis communis. 

Eine zweite Localflora enthält der Jahresbericht der Oberrealschule zu Böhm.- 
Leipa vom Jahre 1874, worin der Director der Anstalt, Dr. Caj. Watzel, 29 Arten 
Lebermoose angeführt, hauptsächlich Repräsentanten der Sandsteinformation. 
Besonders nennenswerth erscheinen darin : Geocalyx graveolens, Mastigobryum 
deflexum, Jung, porphyroleuca und J. minuta. — Auch der Verfasser dieser 
Abhandlung trat im Jahre 1875 mit einer Schilderung der Piseker Lebermoos- 
flora vor die Oeffentlichkeit, indem er in der österr. botan. Zeitschr. 1875 gegen 
32 Arten Hepatici nach Dr. Rabenhorst's Kryptogamenflora bestimmt, ge- 
schildert hatte. Obwohl in jenem ersten Versuche einige Fehlgriffe stattgefunden, 
ist das Verzeichnis doch von genügender topographischer Wichtigkeit, indem 
es zwei seltene Arten: Reboidlia hemisphaerica und Lejeunia serpyllifolia 



] ) Einem brieflichen Wunsche gegen den Hochw. P. G. Menzel, um die gütige Abtretung 
von J. cordifolia, Saccogyne nnd Alicularia compressa der Eeichenberger Umgebung, konnte nicht 
nachgekommen werden, weil sich der greise, über achtzig Jahre zählende und augenkranke 
Botaniker seiner ehemals ihm beliebten Botanisirungslust nicht mehr widmen kann und seiner 
Sammlungen sich wohl bereits entledigt hatte. 



22 



Jos. De decek. 



enthält, von denen die erste am Otawa- Abhang bei Pisek ihren einzigen 
Standort innerhalb der Grenzen Böhmens inne hat. (Obwohl vor dem Jahre 
1875 an jener Stelle zahlreich vorgefunden, konnte ich sie 1878 im trockenen 
Juli daselbst nicht mehr wiederfinden.) Ausserdem wurde dort gesammelt: 
Alicularia Scolaris, Frullania tamarisci, Pellia calycina (statt P. epiphylla), 
Chiloscyphus polyanthos (statt Liochl. lanceolata) , Jung, ventricosa (statt 
Liochlaena acuta), Jung, hyalina (statt AUc. scalaris var. minor) und J. excisa 
(statt J. intermedia). Die Madoth. rivularis erwies sich als eine verkümmerte 
M. platyphylla. 

Die nächstfolgenden Jahre führten zu neuen Ergebnissen, die vom Ver- 
fasser in den Jahren 1877 und 1878 veröffentlicht wurden. In der bryologischen 
Skizze der Turnauer Umgebung (österr. botan. Zeitschr. vom Jahre 1877) 
erscheint zuerst ein sichergestellter Standort für Aneura pinguis (die in mir 
zugänglichen Sammlungen von Böhmen nur von Budweis beiliegt), ferner für 
Geocalyx graveolens, J. Zeyheri (dort als Liochl. lanceolata) und connivens. 
Ausserdem wurden neue Localitäten für Metzgeria pubescens, Fossombr. pusilla, 
J. incisa, J. Taylori, J. minuta und Scap. albicans, alles bei uns bisher wenig 
gesammelte Arten, gewonnen. — Ebenso enthält die im Jahre 1878 geschilderte 
Ausbeute vom Jeschken und Mileschauer (österr. botan. Zeitschr. 1878) einige 
neue Sicherstellungen von Formen, die, anderswo im Hochgebirge häufiger 
auftretend, sich auch ins Innere des Landes vorgeschoben. Das betrifft die 
J. orcadensis, J. quinquedentata und J. attenuata vom Jeschken. Auch wurde 
darin der Jung, bicrenata und Pellia calycina erwähnt, welche letztere bei 
uns eine grössere Verbreitung zu haben scheint als die Pellia epiphylla Dillen. 

Mittlerweile wurde das bereits bekannte Terrain von neuem gründlicher 
besichtigt und konnte auch bisher weniger bekannten heimatlichen Gauen ein 
hepatologischer Besuch abgestattet werden, mit einem Ergebnisse, das mit 
Befriedigung verzeichnet werden kann. So wurde der vom Jahre 1823 durch 
Presl bekannt gewordene einzige Standort der Grimaldia barbifrons eruirt, 
so dass über faustgrosse Complexe jener Pflanze angelegt werden konnten. Für 
Preissia commutata wurden nebst dem einzigen Fundorte bei Stern-Liboc drei 
neue von einander entfernte (vide unten) Stellen sichergestellt. 

Als ganz neue Bürger unserer Heimat tauchten in den Jahren 1876 
und 1877 zuerst auf, nämlich: die Biccia crystallina L. und E. Bischoffii Hüben. 
Beide kommen in der nächsten Umgebung Prags bei Chabry vor: jene auf 
einem trocken gelegten Felde unter Juncus sphaerocarpus Nees, diese am siluri- 
schen Abhang in Gesellschaft der Gagea bohemica. 

Der Besuch des südlichsten Theiles vom Böhmerwalde im Jahre 1878 
ergab dem Verfasser neben zahlreichen schon genannten Formen noch einige 
Bereicherung an Jung. Mülleri, J. inflata, J. anomala, J. ventricosa var. porphy- 
roleuca, J. intermedia, J. lanceolata, J. incisa (var. elongata), J. Schraden, 
Alicularia minor und Aneura pinnatifida (A. sinuata Hüben. Exsicc. Deutschi. 
Leberm. V. 106). 



Beiträge zur Literaturgeschichte und Verbreitung der Lebermoose in Böhmen. 23 



Es wären also für eine topographische Bearbeitung der Lebermoose in 
Böhmen schon so ziemlich mehr als zwei Drittel des Landes durchforscht und 
man wird alsbald auf eine Verfassung einer Hepaticologia Bohemica bedacht 
sein können, wenn günstige Umstände auch die Durchforschung des Riesen- 
gebirges, Erzgebirges und des nördlichen Theiles vom Böhmerwalde bald erlauben 
werden. 

Nachfolgendes Verzeichniss enthält die vom Verfasser in Böhmen bereits 
gesammelten Arten in systematischer Ordnung, mit Hinzufügung der Localität 
und eigener Beobachtung. 

I. Eicciaceae. 

1. Rieda fluitans L. Entweder in stehenden Gewässern, wie Teichen, 
massenhaft schwimmend oder am Ufer wie auch an feuchten Gräben aufrecht 
wachsend. Pisek: bei Smrkovitz in den Klosterteichen und bei Putim. — Bud- 
weis bei Böhm. -Fellern. 

2. R. natans L. Auf stehenden Gewässern. Pisek: am grossen Teich 
hinter Putim; Bahngraben in der Station Razitz und Frauenberg. 

3. R. crystallina L. Erschien im Sommer 1876 auf einer umgeackerten 
Wiesenfläche bei Chabry nächst Prag mit zahlreicherer B. glauca. Das Feld 
ist bereits vollkommen trocken und fruchtbar, und von der Rieda, sowie von 
dem mit ihr massenhaft aufgetretenen Juncus sphaerocarpus , welche beide 
Pflanzen nur von dieser Localität bisher bei uns bekannt sind, erscheint jetzt 
keine Spur mehr. 

4. R. Bischoffii Hüben. Wächst in faustgrossen Ueberzügen oder 
zwischen Festuca ovina zerstreut am sogenannten Schlösschen-Abhang in Chabry 
auf verwittertem Silurschiefer (im Jahre 1878). 

Gefunden im Frühjahr erschien sie in Rosetten, deren Lacinien am 
Grunde getrennt und entfärbt waren; die Rosetten fliessen in breitere Ueber- 
züge zusammen. Die breiten, verkehrt herzförmigen Lacinien waren im Gras- 
schatten vollkommen ausgebreitet, nur mit schwacher Rinne, die am Lacinium- 
ende in eine dreieckige Vertiefung überging, verunebnet; oder die Rinne fehlte 
gänzlich. Die Lauboberfläche war von kurzen, ungleich langen Papillen sammt- 
artig und wie bereift ; nur am Rande, besonders aber gegen die Laubenden waren 
längere und verdickte, dichtgestellte hyaline Haarauswüchse. Die kielartig ver- 
dickte Schattenseite ist mit langen dichten Wurzelhaaren dem Substrat fest 
angeheftet. Der Lacinienrand wird bald besonders gegen seinen Ursprung 
entfärbt und grau. Nur bei anhaltender Trockenheit rollen sich die Ränder 
um, und die Frons wird immer mehr rinnig, bis die Pflanze gar nicht zu 
erkennen ist. 

5. R. sorocarpa Bisch. An Abhängen und besonders Kleefeldern. — 
Pisek: Feldrain unter dem Teiche beim Wodäk. — Turnau: Kleefeld beim 
Obstgarten des H. Korselt. — Jeschkenabhang an Stoppelfeldern mit R. glauca. 



24 



Jos. D edecek. 



— Prag: Zävist Waldabhang und Vereiusgarteu in Prag. — Südböhmen bei 
Prachatitz an Stoppelfeldern gegen Husinetz. 

6. H. glauca L. Klee- und Stoppelfelder sowie überschwemmte Locali- 
täten. — Prag: Vereinsgarten, Moldauufer gegen Pelz, Chabry. — Turnau: 
Chlomek, Stoppelfeld. — Jeschken. 

II. Anthocerotaceae. 

7. Anthoceros laevis L. In Wäldern an Torfstellen und Waldgräben. 

— Berg Blanik bei Vlasim an moderndem Holz 1876. — Schloss Rosenberg 
mit Fossombronia im Waldgraben. 

8. A. punctatus L. Auf Stoppelfeldern und Feldwegen. — Turnau: 
Feldwege gegen die bewaldete Iserlehne, stellenweise auf Fahrwegen und Feldern 
massenhaft. — Südlicher Jeschkenabhang, auf Feldern. — Malenitz bei Volyn 
an Feldern. — - Die Kapsellänge ist kein zuverlässiges Bestimmungsmerkmal 
beider Arten, sondern die Beschaffenheit der Sporenoberfläche und deren Farbe. 

III. Marchantiaceae. 

9. Lunularia vulgaris Mich. In Gewächshäusern auf feuchten Töpfen ; 
nicht jedoch mit den daselbst häufigen ersten Entwicklungsstadien der Marchantia 
zu verwechseln. 

10. Meboullia hemisphaerica Raddi. Bewohnt humöse Abhänge, 
die sonnig und zeitweise feucht sind. Gefunden 1874 im späteren Frühjahr 
bei Pisek auf der Otavalehne unter der „Unteren" Mühle. Obwohl keine gut 
erhaltenen Sporangiumbehälter angetroffen wurden, befürwortet eine sichere 
Bestimmung die glatte Oberfläche der trocken grauen lederartigen Frons, ihre 
eigenthümliche kurz- und breitlappige Verästelung und die, jedoch nicht so stark 
und dicht entwickelten Spreublättchen am Ursprung der Sporangium stiele (wie 
solche an der Funck'schen Pflanze vom Fichtelgebirge oder an der vom Plauen- 
schen Grunde augenfällig sind). 

11. Grimaldia barbifrons Bisch. Auf humösen Abhängen und in 
Felsspalten in getrennten oder Ueberzüge bildenden Individuen. — Prof. Presl 
und Kosteletzky hatten selbe in Schärka bei Prag wohl schon um das 
Jahr 1820 gesammelt. Der nähere Standort dieser interessanten Art wurde 
im Frühjahr 1878 eruirt und befindet sich am steilen Ostabhang der Ruine bei 
Podbaba. Die Grimaldia bildet daselbst mehr als einen Quadratdecimeter breite 
Ueberzüge, stellenweise in Gesellschaft von Sempervivum oder zwischen Gras 
oder auch in Felsspalten. Neben ausgewählten sterilen wurden in einer schattigen 
feuchteren Lage auch einige noch junge blasenähnliche Sporangienbehälter 
angetroffen, die nach Hause gebracht, ihre Weiterentwicklung vollzogen. 

Die Lacinien hatten verhältnissmässig gleiche Länge (gegen 2 Cm.) und 
Breite (3 Mm.); sie waren dichotomisch verzweigt und durch Innovationen 



Beitrüge zur Literaturgeschichte und Verbreitung der Lebermoose in Höhmen. 25 



verlängert. Längs der Mitte der Schattenseite dicker, waren sie auf der Licht- 
seite ganz flach oder nur sehr massig vertieft, warzig und spröde. Die 
Farbe der frischen Pflanze war grün, nur am Rande bräunlich, oder wo dieser 
sanft umgerollt, purpurn. (Die graugrüne Farbe, die der Frons öfters zu- 
geschrieben wird, gehört ihr nur im trockenen Zustande an.) Die Schattenseite 
ist eigentlich auch grün, aber von purpurnen ihr dichtanliegenden Schuppen 
auffällig gefärbt. 1 ) 

Diese Schuppen liegen beiderseits der dicht wurzelhaarigen Mittelrippe je 
einreihig und decken sich oberschlächtig. Von Form nierenförmig, sind sie 
längs der Breite mit einem Rande (Basis) dem Thallus angeheftet; der lose 
blasse oder entfärbte Vorderrand aber zergliedert sich in lange farblose oder 
purpurne zahnartig schmale Lacinien, welche den Rand der Frons besonders 
an deren Ende überragen und ihm so das eigenthümliche gehärtete Ansehen 
verleihen. Da das Fronsende nach der Lichtseite zurückgebogen ist, erscheint 
es eben an einer vegetirenden , also frischen Pflanze von jenen blattartigen 
Lamellen purpurroth. 

Bei trockener Jahreszeit, wo der Wuchs solcher Organismen gänzlich 
stillsteht und so auch an Herbarium-Exemplaren, beobachtet man endlich die 
tief rinnenförmigen, dunkelpurpurnen, an den Rändern blass gehärteten Frons- 
lappen, wie solche einer lebenden Pflanze in manchen Beschreibungen zu- 
getheilt werden. 2 ) 

12. Preissia commutata Nees 1838 (P. italica Corda 1829). An 
humösen Abhängen des Urgesteins sowie auch an Sandsteinfelsen, sandiger Wald- 
erde und Kalkstein. — Die von Wondräcek und Corda gefundene Localität bei 
Stern-Liboc nächst Prag eruirt. Es sind die Sandsteinfelsen, welche am Wege 
von Stern gegen Liboc die Gärten umzäunen. — Turnau: in Gesellschaft der 
Aneura pinguis auf sandigem Waldboden. — Jung-Bunzlau: auf der Iserlehne 
gegen Neuberg. — Ledec an der Sazava: Granitlehne unterhalb der Stadt. 

Manchmal erscheint die Oberseite ganz grün (so bei Ledec) und dann 
ist nur die Schattenseite mehr weniger intensiv purpurn. 

Stellenweise liest man, dass Preissia am Ende abgerundete Lappen hat: 
man sieht jedoch an frischen Exemplaren deutliche Ausrandungen, je eine am 
Lappenende, und findet auch oft im Frühjahre je ein neues Läppchen aus 
jener Ausrandung entspringen, das wieder ausgerandet erscheint, um an dieser 
Stelle den künftigen Archegonien eine passende Stelle einzuräumen. Nicht 
selten entspringen statt solch einer zwei Innovationen in der Endbucht, durch 
die dann eine gabelige Fronstheilung begründet wird. Die Frons ist am Grunde 



*) Rabenhorst erwähnt in seiner Kryptogamenflora von Sachsen etc. bei der Arten- 
beschreibung der Reboullia purpurrother Schüppchen, die ihre Schattenseite charakterisiren sollen. 
Solche Schuppen (nach Dr. Sachs blattartige Lamellen) hat nun Grimaldia und Preissia auch, 
und ähnliche findet man auch an anderen Marchautiaceen als farbigen Ueberzug der gewöhnlich 
grünen (wenn nicht zufällig einige Zellpartien auch purpurn sind) Schattenseite. 

2 ) In der Moos- oder überhaupt Kryptogamenliteratur mangelt es leider nicht an Charakteren, 
welche, leblosen Exsiccaten entnommen, oft ganz anders an frischen Individuen angetroffen werden. 
Z. B. Ges. B. XXIX. Abh. 4 



26 



Jos. Dedecet. 



so entstandener Lappenzweige so eingeschnürt, wie man es öfters an Fegatella 
und Reboullia wiederfindet. — Wo der Sporogoniumstiel entspringen soll, also 
in der Endbucht, bemerkt man bereits im Spätherbst Ausstülpungen oder Höcker 
(die an getrockneten Pflanzen durch Aufweichen manchmal wieder erscheinen), 
welche von kurzen triangulären zum Theile pupurnen Schüppchen umkränzt 
sind. Diese Schuppen verharren auch auf dem Stielgrunde, werden aber der Klein- 
heit wegen öfters übersehen, oder sie schrumpfen zusammen, brechen ab oder 
werden abgestreift. — Trotzdem schon Cord a bei seiner Preissia italica von „pedi- 
culis basi setosis" Erwähnung macht, wird dieser nicht unwichtige Charakter 
in manchen systematischen Werken ausgelassen, oder es werden jene schuppen- 
förmigen Gebilde kurzweg als Borsten beschrieben. 

13. Fegatella conica Corda (Marchantia umbellata Opiz in sched. 
Exemplare von Cäslau). Scheint mit Marchantia die verbreitetste Frondosa zu 
sein, denn sie wird an feuchten Localitäten, so Bach- und schattigen, felsigen 
Flussufern, in Waldschluchten, an feuchten Mauern u. dergl. in allen Bezirken 
von der Hügel- bis in die Bergregion und daselbst oft in Masse angetroffen. 
— So schon am Berg Melechov nächst Davle, Jungbunzlau in Chobot u. s. w. 

14. Marchantia polymorpha L. Gemeiner als vorige, auch in der 
Ebene an Brunnen, Quellen, feuchten schattigen Mauern (an Grundmauern der 
Kirche in Turnau), an Torfwiesen u. dergl. bis aufs Gebirge. In der Torf- 
niederung südlich von Kuschwart im Böhmerwald bedeckt sie sehr dicht breite 
Torfausstiche, und ähnelt da der seinerzeit von Corda aufgestellten March, 
coarctata. — Es ist schwer bei dieser unter so mannigfachen Verhältnissen 
gedeihenden Art Varietäten aufzustellen, oder vielmehr, die aufgestellten gut 
zu definiren. Von allen ist die M. Kdblikiana Corda == M. polymorpha, var. 
B. alpestris, durch ihre typischen Charaktere am besten erkennbar. — Unter 
M. stellata Corda beherbergen unsere Sammlungen bald eine Form mit zahl- 
reichen sehr kurzstieligen Antheridien-B ehältern, bald eine breit- und dünnlappige 
gelbgrüne Gebirgsart mit vielen Brutknospenbehältern. — Bei Kürovody nächst 
Münchengrätz sammelte ich in Quellwasser eine Form aus der Kategorie der 
M. pol. var. rivularis, die sich durch sehr grosse, breit abgerundete, braungeaderte 
Endlappen auszeichnete. Unter den beiden Endzweigen misst bei ihr die Frons 
6 Mm.; während die Endzweige je 1 Cm. breit sind. — Versuche, die Marchantia 
von verschiedenen Localitäten nach der Verzweigung, die den augenfälligen 
Habitus am meisten beeinflusst, zu ordnen, gaben kein präcises Resultat. Ge- 
wöhnlich findet man (die reine sich wiederholende Dichotomie kommt wohl 
selten ausgebildet vor) ein sympodiales Verzweigungssystem, und zwar entweder 
eine concinnusartige Theilung der Gabeläste, oder man kann zugleich an Lacinien 
desselben Rasens wechselseitig verkürzte Gabeläste (ähnlich Seitenästen, die 
von der scheinbaren Hauptaxe ausgehen) — eine Bostrychoide — beobachten. 
Dabei wird aber an den Lacinienenden eine Bifurcation von neuem angelegt, 
aus der sich in Folge des Weiterwachsthums entweder der rechte oder der linke 
Gabelzweig vor dem andern mehr in die Länge entwickelt, so dass jener mit 
der Zeit einem Seitenlappen ähnelt. 



Beiträge zur Literaturgeschichte und Verbreitung der Leherinootse in Böhmen. 



27 



IV. Jungermanniaceae. 

A. Anacrogynae Leitgeb (frondosae Autor). 

15. Metzgeria furcata N. v. E. (M. conjugata Lindbg. M. furcata 
[Corda] Lindbg.). Unter diesem Sammelnamen vereinige ich da alle die 
Formen, welche Nees in Varietäten und Lindberg neulich in Arten zergliedert 
hatte. Durch Besichtigung von Exemplaren, die augenscheinlich, besonders 
durch ihre Grösse und Breite der Lappen, verschieden erscheinen, ist man zu 
dem Schluss gekommen, dass einige Charaktere, an denen die Zergliederung 
der M. furcata Nees in neue Arten gegründet wurde, so z. B. die Behaarung 
der Unterseite und des Randes, so unbeständig sind, dass es schwer fällt, eine 
sterile breitlappige, robustere Form, die Lindb erg in M. linearis und M. conju- 
gata gliedert, von der schmallappigen niedlichen M. furcata Lindbg. sicher 
zu unterscheiden. Nur fertile Formen könnten nach der Vertheilung der 9 
und in eine oder die andere Lindberg'sche Art eingereiht werden. 

Wächst sowohl an trockenen, wie an zeitweise überrieselten Blöcken, an 
Baumstämmen und zwischen Moosen in Wäldern von der Ebene bis aufs Gebirge. 

16. M* pubescens Raddi Selten. Auf einer kalkigen Iserlehne am 
Baum stamme bei Turnau. 

17. Aneura pinguis Dmrt. Auf feuchtem Waldboden und an feuchten 
Felsen zerstreut. — Turnau: auf dem Kalkstein der Iserlehne und auf sandig- 
feuchtem Waldboden bei Könitz, sowie bei der Quelle unterhalb Waldstein. — 
Jeschkenabhang. — Kürovody bei Münchengrätz auf einem Torfstich. — Lyssa 
im Bahngraben. — Böhmerwald: Blänsker Wald, St. Thomas, Kuschwart. 

18. A. pinnatifida N. v. E. (A. sinuata Hüben. Deutschi. Leberm. 
V. 106). In den Abzugsgräben einer grossen Torfwiese bei Kuschwart. 

19. A* palmata Dmrt. An modernden Baumstämmen und Torfwiesen 

— Kürovody bei Münchengrätz. — Böhmerwald: St. Thomas, Teufelsmauer, 
Kuschwart. 

20. Blasia pusilla L. Auf Lehmboden, in Waldgräben und an Fluss- 
ufern zerstreut. — Turnau: im Graben an der Strasse gegen Hruschtitz in 
schmäleren UQ d breitlappigen Q Rasen, sowie auch steril. — Pisek: am Fluss- 
ufer hinter der Schwimmschule. — Stadt Säzava beim Waldbache $. — 
Beneschau: Strassengraben nächst Konopischt. — Böhmerwald: Teufelsmauer . 

— Die Blasia kommt sowohl in rosettenartigen dem Substrat eng angedrückten, 
gewöhnlich 9, sowie auch in aufrechten dichten Räschen vor, von denen die 
Turnauer männlich waren. 

21. Pellia epiphylla Dillen. Kommt bei uns nicht so häufig vor, 
wie man meinen könnte, denn sie wurde nur am Jeschkenabhang, Turnau an 
Sandfelsen bei Wartemberg und bei Rothstein, am Blaniker Berg und bei 
Krälovitz gesammelt. — Häufiger tritt bei uns die P. calycina N. v. E. und wahr- 
scheinlich auch P. Neesiana Gottsche auf, sowohl in der Ebene als in der Hügel- 
und Bergregion bei Gewässern, in Gräben u. dergl. Nur konnte es überall 

4* 



28 



Jos. Dedec ek. 



nicht festgestellt werden, welche von beiden letztgenannten Arten die oder jene 
Localität bewohnt, weil sie meist ohne Geschlechtsorgane oder Sporangien 
gesammelt worden. Sicher gestellt ist 

22. F. calycina N. v. E. Nur von Chabry und Kuchelbad bei Prag 
und von der Iserlehne bei Turnaii. Folgende Standorte müssen noch zur Frucht- 
zeit besucht werden: Pisek (alte Bäder und Schwimmschule). — Budweis bei 
B. Fellern. — Böhmerwald: Rosenberg, Blänsker Wald, Kuschwart. — Nord- 
und Mittelböhmen: Jeschken, Turnau (Chlomek, Waldstein, Sychrow, Wartem- 
berg etc.). Podhofi bei Prag. 

Bei P epiphylla Dillen, fiel die Fruchtreife in den April, während P. caly- 
cina Nees schon im Februar reif gesammelt wurde. Uebrigens sah man bei 
P. calycina schon zu Weihnachten befruchtete Archegonien, und das aus einem 
derselben entwickelte Sporangium blieb durch mehrere kalte Winterwochen im 
Involucrum als grünes Kügelchen eingeschlossen, bis es endlich bei eingetretener 
Wärme rasch emporgeschossen. — Bei P. calycina von Kuchelbad, die frisch 
nach der Sporenaussaat untersucht wurde, fand man deutlich eliptische Sporen 
und Schleuderer, von denen die meisten gerader, manche aber auch verbogen 
oder sogar spiralig gewunden waren. (Dabei bleiben die Elaterenträger ausser 
Acht.) — Im Frühjahr und Sommer erscheinen an manchen Rasen dieser 
Pellia am Ende der Lacinien prächtige, oft smaragd- oder grasgrün gefärbte 
Gabelästchen von zarter gleichmässiger Furcation. Diese Gabelzweiglein 
breiten sich in einer Fläche aus, und haben gleiche geringe Breite von - 5 — 1 Mm. ; 
gewöhnlich sind sie wiederholt gegabelt mit ausgespreizten Endläppchen. Diese 
Gabeläste sind fast ausschliesslich von der Mittelrippe gebildet, so dass beider- 
seits der Rippe nur ein schmaler Parenchymstreifen sich hinzieht. — Durch 
diese Erscheinung gewinnen die älteren und breiten Fronsäste ein ganz fremd- 
artiges, zierliches Aussehen ; alle Aeste eines Rasens haben jedoch diese Eigen- 
schaft nicht. Wie schon anderswo beobachtet worden , erscheinen männliche 
Lappen mit weiblichen in demselben Rasen vergesellschaftet. Es ist aber schwer 
den Zusammenhang beider Geschlechtsäste zu ermitteln; nur an einem Rasen 
bei Kuschwart mit zahlreichen cT erschienen auch am Q Aeste einige Anthe- 
ridien unmittelbar unter dem Involucrum. 

23. Fossombronia pusilla N. v. E. Sowohl an trockenen als an 
feuchten Lagen, auf Weideplätzen, Waldgräben, Abhängen, abgetretenen Wald- 
wegen zerstreut. — Turnau: Waldgraben bei Könitz. — Mednik bei Davle. 
— Rosenberg in Südböhmen. — Var. capitata (F. Wonäraczeki Corda) ward 
gesammelt auf Weidplätzen am Südabhang des Jeschken. — Bei Pürglitz. — 
Waldwege am Mileschauer. 

Die Fruchtreife wird in der Kryptogamenflora von Schlesien (1877) für 
die F. Dumortieri Lindbg. (F. pusilla Nees) in den Spätherbst gelegt. Dagegen 
fand ich 1878 am 17. April im feuchten Waldgraben am Berge Mednik dieselbe 
Pflanze reichlich fruchtend. Was die fragliche Lösung der reifen Kapsel an- 
belangt, muss ich beiden streitenden Parteien Recht geben, nämlich den Herren 
Schmiedl und Lindenberg, die behaupten, dass die Kapsel vierklappig 



Beiträge zur Literaturgeschichte und Verbreitung der Lebermoose in Böhmen 29 



ist, als auch Hooker, Gotsche und Leitgeb, welche angeben, die Kapsel wäre 
unregelmässig zerrissen. Denn, es führt mich die Beobachtung der sich öffnenden 
Kapseln zu dem Resultate, dass selbe bei schwacher Berührung oder durch 
gelinden Druck vierklappig aufspringen, die Lappen verlieren aber sehr leicht 
und bald die Consistenz ihres Zellgewebes, so dass sich einzelne Zellpartien 
von den Lappen absondern, wodurch der becherförmige Ueberrest der Kapsel 
am Rande unregelmässig zerschlitzt auftritt. 

B. Acrogynae Leitgeb (foliosae Autor.) 

24. Lejeunia serpyllifolia Lib. Auf Lehmboden in Wäldern seltener. 

— Pisek: Kiefernwald bei alten Bädern und hinter der Schwimmschule. — 
Blanik bei Vlasim. — Pürglitzer Waldabhang. 

25. Frullania dilatata N. v. E. Gemein in Wäldern an allerlei 
Stämmen, so auch in Hecken, an Felsen, fast immer mit Perianthien angetroffen. 
Von der Ebene bis auf die Grenzgebirge. 

26. F. Tamarisci N. v. E. Nicht so häufig und dann auf verschiedener 
Unterlage, wie Waldboden, Baumstämmen, Felsen. — Pisek: An Granitfelsen 
der Otavalehne. — Krälovitz: Felsen des Zelivka-Flusses. — Pürglitz. — Zävist 
bei Prag an sonnigen Silurfelsen. 

27. Madotheca platyphylla Dmrt. Stellenweise an schattigen Kalk- 
stein-, Sandstein- oder Granitfelsen, und Waldstämmen; dann massenhaft auf- 
tretend. — Turnau. — Jungbunzlau. — Prag (Selc, Kuchelbad, St. Prokop, 
St. Lorenziberg etc.). — Pürglitz. — Am Sazavafmsse. — Blanik. — Pisek. 

Der Unterlappen und die Unterblätter erscheinen an Exemplaren ver- 
schiedener Lagen sehr mannigfaltig in Bezug auf ihre Grösse, Form und ihre 
Ränder, ihre Umrollung, die Zurückrollung, Ausrandung und Lage der Unter- 
blätter zur Axe u. dergl. Besonders einige Exemplare von Selc, Kuchelbad, 
Vlasim, Turnau und Pisek tragen Charaktere, durch die sie wohl einer var. 
Thuja Lindbg. eingereiht zu werden scheinen. 

28. Radnla complanata Dmrt. An ähnlichen Stellen wie die Frullanien 
und ebenso häufig und zahlreich. Unter anderem auch auf einem schattigen 
Strassenkanale bei Konopist nächst Beneschau. 

29. Ftilidium ciliare N. v. E. Nur stellenweise : entweder an trockenen 
Stellen, so an Baumstämmen und Felsen, wie auch auf andauernd feuchten, 
zuweilen torfigen Waldplätzen; theils in grösseren Rasen, theils vereinzelt und 
entferntblätterig, an Farbe mehr weniger braun oder grünlich. — Jeschken: so 
am trockenen Gipfel, wie auf Torfstellen des Südabhanges. — Turnau: Waldstein 
an Sandsteinblöcken, 9 und cT in der Nachbarschaft. — Zizkaberg bei Prag 
ein vereinzeltes Exemplar. — Pisek (Wald bei der Schwimmschule, tf); — 
Topelec 9 ; Hürky 9 > — Blänskerwald bei Krummau 9 • — Kusch wart. 

30. Tricholea Tomentella Dmrt. Seltener und nur an quelligen, 
torfigen Waldplätzen. — Turnau: Bad Wartemberg nächst der Antoniusquelle. 

— Jeschken. — Berg Blanik bei Vlasim. 



30 



Jos. Dedecek. 



81. Mastigobryum trüobatum N. v. E. Nur an Quadersandstein 
und da massenhaft. — Turnau: Kozäkov, Rothstein, Waldstein und Grossskal. 

— Jeschken. — An einigen dunkelgrünen Rasen von Jeschken waren die Aeste 
auffallend schmäler, mit Blättern nur an 2 Mm. breit, und die Blätter oft nur 
mit zwei Blattzähnen. (Es war jedoch kein M. deflexum). 

32. Lepidozia reptcms N. v. E. Ein häufiger Begleiter anderer Wald- 
moose, an Lehmboden, selbst an Rainen, besonders aber an Strünken und Stämmen 
und feuchten Blöcken. — Prag: Zävist, Zbraslav und Berg Mednik. — Turnau 
an Sandsteinen überall in Wäldern. — Jeschken. — Neuberg und Tuhän bei 
Juogbunzlau. — Pisek: Schwimmschule und Raine bei St. Wenzel. — Böhmer- 
wald: Rosenberg, St Thomas, Kusch wart. 

In sehr feuchten Lagen, unter Moosen und Sphagnen, oder wo die Aeste 
in Felsspalten eindringen, werden sie zart, bedeutend länger und entfernt- 
blättrig, mit 2, 3, 4, ja sogar mit einem Blattzahne. (Das die Var. tenera.) 
Durch Keimkörner werden die Zähne häufig gänzlich zerstört. 

33. Calypogeia Trichomanis Corda. Besonders am Sandstein in der 
Kreideformation, aber auch im Urgebirge. — Turnau. — Jeschkenabhang. — 
Pisek: Schwimmschule und Hürky. — Böhmerwald: Blänsker Wald; Rosenberg. 

— Mit J. lanceolata, Chiloscyphus u. a. häufig verwechselt ist Calypogeia 
in der Blattspitze ziemlich veränderlich, so dass an Blättern desselben Rasens 
die Spitze bald ganz, bald ausgerandet erscheint. Die Form mit ausgerandeten 
Blättern beschrieb Dr. Rabenhorst als var. Sprengeiii. Dumortier aber 
beschreibt als eigene Art: „Cincinnulus Sprengeiii Dmrt." die Form mit ganz- 
randigen Blättern, aber herzförmigen und tief, scharf zweilappigen Unterblättern, 
eben jene Form, welche Nees als C. Trichomanis var. Sprengeiii angeführt. 

34. Geocalyx graveolens N. v. E. Am Quadersandstein unterhalb 
Waldstein bei Turnau. Nicht fruchtend und nur nach dem Blattausschnitt 
und der Form der Unterblätter als solche gedeutet. 

35. Chiloscyphus polyanthos Corda. Bewohnt feuchten Waldboden, 
Steine, Strünke, Mühlrinnen, Flussufer u. dergl. jedoch stellenweise: Mednik 
bei Davle $. — Blaniker Berg bei Vlasim. — Kürovody bei Münchengrätz. 

— Turnau: Iserlehne und Kozäkov. — Jeschken. — b. pallescens bei Pisek in 
Wäldern. — Turnau. — c. rivularis: Pisek Mühlrinne. — Ledec in einer Wald- 
quelle gegen den Berg Melechov. — Turnau. — Böhmerwald: Rosenberg mit 
jungen Q. — Kuschwart. — Teufelsmauer. 

36. Lophocolea minor N. v. E. Stellenweise sehr massenhaft an 
Wald- und Hohlwegen, Baumwurzeln, Stämmen, zwischen Moos u. dergl. — 
Prag: Sterngarten, Särka, Selc, Zizkaberg, Kuchelbad, Zävist. — Mednik bei 
Davle. — Mileschauer. — Turnau, jungen Erlstämmen dicht angeschmiegt. — 
Pisek in Wäldern und auf Feldrainen. — Kuschwart. — Durch häufig auf- 
tretende Keimkörner erscheint sie mit ausgenagten und lappenlosen Blättern. 

37. 2/. heterophylla N. v. E. Stellenweise in Wäldern und Hecken, 
besonders an faulenden Strünken und auf Steinblöcken. Sehr häufig mit 



Beitrage zur Literaturgeschichte und Verbreitung der Lebermoose in Böhmen. 



31 



Perianthien angetroffen. — Prag: Chabry, Mednikberg. — Pürglitz. — Turnau: 
Waldstein. — Jeschken, — Mileschauer. — Pi'sek. — Böhmerwald: Blänsker- 
wald; Tenfelsmauer, Kuschwart. 

38. L, hidentata N. v. E. Gemein an Grasstellen, Rainen, in Wäldern 
und Hecken. — Exemplare von Jeschken und Waldstein zeigen durch die Blatt- 
bucht, ihre Lacinien und die undurchsichtigen Zellen eine Uebereinstimmung 
mit L. cuspidata Limpricht. 

39. Junger mannia connivens Dicks. Fast ausschliesslich an Torf- 
moosen. So bei Kürovody nächst Münchengrätz. — Turnau bei Rothstein. — 
Böhmerwald: besonders zahlreich am Sphagnecoetum bei Kusch wart. — Oft 
täuschend ähnlich der 

40. J, bicuspidata L. In deren Gesellschaft jene öfters vorkommt. 
Die J. bicuspidata ist aber häufiger und in Wäldern, an Haiden und auf Rainen 
oft massenhaft auftretend. — Prag : Bechovitz im feuchten Bahngraben. Mednik 
auf Haideboden. — Mileschauer an trockenen Hohlwegen. — Jeschken. — 
Pisek an trockenen Abhängen und Rainen. — Böhmerwald an vielen Plätzen: 
Rosenberg, Teufelsmauer, Kuschwart, entweder an morschen Baumstrünken oder 
unter Torfmoosen. — Meist erscheint auf Berglagen dieNees'sche Var. conferta 
mit dichter Beblätterung und mit gegen den Stengel gebogenen Lacinien. — 
Obwohl meist grüngelb bis weisslich erscheint sie an sonnigen Lagen auch purpur- 
bräunlich, wie die Exemplare vom Mileschauer oder einige vom Böhmerwald 
beweisen. 

41. J, divaricata N. v. E. Auf Abhängen und Rainen eine der häufigsten 
Arten, meistens in bräunlichen, algenähnlichen Ueberzügen. Prag, Turnau 
Jeschken, Mileschauer, Jungbunzlau, Pisek. 

42. J. trichophylla L. Ein häufiger gelbgrüner Ueberzug morscher 
Strünke feuchter Felsen und allerlei Moose. — Prag: Zbraslav, Mednik. — 
Turnau, Sandsteinbewohner. — Jeschken. — Mileschauer. — Pisek. — Böhmerwald. 

43. J. attenuata Lindbg. Gebirgsbewohner und auf Vorbergen. — 
Jeschken am Fusse der Quarzfelsen am Gipfel bei der Baude (1877). 

44. J. quinquedentata Web. Gebirgsbewohner und auf nahegelegenen 
Gipfeln. — Jeschken, am Gipfel mit unter Moosen zerstreuten Individuen 1877. 
Bei Pürglitz, also fast in Mittelböhmen, wurde auch eine kleinere Form gefunden, 
die durch ihre stachelspitzigen Blätterzähne und die deutlich dreieckig verdickten 
Zellecken von J. quinquedentata sich nicht trennen lässt. 

45. Jm barbata Schmid. In der Ebene und Hügelregion stellenweise 
massenhaft und vorherrschender Ueberzug des Waldbodens, höher hinauf ver- 
schwindend. — Prag. Turnau. Jeschken, nur am Abhang. Mileschauer. Pürglitz. 
Pisek. Prachatitz am Libin. — Böhmerwald bei Hohenfurt. — An einigen 
Exemplaren von Pürglitz erschien sie nicht mit braunen, sondern mit grünen 
Stengeln, die nicht immer und überall mit Wurzelhaaren angeheftet vorkamen. 
An der barbata vom Mileschauer fand man viele zweilappige Blätter. 

46. J, incisa Schrad. Sowohl an trockenen Abhängen als auch in 
feuchten Lagen, mehr im Gebirge als in der Ebene. — Prag : Mednik im April 



32 



Jos. Dedecek. 



1877 fruchtend. — Liboc und Särka. — Turnau: Rothstein und Kozäkov. — 
Böhmerwald: Blänskerwald, St. Thomas und Kusch wart. 

Auf einer Torflehne von Friinberg gegen St. Thomas fand ich einen 
Basen mit purpurbraunen Stengeln, sattgrünen Blättern und kurzen hyalin ge- 
wimperten Perianthien. Die Stengel erreichten die namhafte Läüge von 1 bis 
15 Cm. (var. elongata). x ) 

47. J. intermedia N. v. E. (exclusive var. minor). An Abhängen, in 
Kieferwäldern und Rainen. — Prag: Mednik, Särka, Zizkaberg. — Pisek: Nadel- 
wald bei der Schwimmschule. — Böhmerwald: Blänskerwald. 

48. «7. excisa Hook. (J. intermedia var. major N. v. E.). An ähnlichen 
Stellen wie vorige und mit ihr oft im Rasen verflochten. — Prag: Särka. — 
Mileschauer. — Pürglitz. — Pisek am Feldraine bei St. Wenzel fruchtend. 

49. J. bicrenata Lindbg. Auf trockenen freien Waldgräben, Hohlwegen 
und sandigen Boden zerstreut. — Prag: Wald gegen Ouval, bräunlich und mit 
Perianthien. — Mileschauer unter J. hyalina. — Jeschken, gelbgrün mit 
Perianthien. — Böhmerwald: Rosenberg am Hohlwege, wo sie nicht so fest 
angeheftete grüne und längere Stengel entwickelt hatte. 

50. J. ventricosa Dicks. Ist bei uns von den Biscuspides am massen- 
haftesten vertreten, indem sie sowohl an trockenen Lehnen als auch am Grunde der 
Waldstämme oder sonst in lichten Waldlagen bis über einen Quadratdecimeter 
breite Polster bildet, die im Frühjahr mit goldgelben Keimkörnerhaufen sammt 
und sonders wie bestreut erscheinen. So trinkt man sie am Zizkaberg, an der 
Kosifer Lehne, in Särka und Liboc in Fülle an; so auch im Walde bei Kuchel- 
bad, Zbraslav und Zävist. — Turnau bei Waldstein und Grossskal. — Jeschken. 
— Pisek: Kiefernwald bei der Schwimmschule. — Unter-Krälovitz an Felsen 
des Zelivkaflusses. — Böhmerwald: Blänskerberg, Libin bei Prachatitz, St. Thomas 
und Kusch wart. 

b. porphyroleuca (N. v. E. als Art). An faulenden Waldstämmen bei 
Kuschwart in purpurn angelaufenen Räschen. 

51. tT. orcadensis Hook. Obwohl ein Gebirgsbewohner wurde sie am 
Jeschken wieder entdeckt (1877), wo sie am Südabhang an feuchterem Wald- 
boden mit anderen Moosen gesammelt worden. 

52. J, inflata Huds. wächst nicht nur auf Torf wiesen, wie meistens 
beobachtet wurde, sondern wird auch an trockeneren Waldterrassen ansässig. So 
besitze ich sie vom Südabhang des Jeschken gleich hinter Liebenau. — Böhmer- 
wald: Torfwiesen am St. Thomas. 

53. J. acuta var. Mülleri Lindbg. Auf Kalkfelsen, Sandstein und 
Detritus stellenweise und dann oft zahlreicher und häufig mit Perianthien. — 
Jeschkenabhang. — Turnau: Iserlehne. — Jungbunzlau gegen Neuberg. — 
Böhmerwald: Kuschwart. 

54. «7. hyalina Hook. Am Mileschauer an Waldwegen. — Pisek: Abhang 
bei den Klosterteichen nächst Smrkovitz. 



1 ) Sie bildet ein Analogon zu Fossombronia pusilla Nees im Vergleiche zu der F. Wondra- 
czeki Corda. 



Beiträge zur Literat Urgeschichte und Verbreitung der Lebermoose in Böhmen. 



33 



55. J. crenulata Sni. Bewohnt nicht nur kiesig thonige Waldblössen 
und Abhänge, sondern tritt häufig selbst an feuchten Plätzen in schattigen 
Wäldern, Gräben u. dergl. auf. — Prag: Bechovitz im Bahngraben. — Krälovitz 
an der Zelivka auf feuchten Felsen. — Blanik grün und bräunlich. — Böhmer- 
wald: Rosenberg, St. Thomas, Teufelsmauer. 

56. JT# Zeyheri N. v. E. Turnau: Am Iserabhang auf feuchten Kalk- 
felsen, ihnen theils fest angeheftet, theils in dichteren Ueberzügen, mit theils 
wagrechten, theils aufrecht abstehenden Blättern und vielen Perianthien. — 
Unterhalb Waldstein am Quadersandstein. 

57. J, lanceolata N. v. E. Am Blänskerberg in feuchten schattigen 
Lagen mit dem charakteristischen Fettglanz und den typisch niedergedrückt 
benabelten Perianthien. 

58. J, Schraderi Mart. Turnau bei Waldstein. 

59. J. Taylori Hook. Turnau auf feuchten Sandsteinen unterhalb 
Waldstein. 

Var. anomala (Hook.) wächst sehr zahlreich am Sphagnecoetum südlich 
von Kuschwart. 

60. J. minuta Crantz. Theils zerstreut unter Moosen, theils in eigenen 
Rasen. — Turnau bei Waldstein. (Auch unter den von Opiz im Isergebirge 
gesammelten Dicranen beobachtet.) 

61. J. exsecta Schmid. In der Kreideformation auf Sandstein sehr häufig, 
sonst nur stellenweise, auch im Urgebirge. — Prag: Särka, Sterngarten, Mednik 
bei Davle. — Turnau bei Waldstein, Grossskal, Rothstein. — Jeschken. — Böhmer- 
wald: Rosenberg. 

62. J. albicans L. Charakteristisch für den Quadersandstein und auf 
ihm oft ganze Wände überziehend. — Turnau. — Jeschken. 

63. Scapania curta N. v. E. An Hohlwegen, Waldgräben und zwischen 
Moosen zerstreut. Eine häufige Art. — Prag: Stern, Kuchelbad. — Jung- 
bunzlau. — Turnau. — Jeschken. — Pürglitz. — Pisek, überall in Nadel- 
wäldern. — Böhmerwald: Rosenberg, Teufelsmauer. 

Var. rosacea (spec. Corda). Kuchelbad. 

64. S. undtUata M. et N. Nur in Gebirgen an Flussufern, Wasser- 
steinen, feuchten Felsblöcken, in Gebirgsbächen. — Böhmerwald: St. Thomas, 
Teufelsmauer an Moldaublöcken, an Felsblöcken im Bache bei Kuschwart. 
Ueberall theils mit ganzrandigen, theils mit gezähnelten Blättern. 

65. S, nemorosa N. v. E. In der Hügel- und Bergregion auf sandigem 
Lehmboden, oder auf Felsen, selbst in Gebirgsbächen. — Jeschken im sandigen 
Beete einer Quelle. — Turnau bei Waldstein an Sandblöcken oder auf Lehm- 
grund. Iserlehne an einem Feldraine. — Pürglitz. — Rosenberg. 

66. JPlagiochila asplenioides N. et M. Ein gemeiner Begleiter 
anderer Moose, der theils in einer grossblättrigen und langstengeligen nieder- 
liegenden, theils in einer aufstrebenden, klein- und dichtblättrigen kürzeren Form 
überall auftritt. Bei der Quelle im Sterngarten bei Prag fand ich unter normal 
entwickelten auch Aeste desselben Rasens mit den verschiedensten Blättern, 

Z. B. Ges. B. XXIX. Abb.. 5 



34 Jos. Dedecek. Beiträge z. Literaturgesch. u. Verbreit, d. Lebermoose in Böhmen. 



so als ob an ihnen alle Blattformen der Jungermannien , von den ganz- 
randigen, ausgerandeten und zweizähnigen bis zu den mehrzähnigen und ge- 
lappten, concentrirt wären. 

Grossblättrige Formen sah ich bei Pisek, Vlasim am Blanik und bei 
Turnau. — Kleinblättrige sind gemeiner an Wiesen, Feldrainen und besonders 
in Nadelwäldern. 

67. Alicularia Scolaris Corda. Bevorzugt "Waldgräben, Hohlwege, 
Baumstrünke und schattige Felsen, besonders in der Hügel- und Bergregion. 
— Prag: nächst Bechovitz im oft wasserhaltigen Bahngraben torfiger Beschaffen- 
heit mit J. crenulata. — Berg Mednik bei Davle an Waldgräben und Felsen, 
theils angenehm gelbgrün, theils purpurbraun in einem Rasen. — Pisek. — 
Böhmerwald: St. Thomas, Rosenberg, Blänskerberg, Kuschwart. — Die charakte- 
ristischen Oeltropfen sind aus den Zellen der vor einem Jahre am Mednik 
gesammelten Exemplare noch nicht verschwunden. 

68. A, minor Limpricht. Nur bei Rosenberg an Wald-Hohlwegen mit 
anderen Jungermannien. 

69. Sarcoscyphus Funckii N. v. E. Scheint nach unseren Herbarien 
nur im Gebirge oder in der ihnen angrenzenden Hügelregion vorzukommen. 
Von anderen Standorten werden verschiedene Jungermannien, so J. divaricata, 
J. minuta u. a. für ihn ausgegeben. — Böhmerwald: An Torfwiesen und am 
Fahrwege von Frimberg gegen St. Thoma in stattlichen, an 7 Mm. hohen Rasen. 

70. S. Ehrharti Corda. Bewohnt nur Gebirgsgegenden, so im Böhmer- 
wald beim Kuschwartbache (1878), wo er niedrige Raschen in den Aushöhlungen 
des Granits stellenweise bildete. 

Die eben geschilderte Reihe eigenhändig gesammelter Lebermoose wäre ich 
nicht im Stande gewesen zuverlässig zu bestimmen ohne Mithilfe erforderlicher 
Literaturquellen, welche zu meiner Hand Herr Friedrich Tempsky, ohne nam- 
hafte Opfer zu scheuen, mit nachahmungswerther Opferwilligkeit bestellt, und 
die mir Herr Prof. Dr. Lad. Celakovsky bereitwilligst verschafft, — und auch 
nicht ohne Mithilfe nöthiger Specimina, die mir durch die Gefälligkeit jener 
beiden Herren Gönner zugänglich gemacht worden sind. Dafür soll den beiden 
Herren an dieser Stelle der herzlichste Dank gezollt werden. 



35 



3oleopterologische Ergebnisse einer Reise nach 
Croatien und Slavonien. 

Vou 

Edmund Reitter, 

inter Mitwirkung der Herren Dr. Eppelsheim und Dr. von Heyden. 

(Vorgelegt in der Versammlung am 5. März 1879.) 

Eine sechswöchentliche Sammeltour in dem croatischen Capellagehirge 
in der Tiefebene Slavoniens ergab einige interessante Arten, welche ich 
nachstehenden Artikel als einen Beitrag zur Coleopteren -Fauna dieser 
ier aufzähle. 

Am 6. Mai fuhr ich von Paskau ab und langte am 8. in Agram an, 
ilbst in die nächste Umgebung der erste Sammelausflug mit Schirm und 
unternommen wurde. Am 9. sammelte ich bereits in der Nähe von Karl- 
t, den nächsten Tag in Oszail und dessen Höhle. Am 10. fuhr ich von 
stadt über Ogulin nach Otozac, woselbst ich am 12. anlangte und von hier 
rere erfolgreiche Exemtionen, namentlich nach Svica und an die Svicaer 
l unternahm. Am 13. langten meine Reisegefährten, die Herren Baron 
von Hopffgarten (auf Mühlverstedt, bei Langensalza) und Hauptmann Dr. 
von Heyden (Frankfurt a. M.) hier an, in deren angenehmen Gesellschaft alle 
ferneren Ausflüge gemacht wurden. Der erste war in die Grotte von Perusic, 
die nächsten waren der Umgebung von Otozac gewidmet. Am 17. nahmen wir 
Standquartier an den Plitvicer Seen, und zwar in der grössten Sägemühle bei 
Ljeskovac. Wir sammelten und siebten fleissig in den Schluchten der nahe 
gelegenen, gut bewaldeten Berge (Kleine Capeila), während eine grosse Schaar 
bosnischer Flüchtlinge die Höhen nach Caraben durchsuchte. Nach zehntägigem 
Aufenthalte fuhren wir über Otozac nach Zengg und von da über Fiume und 
Ogulin zurück in die Passhöhe der Hohen Capeila bei Modrus, wo wir bei dem 
daselbst wohnenden Wegmeister Standquartier nahmen. Die eigenthümlichen 
Kessel oder muldenartigen Trichter der Kalkberge blieben fast das einzige 
Terrain unserer Nachforschungen, die durch das Sieb reichlich belohnt wurden. 
Am 5. Juni fuhren wir von hier nach Agram und nach zweitägigem Aufent- 
halte über Szissek per Dampfer auf der Save nach Xupanje in Slavonien. 

5* 



36 



Edmund Reitter. 



Sowohl hier, als auch später bei Vinkovce sammelten wir in den grossen, über- 
ständigen Eichenwäldern; wegen der anhaltenden Dürre jedoch mit geringerem 
Erfolge als in Croatien. Am 16. Juni schlössen wir unsere Excursionen, indem 
wir über Esseg — ich heimwärts, meine beiden Eeisegefährten zu einigen 
Schlussausflügen in den Bakony nach Ungarn fuhren. 

Schliesslich bleibt mir noch die angenehme Pflicht übrig, dem Herrn 
Landes- Commandirenden von Croatien, Seiner Excellenz Freiherrn von Philippo- 
vich, dann dem Herrn Universitäts-Professor Spiridion Brusina, ferner Herrn 
Protomedicus Dr. von Schlosser in Agram, und Herrn Apotheker Thomay 
in Otozac für die nothwendigen Instructionen und deren uns bereitwilligst 
geleistete Mithilfe zur Förderung unserer Reise, herzlichst zu danken. 

In der nachfolgenden Aufzählung, sind mit Ausnahme der Pselaphidae 
und Scyämaenidae, die vollständig aufgeführt sind und den überwiegenden 
Theil unserer nova spec. ausweisen, nur die besseren und interessanten Arten 
unserer Ausbeute namhaft gemacht, da mir eine Aufzählung der allbekannten 
und weit verbreiteten Arten nach dem Erscheinen eines Handbuches der croati- 
schen Coleopteren (von Dr. von Schlosser) überflüssig erscheint. 
Cyehrus attenuatus Fbr. var. Camiolicus Mötsch. Einige Stücke von der 

kleinen und grossen Capella. 
Procrustes coriaceus Linn. Eine ganz matte, mässig stark sculptirte, grosse 

Varietät fingen wir bei Otozac und am Wege nach Ljeskovac. Nach von 

Heyden ist es die echte var. cordicollis Mötsch. 
Caräbus Creutzeri Fabr. Wenige Stücke unter Rinden alter Baumstämme auf 

der hohen Capella. 

— obliquus Thoms. Wie der vorige ; etwas zahlreicher. Auch in den Bergen 
bei Ljeskovac (kleine Capella.) 

— catenatus Panz. Auf der ganzen Capella, aber nirgends häufig. 

— Parreyssii Dej. 1 ) Nur zwei Stücke bei Ljeskovac. 

— Illigeri Dej. Nur ein Stück von der hohen Capella. 

— convexus, var. dilatatus Dej. Im Gebirge und in der Ebene bei Gr. Gorica 
einzeln. 

Nebria Dalüii Duftsch. Unter feuchtem Laube auf der ganzen Capella, aber 
nirgends häufig. 

Dyschirius rotundipennis Chaud. Unter Buchenlaub, in den Schluchten des 
Capellagebirges ziemlich zahlreich. 

— globosus Hrbst. var. ruficollis Kolenati. Ich kann Stücke dieser schönen 
Varietät, welche wir in Gr. Gorica unter Laub fanden, von solchen aus 
dem Caucasus nicht unterscheiden. 



*) Car. obsoletus Strm. fehlt in Croatien; eine bernerlcenswerthe Varietät dieses Käfers 
versendete ich als aureo-cupreus m. Sie wurde vom Apotheker Adolf Schwah auf den Bergen 
hei Trentschin in Ungarn gesammelt, ist kräftig sculptirt, constant den grössten Stücken der 
Stammform gleich, mit gerundeteren, breiteren Flügeldecken und einer lebhaft gold-kupferigen 
Färbung. 



Coleopterologische Ergebnisse einer Reise nach Croatien und Slavonien. 



87 



Pristonychus exaratus Hampe. Unter grossen Felsblöcken am Eingange der 
Grotte von Perusic. Der Käfer sieht einem Antisphodrus sehr ähnlich 
und ist selten. 

Platynus scrdbiculatus Fbr. Auffallend kleine und zarte Stücke sammelten wir 
in den Schluchten bei Ljeskovac. 

— piceus Lin. An feuchten Waldstellen bei Xupanje unter Holzspänen. 
Pterostichus Plitvicensis Heyden n. sp. 

Piceo-niger, antennis brunneis, antennarum articulo basali pedi- 
busque rufis, molopiformis , convexus; prothorace regulariter 
forte rotundatus, angulis posticis obtusis, apice ipso acutissime 
dentiformi, medio linea impressa, in foveolam antescutellarem fluente, 
ante angulos posticos foveolato et fortiter bisiriato. Elytris latitudine 
minus duplo longioribus, basi intra humer os sinuato, humeris acutis 
sed non dentiformibus , lateribus rotund atis , postice perparum 
simul sumtis attenuatis (non parallelis), apice fortiter una rotundatis; 
striis levissimis impunctatis , extus posticeque profundioribus, 
interstitiis planis, impunctatis. Femoribus crassis, tibiis latis 
brevibus. Abdominis segmento ultimo in integro, levissimo, puncto 
uno minuto setiger o in utroque latere ad marginem posticam remoto. 

Long. 13—15 Mm. 

Pterostichis atramentario Koshr. et Martinezi Vuillfr. (Hispaniae) 
affinis, sed corpore convexo, thorace lateribus rotundato, sed non cordi- 
formi, elytris convexis, levissime striatis ab omnibus hujus gener is differt. 

Beperi tres mar es prope Ljescovac ad lacus Plitvica Croatiae, ad 
fines Bosniae; Dom. de Hopff garten et Beitter reperunt nonnulla alia 
exemplaria. 

Durch die molopsähnliche Gestalt, die starke Convexität der sehr seicht 
und nur nach aussen hin etwas stärker gestreiften Flügeldecken, das an den 
Seiten sehr stark gleichmässig gerundete Halsschild mit scharfzahnig vor- 
springenden Hinterecken, die kurzen kräftigen Beine mit keiner Art zu ver- 
wechseln. Die Prosternalspitze ist der Länge nach gefurcht. 

In der Gestalt noch am meisten Aehnlichkeit mit der spanischen Gruppe 
(zu Tapinopterus gestellt) atramentaria Rosenh. und Martinezi Vuillfr. 

Der einzige Streif ausserhalb der punktirten Randlinie der Flügeldecken, 
das nicht gerandete Prosternum, die so breiten wie langen Episternen der Hinter- 
brust und die cylindrischen, abgestumpften Taster charakterisiren die Art als 
zu den echten Pterostichus gehörend, wohin sie auch Dr. Kr a atz, der sie 
ebenfalls für neu erkannte, stellte. von Heyden. 

Pterostichus Welensii Drap. Nur wenige Exemplare bei Ljeskovac. 
Haptoderus brevis Duft. Ueberall im gebirgigen Theile Croatiens unter Laub. 
Molops striolata Fbr. Auf der ganzen Capella nicht selten. 

— Croatica Kraatz. In den Bergthälern auf Weiden, Rainen und Feldern 
unter Steinen oder Rasenstücken, z. B. auf dem Wege von Otozac nach 
Ljeskovac ziemlich zahlreich. Diese Art fehlt auf den Gebirgen. 



38 



Edmnnd Reitter. 



Molops latiusculus Kraatz. n. sp. Deutsch, ent. Zeitschr. 1879. p. 154. 

„Niger, leviter convexus, labro clypeoque leviter emarginatis, thorace 
lateribus rotundato, basin versus coarctato, angulis posticis rectis, basi 
utrinque linea profunda foveaque lineari profunda impressa, elytris sub- 
tilissime striatis, interstitiis 8° pone medium carinato, punctis lateralibus 
numerosis." Long. 12 — 15 Mm. 

Zwei 9 wurden bei Svica von Herrn Dr. von Heyden gesammelt. 

— elatus, var. Cotelli Chaud. Bei Ljeskovac, selten. 

— ovipennis Chaud. und longipennis Dej. In den Wäldern der ganzen 
Capella ziemlich häufig. ' 

Trechus croaticus Dej. Im ganzen gebirgigen Theile Croatiens unter Laub 
häufig; T. palpalis Dej. fanden wir hingegen nur bei Ljeskovac. Die 
letztere Art scheint auf dem Karstkalke zu fehlen. 

Anophthalmus Kiesenwetteri Schm. In der Grotte bei Perusic, aber höchst 
selten. An zwanzig suchenden Personen gelang es bloss zwei Stücke zu 
erbeuten. Von dieser Art ist A. Oszailensis Bedel, aus der Oszailer Grotte, 
nur Varietät. 

Hydroporus planus Fbr. Siebten wir merkwürdiger Weise aus Laub der kessel- 
artigen Vertiefungen der hohen Capella. Quellen oder Wässer sind da 
nirgends vorhanden. 

Bolitochara lucida Grav. Im Gebirge unter Laub und an Pilzen nicht selten. 

Leptusa (Sipalia) piceata Key. Unter Buchenlaub der kleinen und grossen 
Capella, aber sehr selten. 

Leptusa Reitteri Eppelsh. n. sp. 

Elongata, nitidula, minus subtiliter griseo-pubescens, ferrugineo- 
brunnea, abdominis angulo nigro, ore, antennis, pedibus anoque rufo- 
testaceis; capite minus crebre sat fortiter, thorace transversim subqua- 
drato postice angustato supra aequali, angulis posticis obtusis, obsolete, 
elytris thorace tertia parte brevioribus crebre minus fortiter, abdomine 
segmentis anterioribus parcius subtilius punctatis, posterioribus fere 
laevigatis. Long. 1 lin. 

Zur nächsten Verwandtschaft der Lept. alpicola und eximia gehörend, 
namentlich der ersteren sehr nahe stehend, von gleicher Färbung, aber etwas 
grösser und glänzender und besonders durch weniger dicht punktirten Kopf und 
unbestimmt punktirtes, ungerinntes, hinten stumpfwinkeliges Halsschild ab- 
weichend. 

Gestreckt, ziemlich gleichbreit, mässig glänzend, dunkel rostbraun, kräftig 
graugelb behaart, der Kopf öfters pechbraun, ein breiter Hinterleibsgürtel, 
welcher die hintere Hälfte des vierten, das ganze fünfte und die Basalhälfte 
des sechsten Segments einnimmt, glänzend schwarz, Mund, Fühler, Beine und 
Hinterleibsspitze lebhaft rothgelb. Die Fühler sind so lang als Kopf und Hals- 
schild, einfarbig rothgelb, kräftig, Glied 3 etwas kürzer und schlanker als 2, 4 
so lang als breit, 5 etwas kürzer, beide knopfförmig, 6—10 allmälig stark ver- 
dickt, letzteres doppelt so breit als lang, das Endglied etwas länger als die 



Coleopterologische Ergebnisse einer Reise nach Croatien und Slavonien. 



39 



beiden vorhergehenden zusammen, eiförmig, stumpf zugespitzt. Der Kopf ist 
rundlich, etwas schmäler als das Halsschild, massig dicht und ziemlich stark, 
gröber und weniger dicht als die Flügeldecken punktirt. Das Halsschild ist 
etwa um ein Drittel breiter als lang, nach rückwärts verengt, vor der Mitte 
an den Seiten wenig gerundet erweitert, vor den stumpfen Hinterwinkeln kaum 
ausgerandet, oben mässig gewölbt, wenig dicht und seicht und unbestimmt 
punktirt, ohne Eindrücke, die Flügeldecken sind etwas kürzer als das Hals- 
schild, kaum breiter als der Hinterrand desselben, ziemlich gleichbreit, an 
der Naht gemeinschaftlich schwach ausgerandet, dicht und ziemlich kräftig 
punktirt. Der Hinterleib ist nach der Basis zu etwas verengt, am Grunde der 
fünf ersten Segmente tief quer eingedrückt, auf den vorderen Ringen ziemlich 
sparsam aber deutlich punktirt, hinten fast ganz glatt. 

Während bei Lept. älpicola und eximia der ganze Vorderkörper gleich- 
mässig dicht und stark punktirt ist, zeigt die neue Art im Gegensatz zu dem 
sparsamer aber kräftiger punktirten Kopf und den dichter, aber weniger stark 
als der Kopf punktirten Flügeldecken auf dem Halsschilde nur eine seichte ver- 
loschene Punktirung. Von Lept. eximia weicht sie ausserdem noch durch 
geringere Grösse und die Form des Halsschildes ab, welches vor den stumpfen 
Hinterwinkeln nicht ausgebuchtet ist und keine Basalgrübchen hat. 

Im ganzen Capella-Gebirge verbreitet. Dr. Eppelsheim. 

Euryusa brachelytra Kiesw. et Homoeusa acuminata Märkl. Unter Laub bei 

Ameisen bei Ljeskovac und auf der hohen Capeila. 
— castanoptera Kraatz. Unter Buchenrinden bei Ameisen, selten. Ljeskovac. 
Homalota (Alaobia) Heydeni Eppelsh. n. sp, 1 ) 

Convexiuscula, distincte pubescens, nigra nitidula, antennarum basi, 

thorace, humeris, abdominis apice pedibusque rufo-testaceis , elytris 

piceis; antennis validiusculis articulo ultimo breviter ovato; thorace 

transverso apicem versus parum angustato basi subtiliter foveolato; 

abdomine dense subtiliter, posterius paullo parcius punctato. Long. 
Un. 

Ganz von der Gestalt der Horn, scapularis und derselben am nächsten 
stehend, etwas kleiner und weniger gewölbt, anders gefärbt, durch die Fühler- 
bildung, die viel dichtere und feinere Punktirung des Hinterleibes und den 
Mangel einer deutlichen Geschlechtsauszeichnung des namentlich abweichend. 
Der Käfer ist mässig gewölbt, überall deutlich, nicht gerade fein, ziemlich 
dicht, anliegend graugelb behaart, schwarz, die Fühlerbasis, ein meist deutlicher 
Schulterfleck auf den Flügeldecken, die Beine und die Hinterleibsspitze hell 
rothgelb, das Halsschild roth, die Flügeldecken pechschwarz oder pechbraun, 
die Fühler sind kräftig, länger als Kopf und Halsschild, nach der Spitze zu 
etwas verdickt, braun, die zwei ersten Glieder rothgelb, Glied 3 etwas kürzer 
als 2, 4 schon quer, 5—10 allmälig nur sehr wenig breiter werdend, jedes fast 



1 ) Nach einer brieflichen Mittheilung des Herrn Fauvel in Caen, gehört diese schöne 
Art zu Ocyusa. 



40 



Edmund Reitter. 



doppelt so breit als lang, das Endglied kürzer als 9 und 10 zusammen, kurz 
eiförmig schwach zugespitzt. Der Kopf ist rundlich, deutlich schmäler als das 
Halsschild, an den Seiten seicht und ziemlich sparsam, aber nicht fein punktirt, 
in der Mitte fast ganz glatt, ein Stirngrübchen meist nur schwach angedeutet. 
Das Halsschild ist quer, fast doppelt so breit als lang, nach vorn entschieden 
verschmälert, alle Ecken abgerundet, oben mässig gewölbt, ziemlich dicht seicht 
und unbestimmt punktirt, in der Mitte der Basis zuweilen mit einem oft ganz 
undeutlichen Längsgrübchen versehen. Die Flügeldecken sind entschieden 
breiter und etwa ein Drittel langer als das Halsschild, dicht und ziemlich 
kräftig deutlich querrunzelig punktirt. Der Hinterleib ist gleichbreit, an der 
Basis zuweilen bräunlich, auf den vier ersten Segmenten dicht und fein, auf 
dem fünften und sechsten nur wenig weitläufiger punktirt. 

Geschlechtsunterschiede sind nicht deutlich erkennbar. Bei manchen 
Stücken ist das Grübchen auf der Stirn und an der Basis des Halsschildes 
deutlicher als bei andern. 

Von Reitter und Dr. von Heyden auf der hohen Capella in Croatien 
gefunden. Dr. Eppelsheim. 

Habrocerus capillaricornis Grav. Unter Buchenlaub bei Svica und Ljeskovac 

nicht selten. 

Coproporus Colchicus Kraatz. Ein Exemplar dieses interessanten Käfers fand 

ich in einer Schlucht bei Ljeskovac. 
Bolitöbius speciosus Er. Nur ein Exemplar bei Svica an einem mit Pilzen 

besetzten Buchenstamme gefunden. 
Quedius Pyrenaeus Bris. Auf der hohen Capella unter Buchenlaub, ziemlich 

selten. Das Vorkommen dieser Art in Croatien ist sehr interessant. 
— brevipennis Fairm. Mit der vorigen Art; etwas zahlreicher gefunden. 
Domene scabricollis Er. Im gebirgigen Theile Croatiens unter feuchtem Laub 

überall häufig. 

Domene aciculata Hopffgarten n. sp. Entom. Nachrichten IV. (Putbus) 
Heft 20, p. 269. 

„Hufo-picea, abdomine nigro, segmentis quinto, sexto apice, ultimo 
toto rufis, capite rotundato subconvexo, fortiter confertissime antice 
laeviore, punctato; thorace capite angustiore ab angulis anticis postice 
subangustatis, medio Tinea impunctata, in lineis longitudinalibus acicu- 
latis punctis parvis oblongis; elytris laevigatis fortiter rugoso-punctatis. 
Long. 6 Mm. 

Wir fanden mehrere Stücke bei Ljeskovac, an den Plitvicer Seen. 
Stenns Hopffgarteni Eppelsh. n. sp. 

Elongatus, parce pubescens, vix aeneo-niger, antennis palpis pedi- 
busque testaceis, Ulis apice genubusque indistincte obscurioribus ; capite 
coleopteris latiore fronte profunde bisulcata, thorace obovato medio 
tenuiter canaliculato, elytrisque hoc paullo brevioribus, crebre fortiter 
profunde rugoso-punctatis; abdomine late marginato crebrius subtilius 
punctato tarsis articulo 4° profunde bilobo. Long. 1% Tin. 



Coleopterologische Ergebnisse einer Reise nach Croatien und Slavonien. 41 



Mas: Abdominis segmcnto inferiore penultimo apice subtriangulariter 
emarginato. 

Eine ausgezeichnete neue schwer vergleichbare Art, dem St. Lederi mihi 
aus dem Caucasus verhältnissmässig noch am nächsten stehend, aber länger 
und schmäler, in der Mitte weniger eingeschnürt, nach hinten nicht ver- 
engt, der Vorderkörper viel gröber und stärker punktirt, der Hinterleib breiter 
gerandet, feiner und mehr gleichmässig punktirt und sonst noch hinlänglich 
verschieden. 

Der Käfer ist schlank, sparsam kurz grau behaart, glänzend schwarz, 
unter gewissem Lichte betrachtet mit metallischem Anstrich, die Fühler, Taster 
und Beine gelb, die Fühlerkeule und die Knie unbestimmt dunkler. Der Kopf 
ist entschieden breiter als das Halsschild, grob und tief punktirt, die Stirn 
wenig eingedrückt, aber beiderseits tief und breit gefurcht, der Zwischenraum 
leicht dachförmig erhaben, nicht ganz so hoch wie die Seitenränder der Stirn. 
Das Halsschild ist fast nur halb so breit als der Kopf, etwas länger als breit, 
im oberen Drittheil am breitesten, vorn an den Seiten gerundet, nach hinten 
verengt mit fast rechtwinkligen Hinterecken, oben gewölbt, in der Mitte von 
einer schwachen wenig tiefen Längsfurche durchzogen. Die Flügeldecken sind 
etwa ein Drittel kürzer als das Halsschild, vorn von der Breite des Hinter- 
randes desselben, nach rückwärts etwas erweitert, hinten gemeinschaftlich 
schwach ausgerandet, leicht gewölbt, längs der Naht ein wenig eingedrückt, wie 
das Halsschild dicht, grob und tief punktirt, mit schmalen, glänzenden, runz- 
ligen Zwischenräumen. Der Hinterleib ist so breit als der Halsschildhinter- 
rand, ziemlich gleichbreit, an den Seiten breit gerandet, auf den fünf ersten 
Segmenten in der Mitte der Basis quer eingedrückt, oben wenig dicht mässig 
fein ziemlich gleichmässig, auf den hinteren Segmenten kaum um ein Weniges 
feiner punktirt als vorn. Die Tarsen sind schlank, das erste Glied etwas kürzer 
als die übrigen zusammen, das vierte bis zum Grunde gespalten, in zwei lange 
schmale Zipfel getheilt. 

Beim cT ist das vorletzte untere Hinterleibssegment in der Mitte des 
Hinterrandes schwach dreieckig ausgerandet. 

Von den drei Reisenden auf der kleinen Capella aufgefunden. 
Hat hinter St. JErichsoni Stellung zu nehmen. Dr. Eppelsheim. 

Compsochilus Heydeni Kraatz n. sp. Eine mit C. cephalotes Er. ver- 
wandte Art, welche ich an meine Correspondenten unter den letzteren 
Namen mittheilte und die Herr Dr. Kraatz in der deutschen ent. Zeitschr. 
beschrieben hat. Wir fingen sie in den Wäldern bei Xupanje in Slavo- 
nien, an sumpfigen Stellen, tief im Schlamme. 
Coryphium sp. Eine wahrscheinlich neue Art dieser Gattung fing ich in 
einem Stücke in einer Schlucht bei Ljeskovac, welches ich zwar heim- 
brachte und präparirte, mir aber später auf eine unerklärliche Weise ver- 
loren ging. 

Anthöbium pilligerum Kiesw. Auf Blüthen im Capeilagebirge, zahlreich. 

Z. B. Ges. B. XXIX. Abb.. 6 



42 



Edmund Reitter. 



Siagonium quadrieorne Kirby. Unter Buchenrinden in den Schluchten bei 
Ljeskovac, selten. 

Micropeplus fulvus Er. und latus Hampe. Unter Eichenlaub in den Wäldern 

bei Xupanje je ein Stück erbeutet. 
Ctenistes pdlpalis Keichenb. Nur ein Stück bei Ljeskovac gefunden. 
Batrisus formicarius Aub. Bei Ameisen unter Laub, Ljeskovac. Sonst unter 

Ameisen an anbrüchigen Eichenstämmen. 

— Delaportei Aub. und venustus Reich. Bei Ameisen in anbrüchigen Eichen- 
stämmen und liegenden Buchenklötzen überall wo wir sammelten. Der 
erstere aber viel seltener. 

— adnexus Hampe. Mit den beiden vorigen; selten. 

Trichonyx sulcicollis Eeichenb. Am Fusse eines Eichenstammes unter Ameisen 
bei Gr. Goriza, sechs Stücke. 

Tyrus mucronatus Panz. Unter Eichenrinden im Mulme gesellschaftlich, im Ge- 
birge und in der Ebene. 

Psdaphus Heisei Hrbst. Ein Stück unter Laub bei Gr. Goriza. 

— longicornis Saulcy. In der Ebene bei Karlstadt gekö schert. 
Tychus niger Payk. Im Gebirge und in der Ebene einzeln. 

— v. dichrous Schmdt. Einige Exemplare bei Karlstadt geköschert. 
Bryaxis haematica Reichenb. Ein Stück unter Laub bei Gr. Goriza. 

— fossulata var. rufescens Saulcy. Einige Stücke von v. Heyden bei Ljes- 
kovac gesammelt. 

— antennata Aub. und sanguinea Lin. Unter dem Angeschwemmten der 
Seen bei Svica. 

Bythinus Heydeni Rttr. 11. sp. 

Bufus, elytris parce obsolete punctatis, thorace capite sesqui latiore, 
laevi, antennarum articulo primo dblongo, parum incrassato, in femina 
cylindrico, in mare multo crassiore, intus medio obtuse angulato, seeundo 
minus incrassato, in utroque sexu subglöboso. Long. 2 — 2'2 Mm. 

Mas. Femoribus omnibus incrassatis ; tibiis anticis intus acute 
dentatis. 

Von der Grösse des B. Beitteri Saulcy; grösser als JErichsoni, mit dem 
diese Art gemeinschaftlich gefunden wurde ; unterscheidet sich von dem letzteren 
ausserdem durch stärkeren Glanz, und durch die Form der Fühler. Bei Erich- 
soni ist das zweite Fühlerglied in beiden Geschlechtern länger als breit, bei 
Heydeni jedoch rundlich. 

Rostroth, stark glänzend, sehr spärlich und kurz behaart. Kopf in beiden 
Geschlechtern schmäler als das Halsschild. Fühler den Hinterrand des Hals- 
schildes etwas überragend, das erste Glied verdickt, doppelt so lang als breit, 
beim $ cylindrisch, beim etwas stärker verdickt, in der Mitte innen in 
einen stumpfen Zahn erweitert. Dieser Zahn ist viel stumpfer als bei den ver- 
wandten Arten. Das zweite Glied ist in beiden Geschlechtern rundlich, etwas 
schmäler als das erste und einfach. Halsschild glatt und glänzend, breiter als 
lang, nach abwärts kräftig verengt, der bogenförmige Eindruck an der Basis 



Coleopterologiache Ergebnisse einer Reise nach Croatien und Slavonien. 



43 



seicht. Flügeldecken spärlich und verloschen, selten etwas deutlicher punktirt. 
Das cT hat die Schenkel verdickt und an den Vorderschienen befindet sich 
innen unter der Mitte ein scharfes Zähnchen. 

In dem gebirgigen Theile Croatiens unter Buchenlaub selten, jedoch 
häufiger als Erichsoni. Wir fanden diese Art vorzugsweise auf der grossen 
Capella, der kleinen Capella bei Ljeskovac und in den Bergen bei Svica. 

Meinem liebenswürdigen Freunde und Reisecollegen Herrn Dr. L. von 
Heyden gewidmet. E. Reitter. 

Bythinus Ericlisoni Kiesw. Mit dem vorigen, aber viel seltener. 

— puncticollis Denny. Gr. Goriza und Ljeskovac, selten. 

— nigripennis Aub. Auf dem Capeilagebirge unter Buchenlaub, ziemlich 
häufig. 

— validus Aub. Einige Exemplare bei Svica gefunden. Hieher gehört 
B. curvipes Hampe als Synonym. 

— Stussineri Saulcy. Diese mit nigripennis verwandte Art, deren Schenkel 
beim verdickt sind und anders gebildete, einfachere Fühler besitzt, 
sammelten wir überall am Capellagebirge. 

— subvalidus Saulcy. Mit dem vorigen; ebenfalls ziemlich verbreitet. 
Bythinus Brusinae Rttr. n. sp. 

Rufus, nitidulus, elytris nonunquam piceis, profunde punctulatis, 
thorace punctato, capite fere sesqui-latiore , antennis in utroque sexu 
subaequalibus, antennarum articulo primo incrassato, latitudine sesqui- 
longiore, in mare parum multo crassiore , secundo globoso. Long. 
1—12 Mm. 

Mas. Femoribus simplicibus, tibiis anticis vix dentatis. 

Eine kleine Art, welche zunächst mit subvalidus Saulcy und nigripennis 
verwandt ist. Von der letzteren unterscheidet sie sich durch die in beiden 
Geschlechtern gleich gebildeten Fühlern und gewöhnlich hellere, einfach rost- 
rothe Färbung; von dem ersteren durch kleinere, schmächtigere Körperform 
und die einfachen Vorderschienen des 

Hell bräunlich roth, ziemlich gestreckt. Kopf schmäler als das Halsschild, 
kurz dreieckig, runzelig punktirt, die gewöhnlichen Eindrücke flach. Fühler in 
beiden Geschlechtern ähnlich gebildet; das erste Glied verdickt, anderthalb 
Mal so lang als breit, undeutlich birnförmig, das zweite fast von der Breite 
des vorigen, kugelig. Beim ist das erste Glied etwas stärker erweitert. 
Halsschild massig dicht punktirt, wenig breiter als lang. Flügeldecken dicht 
und tief punktirt, manchmal angedunkelt. Schenkel und Schienen beim cT 
einfach. 

Unter Buchenlaub auf dem Capellagebirge, und zwar bei Ljeskovac und 
Svica etc., nicht häufig. 

Diese Art widme ich dem Professor und Director des Agramer zoolo- 
gischen Museums, Herrn Spiridion Brusina, zum Zeichen meines Dankes 
für seine so thätige Unterstützung und die mir in so liebenswürdiger Weise 
gelieferten Instructionen für meine entomologische Reise. E. Reitter. 

6* 



44 



Edmund Eeitter. 



Bythinus longulus Kiesw. Diese schöne, ausgezeichnete Art fanden wir vor- 
zugsweise auf der hohen Capella, ziemlich hoch oben unter Buchenlaub, 
einzeln auch auf dem kleinen Capellagebirge bei Ljeskovac. 

— muscorum Kiesw. Ich halte zwei auf dem Capellagebirge unter Laub 
gesammelte männliche Exemplare für diese Art. Das reizende Thierchen 
hat am Scheitel einen feinen Längskiel, und das zweite Fühlerglied ist 
deutlich länger als breit, innen messerförmig, beide innere Winkel sind 
spitzig ausgezogen. Nach Herrn von Kiesenwetter soll diese Art am 
Scheitel einen Längseindruck besitzen und das zweite Fühlerglied ziem- 
lich gleichbreit, der obere innere Winkel spitzig und der untere recht- 
eckig sein. 

— acutangulus Rttr. Deutsche ent. Zeitschr. 1878. p. 42 aus Nord-Ungarn 
beschrieben, sammelten wir in kleiner Anzahl unter Buchenlaub in den 
Schluchten bei Ljeskovac. 

— bulbifer Eeichenb. Unter Eichenlaub in der Ebene von Gr. Goriza und 
in Slavonien bei Xupanje. 

Scotoplectus nov. gen. 

Körperform eines schmalen, gleichbreiten Euplectus. Kopf gross, von der 
Breite des Abdomens, mehr oder minder quadratisch, mit abgerundeten Ecken, 
oben flach mit zwei parallelen Furchen. Fühler dünn, auffällig zarter als 
bei JEuplectus, aber ganz ähnlich gebaut ; die vorletzten Glieder quer, das letzte 
grösser, eiförmig. Dieselben sind am Vorderrande, an den Seiten eingefügt. 
Augen fehlen. Kiefertaster wie bei JEuplectus, nur etwas schlanker. Von der 
Fühlereinlenkungsstelle bis gegen die Mitte des Kopfes befinden sich am Seiten- 
rande deutliche Fühlerfurchen, welche bei Euplectus kürzer, undeutlich und 
mehr schräg nach abwärts gerichtet sind. Halsschild fast herzförmig, so lang 
als breit, vor der Basis mit drei Grübchen, welche durch eine Bogenlinie mit- 
sammen verbunden sind. Flügeldecken sehr kurz, verwachsen, gegen die Spitze 
verbreitert, ohne vortretende Schulterwinkeln wie bei Euplectus, weil dieselben 
verrundet sind. Flügel fehlen. Abdominalringe gleichlang, bis zum fünften all- 
mälig breiter werdend. Alle Hüften ziemlich an einander stehend. Die Man- 
dibeln ähnlich wie bei Euplectus, aber länger. 

Diese neue Gattung entfernt sich hauptsächlich von Euplectus durch 
den Mangel der Augen und Flügeln, dünne Fühler, deutliche Fühlerfurchen an 
den Seiten des Kopfes und die kurzen, verwachsenen Flügeldecken. 

Im lebenden Zustande sind die Bewegungen von Scotoplectus ganz von 
JEuplectus verschieden. Während die Euplecten in kräftigem und gleichmässigem 
Tempo fortschreiten, kriecht Scotoplectus auf unbeholfene Weise ausserordentlich 
langsam vorwärts. 

Scotoplectus Capellae Rttr. n. sp. 

Elongatus, fere parallelus, depressus testaceus, nitidus, capite magno, 
laevi, fronte longitudinaliter bisulcata, thorace capite paululum angustiore, 



Coleopterologische Ergebnisse einer Reise nach Croatien und Slavonien. 



45 



subcordato, sulculo in medio obsolete instructo; elytra valde abbreviata, 

longitudine fere latiore, obsolete parceque punctulata, utrinque ante 

apicem subfoveolata, humeris angustis rotundatis, abdomine segmentis 

dorsalibus sensim latioribus. Long. l'5—2 Mm. 

Mas. Abdominis segmento ultimo ventrdli foveolato. 

Noch schmäler und paralleler als Euplectus Erichsoni, rothgelb, glänzend 
kaum sichtbar punktirt. Kopf gross, ähnlich wie bei der genannten Euplectus- 
Art, oben mit ganz ähnlichen aber tieferen Furchen ; die Ecken des Kopfes mehr 
abgerundet. Fühler zart, die beiden ersten Glieder leicht verdickt, das erste 
doppelt so lang als breit, das zweite nur anderthalb Mal so lang als dick, die 
nächsten sechs kugelig, rund, das neunte und zehnte quer, allmälig breiter 
werdend, das letzte lang eiförmig, nur von der Breite des zehnten. Am Scheitel 
bemerkt man manchmal ein sehr kleines Grübchen. Halsschild etwas schmäler als 
der Kopf, herzförmig, unpunktirt, die Basalgrübchen tief, die Bogenlinie undeutlich 
und die Scheibe gewöhnlich mit einem kurzen obsoleten Längsgrübchen. Flügel- 
decken verwachsen, an der Basis nur so breit als das Halsschild am Grunde, 
dann stark verbreitert, mit der grössten Breite in ihrer untersten Partie. Sie 
sind zusammen fast etwas breiter als lang; mithin auffällig stark verkürzt. 
Oberseite derselben sehr vereinzelt und erloschen punktirt, mit einem obsoleten, 
sehr feinen Nahtstreif und zwei Längsfurchen-Eudimenten an der Basis; vor 
der Spitze befindet sich auf jeder Flügeldecke in der Mitte ein mehr oder 
minder tiefes längliches Grübchen, wodurch die Flügeldecken eine ganz 
abweichende und merkwürdige Sculptur erhalten. Die Abdominalringe an der 
Basis ein wenig schmäler als der Apex der Flügeldecken, dann allmälig bis 
zum vorletzten Einge breiter werdend. Dieselben sind scharf und gleichmässig 
breit gerandet. Beine stets etwas heller gefärbt. Das Männchen ist etwas 
kleiner, gedrungener, mit grösserem Kopfe und der letzte Bauchring hat in der 
Mitte eine tiefe Grube. 

Das Thierchen lebt in Gesellschaft von Adelops etc. in den Schluchten 
des grossen Capellagebirges unter hohen feuchten Laub lagen, gewöhnlich 
zwischen Kalksteinblöcken. Wir fanden es sehr vereinzelt; es scheint demnach 
sehr selten zu sein. 

Eine zweite Art dieser Gattung fand Herr Stussiner in Krain, die 
Herr de Saulcy als Sc. Stussineri beschreiben wird. E. Eeitter. 
Euplectus Erichsoni Aub. Nur zwei Stücke unter Laub bei Ljeskovac. 

— Tischeri Aub. Kleine und grosse Capella, ziemlich selten. 

— Duponti Aub. Wie der vorige, aber äusserst selten. 

— Kunzei Aub. Ljeskovac, in ziemlich ansehnlicher Anzahl gesiebt. 

— Karsteni Eeichenb. In der Ebene unter anbrüchigen Eichenrinden, hie 
und da recht häufig. 

— punctatus Muls. Kleine und grosse Capella unter loser trockener Einde 
gefällter Buchenstämme. 

— nubigena Ettr. Nur ein Stück von Ljeskovac. 



46 



Edmund Reitter. 



Euplectus nanus Reichenb. Unter Eichenlaub in der Ebene, z. B. Gr. Goriza 
und Xupanje, ziemlich häufig. 

— ambiguus Reichb. Wie der vorige. 

— Lethierryi Saulcy i. litt. Unter Eichenrinden bei Gr. Goriza einige Stücke. 

— bicölor Denny. In ganz Croatien und Slavonien einzeln unter Laub. 
Trimium longipenne Rttr. n. sp. 

Ruf um, nitidum, fronte inter antennas abrupte elevata, striolis 
dbdomindlibus sat aproximatis, brevibus, elytra latitudine in femina 
parum, in mare magis longiore. Long. 1 Mm. 

Von der Grösse des T. brevicorne, aber stets deutlich schmäler, in beiden 
Geschlechtern einfarbig rothgelb; zunächst mit T. Carpathicum verwandt, 
unterscheidet sich von beiden durch die Dimensionen der Flügel. Diese sind 
beim Q etwas, beim V/3 Mal länger als zusammen breit. Bei den ver- 
glichenen Arten sind dieselben beim 9 kaum so lang, beim cT nur wenig 
länger als zusammen breit. 

Die Dorsalstreifchen auf dem ersten oberen Hinterleibssegmente sind 
etwas länger und deutlicher als bei Carpathicum, aber fast eben so nahe 
aneinander gerückt. Die Stirn hat am Scheitel ein deutlicheres Längsgrübchen, 
der Vorderrand ist ebenso stark emporgehoben wie bei Carpathicum. Das Hals- 
schild ist stets von der Breite des Kopfes und länger als breit. 

Scheint im gebirgigen Croatien unser brevicorne zu ersetzen. Wir 
sammelten sie einzeln überall im Capeilagebirge. E. Reitter. 

Trimium latiusculum Rttr. n. sp. 

Latiusculum , nitidum , in femina ruf um , in mare nigro - piceum, 
elytris obscure castaneis, antennis pedibusque rufis; fronte quadri- 
foveolata, capite punciato, thorace sabrotundato, apice magis angustato, 
latitudine haud longiore, elytris summo longitudine aequilatis, abdominis 
segmento dorsali primo late foveolato, striolis sat distantibus, quartam 
disci partem includentibus. Long. 11 Mm. 

Mit T. brevicorne verwandt, in der Färbung der beiden Geschlechter 
ganz ähnlich , aber viel breiter und gedrungener , namentlich beim Q sind 
Kopf und Halsschild nur wenig breiter als die Basis der Flügeldecken. Zeichnet 
sich aus: durch den deutlich punktirten Kopf, die vier im Quadrat stehenden 
seichten Grübchen der Stirne, das kurze robuste Halsschild und die entfernt 
stehenden Fältchen an der Basis des ersten oberen Hinterleibssegmentes, 
welche den vierten Theil der Länge dieses Ringes einnehmen. Zwischen den 
Fältchen ist die Basis grübchenartig vertieft. Die Flügeldecken sind in beiden 
Geschlechtern etwa so lang als zusammen breit; bei dem cf sin d SIQ kaum 
bemerkbar länger. 

Mit der vorigen Art, aber viel seltener. Ein Pärchen wurde bei Gr. Goriza, 
ein einzelnes Stück bei Ljeskovac gefunden. 

Claviger nitidus Hampe. Vier Stücke bei kleinen gelben Ameisen an einem 
Gartenzaune bei Ogulin. 



Coleopterologische Ergebnisse einer Reise nach Croatien und Slavonien. 



47 



Cephennium laticolle Aub. und thoracicum v. carnicum Saulcy i. 1. Beide 
ziemlich zahlreich im gebirgigen Croatien. 

Cephennium Saulcy i Rttr. n. sp. 

Ttufo-testaceum , nitidum, parce helvolo - pubescens ; oculis parvis, 
thorace amplo, longitudine parum latiore, sublaevi, antrorsum latissimo, 
basin versus valde angustato, angulis posticis rectiusculis, elytris ovatis, 
thorace vix duplo longioribus, parce obsoleteque punctatis, foveola basali 
obsoleta, striola subhumerali distincta, subrecta, ad marginem vix vergente; 
antennarum articulis duabus penultimis transversis, articulo nono an- 
gusto. Long, vix 1 Mm. 

Dem C. fulvum ähnlich und nahe verwandt, ebenso gross und gefärbt, 
aber die Oberseite spärlicher, auf dem Halsschilde fast gar nicht punktirt, 
daher mehr glänzend und. weniger dicht behaart; das Halsschild ist um Vieles 
höher, oben breiter erweitert, gegen die Basis viel stärker verengt ; die Flügel- 
decken sind fast etwas schmäler als das Halsschild am Vorderrande, endlich 
sind die vorletzten Fühlerglieder um Vieles stärker quer. 

Diese durch das hohe, nach der Basis stark verengte Halsschild sehr aus- 
gezeichnete und leicht kenntliche Art, kommt im ganzen Gebirgszuge der 
Capella, aber stets sehr einzeln vor. Ich erlaube mir, sie meinem geehrten 
Collegen und Freunde, dem Monographen dieser Familie, Herrn F. de Saulcy 
in Metz, freundschaftlichst zu widmen. E. Reitter. 

Euthia scydmaenoides Steph. Nur ein Stück bei Gr. Goriza. 
Conoderus parallelocollis Saulcy. Deutsche ent. Zeitschr. 1878. p. 45. Vier bei 

Ljeskovac unter Buchenlaub von uns gesammelte Stücke kann ich von 

dem siebenbürgischen Typus dieser Art nicht unterscheiden. 
Scydmaenus Godarti Latr. Unter Buchen- und Eichenrinde bei Ameisen im 

Gebirge und in der Ebene. 

— collaris Müller. Recht zahlreich im Gebirge und in der Ebene. 

— elongatulus Müller. Wie der vorige. 
Scydmaenus v.? semicastaneus Rttr. 

S. elongatulae valde similis sed parum major, niger, elytris, subtus 
cum antennis pedibusque rufo-castaneis, thorace magis subtilius et 
magis parce punctatis, foveolis basalibus obsoletis, antennis tenuioribus, 
apicem versus parum incrassatis. Long. T5 Mm. 

Etwas grösser als elongatulus, ganz von derselben Gestalt und ziemlich 
ähnlicher Sculptur, die Fühler sind aber etwas länger und dünner, das Hals- 
schild feiner und weitläufiger punktirt, die Basaleindrücke viel undeutlicher, 
die Flügeldecken etwas breiter, deutlicher punktirt und durch die Färbung ver- 
schieden. Diese ist schwarz, die Flügeldecken hell rothbraun, Fühler und 
Beine roth. 

Ich habe nur zwei Stücke von der hohen Capella mitgebracht, die ich 
bis zur Erlangung eines grösseren Materials vorläufig als Varietät von elonga- 
tulus anspreche, wahrscheinlich aber einer besonderen, verwandten Art ange- 
hören. E. Reitter. 



48 



Edmund Eeitter. 



Scyämaenus Geticus Saulcy. Drei Stücke aus Eichenlaub bei Gr. Goriza gesiebt. 
Unter ganz ähnlichen Verhältnissen fing ich diese Art vor zwei Jahren 
bei Csap in Nord-Ungarn. 

— helvolus Schm. Bei Ljeskovac in wenigen Stücken aufgefunden. 

Scyämaenus Mopffgarteni Kttr. n. sp. 

JRufo-ferrugineus, parce fulvo-pubescens, elytris suboblongis, ovatis, 
obsolete punctatis, capite thorace fere sesqui angustiore, antice prope 
clypeum in medio excavatis, thorace quadratim subcordato, basi trans- 
versim impresso, impressione utrinque ad marginem sulcata et in medio 
trifoveolata, foveola intermedia parum oblonga; antennis setisim cras- 
sioribus, articulis subquadratis , articulo ultimo oblong o-ovato. Long. 
13 Mm. 

Aus der nächsten Verwandtschaft des 8. pumilio, von derselben kürzeren 
und gedrungeneren Gestalt, mit gleichem kurzem Halsschilde. Der Käfer ist 
rostroth, glänzend; mit einzelnen aber kräftigen rothgelben Haaren besetzt. 
Der Kopf ist um ein Drittel schmäler als das Halsschild, vorne in der Nähe 
des Clypeus breit ausgehöhlt, wodurch die Fühler förmlich auf einen Höcker 
eingefügt erscheinen. Die Fühler ziemlich kurz, die Glieder vom vierten an 
fast quadratisch, gegen die Spitze ziemlich kräftig verdickt. Halsschild so lang 
als breit, leicht herzförmig; die grösste Breite liegt im oberen Drittel, Vorder- 
ecken verrundet, die hinteren schwach rechteckig, die Scheibe äusserst fein, 
weitläufig und schwer sichtbar punktirt, vor der Basis tief eingedrückt, der 
Eindruck an den Seiten mit einer tiefen Längsfurche, wodurch der untere 
Theil des Seitenrandes erhaben erscheint, der mittlere Theil des Eindrucks mit 
drei Grübchen, wovon das in der Mitte befindliche länglich ist. Flügeldecken 
eiförmig, verloschen punktirt, der innere Basaleindruck sehr tief, die äussere 
Furche fast die Mitte der Flügeldecken erreichend. 

Im gebirgigen Theile von Croatien, aber auch in Süd-Ungarn einheimisch. 
Wir fingen einige Stücke auf der hohen Capella. Ich widme diese Art meinem 
liebenswürdigen Freunde und Reisegefährten, Herrn Baron von Hopffgarten 
der dieselbe entdeckte. E. Eeitter. 

Euconnus pubicollis Müll., oblongus Strm. und Motschulslcyi Strm. Ziemlich 

zahlreich im gebirgigen Theile Croatiens, unter Buchenlaub. 

— hirticollis III. Sehr selten unter Laub bei Ljeskovac. 

— denticornis Müll. Mit oblongus und Motschulskyi, aber viel seltener. 
Euconnus Schlossert Rttr. n. sp. 

Bufo-ferrugineus, subtiliter fulvo-pubescens, elytris breviter ovalibus, 
sublaevibus, capite thorace parum angustiore, prope clypeum excavato, 
thorace subquadrato, basi transversim impresso, impressione quadri- 
foveolata. Long. 

Mas. Antennarum articulis duabus primis oblongis, 3 — 7. qua- 
dratim-transversis , articulis quatuor ultimis fortiter incrassatis, aequi- 
latis, 8. et 9. fere quadratis, lateribus extus securiformibus , articulo 



Coleopterologische Ergebnisse einer Reise nach Croatien und Slavonien 



49 



9. extus angulo apicali sat acuto , articulo 10. transverso, ultimo 
oblongo-ovato. 1'6 Mm. 

Eine ausgezeichnete neue Art aus der Verwandtschaft des Euconnus 
denticornis und similis Weise. Die letzte Art ist aber zunächst mit Motschulskyi 
verwandt, von der sie sich durch die eigenthümliche Fühlerbildung des Männ- 
chens unterscheidet; in ähnlicher Art entfernt sich Schlössen von dem ihm 
näher stehenden denticornis. Bei dem letzteren ist das erste Glied der Fühler- 
keule bedeutend länger als breit, am Innenrande schwach messerförmig, sowie 
das nächste quadratisch längliche Glied; das vorletzte ist quadratisch. Bei der 
vorliegenden neuen Art ist das erste Glied der stark abgesetzten Fühlerkeule 
beim c? kaum länger als breit, das zweite quadratisch, beide am Aussenrande 
messerförmig, das erstere daselbst schwach concav, das zweite mit verlängerter 
oberer Spitze; das dritte Glied ist quer, das letzte länglich eiförmig. Bei dem 
mir unbekannten Q (ein solches scheint im Besitze des Herrn Dr. von Heyden 
zu sein) dürften die Fühler ganz ähnlich gebildet, die beiden ersten Glieder 
aber ohne Anhängsel versehen sein. 

Einfarbig rostroth, fein rothgelb behaart. Kopf rundlich, geneigt, fast 
glatt, vorne in der Mitte ausgehöhlt. Halsschild breiter als der Kopf, von dem 
letzteren abgerückt, verrundet quadratisch, vor der Basis mit einem Querein- 
drucke, welcher in der Nähe der Seiten und in der Mitte durch ein erhabenes 
Längsfältchen unterbrochen, wodurch die Furche in vier Grübchen getheilt 
wird. Flügeldecken kurzoval, fast glatt, der Basaleindruck wie bei denticornis. 
Die Gestalt ist dem letzteren ähnlich, durch den Bau der Fühler von den 
hellen Stücken des denticornis jedoch leicht zu unterscheiden. 

Ich habe nur ein männliches Stück von der hohen Capeila mitgebracht, glaube 
aber ein weibliches in der Ausbeute des Herrn von Heyden gesehen zu haben. 

Ich widme diese schöne Art dem Herrn Ritter von Schlosser, Proto- 
medicus und Regierungsrath, dem bekannten Botaniker, welcher eben ein 
coleopterologisches Handbuch in croatischer Sprache, in Form und Anlage 
Redtenbacher's Fauna Austriaca herausgegeben und dem ich durch diese Wid- 
mung ein Zeichen meines Dankes für seine mir gegebenen Rathschläge etc. 
geben will. E. Reitter. 

Euconnus Wetterhalii Gyll. Unter Laub in der Ebene überall ziemlich zahlreich. 
Euconnus Thomayi Rttr. n. sp. 

Elongatus, dilute rufus, elytris elongato-ellipticis, obsolete punctu 

latis; capite thorace sesqui- angustiore , hoc oblongo, subgloboso, fere 

laevi, ante basim transim profunde quadrifoveolato ; antennis elongatis, 

gracilibus, articulis quatuor ultimis clavam formantibus, tribus penultimis 

leviter transversis. Long. T5 — 16 Mm. 

Eine neue, durch die schlanke und sehr elegante Form sich vortheilhaft 
auszeichnende Art, welche in die Verwandtschaft des oblongus und Transsyl- 
vanicus Saulcy gehört, hier jedoch schon durch die rothgelbe blasse Färbung 
abweicht. Auch mit E. haematicus und Reitteri verwandt, aber doppelt so gross, 
schlanker mit längeren Fühlern etc. 

Z. B. Ges. B. XXIX. Abk. 7 



50 



Edmund Reitter. 



Langgestreckt, rothgelb, fein behaart, kaum sichtbar punktirt. Kopf 
rundlich, klein, vom Halsschild abgesetzt, in der Mitte vorne nur wenig aus- 
gehöhlt. Fühler lang und dünn, die Fühlerglieder rundlich, mindestens so lang 
als breit, die vier letzten Glieder etwas dicker, eine ziemlich gut abgesetzte, 
lose Keule bildend. Die drei vorletzten Glieder leicht quer, das letzte etwas 
breiter, lang eiförmig, schief zugespitzt. Halsschild länglich oval, breiter als 
der Kopf, stark gewölbt, vor der Basis mit einer tiefen Querfurche, welche 
in der Nähe der Seiten und in der Mitte durch ein kräftiges Fältchen durch- 
zogen wird, wodurch sieh die Querfurche in vier quere Grübchen auflöst. 
Flügeldecken langgestreckt, elliptisch, kaum sichtbar punktirt, an der Basis 
wie bei JE. oblongus aber etwas schwächer eingedrückt. Beine lang und zart. 

Auf der kleinen und grossen Capeila unter feuchtem Buchenlaub, aber 
sehr selten. 

Ich widme diese Art Herrn Edo Thomay, Apotheker in Otozac, dem 
dort bekannten Förderer der Naturwissenschaften für seine mir geleistete liebens- 
würdige Unterstützung bei meiner croatischen Beise. E. Reitter. 
Eumicrus tarsatus Müll. Unter faulendem Kukuruzstroh bei Gr. Goriza, einzeln. 

— Hellwigii Fabr. und rufus Müll. Bei Ameisen in anbrüchigen Eichen 
und unter Rinden, in der Ebene ziemlich häufig. 

— Perrisi Saulcy. Einige Individuen, welche ich mit den beiden vorigen 
bei Ljeskovac und unter anbrüchigen Eichenrinden bei Gr. Goriza fing, 
stimmen mit den typischen Stücken des Perrisi ganz überein. Das c? 
hat nur das Hinterhaupt grubenförmig eingedrückt, in der Mitte des 
Eindruckes befindet sich eine tuberkelartige Erhöhung. 

Wir fingen im Ganzen 66 Species und Varietäten aus den Familien der 
Pselaphidae, Clavigeridae und Scydmaenidae, wovon 10 — 12 Arten neu 
sind. Bei dem kurzen Aufenthalte in Croatien gewiss ein günstiges Sammel- 
resultat. 

Adelops celata Hampe, Hungarica Rttr. und eine bis zwei neue Arten, die 
noch nicht gehörig gesichtet sind, fanden wir unter Buchenlaub in den 
trichterförmigen Löchern der Capella. A. Croatica Mil. holte ich aus der 
Höhle von Oszail. 

Choleva strigosa Kraatz, velox Spence, brunnea Strm. und badia Strm. Mit 
den Adelops-Aiten fast immer gemeinschaftlich vorkommend. 

Necrophilus subterraneus Dahl. Ein Exemplar auf der hohen Capella aus 
Laub gesiebt. 

Agathidium nudum Hampe. Ein sehr kleines bei Ljeskovac gefangenes Stück, 
das sonst auf die Beschreibung sehr gut passt. 

— atrum Payk. Auf der ganzen Capella, nicht eben selten. 
Sphaericus acaroides Waltl. In dem Angeschwemmten der Seen bei Svica ziem- 
lich häufig. 

Plegaderus dissectus Er. und vulneraius Panz. Bei Ljeskovac unter Baumrinden. 
Bacanius Soliman Mars. Zwei Stücke bei Xupanje in Slavonien unter Baum- 
rinden gefangen. 



Coleopterologische Ergebnisse einer Reiso nach Croatien und Slavonien. 



51 



Acritus fulvus Mars. Im gebirgigen Theile Croatiens und in der Ebene, unter 
alten Buclienrinden, nirgends selten. 

— atomarius Aube' und Hopffgarteni Rttr. In Croatien bei Gr. Goriza und 
in Slavonien bei Xupanje unter Eichenrinden, gewöhnlich bei Ameisen. 

— nigricornis Hoffm. und Wienanus Fuss. Bei Ljeskovac; von dem letzteren 
erbeutete ich vier Exemplare. 

Olibrus bimaculatus Küst. Auf Blüthen bei Otozac. 
Carpophilus bipustulatus Heer. Gr. Goriza in Eichenmulm. 
Meligethes Brassicae Scop. var. Dauricus Mötsch. Zwei Exemplare von der 
hohen Capella. 

Pocadius Wajdelota Wankow. Ein Exemplar dieses bei Gr. Goriza gefangenen 

Käfers stimmt vollständig mit dem Typus überein. 
Trogosita coerulea Oliv. Ich fing ein schönes Exemplar bei Ljeskovac, unter 

Buchenrinde. 

Endoplüoeus spinulosus Latr. Einige Stücke aus verpilzten Rindenstücken 

geschlagen bei Ljeskovac. 
Apistus Hondani Villa. Mehrere Stücke bei Ljeskovac. 

Cerylon evanescens Rttr. Ziemlich zahlreich an anbrüchigen Eichen bei 
Gr. Goriza. 

Bhysodes sulcatus Fbr. Auf der ganzen Capella in anbrüchigen Buchenstämmen, 
aber einzeln gefunden. 

Pediacus dermestoides Fbr. Wie der vorige. Das Thierchen findet sich auf 
der Stirnseite frischer Buchenstöcke, wo es sich zwischen den Spänen 
umher tummelt und leicht zu finden ist. 

Cryptophagus Croatiens Rttr. it. sp. 

Oblongo-ovatus , sat convexus, ferrugineus , nitidulus, pube brevi 
depressa tenuiter vestitus ; prothorace transverse subquadrato, lateribus 
leviter aequaliterque rotundato, distinete marginato, margine subintegro, 
(denticulo paululum conspicuo pone medium sito), angulis 
anticis leviter incrassatis, obtusis, calo elongato; angulis posticis 
öbtusis, basi subbisinuato, utrinque fovea minima punetiformi impressa, 
dense subtiliter punetato, carinula ante-scutellum distineta; elytris ovatis, 
dense subtiliter punetatis. Long. 2—2'8 Mm. 

Gehört in die Untergattung Mnionomus Woll. und ist dem C. Baldensis 
sehr nahe verwandt und diesem sehr ähnlich; er unterscheidet sich aber leicht 
durch die viel feinere Punktirung, die Vorderwinkel des Halsschildes sind 
länger, nach abwärts zu verdickt und das Mittelzähnchen steht nicht in, sondern 
sehr deutlich unter der Mitte. 

Ich fing vier Stücke in Croatien, jedes stammt von einer andern 
Localität; der Käfer ist also dort überall verbreitet. Ein fünftes Exemplar 
besitze ich aus der Berliner Umgegend. E. Reitter. 

Cryptophagus fuscicornis Strm., quercinus Kraatz und Thomsoni Rttr. Auf 

der ganzen Capella einzeln unter Buchenlaub. 



52 



Edmund Reitter. 



Atomaria rubricollis Bris. var. Halsschild wie bei andlis. Ein Exemplar von 
der hohen Capella. Vielleicht eine besondere neue Art. 

Holoparamecus Kunzei Aub. Ein Exemplar aus Eichenmulm bei Gr. Goriza 
gesiebt. 

Anommatus duodecimstriatus Müll. Drei Stücke in den Mulden der hohen 

Capella unter dicken Laublagen gefunden. 
Enicmus testaceus Steph. Mehrere Exemplare wie der vorige. 

— Carpathicus Kttr. = brevicollis Thoms. An alten Buchenschwämmen 
in der ganzen Capella, aber einzeln. 

Dasycerus sulcatus Brongn., Corticaria obscura Bris, und die echte denticulata 
Gyll. auf der hohen Capella und bei Ljeskovac unter dickem Buchenlaub. 

Hadrotoma picta Küst. Auf Blüthen bei Zengg. 

Simplocaria Carpathica Hampe. Mehrere Exemplare bei Ljeskovac. 

Tharops nigriceps Mnnh. Bei den Plitvicer Seen, auf der Stirnseite eines 
frisch gebrochenen Baumes. 

Dromaeölus barnabita Villa. Mehrere Stücke unter Buchenrinde bei Xupanje. 

Porthmidius Austriacus Schrank. Ein Exemplar bei Svica. 

JElater sinuatus Germ. Auf blühenden Sträuchern bei Svica. 

— cuneiformis Hamp. Ein Exemplar bei Gr. Goriza, ein zweites in Slavonien 
bei Vinkovce von Dr. v. Heyden erbeutet. 

Athous undulatm Degeer. Ein Stück von Dr. v. Heyden aus einer Puppe von 
Ljeskovac, während unserer Eeise, gezogen. 

Idolus picipennis Bach. Sehr zahlreich auf Buchen der hohen Capella. 

Denticollis rubens Piller. Einzeln auf der ganzen Capella. 

Helodes sp. nova? Eine tief schwarze ansehnliche Art, dessen 9 ein rothes 
Halsschild besitzt. Wir fingen sie auf grossen Sumpfpflanzen, schwärmend 
in der nächsten Schlucht bei Ljeskovac. Herr von Kiesenwetter soll 
erst entscheiden ob sie mit H. Gredleri K. identisch oder eine besondere 
neue Art bildet. 

Ptinus Capellae Kttr. n. sp. 

Ovdlis, vdlde convexus, nitidus, niger, antennis pedibusque rufis; 
thorace subgloboso, confertim granulato opaco, brevissime helvolo pube- 
rulo, ante basim fortiter constricto, supra aequdliter convexo; scutello 
parvo, albo; elytris brems, ellipticis fortiter convexis, nigro nitidis, 
subaeneo micantibus, fortiter punctato-striatis et seriatim longe errecte 
pilosis, macula parva sublaterali pone medium, lateribus metasterni 
utrinque albo-pubescentibus. Long. -f- 2 Mm. 

Fast von der Gestalt eines Eurostus, kurz, hochgewölbt, schwarz, glänzend, 
Kopf und Halsschild matter. Fühler und Beine roth, die ersteren mit nur etwas 
längern als breitern Mittelgliedern. Kopf von der Breite des Halsschildes, sehr 
fein, wie das Halsschild, gelblich behaart. Halsschild länger als breit, unter 
der Mitte stark eingeschnürt, der obere Theil fast kugelig gewölbt, gleichmässig, 
ohne Höcker und Furchen, dicht und fein granulirt. Schildchen fein weiss 
behaart. Flügeldecken sehr kurz elliptisch, hoch gewölbt, schwarz mit schwachem 



Coleopterologische Ergebnisse einer Reise nach Croatien und Slavonien. 



53 



Metallscheine, mit kräftigen Punktstreifen und gleichmässigen, ziemlich breiten 
Zwischenräumen, in Keinen spärlich und aufstehend lang behaart. Die Seiten- 
stücke der Mittel- und Hinterbrust, dann ein kleiner Flecken auf der hinteren 
Partie der Flügeldecken, nahe am Seitenrande dicht und fein weiss behaart. 
Die Schenkel sind bald von der Wurzel ab leicht verdickt, im Ganzen nicht 
so kräftig wie bei Eurostus. 

Diese Art ist meinem Ptinus Kutzscheribachi aus dem Caucasus und 
dem armenischen Gebirge, den ich in den Beiträgen zur Kenntniss der caucasischen 
Käferfauna von Dr. Oscar Schneider und Hans Leder, Brünn 1878 p. 217 
als Eurostus beschrieb, der wegen dem deutlichen Schildchen aber zu Ptinus 
zuzuzählen ist, sehr verwandt, und habe ich lange gezögert sie als besondere Art 
zu beschreiben. Die Behaarung des P. Kutzscheribachi ist jedoch auf den 
Flügeldecken kurz und fein, bei Capellae, spärlich, sehr lang und abstehend zu 
Reihen geordnet; bei dem ersteren sind die Fühlerglieder doppelt so lang als 
breit, bei dem andern nur wenig länger als breit, etc., endlich ist der letztere 
kleiner, noch mehr gewölbt, die Zwischenräume der Punktreihen auf den Flügel- 
decken undeutlicher gekerbt und breiter. 

Ich weiss keine andere Art zu nennen, der diese neue ähnlich wäre ; das 
in seiner oberen grösseren Partie gleicbmässige, fast kugelige, granulirte Hals- 
schild, ohne Höcker oder Haarbüscheln, die hochgewölbten, kurzen, elliptischen 
Flügeldecken, erinnern stark an die Eurostus- Arten , wozu sie jedoch, wegen 
dem sehr deutlichen, weiss behaarten Schildchen, schlankeren Beinen kaum ge- 
hören kann. 

Nur ein einzelnes weibliches (?) Stück von der hohen Capella. 

E. Reitter. 

Cis fissicollis Mel. dentatus Mel. und bicornis Mel. Einzelne Stücke bei Ljes- 
kovac gesammelt. 

Ennearthron opaculum Rttr. Wie ich früher vermuthete (vergl. Deutsche ent. 
Zeitschr. 1878. I. p. 58) lebt diese Art, wie pruinosulum Perris, auf 
altem dürrem Holze in den Gängen verschiedener Bohrkäfer. Ich klopfte 
sie bei Xupanje von dürren Eichenästen in ziemlicher Anzahl. 

Bolitophagus interruptus III. In Fichten- und Tannenschwämmen auf der 
ganzen Capella. 

Laena Pimelia Fbr. Eine kleinere Form dieser Art kommt unter feuchtem 

Laub in dem gebirgigen Theile Croatiens vor. 
Podonta Dalmatina Baudi. Auf den nahen Bergen bei Zengg in grosser Anzahl 

auf Blüthen in der Mittagshitze. 
Orchesia grandicollis Rosenh. Unter Laub auf der ganzen Capella und in der 

slavonischen Ebene, aber nicht häufig. Ausser dieser Art fing ich nur 

noch micans in einem Baumschwamme. 
Phryganophilus rußcoUis Fbr. Ein Exemplar wurde auf der hohen Capella 

gefangen. 

Sparedrus testaceus Andsch. Auf Blüthen bei Svica ziemlich häufig. 
Otiorhynchus latipennis Bohem. Auf Fichten der hohen Capella. 



54 



Edmund Reitter. 



Otiorhynchus truncatus Stil. Desgleichen bei Ljeskovac häufig; auf der hohen 
Capella seltener. 

— infernalis Strl. Nur ein Pärchen bei Ljeskovac. 

— cribrosus Germ., perdix Oliv. Auf der ganzen Capella häufig. 

— lasius Germ. Wenige Stücke auf der hohen Capella von Büschen geklopft. 

— Illirieus Stel. Hohe Capella, sehr häufig auf Buchen. 

— Austriacus Fabr. und costatus Stirl. Der erste hie und da im gebirgigen 
Croatien gesiebt, der letztere in den Thälern bei Vrhovine und Perusic 
auf Wegen und Triften. 

— elegantulus Germ. In der Ebene von Karlstadt und Agram gesiebt. Auf 
der ganzen Capella auf strauchartigen Pflanzen ziemlich häufig. 

Phyllobius brevis Gyll. Auf blühendem Ahorn bei Perusic in grosser Menge. 
Barypithes virguncula Seidlitz. Etwa zwanzig Exemplare wurden in den Trichtern 
der hohen Capella aus Laub gesiebt. 

— Styriacus Seidl. in der Ebene von Gr. Goriza und bei Ljeskovac, in der 
kleinen Capella unter Laub. 

Omias forticornis Boh. In der ganzen Capella unter Laub. 
Trachyplüoeus squamulatus Ol. Bei Gr. Goriza unter Laub, selten. 
Aparopion (Traehodes) costatum Fahr. •(=== Apar. costatum Hampe.) Auf der 

ganzen Capella einzeln aus Laub gesiebt. 
Styphlus uncatus Frivaldsky. Diese neue Art siebten wir ziemlich reichlich auf 

der ganzen Capella. 
Adexius scrobipennis Gyll. Wie der vorige, aber häufig. 

Aealles Camelm Fbr., roboris Curt., ptinoides Mrshm. und hypocrita Bohem. 

siebten wir einzeln bei Ljeskovac und auf der hohen Capella. 
Orchestes Lonicerae Hrbst. Hohe Capella. 

Bhynchites tristis Fbr. Auf niederem Gebüsch der hohen Capella. 
Borcadion arenarium Scop. var. abruptum Germ. In ganz Croatien auf Weide- 
triften häufig. 

Longitarsus thoracicus All. Auf Wasserpflanzen an sumpfigen Stellen bei 
Ljeskovac. 

Aulacochüus violaceus Germ. Auf verpilzten Buchenästen, seltener an starken 

Baumstämmen in der Capella. 
Orestia Hampei Mill. In der ganzen Capella aus Laub gesiebt; das schöne 

Thierchen ist aber im Ganzen recht selten. 

Die österreichisch - ungarischen Arten dieser Gattung lassen sich etwa 
folgendermaassen auseinanderhalten : 
A. Halsschild ohne Querlinien. 

a. Körper kurz, gedrungen, eiförmig gewölbt; Halsschild nach vorne etwas 

verengt 1. Electra Gredler. (Tirol.) 

Hieher noch Pandellei All. aus den Pyrenäen mit der vielleicht die vor- 
stehende mir einzig unbekannte Art synonym ist. 

b. Körper langgestreckt, ziemlich flach; Halsschild nach vorne sehr wenig 
verengt 2. Paveli Friv. (Süd-Ungarn.) 



Coleopterologische Ergebnisse einer Reise nach Croatien und Slavonien. 



55 



B. Halsschild mit einer Querlinie. 

a. Halsschild nach vorne stark verengt; die grösste Breite desselben liegt 
an oder knapp an der Basis. 

1. Flügeldecken kurz gedrungen, in der Mitte am breitesten. Quereindruck 

schwach gebogen 3. Kraatzii Allard. (Dalmatien.) 

Hieher auch Anddlusiaca Allard aus Spanien. 

2. Flügeldecken kurz eiförmig, hoch gewölbt, im ersten Drittel am breitesten. 

* Quereindruck des Halsschildes stark gebogen. Punktreihen der Flügel- 

decken deutlich 4. arcuata Miller. (Carpathen.) 

** — leicht gebogen. Punktreihen der Flügeldecken meist undeutlich. 
Fühlerglieder 3 — 10 länglich. 

5. Anbei Allard. (Illyrien, Süd-Ungarn.) 
*** — fast gerade. Punktreihen der Flügeldecken deutlich. Fühler- 
glieder 3—10 quadratisch . 6. Carpathica n. sp. 1 ) (Nord-Ungarn.) 

3. Flügeldecken langgestreckt, eiförmig, im ersten Drittel am breitesten, 
schwach gewölbt. Quereindruck des Halsschildes gebogen. Grosse Art. 

Hieher eine neue Art: Caucasica m. vom Surampass. 

b. Halsschild nach vorn nicht mehr oder nur wenig mehr als gegen die Basis 
verengt; die grösste Breite desselben liegt knapp unter, oder ober, oder 
in der Mitte. Käfer stets von länglicher Körperform. 

1. Halsschild äusserst subtil und spärlich, kaum sichtbar punktirt. 

* Schwach gewölbt, blass gelbbraun; Quereindruck des Halsschildes 
leicht gebogen. Hieher: punctipennis Lucas aus Algier. 

** Stark gewölbt, dunkel rothbraun. 

a. Quereindruck des Halsschildes sehr tief, gerade. 

7. alpina Germ. (Alpen.) 
ß. — schwach gebogen, mässig tief . 8. Hampei Miller. (Croatien.) 

2. Halsschild dicht und tief punktirt, vor der Mitte am breitesten. 

9. puncticollis n. sp. 2 ) 

*) Orestia Carpathica n. sp. 

Breviter ovata, fortiter convexa, nitida, nigro-brunnea, antennis pedibusque pallidioribus, 
prothorace longitudine duplo latiore, antrorsum angustato , lateribus vix rotundato, supra 
eubtilissime dispersim punctulato , linea subrecta transversim levius impresso,; elytris breviter 
ovatis, apice acuminatis , supra striata -punctatis, apice laevibus. Long. 2'4 Mm. 
Mit arcuata und Anbei sehr nahe verwandt und beiden sehr ähnlich; unterscheidet sich 
von der ersten durch die fast gerade, weniger tiefe Querlinie auf dem Halsschilde ; auch ist das 
letztere nach vorne stärker verschmälert und an den Seiten nicht gerundet; von der zweiten Art 
durch die deutlichen Punktstreifen der Flügeldecken, mehr geraden Quereindruck des Halsschildes 
und kürzeren Fühler. Bei Anbei ist das 3.— 10. Fühlerglied deutlich länger als breit, bei Carpathica 
aber nur so lang als breit. 

Ich fing diese Art auf dem Südabhang der Czerna-Hora (Howeria- Alpe), Nordungarn, Marma- 
roscher Comitat, im Juni 1877, in Gesellschaft der 0. arcuata, unter Buchenlaub. E. ßeitter. 
2 ) Orestia puncticollis n. sp. 

Oblonga, convexa, nitida, nigro-brunnco , antennis pallidioribus, prothorace leviter trans- 
versa, fere cordato, densc subtiliter, sed profunde punctato, linea subrecta transversim pro- 
funde impresso, lateribus ante medium ampliato, elytris oblongo- ovatis, sat dense striato 
punctatis, seriebus fere integris. Long. 2' 7 — 2' 8 Mm. 



56 Edmund Reitter. Coleopt. Ergebnisse einer Reise nach Croatien u. Slavonien. 



Agaricophilus troglodytes Hampe. In dem von Ameisen bewohnten Mulme 
anbrüchiger Eichen bei Goriza und Xupanje, einige Stücke. 

Mychophilus minutus Friv. Ein Exemplar mit der vorigen Art in Gr. Goriza. 

Alexia globosa Strm. und pilifera Mül. Auf der Capella unter Laub, die letztere 
ziemlich zahlreich. 

— punctata Ettr. Einige Stücke bei Ljeskovac. Dieselben sind etwas kleiner 
als jene von Süd-Ungarn. 

Sacium Orientale Ettr. Diese Art beschrieb ich seinerzeit nach einem einzelnen 
Stücke aus Dr. Kraatz's Sammlung; ein zweites ist nun in meinem 
Besitze, welches ich bei Xupanje aus Eichenlaub siebte. 

Orthoperus coriaceus Muls. Gr. Goriza, einige Stücke. 

— punctum Mrsh. Eine ganz dunkle Varietät bei Ljeskovac gefunden. 



Durch das dicht und tief pnnktirte, fast herzförmige Halsschild von allen bekannten 
Arten sehr abweichend, Fühler gestreckt, dünn, gelbroth, die Glieder vom 3. länger als breit 
Kopf fast glatt. Halsschild um ein Drittel breiter als lang, am Vorderrande so breit als an der 
Basis, vor der Mitte gerundet erweitert, die Scheibe, namentlich vorn stark kissenartig gewölbt, fein 
und dicht, aber tief punktirt, der Quereindruck vor der Basis tief, fast gerade, in der Nähe der 
Seitenfältchen fast grubenförmig. Flügeldecken länglich eiförmig, nahe der Mitte am breitesten, 
eben in ziemlich dichten Reihen kräftig punktirt, die Puuktstreifen auch an den Seiten und der 
Spitze deutlich, an der letzteren etwas schwächer ausgeprägt. Beine von der Farbe des Körpers. 

Ein Exemplar in den Transsylvanischen Alpen bei Ober-Kerz, unter Buchenlaub im Juni 
1876 gesiebt. E. Reitter. 



57 



Synonymische Bemerkungen 

mit 

Bezug auf Bolivar's Catalogus Orthopterorum Europae. 

Von 

Dr. Hermann Kr ans s. 



(Vorgelegt in der Versammlung am 5. März 1879.) 

Es sind gerade fünfundzwanzig Jahre vergangen seit dem Erscheinen der 
ersten systematischen Zusammenstellung der Orthopteren Europas, die Leop. 
Heinrich Fischer auf Grund seines classischen Werkes : Orthoptera europaea 
in Catalogform dem genannten Werke beigegeben hat, die aber auch separat in 
Octavformat als Conspectus systematicus Orthopterorum Europae 
Lipsiae, Engelmann 1853 erschienen ist. Dieser den damaligen Kenntnissen 
vollständig entsprechende Catalog ist durch die zahlreichen seither gemachten 
Entdeckungen, die vielen Verbesserungen auf dem Gebiete der Systematik schon 
längst nicht mehr genügend und war daher eine den heutigen Kenntnissen 
entsprechende Zusammenstellung ein wirkliches Bedürfniss. 

Gustav Schoch hat vor zwei Jahren einen Versuch gemacht diese Lücke 
in der Literatur auszufüllen und als Anhang zu seiner Schrift: die schweizeri- 
schen Orthoptern, Zürich 1876 einen Catalogus Orthopterorum Europae 
zusammengestellt. Derselbe ist hauptsächlich auf den Werken Fischer's und 
Fieber's basirt mit Benützung eines Theils der neueren Literatur. Da der 
Verfasser von einer kritischen Sichtung dieses Materials Abstand genommen 
hat, so ist hiedurch der Werth seiner Zusammenstellung bedeutend vermindert 
worden. 

Wir begrüssen daher den neuesten Versuch einer systematischen Zusammen- 
stellung, der auch als ein gelungener bezeichnet werden kann, mit Freuden. Es 
ist dies der von Ignacio Bolivar, einem durch seine Synopsis der spanischen 
Orthopteren rühmlichst bekannten Forscher, auf Grundlage des neuesten Standes 
der Wissenschaft verfasste Catalogus Orthopterorum Europae et con- 
finium. Madrid, Fortanet 1878. 

Z. B. Ges. B. XXIX. Abk. 8 



58 



Hermann Kraus s. 



In Bezug auf die systematische Anordnung 1 ist der Verfasser den Arbeiten 
von Brunn er, Dohm, Saussure und Stäl gefolgt. Die Literatur ist bis auf 
die neueste Zeit vollständig berücksichtigt und ist das Material mit kritischem 
Blicke gesichtet. 

Die von Fischer für seine Orthopterenfauna in geographischer Hinsicht 
gesteckten Grenzen hat Bolivar stark überschritten, was namentlich auch aus 
dem Grunde zu bedauern ist, weil dadurch eine Vergleichung der Artenkenntniss, 
wie sie vor fünfundzwanzig Jahren bestand und wie sie auf der andern Seite 
dem heutigen Standpunkte entprechend ist, erschwert wird. Während Fischer 
Europa nach geographischen Begriffen umgrenzt und im Osten mit Uralgebirge 
und Uralfluss aufhören lässt, ja sogar die Fauna der Kaukasusländer ausschliesst, 
geht Bolivar sich mehr auf den thiergeographischen Standpunkt stellend viel 
weiter, so dass sein Faunengebiet die Westhälfte der paläarktischen Kegion 
(Wallace) umfasst. Die ganze afrikanische Nordküste, Arabien, Syrien, Klein- 
asien, ein Theil von Centraiasien, Westsibirien haben Repräsentanten ihrer 
Fauna im neuen Catalog aufzuweisen. Unbegreiflich ist es, warum Bolivar 
auch dieses Gebiet überschritten hat und von Aegypten aus weit in die äthio- 
pische Region eingedrungen ist bis Chartum, Kordofan, Sennaar und am 
rothen Meer bis Massaua (13° nördl. Br.). Durch dieses Hereinziehen fremder 
Elemente wurde das europäische Faunenbild, wie wir es durch Fischer 
gewohnt sind, stark verwischt. Genera, die gar keine Vertreter in der eigent- 
lichen europäischen Fauna haben, wären besser weggeblieben, so namentlich 
die afrikanischen: Oxyhaloa, Holocompsa, Heteronyclwlarsus , Ei'emiaphila 
(die in die beiden letztgenannten Mantidengenera gehörigen Arten sind echte 
Wüstenthiere!), Gonypeta. Miomantis, Chrotogonus, Poccilocerus, Heterotrypus, 
Diogena. 

Wenn wir den eigentlichen Kern der Boli var'schen Zusammenstellung, 
nämlich diejenigen Orthopterenarten, die der europäischen Fauna im engern 
Sinne angehören, von den paläarktischen und äthiopischen Anhängseln frei 
machen, so finden wir, dass sich die Zahl der Arten gegenüber der von Fischer 
angegebenen von 241 fast verdoppelt hat, so dass wir jetzt 409 als in Europa 
vorkommend zu betrachten haben. Der grösste Zuwachs an Arten ist in der 
Familie der Locustiden zu verzeichnen, nach Fischer gehören ihr 78, nach 
Bolivar 176 Arten an, nach ihnen kommen die Akridier mit 86 und 137, die 
Blattiden mit 17 und 24, die Mantiden mit 7 und 13, die Grylliden mit 25 
und 30, die Phasmiden mit 2 und 3. Nur bei den Forficuliden hat sich die 
alte Zahl 26 erhalten, neue Entdeckungen wurden zwar auch hier gemacht 
allein einige Arten mussten als synonym mit schon beschriebenen eingezogen 
werden. 

Unter den Genera hat den stärksten Zuwachs das Genus Ephippigera 
oder, wie Bolivar der gründliche Bearbeiter desselben schreibt, Ephippiger 
erhalten. Fischer zählt davon 7 Arten auf, 2 weitere als zweifelhaft, nach 
Bolivar gehören dagegen 40 Arten der europäischen Fauna, davon allein 24 
der der Pyrenäen-Halbinsel an. 



Synonymische Bemerkungen. 



59 



Dass bezüglich des Details im neuen Catalog noch mancherlei zu ändern 
ist, liegt in der Natur der Sache und ich erlaube mir in den folgenden 
Bemerkungen auf einige derartige Punkte aufmerksam zu machen, Bemerkungen, 
die sich lediglich auf Bolivar's Catalog beziehen und als Berichtigungen und 
Ergänzungen desselben angesehen worden mögen. 

Forficulidae. 

Die Genera Forcinella Dohrn und Brachylabis Dohm sind nach 
den sehr richtigen Auseinandersetzungen Scudder's (Entomolog. Notes V. 
p. 30. Proceed. Bost. Soc. Nat. Hist. XVIII. 1875—1876) getrennt nicht zu 
halten und ist für beide zusammen der ältere Fieber'sche Name Anisolabis 
zu substituiren. 

Forficula biguttata Latr. ist nach Scudder 1. c. p. 29 vom Genus 
Forficida zu trennen und wurde dafür das Genus Aneehura Scudd. auf- 
gestellt. 

Forficula decipiens Gene var. Hellmanni Kittary (1849) = 
F. Tomis Kolenati (1846). Von Kittary (Bull, de Moscou XXII. 1849. 
p. 438 pl. VII. Fig. 1, 2. c?Q) als eigene Art (F. Hellmanni) beschrieben 
und abgebildet und schon von Fieber (Synopsis, Lotos. III. 1853. p. 254) 
in vollkommen richtiger Weise als identisch mit Chelidura Tomis Kolenat 
(Melet. ent. V. 1846. p. 74, tab. XVII. Fig. 6 a, b. c?) erklärt. E versmann 
(Bull, de Moscou XXXII. 1859. p. 123) führt die Art als F. Hellmanni Kitt. 
(F. elongata Eversm. i. 1.) auf. Saussure (Fedtschenko, Eeise in Turkestan, 
Orthoptera. 1874. p. 5) erwähnt der Chelidura Tomis Kol. gar nicht und 
stellt die Forficida Hellmanni Kitt, als Varietät zu Forficula decipiens Gene 
und diese Auffassung hat auch Bolivar adoptirt. 

Abgesehen von der bedeutenderen Grösse namentlich der Zange und ganz 
verschiedenen Färbung unterscheidet sich F. Tomis von decipiens im männ- 
lichen Geschlecht unschwer durch die Analplatte, die bei ersterer hinten ab- 
gestutzt ist und abgerundete Hinterecken zeigt, während sie bei letzterer hinten 
bogig ausgeschnitten ist und konisch zugespitzte Hinterecken besitzt. 

Viel näher steht sie der Forf. ruficollis F. (baetica Ramb.) was schon 
Kolenati ganz richtig erkannt hat. Der wesentlichste Unterschied zwischen 
beiden ist das Vorhandensein der Unterflügel bei ruficollis, während sie bei 
Tomis fehlen, ausserdem sind Kopf und Pronotum bei ruficollis breiter und 
kräftiger, der Hinterrand der Elytra ist hier schwach bogig ausgerandet, bei 
Tomis quer abgestutzt, die Deckflügel sind bei ruficollis derber und runzelig 
punktirt, bei Tomis zarter und einfach punktirt. Ferner ist die Färbung des 
Kopfes, Pronotums und der Deckflügel bei beiden verschieden, die Zangenbildung 
ist dagegen ziemlich gleich. 

Kolenati unserscheidet in Bezug auf die Länge zwei Zangenformen 
beim tf, Männchen mit langgestreckter Zange (1. c. Fig. 6 a) beschreibt er 



60 



Hermann Kraus s. 



als die gewöhnliche Form, ein ebensolches bildet auch Kittary ab (1. c. 
Fig. 1), Exemplare mit kürzerer Zange bezeichnet Kolenati als var. scindens 
(1. c. Fig. 6 b), Fieber als var. bracliylabia. Die letztgenannte Zangenform 
wurde auch von Saussure beschrieben und abgebildet (l. c. tab. I. Fig. 3). 

Verbreitung: Transkaukasien beim Dorfe Tschaikaent am Käpes Dagh 
(Kolenati), Erzerum in Türkisch-Armenien (M. C.) (zwei cT Exemplare an denen 
beide oben besprochenen Zangenformen repräsentirt sind), Kirghisen - Steppe 
zwischen Ural und Wolga (Kittary, E versmann), Kirghisen -Steppe und Berge 
am Flusse Zarafschan in Turkestan (Saussure). 

In Bezug auf die Stellung dieser Art im System ist zu erwähnen, dass 
Kolenati sie zwar zu Chelidura stellt, aber ausdrücklich sagt (1. c. p. 79 nota), 
dass sie besser in ein neues Genus zustellen sei. Scudder (Entomolog. Notes 
V. p. 65. Proceed. Bost. Soc. Nat. Hist. XVIII. 1875-1876) führt sie als Labi- 
dura Tomis Kol. auf. Nach der obigen Auseinandersetzung ist sie am nächsten 
mit Forficula ruficollis F. verwandt und gehört daher in die dritte Gruppe 
des Genus Forficula Linne (Dohm. Monographie, Stett. ent. Zeit. XXVI. 1865. 
p. 96), die besonders durch die im männlichen Geschlechte an der Basis 
zusammenliegende, gezähnelte Zange charakterisirt ist. 

Forficulidae incertae sedis: 

1. Tomis Kol. Wurde durch obige Darlegung an ihren richtigen Platz 
verwiesen. 

2. anthr acina Kol. Von Dohm (Monographie, Stett. ent. Zeit. XXVIII. 
1867. p. 343) als Larve von Anechura (Forficula) biguttata Latr. richtig gedeutet 
und ist daher als Synonym dieser Art beizusetzen. 

Acrididae. 

Acridium aegyptium L. Der nach Fischer (Orthopt. europ. 1853. 
p. 389) fälschlich zu dieser Art gestellte Gryllus migratorius Scopoli 
gehört zu Pachytylus migratorius L. wie dies später Fischer selbst in 
seiner Besprechung der Arten Scopoli's (Stett. ent. Zeit. XVIII. 1857. p. 100) 
auf Grund der Abbildung in Scopoli's Werk nachgewiesen hat. (S. Krauss 
Orthopt. Istriens p. 12 und 38, Sitzb. d. k. Akad. d. Wissensch. 1878.) 

Paracaloptenus typus Brunn. In meiner Orthopteren-Fauna Istriens 
p. 24 (Sitzb. d. k. Akad. der Wissensch. 1878) wurde von mir diese als Platy- 
phyma caloptenoidesBrmm. (Zoolog. botan.Ges. XI. 1861. p. 307) beschriebene 
Art besprochen und auseinandergesetzt warum sie besser aus dem Genus Platy- 
phyma auszuscheiden und ins Genus Caloptenus zu versetzen sei. 1 ) Bolivar 
(Sinops. Ortöpt. de Espana. 1878, p. 296) errichtet nun für diese Art ein eigenes 



l ) Nachträglich ersehe ich, dass auch Stal (Observat. orthopt. II. 1876. p. 13) diese Ver- 
setzung vorgenommen hat, wobei er jedoch das Thier als neue Art beschreibt und Caloptenus 
Brunneri nennt. 



Synonymische Bemerkungen. 



61 



Genus Paracaloptenus und stellt mehrere Unterscheidungsmerkmale auf, die 
es von Verwandten trennbar machen sollen. 

Das wichtigste dieser Merkmale ist die bogige Ausbuchtung des Pronotum- 
hinterrandes, welcher der winklige Vorsprung bei den geflügelten Caloptenus- 
Arten gegenüber steht. Dass dies aber nicht für generische Trennung ver- 
wendbar, ist klar, da jenes ja einfach die Folge des Pehlens brauchbarer Flugorgane 
und dieses wiederum durch ihre Ausbildung bedingt ist wie dies Brunner 
(Orthopt. Stud. Zool.-botan. Ges XI. 1861. p. 222) klargelegt und durch eine Keine 
von Akridiergenera verfolgt hat. Die Consequenz des Verfahrens Bolivar's 
wäre, dass wieder Genera aufgestellt würden je nach dem Vorhandensein oder 
Fehlen der Flugorgane, was doch, wie ich denke, ein überwundener Standpunkt 
ist. Mit dem gleichen Rechte hätte Bolivar das Genus Pezotettix zerspalten 
und für Arten wie menäax, Schmidti, salamandra ein neues Genus errichten 
müssen. Aber das hiesse das Nächstverwandte gewaltsam auseinanderreissen 
und müsste geradezu als ein Rückschritt bezeichnet werden. 

Die andern Merkmale, die er zum Unterschied von Caloptenus anführt, 
wie der plattgedrückte Prosternalstachel , die Form des Mesosternum scheinen 
mir ziemlich fictiv, und konnte ich sie an einem reichen Material von C. calopte- 
noides und italicus absolut nicht constatiren. 

Meiner Meinung nach ist daher das Genus Paracaloptenus Bolivar 
nicht haltbar und ist die besprochene Art wie ich das a. a. 0. nachgewiesen, 
ins Genus Caloptenus neben C. Italiens zu versetzen. 

Bedauerlich ist, dass Bolivar die Aenderung des Speciesnamens calopte- 
noides Brunn, in typus (Brunn.) Bolivar vornimmt, ja sogar davon spricht 
(Sinopsis p. 297) die Art wegen ihrer grossen Uebereinstimmung mit Caloptenus 
italicus Linn. Paracaloptenus italicus Bolivar zu nennen. Für dieses Vorgehen ist 
absolut kein triftiger Grund einzusehen, es sei denn, dass Bolivar den Gleichlaut 
der Worte Paracaloptenus oder Caloptenus caloptenoides vermeiden möchte, 
allein wenn man für alle nicht recht zu den Genusnamen passende Species- 
namen besser passende oder lautende setzen wollte, so würde dies einen solchen 
Wirrwarr in der Nomenclatur veranlassen, dass sich darin niemand mehr 
zurechtfinden würde. Es ist daher nach den allgemein aeeeptirten nomen- 
clatorischen Regeln, die eine Stabilität herbeizuführen streben, der Name calopte- 
noides Brunner durchaus beizubehalten. 

Oedipoda barbarensis Fisch. W. = barabensis Pallas, Fisch. W. 
Das Vaterland dieser Art ist nicht Afr. bor. wozu wohl die unrichtige Schreib- 
weise „barbarensis" Veranlassung gegeben hat, sondern Sibirien. Pallas fand 
sie in der Baraba-Steppe zwischen Irtysch und Ob und nannte sie nach dieser 
Localität. Sie scheint in Sibirien weit verbreitet zu sein und kommt sogar im 
Amurgebiet vor. (M. C.) Die Finsch'sche Expedition brachte sie jüngst von 
Barnaul mit. 

Ctyphippus coerulescens L. var. miniatus Pall. Die Zusammen- 
gehörigkeit dieser blau- und rothflügligen Arten ist keineswegs erwiesen und 
abe ich a. a. 0. p. 40 Unterscheidungsmerkmale in Bezug auf die Form des 



62 



Hermann Krau ss. 



Pronotuins angeführt, abgesehen von dem verschiedenen Verlauf der schwarzen 
Binde des Unterflügels hei beiden Arten. Häufig sind sie auch nach ihrem 
Vorkommen streng gesondert und sollten bis auf Weiteres auch im System 
gesondert bleiben. 

Epacromia angustifemur Ghil. (1869) = E. thalassinaF. (1793). 
Nach den Originalexemplaren Ghiliani's in der Sammlung Brunner's. 

St etheophyma Fisch. Fr. richtig geschrieben Stethophyma (a-fjöos), 
eine Verbesserung die Fischer in seinem Druckfehlerverzeichniss (Orth, 
europ. p. 454) selbst vorgenommen hat, die aber bisher unberücksichtigt ge- 
blieben ist. 

Stauronotus annulipes Türk (1862) = St. brevicollis Eversm. 
(1848) nach Frivaldszky Orth. Hung. 1867. p. 162. Nach den Original- 
exemplaren Türk's im kais. Museum und Exemplaren aus Südrussland (Sarepta) 
kann ich die Identität beider bestätigen. 

Tettix Charpentierii Fieb. (1853) = T. depressa Bris. (1848). 

Tettix Dohrnii Fieb. (1853) = T. depressa Bris. (1848). 

Tettix nodulosa Fieb. (1853) = larva T. depressae Bris. (1848). 

Tettix elevata Fieb. (1853) = T. depressa Bris. var. processu 
alisque elongatis = T. acuminata Bris. (1850). 

Tettix ophthalmica Fieb. (1853) = T. meridionalis^mb. (1838). 
Die Deutung der Fieber'schen Tettix-Arten hat schon Türk (Wien. ent. 
Monatsschr. VI. 1862 p. 207) mit bestem Erfolg versucht und kann ich seine 
Eichtigstellung nach Einsicht der Fieb ersehen Typen und Originalzeichnungen 
die im Besitze Hofrath Brunner's sich befinden, bestätigen, mit der einzigen 
Ausnahme, dass Türk T. Dohrnii Fieb. zu meridionalis Ramb. stellt, während 
sie nach meiner Meinung zu depressa Bris, gehört. 

? Tettix acuminata Bris. Schon von Fischer Fr. als Synonym von 
T. depressa Bris, aufgeführt! Varietät von T. depressa mit verlängertem 
Processus. 

Gryllidae. 

Brachytrypes megaeephalus Serv. Der Autor ist nicht Serville 
sondern Lefebvre, der das Thier auf Sicilien entdeckte und auch beschrieb. 

Locustidae* 

Isophya Kraussii Brunn. Patria: Suabia lateinisch richtiger Suevia. 
Von mir auf der schwäbischen Alb gefunden. 



Synonymische Bemerkungen. 



63 



Sa (ja monstrosa Krauss (1878) — S. syriaca Luc. (18G4). An der 
Identität beider Arten ist wohl nicht zu zweifeln, namentlich im Hinblick auf 
die charakteristischen Grössenangaben Lucas 1 und das Vorkommen (Aleppo). 
Die von mir beschriebenen Exemplare stammten aus Palästina, doch erhielt 
vor kurzem das kais. Museum auch ein $ aus Syrien. 

Thamnotrizon signatus Brunn. Patria: Tauria. Die Original- 
exemplare im kais. Museum wurden von Kotschy im Cilicischen Taurus 
gesammelt, die Angabe Tauria (Krim) ist daher unrichtig. 

Thamnotrizon similis Brunn. (1861) = Th. littoralis Pieb. (1853). 
Ausser der geringeren Grösse von similis ist zwischen beiden Arten kein Unter- 
schied vorhanden, daher dürfte similis besser als Localvarietät zu littoralis zu 
stellen sein (Krauss, Orthopt. Istr. p. 66, Sitzb. d. k. Akad. d. Wissensch. 1878). 

Rhacocleis Buchichii Herrn. (1874) = Rh. (Pterolepis) neglecta 
Costa (1862) nach Exemplaren von Dalmatien und Sicilien. 

Pterolepis ? alpina Yersin. Gute Art! 

Platycleis alpinus x ) (Kollar) Fieber 1853 = P. brachypteraL. 
(1745). Nach den Originalexemplaren Fieber's aus den steirischen Alpen im 
kais. Museum vermag ich zwischen den genannten keinen Unterschied zu finden. 
Die zu alpina Fieber als fragliches Synonym gestellte 

? Saussuriana Frey-Gessn. (1872) ist eine vollkommen berechtigte 
Art, die neben brachyptera L. zu stellen ist. Sie wurde bis jetzt nur in 
der Schweiz gefunden, ich selbst sammelte sie auf Alpwiesen des Speer im 
Canton Appenzell (1869). 

Species dubia: 

Platycleis nigrosignata Costa. Gute Art aus Calabrien und Dal- 
matien, die neben decorata Fieb. zu stellen ist. 
Ephippiger „incertae sedis": 

Ephippiger siculus Fieb. Gehört nach dem Originalexemplar Fiebers 
im kais. Museum in Bolivar's Subgenus Uromenus. 

Troglophilus palpatus Sulz, von Scudder Entomolog. Notes II. 
p. 47, Proceed. Bost. Soc. Nat. Hist. XII. 1868—1869 mit Recht in sein Genus 
Hadenoecus gestellt. 

Troglophilus geniculatus Costa. Vaterland nach Costa Napoli. 
Ob die Art in Corsika, wie dies Bolivar angiebt, vorkommt, ist mir nicht 



*) Bolivar schreibt Platycleis alpinus etc. der Genusname ist jedoch gen. feminini 
wegen r\ xXe{?, daher auch der Speciesname weibliche Endigung zu bekommen hat. 



64 



Hermann Kraus s. Synonymische Bemerkungen. 



bekannt. Gehört ebenfalls ins Genus Hadenoecus Scudder und ist vielleicht 
mit H. palpatus Sulz, identisch. 

Troglophilus Linder ii Dufour gehört wohl in dieses Genus, doch 
ist die Beschreibung nach einer Larve so mangelhaft abgefasst, dass die Art 
vorläufig noch als fraglich zu bezeichnen ist. 

Locustidae incerti generis: 

Pterolepis neglecta Costa ins Genus lihacocleis zu stellen (S. o.). 



65 



Zur näheren Kenntniss zweier Pemphiginen. 

Von 

Dr. Franz Low in Wien. 



(Vorgelegt in der Versammlung am 5. März 1879.) 

Von den fünf Pemphiginen, welche auf den Blättern der Ulmen Gallen- 
bildungen hervorrufen, fanden Telraneura alba Rtzbg. und Schizoneura com- 
pressa Koch bisher nur wenig Berücksichtigung, während die drei andern Arten 
(Tet. ulmi Geoff., Schiz. ulmi L. und Schiz. lanuginosa Hrtg.) schon vielfach 
der Gegenstand eingehender Beobachtungen waren, welche in zahlreichen 
Publicationen niedergelegt sind. 

Ueber Schiz. compressa Koch existirt bis heute ausser der Beschreibung 
und Abbildung, welche Koch (Pflanzenläuse, 1857. p. 267, Fig. 341—342) von 
ihr gibt, keine weitere Mittheilung. Diese Beschreibung muss ich nach meinen 
Beobachtungen über Schiz. compressa, soweit sie das Insect selbst betrifft, 
als richtig und ziemlich ausführlich bezeichnen. Es fehlen darin blos die 
Angaben über die Färbung und die ersten Stadien der Stammmutter und in 
jenen über die Fühler soll es anstatt „das fünfte (Glied) erreicht die Länge der 
drei folgenden" heissen: das dritte erreicht die Länge der drei folgenden. 
Diese Unrichtigkeit erweist sich aber als ein Druckfehler, wenn man die Ab- 
bildung betrachtet, in welcher das dritte Fühlerglied das längste ist und wenn man 
erwägt, dass bei keiner Blattlaus noch drei Glieder nach dem fünften folgen. 

Hinsichtlich der Galle und des Vorkommens der Schiz. compressa sind 
jedoch Koch's Angaben nicht ganz zutreffend und bedürfen daher in einigen 
Punkten einer Berichtigung. So sagt Koch: „Sie (die Schiz. compressa) be- 
wohnt verschiedene Ulmenarten, wird aber am häufigsten auf der grossblätterigen 
angetroffen". 1 ) Hätte er alle die Ulmen, auf denen er sie traf, genauer untersucht, 



*) Dio Gepflogenheit vieler Entomologen die Pflanzen, auf welchen sie Gallen oder Insecten 
angetroffen nahen, hlos durch Gattungsnamen oder gar nur durch Sammelnamen (wie etwa der 
Name Klee, worunter die Deutschen nicht nur Trifolium, sondern auch Medicago, Mdilotus, Lotus 
u. a. verstehen, oder der Name genet, welchen der Franzose sowohl für die Genista-Arten als 
auch zur Benennung von Spartiiftn, Sarothamnits und seihst Cyt'mift gehraucht) in ihren Schriften 
zu bezeichnen, kann nicht genug gerügt werden, weil sich durch solche oberflächliche Angaben 
sehr leicht Missverständnisse und Irrthümer einschleichen können. Sehr verwerflich und für die 
Z. Ii. Ges. ß. XXIX. Abh. 9 



66 



V r a 11 z Low. 



oder von Botanikern untersuchen und bestimmen lassen, so wäre er wie ich zu 
dem Eesultate gekommen, dass es stets nur Ulmus efjusa Willd. ist, worauf 
diese Schizoneura ihre Gallen erzeugt. Selbst an solchen Orten, wo Ulmus 
campestris L. mit Ul. effusa Willd. gemengt wächst, kommt sie ausschliesslich 
nur an der letzteren vor. 2 ) 

Und von der Galle sagt Koch: „Im Frühjahre, sobald sich die Blätter 
nur einigermassen entwickelt haben, zeigen sich gewöhnlich aber auf der Mittel- 
rippe, selten auf den Seitenrippen, kleine blasenförmige Aaswüchse, welche in 
der Endhälfte des Monats Mai eine aufrechte Stellung erhalten und einem an den 
Seiten zusammengedrückten, etwas weisshaarig filzigen Säckchen gleichsehen". 

Nach meinen Beobachtungen sind diese Gallen nie blasenförmig, sondern 
schon bei ihrer Entstehung flachgedrückt, und sie bilden sich auch nie auf den 
Blattrippen, sondern stets in den Winkeln, welche die Seitenrippen mit der 
Mittelrippe bilden, und zwar nicht knapp an den Rippen, sondern etwas entfernt 
von denselben. 

Ueber Tetraneura alba Etzbg. erschien im vorigen Jahre, also erst in 
der neuesten Zeit eine Mittheilung von Bedeutung, welche aus der Feder des 
Dr. H. F. Kessler hervorging und die kärglichen Angaben Ratzebu rg's über 
diese Art 3 ) in jeder Hinsicht ergänzt. Dr. Kessler zog nämlich auch die 
Tet. alba in den Kreis seiner über die Aphiden des Ulmenbaumes angestellten, 
äusserst sorgfältigen Beobachtungen, deren Resultate er unter dem Titel: „Die 
Lebensgeschichte der auf Ulmus campestris L. vorkommenden Aphidenarten 
und die Entstehung der durch dieselben bewirkten Missbildungen auf den 
Blättern" in dem Jahresberichte des Vereines für Naturkunde zu Cassel 1878 
veröffentlichte. 

In dieser Publication stellt Kessler die Schizoneura compressa Koch 
als Synonym zu Tetraneura alba Rtzbg., was um so überraschender ist, als 
von Koch (1. c.) unter dem ersteren Namen ein Insect beschrieben und ab- 
gebildet wurde, welches thatsächlich alle Charaktere einer echten Schizoneura 
an sich trägt. Da ich beide Arten und ihre Gallen durch Autopsie kenne, so 
muss ich das Zusammenziehen derselben als einen Irrthum bezeichnen, den 
ich mir nicht anders zu erklären vermag, als dass Kessler sich entweder durch 
Kaltenbach, welcher (Pflanzenfeinde p. 540) die Schiz. compressa mit einem 



Wissenschaft ganz werthlos ist aber die Bezeichnung solcher Pflanzen mit Trivialnamen, welche 
oft in jeder Provinz eines und desselben Landes für die nämliche Pflanze verschieden sind. 

In wissenschaftlichen Mittheilungen sollte man sich ausschliesslich blos der wissenschaft- 
lichen Speciesnamen bedienen, weil diese allein allerorts verstanden werden, den Gegenstand 
präciser bezeichnen und deshalb vor Missverständnissen und unrichtigen Deutungen bewahren. 

2 ) Ebenso wie die verschiedenen Gallen der Eichen nur auf bestimmten Arten von Quercus 
vorkommen, scheinen auch die Ulmengallen auf bestimmte Ulmus-Arten beschränkt zu sein, denn 
noch nie habe ich die auf Ulmus campestris L. so häufigen Pemphiginen- und Phytoptus-Gallen 
auch auf Ul. effusa Willd., oder umgekehrt, die auf letzterer vorkommenden derlei Gallen auch 
auf Ul. campestris L. angetroffen. 

3 ) Katzeburg's Forstinsecten III. Theil, 1844, p. 222 Nr. 34, Taf. XIII, Fig. 3?. 



Zur näheren Konnfcuiss zweier Peinphiginen. 



67 



Fragezeichen zu Tet. alba zieht, zur völligen Identiflzirung derselben ver- 
leiten Hess, oder dass die oben besprochenen mangelhaften Angaben Koch's 
über die Galle und das Vorkommen seiner Schiz. compressa ihn hiezu veranlassten. 
Die beiden in Rede stehenden Pemphiginenarten können also schon deshalb 
nicht identisch sein, weil die eine zur Gattung Schizoneura, die andere zur 
Gattung Tetraneura gehört. Was ihre Gallen betrifft, so glaube ich die Unter- 
schiede am besten durch folgende Gegenüberstellung ersichtlich zu machen: 



Schizoneura compressa Koch. 
Die Galle dieser Art kommt nur auf 
Ulmus effusa Willd. einzeln oder auch 
zu 2 — 3 auf einem Blatte vor und 
entsteht in den spitzen Winkeln, welche 
die Seitenrippen mit der Mittelrippe 
des Blattes bilden ; aber stets in einiger 
Entfernung von diesen Eippen, ent- 
weder in der Basal- oder in der End- 
hälfte, meist aber in der Mitte der 
Blätter. Weder die Mittel- noch die 
Seitenrippen nehmen an der Gallen- 
bildung direct Antheil, sondern werden 
höchstens dadurch etwas alterirt, dass 
die an sie grenzende Blattlamina sich 
um die Basis der Galle herum ver- 
dickt. 

Sie ist flachgedrückt, an den Seiten 
gerieft, weniger behaart als die Galle 
von Tet. alba, gelbgrün, an einer 
Seite oder in ihrer ganzen oberen 
Hälfte mehr oder minder lebhaft ge- 
röthet und erreicht höchstens 10 Mm. 
Höhe und 8—10 Mm. Breite bei 3 Mm. 
Dickendurchmesser. Da ihr oberer 
Rand in der Regel ein- oder auch 
zweireihig gezähnt ist, so hat sie viele 
Aehnlichkeit mit einem Hahnenkamme 
im Kleinen. Sie steht fast vertical 
auf dem Blatte, mit ihrem Breiten- 
durchmesser in der Richtung der Seiten- 
rippen und hat fast gar keine Ver- 
krümmung der Blattfläche zur Folge. 

Zur Zeit der Reife entsteht an der 
Basis einer ihrer schmalen Seiten ein 
kleines rundes Loch, welches einen 



Tetraneura alba Rtzbg. 
Die Galle dieser Art kommt stets 
nur auf den Blättern von Ulmus campe- 
stris L. einzeln vor und entsteht immer 
in der unteren Hälfte, meist am Grunde 
der Blätter auf der Mittelrippe, welche 
an der Gallenbildung grossen Antheil 
nimmt und sich an der Stelle, wo die 
Galle entsteht, meist stark nach unten 
ausbiegt, so dass die Galle von oben 
besehen mehr oder minder tief in das 
Blatt eingesenkt erscheint. Entsprin- 
gen an dieser Stelle eine oder mehrere 
Seitenrippen aus der Mittelrippe, so 
werden auch diese an ihrer Basis in 
die Gallenbildung mit einbezogen. 

Sie ist in der Regel eiförmig, 
10—14 Mm. hoch, 7—10 Mm. dick, 
dicht weisshaarig, anfangs gelbgrün, 
-später graugelb und hat eine mehr 
oder minder starke Verkrümmung der 
Blattfläche zur Folge, welche nicht 
selten die tief eingesenkte Galle wall- 
förmig umgibt. 



Zur Zeit der Reife platzt die Galle 
an ihrem oberen Theile; es entsteht 
eine grosse unregelmässige Oeffnung, 

9* 



68 



Franz Low. 



unregelmässig gezähnelten Rand hat 
und den geflügelten Gallenbewohnern 
die Auswanderung ermöglicht. 

Die Stammmutter, welche diese 
Gallen erzeugt, ist nach ihrer letzten 
Häutung lichtgraugrün mit etwas helle- 
ren Fühlern und Beinen. 



duroh welche die geflügelten Gallen- 
bewohner auswandern. 

Die Stammmutter, welche diese 
Gallen erzeugt, ist nach ihrer letzten 
Häutung gelblichweiss und hat Kopf, 
Schnabel, Fühler und Beine schwärz- 
lich oder schwarz. 




Galle von Schizoneura compressa Koch. 

Man sieht aus dem Vorstehenden, dass auch die Gallen dieser zwei 
generisch verschiedenen Pemphiginen einander nicht einmal ähnlich, geschweige 
denn gleich sind. 

In den Annais and Magaz. of Nat. Hist. ser. 1, Vol. II, 1839, p. 189 
wurde von Haliday 4 ) eine Ulmenblattlaus wie folgt beschrieben: „Eriosoma 
pallida, Curtis, guide, App. 279. 5 ) This species, like E. ulmi-gallarum, 
inhabits the leaves of the mountain elm; its follicles are more solid and 
imbedded in the leaves near the base of the midrib, not clavated on a foot- 
stalk. The apterous female is white. The follicles burst about the beginning 
of August. The society is then very numerous, and the farinose secretion 
more abundant than in the former species. The winged insects are glossy 
bluish black, with the legs rather paler: collar dirty yellow, with a dusky 
transverse line: a row of lateral dots on the abdomen and its underside are 
greenish yellow, as also the promuscis. The nervures of the upper wings 
nearly as in E. ulmi-gallarum but the lower have two nervures (in place of 
one) springing from the subcostal. The joints of the antennae are of differeut 
proportions, the sixth being rather longer than the fifth". 



4 ) Haliday's bezügliche Publication führt den Titel: „New British Insects, indicated in 
Mr. Curtis guide. (Ann. Mag. of Hist. ser. 1, Vol. II, 1839, p. 112—121 aud 183—190). 

5 ) John Curtis, A guide to an arrangement of British Insects, printed on one side for 
labeling cabinets, London, 2. Edit. 1837. (Enthält keine Beschreibung der Eriosoma pallida.) 



Zur näheren Kenntnis« zweier Peniphiginen. 



69 



Diese Beschreibung passt mit Ausnahme der Nervenzahl der Hinterflügel, 
sowohl hinsichtlich des Insects als auch der Galle desselben genau auf Tetra- 
neura alba Rtzbg. und es stünde somit der Identifizirung dieser letzteren mit 
Miosoma pallida Hai. nur der Umstand im Wege, dass Haliday bei seiner 
Art zwei Schrägadern im Hintcrflügel angibt. Nachdem er aber ausdrücklich 
sagt, dass die Nervation ihrer Vorderflügel mit der von Tetraneura ulmi Geoff. 
(= Aphis gallarum-ulmi Deg.) übereinstimmt, so dürfte seine Angabe über die 
Hinterflügel höchst wahrscheinlich auf einem Versehen beruhen, indem er etwa 
eine zufällige Flügelfalte für die zweite Schrägader hielt. Wenn sich dies 
wirklich so verhält, was ich schon deshalb nicht bezweifle, weil die Beschreibung, 
welche Haliday von der Galle seiner E. pallida gibt, genau auf die Galle von 
Tet. alba Rtzbg. passt, dann sind diese beiden Arten identisch und daher in 
eine zu vereinigen, welche in Zukunft Haliday's Speciesnamen zu führen 
hätte, weil dieser als der ältere die Priorität hat. 

Da das von Samouelle 6 ) 1819 aufgestellte Genus Eriosoma wegen 
seiner ungenügenden und auch viel zu weiten Begrenzung von den späteren 
Autoren nicht beibehalten wurde, so muss auch bei der in Rede stehenden Art 
der alte Genusname Eriosoma durch den neueren ersetzt werden und ihr Name 
daher in Hinkunft lauten: Tetraneura pallida Hai. (= Tet. alba Rtzbg.). 

Sehr interessant ist es, dass auch in Nordamerika auf der Ulme eine 
Blattlausgalle vorkommt, welche der oben beschriebenen Galle von Schiz. com- 
presset fast in jeder Hinsicht gleicht. Diese Galle entsteht auf den Blättern der 
„white elm" (Ulmus americana L.) neben den Seitenrippen und wird wegen ihrer 
Hahnenkammform, welche bei ihr noch ausgesprochener als bei der Galle von 
Schiz. compressa ist, von den Amerikanern „the cockscomb-elm-gall" genannt. 
Sie stimmt mit ihrer europäischen Verwandten aber auch darin überein, dass 
ihr Vorkommen auf eine einzige, bestimmte Ulmenart beschränkt und ihre 
Erzeugerin, welche von Asa F itch Byrsocrypta ulmicola genannt wurde, eben- 
falls eine äusserst kleine Pemphigine ist, die, so viel aus den Beschreibungen 7 ) 
entnommen werden kann, wahrscheinlich auch zum Genus Schizoneura gehört. 

Dieser Fall, dass eine europäische Galle in Nordamerika durch eine 
gleiche oder mindestens sehr ähnliche vertreten ist, steht aber nicht vereinzelt 
da ; man hat im Gegentheile beobachtet, dass viele der in Europa vorkommenden 



6 ) George Samo u eile hat in seinem in London 1819 erschienenen Schriftchen „The Ento- 
mologisfs useful compendium" p. 232 das Genus Eriosoma (Leach Mss.) aufgebteilt, demselben 
aber so weite Grenzen gezogen, dass in demselben eine grosse Anzahl sehr verschiedener Aphiden- 
species, welche alle einen in wollige Secretion gehüllten Leib haben, Aufnahme fand. Alle diese 
Arten wurden später nach und nach in den Gattungen der drei Subfamilien Lachninae, Pemphiginae 
und Chermesinae untergebracht, wodurch das Genus Eriosoma bedeutungslos geworden und voll- 
ständig eingegangen ist. 

7 ) Asa Fitch, V. Report on the noxious and other iusects of the State of New York 1859, 
p. 63 Nr. 317. — Walsh and Kiley, The American Entomologist, Vol. I, Nr. 6, 1869. p. 108, fig. 90 



70 



Franz Low. Zur näheren Kenntniss zweier Pemphiginen 



Cynipiden-, Tenthrediniden- und Cecidomyiden-Gallen ihr amerikanisches Ana- 
logem haben. 

Was das vorerwähnte Genus Byrsocrypta Hai. betrifft, so möchte ich 
schliesslich aufmerksam machen, dass der Gebrauch dieses Genusnamens, welchem 
man besonders in amerikanischen Schriften begegnet, ein ganz ungerechtfertigter 
ist. Haliday hat ein Genus Byrsocrypta in keiner seiner Publicationen 
charakterisirt , sondern diesen Namen für alle jene Blattläuse, welche ge- 
schlossene Gallen auf Blättern und Trieben von Pflanzen erzeugen, blos proponirt. 
Er sagt nämlich (Ann. Mag. of Nat. Hist. ser. 1, Vol. II, 1839, p. 190) am 
Schlüsse einer Observation über das Genus Eriosoma wörtlich Folgendes: „it 
will be necessary to separate those species which inhabit closed follicles on 
the leaves and shoots of plants. In that case I would propose the generic name 
Byrsocrypta for these last". Abgesehen davon, dass dies noch bei Weitem 
keine Gattungsdiagnose und der Begriff geschlossene Galle ein sehr dehnbarer, 
den Gegenstand nicht scharf genug bezeichnender ist, sind die Blattlausarten, 
welche solche Gallen erzeugen, generisch zu verschieden, als dass ihre Ver- 
einigung in eine Gattung zulässig wäre. Da nun Haliday für seinen Gattungs- 
begriff Byrsocrypta kein anderes Merkmal als die Erzeugung geschlossener 
Gallen angibt, die Gallenerzeuger selbst aber in keiner Weise charakterisirt, 
so erscheint sein Vorschlag ganz werthlos und unannehmbar. Es verdient daher 
der Name Byrsocrypta keine weitere Beachtung, weil er kein eigentliches, 
wissenschaftlich begrenztes Genus bezeichnet, sondern nur ein Name ist für 
ein Kunterbunt von Aphiden, welche geschlossene Gallen erzeugen. 

Wenn Westwood (Arcana Entomologica Vol. II, 1843, p. 63) sagt, dass 
der Name Byrsocrypta Hai. anstatt Pemphigus Hrtg. zu gebrauchen sei, so 
hat er aus zwei Gründen Unrecht. Erstens ist das Genus Pemphigus älter 
als der Name Byrsocrypta, denn es wurde von Hartig schon im Jahre 1837 
(Jahresbr. ü. d. Fortschritte der Forstwiss. und forstl. Naturk. 1. Jahrg. p. 645) 
aufgestellt, während Haliday den Namen Byrsocrypta erst 1839 proponirte; 
und zweitens könnte man mit demselben Rechte sagen, der Name Byrsocrypta 
sei statt Schizoneura, oder Tetraneura, oder Chermes zu gebrauchen, weil ja 
auch in diesen Gattungen Species vorkommen, welche geschlossene Gallen erzeugen. 



71 



Bestimmungs-Tabellen der europäischen Coleopteren. 

I. 

Enthaltend die Familien: 

Cucujidae, Telmatophilidae, Tritomidae, Mycetaeidae, 
Endomychidae, Lyctidae und Sphindidae. 

Vou 

Edmund Reitter. 

(Vorgelegt in der Jahres -Versammlung am 2. April 1879.) 

Obgleich die entomologische Literatur gar nicht mehr zu übersehen ist 
und bereits sehr viele vortreffliche coleopterologische Werke existiren, so haben 
wir bisher dennoch kein solches, das dem eigentlichen Sammler europäischer 
Käfer zu Gute käme. Ein Werk über die gesammten europäischen Coleopteren 
giebt es nicht und dürfte leider noch nicht so bald zu Stande kommen. Die 
deutsch-österreichischen Sammler bedienen sich fast durchgehends der Fauna 
austriaca von Eedtenbacher und der Naturgeschichte der Insecten 
Deutschlands, begonnen von Erichs on und fortgesetzt von Schaum, 
Kr a atz und v. Kiesenwetter. Das letztere Werk, zu weitläufig in seiner 
Anlage, hat keine Aussicht seine Vollendung zu erreichen; meines Erachtens 
wird die erste Abtheilung: die Käfer — nicht zum Abschlüsse gelangen. Wie 
sehr wir auch die bisher erschienenen Theile dieses Werkes zu schätzen gelernt 
haben, so wird es dennoch dem einfachen Sammler, theils wegen seiner Anlage, 
theils wegen seiner Nichtvollendung fremd bleiben. Eine grössere, wahrscheinlich 
sogar die grösste Verbreitung hat die Fauna austriaca gefunden. In gedrängter 
Form ausgeführt und mehr für den Sammler berechnet, ist es noch heute auf 
dem Studiertische des letzteren geblieben. Die darin durchgeführte analytische 
Behandlung des Stoffes hat überall Anklang und Nachahmung gefunden. Die 
Auseinanderhaltung der Arten daselbst ist ganz genial durchgeführt; noch vor- 
züglicher sind die Gattungen fixirt; leider aber dem einfachen Sammler schwer 
benützbar geblieben, da dieselben fast nur auf von den Mundtheilen entnommene 
erkmale basirt wurden. Ohne anatomisches Studium kann sich der Anfänger 



72 



Edmund Reitter. 



von ihnen keinen Begriff machen und ist gezwungen Gattungsrepräsentanten aus 
grösseren Sammlungen früher kennen zu lernen. Die zweite Auflage der Fauna 
austriaca war seinerzeit wohl das beste Handbuch der deutsch- österreichischen 
Coleopterologen. Die dritte Auflage ist gegen die vorhergehende zurückgeblieben. 
Eine Eeihe lang bekannter Berichtigungen ist darin leider unberücksichtigt 
geblieben und in der Artentabelle der schwierigen Claricornien befindet sich 
eine bedeutende Anzahl unrichtiger Artendeutungen. Wenn wir aber von dem 
letzten Umstände absehen und nach ihr auch ferner unsere heimischen Käfer 
bestimmen wollen und können, — nach welchem Werke sollen wir unsere Er- 
werbungen südeuropäischer Käfer, also jene aus Grichenland, Italien, Spanien, 
dann jene aus Ungarn, Russland etc. determiniren, wenn wir dem einfachen 
Sammler, namentlich jenem in der Provinz und der kleinen Städte nicht zu- 
muthen wollen, die Originalbeschreibungen der täglich sich mehrenden Art9n 
in der grossen Zahl von Zeitschriften und in den Abhandlungen unzähliger 
Vereine, welche in acht bis zehn Sprachen. abgefasst sind, nachzuprüfen, wozu 
er in den meisten Fällen auch beim besten Willen, keine Gelegenheit besitzt. 
Eine Naturgeschichte der Käfer Europas Hesse sich nur dann ausführen, wenn 
sich daran sämmtliche Monographen betheiligen und nach einem bestimmten 
Plane, in gedrängter Kürze, jeder seine ihm geläufigen Familien, so rasch als 
es eine derartige, wissenschaftliche Arbeit gestattet, bearbeiten würden. 

Um nun diesem Mangel eines handlichen Werkes über die ganzen 
europäischen Käfer theilweise abzuhelfen, habe ich mit mehreren Collegen den 
Plan zu einer gemeinschaftlichen Arbeit entworfen, die, wenn wirklich zur 
völligen Durchführung gelangt, wohl geeignet sein dürfte, dem obigen Bedürf- 
nisse mehr oder minder zu entsprechen. Die hauptsächlichen Grundzüge dieses 
Planes erlaube ich mir in nachfolgenden Sätzen kurz zu erörtern, und wenn 
derselbe die Zustimmung der deutschen Coleopterologen findet, so werde ich um 
so eifriger bemüht sein denselben einem baldigen Abschlüsse entgegen zu führen. 

Die Auseinanderhaltung der Arten soll nach der analytischen Methode 
in der kürzesten Form geschehen, damit das grosse zu bewältigende Material 
die Arbeit möglichst wenig hinauszieht und das abgeschlossene Werk nicht zu 
voluminös und dadurch vertheuert wird. Diesen Zweck glaube ich am besten 
durch Bestimmungstabellen zu erreichen, welche auf selbstständige Unter- 
suchungen basiren sollen. Dabei sollen nur solche äusserlich sichtbare Merk- 
male zur Trennung der einzelnen Gattungen und Arten gelangen, welche 
bei einer Verfolgung derselben das gemeinte Object möglichst verlässlich 
erkennen lassen, ohne dass aber die beabsichtigte Kürze des Ganzen darunter zu 
leiden hätte. 

In den Umfang der Arbeit gelangen alle bekannten, d. h. beschriebenen 
europäischen Arten mit Zuziehung jener des hohen Caucasusgebirges. Den 
Autoren steht es auch frei, die Arten der nordafrikanischen Küstenstriche mit 
in das Bereich der Bearbeitung aufzunehmen; überhaupt soll lieber eine Art 
mehr aus den benachbarten Ländern aufzuzählen sein, als eine beschriebene 
europäische Art todtgeschwiegen werden. 



Be8tiinmung8-Tabellen der europäischen Col«opteren. I. 



73 



Es werden vorerst Bestimmungstabellen der Gattungen und Arten ge- 
geben. Sollte das Werk zu einem erfreulichen Ende gelangen, so wird dem- 
selben eine analytische Uebersicht der Familien, wie schwer dies auch in 
gedrängter Form zu geben ist, vorangestellt werden. 

An der Bearbeitung des Werkes werden mehrere Collegen unter der Autor- 
schaft des von ihnen verfassten Abschnittes theilnehmen. 

Die Reihenfolge von einzelnen Familien wird vorerst nicht nach dem 
gegenwärtigen System gegeben. Das letztere wird sich in Kürze wohl wesentlich 
ändern, wenn erst einmal Thomson's Leistungen gebührend gewürdiget sind. 
Jedem Monographen steht es frei, diejenigen Familien zuerst zu bearbeiten, 
für die er sich momentan am meisten interessirt und gegebene Umstände ihn 
dazu zuerst befähigen. Natürlich werden die Detailarbeiten innerhalb jeder 
Familie systematisch geschehen. 

Bei allen Arten wird das engere Vaterland bezeichnet. Wegen Ersparung 
des Raumes werden auch gewöhnlich keine Citate angeführt werden; eine Aus- 
nahme findet statt, bei Arten, die in den Tabellen zum ersten Male als 
europäische Formen nachgewiesen und allen jenen, welche überhaupt noch 
nicht in der neuen Auflage des Catalogus Coleoptevorum Europae von Stein 
und Weise, 1877, aufgeführt, in der Regel erst später beschrieben sind. Be- 
kannte Synonyme bleiben unberücksichtigt. 

Die Gegensätze der analytischen Tabellen werden einfach durch gleiche 
Zahlen bezeichnet; in den entwickelten und weiter gespaltenen Gegensätzen 
soll eine Wiederholung einer bereits früher in der Gattung gebrauchten Zahl 
vermieden werden. Die Ziffern erscheinen demnach fortlaufend. Dadurch wird 
es möglich sein, bei etwaigen Nachträgen durch die einfache Zahl die Stelle 
zu bezeichnen, wo die neue Art zu stehen kommt etc. 

Da die Ausführung unseres Planes mehrere Jahre in Anspruch nehmen 
dürfte, wird die Ausarbeitung der einzelnen Familien nach Fertigstellung der- 
selben sofort zur Drucklegung einer entomologischen Zeitschrift übergeben. 
Obgleich nicht gerade nothwendig, so ist es doch wünschenswerth, dass die- 
selben an einem Orte zum Abdrucke gelangen, wozu ich die Verhandlungen der 
zool.-botan. Gesellschaft in Wien mir vorzuschlagen erlaube. Die mehr oder weniger 
zersplitterten Theile der Arbeit werden nach Bewältigung des ganzen Stoffes 
systematisch geordnet und könnten dann mit den inzwischen nothwendig ge- 
wordenen Verbesserungen und Nachträgen completirt zum besonderen Abdrucke 
gelangen. Das ganze Werk soll mehr als ein Katalog europäischer Käfer; es 
soll ein Handbuch jedes Sammlers sein, aus welchem er die wichtigsten Unter- 
schiede und Merkmale jeder Gattung und Art schöpfen soll, ohne jedoch den 
Werth einer eingehenden Naturgeschichte beanspruchen zu wollen. 



Z. B. Ges. ß. XXIX. Abh. 



10 



74 



Edmund Reitter. 



I. Cucujidae. 1 ) 
Uebersicht der Abteilungen. 

1. Maxillen jederseits durch einen grossen Fortsatz des Kehlrandes bedeckt. 
Gelenkgruben der Vorderbeine nach hinten geschlossen. 2 ) Tarsen stets 
fünfgliederig, das erste sehr klein, schwer sichtbar. Fühler schnurförmig 
mit drei etwas dickeren Endgliedern. Schienen mit zwei kräftigen End- 
dornen an der Spitze. Mandibeln sehr dick und stark entwickelt. 

1. Prostomini, 

1 . Maxillen frei. Seiten des Kehlrandes nicht oder nur leicht zahnförmig nach 

aussen vortretend. Enddornen der Schienen sehr klein. 

2. Gelenkgruben der Vorderbeine nach hinten offen. Erstes Fussglied sehr kurz, 

meist schwer sichtbar. 

3. Erstes Fühlerglied nicht stark verlängert. Tarsen des mit 5, 5, 4, des 

9 mit 5, 5, 5 Gliedern 5. Cncujini, 

3. Erstes Fühlerglied sehr stark verlängert, leicht keulenförmig. Füsse bei 

beiden Geschlechtern fünfgliederig 3. Hyliotini» 

2. Gelenkgruben der Vorderbeine nach hinten geschlossen. Füsse in beiden 
Geschlechtern fünfgliederig. Kehlrand fast immer zahnartig vortretend. 
Spitze des Pigydiums manchmal sichtbar. 

4. Erstes Fussglied kurz, das dritte lang, zweilappig. Endglied der Kiefertaster 

gross, kurz beilförmig. Fühler allmälig gegen die Spitze verdickt, ge- 
wöhnlich mit verlängertem erstem Gliede. Prosternumspitze zwischen den 
Vorderhüften sehr schmal. Die vorderen Hüften fast aneinander stehend. 

Flügeldecken in Streifen punktirt 4. JPsammoecini. 

4. Erstes Fussglied kurz. Endglied der Kiefertaster klein, kegelförmig. Fühler 
mit dreigliederiger Keule. Prosternumspitze sehr schmal. Vorderhüften 
fast aneinander stehend, die mittleren etwas, die hintersten weit aus- 
einander gerückt. Flügeldecken nicht gestreift; erloschen punktirt. 

5. Hypocoprinu 

4. Viertes Fussglied sehr klein, drittes ausgerandet. Hüften fast gleichweit, mässig 
einander genähert, selten die hintersten abgerückt. Flügeldecken fast immer 
in Streifen punktirt. Prosternumspitze ziemlich breit. 6. Silvanini. 

*) Die Fühler der Arten dieser Familie sind immer elfgliederig. 

2 ) Mit vielem Glück wurde von Thomson und gleichzeitig Leconte die Form der 
vorderen Hüftgrüben hei der systematischen Eintheilung Denützt. Die Passandriden, die Leconte 
nicht alle kennt und zu welchen hisher die Gattung Prostomis, wegen den bedeckten Maxillen, 
gezählt wurde, müssen aher in zwei Gruppen getheilt werden, und zwar: 

1. Gelenkgrüben der Vorderheine nach hinten offen: Passandrini. Hieher die Gattungen : 

Passandra, Catogenus, Hectarthrum und Passandrina ßttr. 

2. Gelenkgruhen nach hinten geschlossen: Prostomini. Hieher Sealidia, Ancistria, 

Laemotmetus und Prostomis; die heiden ersteren Gattungen hahen die drei ersten 
Fussglieder sehr verlängert, bei den zwei letzteren ist das erste Glied sehr verkürzt 
und schwer siebtbar. 



Betimmungs-Tabellen der europäischen Coleopteren. I. 



75 



I. Abtheilung: Prostomini. 

Fortsatz des Kehlrandes breit, an der Spitze abgestutzt. Mandibeln kürzer 
als der Kopf, niedergebogen. Kopf am Hinterrande obne Eindruck. Fübler 
wenig behaart. Halsschild an den Seiten gerandet, gegen die Basis leicht 
verengt. Hinterrand des Analsegmentes emporgehoben. 1. Laemotmetus* 

Fortsatz des Kehlrandes lang, schmal und spitzig. Mandibeln von der Länge 
des Kopfes, gerade vorgestreckt. Kopf hinten mit einer Querfurche. 
Fühler lang behaart. Halsschild an den Seiten ganz ungerandet, nach 
vorne schwach verengt. Analsegment einfach .... 2. Prostomis. 

1. Laemotmetus Gerstäcker. 

Wiegm. Archiv. Natur. 33. p. 45. 

Parallel, gewölbt, rostroth, Halsschild ohne Mittellinie, Flügeldecken tief 
gestreift. Long. 3-7 Mm. Aus Südafrika und Centraiamerika mit Drogüen 
nach Deutschland eingeschleppt. — Gerstäcker 1. c. p. 45. — Orycoecus 
cathartoides Eeitter ferrugineus Gerst. 

2. Prostomis Latreille. 

Parallel, niedergedrückt, hell rostgelb, Halsschild mit einer Mittellinie, Flügel- 
decken in Streifen punktirt. Long. 5*5 Mm. Mitteleuropa. 

mandibulares Fbr. 

II. Abtheilung: Cucujini. 

1. Fortsatz des Prosternums zwischen den Vorderhüften schmal. Mittelhüften 

entfernter stehend als die vorderen. Seiten des Halsschildes gezähnt, die 
Scheibe beiderseits ohne Längslinie. 

2. Wangen unter den Augen nach aus- und abwärts lappig erweitert. Fühler 

mit gestrecktem drittem Gliede, Keule nicht abgesetzt. Flügeldecken nicht 
gestreift 3. Cucujus. 

2. Wangen kaum vorhanden. Fühler mit dreigliederiger Keule. 

3. Drittes Fühlerglied kaum länger als breit. Flügeldecken nicht gestreift. 

Kehlrand aussen gezähnt. Körper niedergedrückt ... 4. Pediacus. 

3. Drittes Fühlerglied viel länger als breit. Flügeldecken dicht streifig punktirt. 

Kehlrand abgestutzt, ungezähnt. Körper leicht gewölbt. 3. Phloeostichus, 
1. Fortsatz des Prosternums breit. Alle Hüften weit, gleich weit auseinander 
gerückt. Halsschild jederseits mit einer Längslinie. 

4. Die Linien des Halsschildes setzen sich am Kopfe fort. Fühler mindestens 

den Hinterrand des Halsschildes erreichend ... 6. Laemophloeus, 
4. Diese Linien des Halsschildes am Kopfe nicht fortgesetzt. Fühler sehr 
kurz, den Hinterrand des Halsschildes nicht erreichend. 7. Lathropus. 

10* 



76 



Edmund ßeitter. 



3, Cucifjus Fabr. 

Oben scharlachroth, Mandibeln mit den Seitenrändern des Halsschildes 
schwarz. Halsschild nach abwärts verengt, alle Ecken vortretend. Long. 
14 Mm. — Europa sanguinolentus Lin. 

Oben scharlachroth, die Spitze der Mandibeln schwarz. Die Ecken des Hals- 
schildes mit dem gezähnten Seitenrande verrundet. Long. 14. Mm. — 
Schlesien. Osteuropa haematodes Erichs. 

4. JPediacus Shuckard. 

1. Niedergedrückt, rostbraun, Halsschild mit zwei tiefen Furchen, Flügeldecken 

an den Seiten mit einem Kiele. 

2. Hinterwinkel des Halsschildes ein sehr kleines, stumpfes Zähnchen bildend. 

Long. 4 Mm depressus Hrbst. 

2. Hinterwinkel des Halsschildes ein sehr deutliches, scharf rechtwinkeliges oder 
spitzes Zähnchen bildend. Long. 4 Mm. . . . dermestoides Fabr. 

1. Ziemlich flach, schmutzigbraun, Halsschild ohne deutliche Furchen, Flügel- 
decken an den Seiten kaum gekielt. Long. 3 5 Mm. — Europa, Nordamerika. 

fuseus Er. 

5. Phloeostichiis Redtb. 

Braunschwarz, fein hell behaart, Halsschild an den Seiten scharf gezähnelt, 
oben vor der Basis mit zwei flachen Gruben, Flügeldecken mit zwei 
wellenförmigen, rostrothen Querbinden. Long. 4"2— 4*5 Mm. — Schlesien, 
Oesterreich, Tirol, Siebenbürgen denticollis Redtb. 

6. Laemophloeiis Casteln. 

1. Clypeus vorn in der Mitte ausgerandet oder dreibuchtig. Stirn mit feiner 

Längslinie. Schildchen dreieckig oder halbkreisförmig. 

2. Körper glatt. Halsschildseiten stumpf gezähnelt. Flügeldecken schwarz, eine 

grosse Makel vor der Mitte roth. 

3. Halsschild roth, in der Mitte schwarz. Unterseite rostroth. Long. 4 Mm. 

Nord- und Mitteleuropa denticulatus Preissl. 

3. Halsschild und Unterseite einfarbig schwarz. Long. 3— 4 Mm. — Südfrankreich, 

Algier, Caucasus. — Lucas, Explor. alg. Ent. p. 478 Taf. 40. Fig. 7. 

nigricollis Lucas. 

2. Körper sehr fein, manchmal schwer sichtbar behaart. Seiten des Hals- 
schildes ungezahnt, ganzrandig. 

4. Hals schild quer. 

5. Clypeus durch eine quere feine Linie zwischen den Augen abgesetzt. Schwarz, 

schwer sichtbar behaart, Fühler und Beine pechbraun. Long. 3'5 Mm. — 



Nordeuropa muticus Fabr. 

5. Stirne zwischen den Fühlern ohne Querlinie. Fühler fadenförmig. 

6. Fühler sehr lang, gegen die Spitze kaum verdickt, die Glieder länglich. 

Schwarzbraun, die Flügeldecken heller. Long. 3 Mm. — Tirol, Frankreich etc. 

castaneus Er. 



Bestimmungs-Tabellen der europ&iBcheu Coleopteren. [. 



77 



6. Die letzten sechs Fühlerglieder schwach verdickt, beim cT etwas, beim Q 

kaum länger als breit. Gelbroth, jede Flügeldecke hinter der Mitte mit einer 
grossen schwarzen Makel. Long. 22 Mm. — Europa, bimaculatus Payk. 
4. Halsschild quadratisch, die Vorderecken spitz, klein, nach vorne leicht vor- 
tretend. Stirn zwischen den Fühlern mit einer tiefen Querlinie. Roth- 
gelb, glänzend. Long. 2 5 Mm. — Ueber die ganze Erde verbreitet. 

testacens Fabr. 

1. Clypeus vorne fast gerade abgestutzt; Stirn ohne Längslinie und ohne Quer- 
linie zwischen den Fühlern. Schildchen quer. Körper fast immer rost- 
roth, selten schwarz. 

7. Halsschild jederseits mit zwei Längslinien, quadratisch, gegen die Basis 

leicht verengt, Hinterwinkel rechteckig. Long. 1*5—2 Mm. — Europa. 

duplicatus Waith 

7. Halsschild jederseits nur mit einer Längslinie. Körper niemals ganz unbehaart. 

8. Flügeldecken doppelt so lang als zusammen breit oder kürzer. Die mittleren 

Fühlerglieder (exclusive 6 und 8) gewöhnlich quadratisch oder länger 
als breit. 

9. Fühler den Hinterrand des Halsschildes überragend. 

10. Hinterwinkel des Halsschildes rechteckig oder spitzig. 

11. Fühler des von der Länge des Körpers, vom vierten Gliede an sehr ge- 

streckt und gleichmässig, die Keule nicht dicker abgesetzt. Halsschild 
an den Seiten nicht gerundet, quadratisch oder quer. Mandibeln des 
an der Wurzel aussen kaum eckig erweitert. 

12. Halsschild in beiden Geschlechtern breiter als lang; das 5.-8. Fühlerglied des Q 

kaum länger als breit; Flügeldeckenspitze stets gemeinschaftlich abgerundet. 
Long. 1*5 Mm. — Ist über die ganze Erde verbreitet . pusillus Schh. 
12. Halsschild des 9 quadratisch, des cf etwas breiter als lang; das 5.-8. 
Fühlerglied des 9 bedeutend länger als breit; Flügeldeckenspitze stets 
stumpf, fast abgestutzt. Long. 2 Mm. Türkei. Wird in Deutschland auch 
in aus dem Oriente stammenden Früchten gefunden. An. franc. 1877. III. 212. 

Turcicus Grouv. 

11 Fühler des die Mitte des Körpers etwas überragend, die Keule deutlich 
dicker abgesetzt. Halsschild so lang als breit, vor der Mitte gerundet; 
Mandibeln des aussen an der Wurzel eckig erweitert. Long. 2 Mm. 

— Europa, Amerika ferrugineus Steph. 

10. Hinterwinkel des Halsschildes stumpf, das letztere so lang als breit, nach 

der Basis verengt. Fühler wie bei ferrugineus. Mandibeln des o 71 a- n 
der Wurzel aussen eckig erweitert. Schwarz oder rostroth. Long. 2 Mm. 

— Europa ater Oliv. 

9. Fühler den Hinterrand des Halsschildes nicht erreichend ; Glied 3—8 quer. 

Halsschild quadratisch, nach der Basis nicht verengt, Winkel rechteckig. 
Flügeldecken wie bei ferrugineus. Mir ist diese Art noch nicht unter- 
gekommen. — Schweden brevicornis Thoms. 



78 



Edmund Reitter. 



8. Flügeldecken mehr als doppelt so lang als zusammen breit, oder länger. 
Fühler gewöhnlich kurz mit stets deutlich abgesetzter Keule. 

13. Hinterwinkel des Halsschildes scharf rechtwinkelig oder spitzig. 

14. Flügeldecken an der Spitze gemeinschaftlich abgerundet. 

15. Fühler des 9 von halber Körperlänge, die des cT etwas länger, die mittleren 

Glieder (exclusive 6 und 8) fast etwas länger als breit. Halsschild so lang als 
breit, nach der Basis verengt, die Punktirung wie bei duplicatus. Flügel- 
decken dreimal so lang als das Halsschild, die abwechselnden Streifen 
undeutlicher, die andern an der Basis erhöht. Mir unbekannt. — Litthauen. 

Abietis Wankow. 

15. Fühler des cT den Hinterrand des Halsschildes erreichend, die des 9 kürzer; 

die mittleren Glieder kugelig oder quer. 

16. Flügeldecken gleichmässig dicht und tief gestreift. — Deutschland. 

Weisel n. sp. ') 

16. Flügeldecken mit abwechselnd stärkeren und erloschenen Streifen. 

17. Flügeldecken zwischen der Schulterrippe und der Naht niedergedrückt, 

glänzend; Kopf und Halsschild sehr dicht punktirt, deutlich behaart, 
wenig glänzend. 

18. Halsschild vorne nicht schmäler als die Flügeldecken, die letzteren schmal, 

die Zwischenräume der Streifen am Grunde kaum hautartig punktirt. 
— Griechenland Krüperi n. sp. 2 ) 



*) Ziaemo2>hloeus Weisel n. sp. 

Elongatus, depressus, ferrugineus, nitidulus, omnium sübtilissime vix perspicue pubescens, 
antennis brevissimis, moniliformibus, prothoracis basin haud attingentibus, clava distincta ; 
prothorace quadrato, subtillissime punctulato, utrinque unistriato, lateribus parälhlo, angulis 
posticis rectis, elytris thorace paululum latioribus et plus quam triplo longioribus, dense aequaliter 
profunde striatis. Long. + 2 Mm. (9)- 

Dem L. corticinus Er. sehr ähnlich, rostroth, stark niedergedrückt, äusserst kurz und fein, 
kaum sichtbar behaart, ziemlich glänzend. Vorderrand des Clypeus fast gerade, die Stirn mit 
der Spur einer Mittellinie. Fühler sehr kurz, den Hinterrand des Halsschildes nicht erreichend, 
die Glieder rundlich-quer, die Füblerkeule gut abgesetzt, gleichbreit. Halsschild fast so lang als 
breit, quadratisch, die Seiten parallel, die Winkel rechteckig, die Scheibe sehr fein, mässig gedrängt 
punktirt, jederseits mit einer Subraarginallinie, oben ziemlich niedergedrückt. Schildchen quer. 
Flügeldecken dreimal so lang als das Halsschild und 2 x / 2 Mal so lang als zusammen breit, etwas breiter 
als das Halsschild, oben niedergedrückt und gleichmässig dicht gestreift, die Streifen tief und fein 
gekerbt ; die Schulterrippe viel schwächer erhaben als bei den verwandten Arten. Beine heller. 

Wurde von meinem lieben Freunde Weise in der Nähe von Berlin entdeckt, dem ich sie 
zu widmen mir erlaube. Diese Art ist zunächst mit brevicornis Thoms. verwandt, hat ebensolche 
Fühler und ein gleiches Halsschild, die Flügeldecken sind aber viel länger und ganz anders sculptirt; 
wegen der einfach gestreiften Flügeldecken tritt sie ganz nahe an Clematidis und corticinus heran : 
es fehlt ihr aber wieder die runzelige gedrängte Punktirung des Halsschildes ; auch hat das letztere 
rechtwinkelige Hinterecken, wodurch sie sich schon allein sehr leicht von diesen erkennen lässt. 

r ) Laemophloeus Krüperi n. sp. 

Elongatus, subdepressus, nitidulus omnium subtillissime pallido pubescens, antennis sub- 
moniliformibus , prothoracis basin fere attingentibus, clava distincta, clypeus apice rede 
truncatus, prothorace quadrato, basin versus leviter angustato, dense punctulato, utrinque 
sübtilissime tmistriato, angulis posticis rectis; elytris tristriatis interstitiis subseriatim punctu- 
latis, lateribus carinatis, dorso depressis. Mandibulae maris extus haud dentatae. Long. 2 Mm. 



Bestimmuugs-Tabellen der europäischen Coleopteren. I. 



79 



18. Halsschild vorne etwas schmäler als die Flügeldecken, diese breit, die 

Zwischenräume der Streifen am Grunde bei starker Vergrösserung haut- 
artig punktirt. Long. 2'5 Mm. — Südeuropa . . . Juniperi Grouv. 
17. Flügeldecken oben durchaus gleichmässig, schwach gewölbt. Die Behaarung 
des Körpers ist schwer sichtbar. 

19. Glänzend, das Halsschild vor dem Hinterrande kaum sichtbar quervertieft. 

Mandibeln des cf 1 kaum eckig erweitert. Long. 2'5 Mm. — Corsica, 
Nordafrika JPerrisi Grouv. 

19. Kopf und Halsschild schwach glänzend, die Flügeldecken fast matt; das 

Halsschild vor dem Hinterrande mit einem deutlichen Quereindrucke; 
Mandibeln des etwas vorragend und an den Seiten winkelig erweitert. 
Long 15—2 Mm. — Deutschland, sehi selten . . . alternans Er. 
14. Flügeldecken an der Spitze etwas erweitert, schwach aufgebogen und jede 
schräg abgestutzt. Long. 1'8 Mm. — Frankreich, Corsica, Nordamerika. 

fractipennis Mötsch. 

13. Hinterwinkel des Halsschildes stumpf. 

20. Glänzend; Kopf und Halsschild einfach fein punktirt, das letztere des 

vorne so breit als die Flügeldecken, diese gleichmässig schwach gewölbt, 
die abwechselnden Streifen deutlicher als die andern. Long, -f- 2 Mm. — 

Südfrankreich, Sicilien ECypobori Perris. 

20. Kopf und Halsschild sehr gedrängt und fein rissig oder runzelig punktirt, 
fast matt; Flügeldecken gleichmässig gestreift und auf der Scheibe der 
Länge nach niedergedrückt. 



Von der Form und Färbung des L. Clematidis aber kleiner, überall fein behaart, ziemlich 
stark niedergedrückt. Fühler fast den Hinterrand des Halsschildes erreichend, die Glieder kaum 
so lang als breit, die Keule abgesetzt, die zwei ersten Glieder derselben schwach quer, das letzte 
etwas länger als breit. Kopf beim ^ von der Breite des Halsschildes, beim Q nur wenig 
schmäler und sowie das Halsschild sehr dicht und fein aber einfach punktirt. Halsschild so lang 
als breit, beim Q merklich länger als beim gegen die Basis leicht verengt, die Vorderwinkel 

stumpf, die hinteren als eine rechtwinkelige Spitze vortretend, die Scheibe jederseits mit einer 
obsoleten Submarginallinie, welche aber deutlicher ist als bei corticinus. Schildchen quer. Flügel- 
decken von der Breite des Halsschildes am Vorderrande, fast dreimal so lang als zusammen breit, 
zwischen der Humeralrippe und der Naht niedergedrückt, die ersten fast bis zur Spitze erhaben, 
oben mit drei Streifen und die Zwischenräume mit einer Punktreihe und überdies mit zerstreuten 
Pünktchen besetzt. 

Ich hielt diese Art mit Grouvelle lange Zeit über für alternans Er.; die letztere aber 
ist nach dem gesehenen Typ am königl. Museum in Berlin ein ganz anderer Käfer, dessen Flügel- 
decken nicht niedergedrückt und dessen Mandibeln beim aussen stark winkelig erweitert 
sind. Alles was ich bisher, als L. alternans meinen Correspondenten mittheilte, gehört mithin zu 
dieser neuen Art. Sie unterscheidet sich von Hypobori, dem sie am nächsten steht, durch noch 
kleineren Körper, deutlichere Behaarung, lange Fühler, dichtere Punktirung auf Kopf und Hals- 
8child, die niedergedrückten Flügeldecken auf der Scheibe und die rechtwinkeligen Hinterecken 
des Halsschildes ; von Juniperi durch schmälere und kleinere Körperform etc. 

Wurde mir ziemlich zahlreich von Kr ü per aus Griechenland gesendet; ist, wie es scheint, 
dort nebst ater die am meisten verbreitete Art. 



80 



Edmund Reitter. 



21. Schmal, schwach niedergedrückt; Flügeldeckenspitze gemeinschaftlich halb- 
kreisförmig abgerundet. Long. 2"5 — 3 Mm. — Europa. 

Clematidis Erichs. 

21. Ziemlich breit, stark niedergedrückt; Flügeldeckenspitze stumpf, abgerundet. 
Long. + 2 Mm. — Europa, Kleinasien .... cortidnus Erichs. 

7. Lathropus Erichson. 

Klein, schwarz, matt, Halsschild mit stumpf gezähnelten Seiten, Scheibe mit 
vier sehr flachen Gruben, Flügeldecken in Streifen einfach punktirt. 
Long. 1*5 Mm. — Europa. An Eichenzäunen . . . sepicola Müll. 

III. Abtheilung: Hyliotini. 

Halsschild an den Seiten ungerandet, länger als breit. 8. Dendrophagus. 
Halsschild breiter als lang, an den Seiten gezähnt .... 9. Hyliota. 

8. Dendrophagus Schönh. 

Braun bis schwarz, glänzend, Seiten des Halsschildes doppelbuchtig, oben 
tief punktirt, Flügeldecken streifig gekerbt. Long. 4—5 Mm. — Nord- 
europa, Steiermark crenatus Payk. 

9. Hyliota Latreille. 
Brontes Fabric. 

Schwarz, matt, Vorderwinkel des Halsschildes doppelspitzig vorragend, 
Mandibeln des cT mit einem gebogenen langen dünnen Hörne. Long. 5. Mm. 

planata Linn. 

IV. Abtheilimg: Psammoecini. 

Erstes Fühlerglied viel länger als das dritte, verlängert. Halsschild breiter 

als lang 10. Psammoecus. 

Erstes Fühlerglied nicht verlängert, kaum länger als das dritte. Hals- 
schild länger als breit 11. Cryptamorpha. 

10. Psammoecus Latreille. 

Rothgelb, die Flügeldecken heller, der Kopf, eine runde Makel, unter der 
Mitte jeder Flügeldecke und die vorletzten zwei bis drei Fühlerglieder 
schwärzlich. Flügeldecken tief gestreift punktirt. Long. 2*5 Mm. — 
Mittel- und Südeuropa auf Sumpfboden, im Rohr . bipunctatus Fbr. 

Individuen aus Südeuropa, mit einfarbigen Fühlern und röthlichem 
Kopfe sind die Varietät Boudieri Lucas. Ein specifischer Unterschied 
ist nicht vorhanden. 



Hestiinmungs-Tabellen der europäischen Coleopteren I. 



XI 



11. Cryptamorpha Wollaston, 
Ins. Mader. 1851, p. 156. 

BIrss röthlichgelb, die drei vorletzten Fülllerglieder und eine gemeinschaftliche 
x-förmige, manchmal in der Mitte unterbrochene, Zeichnung schwärzlich. 
Long. 4 2 Mm. — Fast über die ganze Erde verbreitet und in Südeuropa 
wohl noch sicher aufzufinden. Pseudophanus signatus Leconte. 

ninsae Woll. 

V. Abtheilung: Hypocoprini. 

Erster Bauchring so lang wie die beiden nächsten zusammen. Fünftes Fühler- 
glied etwas dicker als die umgebenden. Halsschild quadratisch, die Seiten 
ganzrandig, die Ecken abgestumpft, Flügeldecken ohne Streifen, sehr er- 
loschen punktirt, Spitze des Pygidiums etwas vortretend. Braunschwarz, 
kaum glänzend, Fühler und Beine rostbraun. ... 12. Hypocoprus, 

12. Hypocoprus Motschulsky. 

Halsschild deutlich länger als breit, Flügeldecken schmal, wenig breiter 
als das Halsschild, fast dreimal so lang als in der Mitte zusammen breit, 
im ersten Drittel am breitesten. Long. 1 Mm. — Südrussland, Caucasus. 

lathridioides Mötsch. 

Halsschild kaum länger als oben breit, Flügeldecken viel breiter als das Hals- 
schild, kürzer, höchstens doppelt so lang als in der Mitte zusammen 
breit. Long. 1 Mm. — Hieher die aus Deutschland, Frankreich, Corsica etc. 
stammenden und für lathridioides gehaltenen Stücke. — Verh. d. zool.- 
botan. Ges. 1877. I. 1 ) quadricollis Rttr. 

VI. Abtlieilung : Silvani?ä. 

Fühler gegen die Spitze verdickt. Erster Bauchring so lang als die beiden 
nächsten zusammen. Alle Hüften einander massig genähert. Halsschild 
am Vorder- und Hinterrande gerade, Seitenrand gekerbt, Vorderwinkel nicht 
zahnförmig vortretend 13. Airaphilas. 

Fühler mit zweigliederiger Keule. Erster Bauchring fast so lang als die 
beiden nächsten zusammen. Die Hinterhüften weit auseinander gerückt. 
Halsschild am Vorderrande breit ausgeschnitten, wodurch die Vorderecken 
nach vorne etwas vorspringen und nahezu die Augen berühren, am Hinter- 
rande jederseits neben dem Hinterwinkel für die nach vorne beulenförmig 
vortretenden Schultern ausgerandet: Seitenrand sehr fein gekerbt, gleich- 
massig 14. Astilpnus. 

x ) Ein Stück aus Chili, das icli besitze, hat wieder die schmälero Form des echten Utthri- 
oides, wird aber wohl bei gründlicher Untersuchung sich von demselben als specilioeh verschieden 
weisen. 

Z. 1'.. Gos. B. XXIX. Abh. | l 



82 



Edmund Reitter. 



1. Fühler mit dreigliederiger , oder viergliederiger stark verdickter, ovaler 

Keule. Bauchringe fast von gleicher Länge. Alle Hüften einander massig 
genähert. 

2. Unbehaart. Fühlerkeule dreigliederig. Halsschild quadratisch, die Seiten 

einfach gerandet, ungekerbt, die Prosternumnähte tief furchenförmig 
markirt. Flügeldecken an der Basis gerade, Schenkel schwach verdickt. 

15. Xenoscelis. 

2. Behaart. Fühler dick mit kräftig viergliederiger ovaler Keule. Schenkel 
sehr stark verdickt, die hintersten beim $ gezähnt mit gebogenen Hinter- 
schienen. Basis der Flügeldecken in der Mitte tief ausgerandet. Seiten- 
rand des Halsschildes stumpf sechszähnig 16. Nausibius* 

2. Behaart. Fühlerkeule dreigliederig. Schenkel mässig verdickt. Basis der 

Flügeldecken in der Mitte schwach ausgebuchtet. Seiten des Halsschildes 
gezähnt oder gekerbt, mit spitzig nach aussen vortretenden Vorderwinkeln. 

3. Die Glieder der Fühlerkeule gleichbreit 17. Silvanus. 

3. Das erste oder letzte Glied der Fühlerkeule deutlich kleiner. 18. Cathartus, 

13. Airaphilus Redtb. 

1. Kopf dreieckig, sammt den Augen so breit, oder fast so breit als lang. Fast 

bei allen Arten dieser Gruppe liegt die grösste Breite des Halsschildes 
ober der Mitte. 

2. Halsschild viel breiter als lang, in den Seiten dicht gezähnelt. Einfarbig 

rostroth. — India or (serricollis Rttr.) 

2. Halsschild so lang als breit oder länger, Körper braunschwarz (selten rost- 

roth) oder schwarz, gewöhnlich mit dunklen Fühlern und Beinen. 

3. Halsschild so lang als breit, nicht länger. Fühler und Beine stets dunkel. 

4. Flügeldecken gegen die Spitze allmälig erweitert, wenig oder nicht breiter 



als das Halsschild im vorderen Drittel. Long. 3 Mm. — Mitteleuropa, 
Italien, Frankreich geminus Kraatz. 

4. Flügeldecken parallel, breiter als das Halsschild im vorderen Drittel — 
Sarepta, aber auch in Mitteleuropa JRuthenus Solsky. 

3. Halsschild deutlich länger als breit. 



5. Fühler und Beine braunschwarz. Flügeldecken etwas breiter als das Hals- 
schild, parallel. Long. 3 Mm. — Nord- und Mitteleuropa, elongatus Gyll. 

5. Fühler und Beine rostroth, sehr selten die Schenkel dunkler. 

6. Oberseite einfarbig. 

7. Flügeldecken breiter als das Halsschild, in der Mitte leicht gerundet. Long. 



2*5 Mm. — Teneriffa (nubigena Wollast.) 

7. Flügeldecken kaum breiter als das Halsschild und die Seiten parallel; dieses 
an den Seiten deutlich crenulirt. Long. 3 Mm. — Sicilia. (Mus. berol.) 

Siculus u, sp. 



6. Käfer rostroth mit dunklem Kopfe; seltener ist auch die der Länge nach 
schwach vertiefte Scheibe des Halsschildes dunkel. Long. 2 Mm. — Spanien. 

Carpetanus Heyden- 



Bestimmungs-Tabellen der europäischen Coleopteren. I. 



83 



1. Kopf nach vorne spitzig verlängert, viel länger als saramt den Augen breit. 

8. Halsschild länger als breit, nach vorne weniger als nach der Basis 

zu verengt; die grösste Breite derselben liegt also ober der Mitte, die 
Scheibe in der Mitte mehr oder minder deutlich niedergedrückt oder längs- 
vertieft. 

9. Schwarzbraun mit helleren Beinen ; Flügeldecken leicht gewölbt, an den Seiten 

gerundet, knapp unter der Mitte am breitesten, doppelt so lang als zu- 
sammen breit. Loug. 2 Mm. — Corsica . . . Corsicus Grouvelle. 
9. Braunschwarz, Flügeldecken flach, an den Seiten parallel, dreimal so lang 
als zusammen breit. — Syria, Ann. franc. 1874. Bullet. XXIX. 

Syriacus Grouvelle. 

8. Halsschild nach vorne und nach der Basis zu gleichmässig verengt, oder 

parallel, die grösste Breite derselben liegt in der Mitte. 
10. Halsschild fast nur so lang als breit, die Seiten sehr dicht und fein 
gezähnelt. Breite, schwärzlichbraune oder braune Art. Long. 3 Mm. — 
Südeuropa, Algier Talpa Kraatz. 

10. Halsschild viel länger als breit, die Seiten sehr fein, manchmal schwer 

sichtbar crenulirt. 

11. Flügeldecken nur zweimal so lang als das Halsschild. Eobuste, dunkelroth- 

braune Art, mit kräftigen Fühlern und an den Seiten sehr deutlich 
gerundeten Flügeldecken. Long. 3 Mm. — Südeuropa, Algier. 

nasutus Chevrl. 

11. Flügeldecken mehr als zweimal so lang als das Halsschild. Schmale Arten 

mit schlanken Fühlern. 

12. Schmal, rostroth mit schwärzlichem Vorderkopfe; Flügeldecken in der Mitte 

schwach gerundet. Long. 2 Mm. — Südeuropa . ferrugineus Kraatz. 
12. Sehr schmal, linienförmig, schmutzig rostroth, Flügeldecken parallel, lang- 
gestreckt. — Cartagena Grouvellei n. sp. J ) 



*) Airaphilus Grouvellei h. sp. 

Valde elongatus, angustissimus , parallelus, fusco ferrugineus, dense cinereo pubescens, 
antennis pedibusque dilutioribus ; capite prothorace parum angusto, elongato, thorace oblongo, 
subdepresso, lateribus obsolete crenulato, in medio indistincte rotundato, elytris thorace vix 
latioribus sed triplo longioribus, valde elongatis, parallelis, dense seriatim rugtdoso-punctulatis. 
Long. 2'5 — 3 Mm. 

Die schmälste mir bekannte Art, linienförmig, hell rostbraun, überall dicht weisslichgrau 
behaart. Kopf etwas schmäler als das Halsschild, viel länger als sammt den Augen breit. Das 
zweite bis achte Fühlerglied ziemlich quadratisch, die drei letzten schwach keulenförmig abge- 
setzt, die zwei vorletzten verkehrt kegelförmig, kaum so lang als breit, das letzte länglich eiförmig. 
Das Halsschild l 1 /^ Mal so lang als breit, oben und an der Basis gerade, die Seiten entweder parallel 
oder in der Mitte gerundet, oben gleichmässig äusserst schwach gewölbt, fast eben, dicht runzelig, 
obsolet punktirt und behaart. Flügeldecken so breit als das Halsschild, dreimal so lang als dieses, 
parallel, dicht in gedrängten Reihen runzelig punktirt und behaart. Fühler und Beine heller rostroth. 

Nur mit filiformis zu vergleichen, aber noch viel schmäler, länger und grösser, die Flügel- 
decken parallel mit stumpferen Humeralecken, das Halsschild höher mit viel undeutlicherer Kerbung 
der Seiten und endlich durch die Färbung sehr verschieden. 

Mehrere Stücke von Cartagena. 

11* 



84 



Edmund Reitter. 



12. Sehr schmal, schwarzbraun mit braunrothen Beinen, Flügeldecken in der 
Mitte sehr schwach gerundet. Long. 2*6 Mm. — Spanien. 

filiformis Rosenh. 

14. Astilpmis Perris. 
Ann. Fr. 1866. 184. 
Rostroth, sehr fein behaart, Halsschild fast so lang als breit, schmäler als 
die Flügeldecken, mit zwei seichten Quereindrücken auf der Scheibe, 
Flügeldecken in dichten Reihen punktirt. Long. 15 Mm. — Sicilien, 
Algier. — Derotoma Ledert Reitter. Wahrscheinlich gehört Nilina 
reflexicollis Mötsch. B. Mose. XLI. 1868 p. 201 auch hieher. 

multistmolatus Perris. 

15. Xenoscelis Wollaston. 
Catal. Canar. Col. 1864. 132. 

Rostbraun, Halsschild stark und dicht punktirt, Vorderwinkel desselben leicht 
vorgezogen, Flügeldecken zwischen der Naht und Seitenrippe in sehr feinen 
Reihen punktirt. Long. 4 Mm. — Südeuropa, Algier. — Diochares 
depressus Rttr. 1 ) costipennis Fairm. 

Rostgelb, Halsschild äusserst gedrängt punktirt, Vorderwinkel desselben nicht 
vorgezogen, Flügeldecken zwischen der Naht und Seitenrippe in feinen 
Streifen punktirt. Long. 4'2 Mm. — Von Teneriffa, also noch nicht zur 
europäischen Fauna gehörend deplanatus Woll. 

16. Natisibins Redtenb. 
Dunkelbraun, Halsschild vor der Basis mit zwei quer in einander verflossenen 
drüben, die abwechselnden Zwischenräume der zarten Punktstreifen etwas 
stärker erhöht. Long. 3*5—4 Mm. — In Reislagern, dentatus Mrshm. 

17. Silvanus Latreille. 

1. Die Wangen unter den Augen gross, die letzteren daher vom Vorderrande 

des Halsschildes weit abstehend; die Seitenränder der Stirn erhaben. 
Halsschild an den Seiten mit sechs Zähnen. 

2. Clypeus am Vorderrande in zwei Zähne endigend. Long. 3 Mm. — Ueberall. 

bicornis Erichs. 

2. Clypeus am Vorderrand ohne deutliche Zähne. Long. 3 Mm. — Ueberall. 

Surinamensis Lin. 

1. Die Wangen unter den Augen nur als ein sehr kleines Zähnchen vortretend, 
oder gar nicht vorhanden. Seiten der Stirn kaum merkbar erhaben. 
Vorderwinkel des Halsschildes mehr oder minder zahnförmig verlängert. 



J ) In den Bull, entomol. der Ann. frauc. 1878 p. CXXX1V erwähnt Reiche die schon 
mehrmals berichtigte Synonymie dieses Thieres und zieht auch den dtplanatus Woll. zu costipennis, 
der jedoch davon sehr verschieden ist. 



Bestimniunge-Tabellen der europäischen Coleopteren. [. 



85 



3. Keine Wangen vorhanden. Halsschild fast quadratisch, die Seiten regelmässig 
gezähnelt. Flügeldecken hinter der Mitte mit einem dunklen Querbande. 
Long. 2-2 Mm. — In grösseren Handelsstädten, importirt. Auch in Amerika, 
Indien etc fascipennis Rttr. 

3. Die Wangen als ein sehr kleines Zähnchen unter den Augen sichtbar. 

Seiten des Halsschildes nicht gezähnelt. Flügeldecken einfarbig. 

4. Halsschild kaum länger als breit, gleichbreit, wenig schmäler als die Flügel- 

decken, die Seiten deutlich und ziemlich breit aufgebogen, die Vorder- 
winkel als kleine stumpfe Spitze vorragend, die Scheibe mit zwei sehr 
erloschenen Längseindrücken. — Sicilien reflexus Rttr. 1 ) 

4. Halsschild länger als breit, nach der Basis verengt, die Seiten kaum aufgebogen. 

5. Etwas glänzend roströthlich oder gelbroth, Halsschild etwas länger als breit, 

wenig schmäler als die Flügeldecken, oben mit zwei sehr verloschenen 
seichten Längseindrücken, Vorderwinkel als kurze Spitze vorragend. Long. 
2—3 Mm. — Europa. (S. Siculus Stierlin.) . . . anidentatiis Oliv. 

5. Matt, dunkel braunroth, Halsschild viel länger als breit, schmäler als die 

Flügeldecken, Vorderwinkel in eine lange scharfe Spitze ausgezogen. 

6. Niedergedrückt, Halsschild oben mit zwei tiefen Längsfurchen, etwas schmäler 

als die Flügeldecken, gegen die Basis leicht verengt. Long. 32 Mm. 
— Europa, Asien. (Hieher S. Laricis Chevrl.) . . bidentatus Fabr. 
6. Flügeldecken gewölbt, bedeutend breiter als das Halsschild, letzteres fast 
ohne Furchen, gegen die Basis stark verengt. Long. 2'5 — 3 Mm. — Europa, 
Asien. (8. fagi Guerin.) similis Erichs. 

18. Cathartus Reiche. 2 ) 

1. Schmal, parallel, Flügeldecken in Reihen punktirt; Fühler ziemlich kurz, das 

erste Glied der Keule vom zweiten fast gleichgrossen getrennt, das dritte Glied 
klein, schmäler, in das vorletzte eingeschoben oder dicht an dasselbe gefügt. 

2. Halsschild viel länger als breit. Long. 3*5 Mm Cassiae Reiche. 

2. Halsschild so lang als breit. Long. 2 - 9 Mm gemellatus Duval. 



*) Silvanus reflexus n. sp. 

Linearis, subparallelus , ferrugineus, subpubescens, antennis sat robustis, capite thorace- 
que crebre rugoso-punctatis , opacis, hoc quadrato, depresso, obsoletissime biimpresso , lateribus 
crenulatis rectis reflexis, basin versus vix angustatis, angulis postieis minutis obtusis, anticis 
partim, vix acutis, productis, elytra hoc indistincte latiore et triplo longiore, crebre punctato- 
striata. Long. 2 Mm. 

Diese Art ist vor Allem mit ,S'. trivialis Grouvelle (aus Brasilien) nahe verwandt, sie ist 
aber kürzer und breiter, mehr abgeplattet, der Kopf schmäler als das Halsschild, dieses mit 
deutlich aufgebogenen Seitenrändern und mehr vortretenden Vorderwinkeln; Kopf und Halsschild 
sind matt, die Flügeldecken etwas glänzend, letztere in den Streifen stärker punktirt; endlich sind 
die Fühler stärker. Von einer Varietät des S. unidentatus unterscheidet er sich durch das kurze, 
quadratische Halsschild mit weniger vorragenden Vorderwinkeln; vor den Seiten ist die Scheibe 
längsvertieft, wodurch der Seitenrand aufgeworfen erscheint. 

Aus Sicilien, im königl. Museum in Berlin (Melly). 

2 ) Alle Arten dieser Gattung sind über die ganze Erde verbreitet, bei uns meist durch 
Tabak, Reis etc. eingeschleppt worden. 



86 



Edmund Reitter. 



1. Ziemlich breit, von der Form eines Cryptophagus, Flügeldecken nicht parallel, 

aussen leicht gerundet. Halsschild quer. 
3. Fühler ziemlich kurz, das erste und letzte Glied der Keule kleiner, das erste 

vom zweiten getrennt, das letzte dicht an das vorhergehende gefügt. 

Flügeldecken ohne Punktreihen. Long. 2 Mm excisus Rttr. 

3. Fühler schlank, die Glieder der Fühlerkeule von einander separirt, das erste 

Glied nur halb so gross als das mittlere, das letzte etwas kleiner als das 

vorhergehende. Flügeldecken in zarten Reihen punktirt. Long. 2—2*2 Mm. 

— In ganz Europa, nicht allzu selten. (Crypt. striatus Rouget. Ann. 

franc. 1876.) advena Waltl. 

II. Telmatophilidae. 1 ) 

1. Flügeldecken punktirt-gestreift. Die drei ersten Fussglieder schwach gelappt, 

das erste kürzer als das zweite. Halsschild mit einer oder mehreren 
erhabenen Linien neben dem Seitenrande. 

2. Fühlerkeule zweigliederig. (Thallestus Wollaston.) ... 1. Diphyllus* 

3. Fühlerkeule dreigliederig. (Marginus Leconte.) .... 2. Diplocoelus, 
1. Flügeldecken nicht punktirt-gestreift. Nur das dritte Glied der Füsse, dieses 

stark gelappt, das erste so lang als das zweite. Halsschild kaum mit der 
Spur einer erhabenen Längslinie neben dem Seitenrande. 

3. Telmatophilus. 

1. Diphy litis Stephens. 2 ) 

Breit, braunschwarz, die Flügeldecken unter der Mitte am breitesten, die 
Punktstreifen derselben auch an der Naht deutlich, mit einem gemein- 
schaftlichen, gezackten, seitlich mit abgekürzten, weissgrau oder bei 
lichteren Stücken gelblich behaarten Querflecken und jede mit einem 
hellen Punkte vor der Spitze. Long. 3 3 Mm. — Mittel- und Südeuropa. 

lunatus Fabr. 

Schmal, braunschwarz, die Flügeldecken einfarbig, fast parallel, in oder ober 
der Mitte am breitesten, die Punktstreifen an der Naht verschwindend. 
Long. 2"8 Mm. — Südimgarn, Südeuropa frater Aube\ 3 ) 

2. Diplocoelus Guerin. 

Halsschild in der Mitte kaum schmäler als die Flügeldecken, diese ziemlich 
gleichbreit. Long. 3 Mm. — Europa fagi Guerin. 

Halsschild viel schmäler als die Flügeldecken, diese unter den Schultern 
stark bauchig erweitert. Long. 3 Mm. — Caucasus . fiumerosus Rttr. 



*) Alle Arten dieser Familie sind stets behaart. 

2 ) Auch Redtenbacher hat diese Gattung später unter diesem Namen selbstständig 
gegründet. 

3 ) Es ist merkwürdig wie dieses ausgezeichnete Thierchen sich bisher in den Katalogen 
fort als Diplocoelus erhalten hat. 



Bestimmungs-Tabellen der europäischen Coleopteren. I. 



87 



3. Telmatophilus Heer. 

1. Halsschild so lang oder fast so lang als breit. 

2. Oben braungelb, unten rostroth, die Seiten der Flügeldecken und deren Naht 

schwärzlich. Long. 2'3 Mm. — Europa Spargani Ahrens. 

2. Hell rostbraun, fein gelblichweiss behaart. Long. 2*5 Mm. — Deutschland. 

longicollis Ettr. 

2. Schwarz, fein gelbgrau behaart. Long. 2*5 Mm. — Europa. Cavicis Oliv. 
1. Halsschild deutlich breiter als lang. 

3. Fühler und Beine einfarbig rostroth oder rothgelb. 

4. Käfer hell rostroth, fein goldgelb behaart, Halsschild um ein Drittel breiter 

als lang. Long. 2'3 Mm. — Frankreich rufus Ettr. 

4. Käfer schwarz oder rostbraun. 

5. Die Scheibe des Halsschildes neben dem Seitenrande ohne Spur einer Längs- 

linie. Halsschild fast doppelt so breit als lang. Körper gelbgrau behaart. 
Long. 2'5 Mm. — Europa brevicollis Aube. 

5. Die Scheibe des Halsschildes neben dem Seitenrande mit der Spur einer feinen, 

mit dem letzteren parallel laufenden Längslinie. Körper fein, grau behaart. 

6. Halsschild um ein Drittel breiter als lang. Long. 2—2*5 Mm. — Europa. 

Typhae Fallen. 

6. Halsschild doppelt so breit als lang. Long. 15 Mm. — Schlesien, pumilus Ettr. 

3. Käfer schwarz, fein grau behaart, Fühler und Schienen braungelb, Schenkel 
braunschwarz; Halsschild ober der Mitte am breitesten. Long. 2 Mm. — 
Europa Schönherri Gyll. 

III. Dritomidae. 

1. Flügeldecken ohne Spuren von Punktreihen oder Streifen. Fühler mit drei- 

gliederiger Keule. 1 ) 

2. Schildchen nicht vorhanden. 2 ) Prosternum in der Mitte gekielt, über die 

Vorderhüften in eine lange lanzettförmige Spitze ausgezogen. Mittelbrust 
in der Mitte fein gekielt. Halsschild ohne Basalgrübchen, kaum quer, 
an der Basis von der Breite der Flügeldecken. Augen sehr klein, rund. 
9 mit einem behaarten Grübchen am Vorderrande des Prosternums. 

1. Tvipliyllina. 

2. Schildchen deutlich, quer-viereckig, quadratisch oder fast halbkreisförmig. 

3. Clypeus durch eine tiefe Furche oder Grube zwischen den Fühlern abgesetzt. 

Halsschild mit stumpfen, die Schultern gewöhnlich nicht umfassenden 
Hinterwinkeln. Körper stark punktirt und behaart. Augen quer. 



x ) Die Form der Augen möchte ich nicht mehr zur Trennung der Gattungen benützt wissen. 
Nachdem mir eine grössere Reihe von Tritoma univestris aus dem Caucasus zugegangen ist, bemerkte 
ich, dass namentlich viele Q ganz runde, manche $ jedoch deutlich quere Augen besitzen. 

2 ) Die Basis der Flügeldecken ist iu der Mitte etwas aufgeworfen, weshalb man bei ab- 
gebogenem Halsschilde scheinbar ein sehr schmales, linienförmiges Schildchen zu sehen meint. 



88 



Edmund Reitter. 



4. Seiten des Halsschildes fein gekerbt. Clypeus durch eine tiefe quere Furche 

abgesetzt. 

5. Halsschild jederseits mit einem Basalgrübchen. Endglied der Maxillartaster 

mit stumpfer Spitze. Fühlerkeule stark abgesetzt, mit kleinerem und 
schmälerem Endglied, Mesosternum einfach, klein. Q am Vorderrande 
des Prosternums mit einem runden Grübchen. 2. Pseudotriphyllus n. g. 

5. Halsschild ohne Basalgrübchen. Endglied der Maxillartaster stark abgestutzt. 

Fühlerkeule nur massig abgesetzt, die Glieder von gleicher Breite. Meso- 
sternum ziemlich breit, mit zwei erhabenen, nach vorne divergirenden 
Kielen. Q ohne Grübchen am Prosternum .... 3. Triphyllus. 

4. Seiten des Halsschildes gerandet, glatt, häufig kräftig aufgebogen, vor dem 
Hinterrande fein quer vertieft. Clypeus durch einen grubenförmigen Ein- 
druck zwischen den Fühlern nur unvollständig abgesetzt. Endglied der 
Maxillartaster schwach zugespitzt. Fühlerkeule stark abgesetzt. Meso- 
sternum einfach. Q ohne Grube am Vorderrande des Prosternums. — 
Hieher die drei nordamerikanischen Triphyllus -Arten, für die ich die 
Gattung Integrinus aufstelle. 

3. Clypeus nur durch eine sehr feine, erloschene Linie zwischen den Fühlern 
abgesetzt. Die eckigen Hinterwinkel des Halsschildes umfassen die Basis 
der Flügeldecken. Die Seiten des ersteren nicht gekerbt. Augen rund. 
Enddornen der Schienen lang und kammartig gezähnelt. Körper sehr 
fein punktirt und behaart 4. Litargus. 

1. Flügeldecken mit Punktstreifen oder mehr oder minder deutlichen Punktreihen. 

6. Clypeus kaum durch eine Linie zwischen den Fühlern abgesetzt. Fühler 

fein mit dreigliederiger Keule. Halsschild mit scharfen, die Basis der 
Flügeldecken fast umfassenden Hinterwinkeln, nach vorne stark verengt, 
die Scheibe jederseits unter der Mitte mit einem vertieften Strich el. 
Flügeldecken gegen die Spitze stark verschmälert. Enddornen der Schienen 
kurz. Alle Schienen an der Spitze kreisförmig und die vordersten aussen 
fein kammartig bedornt 5. Litargops n. g. 

6. Clypeus durch eine vertiefte Querlinie zwischen den Fühlern stets deutlich 

abgesetzt. 

7. Fühler allmälig verdickt, oder mit vier bis fünf deutlicher abgesetzten End- 

gliedern. 

8. Halsschild jederseits mit einem Basalgrübchen. Augen stark quer, nierenformig. 

6. Tritoma. 

8. Halsschild ohne Basalgrübchen. Flügeldecken mit sehr groben Punktreihen. 
Augen rund oder schwach quer 7. Atritomus. 

7. Fühler mit dreigliederiger Keule. Augen rund. Halsschild quer, von oder 
fast von der Breite der Flügeldecken, mit abgerundeten Winkeln und 
erloschenen Basalgrübchen. Flügeldecken dicht in undeutlichen Eeihen 
punktirt, mit längeren Haarreihen 8. Typhaea* 

7. Fühler mit zweigliederiger Keule. Augen rund. Halsschild schmäler als 
die Flügeldecken, fast quadratisch, diese mit gedrängten, tiefen, ge- 



Bestimmungs-Tabellen der europäischen Coloopteren. I. 



89 



kerbten Punktstreifen. Körper klein, mit kurzen haarförinigen Börstchen 
besetzt 9. Berginus. 

1. Triphyllina Rttr. 
Stark gewölbt, glänzend gelbroth, stark und dicht punktirt, fein gelb behaart, 
Halsschild nach vorne verengt, Hinterwinkel abgestumpft, ohne Basal- 
grübchen, Flügeldecken oval. Long. 15 Mm. — Caucasus. — Reitter in 
Dr. Schneider und Leder, Beitrag z. Kenntn. d. cauc. Käf., Brünn 
1878. p. 186 Ledert Rttr. 

2. Pseudotriphyllus Rttr. n. g. 

Halsschild nach vorne wenig mehr als gegen die Basis verengt, oben kräftig 
punktirt, doppelt so breit als lang. Long. 2'5 Mm. — Europa, suttiralis Fbr. 

Halsschild nach vorn viel mehr als gegen die Basis verengt, aber fein runzelig 
punktirt, mehr als doppelt so breit als lang. Dem Vorigen sehr ähnlich, 
aber viel kleiner. Long. 2 Mm. — Caucasus .... Colchieus Rttr. 

3. Triphyllus Latreille. 
Sehr stark punktirt und ziemlich lang behaart, braunroth. Die Flügeldecken 
dunkler mit hellerer Basis und einem Flecken vor der Spitze. Long. 4 Mm. 
— Europa punctatus Fbr. 

4. Litargus Erichson. 

Letztes Glied der Fühlerkeule am Ende zugespitzt. Halsschild jederseits vor 
der Basis mit einem feinen Längsstrichel. Körper länglich oval, fein gelb- 
roth behaart, Flügeldecken mit gelbrothen Flecken. Long. 3 Mm. — 
Europa bifasciatus Fbr. 

Letztes Glied der Fühlerkeule am Ende abgestutzt. Halsschild jederseits 
ohne deutlichem Längsstrichel. Körper länglich eiförmig, sehr dicht und 
anliegend goldgelb behaart; Flügeldecken mit mehreren heller goldgelb 
behaarten Flecken. Long. 2— 2"2 Mm. — Europa mer. coloratus Rosenh. 

5. Tiitargops Rttr. Ii. g. 1 ) 
Länglich eiförmig, braun, alle Ränder des Körpers, viele runde kleine Makeln 
auf den Flügeldecken, Fühler und Beine hell bräunlichgelb ; Flügeldecken 
mit an der Spitze verschwindenden Punktstreifen. Long. 3'5 Mm. — Madeira. 
pictus Wollast. 



*) Diese neue Gattung ist mit Litargus nahe verwandt, aher in mehrfacher Hinsicht wieder 
sehr abweichend. Der Bau des Körpers und die feine Sculptur desselben ist ganz ähnlich, aber 
die Flügeldecken haben starke Punktstreifen, die Hinterwinkel des Halsschildes sind nicht nach 
hinten vorgezogen, die Vorderschienen sind gegen die Spitze verbreitert, aussen mit einer kamm- 
artigen Dornreihe versehen, überdies alle Schienen an der Spitze mit einem Dornenkranze bewaffnet, 
dagegen sind die gewöhnlichen Enddornen viel weniger entwickelt als bei den kleinen Litargus- 
Arten. Auf eine generisclie Trennung des Lit. pictus hat schon Wollaston in seiner Original- 
beschreibung dieser Art hingewiesen. 

Z. B. Ges. B. XXIX. Abh. 12 



90 



Edmund Reitter. 



6. Tritama Geoffroy. 

1. Halsschild nach vorne stark verengt, die Seiten glattrandig. Fühler allmälig 

gegen die Spitze verdickt. 

2. Letztes Glied der Fühler so lang als die beiden vorhergehenden zusammen, 

eiförmig. 

3. Das achte bis zehnte Fühlerglied wenig breiter als lang, verkehrt konisch. 

Halsschild ziemlich dicht und stark punktirt, die schmalen Zwischenräume 
der groben Punktstreifen an den Flügeldecken spärlich punktirt. Schwarz 
Kopf und Bauch braunroth, jede Flügeldecke gewöhnlich mit zwei ziegel- 
rothen Makeln, die manchmal zum Theile, manchmal ganz fehlen. Long. 
5—6 Mm. — Europa quadripustulata Lin. 

3. Das achte bis zehnte Fühlerglied stark quer. Halsschild und die breiteren 

Zwischenräume der feinen Punktstreifen auf den Flügeldecken sehr fein 
und gedrängt punktirt. Die letzteren mit einer gezackten, gewöhnlich in 
der Mitte unterbrochenen und einer mehr geraden hellen Querbinde unter 
der Mitte und vor der Spitze meist mit einem rundlichen hellen Flecken. 
Unterseite braunroth. 

4. Die hellen Makeln auf den Flügeldecken sind lebhaft rothgelb, die beiden 

Querbinden an der Naht fast immer unterbrochen, die untere schmal, den 
Seitenrand nicht erreichend. Halsschild schwarz (Stammform) oder braun- 
roth (var. histrio Sahlberg). Manchmal ist die Basalbinde bis zur Naht aus- 
gedehnt, (var. undulata Mrsh.) Long. 4*5 Mm. — Europa, picea Fbr. 

4. Die hellen Makeln auf den Flügeldecken sind düster gelbbraun oder ziegel- 

roth ; die beiden Querbinden erreichen fast immer die Naht und den Seiten- 
rand, die untere ist ebenfalls breit und stark gezackt. Die Spitzenmakel 
gross. Halsschild stets braunroth. Körper kürzer und gedrungener als bei 
der vorigen Art. Long. 4*5 Mm. — Frankreich . . . Salicis Brisout. 

2. Letztes Glied der Fühler kegelförmig zugespitzt, länger als die zwei vorher- 
gehenden zusammen. Fühler den Hinterrand des Halsschildes überragend, 
gegen die Spitze stark verdickt, sechstes bis achtes Glied quer. Unter- 
seite schwärzlich. Sculptur und Färbung ähnlich wie bei piceus. Long. 
3*6— 4*5 Mm. — Europa, selten decempunctata Fbr. 

2. Letztes Glied der Fühler wenig länger als das vorhergehende, kurz eiförmig. 
Diese mit vier undeutlich abgesetzten grösseren Endgliedern. Halsschild 
an der Basis in der Mitte mit einem Grübchen. Dunkel, die Flügeldecken 
ähnlich wie picea gefärbt, die Binden aber schmäler und buchtiger und 
dazwischen mit mehren kleinen runden rothgelben Makeln. Long. 4'5 Mm. 
— Mitteleuropa atomaria Fbr. 

1. Halsschild von der Basis nach vorne schwach verengt, die Seitenränder 
kaum gekerbt; Fühler mit vier grösseren Endgliedern. 

5. Letztes Glied der Fühler schmäler als das vorhergehende und nur wenig 

länger. Halsschild dicht und kräftig runzelig punktirt. Flügeldecken mit 
deutlichen Haarreihen, jede mit zwei rostgelben grossen Flecken. Körper 



Bestimmungs-Tabellen der europäischen Coleoptereu. I. 



91 



stark gewölbt, ziemlich glänzend, deutlich behaart, dunkelbraun. Long. 
3 — 4 Mm. — Europa. Hieher variegata Sahlb. quadriguttata Mül. 

5. Letztes Glied der Fühler fast so lang als die beiden vorhergehenden zusammen. 

Kopf, Halsschild und die breiten Zwischenräume der Punktstreifen auf 
den Flügeldecken ausserordentlich dicht und fein, schwer sichtbar punktirt. 
Körper fast flach, glanzlos, schwer sichtbar behaart, gelbroth, die Flügel- 
decken braun, die Basis, ein Flecken an der Spitze und einer unter der 
Mitte röthlichgelb. Long. 4 Mm. — Europa. Selten . . Topuli Fbr. 
1. Halsschild gegen die Basis und Spitze gleich verengt, die Seiten gekerbt. 
Fühler mit fünf grösseren Endgliedern. 

6. Halsschild sehr gedrängt punktirt, vor dem Schildchen mit einem länglichen 

Grübchen. Schwärzlichbraun, die Flügeldecken mit vielen hellbraungelben 
Makeln und punktförmigen Flecken. Long. 4*5 Mm. — Europa. 

multipunctata Helh. 

6. Halsschild stark und weitläufig punktirt. Schwarz, Fühler rostfarbig, Halsschild 
roth, Flügeldecken mit tiefen Punktstreifen und fast glatten, schmalen 
Zwischenräumen, eine schiefe Makel an der Basis und eine transversale 
unter der Mitte gelb. Manchmal ist auch noch ein Flecken in der Mitte 
am Seitenrande vorhanden. Long. 4 Mm. — Europa, fulvicollis Fbr. 

7. Atritomus Ettr. 

Stark gewölbt, kastanienbraun, Fühler und Beine rothgelb, Flügeldecken 
ohne abgekürzte Scutellar- Punktreihe. Triphyllus cribratus Baudi. — 

Sicilien cribratus Baudi. 

Langgestreckt, schwach gewölbt, einfarbig rothgelb, selten braun, mit hellen 
Fühlern und Beinen; Flügeldecken mit einer vor der Mitte abgekürzten 
Scutellar - Punktreihe. Long. 4 Mm. Tritoma univestris Ettr., in Dr. 
Schneider und Leder, Beitr, z. Kennt, d. cauc. Käf., Brünn 1878, p. 166. 

— Caucasus univestris Ettr. 

8. TypJiaea Curtis. 

Einfarbig rostgelb oder rostbraun, Halsschild nach vorne verengt, von der 
Breite der Flügeldecken, sehr fein und dicht punktirt. Long. 25 Mm. 

— Europa, Asien etc fumata Linn. 

Eostbraun, Fühler und Beine gelbroth, ein gemeinschaftlicher Flecken auf 

der Mitte und eine Makel vor der Spitze jeder Flügeldecke dunkler, Hals- 
schild kaum so breit als die ersteren, nach der Spitze und Basis gleich 
stark verengt, gedrängt und stark punktirt. Long. 2 2 -2 5 Mm. — Italien, 
Spanien. Hieher T. umbrata Baudi maculata Perris. 

9. Berginus Erichson. 
Länglich gewölbt, mit kurzen anliegenden Börstchen besetzt, braun oder 
rostfarbig, glanzlos, Flügeldecken mit dichten Kerbstreifen. Halsschild 
fast so lang als breit, schmäler als die Flügeldecken, jederseits an der 
Basis mit einem punktförmigen Grübchen . . . Tamarisci Wollast. 

12* 



92 



Edmund Reitter. 



IV. Mycetaeidae. 

(Fühler zehn- oder elfgliederig. Clypeus fast immer abgesetzt, nur Lithophüus 
bildet eine Ausnahme. Kopf ohne Fühlerfurchen. Füsse mit vier, seltener drei 

einfachen Gliedern.) 

1. Fühler vor den Augen, unter dem Seitenrande des Kopfes eingelenkt, gegen 

die Spitze allmälig verdickt, oder mit vier- oder zweigliederiger Keule. 
Füsse viergliederig. Flügeldecken ohne Punktreihen oder Streifen. 

2. Vorderhüften durch die verlängerte Spitze des Prosternums getrennt. Flügel- 

decken ohne Nahtstreifen. Körper behaart. 

3. Fühler mit vier etwas grösseren Endgliedern. Clypeus schwach abgesetzt. 

Endglied der Maxillartaster lang eiförmig. Halsschild an den Seiten ohne 
Eandlinie. Naht der Flügeldecken nicht verwachsen. 1. Myrm&coxenus. 

3. Fühler vom fünften Gliede an eine immer breiter werdende Keule bildend. 

Clypeus nicht abgesetzt. Letztes Glied der Maxillartaster gross, dreieckig. 
Halsschild mit wulstigem Seitenrande. Flügeldecken an der Naht ver- 
wachsen Z . Lithophüus. 

2. Vorderhüften aneinander stehend. Halsschild jederseits nahe den Hinter- 
ecken mit einem tiefen Basaleindrucke. Flügeldecken mit ganzen Naht- 
streifen. Fühler mit zweigliederiger Keule. Oberseite unbehaart. 

3. Leiestes. 

1. Fühler auf der Stirne, frei vor den Augen eingelenkt mit dreigliederiger 
Keule. Füsse vier- oder dreigliederig. 

4. Halsschild mit Längseindrücken. Fühler elfgliederig. 

5. Halsschild nur jederseits von der Basis bis zur Mitte vertieft. Flügeldecken 

mit einem an der Basis gegen die Schultern gebogenen Nahtstreifen. 

4. Symbiotes. 

5. Halsschild neben dem Seitenrande mit einem den Vorderrand erreichenden 

Längseindrucke, der von einem feinen Kiele begrenzt wird. Flügeldecken 
ohne deutlichen Nahtstreifen. 

6. Flügeldecken in Reihen punktirt. Halsschild gegen die Basis und Spitze 

fast gleich verengt 5. Mycetaea. 

6. Flügeldecken ohne Punktreihen. Halsschild gegen die Basis nicht, nach 

vorne stark gerundet verengt. Körper mit langen, abstehenden Haaren 
besetzt. 

7. Fusstarsen viergliederig. 1 ) Die Basis des Halsschildes zwischen den Hinter- 

winkeln und der denselben genäherten Submarginallinie, ausgerandet. 

6. Agaricophiliis. 



] ) Motschulsky sagt sie seien dreigliederig. Ich habe zahlreiche Stücke untersucht 
(von A. sulaeneus) und stets vier Fussglieder gefunden. Nachdem ich den A. reflexus M. auf 
den die Gattung errichtet wurde, nicht kenne, ist es noch immer möglich, dass der echte Agarico- 
philiis mit Clemnus zusammenfällt; und in diesem Falle musste für A. subaeneus eiue besondere 
Gattung errichtet werden. 



Bestimmungs-Tabellen der europäischen Coleopteren. I. 



93 



7. Tarsen dreigliederig. Die Basis des Halsschildes zwischen den Hinterecken 

und der denselben entfernter stehenden Submarginallinie, nach abwärts 

erweitert 7. Clemnus, 

4. Halsschild ohne Eindrücke, Fühler zehngliederig. Körper fast halbkugelförmig. 

8. Füsse dreigliederig. Seiten des Halsschildes mit doppelter Randlinie, wovon 

die innere sich vorne etwas von der Aussenkante entfernt. 1 ) Prosternum- 
platte dreieckig, die obere Spitze berührt den Vorderrand des Halsschildes 

(wie bei Aulacochilus) 8. Mychophiliis. 

8. Füsse viergliederig. Seitenrand des Halsschildes einfach gerandet. Prosternum- 
spitze von gewöhnlicher Form, in der Mitte fein gekielt . . 9. Aleocia» 

1. Myvmecoxenns Chevrolat. 
1. Halsschild nur wenig breiter als lang, gegen die Basis stark herzförmig 
verengt, im oberen Drittel nur wenig schmäler als die Flügeldecken. 
Long. 1*5 Mm — Europa, unter Formica rufa, M. epulo Mäklin. 2 ) 

subterraneus Chevrl. 

1. Halsschild quer, bedeutend breiter als lang, nicht herzförmig. 

2. Dunkelbraun oder schwarzbraun, stark, die Flügeldecken besonders kräftig 

punktirt. Halsschild etwas schmäler als die Flügeldecken. Long. 1*8—2 Mm. 
Südeuropa picinus Aube. 

2. Oben rostgelb, überall dicht und fein punktirt, Halsschild viel schmäler 

als die Flügeldecken. 

3. Die Unterseite bis auf die letzten dunklen Bauchringe mit der Oberseite 

gleichfarbig; Halsschild gegen die Basis kaum mehr als nach vorne ver- 
engt. Long. 2 Mm. — Mitteleuropa . . . vaporariorum Guerin. 
3. Die Unterseite bis auf die Vorderbrust braunschwarz, die Gegend des Schild- 
chens und der Spitzenrand der Flügeldecken schwärzlich. Halsschild gegen 
die Basis mehr als nach vorne verengt. Long. 17 Mm. — Spanien. 

Beturiensis u. sp. 3 ) 

2. Lithophilas Fröhlich. 4 ) 

1. Flügeldecken an den Seiten mehr oder weniger gleichmässig gerundet, vor 

oder in der Mitte am breitesten, von hier gegen die Spitze allmälig verengt. 
Kleinere Arten. 

2. Flügeldecken länglich, fast zweimal so lang als zusammen breit, an den 

Seiten wenig gerundet, vor der Mitte am breitesten, sehr fein und dicht 
punktirt, mit grösseren Punkten untermischt; Halsschild an den Seiten 

*) Diese eigentümliche Linie hat Herr von Frivaldszky bei Beschreibung des Thier- 
chens übersehen. 

2 ) Die sehr ausführliche Beschreibung passt in allen Stücken auf diese Art und trage ich 
kein Bedenken sie als Synonym derselben anzusehen. 

3 ) Myrmecoxenus Beturiensis Uhagon in lit. 

4 ) Alle hier erwähnten Arten sind rostroth mit dunklerer Brust und schwarzen Flügeldecken; 
die letzteren an der Spitze gewöhnlich etwas heller. Ebenso ist der Kopf in der Eegel dunkel. 
Zwischen der dichten Punktirung der Flügeldecken sind auf der vorderen Hälfte grössere Punkte 
eingemischt; diese sind bei den kleinen Arten viel gröber und deutlicher als bei den grösseren. 



94 



Edmund Reit t er. 



sehr gedrängt punktirt. Long. 3 2 Mm. — Süddeutschland, Oesterreich, 
Ungarn etc connatus Fabr. 

2. Flügeldecken kurz, rundlich, V/ 2 Mal so lang als zusammen breit, an den 

Seiten stark gerundet, in der Mitte am breitesten, fein und massig 
dicht punktirt, mit groben Punkten untermischt; Halsschild an den 
Seiten nicht gedrängt punktirt. Long. 2*8 Mm. — Caucasus. 

Weiset n. sp. 1 ) 

1. Flügeldecken länglich, in der Mitte parallel, in oder unter der Mitte am 
breitesten. Halsschild gegen die Basis gewöhnlich stärker eingezogen. 
Grössere Arten. 

3. Halsschild doppelt so breit als lang, Flügeldecken unter der Mitte nicht 

breiter werdend. Long. 3*8 Mm. — Caucasus . . Caucasicus Weise. 

3. Halsschild nicht ganz doppelt so breit als lang, Flügeldecken unter der Mitte 

am breitesten. 

4. Kopf ganz oder am Hinterhaupte dunkel. Long. 4 Mm. — Griechenland, 

Kleinasien Graecus n. sp. 2 ) 

4. Kopf roth. Long. 4 Mm. — Spanien cordatus Rosenh. 

3. Leiestes Eedtb. 

Körper schwarz, Kopf und Halsschild roth. Long. 3 Mm. — Mitteleuropa, 
Caucasus seminigra Gyll. 

1 JLithophilus Weiset n. sp. 

Breviter ovatns, nitidus, parce breviterque pubescens, rufo-ferrugineus, Steinum infusca- 
tum, capite elytrisque nigris aut nigro-piceis , prothorace transverso , lateribus aequaliter 
rotundato, supra subtiliter, lateribus haud crebre punctato , elyiris latis, extus rotundato- 
ampliatis, subtilissime minus crebre punctatis, punctis grossis intermixtis, apice indeterminate 
lato rufis. Long. 2'8 Mm. 

Unterscheidet sich von connatus durch kürzere gedrungenere Gestalt, das Halsschild ist 
an den Seiten einfach, nicht gedrängt punktirt, die Flügeldecken viel kürzer, hauchig erweitert, 
in der Mitte am breitesten, die Punktirung weniger dicht, die grohen untermischten Punkte grösser, 
die Färbung der Spitze viel heller und breiter und die Behaarung ist viel spärlicher, wodurch 
der Käfer auch glänzender erscheint. Im Caucasus von Leder gesammelt. Ob diese Art mit 
L. ovipennis Crotch aus Palästina etwa identisch ist, wage ich nicht zu entscheiden. Nach Weise 
wäre dies nicht der Fall. 
2 ) LitJiophilus Graecus n. sp. 

Elongatus , rufo-ferrugineus, subopacus, dense sericeo - pubescens, sternum infuscatum, 
capite nigricans, prothorace longitudine vix duplo latiore, lateribus basin versus parum magis 
angustato, crebre subtiliter punctato, elytris nigris, apice dilutioribus, pone Immer os versus 
apicem subparallelis, pone medium latissimis , dense subtilissime punctatis, punctis parum 
majoribus intermixtis. Long. 4 Mm. 

Ebenfalls dem connatus sehr ähnlich, eben so gefärbt, das Halsschild ist aber gegen die 
Basis stärker als nach vorne verengt, die grösste Breite desselben liegt also nicht in, sondern 
ober der Mitte, auch ist es nicht ganz doppelt so breit als lang, die Flügeldecken sind unter der 
Mitte am breitesten, fein punktirt und die grösseren untermischten Punkte sind viel kleiner als 
bei connatus. Ich wage diese Art nicht auf den spanischen subcordatus Rosenh. zu beziehen, 
obgleich die Beschreibung ziemlich auf ihn stimmt, da das Vaterland ein zu entferntes ist und alle 
meine reichlichen Exemplare einen geschwärzten Kopf zeigen, der beim subcordatus roth sein soll. 

Aus Griechenland und Kleinasien; von Dr. Krüper gesammelt. 



Bestiinmungs-Tabellen der europäischen Coleopteren. I. 



95 



Körper blauschwarz, Kopf und Halsschild schwarz, an den Seiten und der 
Basis mehr oder weniger röthlich. Mir unbekannt. Long. 3'5 Mm. — 
Caucasus montana Mötsch. 

4. Symbiotes Eedtb. 

Länglich, ziemlich gleichbreit, Flügeldecken in Streifen punktirt. Long. 
2 Mm. — Mittel- und Südeuropa. (S. latus Eedtb.) Epuraea bei Heer. 

rubiginosa Heer. 

Kurz oval, Flügeldecken nicht in Streifen punktirt, die Punkte nur hie und 
da zu unordentlichen Reihen geordnet. Long. 15 Mm. — Mittel- und 
Südeuropa. ( S. latus Hampe.) Cryptophag. bei Lucas. 

gibberosus Lucas. 

5. Mycetaea Steph. 

Flügeldecken länglich eiförmig, grob reihenweise punktirt, spärlich, lang, 
aufstehend behaart. Long 1*5 Mm. — Europa .... hirta Marsh. 

6. Agaricophilus Mötsch. 
Schwarzgrün, metallisch, die Ränder des Körpers, die Unterseite, Fühler und 

Beine rostroth. Long. 25 Mm. — Caucasus . . . subaeneus Rttr. 
Schwarz, Unterseite rostroth, Fühler und Beine heller. Long. 1*8 Mm. — 

Caucasus reflexus Mötsch. 

7. Clemnus Hampe. 
Rundlich, stark gewölbt, Flügeldecken grob und weitläufig punktirt, lang 
aufstehend behaart, beim cT (?) die Naht vor der Spitze quer furchenartig 
vertieft. Long 2 Mm. — Mitteleuropa .... troglodytes Hampe. 

8. Mychophilus Frivaldszky. 
Flügeldecken stark und weitläufig punktirt, lang aufstehend behaart. Long. 
12 Mm. — Südungarn, Serbien, Croatien . . . . * . minutus Friv. 

9. Alexia Stephens. 1 ) 
1. Oberseite (unter einer Lupe betrachtet) unbehaart, kaum punktirt, glänzend. 
Schildchen nicht sichtbar. Long. 1 — 1*2 Mm. . . . globosa Sturm. 

1. Oberseite behaart. Schildchen sehr klein aber deutlich. 

2. Oberseite kurz und ziemlich anliegend behaart. Jedes Härchen überragt 

nicht zwei Zwischenräume der Punkte auf den Flügeldecken. 

3. Punktirung der Flügeldecken dicht und ziemlich stark, Behaarung sehr kurz 

und dicht. Long. 12 Mm. — Gebirge Mitteleuropas . . pilosa Panzer. 
3. Punktirung der Flügeldecken weitläufig und sehr grob, Behaarung ziemlich 
kurz und spärlich. Long. 1'5 Mm. — Südungarn . . punctata Rttr. 



*) Alle Arten können von tiefem Braunschwarz bis zur rostrothen Färbung auftreten. 
Fühler und Beine sind stets gelbroth, die Keule der erstem manchmal angedunkelt. 



96 



Edmund Reitter. 



2. Oberseite sehr lang aufstehend behaart. 

4. Flügeldecken stark und dicht punktirt. Long. 1*2 Mm. — Gebirge Mitteleuropas. 

pilifera Müller. 

4. Flügeldecken nur fein punktirt. Long. 1 Mm. — (A. hirtula Rttr.) 

pilosella Rttr. 

V. Endomychidae. 1 ) 

1. Vorderhüften aneinander stehend; Prosternumspitze vor den Hüften abgekürzt. 

Mesosternum schmal. (Halsschild von der Mitte zur Basis verengt.) 

2. Hinterrand des Mesosternums einfach. Drittes Glied der Fühler fast doppelt 

so lang als das zweite, oder länger. 

3. Körper unbehaart 1. Ancylopus. 

3. Körper behaart 2. Dapsa. 

2. Hinterrand des Mesosternums zur Aufnahme des abgerundeten Vorsprunges 

der Hinterbrust ausgerandet. Zweites und drittes Glied der Fühler an 
Länge wenig verschieden. 

4. Körper behaart 3. Hylaia. 

4. Körper unbehaart . . . 4. Lycoperdina. 

1. Vorderhüften durch den Fortsatz der Vorderbrust getrennt. (Halsschild von 

der Mitte gegen die Hinterwinkel nicht verengt. — Ob auch bei Polymus?) 

5. Körper unbehaart. 

6. Mesosternum dreieckig, nach vorne verengt, die Seiten hinten erhaben gerandet. 

Kopf vor den Augen schmal, von da zur Spitze gleichbreit. mit kleinem 
sechsten Bauchsegmentchen. (Seiten des Halsschildes von der Mitte zur 
Spitze gerundet verengt, zur Basis gerade.) 5. Mycetina. 

6. Mesosternum viereckig, Seiten fast parallel. Kopf vor den Augen breit, von 
da zur Spitze verengt. Sechs Bauchringe. Halsschild von der Basis zur 
Spitze stark verschmälert 6. Endomychus. 

5. Körper behaart. Mesosternum viereckig 7. Polymus, 

1. Ancylopus Costa. 
Schwarz, das Halsschild, der grösste Theil der Unterseite und Flügeldecken 
rothgelb, an letzteren die Basis, die vor der Spitze abgekürzte Naht, 
eine Makel an der letzteren und eine andere am Seitenrande schwarz. 
Long. 4'5 Mm. — Sicilien, Japan melanocephalus Oliv. 

2. Dapsa Latreille. 
1. Seiten des Halsschildes vor den Vorderwinkeln tief ausgerandet, die letzteren 
hakenförmig nach aus- und rückwärts gebogen. 



*) Alle europäischen Endomychidae (auc,h viele exotische Formen), mit Ausnahme der Gattung 
Endomychus zeigen am Vorderrande des Halsschildes in der Mitte eine von der Randliuie aus- 
geschlossene, kleine, quere, unpunktirte Fläche, von pergamentartiger oder glasiger Beschaffenheit. 



Bestinimungs-Tabellen der europäischen Coleopteren. I. 



!>7 



2. Flügeldecken zusammen mit drei schwarzen Flecken, wovon der mittlere 
tiefer und gemeinschaftlich auf der Naht steht. Häufig fliessen sie zu- 
sammen. Long. 4—4*5 Mm. 1 ) — Mitteleuropa . . denticollis Germ. 

2. Flügeldecken sowie der ganze Körper einfarbig bräunlichgelb. Long. 2*8 Mm. 

— Caucasus. Mir unbekannt Caucasica Mötsch. 

1. Seiten des Halsschildes und Vorderwinkel einfach, letztere nur als stumpfe 
Spitze nach vorne vorragend. 

3. Seiten des Halsschildes mit glatter aufgebogener Bandkante. Flecken auf 

den Flügeldecken ähnlich wie bei denticollis. 

4. Flügeldecken mit feinem, sehr an die Naht gerückten, bis zur Mitte reichenden 

Nahtstreifen. Long. 5 Mm. — Caucasus .... Lederi Ettr. n. sp. 
4. Flügeldecken ohne Spur eines Nahtstreifens. Long. 4'5 Mm. — Südeuropa. 

trimaculata Mötsch. 

3. Seitenrand des Halsschildes stark gekerbt. Die Naht der Flügeldecken an 
der Spitze kurz furchenartig vertieft. Eostroth, Flügeldecken schwarz. 
Long. 4*3 Mm. — Caucasus nigripennis Ettr. 

3. Hylaia Guerin. 

Eostroth, Flügeldecken schwarz. Long. 3 Mm. — Südungarn, Frankreich. 

ruhricollis Germ. 

Eostroth, eine Makel am Vorderrande des Halsschildes und die Flügeldecken 
schwarz, eine Humeralmakel an den letzteren und eine Querbinde vor 
der Spitze rothgelb. Long. 3 Mm. — Batum . . podagrica Guerin. 

4. Lycoperdina Latreille. 

1. Vorderschienen beim am Innenrande, nahe der Mitte mit einem Zahne, 

beim Q mit kurzen, in der Mitte dichter stehenden Börstchen. Flügel- 
decken ohne Nahtstreifen, rostroth mit einer breiten schwarzen Querbinde. 

2. Zweites Glied der Fühler so lang als breit, drittes länglich, viertes bis zehntes 

schwach quer, letztes so lang als breit, die drei letzten allmälig grösser 
werdend. Long. 4 - 5 Mm. (Exemplare mit schmälerer an der Naht unter- 
brochener Binde sind die var. fasciola Fabr.) — Europa, succincta Lin. 

2. Fühler robust, zweites Glied schwach quer, drittes so lang als breit, viertes 
bis achtes quer, neuntes und zehntes stark transversal, nach innen stumpf- 
zähnig erweitert, das letzte breiter als lang, die zwei letzten von gleicher 
Breite, stark abgesetzt. — Transsylvania . . . crassicornis n. sp. 2 ) 

1. Vorderschienen beim und 9 einfach. Flügeldecken mit einem Nahtstreifen. 



x ) Eine Varietät mit dunklem Halsschilde ist unter dem Namen : nigricollis Dahl aus Süd- 
ungarn bekannt. 

2 ) Lycojierdina crassicornis n. sp. 

Breviter ovalis, supra fere glabra, rufa, dense subtiliter punctata, tliorace basin versus 
vix angustato, elytris fascia lata media nigra, pectore abdomineque antice nigro-piceis, scutello 
transverso, apice fere truncato, antennis crassis, articulis duobus pmultitnis transversis, intus 
angulatim dilatatis, ultimis duobus abrupte majoribus. Long. 4 Mm. (§.) 
Z. B. Ges. B. XXIX. Abb.. 13 



98 



Edmund Reitter. 



3. Schwarz oder pechbraun, Fühler und manchmal auch die Beine heller. 
Zweites und drittes Fühlerglied fast zweimal so lang als breit, viertes 
bis achtes quadratisch, leicht verrundet, die drei letzten allmälig grösser 
werdend, etwas lärjger als breit. Long. 5 Mm. — Europa. Bovistae Fbr. 

3. Einfarbig rostroth, zweites und drittes Fühlerglied wenig länger als breit, 
viertes bis achtes quer-viereckig, die drei letzten allmälig etwas grösser 
werdend, so lang als breit. Long. 4 Mm. — Sardinien. 

validicomis Geist. 

5. Mycetina Mulsant. 
Die Hinterbrust, Fühler und Beine dunkel. Long. 4 Mm. — Europa. 

cruciata Schall. 1 ) 

Die ganze Unterseite, Fühler und Beine gelbroth. Long. 4*5 Mm. — Cau- 
casus. Mötsch apicalis Mötsch. 

6. EndomyrJius, 
Halsschild einfarbig roth, Beine hell. Long. 6 Mm. — Caucasus. 

Armeniacus Mötsch. 

Halsschild roth, in der Mitte mit breiter, schwarzer Längsbinde; Beine 
dunkel. Long. 6 Mm. — Europa coccineus Lin. 

Halsschild einfarbig schwarz, Beine dunkel. Long. 5*5 — 6 Mm. — Ungarn, 
Siebenbürgen tlioracicus Charp. 

6. JPolymus Muls. 
Rothgelb, die Fühler bis auf die zwei Wurzelglieder und Augen schwarz, 
die Schenkelspitzen dunkel. Long. 4 Mm. — Frankreich. Mir unbekannt. 

nigricornis Muls. 

VI. Lyctidae. 

Seitenrand des Kopfes nur mit einer erhabenen Beule ober den Fühler- 
wurzeln und mit einem kleinen Zahne vor dieser. Halsschild mit ab- 
gestumpften Vorderecken. Flügeldecken mit Punktreihen und in Reihen 
behaart. Vorderschienen mit ziemlich kleinem geradem Enddorne. 1. Lyctus. 

Seitenrand des Kopfes jederseits mit drei grossen Höckerzähnen; einen ober 
den Augen, den zweiten über den Fühlerwurzeln, den dritten vor denselben. 

Der Lycop. succincta täuschend ähnlich, von derselben Grosse und Färbung und in Folgendem 
abweichend. Die Fühler sind viel dicker und kürzer, von der oben beschriebenen, von succincta 
auffällig abweichenden Bildung, das Halsschild ist von der Mitte gegen die Basis kaum bemerkbar 
verengt, das Schildchen viel breiter, quer viereckig, mit schwach verrundeten Aussenecken, an 
der Spitze nicht gerundet, die Flügeldecken kürzer und breiter, gegen die Spitze viel geringer 
verengt, und Schenkel und Schienen sind robuster. 

Ich fand ein einzelnes Q bei Oberkerz in den transsylvaniscken Alpen. 

*) Eine bekannte Varietät dieser Art ist: var. hinotata Dahl. Die Querbinde der Flügeldecken 
ist an der Naht breit unterbrochen, die Naht mehr oder minder dünner geschwärzt. Hieher 
gehört Calabra Costa und inttrrupta Gredler als Synonym. Die beiden letzteren Namen sind im 
Stein-Wei se'schen Kataloge mit Unrecht als besondere Varitäten aufgeführt. 



Bestimmungs-Tabollen der europäischen Colooptoron. I. 



99 



Halsschild oben ziemlich flach, quadratisch, alle Winkel scharfeckig. 
Flügeldecken ohne Punkt- oder Haarreihen, sondern irregulär punktirt 
und behaart. Vorderschienen mit sehr feinem, kleinem, geradem Enddorne. 

2. Troyoxylon. 

1. Lyctus Fbr. 

1. Alle Schenkel gleichmässig verdickt. Halsschild vor dem Hinterrande nicht 

quer eingedrückt, Scheibe des letzteren runzelig punktirt, fast immer 
matt, die Punkte verschwommen, nicht separirt; beim parallel, beim 
Q nach hinten schwach verengt. 

2. Scheibe des Halsschildes in der Mitte mit einer Längsgrube. Flügeldecken 

mit kaum erhabenen Zwischenräumen der Punktreihen, letztere gegen die 
Naht zu undeutlich. 

3. Die Punktirung der Flügeldecken in regelmässigen E-eihen, die Punkte sehr 

flach, am Grunde glänzend. Längsgrube des Halsschildes tief, vor dem 
Vorder- und Hinterrande gewöhnlich abgebrochen. Gelbbraun, manchmal 
mit dunklerem Kopf und Halsschilde, selten ganz dunkel. Long. 2*5—5 Mm. 
— Europa. (L. canaliculatus Fabr., pubeseens Duftsch. non Panzer.) 

unipunetatas Hrbst. 

3. Die Punkte der Flügeldecken in unregelmässigen, häufig verschwommenen 

Eeihen stehend, klein, tief, rissig, einfach. Längsgrube des Halsschildes 
nach vor- und rückwärts verflacht und verschmälert, den Vorder- und 
Hinterrand meist erreichend. Gelbbraun mit dunklerem Kopfe und Hals- 
schilde, auch die Brust dunkel; selten ganz dunkel oder gelbbraun. Die 
Naht der Decken gewöhnlich gebräunt. Long. 3 — 5 Mm. (L. Deyrollei Tourn. 
Petit nouv. ent. 1. Juli 1874. p. 411.) x ) . ... suturalis Falderm. 
2. Scheibe des Halsschildes nur mit einer feinen Längsrinne, welche vor der 
Basis fast immer in ein Punktgrübchen einmündet. Flügeldecken in 
regelmässigen tiefen Reihen bis zur Naht — hier etwas schwächer — 
punktirt, die Punkte einfach, rissig. Zwischenräume der Streifen gewölbt. 
Schwarz, die Fühler und Beine wie immer, Flügeldecken und Bauch 
gewöhnlich gelbbraun. 

4. Halsschild am Grunde der Längsrinne mit einem sehr schmalen, undeutlichen 

punktfreien Längsstreifen. Long. 4 5—5 Mm. — Europa. (L. bicolor 

Comolli.) pubeseens Panzer. 

4. Halsschild am Grunde der Längsrinne mit einem sehr schmalen, glänzenden 

Längsleistchen. Long. 4*5—5 Mm. — Caucasus. (Tourn. 1. c. p. 412.) 

Von der vorigen Art kaum spezifisch verschieden. Caiicasicus Tournier. 
1. Vorderschenkel viel stärker verdickt. Halsschild vor dem Hinterrande in der 

Mitte quer niedergedrückt ; Scheibe glänzend, die Punkte derselben einfach, 



1 ) Siehe meinen Beitrug zur Kenntniss der Lictydae, Verh. d. zool. -botan. Ges. Wien 
1878 p. 195. 

13* 



100 Edmund Eeitter. Bestimmungs-Tabellen der europäischen Coleopteren.* I. 



separirt, in der Mitte schwach aber breit längsvertieft, in beiden Geschlechtern 
nach der Basis verengt. Einfarbig rostgelb. Long. 3—5 Mm. — Ueber 
die ganze Erde verbreitet brunneus Steph. 

2. Trogoxylon Leconte. 
New Spec. N. Am. I. 1866. p. 104. 
Alle vier Seiten des Halsschildes schwach doppelbuchtig , oben mit einer 
feinen Längsrinne, welche vor dem Schildchen in ein Punktgrübchen ein- 
mündet. Rostbraun, matt, schwer sichtbar punktirt und behaart. Long. 
3 — 4'5 Mm. — Südeuropa. (Lyctus laevipennis Falderm.) 

impressus Comolli. 

VII. Sphindidae. 

Halsschild an der Basis fast gerade, nicht dicht an die Basis der Flügel- 
decken geschlossen. Prosternum einfach. Alle Hüften ziemlich gleich- 
rnässig, nicht sehr von einander entfernt. Körper länglich oder quadratisch, 
am Grunde von hautartiger Structur 1. Sphindus* 

Halsschild mit seinem gegen das Schildchen vorgezogenen Hinterrande dicht 
an die Basis der Flügeldecken angeschlossen. Mittlere Prosternumplatte 
stark erhaben, vor dem Kehlrande schmäler und abgestutzt. 1 ) Mittel- und 
Hinterhüften sehr weit von einander entfernt. Körper halbkugelig, oben 
am Grunde glatt 2. Aspidophorus* 

1. Sphindus Chevrolat. 

Flügeldecken vertieft gestreift, in den Streifen stark punktirt. Körper kaum 
behaart. Fühler elfgliederig mit zweigliederiger Keule. Eothbraun, die 
Flügeldecken bis auf die Basis gewöhnlich dunkler. Long. 3 Mm. — 
Croatien grandis Hampe. 

Flügeldecken nur in Reihen punktirt, nicht vertieft gestreift. Körper be- 
haart. Fühler nur zehngliederig , die Keule dreigliederig , deren erstes 
Glied aber bedeutend schmäler ist als das zweite. Braunschwarz, gewöhn- 
lich mit helleren Schultern oder lichterer Basis. — Das Q hat das Meta- 
sternum längsvertieft und jederseits vor dem Hinterrande ein kleines, 
rundliches Höckerchen. Long. 2 Mm. — Europa . . dubius Gyllen. 

2. Aspidophorus Latreille. 
Kopf jederseits unfern vom Seitenrande mit einer eingegrabenen Längslinie, 

welche vor dem Vorderrande des Halsschildes abgekürzt ist. cT ohne 

sichtbare Geschlechtsauszeichnung auf der Unterseite. Körper braunschwarz. 

Long. Ii— 1*2 Mm. — Europa orbiculatus Gyll. 

Kopf ohne Stirnlinien, Körper rein schwarz. cT am Spitzenrande des zweiten 

Bauchringes in der Mitte mit einem erhabenen queren Höcker bewaffnet. 

Long. 1'5 — 18 Mm. — Südfrankreich. . . ... Lareyniei Duval. 



1 ) Aehnlich wie bei den kleineren JSphisthenus-krten. 



101 



Die ersten Stände zweier Kunkelrüben-Fliegen. 

Von 

Franz Farsky, 

Professor in Täbor. 
(Vorgelegt in der Versammlung am 5. März 1879.) 

(Mit Tafel III.) 

L Metamorphose von Lonchaea chorea Meigen, 

Im Laufe des Jahres 1878 beschäftigte ich mich mit einer Zuckerrüben- 
krankheit, welche mich auch zum Studium der Entwickelungsgeschichte von 
Lonchaea chorea, einer Fliege der Familie Sapromycinae, führte. 

Es war zu Ende des Monates Juli, als ich bemerkte, dass die Eüben, 
welche im freien Felde standen, eine andere Blattkrankheit zeigten als die von 
mir am Versuchsfelde und im Vegetationshause cultivirten, und da die Pflanzen 
durch diese Krankheit sehr zu leiden schienen, so wurde beschlossen, dieser 
Erscheinung die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken. Zu diesem, Studium 
fühlte ich mich umsomehr verpflichtet, als man für diese Krankheit keine andere 
Deutung wusste, als den Namen „Kernfäule". 

Die äusseren Merkmale dieser Krankheit waren folgende: Die innersten, 
also jüngsten, Blätter waren entweder blos welk, trotzdem dass sie an Dürre 
nicht gelitten haben, oder sie waren verschieden runzelig, die Blattränder nahmen 
eine gekrauste Oberfläche an, und in den überaus zahlreichen Windungen konnte 
man hie und da mehr oder weniger dunkle Flecke wahrnehmen, deren Umgrenzung 
eine sehr scharfe war. Später, nachdem man diese Erscheinung nach allen ihren 
Phasen eifrig verfolgte, wurde man gewahr, dass die Krankheit nicht in den 
Rübenblättern, respective der Blattfläche, sondern in dem unteren Theile der 
Blattstiele ihren Anfang nehme, und dass sie sich von da an gegen die Blatt- 
fläche hin verbreite, ohne diese ganz zu zerstören, ausser wenn sie bereits 
bedeutend um sich gegriffen hatte. Nur in den seltensten Fällen konnte con- 
statirt werden, dass die Krankheit den umgekehrten Weg genommen, und in 



102 



Franz Farsky. 



allen diesen Fällen waren es stets die kleinsten und niedrigsten Herzblättchen, 
welche derartig befallen wurden. Im Verlaufe von 3—5 Wochen, je nach der 
Witterung, schritt das Braun- bis Schwarzwerden der Blätter rasch vorwärts, 
diese trockneten ein, wurden mürbe, breiteten sich (die grösseren) am Boden 
aus oder blieben (die kleinen) in ihrer mannigfaltigen Verunstaltung in der 
ursprünglichen Lage. 

Als ein besonderes Merkmal der betreffenden Krankheit der Zuckerrübe 
mag noch angeführt werden, dass der Wurzelkopf in den meisten Fällen aus- 
gehöhlt war, was davon herrührt, weil die kranke Wurzel, trotz der Anwesenheit 
ihres Feindes, nicht aufgehört hatte zu vegetiren, und daher immer neue (äussere) 
Blätter zu treiben anfing und gleichzeitig auch neue Wurzelringe anlegte, welche 
dann die äussere Umwallung der Kopf höhlung bildeten. Nebenbei sei bemerkt, 
dass diese Vertiefung als Herberge verschiedener Spinnen und Insectenlarven 
benutzt wurde. 

Kein anderes Anzeichen konnte man im Anfange der Krankheit erspähen, 
und ganz besonders rein war die Wurzel und deren Verlauf; doch ehe noch 
die Blätter dem Feinde anheimgefallen waren, bemerkte man, dass es im Rüben- 
fleische nicht so gesund aussehe: hie und da traten auf einmal braungefärbte 
Flecke auf, deren Ausbreitung nach allen Dimensionen hin immer mehr zunahm, 
und gleichzeitig konnte man in dem so verdorbenen Eübenfleische schon *mit 
blossem Auge sehr winzige Maden wahrnehmen. Da nun das beschriebene Ver- 
geilen der Blätter von einem pflanzlichen Parasiten nicht herrühren konnte, und 
die Literatur über ähnliche, jedoch nicht gleiche, Erkrankungen der Rüben- 
pflanze bereits berichtet (J. Kühn, Die Krankheiten der Culturgewächse u. a. m.), 
so war an nichts anderes zu denken, als die Entwickelung der Fliegenlarven 
abzuwarten, welchen Beschluss der Verfasser um so lieber gefasst hatte, da 
ihn sein Beruf in ganz andere Sphären als die der Zoologie versetzt und ein- 
geführt, wo nicht minder Fleiss und Ausdauer erfordert werden; daher wurde 
der Rübe die volle Aufmerksamkeit geschenkt, dieselbe sehr oft besichtigt und 
auf die mannigfaltigste Art geprüft. 

Vor Allem musste eruirt werden, auf welchem Wege die Larve in die 
Rübe hineingedrungen war. Zu diesem Behufe wurden die Blätter und der 
Kopf der kranken Pflanzen untersucht, und es hatte sich bald gezeigt, dass 
an der Unterseite der Blattstiele, ganz nahe an der Befestigungsstelle, kleine 
Häufchen von weissen Körperchen sich befinden, welche durch eine Lupe be- 
trachtet, als Fliegeneier sich erwiesen. 

Die Eierchen (Fig. 1) 08670 Mm. lang und 0"2500 Mm. breit, waren 
stets in concentrisch oder auch unregelmässig geordnete Gruppen zusammen- 
gedrängt, welche erst bei scharfer Vergrösserung ihre schneeweisse Farbe und 
ihre zierliche Oberfläche erkennen Hessen. Sobald der Bewohner die äussere 
Hülle gesprengt hatte, begab er sich allsogleich in das Innere des Blattstieles, 
und die Wände des Eies blieben klaffend zurück. Dies geschah gewöhnlich 
nach 8—10 Tagen. 



Die ersten Stände zweier Runkelrüben-Fliegen. 



103 



Im Blattstiele angelangt, setzt die junge Larve ihren Weg instinctmässig 
den Blattstielsträngen entlang bis in die Wurzel fort, wo sie längere Zeit zu 
verbleiben gedachte. Dies ist nicht nur so aufs Gerathewohl gesagt, sondern 
die Larve wurde wirklich auf ihrer Wanderung verfolgt, und diese eigene Wahl 
oiues nicht sehr bequemen Weges setzt uns heute nicht mehr in Verwunderung, 
da wir es bereits in unsere Kenntniss gebracht haben, welcher Zug es war, der 
die Larve gerade diesen Weg wählen hiess. Es war nämlich nicht die Gegen- 
wart der Fliegenmade Ursache der Rübenkrankheit, sondern die 
Rüben-Nematode war es, welche das Rübenfleisch zerstörend, die fäulniss- 
freundliche Lonchaea herbeilockte. Ihre Anwesenheit musste umsomehr auf- 
fallen, als es allzusehr unwahrscheinlich war, dass die Fäulniss der Larve voraus- 
gehen könnte, oder dass deren Verbreitung einen so rapiden, und was den 
Umfang anbelangt, einen so unregelmässigen Verlauf nehmen sollte, als selber 
an verschiedenen kranken Rüben beobachtet wurde. Hier entschied das Mikroskop, 
und wir können nicht umhin, auch von dieser Beobachtung in einem besonderen 
Artikel zu berichten. 

Es war also der Vorrath von vegetabilischen faulenden Stoffen, welcher 
auf unsere Fliegenlarve einen so mächtigen Zug geäussert hatte, es war überhaupt 
auch blos dieser Vorrath daran Schuld, dass sich die Lonchaea bis in die Zucker- 
rübe verirrt hatte, worin sie wohl noch von Niemand beobachtet wurde. 

An dem besagten Vorrath that sich nun unsere Made wohl ; nichts konnte 
sie in ihrem Geschäfte stören. Sie wurde berührt, hin und her bewegt, zur 
Untersuchung von ihrem occupirten Terrain abgehoben und wieder zurück- 
gegeben, von einem Platz auf den andern gesetzt, von einer Rübe auf die andere 
(kranke) übertragen, vom Felde ins Laboratorium mitgenommen, überhaupt auf 
die verschiedenste Art beunruhigt; doch sie blieb bei all dieser Unbill recht 
munter, und Hess es sich überall schmecken. 

Ja auch das darf ich nicht verschweigen, was für Lebenszähigkeit eine 
solche Larve aufzuweisen im Stande ist. Dreimal hintereinander wurde sie in 
absoluten Alkohol getaucht, welcher auf einem Uhrglase jedesmal verdampfen 
gelassen wurde; die Larve blieb jedoch am Leben. Hernach wurde sie in 
Wasser gethan und darin vier Stunden gehalten; aus dem Wasser gehoben, 
bewegte sie sich nach zwei Minuten wieder. Hierauf wurde sie wieder, aber 
durch vierzehn Stunden im Wasser aufbewahrt, und als dieses Unternehmen 
sich ebenfalls als fruchtlos erwies, wurde die Made in Wasser, mit Bier gemischt, 
über die Nacht gegeben; doch nach gehöriger Abtrocknung fing dieselbe wieder 
an sich zu bewegen und nach kurzer Zeit war sie ebenso lebhaft, als wenn ihr 
nichts widerfahren wäre. Den Tag darauf wurde ihr Ruhe gegönnt, ohne dass 
ihr etwas Nahrung gereicht worden wäre ; gleich darauf kam sie aber wiederum 
auf einen Tag ins reine Bier, und da sie auch dann noch bei Leben blieb, 
so wurde ihr dasselbe geschenkt und selbe auf faule Rübenstücke gesetzt: allso- 
bald begann sie zu fressen, verpuppte sich später und vollendete auch ihre 
Verwandlung vollkommen. 



104 



Franz Farsky. 



Das ist doch eine Gleichgiltigkeit und Gefühllosigkeit ohne Gleichen! 
Einen ganzen Sommer habe ich mich abgemüht, auf Grund der verschiedensten 
Vorschriften eine Anthomyia aus Larven zu ziehen, und es gelang mir nicht, 
trotzdem ich ihr ganze Rüben geopfert habe! 

Bei einer solchen Fliegenlarve, wie es die der Lonchaea ist, lassen sich 
also die einzelnen Verwandlungsstadien sehr leicht studiren, und man braucht 
sich um dieselbe nur sehr wenig zu kümmern. Im Laboratorium z. B., wo ich 
dieselbe unter einer Glasglocke erzogen habe, war meine einzige Sorge, die 
Atmosphäre unter der Glocke feucht zu erhalten, denn dies mundete ihr sehr; 
immer kam sie aus ihrem Versteck hervor und blieb an der Oberfläche der 
faulenden Rübenstücke so lange, als noch genug Feuchtigkeit hier war, später 
begab sie sich wieder ins Innere der fauligen Substanz, wo Feuchtigkeit noch 
genug vorhanden war. Die Larve braucht, je nach der Witterung, 6— 8 Wochen 
zu ihrer vollständigen Entwicklung — im Laboratorium dauerte dies immer 
höchstens 45 Tage — und wird in dieser Zeit ziemlich gross, denn während sie 
im Blattstengel circa 0*75 Mm. gross ist, misst sie erwachsen bis 8 Mm. (aus- 
gestreckt 9 Mm.) in der Länge und 1*4 Mm. in der Dicke. 

Die erwachsene Larve (Fig. 2 a, ps, l, V, st) ist, wie alle Fliegenlarven, 
kopflos, der Form nach walzig, nach vorn zugespitzt und daselbst mit zwei 
gleichen muskulösen Ausstülpungen (II) und zwei klauenförmigen, hornigen 
schwarzen Haken (IV), welche zum Fassen der Nahrung dienen, versehen; diese 
Haken sind in den zweiten Leibesring vollständig einziehbar und übergeben die 
zernagte Nahrung dem wulstigen Magen. Von den eilf Leibesringen ist der letzte 
gerundet und von einer eigenen Gestalt (a). Derselbe trägt oben eine verflachte 
Rinne, von der sich zu beiden Seiten zwei schwarze Stigmenträger erheben, 
welche schon mit blossem Auge unterscheidbar sind. Durch die Hautfarbe, 
welche im jugendlichen Zustande rein weiss, im vorgeschrittenen Alter gelblich 
ist, scheinen zwei mächtige Tracheen (tr) durch, welche gerade vor dem 
zweiten Leibesringe in eigens geformte Stigmata (st) ausmünden, die man 
jedoch erst bei starker Vergrösserung wahrnimmt. Zur Bewegung der Larve 
dienen sehr feine warzenförmige, schon durch eine Lupe sichtbare Anschwellungen 
(ps) der Leibesringe, auf welchen sich die Larve auch fortzuschnellen versteht. 
Der ganze Körper ist pergamentartig, glänzend glatt und nackt. 

Erwachsen geht die Larve zur Verpuppung in die Erde ; findet sie keine, 
so ist sie gerade nicht wählerisch und verpuppt sich auch in der faulen Rübe. 
Im Laboratorium z. B. fand die Verpuppung am meisten zwischen oder in 
Rübenstücken statt, doch wanderte die reife Larve recht gern in die Erde, wenn 
sie solche in der Nähe verspürte. 

Die Puppe ist eine sogenannte Tonnenpuppe (Fig. 3), von dunkelbrauner 
Farbe und sehr feiner, besonders an den Einschnitten auffallenden querrunzeligen 
Oberfläche. Das Kopfende ist abgerundet, mit deutlichen Einkerbungen, die 
beiden Stigmen als auch das Afterende dunkler gefärbt; dieses trägt ebenfalls 
die Erhabenheiten des Larvenkörpers. Die Maasse der Tonne betrugen in der 



Die ersten Stände zweier Runkelrüben-Fliegen. 



105 



Länge 4'75 Mm., in der Breite 1*5 Mm.; sie ruht bis zu ihrer Entwicklung 
372 — 5 Wochen, hei feuchter Witterung noch länger; somit braucht die Fliege 
zu ihrer Ausbildung 10 — 14 Wochen. Da nun noch in der zweiten Hälfte 
October sehr junge, daneben aber auch sich verwandelnde, der Verpuppung 
nahe und verwandelte Maden im freien Felde angetroffen wurden — es war 
die angefallene Zuckerrübe noch in der Erde — so lässt sich daraus schliessen, 
dass man zwei Generationen zu unterscheiden hat, von denen die letztere im 
Puppenzustande überwintert, wenn sie überhaupt diese Metamorphose erreicht. 

Aus meiner Zucht im Laboratorium erschienen bis heute circa 30 Procent 
Weibchen und 70 Procent Männchen (im Ganzen 50 Stück). 

Die Fliege, wie sie die Puppe durchbrochen, ist fast durchscheinend, 
ungefärbt und hat die Flügel gefaltet. Nach einer Viertelstunde sind diese 
entfaltet, und nach zwei Stunden erlangt auch der ganze Fliegenkörper seine 
tief stahlblaue Farbe, nachdem er vorerst gelblichgrau, später schwarz geworden. 
Ein Unterschied zwischen der frisch hervorgebrochenen und der älteren Fliege 
ist auch der, dass der Hinterleib bis drei Tage aufgeblasen bleibt, während er 
nach dieser Zeit stets flach getragen wird. Allgemein lässt sich noch von 
dieser Fliege sagen, dass sie in der Grösse sehr variirt, indem es mir gelang, 
Exemplare von circa 4, aber auch solche von 5'75 Mm. zu züchten, dass sie 
sehr träge ist, indem sie stets im Bogen eine sehr kurze Strecke fliegt, dass 
sie erst bei Nachtlicht, besonders wenn sie eingesperrt gehalten wird, etwas 
lebhafter sich bewegt und schwirrt und dass sie unter keinen Verhältnissen 
länger als 3 — 5 Tage (die Weibchen immer länger) lebte. Auch ist bemerkens- 
werth, dass der Glanz und die Farbe der Fliege nach dem Tode an Intensität 
verlieren, beim männlichen Geschlechte weniger rasch als beim weiblichen; 
sonst gibt es keine bedeutenden Unterschiede zwischen den beiden Geschlechtern. 

Wie gesagt, erreicht die Fliege eine Grösse von bis 5*75 Mm., doch 
scheint das Weibchen stets kleiner und schmächtiger zu sein. Der Körper ist 
tief stahlblau, stark glänzend (beim Weibchen weniger intensiv), zart, aber 
deutlich flaumhaarig. Der Kopf (Fig. 4) ist schwarz, deutlich getrennt und 
fast halbkugelförmig; das Untergesicht ist senkrecht, in der Mitte ein wenig 
eingedrückt; der Hinterkopf ist flach und erhebt sich nur allmälig gegen 
den Scheitel; der Unter köpf ist stark aufgetrieben und pechschwarz gefärbt. 
Der Mundrand trägt keine Borsten, die Wangen und Backen sind schmal, 
die Stirn nimmt beim Männchen circa den vierten Theil des Kopfes ein, beim 
Weibchen circa ein Drittel. Der Scheitel und der Hinterkopf sind mit Borsten 
besetzt, und zwar sitzen zu unterst des Hinterkopfes je zwei nebeneinander, 
während weiter hinauf sechs Borsten in zwei Reihen besonders auffallen. Die 
Fühler (Fig. 5) sind deutlich abstehend, kürzer als das Untergesicht, dreigliederig; 
die ersten Glieder kurz und lichter gefärbt, das letzte bedeutend länger, vorn 
abgerundet und dunkelbraun bis schwarz; seine Borste ist fein mikroskopisch 
behaart und rückenständig. Die Augen (o) haben eine länglich ovale Form, 
sind gross, nackt, schwarz und in der Fühlergegend silberweiss eingesäumt. 

Z. B. Ges. B. XXIX. Abh. 14 



106 



Franz Farsky. 



Der Saugrüssel hat eine breite Saugfläche, die Taster (pr) sind walzig, 
vorn etwas breiter und dunkel gefärbt wie der erstere. Der Thorax ist fast 
gleich breit wie der Kopf, verbreitert sich nur sehr wenig nach hinten und 
stellt beinahe ein Viereck vor. Seine Wölbung ist so bedeutend, dass es den 
Anschein hat, als ob er eine Rundnaht besässe. Derselbe ist ebenfalls flaum- 
haarig, darüber besitzt er jedoch noch grössere Borsten, und zwar sitzen einige 
vorne, gegen den Kopf gerichtet, während von da aus gegen das Schildchen 
zu bis zur Flügelwurzel je vier, und von hier bis zur Mitte wiederum auf 
jeder Seite vier Borsten, und auf dem Thorax über dessen Mitte zwei 
kleinere Borsten nach hinten zu gerichtet sind. Das Schildchen hat die 
Form eines gedrückten gothischen Gewölbbogens und ist mit vier Borsten 
besetzt. Der Hinterleib besteht aus fünf Ringen, welche zusammen die 
Eiform mit breiter Basis vorstellen und bei älteren Fliegen stets plattgedrückt 
sind; dieselben sind immer mit regelmässig zerstreuten Borsten versehen. Der 
Bauch ist nicht ganz von derselben Farbe wie der übrige Körper und 
in fünf Felder eingetheilt. Das innerste ist das schmälste und besteht aus 
fünf, wenigstens bei jungen Thieren deutlichen eingekerbten Plättchen, von 
denen die oberen vier mattglänzend erscheinen, das letzte jedoch den Glanz 
des übrigen Körpers besitzt. Unter diesem letzten Plättchen sind die männ- 
lichen Genitalien verborgen und zum Schutz derselben ist dieser Ort durch eine 
einfache Ueberragung der Oberhaut dachförmig überwölbt. Bei der weiblichen 
Fliege ragt aus diesem Verdeck die dreigliederige Legeröhre hervor, deren 
Form in Fig. 6 dargestellt ist. Die zu beiden Seiten des innersten liegenden 
Feldes sind gelbbraun, deren Umsäumung ist glänzend schwarzblau. Diese 
Unterschiede in der Färbung des Bauches treten jedoch nur in der Jugend 
deutlich hervor. Die Legeröhre ist ein wenig gebogen, bedeutend abstehend 
und besitzt im Unterstücke zwei Rinnen, welche seitlich gelegen, sowohl von 
der Oberseite (Fig. 6) als auch der Unterseite (Fig. 7) sehr deutlich ge- 
sehen werden können. Bei sehr starker Vergrösserung wird man auch den 
in der Spitze gelegenen Eihälter (ov) wahrnehmen. Das Unterstück ist ausser- 
halb des Oberstückes, hauptsächlich jedoch an der Spitze selbst, mit verschieden 
grossen Borsten besetzt. Die Flügel sind länger als der Hinterleib, decken sich 
theilweise (beim Gehen und in der Ruhe) und überragen denselben, je nach 
dessen Grösse, bis um 1*5 Mm. Die Flügelfläche erscheint glashell, nur 
die Basis besonders am Vorderrande ist rostgelblich gefärbt. Die mittlere 
Längsader ist chocoladebraun, die übrigen Längsadern sind rauchfarbig. Im 
Ganzen sind sechs Längsadern (die letzte sehr kurz) und drei Queradern vor- 
handen. Die erste Längsader ist doppelt, ihre Aeste liegen nahe bei einander 
und trennen sich unbedeutend vor ihrer Mündung in die Vorderrandader. Diese 
Mündung liegt ein wenig vor der Mitte des Vorderrandes. Die Vorder rand- 
zelle ist bauchig erweitert, die Analzelle und die hintere Basalzelle sind 
kurz und unbedeutend. Die gewöhnliche Querader liegt der Mündung des 
Vorderastes der ersten Längsader beinahe gegenüber. Die Schüppchen zeichnen 
sich gelblich, die Schwinger dunkelbraun. Die Füsse sind raässig lang und 



Die ersten Stände zweier Runkelrüben- Fliegen. 



107 



ziemlich stark, behaart (besonders an der Innenseite der Schenkel, welche mit 
Eindrücken versehen sind), dunkelbraun gefärbt, die Tarsen tief schwarz. 

Die Larve der Fliege lebt nach Schi n er, Fauna austriaca die Fliegen 
II. Theil, S. 91 unter Baumrinden und im Kuhdünger. >) 

Zum Schlüsse sei noch erwähnt, dass mit der Lonchaea aus der verdorbenen 
Rübenmasse noch andere Dipteren entschlüpften, als: Beris clavipes, Limosina 
fenesträlis, Hylemyia strigosa, Conicera atra von deren Verwandlung wir zwar 
einige, jedoch nicht alle Daten besitzen. Ferner erschien vom frühen Herbste 
bis zu dieser Zeit in grosser Anzahl eine Chalcis-Axt. Aber auch an anderen 
Insecten fehlte es daselbst nicht; unter der geborstenen Rinde der Zuckerrübe 
fand man hie und da die Larve von Attagenus pellio, von Agriotes segetum 
(sehr sporadisch), dann Xantholinus linearis, entwickelt in der obbezeichneten 
Vertiefung im Rübenkopfe Typhaea fumata und Sitonla lineata. 

IL Die Kunkelfliege Anthomyia conformis 2 ) Nördlinger (Fall.), 

Wir hatten schon mehrmals Gelegenheit gehabt, zu beobachten, welchen 
Schaden 3 ) die sogenannte Runkelfliege auf den Rübenfeldern anzurichten im 
Stande ist; wir haben uns aber auch überzeugt, dass der Landwirth diesen 
seinen Feind fast gar nicht kennt, ja sogar die Folgen von dessen Gegenwart ganz 
natürlich findet, indem er das zu frühe Abwelken der Rübenblätter der herr- 
schenden Hitze zuschreibt. Er raisonnirt hiebei folgendermassen : Wenn die 
Rübe neue Blätter treibt, so müssen doch die alten absterben — und doch gilt 
regelrecht gerade das Umgekehrte. Er soll seinem Rübenfelde mehr Aufmerksam- 
keit schenken, und er wird wahrnehmen können, dass in den meisten Fällen, 
ehe die jungen Blattknospen ausbrechen, die älteren Blätter bereits verwüstet 
sind, ohne dass an ihnen das geringste Anzeichen von Welkheit zu bemerken 
wäre. Sie haben bereits an mehreren Stellen das frische Grün verloren, und 
dafür das nur mögliche Farbenspiel von Grau, Gelb und Roth angenommen. 
Durch dieses Farbenspiel zeichnen sich besonders jene Stellen der Blätter aus, 
deren Oberfläche blasig aufgetrieben ist, während der Rest der Blattfläche viel- 
leicht noch in seinem ursprüngliche Grün prangt. Solche Blätter sind jedoch 
noch nicht welk, höchstens werden sie es in der heissen Mittagssonne, während 
ihre frühere Turgescenz am Abende schon längst wieder hergestellt ist. Die 
vollständige Schlaffheit der Blätter tritt aber dann um so eher ein, je mehr 
Chlorophyll die untere Blattfläche bereits verloren hatte. 



J ) Nach Bouche unter fauler Baumrinde, und scheint überhaupt in zersetzten Vegetabilien 
ihre Verwandlung durchzumachen. D. ß. 

2 ) Anthomyia conformis Fallen stammte aus Schweden und wurde von M ei gen nach 
Exemplaren der Wie demann'schen Sammlung beschrieben. — Die Originale sind jedoch in der 
Winthem'schen Sammlung nicht mehr erhalten geblieben nnd somit der Nachweis einer richtigen 
Bestimmung nicht mehr möglich. Man citirt daher besser „Nördlinger". Brauer. 

3 ) Im Jahre 1871 auch bei Atzgersdorf nächst Wien. 

14* 



108 



Franz Farsky. 



Hält man solche Blätter vor die Augen, gegen das Sonnenlicht, so kann 
man leicht die Umrisse der gegenüber gehaltenen Gegenstände unterscheiden, 
und in der Mesophyllschichte bemerkt man dunkelgrüne, zerstreut oder in 
Häufchen liegende Flecken, und im Blattrippenwinkel oder sonstwo zwischen 
der oberen und unteren abgetrennten Epidermisschicht längliche, weisse und 
rührige Körperchen, welche, wenn man sie isolirt, als Fliegenmaden erkannt 
werden; aber oft findet man auch am Blattrande braunrothe Tonnenpüppchen. 

Wenn wir nun derartig beschädigte Blätter näher betrachten, so wird 
uns bald auffallen, dass auf ihrer Unterseite schneeweisse, zerstreut liegende 
Häufchen vorkommen, welche mit einer Lupe betrachtet, als Fliegeneier sich 
erkennen lassen. 

Wir haben nun durch directe Versuche nachgewiesen, dass Rüben mit 
den durch Fliegenmaden befallenen Blättern in ihrer Qualität hinter den gesunden 
zurückbleiben, und es wird daher sehr interessant sein, Näheres über die eigen- 
thümliche Lebensweise des Insectes selbst zu erfahren; was uns darüber bis 
auf den heutigen Tag bekannt geworden ist. 

Die Eunkelfliege, Anthomyia conformis (Fallen, Nördlinger), 
ist der Schädiger unserer Kübenpflanzungen; doch wird er nach Nördlinger, 
Die kleinen Feinde der Landwirthschaft p. 556 von anderen Autoren auch 
anders benannt, so z. B. soll er identisch sein mit Musca hyosciami Macquart, 
Musca coarctata Blanchard, Musca betae Curtis. Der berühmte Dipterologe 
M eigen und auch Taschenberg trennen Anthomyia conformis und coarctata 
von einander, und darnach richtet sich auch der österreichische Fliegenkenner 
Schiner, welcher letztere Fliege in der Gattung Hylemyia Rob. Des. be- 
schreibt, was von Taschenberg als unbegründet erklärt wurde. 

Die nachfolgende Schilderung gründet sich auf Beobachtungen des Jahres 
1878, da die früher gesammelten Erfahrungen mit den zuletzt gemachten über- 
einstimmen. Die Runkelfliege erschien sowohl im Glashause, wo eigene Rüben- 
versuche angestellt wurden, als auch am nahen Rübenfelde, sehr zeitlich. Um 
den 20. Mai, wann die Rübenpflänzchen vereinzelt wurden, bemerkte man bereits 
mehrere Fliegenarten um dieselben herumschwirren, darunter war auch die 
Anthomyia. Schon am 20. Mai entdeckte man auf der Unterseite der noch 
wenig entwickelten Blätter schneeweisse Eierchen, stets zwischen den Blattrippen, 
in Reihen neben- und untereinander. Auf der Blattoberseite konnte man jedoch 
nie dergleichen Vorkommnisse wahrnehmen, auch am Rübenfelde nicht, vielmehr 
wurde da constatirt, dass der Regen viele Eierhäufchen auch von der Unter- 
seite der Blätter wegspült. 

DieEigruppen (Fig. 8) bestanden aus einzelnen entweder parallel oder 
bogenförmig gegen einander gelegenen Eierchen und deren Ort war bald darauf 
durch einen grau oder braun gefärbten Fleck auf einer, oder auch auf beiden Seiten 
des Blattes gekennzeichnet. Die Eierhäufchen waren entweder einzelne oder auf 
einer und derselben Blattfläche zerstreute (bis vier auf einem Blatte) und ebenso 
verschieden war die Anzahl der Eierchen, welche ein Häufchen bildeten. Es 



Die ernten Stände zweier Runkelrüben-Fliegen. 



109 



wurden z. B. Häufchen gefunden von 4, von 11, von 11 und 4, von 9 und 7, von 

5 -f 5 + 1, von 3 + 8 + 3 oder von 5 + 2 + 2 f 2 Eierchen u. s. w. Ein jedes 
hing an dem anderen, als wenn es durch einen Kitt festgehalten wäre, und 
mit derselben Kraft hielten die Häufchen an der Blattepidermis fest. Ihre 
Farbe ist, wie bereits gesagt, schneeweiss, und nur mit Hilfe einer guten Lupe 
kann man auch die Conturen der einzelnen Eierchen unterscheiden. Die Hülle ist 
ein zellenartiges Gebilde, dessen Scheidewandungen von der inneren abstechen und 
stets dieselbe Dicke haben. Die längere Achse der Eierchen mass 0"50— 0'75 Mm., 
die kürzere 0*20 - 0'33 Mm. 

Der Eizustand währte gewöhnlich sechs bis acht Tage, und es findet 
diese kurze Frist (gegen die von Taschenberg angegebene von zehn Tagen) 
darin ihre Erklärung, dass es in Vegetationshäusern (nach dem Tharander-Muster) 
trotz verschiedener Vorkehrungen nicht möglich ist, die herrschende Temperatur 
ganz nach Willkür zu regeln; aber auch hier kann man sich der Beobachtung 
nicht erwehren, dass in der feuchten Luft die Eierchen ein bis zwei Tage 
später bersten. 

Die junge Larve macht nur eine unbedeutende Oeffnung in der sie bis 
nun beherbergenden Hülle, kriecht heraus und bohrt sich gleich an der Stelle 
in das Blatt, wodurch dann die oben angedeuteten missfarbigen Flecke in der 
Epidermis entstehen; häufig findet sie jedoch nicht den passenden Ort für ihre 
Absicht, oder sie wird vielleicht von anderen zu gleicher Zeit entschlüpfenden 
Lärvchen gedrängt, und muss daher anderswo ihr Glück suchen, und sie setzt 
nicht eher aus, bis sie sich unter die Epidermis eingebohrt hat. Das Ent- 
schlüpfen der Larven aus dem Eie geschieht wohl nur Abends oder in der 
Nacht, denn es ist uns nicht gelungen, dasselbe am Tage beobachten zu können. 
An schönen Tagen ist diese Wanderung in einem Tage fertig, sonst dauert 
sie länger (zwei bis drei Tage), oder aber es kommt manches Ei gar nicht zur 
Entwicklung, was besonders dann bemerkt wird, wenn die Luftfeuchte an- 
dauernd ist. Sind die Larven zu verschiedenen Zeiten ausgekrochen, so trifft 
man sie nicht beisammen unter der Blattepidermis, gewiss nur deshalb, weil 
die später hervorgekrochenen die Eingangsstelle der Vorgänger verfehlen oder 
weil sie hier kein Blattgrün finden, welches ihr einziger Leitstern zu sein 
scheint. Im Blattmesophyll einmal angelangt, fangen die Larven ihr ver- 
nichtendes Werk mit grosser Energie an, und nur die stärkeren Blattnerven 
hindern sie an dem stets raschen Vorwärtsschreiten. Sie arbeiten entweder in 
Colonien — bis zu zehn — oder zerstreut, selbst auch einzeln. Die Spuren 
ihres Vernichtungswerkes sind die bereits erwähnten dunkelgrünen Flecke, 
welche nichts anderes sind als die Ueberbleibsel (Excremente) der von der Larve 
eingenommenen und aus dem feinen grünen Mesophyll bestehenden Nahrung, 
welche sie von den beiden Epidermisschichten auf eine so meisterhafte Weise 
abzulösen verstehen, dass diese ihre Arbeit jedem Neuling Bewunderung einflössen 
muss. Durch diesen Vorgang werden die Gewebeschichten des Blattes der Art 
gelockert, dass es ein Leichtes ist, dieselben von einander zu trennen. 



110 



Franz Farsky. 



Die Richtung, in welcher sich die Larven unter der Blattoberfläche ver- 
breiten, ist entweder die vom Blattstiele oder von der Blattspitze aus. Wird 
der erstere Weg eingeschlagen, so genügt ihnen die eine Hälfte des (ausge- 
wachsenen) Rübenblattes; geschieht jedoch das Umgekehrte, dann fällt ihnen 
das ganze Blatt zum Opfer, denn sie theilen sich von der Spitze aus in zwei 
Colonen, von denen die eine rechts, die andere links ihren Gelüsten nachgeht. 
Die schwachen Blattrippen hindern sie nicht in ihrem Vorgehen, die stärkeren 
werden jedoch vermieden ; so wandert immer jede Schaar von einem Blattfelde 
zum anderen, bis die Zeit der Verpuppung eintritt. 

Um beurth eilen zu können, mit welcher Schnelligkeit die Arbeit der 
Larven vor sich geht, sei hier einer der deshalb ausgeführten Versuche erwähnt. 
Eilf mittelgrosse Larven wurden einem kranken Blatte entnommen und auf ein 
frisches gesetzt: in einer Stunde (manche auch nach einer halben Stunde) 
waren alle insgesammt unter der Blattoberfläche verschwunden, trotzdem dass 
manche ihr Glück auf mehreren Stellen zu suchen gezwungen waren. Nach Ver- 
lauf von sechs Stunden wurde die Fläche gemessen, welche sie bereits inne 
hatten, und diese betrug 12 Quadratcentimeter. Zu dieser Zeit arbeiteten die 
Larven in Gesellschaften zu h. -f- 2 + 2 -f 2. Nach 24 Stunden wurde aber- 
mals die Flächenmessung vorgenommen, und diese ergab nunmehr 58 Quadrat- 
centimeter. Eine der Blasen war 7 "8 Cm. lang, 2 4 Cm. hoch und war noch 
dadurch merkwürdig, dass an der inneren Seite der oberen Blattepidermis 
Fetttröpfchen zu hängen schienen, welche jedoch beim Aufbrechen der Blatt- 
haut (durch Larven) wieder verschwanden. Nach Verlauf von weiteren 24 Stunden 
färbten sich die Larven schwach gelblich, Avurden immer mehr träge und wan- 
derten endlich gegen den Blattrand aus. Hier fand man am anderen Tage an 
der Stelle der Fetttröpfchen eine Oeifnung, durch welche einige Larven ent- 
wichen, um in der Erde sich zu verpuppen, während die übrigen am Blatt- 
rande als rothbraune Tonnenpüppchen vorgefunden wurden ; diese Verwandlung 
wurde am Tage nie beobachtet. Sollte diese Phase die Larve noch während 
ihres Festgelages antrelfen, dann eilte die Larve dem Blattrande zu, oft in einer 
Blattpartie, welche noch Chlorophyll führte, und dadurch entstanden kurze und 
enge Gänge im Blattparenchym. 

Die Larve (Fig. 9). Der Körper ist cylinderförmig, zu beiden Seiten, 
besonders aber gegen den Kopf zu verengt, von Beinfarbe oder wie in der 
Jugend, fast durchsichtig, glatt und glänzend. Er setzt sich aus 11 Ringen 
zusammen, von denen der erste den Kopf bildet, an welchem zwei schwarze 
gebogene Haken erkennbar sind. Diese bereiten dem an sie grenzenden Magen 
die nöthige Nahrung vor, welche zermalmt durch den Darmcanal getrieben 
wird, und weil sie stets ihre Farbe behält, auch durch die Körperhaut hindurch- 
scheint. Vorn am zweiten Ringe sind die Stigmata, welche nur unter einer 
scharfen Lupe sichtbar werden und als ein siebenstrahliger Fächer (Fig. s t) 
sich darstellen. Das letzte Glied (a) ist eigentümlich gebildet; anfangs geht 
es abschüssig herab, endigt aber dann in einem bogenförmigen Fortsatz, der 
sich rasch von der Basis abhebt. Der obere abschüssige Theil des letzten 



Die ersten Stände zweier Runkelrüben-Fliegen. 



1 I 1 



Gliedes trägt vier fleischige Zwillingsanhängsel, und unter diesen in der Mitte 
zwei Warzen mit Luftlöchern; der untere bogenförmige Theil hat zwei, nur 
sehr wenig kenntliche, Erhebungen, welche sich nach und nach verflachen, 
respective in den Bogen allmälig übergehen. Die Made ist 7 Mm. lang und 
1*7 Mm. dick. 

Dieses Stadium der Metamorphose der Runkelfliege währt 24—31 Tage, 
und wiederum ist es die Feuchtigkeit, welche einen bedeutenden Factor für 
den Verlauf der Metamorphose abgibt. Interessant ist es zu erfahren, wie sich 
die Larve dabei benimmt, wenn sie sich in die Erde zur Verwandlung begeben 
hat. Lange irrt sie umher, lange kann sie sich nicht entscheiden, wo sie ver- 
bleiben soll, und wenn man sie beunruhigt, so sucht sie sofort zu entkommen. 
Daun scheut sie keine Hindernisse, auch der Weg nach dem Ziele scheint ihr 
klar zu sein, denn wenn man zwei Schichten Erde, welche neben einander 
liegen, durch eine breite Glasfläche trennt, so verschwindet die beunruhigte 
Larve aus der einen Schichte, und man findet sie bald darauf in der anderen. 

Den ersten Tag nach dem Aufbrechen aus den Rübenblättern nimmt die 
Made immer mehr die Dotterfarbe an, der ganze Darmcanal oder dessen Ende 
wird braun, und auch die Afteranliängsel nehmen diese Farbe an. Den zweiten 
Tag erscheint sie bereits als eine braunrothe Tonnenpuppe, welche ein wenig 
kürzer, aber etwas dicker ist, mit deutlichen Ringen und Runzeln und etwas 
dunklerem Kopfende. Vom dritten Tage an ist und bleibt die Puppe am 
dunkelsten gefärbt. Fig. 10 stellt die bestentwickelte Puppe vor, die wir erzogen 
haben. Gewöhnlich sind die Puppen 4*5 Cm. lang und 1*25 Cm. dick. 

Der Puppenzustand dauert nach Taschenberg 10 Tage. 

Uns ist es nicht gelungen, direct zu bestimmen, welche Zeit der Puppen- 
zustand ira Glashause und am Rübenfelde im Freien beansprucht, sondern wir 
sind angewiesen, auf Grund der Beobachtungen über die neu erschienenen 
Eierchen und Maden diese Dauer auszurechnen. 

Die ersten Larven (vom 20. Mai) krochen am 22. Juni aus den Blättern 
heraus, und am 28. Juli waren hie und da wiederum neue Eierchen zu bemerken, 
aus denen am 5. August die Maden bereits entschlüpft waren ; am 10. September 
sah man schon wieder neue Puppen in den Blättern, und die letzten Tage 
dieses Monates brachten abermals neue Eier, deren Larven am 16. October ge- 
sammelt und mit anderen vom Rübenfelde unter einer geräumigen Glasglocke 
im Laboratorium beobachtet wurden. Die Larven waren sämmtlich in Blättern 
eingeschlossen, und dafür Sorge getragen, dass diese nicht welken. Am 20. und 
21. October gingen die Larven in die ihnen vorbereitete Erde und verpuppten 
sich. Die Fliegen kamen jedoch nicht nach 10, sondern nach 105 Tagen, d. i. 
am 4. Februar d. J. heraus, also nach einer Zeit, welche gerade hinreichte, um 
fast zwei Generationen zu zeugen; und wenn das Laboratorium nicht fast jeden 
Tag geheizt werden würde, so hätte man gewiss auch noch länger warten 
müssen, ehe sich diese letzte Generation vollkommen entwickelt hätte. Im 
Freien bleiben diese Puppen den ganzen Winter über im Boden, um im zeit- 



112 



Franz Farsky. 



liehen Frühjahre auszukriechen. Dass aber auch die Fliege überwintert, das 
scheint aus der Beobachtung hervorzugehen, dass im Glashause mehrere Antho- 
myien im Spinnengewebe noch ganz erhalten (auch mit Füssen) vorgefunden 
wurden, wohin sie erst vor Kurzem wohl aus ihrem Schlupfwinkel hervorgeholt 
wurden. 

Wir haben auch mit den ersten Generationen vielfache Versuche ange- 
stellt, um sie zur vollkommenen Entwickelung zu bringen; doch es gelang uns 
nicht ein einziges Mal. Wir haben die Larven im Stadium der Verpuppung 
sammt Blättern, Puppen im Rübenblatte und auch solche, welche ausgekrochen 
waren, in feuchter Luft unter einer Glasglocke, ja sogar auch mit einer ganzen 
Rübe von bestem Wachsthum aufbewahrt; dies Alles war vergebens, wenigstens 
haben wir bis heute keine Fliege aus den normal aussehenden Puppen bekommen. 

Das Weibchen (Fig. 11). Der Kopf ist matt silberweiss, das Unter- 
gesicht glänzend silberweiss mit einem röthlichen Schimmer; die Stirn e 
und der Scheitel tragen eine dunkel orangegefärbte Strieme, welche gegen 
die Augen zu silberweiss eingesäumt ist. Die Fühler sind blos in ihrem 
letzten Gliede, welches fast schwarz ist (die anderen gelbbraun), sichtbar, von 
dessen Rücken erhebt sich eine Anfangs spindelförmige, weiter aber haardünne 
Borste, welche an der Spindel duukelbraun, am übrigen Theile aber gelbgrau 
gefärbt und mit spärlichen und fein en Härchen J ) besetzt ist. Die Taster 
legen sich knapp an das Untergesicht an, sind gelb, am Ende schwarz. Die 
Augen stehen ab, sind ziegelfarbig, nach dem Tode jedoch viel dunkler. Die 
Backen sind behaart. Der Thorax ist von bleigrauer Farbe, zeigt von der 
Seite Seidenglanz, hat beinahe in der Mitte zwei Eindrücke und fünf undeut- 
liche Längsstriemen, welche mit spärlichen Haaren besetzt sind; das Schild- 
chen hat dieselbe Farbe. Der Hinterleib ist eirund, von graugelber Farbe; 
doch weist diese Farbe blos der Bauch rein auf, die Oberseite ist mehr 
gelblichgrau gefärbt, und besonders auffallend ist diese graue Farbe am Ende 
jedes Ringes, wodurch der Hinterleib den Anschein hat, als ob er geringelt 
wäre; die Mitte ist durch eine unterbrochene braune Linie gekennzeichnet. 
Die Flügel sind ein wenig trübe, die Schüppchen durchscheinend, gelblich 
gefärbt, die Schwingkölb chen frei, gelb, am Ende braun. Die Füsse haben 
an der Unterseite dieselbe Farbe wie der Bauch, an der Oberseite sind sie 
schmutziggelb, nur die Tarsen zeichnen sich braun bis schwarz; die Schienen 
der Hinterbeine sind etwas dunkler, als die der beiden Vorderbeine. Die Ober- 
seite der Schenkel hat sporadische, aber doch längere Haare als die Unterseite. 

Das Männchen unterscheidet sich von dem Weibchen dadurch, dass 
dessen Augen sich fast berühren, der Hinterleib gleich nach dem Entschlüpfen 
aus der Puppe mehr cylindrisch, später jedoch bandförmig ist ; dass der ganze 
Körper (und auch die Füsse) eine etwas dunklere Färbung aufweist, weniger 
Glanz besitzt und mit längeren und zahlreicheren Haaren besetzt ist. Auch 



*) Nicht wie Taschenberg, Naturgeschichte der wirbellosen Thiere Seite 173 und 175 
sagt: nackt. 



Die ersten Stände zweier Runkelrüben-Fliogon. 



am Bauche kann mau eine dunkle Mittellinie wahrnehmen, welche beim Weib- 
chen kaum angedeutet ist. Sonst gibt es keinen Unterschied zwischen den 
beiden Geschlechtern. 

Die Runkelfliege ist sehr lebhaft, scheu und fliegt ziemlich rasch. Ein- 
gesperrt und gefüttert, hielt sie sich durch volle fünf Tage. 

Der Einfluss, welchen die Gegenwart der Runkelfliegen - Made auf die 
Entwickelung der Zuckerrübe ausübte, lässt sich dadurch ermessen, dass man 
die angefallenen Rüben in der Polarisation als um 2 — 4 Procent zurückgeblieben 
schätzt. 

Daraus ist zu ersehen, dass die Runkelfliege, respective ihre Made, einen 
bedeutenden Schaden auf unseren Rübenfeldern anzurichten im Stande ist; 
und doch kennt man bis heutzutage fast gar keine Mittel, um gegen diesen 
Feind vorgehen zu können. Die Nässe und ein dichteres Säen helfen im Grossen 
noch am ehesten; im Kleinen kann man es mit Kohlenpulver versuchen oder 
auch die Fliegeneier aufsuchen und zerdrücken. 

Schliesslich sei hier noch erwähnt, dass ähnliche Fliegenmaden wie die 
der Anthomyia, haben wir auch im botanischen Garten auf zwei Atriplex- Arten 
und auf einem Stechapfel gefunden, es gelang uns, diese Larven anf Zucker- 
rüben und auch umgekehrt, die Anthomyia - Maden auf Atriplex- und Stech- 
apfelpflanzen zu übertragen; doch auch aus diesen Maden wurde noch keine 
Fliege erhalten. 



Z. B. Ges. B. XXIX. Abh 



15 



114 



Franz Farsky. Die ersten Stände zweier Runkelrüben-Fliegen. 



Erklärung der Tafel III. 



Fig. 1. Eier von Lonchaea cJiorea Meig. 50 : 1. 
„ 2. Larve erwachsen. 10 : 1. 

„ 2 a. Letzter Ring, ps warzenförmige Gaugwulste (Pseudopodien), l die drei 
ersten Leibringe, at Fühler, g das hornige Schlundgerüste mit den 
Mundhaken, tr Tracheen, st Stigma. 25: 1. 

„ 3. Tonnenpuppe. 10 : 1. 

„ 4. Kopf von vorne, at Fühler, pr Rüssel mit Taster. 17: 1. 
„ 5. Fühler mit Borste. 17 : 1. 

„ 6. Letzte Leibesringe der Imago mit weiblicher Legeröhre von oben. 50 : 1. 
„ 7. Legeröhre von unten, ov Eihalter. 

„ 8. Eier von Anthomyia conformis Nördl. 40 : 1. 

„ 9. Larve erwachsen. 10 : 1, a letzter Ring, st Stigma. 

„ 10. Tonnenpuppe. 10 : 1. 

„ 11. Weibliche Fliege. 5:1. 



115 



Reise nach West - Sibirien im Jahre 1876. 

Auf Veranstaltung des Vereins für die deutsche Nordpolarfahrt zu Bremen 
unternommen von Dr. 0. Finsch, Dr. A. Brehm und Karl Graf von 
Waldburg-Zeil-Trauchburg. 



Wissenschaftliche Ergebnisse. 
Wirbelthiere. 

Bearbeitet von 

Dr. Otto Finsch, 

Mitglied der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft. 



(Vorgelegt in der Versammlung am 7. Mai 1879.) 

I. Säugethiere. 

Von den nachstehend verzeichneten 54 Arten Säugethieren brachte ich 
27 in 79 gut präparirten oder in Spiritus präservirten Exemplaren, die alle 
während der Expedition erlegt wurden, heim. Ausserdem von 20 Arten Felle, 
wie sie im Pelzhandel vorkommen, denen ich auf Grund eingezogener, durchaus 
glaubwürdiger Erkundigungen, noch einige Arten anfügen konnte. Dagegen 
hielt ich es für besser eine Anzahl „Jagdgeschichten", mit denen wir öfters 
überrascht wurden, hier nicht wieder zu geben. Für Denjenigen, welcher wie 
wir, das ungeheure Gebiet wie im Fluge durcheilen musste (siehe die näheren 
Daten in der Einleitung zur zweiten Abtheilung: Vögel), ist der Mangel an 
Säugethieren überraschend, denn in der That begegnet man solchen viel 
weniger als bei uns und schon die flüchtige Erscheinung eines Hasen erregt 
Aufsehen. 

Chiroptera, 

1. Vesperugo noctula Schreber. — Peters, 1 ) 1. c. p. 734. — Nr. 56. 
Urdschar, 47° 30' nördl. Br. (19. Mai). 

*) „Uebersicht über die während der sibirischen Expedition von Herrn Dr. Finsch 
gesammelten Säugethiere, Amphibien und Fische" in: Monatsbericht der kön. Akad. der Wissensch, 
zu Berlin 29. November 1877. p. 734—738. — Herr Professor Peters hatte die grosse Güte die 
Säugethiere, Amphibien und Fische zu bestimmen, wofür ich ihm hiermit herzlich Dank sage. 

15* 



116 



Otto Finsch. 



2. Vesperus Nilssonii Keyserling et Blasius. Vespertilio borealis, 
Brandt, 1. c. p. 6. 1 ) — Peters, 1. c. p. 734. - Nr. 47. Barnaul, 53° 20' 
nördl. Br. (23. Juni). 

3. Plecotus auritus L. — Brandt, 1. c. p. 6. — Im Museum von 
Prof. Slovzoff in Omsk, aus dieser Stadt. 

Ich beobachtete nur ein einziges Mal eine Fledermaus in Sibirien und 
zwar in der Dämmerung fliegend am Sassyk-Ala Kul (19. Mai), natürlich ohne 
im Stande zu sein die Art zu unterscheiden. Bei dem gänzlichen Mangel von 
Bäumen und Gebäuden in jener Salzsteppe wirft sich die Frage auf: wo diese 
Thiere hausen? Im Falle, dass dieselben nicht in Grabhügeln der Kirghisen 
ihre Zuflucht finden, dürften ihnen wohl nur Steine Platz zum Verkriechen 
bieten, wie dies Meyer in der Kirghisensteppe beobachtete. 

Carnivora, 

4. Crossopus fodiens Pallas. — Brandt, 1. c. p. 8; Peters, 1. c. p. 734. 
— Nr. 32. Grenzposten Burgusutai (ca. 5000' hoch), Tarbagatai- Gebirge (25. Mai). 

Graf Waldburg erbeutete das Exemplar in einem kleinen Quell, der in 
grosser Menge Flohkrebse ( Gammarus pulex) beherbergte, welche offenbar der 
Wasserspitzmaus als Nahrung dienten. 

5. Soreoc pygmaeus Pallas. — Brandt, 1. c. p. 7; Peters, 1. c. 
p. 734. — Nr. 23. Langiorsliaja (ca. 65°), Ob (7. September). 

6. ? Sorex araneus L. — Von Omsk, im Museum von Prof. Slovzoff. 

7. Diplomesodon pulchellus Licht. — Peters, 1. c. p. 734. 

Am nördlichsten von uns erreichten Punkte der Schtschutschja (ca. 67° 
nördl. Br.) fand ich (28. Juli) die wohlerhaltene (und mitgebrachte) hintere 
Körperhälfte dieses Thierchens in den Resten von der Mahlzeit eines Bussards 
(Buteo lagopus). 

8. Erinaceus auritus Pallas. — Peters, 1. c. p. 735. 

Ich erhielt die Art von Herrn Hachloff in Saissan, sah sie aber auch 
auf dem Wege von Urdschar nach Bakti. — Von Omsk (Museum Slovzoff). 

9. Talpa europaea Linne. — Brandt, 1. c. p. 9; Peters, 1. c. p. 735. 
Nach Versicherung des Herrn Dr. Krzywicky kommt der Maulwurf 

bestimmt bei Bercosoff (64°) vor. 

10. TJrsus arctos Linne. — Brandt, 1. c. p. 16; Peters, 1. c. p. 735. 
Als unser Reisezug am 8. Juni am Marka Kul (chinesischer Hochaltai, 

ca. 5000' hoch) lagerte, wurden von den Zuerstankommenden zwei Bären bemerkt, 
die sich eiligst flüchteten. Ich selbst traf nur einmal frische, menschenähnliche 
Fährten, in dem durch das zurückgetretene Wasser gebildeten Uferschlamm des 
Ob zwischen Bercosoff und Samarowa (19. September). — In Sergiopol wurde 
uns ein junger Bär gezeigt, der aus den nahen Akscholobergen herstammte; 



„Bemerkungen über die Wirbelthiere des nördlichen europäischen Russland, besonders 
des nördlichen Ural in: Hof mann, „Der nördliche Ural und das Küstengebirge Pal-Choi" (St. 
Petersburg 1853. Bd. II. 1856). 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 1870. 



117 



ein in Saissan beobachteter lebender jähriger zeigte ein vollständig weissliches 
Halsband, wovon zwei andere dort gesehene nur Spuren aufzuweisen hatten. 

Wie scheu der Bär im Ganzen ist, erhellt aus Ledebour's Reise. Sehr 
häufig traf man das noch warme Lager. Aber auch gefürchtet scheint der Bär 
zuweilen im Altai; wenigstens wurde Ledebour ersucht gegen Abend nicht zu 
laut zu sein, um nicht Bären heranzulocken. 

11. Chilo borealis Linne. — Peters, 1. c. p. 735. 

Graf Waldburg erhielt ein schönes Fell in Altaiskaja- Staniza, ich am 
Ob; die Art geht hier so weit als die Wälder reichen Ostiakisch: Lolmach. 

12. Mustela zibellina Linne. — Peters, 1. c. p. 735. 

Wir sahen Zobelfelle in Saissan, sowie Altaiskaja- Staniza und am Ob, 
wo die Art so weit als der Baumwuchs geht, aber nur die schlechteste Qualität 
unter den Zobeln Sibiriens liefert. Die Bälge sind durchgehends sehr hell und 
variiren im Preise von 4 bis 15 Rubel das Stück. 

13. Mustela sibirica Pallas. — Peters, 1. c. p. 735. 

Einen Balg dieser schönen Marderart erhielt ich durch Güte der Herren 
Officiere in Altaiskaja- Staniza. 

14. Mustela Eversmanni Licht. — M. (Putorius) putorius, var. 
Eversmanni ; Peters, 1. c. p. 735. — Wie vorhergehende Nummer. 

15. Mustela erminea Linne. — Peters, 1. c. p. 735. 

Ein Hermelin im Sommerkleide erlegte Graf Waldburg bei Narimskaja 
(16. September) am Ob. Ausserdem erhielt ich Bälge in Scharkaiskaja am Ob, 
sowie in Altaiskaja-Staniza im Altai. 

16. Mustela vulgaris L. — Peters, 1. c. p. 734. 

Vom kleinen Wiesel erhielt ich Bälge ebenfalls am Ob, sowie im Altai 
( Altaiskaj a-Staniza). 

17. Canis familiaris L. — Peters, 1. c. p. 374. — Zwei grosse 
Schädel von Obdorsk, ein kleiner von Luismoss (4. September). 

Die Hunderasse der Eingebornen, ein schöner Wolfshund, mit enormer 
dichter Haarentwicklung, wird am Ob immer seltener und degenerirt durch 
Vermischung mit Hunden, welche die Russen mitbringen. — Ueber den Ein- 
spann der Hunde vergl. Abbildung 50 des erzählenden Theiles. 

18. Canis lupus L. — Peters, 1. c. p. 734. 

Ich erhielt einen jungen Wolf lebend in Maitjerek im Süd- Altai am 
5. Juni. Ausserdem liefen uns am 19. April vor Tjukalinsk drei Wölfe über den 
Weg und ich fehlte einen in den Arkatbergen bei der Argalijagd. — Der Wolf 
geht über den 67° auf die Tundra und ist wegen des Schadens, den er in den 
Renthierheerden anrichtet sehr gefürchtet. 

Von dem prächtigen Canis älpinus brachten wir nirgends im Altai etwas 
in Erfahrung, obschon er in diesem Gebirge heimisch sein soll. Nach Meyer 
(Ledeb. Reise p. 118) würde er im Gebirge am Argut vorkommen. 

19. Canis vulpes Linne. — Peters, 1. c. p. 735. 

Junge, ganz wie unsere gefärbte, Füchse erhielt ich am 5. Juni in Mai- 
tjerek im Süd-Altai. Ausserdem sahen wir öfters zahme Füchse bei Ostiaken und 



118 



Otto Finsch. 



Samojeden, die das Thier aufziehen um später den Balg zu verwerthen. — 
Schwarzbäuchige Exemplare sind nicht selten. Der Balg steigt mit der grösseren 
Ausdehnung der schwarzen Färbung und findet in dem Schwarzfuchs seinen 
höchsten Werth, der bis 150 Eubel und mehr betragen kann. 

20. Canis lagopus Linne. — Peters, 1. c. p. 735. 

Obwohl wir das Gekläff des Eisfuchses wiederholt auf der Tundra hörten, 
so bekamen wir doch keinen solchen, ausser gezähmten bei den Eingebornen, 
zu Gesicht. In den baumlosen Tundrengebieten, nördlich vom 67. Grad ist der 
Eisfuchs viel häufiger als der gewöhnliche Fuchs, doch richtet sich seine 
Häufigkeit mit nach dem periodischen Auftreten des Lemmings. 

21. Felis tigris Linne'. — Peters, 1. c. p. 736. 

Obwohl wir im Ala-Tau und Tarbagatai das Gebiet des Tigers berührten, 
so brachten wir doch nichts über denselben in Erfahrung. Bei Professor 
Slovzoffin Omsk sahen wir ein am Balchasch-See erlegtes Exemplar, ausserdem 
im Museum von Barnaul zwei, im Altai (1838 bei Büsk und 1848 bei Schlangen- 
berg) als Versprengte erlegte Tiger, über deren Tödtung Atkinson (p. 331) 
genau berichtet. 

22. Felis irbis Ehrbg. — Peters, 1. c. p. 734. 

Ein schönes Fell des Irbis, im Tarbagatai erlegt, kaufte ich in Saissan. 
Dasselbe stimmt ganz mit Exemplaren aus den „Gebirgen Persiens" im Leidener 
Museum überein. Dagegen scheint mir ein Irbis von Corea (voy. v. Siebold) 
im Leidener Museum verschieden. Fleckung dichter und deutlicher; Flecke 
an Schenkeln und Beinen voll (schwarz); Innenseite der Beine ebenfalls mit 
zahlreichen Flecken. 

Nach Meyer (Ledeb. Reise p. 478) geht der Irbis, kirghisisch „Bars" 
genannt, nördlich bis etwas vom 49. Grad nördl. Br., denn der genannte Reisende 
notirt ihn von den Ken-Kaslykbergen bei Karkaraly. 

23. Felis lynx Linne. 

Graf Waldburg erhielt einen schönen Luchsbalg von den Officieren in 
Altaiskaja- Staniza. Doch kommt die Art auch am Ob vor und ich hörte hier 
von ihr sprechen. 

Glires. 

24. Sciiims vulgaris L. — Peters, 1. c. p. 734. — Nr. 228. Bei 
Narimskaja am Ob (16. September). 

Dasselbe war das erste Exemplar, welches mir erst bei der Rückreise 
am Ob aufstiess. Später begegneten mir wiederholt Eichhörnchen, die noch 
bis zum 26. September (bei Samarowa) das vollständig mit unserem überein- 
stimmende rothe Sommerkleid trugen. 

Als besondere Seltenheit erhielt ich den Balg eines ganz weissen Eich- 
hörnchens. 

Ueber das Wandern der Eichhörnchen findet sich eine interessante Notiz 
bei Pallas (II. p. 660); die Thierchen erschienen 1771 in grosser Menge 
mitten in der Stadt Tomsk. 



Keise nach West-Sibirien im Jahre lN7»i. 



III» 



25. Tamias strtatus L. — Peters, 1. c. p. 73 4. — Nr. 42. Männ- 
chen, Tau-Tekegebirge im chinesischen Hochaltai (ca. 6000') (11. Juni); Nr. 22oc. 
Weibchen, Malo Atlim, Ob (7. Juli) ; Nr. 228 d. Männchen, Sitmarowa, Irtisch 
(26. September). 

Obwohl das Burunduk der Russen, der Kusar oder Kuschar der Ostiaken 
keineswegs selten ist, so begegnete ich ausser den oben augeführten doch nur 
noch wenige Male diesem interessanten Thierchen. Das bei Malo Atlim erlegte 
war ein säugendes Weibchen und rettete sich noch in die unter einer Baum- 
wurzel befindliche Nisthöhle; doch blieben alle Nachgrabungen die letztere selbst 
zu erreichen vergeblich. Das Thierchen wurde übrigens wiederholt von mir 
auf Bäumen beobachtet. Seine Backentaschen waren mit allerlei Sämereien 
dicht vollgepfropft. — Nach Angabe der Eingebornen erzieht das Weibchen nur 
einmal vier bis fünf Junge. 

Bunge (Ledebour's Reise p. 39) notirt die Art als häufig in den Alpen 
an der Tschetschulicha. 

26. Pteromys volans Linne. — Peters, 1. c. p. 736. 

Ich erhielt ein Fell in Jekaterineuburg und in Altaiskaja-Staniza. Am 
Ob ist uns das Flughörnchen nie begegnet, obschon es jedenfalls auch hier 
vorkommt. 

27. Arctomys bobac Schreber. — Peters, 1. c. p. 734. — Arkatberge, 
bei Semipalatinsk (4. Mai). — Nr. 230. Maitjerek, Süd- Altai; Nr. 230a. Altaiskaja- 
Staniza, Thal der Buchtarma, Nord-Altai. 

Ich erhielt die angeführten Exemplare durch Vermittelung der Kirghisen ; 
doch beobachteten wir den Bobac auch selbst einige Male im Hochgebirge, 
sowie in den Vorbergen des Altai. — Nach Ledebour (Reise p. 119) häufig im 
Thale der Grammatucha. 

28. Spermophilus Eversmanni Brandt. — Wagn., Schreber, 
Suppl. 3. p. 254; Middend., Sibir. Reise, p. 83. t. III. f. 1, 2; Peters, l. c. 
p. 734. — Nr. 25. 45. 37. 38. 39. 41. 44. Bei Altaiske-Staniza am Nordabhange 
des Burchat-Passes, oberes Thal der Buchtarma, im Altai (11. Juni); Nr. 28. 31. 
Etwas oberhalb Maitjerek (ca. 4000' hoch) im Süd -Altai (3. Juni); Nr. 60. 
Alexandrovka im Thale der Buchtarma, Altai. 





Eversmanni 


erythrogenys 


muqosaricus 




Nr. 25. 


Nr. 31 


Nr. 2. 


Nr. 30 


Nr. 27 


Länge des Kopfes von Schnauzenspitze bis 


Weibchen 


Weibehen 








alt 


jung 






1" 8" ; 


X" V" 


1" 10"' 


1" 5"' 


1" 6"' 


Ganze Länge von Schnauzenspitze bis 














6" 2"' 


5" — 


8" 4'" 


4" 9'" 


5" 8'" 




3" — 


2" 3"' 


1" 9'" 


— 9"' 


1" — 


„ mit „ 


3" 10"' 


3" 4"' 


2" V" 


1" 5"' 


1" 8'" 


Länge des Vorderfusses vom Ellbogen- 












gelenk bis zur äussersten Zehenspitze . 


2" V" 


2" — 


2" 6'" 


1" 9'" 


1" 10'" 


Länge des Hiuterfusses vom Hakengelenk 












bis zur äussersten Zehenspitze .... 


1" 8"' 


1" 6"' 


1" 8'" 


1" 3"' 


1" 2"' 


Länge der Kralle der Mittelzehe vorn circa 


4"' 


3 V" 


3V 




W" 



120 



Otto Finsch. 



Die erhaltenen Exemplare scheinen sämmtlich nicht ganz alte, da 
v. Middendorf und Brandt die Körperlänge zu 9 — 10 Zoll angeben. 

Sämmtliche Exemplare trugen die Sommertracht, welche sich von der 
durch v. Middendorf abgebildeten des Winters durch lebhaft rostfarbene 
Seiten und Beine nebst Unterseite unterscheidet, nur Kinn und Kehle sind 
weiss. Nasenrücken ebenfalls rostroth, wie Kopf- und Halsseiten nebst Ohr. 
Der ungefähr halbe Körperlänge erreichende, zweizeilig behaarte Schwanz stimmt 
ganz mit der Abbildung bei v. Middendorf überein und dient zur leichten 
Erkennung der Art in allen Altersstufen. Ausserdem zeichnet sich dieselbe 
durch die verhältnissmässig am längsten Krallen der Vorderfüsse aus. Die 
Färbung der Oberseite ist hellgraulichrostfahl mit dunklen Wellenlinien. Der 
Daumennagel der Vorderfüsse ist deutlich entwickelt und 372 Mm. lang. Die 
Krallen sind schwarz; die Fusssohlen rostgelb. 

29. Spermophilus erythrogenys Brandt. — Wagn., Schreber, 
Suppl. 3. p. 254. — Sperm. erythrogenys et Eversmanni, pt., Peters, 1. c. 
p. 734. — Nr. 1. 2. 3. Beim Dorfe Pästirovskaja zwischen Salair und Tomsk, 
Nordwest-Altai (30. Juni); Nr. 30. Smeinogorsk, Nordwest- Altai (19. Juni). 

Ich konnte die Typen Brandt's im Museum von St. Petersburg ver- 
gleichen, mit denen meine Exemplare ganz übereinstimmen. 

Die Art unterscheidet sich, ganz abgesehen von der Färbung, leicht 
durch den kurzen Schwanz, der kaum ein Viertel der ganzen Körperlänge 
beträgt. Die Sohlen sind fleischbräunlich ; der Daumennagel deutlich entwickelt 
(4 Mm. lang), die schwarzen Krallen nicht so lang als bei der vorhergehenden 
Art. Die Oberseite ist auf rostgrau-gelbfahlem Grunde stärker und deutlicher 
dunkel melirt als bei Eversmanni, die Unterseite nebst Füssen einfarbig rost- 
gelblichweiss, nur an den Vorderarmen deutlicher rostfarben angeflogen; Kopf- 
seiten, Kinn, Kehle und die Innenseite der Vorderbeine sind fast rein weiss. 
Sehr charakteristisch sind ein lebhaft rostroth er Streif über dem Auge, ein 
solcher Fleck unter demselben auf der oberen Backengegend und ein dritter, 
schwächer und blasser markirter auf dem Nasenrücken. Der Ohrrand ist eben- 
falls rostbraun gerandet. In Folge der beiden rostrothen Flecken über und 
unter dem Auge erscheint der Augenkreis fast abgesetzt weisslich. Die Färbung 
ist bei den vorliegenden Exemplaren übereinstimmend, doch zeigt das alte 
Weibchen (Nr. 2) die rostbraunen Augenflecke etwas schwächer entwickelt. 
Dasselbe erwies sich als säugend und zeigt in zwei Reihen zwölf stark ent- 
wickelte (an 4 ; " lange) Säugwarzen, von denen die erste fast am hinteren 
Rande der Innenseite des Hinterschenkels entspringt, während die oberste an 
der Basis des Vorderbeines ihren Sitz hat. 

Vor dem Dorfe Pästirovskaja war der grüne Anger von Hunderten dieser 
Zieselart belebt. Zuweilen konnte ich an dreissig und mehr Stück zählen, die 
gleich einem Stück Holz, männchenmachend, regungslos dasassen, beim geringsten 
Geräusch oder Vorwärtsschreiten aber in die Röhre fuhren. Es war daher nicht 
leicht ihrer habhaft zu werden. Wie ich brieflich von Dr. Duhmberg in 
Barnaul erfuhr, wechseln die Ansiedelungen dieses Ziesels übrigens sehr und 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 187G. 



121 



vielleicht schon ein Jahr später dürfte bei Pästirovskaja kein einziges zu 
sehen sein. 

30 Spermophilus mugosaricus Licht. — Wagn., Schreb. Suppl. 3. 
p. 241; Keys, und Blas., Europ. Wirbeith. p. 42; Sp. erythrogenys, pt. Peters, 
1. c. p. 734. . — Nr. 27 und 40. Wasserlose Steppe zwischen dem Nordrande 
des Saissan Nor und dem Altai (3. Juni). 

Diese Art unterscheidet sich von den beiden vorhergehenden leicht durch 
den anliegend, rund behaarten, sehr kurzen Schwanz, der kaum ein Sechstel der 
Körperlänge beträgt. Die Behaarung ist bei dieser Art weit kürzer, die Färbung 
einfacher. Die ganze Oberseite bis unter das Auge und bis zur Seitenlinie ist blass- 
roströthlichfahl, der Kopf oberseits, namentlich jederseits über dem Auge und 
auf dem Nasenrücken, ist etwas lebhafter roströthlicb. Die Haare der Oberseite 
sind hie und da fein schwarz gespitzt, doch so schwach, dass kaum eine An- 
deutung von Sprenkelung entsteht und die Oberseite also fast ganz einfarbig 
erscheint. Uebrige Theile einfarbig rostgelblichfahl, an der Aussenseite der 
Vorderbeine lebhafter rostgelblich; Kinn und Kehle mehr weisslich. Der Schwanz 
ist blassrostgelbfahl, die pinseligen Haare der Spitze fast weiss. Der Daumennagel 
ist ganz rudimentär und kaum 1 Linie lang; die Fusssohlen sind dunkel, wodurch 
sich die Art im Leben leicht unterscheidet, ebenso wie durch das Ohr, welches 
keine hervortretenden Ränder besitzt.- 

Die erhaltenen Exemplare scheinen noch nicht völlig ausgewachsen, da 
Keyserling und Blasius die Körperlänge zu 9" 10'" angeben. 

Ich erhielt die Art nur in der genannten Localität. Die Exemplare 
waren die ersten Ziesel, welche uns nach mehrwöchentlichem Durchstreifen der 
Steppe hier, und zwar in einer durchaus wasserlosen, also mehr wüstenartigen, 
zuerst begegneten. 

31. Cricetus songaricus Pall. 

Aus der Kirghisensteppe am Balchasch-See, in Slovzoffs Museum 
in Omsk. 

32. Mus musculus L. — Peters, 1. c. p. 735. — Oberhalb Maitjerek, 
am Flusse Kuldschelik; Tau-Teke- Gebirge, chinesischer Hochaltai (ca. 6000' 
hoch) (6. Juni). Lepsa am Fusse des Ala-Tau (11. Juni). 

Die zuerst angeführten in wildester Gebirgsgegend des Altai erbeuteten 
Exemplare zeigen, dass auch die „Hausmaus" noch ursprüngliche vom Getriebe 
des Menschen weit entfernte eigen thümliche Reviere besitzt, denn die genannten 
Localitäten sind so weit von menschlichen Niederlassungen entfernt, dass von 
einem zufälligen Uebersiedeln, respective Verwildern, nicht die Rede sein kann. 

33. Arvicola amphibius L. — Peters, 1. c. p. 735. — Nr. 4. Bei 
Barnaul. 

Ausser dem erwähnten Exemplare erhielt ich bei Langiorskaja am unteren 
Ob eine von Eingebornen präparirte Haut. Dieselben nannten das Thier ost- 
iakisch „Mönch" und behaupteten, dass es einen langen, nackten Schwanz wie 
die Ratte habe, irrten sich aber, denn Professor Peters konnte unzweifelhaft 
die Identität des „Mönch" mit der obigen Art nachweisen. 

Z. B. Ges. ß. XXIX. Abh. \Q 



122 



Otto Pinsch. 



34. Arvicola rütUus Pallas. — Peters, 1. c. p. 735. 

Ich erhielt nur drei Exemplare dieser schönen Maus bei Laügiorskaja 
am Ob. — Kommt in die Hütten der Eingebornen. 

35. Arvicola obscurus Eversmann. — Peters, 1. c. p. 735. — Tundra 
an der oberen Schtschutschja, ca. 67° nördl. Br. (28. Juli). 

Hier verschiedene Exemplare erlangt. 

36. My odes obensis Brants. — Peters, 1. c. p. 735. — Tundra an 
der mittleren Schtschutschja (ca. 67° nördl. Br.) (19. Juli). Vor Tschornii-jar, 
Schtschutschja (10. August). 

Der Demming war ungemein häufig auf der Tundra, nördlich bis zum 
68. Grad, und wir beobachteten ihn täglich sehr oft. Die Thierchen bauen 
sich im Kriechgestrüpp der Zwergweiden Gänge, in denen sie mit Behendigkeit 
entschlüpfen. Mit der Hand gefangen beissen sie wüthend um sich. Anfangs 
August gab es viele halberwachsene Junge, sowie trächtige Weibchen (wohl 
vom zweiten Wurf). Neben der vorherrschend semmelfarbenen Färbung erlangte 
ich auch einen ins Rothe fallenden und sah fast schwarze. 

37. Myospalaw aspalax Laxmann. — Peters, 1. c. p. 735. — Mai- 
tjerek (ca. 4000' hoch), Altaiskaja-Staniza (ca. 4000' hoch) und Barnaul. 

Der Zokor scheint vorherrschend dem Gebirge anzugehören. Wenigstens 
beobachteten wir seine Wühlhügel, welche denen des Maulwurfs ähneln, aber 
grösser und oberseits glatter sind, auf der ganzen Tour durch den Altai, von 
Maitjerek bis Altaiskaja-Staniza. In den Wiesenthälern schien die Art am 
häufigsten und es war hier, der vielen Unterwühlungen halber, oft gefährlich 
schnell zu reiten, da die Pferde plötzlich tief einsinken und leicht stürzen. 
Aber auch in Höhen von 6000' trafen wir die Gänge des Zokor, oft unmittelbar 
bei und an Felsen hinführend. Wie das bei Barnaul erlangte Exemplar be- 
weist, kommt die Art aber auch in der Steppe vor. 

38. Dipus elater Lichtenstein. — Peters, 1. c. p. 735. 

Ein Exemplar aus der Steppe zwischen Urdschar und Bakty, an der 
chinesischen Grenze, blieb das einzige, welches wir erhielten. (20. Mai.) — 
Doch beobachtete ich Springmäuse in der Dämmerung auf den Sanddünen 
am schwarzen Irtisch, oberhalb Ak-Tube. Die Thierchen waren so behende, 
schienen gleichsam zu fliegen, dass alle Versuche eins zu erlegen missglückten. 

39. Lepus variabilis Pallas. — Peters, 1. c. p. 735. — Samarowa 
(Irtisch). Noch im Sommerkleid (26. September). 

Auf der ganzen weiten Reise durch West- Sibirien sah ich, glaube ich, 
nur drei- oder viermal einen Hasen, und zwar bei Jalutorowsk im April (noch 
weiss), vor Siranowsk im Altai (Juni), sowie am unteren Ob. Wir fanden 
Hasenspuren an der Schtschutschja so weit höheres Gestrüpp reichte, bis über 
den 67. Grad hinaus. 

40. Lagomys minutus Pall. 

Schon am 4. Mai hörten wir in den Arkatbergen nach Sonnenuntergang 
die vogelartig zirpende Stimme eines Nagethieres, welche sich allenfalls mit den 
Silben „dschwit, dschwit, dschwit, dit, dit, dit, dit" u. s. w. wiedergeben lässt, 



Keise mich West-Sibirien im Jahre 1876 



123 



und von der die Kirghisen behaupten, dass sie vom Bobac herrühre. Wir hörten 
in der Folge in den Vorbergen des Altai bis Smeinogorsk diese charakteristischen 
Stimmlaute fast allabendlich, aber leider gelaug es nicht, das Thier selbst zu 
erlangen, welches nur einer unserer Kutscher gesehen zu haben behauptete und 
als ein schwanzloses, kaum rattengrosses Thier beschrieb, dem er den Namen 
„Wladka" beilegte. — Nach den Mittheilungen Pallas 1 (I. p. 155, II. p. 314, 397) 
und Meyer (Ledeb. Reise p. 329) zweifle ich nicht, dass wir es mit dem 
Zwerg-Pfeifhasen zu thun hatten, dessen äusserst versteckte Lebensweise das 
Thier so sehr der Beobachtung entzieht. 

41. Castor fiber L. — Im Museum von Barnaul mit der Localitäts- 
augabe: „Schwarzer Irtisch". 

Nach Poljakoff findet sich. der Bieber noch einzeln und höchst selten 
im Quellgebiete des Flusses Konda. — Gmelin (III p. 487) berichtet schon 
über sein Verschwinden am oberen Ob und Jenissei und durch v. Baer's 
gründliche Untersuchungen erfahren wir, dass der Biber zu allen Zeiten nur 
sporadisch und selten In Sibiren vorkam. 

Ruminantia. 

42. Cervus alces Linne. — Peters, 1. c. p. 736. 

Das Elen muss am mittleren Ob noch sehr häufig sein, wenigsten sahen 
wir bei Surgut, Narym und Samarowa grosse Quantitäten Häute verladen, aber 
es gelang nicht, auch nur eine brauchbare Schaufel aufzutreiben, weil die Ein- 
gebornen dieselben für werthlos halten und im Walde liegen lassen. Der Fang 
des Elen wird theils in Fallgruben, theils, wie in Nord-Amerika, im Frühjahr 
auf Schneeschuhen betrieben, wenn die Schneedecke das Gewicht des Thieres 
nicht mehr trägt. Unterhalb Samarowa ist das Elen ebenfalls noch häufig, allein 
schon bei Bercosoff fängt es, nach Aussage der Eingebornen, an, seltener zu werden. 

Im Altai brachten wir nichts über sein Vorkommen in Erfahrung; doch 
ersehe ich aus Helmersen's Reise, dass dieser Forscher das Thier am Telez- 
kischen See erhielt und nach Meyer (Ledeb. Reise p. 478) würde es in den 
Bergen Ken-Kasslyk bei Karkaraly in der Kirghisensteppe vorkommen. Ritter's 
(Asien II. p. 418) Angabe des südlichen Vordringens bis in das Tarbagatai- 
Gebirge ist wohl eine irrige. 

Die ausführlichsten Mittheilungen gibt die treffliche Monographie J. F. 
Brandt's: „Beiträge zur Naturgeschichte des Elen" in: Mem. Acad. imp. des 
scienc. St-Petersb. VII. Serie. Tom. XVI. Nr. 5. 1870. 

43. Cervus taranclus Linne. — Peters, 1. c. p. 736. 

Dr. Brehm erhielt ein Geweih des Ren in Salair im nordwestlichen 
Altai. Nach Dr. Sass kommt es hier zuweilen als versprengt vor und würde 
nach Helmersen (Beitr. zur Kenntn. d. russ. Reichs. Bändch. 15. 1841. p. 163) 
südlich bis Orenburg herabgehen. Im Norden trafen wir das wilde Ren eben- 
falls nicht; doch kommt es hier sowohl in den Wäldern am Ob als auf der 
Tundra vor, obschon es in der Waldregion des Ural bei weitem häufiger sein soll. 

16* 



124 



Otto Pinsch. 



44. Cervus maral Ogilby. — Peters, 1. c. p. 736. 

Einen zahmen Hirsch dieser Art sahen wir durch Güte des Generals 
v. Poltor atzky in Semipalatinsk lebend und überzeugten uns zugleich, dass 
der Maral eine durch ansehnlich bedeutendere Grösse und Stärke von unserem 
Edelhirsche verschiedene Art ist, wie dies auch die Geweihe bewiesen, welche 
wir sowohl im Ala Tau (Lepsa) und Barlyk- Gebirge als im Altai erhielten. 
Sie sind constant bei weitem stärker und kräftiger, obschon von ganz gleichem 
Bau als die unseres Edelhirsches, aber ungemein schwierig zu erlangen, und zwar, 
weil sie seit Jahrzehnten in noch unreifem, d. h. frisch hervorsprossendem 
Zustande einen sehr kostbaren Handelsartikel nach China bilden. Vergl. hierüber 
den erzählenden Theil meiner Reise p. 181, 182. — Die Bauern von Uimon 
(3144' hoch) betrieben schon zu Ledebour's Zeit (1826) die Hirschjagd der 
unreifen Geweihe halber sehr eifrig (Reise p. 207); im Jeilaguschthale hatten 
die Kalmücken 18 Stück Hirsche erlegt, deren Geweihe (das Stück für 200—250 
Eub. Banco) in die Mongolei verhandelt wurden (Ledeb. Reise p. 138). Meyer 
fand am Berge Jus-aly, 100 Werst westlich von Karkaraly viele Marals; zwei 
Kosaken erlegten hier in sechs Wochen 40 Stück (Ledeb. Reise p. 433), ebenso 
im Gebirge Ken-Kasslyk bei Karkaraly (p. 478). — Nach Berichten der Frau 
Generalin Poltoratzky würden die Bauern in Uimon lebende Marals in Ge- 
hegen halten, um ihnen alljährlich die jungen Geweihe abzusägen und dieselben 
zu verkaufen. 

45. Cervus pygargus Pallas. — Peters, 1. c. p. 736. 

Vom sibirischen Reh, die „Dikeya Kosa, die wilde Ziege", der Russen 
wurde uns zuerst in der Steppe hinter Tjumen eine Haut gezeigt, später sahen 
wir eine zahme Rieke bei Herrn Director Slobin in Kolywan - Schleifferei, 
welche an Grösse den stärksten Bock bei uns bei Weitem übertraf und keinen 
Zweifel an der Artselbstständigkeit des Cervus pygargus lässt. Weitere Be- 
stätigung ergaben verschiedene Geweihe , welche wir in Barnaul erhielten, 
darunter ein kolossales, welches ich, nebst einem anderen (Illustr. Jagd-Zeitung 
Nr. 11. 1879, p. 110) abbilden liess. Dasselbe, im Besitz des Grafen Waldburg- 



Zeil, zeigt folgende Dimensionen: 

Höhe von der Basis der Krone bis äusserste Spitze .... 13" 8'" 

„ „ „ „ „ „ „ Spitze der vorderen Gabel 10" — 

Länge der Gabel 4" 3"' 

„ „ hinteren Gabel 4" — 

„ „ obersten Spitze, von der Einlenkung 5" — 

Entfernung zwischen den obersten Spitzen 12" — 

„ „ vorderen Gabeln 5" — 

„ „ „ hinteren „ 2" 6"' 

Längste Perle 1" — 

Gewicht 1-6 Pfund. 



Wenn ich in dem (1. c.) genannten Artikel, „den sehr bemerkbar ent- 
wickelten Schwanz" als besonderes Kennzeichen des sibirischen Rehes anführte, 
so ist dies, wie ich durch Güte von Graf Waldburg- Zeil erfahre, unrichtig. 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 187G. 



125 



Letzterer schreibt : „Wenn man Maral und Waipiti als Hirscharten unterscheidet, 
so muss dies noch mehr mit dem Cervus pygargus geschehen. Es unterscheidet 
sich dieser zunächst durch das Fehlen eines Rosenstockes, als Regel gegenüber 
unserem Rehe, wo es nur eine Folge von Krankheit oder äusserer Verletzung 
ist. Ferner fällt bei pygargus die weite Stellung der Stirnzapfen ins Gewicht, 
während bei unserem Rehe, namentlich mit höherem Alter, die Rosen sich fast 
ganz berühren, bleibt zwischen der Geweihbasis des sibirischen stets ein 
Zwischenraum, auch bei dem stärksten Bocke, der bei dem von mir mitge- 
brachten kolossalen Gehörn von 13" 8'" Höhe noch eine Fingerbreite beträgt. 
Ebenso verhält es sich mit den sogenannten „Urböcken" unserer Sammlungen 
(ich kenne z. B. sechs solche bei Graf Arco in München); sie alle sind durch 
den Handel verbreitete Geweihe des Cervus pygargus! 

„Der Verbreitungskreis des sibirischen Rehes scheint im Allgemeinen mit 
dem des Elchwildes übereinzustimmen und wie dieses dürfte es bei uns nur 
ausgerottet worden sein. In Nord-Russland, Polen und Esthland soll es neben 
dem unseren vorkommen und von den Jägern unterschieden werden. Bei 
Tjumen und Jekaterinburg ist es nicht selten; in letzterer Stadt sah ich wieder- 
holt dieses Wildpret auf dem Markte." 

Ein eigentümlicher Zug in der Lebensweise des sibirischen Rehes sind 
seine Wanderungen. Als wir die hochromantischen wilden Felsenpartien des Irtisch 
zwischen Buchtarminsk und Ust-Kamenogorsk herabreisten, wurden Graf Wald- 
burg von russischen Jägern Pfade gezeigt und als solche bezeichnet, welche 
das Argali (Archar) auf seinen jährlichen Wanderungen vom Gebirge in die 
Steppe benutzen soll, um an solchen Stellen über den Fluss zu setzen. Nach 
den wiederholten ganz bestimmten Angaben in Ledebours Reise (z. B. p. 322) 
unterliegt es keinem Zweifel, dass diese Wanderungen nicht vom Argali, son- 
dern vom Reh gemacht werden. Ledebour (p. 98) traf grosse Heerden des- 
selben von 10 — 18 Stück, die fast gar keine Furcht an den Tag legten, auf der 
oberen Tschujasteppe, sowie am See Also Kawatta, in den Koksun-Alpen (ca. 4000' 
hoch) (p. 155). — „Zwischen Alexandroskaja-Redoute und Buchtarminsk kamen 
jetzt (8. April) viele Rehe über den Irtisch geschwommen, um sich während 
des Sommers im Gebirge aufzuhalten; Kosaken fingen drei Stück lebend im 
Flusse" (p. 201). Und: „Am linken Irtischufer bemerkte man Gelände von 
Stangen, in welchen sich einzelne Lücken fanden; hinter diesen sind Fallgruben 
errichtet zum Fange der Rehe, welche im Herbst vom Gebirge in die Steppe 
ziehen" (p. 285). Auch Helmersen (p. 201) erwähnt dieser langen geflochtenen 
Zäune zum Fange der über den Irtisch setzenden Rehe einige Werst unterhalb 
Buchtarminsk. Hagemeister gedenkt dieser Wanderungen ebenfalls, bezieht 
sie aber irrthümlich auf das Elen. 

46. Moschus moschiferus Linne. — Peters, 1. c. p. 736. 

Ich erhielt von den Herren Officieren in Altaiskaja- Staniza eine Dacha 
(grossen Pelz) aus den eigenthümlichen Fellen des Moschusthieres, welche ich 
dem königl. ethnographischen Museum in Berlin als Geschenk übergab. — Im 
Altai ist das Moschusthier keineswegs selten; so nach Ledebour (p. 208) 



126 



Otto Finsck. 



beim Dorfe Uimon (3300 ; hoch). — Seither hatte ich Gelegenheit dieses un- 
gemein interessante Thier im zoologischen Garten von London lebend zu sehen. 

47. Ovis ammon Linne. — Peters, 1. c. p. 735. 

Ueber die vom 4. bis 6. Mai in den Arkatbergen abgehaltenen Argali- 
jagden, sowie die erhaltenen Exemplare: einen alten Widder, ein Schaf (von 
Dr. Brehm erlegt) und säugende Lämmer habe ich im erzählenden Theile 
meiner Reise (p. 106—112. Abbild. 9) ausführlich berichtet. Nach Severtzoffs 
Darstellung würde das „Archar" der Kirghisen aus diesem Theile der Steppe 
eine eigene Varietät: Ovis argcdi var. altaica bilden, allein zu einer gründ- 
lichen Darstellung der Wildschafe Asiens fehlt es noch an ausreichendem Ma- 
terial. In Slovzoffs Museum in Omsk sahen wir Archars von den Granit- 
bergen der Steppe bei Karkaraly und Bajanaul. Meyer (Ledebour's Reise 
p. 378 und 386) erhielt Argalis in den nur bis 4000' hohen Steppenbergen 
Tschingistau ; Ledebour dagegen wiederum in den höchsten Theilen des 
Altai. So in der Hochsteppe an der Tschuja, welche so hoch liegt, dass hier 
Gymnandra bieolor wächst (p. 91). Desgleichen in der Kuraischen Steppe 
(p. 101) und an der Katunja (p. 208). Beim Dorfe Uimon (3300' hoch), wo 
die Art früher häufig war, hatte man sie schon 1826 ausgerottet (p. 118 und 208), 
dagegen soll sie in den Gebirgen am Tschulyschman noch vorkommen. 

48. Capra sibirica Mayer. — Peters, 1. c. p. 735. 

Ueber die total fehlgeschlagenen Erfolge einer Steinbockjagd im Tau- 
teke'- (Steinbock-) Gebirge des chinesischen Hochaltai berichtete ich im erzählenden 
Theile (p. 271). Dagegen erhielten wir am 26. Mai ein noch sehr junges Zick- 
lein im Tarbagatai-Gebirge und in Saissan, später verschiedene Hörner. Auch 
im Ala-Tau beobachtete Graf Waldburg selbst Steinwild. — Im Altai kommt 
es ebenfalls vor. Ledebour (p. 208) erhielt in Uimon, obwohl die Art schon 
damals hier ausgerottet war, ein Steinbockgehörn von 3' 9" Länge, welches 2' 4" 
weit an den Spitzen auseinander war und ein Fell „seiner fast ganz weissen 
Färbuüg wegen ausgezeichnet". 

49. Antilope subgutturosa Pallas. — Peters, 1. c. p. 735. 

Ein am 26. Mai im Tarbagatai-Gebirge durch Kirghisen erlangtes, noch 
sehr kleines Junge und einige Gehörne in Saissan waren Alles was wir von 
dieser Antilope bekamen. Sie gehört wohl mehr den südlicheren Gebirgen an 
und kommt im Altai wohl nicht vor. „Kara-biruk" der Kirghisen. 

50. Antilope saiga Pallas. — Peters, 1. c. p. 735. 

Am 20. Mai erhielten wir ein noch sehr kleines Junge vor Bakti, nahe 
der chinesischen Grenze, und sahen an diesem Tage ein paar Mal Saiga-Antilopen 
(vergl. erzählender Theil p. 193), sowie später solche in der wasserlosen Steppe 
nördlich vom Saissan -Nor. Der Umstand, dass wir in der Setzzeit, wo diese 
Antilopen getrennt gehen, das ungeheure Steppengebiet durchreisten, war Schuld, 
dass wir im Ganzen so wenige zu sehen bekamen. Im Herbst, wo sich die 
Saigas schaaren, schwärmt die Steppe zuweilen von ihren Heerden. So traf 
Meyer (Ledebour's Reise p. 392) am 15. August in der Steppe am Tschingistau 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 1870. 



127 



Hunderte von ihnen, ebenso am 22. September bei Semipalatinsk (p. 483) und 
in der Steppe nördlich vom Irtisch (p. 486). In der Steppe am Dolen Kara 
war sie in einer Höhe von 1000—1200' ebenfalls häufig. Saigas schwimmen 
übrigens mit Leichtigkeit durch den Irtisch. Zu Pferd ist es nicht möglich 
sie einzuholen, dagegen gelingt dies besonders schnellläufigen Windhunden der 
Bucharen (Meyer). 

51. Equus hemionus Pallas. — Peters, 1. c. p. 735. 

Wir sahen bei Oberst Russinoff in Omsk zwei zahme Kulans, welche 
aus der Steppe Bekpak-Dala am Tschflusse in Ost-Turkestan herstammten und 
die ich (Sibir. Reise p. 64. Abbild. 17) beschrieb und abbildete. Das Füllen 
wurde vor unseren Augen durch Kirghisen und Kosaken gehetzt und gefangen, 
als wir die fast wasserlose Steppe nördlich vom Saissan-Nor durchzogen. Ueber 
das weitere Zusammentreffen hier mit Kulans berichtete ich ebenfalls (1. c. p. 245). 
Wenigstens hatten wir das hohe Glück Wildpferde in der Freiheit zu sehen und 
in Saissan erhielt ich ein paar von Kirghisen geschossene und präparirte Häute, 
leider ohne Schädel. In Saissan hörten wir auch von einem vom Kulan ver- 
schiedenen Wildpferde „Surtaga" sprechen, welches in der nordwestlichen Gobi 
leben soll und seither von Oberst v. Przewalski erlangt wurde. 

Der „Kulan" der Kirghisen ist übrigens dasselbe als der „Dschiggetai" 
von Pallas, während der Kulan dieses Forschers den Equus onag er oder Wild- 
esel bezeichnet. Der „Kiang" aus Thibet ist, wie ich mich in den Museen von 
London und Leiden wiederholt überzeugte, eine verschiedene Art. 

Die schöne Abbildung von Mützel in Brehnas Thierleben (zweite Aus- 
gabe 1877. p. 14—24) stellt keineswegs den echten Kulan dar, sondern, wie die 
Querstreifen an den Hinterbeinen zeigen, jenen Bastard des Berliner zoologischen 
Gartens, der nach meinen Annahmen aus einem Nachkommen in zweiter Gene- 
ration von Equus tueniopus und einer echten Kulanstute hervorging, aber bisher 
untauglich zur Fortpflanzung blieb und wie alle Bastarde bleiben wird. — Ein 
ausführliches Lebensbild des Kulans gab Dr. Brehm (Nord und Süd, Heft V. 
1877, p. 323—352), in welchem er denselben zugleich „als Stammvater des 
Pferdes und seiner zahllosen Rassen" bezeichnet. 

52. Camelus bactriamis L. 

Das Trampelthier bildet im Haushalte der Kirghisen und Kalmücken eine 
grosse Rolle (vergl. Reise p. 242). Ueber das muthmaassliche Vorkommen des 
wilden Kameeis, wie uns dasselbe von Eingebornen in Saissan geschildert wurde, 
berichtete ich in einem Briefe an die Zoologische Gesellschaft in London 
(7. November 1876). 

Pachydermata. 

53. Sus scrofa Linne. — Peters, 1. c. p. 736. 

Wildschweine sind selbst in der öden, kahlen Steppe keineswegs selten, 
wir trafen ihre Spuren aber ganz besonders in den Rohrwäldern des Seengebietes 
am Ala Kul, wo sie sich besonders von den Wurzeln des Rohres nähren. 



128 



Otto Finsch. 



Cetacea. 

54. Delphinapterus leucas Pallas. — Peters, 1. c. p. 736. 

Die „Beluga" oder der „Delphin" der Russen geht alljährlich ziemlich 
hoch den Ob hinauf und zwar, nach Aussage der Eingebornen, noch oberhalb 
des Dorfes Kuschowat, zwischen Obdorsk und Bercosoff, also fast bis zum 
64. Grad. Während unserer Eeise auf der Schtschutschja war ein kleiner 
Schwärm von etlichen fünfzig Weisswalen am 12. August bei Chalispagor, unter- 
halb Obdorsk gesehen worden. Die Fischer freuen sich über das Erscheinen 
der Wale, weil sie, und wahrscheinlich nicht ohne Grund, annehmen, dass die- 
selben die Züge der Wanderfische vor sich her treiben oder denselben folgen. 
Die Ostiaken bezeichnen das Thier sehr charakteristisch mit „Wuseng potlang", 
d. h. „mit Loch auf Schulter!" — Uebrigens wird der Weisswal weder im Ob- 
Meerbusen noch im Ob selbst gejagt, und die Angaben von grossen Mengen 
Wallrossen, Seehunden und Delphinen, welche den ersteren bevölkern sollen, 
sind irrige. 



II. To gel. 

Unter allen Gebieten Sibiriens war der Westen ornithologisch, wie zoolo- 
gisch überhaupt, am meisten vernachlässigt. Der Umstand, dass die Sibirien- 
reisenden der neueren Zeit (v. Middendorf, v. Schrenk, Rad de u. s. w.) 
direct nach dem Osten vordrangen, verursachte diese Zurücksetzung, welche 
alle schriftstellernden Ornithologen, wie ich, mit Bedauern empfunden haben 
werden. Ganz besonders unangenehm berührte die Lücke, welche sich in Bezug 
auf geographische Verbreitung nur zu sehr fühlbar machte; denn, dass das 
Uralgebirge bei seiner unbedeutenden Erhebung (bis höchstens 5000') keine nur 
annähernd scharfe natürliche Grenze bilden kann, muss sich Jeder sagen, der 
dieses Gebirge auch nicht aus eigener Anschauung kennen lernte. In der That 
bildet Sibirien als Ländercomplex nirgends ein zoologisch in sich abgeschlossenes 
Ganze und der Uebergang von westlichen zu östlichen Arten vollzieht sich 
so unbemerkt, dass er nirgends frappant hervortritt. Nur an einzelnen Loca- 
litäten, wie in den südlichen Gebirgen des Ala-Tau, Tarbagatai und theil weise 
im Altai treten mehr oder minder eigenthümliche Formen oder Arten auf, 
welche dem Beobachter zeigen, dass er nicht mehr in Europa weilt, sondern 
sich den Grenzgebieten indischer Formen nähert. 

So ausserordentlich interessant und wünschenswerth es auch wäre, hin- 
sichtlich der geographischen Verbreitung genaue Kunde zu erhalten, so wird 
die Erforschung dieser Verhältnisse doch dem flüchtigen Reisenden stets un- 
erreichbar bleiben und kann nur durch stationäre gründliche Beobachter 
nach und nach gelöst werden. Es würde nothwendig sein schon im europäischen 
Russland mit dem systematischen Sammeln gewisser westlich und östlich vica- 
rirender Arten zu beginnen, wie z. B. mit Elstern, Dohlen, Rabenkrähen, Stieg- 
litzen, Hohltauben u. s. w., um festzustellen bis zu welchem Grade sie jederseits 



Reise nach West-Sibirien im Jahre l.sTtl. 



129 



vordringen und ihre Verbreitungsgrenzen zu präcisiren, allein, wie gesagt, es 
bedarf dazu der Kräfte vieler Forscher und West- Sibirien wird daher noch für 
lange Zeit ein reiches Beobachtungs- und Forschungsgebiet bleiben. So sehr 
mir auch alle diese Gesichtspunkte vorschwebten und so gern ich auch etwas 
mehr in dieser Eichtung gethan hätte, so war dies bei der Eile, mit der wir 
reisen mussten, eben unmöglich. Den Verlauf unserer Eeise habe ich in einem 
erzählenden Theile (Reise nach West-Sibirien. Berlin. Wallroth 1879) ausführlich 
geschildert und unsere Koute ist in der dort beigegebenen Uebersichtskarte ein- 
getragen. Hier nur noch soviel, dass wir am 19. März Nishnej -Nowgorod, die 
letzte damalige Eisenbahnstation verliessen und erst den 5. und 6. Mai in den 
Arkatbergen, ca. 150 Werst südlich von Semipalatinsk, zum Sammeln verwenden 
konnten. Denn unsere Reise musste, abgesehen von unbedingt nöthigem Auf- 
enthalte, so beschleunigt werden, dass wohl gelegentlich Zeit blieb einen Vogel 
zu schiessen, aber nur selten ihn zu präpariren. Hatten wir doch allein mit 
Schlitten, Wagen (Tarantass) und zu Pferd 6560 Werst (= ca. 937 deutsche 
Meilen) zu durchmessen! Da konnte nur wenig Zeit zum Sammeln bleiben. 
In der That durften wir nur gleichsam nippend kaum zwei Tage (9. und 10. Mai) 
in dem interessanten Steppengebiete am Ala-Kul, nur fünf Tage (12.— 17. Mai) 
in dem noch interessanteren Lepsa, am Fusse des dsungarischen Ala-Tau 
(ca. 45° nördl. Br.) verweilen, genossen nur zwei Tage (25. und 26. Mai) auf 
der Passhöhe des Grenzpostens Burgusutai im Tarbagatai- Gebirge und mussten 
fast ebenso schnell durch das herrliche Altai-Gebirge (4.— 11. Juni), meist durch 
chinesisches Gebiet, reisen, wobei uns der frühen Jahreszeit halber Witterung 
und Weglosigkeit besondere Schwierigkeiten bereiteten. Freilich hatten wir viel 
zu sehen bekommen und so sehr wir auch die Eile dieser südlichen Reise immer 
und immer wieder bedauerten, wir hatten dieselbe nicht zu bereuen, denn sie 
brachte uns namentlich auf geographische Verbreitung bezügliche werthvolle 
Beobachtungen. 99 Arten Vögel in 187 Exemplaren waren die sichtbaren orni- 
thologischen Ergebnisse dieser südlichen Steppenreise. 

Minder hastig gestaltete sich die Reise im Obgebiet, schon in Folge der 
Beförderungsweise, welche nur mittelst eines durch Ruder oder Ziehen fort- 
bewegten, grossen, gedeckten Bootes, einer sogenannten „Lotka" geschehen 
konnte, welche uns der Bürger von Samarowa Herr Semzow unentgeltlich zur 
Verfügung stellte. Nachdem wir von Barnaul am 28. Juni abgereist, fuhren 
wir über Salair nach Tomsk und von hier per Dampfer nach Samarowa, um 
von hier unsere „Kahnfahrt" den Ob stromabwärts anzutreten. Am 6. Juli ver- 
liessen wir mit der Lotka, von uns „Bismarck" getauft, das freundliche Dorf 
am Irtisch, um mit ihr hier wieder am 26. September einzutreffen, nachdem 
wir auf dem Ob und seinem nördlichsten linken Nebenflusse, der Schtschutschja 
oder dem Hechtflusse 2851 Werst (= ca. 400 deutsche Meilen) zurückgelegt 
hatten. Unsere Reise führte uns nördlich bis über den 80. Breitegrad ange- 
sichts des Karischen Meerbusens, also durch jenes Gebiet, welches vor uns nur 
noch ein sammelnder Zoologe, der von Pallas abgesandte Student Basilius 
Sujew vor mehr als hundert Jahren (1771) durchzogen hatte. Und auf den 

Z. B. Ges. B. XXIX. Abk. 17 



130 



Otto Finsch. 



Nachrichten dieses unseres Vorgängers, dem es, im Besitze von Renthieren, ver- 
gönnt war den Karischen Meerbusen selbst zu erreichen, beruhte fast ausschliessend 
die bisherige Kenntniss über die Ornis des Ob und der Tundren Nordwest- 
Sibiriens. Unser grosser Landsmann Peter Simon Pallas hat in seinem 
classischen Werke (Zoogr. ross. as.) Suj ew's Nachrichten über die Thiere dieses 
Gebietes eingeflochten, allein sie sind gar sehr spärlich und, was die Vögel an- 
belangt, zum Theil, wie dies schon Ruprecht in Bezug auf Pallas' botanische 
Mittheilungen anführt, unrichtig. In der That geben Pallas' Notizen selten mehr 
als die Benennungen der Arten bei den Eingebornen, aber die Angaben derselben 
sind nicht gleichbedeutend damit, dass diese Arten auch wirklich gesammelt 
wurden, sondern beruhen meist nur auf von Sujew eingezogenen Erkundigungen. 
Dennoch glaubte ich die betreffenden Arten nicht unerwähnt lassen zu dürfen, 
muss aber bemerken, dass die Einschaltungen „Narym, Surgut, Ob" u. s. w. 
nur den dort landesüblichen Namen der Ostiaken oder Samojeden bedeuten, im 
Grossen und Ganzen also keinen anderen Werth haben, als eine in der be- 
treffenden Localität bekannte Art zu bezeichnen. Im Ganzen führt Pallas 
von den 425 in der Zoogr. rosso as. aus Sibirien (inclusive Kamschatka und 
der Aleüten) genannten Arten, 102 mit ostiakischen, samojedischen oder über- 
haupt Eingebornennamen auf. Davon kommen vier Arten (Pyrrhula sibiriea = 
Uragus Sibiriens, Carduelis elegans, Emberiza hortulana und Anser cygnoides) 
auf den Altai, also in unser südliches Gebiet, von denen wir nur die erstere 
nicht erlangten. Sechzehn vom Ob, oder mit dortigen Eingebornennamen ver- 
zeichnete Arten (Bubo ignavus, Corvus corone, Fregilus graculus?!, Älceclo 
ispida, Cinclus aquaticus, Cypselus apus, Coturnix vulgaris, Gölumba oenas, 
Grus leucogeranos, Scolopax rüsticola, Gallinago gdllinula, Totanus ochropus, 
Anser hyperboreus, Somateria spectabüis, Mergus serrator und Stema caspia) 
wurden von uns zwar in Sibirien gefunden, aber nicht im Obgebiet, und würden 
also, vorausgesetzt, dass die Angaben wirklich richtig sind, denselben einver- 
leibt werden müssen. Wie gering aber die positiven Nachweise Sujew's sind 
erhellt daraus, dass überhaupt nur vier Arten (Cyanecula sueeica, Motacilla 
citreola, Sqiiataröla helvetica und Phalaropus einer eus) als von ihm auf seiner 
nordischen Reise beobachtet wurden, zu denen Pallas (Reise III) noch Strepsi- 
lar interpres hinzufügt, der unserer Beobachtung entging. 

Das auf Pallas (Sujew's Forschungsreise) beruhende Material ist daher, 
wie wir gesehen haben, ein sehr ärmliches, aber für West-Sibirien (politisch), 
speciell das Obgebiet, das einzige. Wenigstens sind mir keine anderen ornitho- 
logischen Arbeiten über dasselbe bekannt, obwohl vielleicht solche aus der 
Feder russischer Forscher und in russischer Sprache existiren mögen. Allein 
unbekannt mit der letzteren würde es mir doch nicht möglich sein auf dieselben 
einzugehen. Aus diesem Grunde konnte ich mich leider auch auf die für unser 
Gebiet wichtigen Arbeiten Eversmann's nicht beziehen, und es war mir auch 
nicht möglich Sabanäeff's Arbeit über die Vögel des Ural zu benützen, welcher 
wohl die umfassendste Zusammenstellung über die Vögel des Urals lieferte. 
Wenn Herr Sabnäeff übrigens in diesem Verzeichniss Corvus dauricus, 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 1876. 



131 



Pyrrhocorax alpinus, Tetrao urogalloides 1 ) und andere Arten aufnimmt, deren 
Vorkommen durch keine Belege erhärtet wird, so hat man Grund die hier 
gemachten Angaben mit Vorsicht aufzunehmen. 

Dagegen habe ich J. F. Brandt: „Bemerkungen über die Wirbelthiere 
des nördlichen europäischen Russland, besonders des nördlichen Urals," in: 
„Der nördliche Ural und das Küstengebirge Pai-Choi. Untersucht und beschrieben 
von einer in den Jahren 1847, 1848 und 1850 durch die kais. russ. geogr. 
Gesellsch. ausgerüsteten Expedition (St. Petersburg 1853) Band. II (1856)" 
citirt (Abkürzung Br. in der Synonymie). Der verdienstvolle Forscher behandelt 
( p- 61—71) die von der Ural-Expedition durch die Herren v. Ho ff mann und 
Branth heimgebrachten Vögel (70 Arten). 2 ) Das Verzeichniss ist wegen den 
genauen Localitätsangaben für die nachfolgende Bearbeitung ganz besonders 
werthvoll, weil es über das gleichzeitige Vorkommen an der Westseite des Ural 
sicheren Nachweis gibt, aus welcher die meisten von dieser Expedition ge- 
sammelten Vögel herstammen. 

Um die Vergleichung mit der Ornis westlich vom Ural noch klarer hervor- 
treten zu lassen, habe ich auf die werthvolle Arbeit von Seebohm und Harvie 
Brown: „Remarks on the Birds of the Lower Petschora" in Ibis 1876 
p. 105—126, 215—230, 289—311 und 434—456 (Abkürzung: Seeb. und Br. in 
der Synonymie) Bezug genommen, in welcher die genannten Herren Bericht 
über die von ihnen während einer Sommerreise an der unteren Petschora ge- 
sammelten und beobachteten Vögel (113 Arten) geben. Als Ergänzung des 
Verzeichnisses von Brandt und somit des westlichen Grenzgebietes besonders 
wichtig. 

Die hervorragenden Forschungen Severtz off's in Turkestan berühren 
unser Reisegebiet im Süden, weshalb ich es für angemessen hielt die von ihm 
gleichfalls beobachteten Arten in meiner Arbeit mit zu citiren. Dresser unter- 
zog sich der verdienstlichen Mühe Severtz offs wichtige Arbeit zu übersetzen: 
Dresser, Notes on Severtzoff's „Fauna of Turkestan" (Turkestanskie Jevotnie, 
Moskow 1873) in: Ibis 1875 p. 96-112, 236—250, 332-342, und 1876 p. 77—94, 
171—190, 319—330 und 410—422. — 384 Arten. (Abkürzung: Dress. Severtz. 
in der Synonymie.) 

Es ermangelte nun noch auf Werke, welche die Ornis Ost-Sibiriens um- 
fassen, zu referiren. Durch v. Middendorf, v. Schrenk und Rad de liegen 
ausgezeichnete faunistische Arbeiten über jenes enorme Gebiet vor, allein sie 
behandeln meist Transbaikalien und das Amurland, denn nur V.Middendorf 
führt eine grössere Reihe Arten vom Jenissei auf. Letzteren haben wir durch 
Seebohm's erfolgreiche Reise 1877 erst näher kennen gelernt; doch hatte ich 
leider nicht mehr Müsse seine in Ibis (1878) begonnenen werthvollen Publi- 
cationen meinem Manuscript einzutragen und kann nur auf dieselben verweisen. 

*) Ist uach Mewes' Untersuchungen wie Dress er mittheilt, nichts anderes als der 
ßakelhahn (T. medius!). 

2 ) Die einzige von uns nicht erlangte Art ist Loxia curvirostra L., welche an der Soswa, 
also im Obgebiet erlangt wurde. 

17* 



132 



Otto Fins ch. 



Sind wir somit über den Jenissei trefflich unterrichtet, nicht minder über den 
Ural und das Petschoragebiet als die südlichen centralasiatischen Grenzgebiete, 
so ist die nachfolgende Arbeit, indem sie sich vorzugsweise mit den Vögeln des 
Ob beschäftigt, ganz besonders geeignet eine Lücke auszufüllen. Ich brachte 
von demselben 84 Arten in 352 Exemplaren; im Ganzen von der Reise: 167 
Arten in 539 Exemplaren heim. Hinzukommen 82 mit Sicherheit beobachtete 
Arten, von denen 30 erlegt aber nicht präparirt werden konnten, da mir die 
letztere Arbeit (mit Ausnahme von 27 Stück Bälgen, die Dr. Brehm so freund- 
lich war zu präpariren) meist allein auflag. Vier Arten (Fälco gyrfalco, 
F. sacer, Antlms spinoletta und Picus leuconotus) führe ich als nicht ganz 
zweifellos sicher, mit Fragezeichen an. 

Ausser den kleinen Museen in Jekaterinenburg und Barnaul, die bezüglich 
der Localitätsangaben nicht immer exact genug schienen, war uns namentlich 
das hübsche Museum interessant und nützlich, welches Professor Slovzoff in 
Omsk zusammenbrachte und im Militär-Gymnasium aufstellte. Dasselbe enthält 
ausser hervorragenderen Seltenheiten die meisten der bei Omsk vorkommenden 
Vögel und so konnte ich auf Grund dieser Sammlung das nachfolgende Ver- 
zeichniss um weitere 30 Arten vermehren. Dasselbe enthält also im Ganzen 
283 Nummern; wozu noch 12 nicht als sicher beobachtete Arten kommen, die 
ich indess nur ohne Nummer einzufügen wage, obwohl ihr Vorkommen sicher- 
lich bestätigt werden wird. Mit ihnen würde die Gesammtzahl der bis jetzt 
in West-Sibirien nachgewiesenen Vögelarten auf 295 steigen. Zur Vergleichung 
mag erwähnt sein, dass das Werk von v. Middendorf 210, von v. Schrenk 
190, von Rad de 270 Arten (als gesammelt und beobachtet) aufführt. — 
Ledebour, Bunge und Meyer (Ledebour: „Reise durch das Altai- Gebirge v 
und am Fusse desselben" Berlin Reimer 1829, 1830) sammelten (mit aus- 
reichenden Hilfskräften) neben 1600 Arten Pflanzen: 21 Arten Säugethiere, 
64 Vögel, 1 ) 23 Amphibien und 7 Fische. Wenn ich noch hinzufüge, dass ich, 
hauptsächlich durch den Sammeleifer des Grafen Waldburg- Z eil unterstützt, 
noch ausserdem an 1000 Insecten (in 370 Arten), 2 ) 600 Mollusken (in 25 Arten 
und 6 Varietäten) 3 ) und 16 Arten Spinnen 4 ) sowie ein beträchtliches anthro- 



1 ) Ich habe leider nicht erfahren, ob über diese wichtige Sammlung eine Fublicatiou 
erfolgte. Das Nichterscheinen würde in der That sehr zu bedauern sein, da die Nachrichten über 
die Ornithologie des Altai ohnehin äusserst spärlich sind. Brandt hat allerdings einen ornitho- 
logischen Anhang zu Tschichatscheff's grossem Altai-Reisewerk geliefert, doch war es leider 
nicht möglich, mir Einsicht in dasselbe zu verschaffen. 

2 ) Mein Freund Herr Baron v. H a r o 1 d in Berlin hatte die Güte, die Coleopteren zu bestimmen, 
unter denen er: „zwei neue sibirische Ontophagus- Ar ten (O. Finschi und sibiricus)" beschrieb in: 
Deutsche entomologische Zeitschrift XXI. 1877. Heft II (p. 333—336). 

3 ) Herr Professor Dr. v. Martens in Berlin bestimmte dieselben gütigst und publicirte 
ein Verzeichniss : „Uebersicht der von Herrn Dr. O. Finsch und dem Grafen zu Wald burg- 
Zeil in Sibirien gesammelten Mollusken" in: Sitzungsber. der Gesellsch. naturforsch. Freunde 
zu Berlin 20. November 1877 und Zeitschr. d. Gesellsch. 1878. p. 237—242. 

4 ) Vergl. Dr. L. Koch (Nürnberg): „Uebersicht der von Dr. Finsch in West - Sibirien 
gesammelten Arachniden" (Verh. der zool.-botan. Ges. Wien Bd. XXVIII. 1878. p. 481—490, mit 
4 Holzschn.). 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 1876. 



133 



pologisches *) Material heimbrachte, so dürfen wir, in Anbetracht der beschränkten 
Zeit mit den zoologischen Ergebnissen unserer Eeise immerhin zufrieden sein. 
Ueber das reiche Herbarium, welches Graf Wald b urg- Z eil sammelte, steht 
eine eingehende Publication von Herrn Dr. F. Kurz in Berlin zu erwarten. 

Den im Nachfolgenden gegebenen Daten liegen ausnahmslos meine Tage- 
bücher zu Grunde; Notizen welche ich meinen Reisegefährten verdanke, sind 
durch Namensnennung ersichtlich. Ich selbst publicirte bisher nur zwei orni- 
thologische Briefe, 2 ) die während der Beise geschrieben wurden, also nur 
flüchtige Bemerkungen enthalten und der hauptsächlichsten Vorkommnisse 
gedenken. Da mir unter den letzteren bis dahin unbekannte Arten begegneten, 
die ich zum Theil als muthmaasslich neue ankündigte, andere Arten aber bei 
der Eile der Reise unrichtig bestimmte, so war es nothwendig auf diese Briefe 
zurückzukommen und sie berichtigend zu citiren. 

Zum Schluss habe ich in Bezug auf das späte Erscheinen dieser Arbeit ein 
Wort zur Entschuldigung zu sagen. Bald nach meiner Rückkehr aus Sibirien zum 
Director der städtischen Sammlungen für Naturgeschichte ernannt, hatte ich mit 
dem Umzüge und der Aufstellung der Sammlungen in den neuen Räumen so an- 
haltend zu arbeiten, dass ich fast achtzehn Monate lang jede wissenschaftliche 
Arbeit ruhen lassen musste. Abgesehen von der mangelnden Zeit, erwiesen sich 
auch die Hilfsmittel, welche das Bremer Museum für die wissenschaftliche Be- 
arbeitung bot, als bei Weitem unzureichend, da eine derartige kleinere Sammlung, 
welche alle Fächer der Naturgeschichte, Ethnographie und Prähistorik vertreten 
will, mit ihren beschränkten Mitteln 3 ) selbstredend nicht Reihen von Exemplaren 
zusammenbringen kann. Da letztere nach den heutigen Anforderungen indess 
unbedingt nöthig sind, so musste ich die Bestimmung gewisser kritischer Arten 
aussetzen, bis es mir in den Museen von Berlin, Leiden und London möglich 
war, genaue Vergleichungen anzustellen. Dies also der Grund der Verzögerung. 

Bremen, 5. April 1879. 0. Finsch. 



Geier (Vultures) fehlen 4 ) dem von uns durchreisten Gebiete gänzlich. Dagegen sah ich 
in der Sammlung des Professor Slovzoff in Omsk einen schönen Gypaetus barbatus, der in der 
Umgegend des Balchasch-See erlegt worden sein soll. Da nach Severtzoff der Bartgeier erst 



1 ) Vergl. R. Virchow (Berlin): „Ueber westsibirische Schädel" (Sitzungsber. der Berliner 
Gesellsch. f. Anthrop., Ethnol. und Urgeschichte 21. Juli 1877. p. 56—73). 

2 ) „Ornithological letters from the Bremen Expedition to Western Siberia" (dated 3. July 
and 26. September 1876) in: the Ibis (1877) p. 48—66. — Ferner: „On a new species of Starling" 
in: Proceed. of the Zool. Soc. London 1878, p. 712. 

3 ) Dieselben erlaubten leider nicht, dass die zoologische Ausbeute der Bremer Expedition 
den hiesigen Sammlungen erhalten werden konnte, und musste die erstere somit ins Ausland 
wandern. Ein Theil wurde vom königl. Museum in Berlin erworben, während der grössere Theil 
in das British Museum überging. Den westsibirischen Sammlungen sind also Ehrenplätze zu 
Theil geworden, wie es in Bezug auf möglichst vielseitige wissenschaftliche Benutzung nicht besser 
gewünscht werden konnte. 

4 ) Eine Notiz in v. Helme rsen's Reise (Beitr. zur Kenntniss des russ. Reichs, 14. Bänd- 
chen p. 132) würde das Gegentheil beweisen. Sie lautet: „in der Früh des 24. Juli sah ich (vor 



134 



Otto Finsch. 



im transilischen Ala-Tau, im Gebiet des Issik-Kul vorkömmt, so könnte es »ich. in diesem Falle nur 
um ein zufällig verflogenes Exemplar handeln, ich unterliess es daher die Art meinem Verzeichnisse 
einzureihen, da wir weder im dsungarischen Ala-Tau, noch im Tarhagatai und Altai irgend etwas 
über das Vorkommen von Gypaetus in Erfahrung bringen konnten. 



1. Haliaetus albicilla (L.). — Seeb. und Br., 1. c. p. 110; Dress. 
Severtz., 1. c. p. 99; Sharpe, 1 ) Cat. I. p. 302; Finsch, 1. c. p. 56. Aquila 
ossifraga Pall. (Zool. Eoss. as.) p. '348. — Narym. 

Unter allen Raubvögeln wurde der Seeadler am öftesten beobachtet, und 
zwar sowohl am weitesten südlich als nördlich. 

Als wir am 5. April den Obelisk auf dem Ural passirten, welcher die 
Grenze Europas und Asiens markirt, gab uns ein Seeadler den ersten ornitho- 
logischen Gruss. Am 14. April fanden wir ihn im Walde bei Jalutorowsk häufig, 
am 25. April begegneten wir ihn längs der Kosakenlinie am Irtisch. Vom Kara 
Irtisch, wo er mit H. lencoryphus zusammentrifft, bezeichnet ihn mein Tagebuch 
als mit Sicherheit beobachtet (ebenso Graf Waldburg in dem seinigen); ob- 
schon ich ihn am Saissan-Nor nicht mehr, sondern nur letztere Art bemerkte. 
— In den grotesken Felswänden des Irtisch zwischen Bucharminsk und Ustj- 
Kamenogorsk mehrmals gesehen und einen erlegt, der leider in den Fluss fiel. 

Am Ob kaufte ich einen halbfiüggen Seeadler von Ostiaken am 5. Juli, 
etwas oberhalb Samarowa; beobachtet bei Malo Atlim (7. Juli). Längs der 
Schtschutschja (67° nördl. Br.) zeigte er sich meist einzeln, seltener paarweis, 
soweit der Baumwuchs reichte; beobachtet am 21., 22., 24. Juli, 9., 10. und 
14. August. Er scheint seine Streifzüge bis auf die Tundra auszudehnen, wo 
ich am 9. August einen, allerdings nahe der Holzgrenze, beobachtete. Wiederholt 
sah ich ihn von ein paar Möven (Larus affmis), einmal von einer einzelnen, 
Lestris parasitica, angegriffen, eiligst flüchten. Auf der Rückreise am Ob beob- 
achtet am 6. September (bei Kischgort), 7. (Langiorskaja), 14. (Nerimowskaja), 
20. (Karimkarsk) und 30. bei Samarowa. Hier pflegte ein Pärchen in dem nahen 
Walde auf den Wipfeln hoher Fichten zur Nachtruhe aufzubäumen. — Bei 
Omsk (Mus. Slovzoff in Omsk). 

Seebohm sah den Seeadler mehrmals im Petschoragebiet abwärts von 
Ust-Sylma. 

2. Haliaetus leucoryphus (Pall.) — Sharpe, Cat. L, 1. c. p. 308; 
Dress., Severtz., 1. c. p. 99; H. Macei Vig.; Aquila deserticola Eversm. 
Nr. 5 (W.) 2 ) c? ad. Nr. 6. (B.) 9 jun. Nor Saissan (2. Juni). 

Sauschka, bei Schlangenberg) mehrere grosse braune Geier mit nacktem blaugrauem Halse, 
in der Nähe eines gefallenen Pferdes sitzen; ich erwähne ihrer besonders, weil sie hier selten 
vorkommen sollen". 

*) Für die Kaubvögel citire ich noch als vollständigstes Werk : R. B. Sharpe, Catalogue 
of the Accipitres in the coli, of the British Museum I. 1874. 

z ) W. bedeutet Graf Waldburg; B. = Dr. Brehm; F. = Finsch, zugleich die von 
den Genannten erlegten Exemplare. Es wurden geschossen von Dr. Brehm 111 Exemplare, von 
Graf Waldburg IM, von mir 247, ausserdem eine weit grössere Anzahl, die nicht präparirt 
werden konnton. 




Reise nach West-Sibirien im Jahre 1870. 



135 



Das alte Männchen stimmt durchaus mit der Abbildung in Dresser's 
B. of Eur. überein, nur wäre zu bemerken, dass Stirn, Kopfseiten nebst Ohr- 
gegend und Kinn fast reinweiss sind, während erst die Oberkehle einen schwach 
rostfahlen Anflug zeigt. Im Leben: Beine fleisch woisslich ; Wachshaut bläulich; 
Iris schön braun. 

Da die Beschreibungen des jungen Vogels, welche Dresser und Sharpe 
geben, mit dem vorliegenden (Nr. C) nicht ganz übereinstimmen, so gebe ich 
eine neue: 

Oberseite dunkelbraun (nicht braunschwarz wie beim alten) mit ab- 
gestossenen schmalen hellbraunen Endsäumen der lanzettförmigen Federn, diese 
besonders deutlich auf Schultern und den oberen Flügeldecken ; die grösste Reihe 
der oberen letzteren an Basis verdeckt weiss; längste seitliche obere Schwanz- 
decken an Aussenfahne weisslich; Schwingen und deren Decken braunschwarz, die 
hinteren von unten an der Basis breit weisslich gerandet; Unterseite braun 
mit allmälig verwaschenen fahlbräunlichen Endsäumen, am hellsten an den 
Seiten und Hosen ; von unter den Augen an über und bis hinter die Ohrgegend 
ein breiter schwarzbrauner Streif; längste untere Flügeldecken an Innenfahne 
und Achselfedern isabellweiss. Im Leben: Beine fleischweiss; Wachshaut grau- 
blau; Iris schön braun. 

Aquila deserticdla Eversm., wovon ich den Typus im Museum von Kasan 
untersuchte gehört als junger Vogel zu dieser Art. 

Fl. M. Schw. F. Schnabelh. Tars. M.-Z. 1 ) 

Nr. 5 22" 10" 3"' 22'" 13"' 3" 4"' 2" 6'" 

„6 24" 12" &" 20"' 13'" 3" 3"' 2" 6'" 

Verschiedene von den grossen Seeadlerhorsten, welche wir am 1. Juni auf 
den hohen Uferbäumen des Kara-Irtisch erblickten, gehörten vermuthlich dieser 
Art an, obwohl ich hier als mit Sicherheit beobachtet auch H. albicilla notirte, 
ebenso Graf Waldburg. Doch unterschieden wir damals beide Arten noch 
nicht, da wir H. leueoryphus nicht erwartet hatten. Als aber am 2. Juni 
Dr. Brehm am Saissan Nor mit einem angeblichen albicilla heimkehrte, wurde 
mir sogleich klar, welche seltene Art wir vor uns hatten. Sie war am Saissan 
Nor ungemein häufig und man konnte zugleich oft mehrere Adler wahrnehmen, 
die auf den über das Wasser vorragenden todten Baumstümpfen auf Beute 
lauernd ruhten. Die helle, wie „hihi" klingende Lockstimme hörte man häufig. 
Die Vögel befanden sich stark in Mauser und zeigten sich wahrscheinlich in 
Folge derselben so trag und wenig scheu, dass einer viermal mit der Kugel 
auf sich schiessen Hess, ehe er sich erhob. Dr. Brehm gelang es zwei oder 
drei junge, Graf Waldburg zwei alte zu erlegen, die indess wegen zu starker 
Mauserung nur zum Theil präparirt werden konnten. An dem ca. 5000' hoch- 



J ) Maasse nach altfranzösischen Fuss und Zoll (vergl. Scala in: Finsch und Hartl. 
Vögel Ostafrikas). Abkürzungen: Fl. = Flügellänge von Bug bis Spitze; M. Schw. = Mittelste 
Schwanzfeder; Aeuss. Schw. = äusserste Schwanzfeder; F. = Schnabelfirste; H. oder Schnabelh. 
— Höhe des Schnabels an Basis; T. oder L. = Tarsus oder Lauf; M.-Z. = Mittelzehe. 



136 



Otto Finsch. 



gelegenen Alpsee Marka Kul (7. Juni) im chinesischen Hochaltai war dieser 
Adler ebenfalls häufig und belebte die kahlen Bäume der sumpfigen Uferwiesen. 
Dr. Brehm fand hier einen Horst mit Jungen, welchen er für sich reservirte, 
bei der Eile der Reise aber nicht rävidiren konnte. Am 9. Juni auf dem Wege 
vom Marka Kul nach der Burchat zuletzt beobachtet. 

3. Aquila chrysaetus L. — Seeb. und Br., 1. c. p. 110; Dress., 
Severtz., 1. c. p. 100; Sharpe, Cat. I. 1. c. 

Der Steinadler ist der am meisten geschätzte Baitzvogel vornehmer 
Kirghisen. Wir sahen trainirte Exemplare bei ihnen (vergl. erzählenden Theil, 
Abbild.), beobachteten die Art aber auch in der Freiheit. So in den Arkatbergen 
(4. Mai) und bei der Kolywan-Schleiferei (20. Juni). — Aus der Umgegend von 
Omsk in Slovzoffs Museum. 

4. Aquila Mogilnik (S. G. Gml.) — Dress er, B. of Eur. pl. 157. 
II. heliaca (Savign.) Sharpe, Cat. I. p. 238; Dresser, Severtz., I.e. p. 100. 
A. fulva et A. imperialis Finsch, 1. c. p. 52, 54 et 55. — Nr. 1. (W.) cf 
chinesischer Hochaltai, auf dem Wege nach dem Marka Kul (ca. 5000' hoch), 
„Iris gelbbraun" (8. Juni). Nr. 2. (B.) cf Hoch steppe im Tabargataigebirge. 
„Iris gelbbraun" (26. Mai). 

Fl. Scliw. F. L. M.-Z. Nag. ders. 

Nr. 1 22" 10" 18'" 3" 3"' 25"' 12'" 

„2 20" 97 2 " 18"' 3" 2"' 26"' 12'" 

Beide Exemplare stehen in voller Mauser und sind alte Vögel, doch ist 
Nr. 1 älter als Nr. 2. Oberkopf und Hinterhals sind schön rostweisslich mit 
braunen Federn auf der Scheitelmitte, Nr. 2. zeigt Oberkopf und Hinterhals 
mit vielen neuen Federn von lebhaft rostbrauner Färbung gemischt; das übrige 
Kleingefieder zeigt bei Nr. 2 noch vorwiegend dunkelbraune hellfahl gesäumte 
(stark abgeschlissene) Federn, die neu hervorwachsenden sind schwarzbraun, 
welche bei dem älteren, oder in der Mauser weiter vorgeschrittenen Männchen 
Nr. 1 überhaupt vorherrschen ; letzteres zeigt einzelne (auch alte) weisse Schulter- 
federn, die bei Nr. 2 ganz fehlen. Die Schwanzfedern sind bei Nr. 1 dunkel 
braungrau mit breiten schwarzbraunen Querbinden und 2" breitem schwarzem 
Endrande mit schmalem weissem Spitzensaume; bei Nr. 2 sind die Schwanz- 
federn dunkelbraun mit grau verwaschenen marmorirten Flecken, ohne schwarzen 
Endrand, aber die zwei mittelsten frisch hervorwachsenden (erst 4" langen) 
Schwanzfedern besitzen denselben, wie überhaupt Zeichnung und Färbung des 
alten Vogels. Die oberen Schwanzdecken sind bei Nr. 2 weiss mit bräunlichen 
feinen Flecken am Basistheile, bei Nr. 1 an Innenfahne braun, ganz wie einzelne 
neugewachsene bei Nr. 2. Die Unterseite der Schwingen ist bei Nr. 1 fast 
einfarbig braunschwarz, nur mit einzelnen schwachen graubraunen Flecken am 
Basistheile, bei Nr. 2 ist der Basistheil weisslich und braun gesprenkelt. Die 
unteren Flügeldecken sind bei Nr 1 einfarbig braunschwarz, bei Nr. 2 rost- 
braun, dunkler gesprenkelt mit einzelnen (neuen) schwarzbraunen Federn, die 
grössten unteren Deckfedern und einige Achselfedern haben einen breiten weiss- 
gesprenkelten Aussenrand. 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 1870. 



137 



Der Kaiseradler wurde am häufigsten beobachtet, sowohl in der Steppe 
als im Hochgebirge. Wir trafen ihn zuerst bei Jalutorowsk (14. April), dann 
wiederholt in der Steppe am Ala Kul (18. und 19. Mai), im Tarbagatai (26. Mai), 
im chinesischen Hochaltai (8. Juni), nördlich vom Altai bei Ulbinska (18. Juni) 
und z wischt x; Salair und Tomsk (30. Juni). Manche auf Telegraphenpfählen 
aufgebäumte Exemplare Hessen die Tarantos so nahe herankommen, dass bezüg- 
lich der Art keine Verwechslung möglich war; selbst das der nächstfolgenden 
Art so verwandte Jugendkleid war an der dunklen Längsstreifung deutlich 
erkennbar. 

5. Aquila nipalensis Hodgs. — Dresser, B. of Eur. pl. A. Mogünik 
(S. G. Gmel.) Sharpe, Cat. I. p. 240. A. imperialis Radde et Jerdon. A. nipa- 
lensis Dress. Severtz., 1. c. p. 101. A. rapax (buteo?) (aber grösser) Finsch, 
1. c. p. 54. — Nr. 3. (B.) am Marka Kul im chinesischen Hochaltai, „Beine 
und Wachshaut hochgelb, Iris hellbraun" (8. Juni). 

Fl. Schw. F. L. M.-Z. Nag. ders. 

24" 11" 18"' 3" 10"' 25'" 121/2'" 
Ohne mich auf weitere Auseinandersetzungen über diese Art einzulassen, 
die nach dem was in den letzten Jahren über die Adler geschrieben wurde, 
zu weitläuftig werden würde, beschränke ich mich darauf zu bemerken, dass 
das vorliegende Exemplar mit der trefflichen Darstellung von Dresser aus- 
gezeichnet übereinstimmt. Nur sind hier auf der Abbildung und im Wider- 
spruch mit dem Text zwei breite dunkle Schwanzquerbinden markirt, die in 
der Wirklichkeit fehlen und leicht zu irrigen Auffassungen führen können. 
Der Schwanz ist nämlich bis auf einen erdbräunlichen Spitzenrand schwarz- 
braun mit undeutlichen graubraunen Flecken marmorirt, die indess, wie an der 
Basis der Innenfahne der Schwingen, keine nur annähernd regelmässigen Quer- 
binden bilden. Die längsten oberen Schwanzdecken sind weiss, wie die grössten 
unteren Flügeldecken, diese indess seitlich braun gerandet. Die Nasenlöcher 
stehen senkrecht, wodurch sich die Art leicht von A. naevia unterscheidet. 
A. nipalensis stimmt also in der erdbraunen Färbung ganz mit dem kleineren 
A. rapax Tom. überein. 

Das vorliegende Exemplar befindet sich in voller Mauser des Klein- 
gefieders ; die einzelnen Federn am Kopfe und Halse sind dunkelbraun, was also, 
im Widerspruch mit den bisherigen Annahmen, beweist, dass diese Adler mit zu- 
nehmendem Alter nicht heller, sondern dunkler werden. Dieser statt- 
liche Adler wurde auf der Tour über die Hochgebirge des Altai öfters beob- 
achtet ; namentlich war er in der Umgebung des Alpsees Marka Kul häufig ; man 
sah hier oft drei und mehr Exemplare zugleich auf den Spitzen der höchsten 
Bäume. Wahrscheinlich kommt die Art auch in der Steppe vor, doch wage ich dies 
nicht bestimmt zu behaupten, da wir keine Exemplare erlegten und heimbrachten. 

Eine kleinere Schreiadlerart (vermuthlich Aquile naevia) wurde wiederholt beobachtet (so 
jin Walde bei Jalutorowsk 13. April und in der Steppe bei Belo Kamene, 28. April), da ich aber 
keine Exemplare erhielt, so unterlasse ich es, um jede irrige Bestimmung zu vermeiden, die Art 
in das Yerzeichuiss aufzunehmen. 

Z. B. Ges. B. XXIX. Abh. 18 



138 



Otto Finsch. 



6. JPandiou lialiaetus (L.) — Sliarpe, Cat. I. p. 449; Brandt, 1. c. 
p. 61; Seeb. und Br., 1. c. p. 110; Dress., Severtz., 1. c. p. 102. Accipiter 
lialiaetus Pall. p. 355. (ostiak. Poschellemto-woi.) 

Auf der Tour von Omsk nach Semipalatinsk Ende April (26., 27., 28. 
und 29.) mehrmals in der Steppe beobachtet, allerdings stets in nicht sehr 
weiter Entfernung vom Irtisch. Der Adler liebt es hier auf Telegraphenpfählen 
auszuruhen. Im Norden am Ob nur einmal und zwar bei Langiorskaja am 
7. September beobachtet. 

Die Ural-Expedition erhielt ihn an der Soswa, unterm 62. Grad nördl. 
Br. und verzeichnet ihn als bis zum Polarkreis vordringend. Seeb oh m beob- 
achtete die Art im Petschoragebiet ebenfalls nur einmal. 

7. Buteo desertorum (Daud.) — Sharp e, Cat. Lp. 179. — Nr. 10. (B.) 
ad. Vor Lepsa (17. Mai). 

Fl. Schw. F. L. M.-z. 

15" 3'" 7" 5'" 10'" 2" 11'" 17"' 

Wenn Herr Sharpe annimmt, dass diese Art je älter je dunkler werde, 
so wird dies durch das vorliegende Exemplar vollständig widerlegt. Dasselbe 
ist jedenfalls ein wahrer Greis von einem Vogel, bei dem sich nicht einmal 
das Geschlecht mehr feststellen Hess und der bei völlig geleertem Magen, wahr- 
scheinlich wegen Altersschwäche, kaum Fluchtversuche machte. Dabei war der 
Vogel so mit Federlingen bedeckt, dass man sich genirte ihn abzubalgen. 
Kurzum wir haben hier jedenfalls einen sehr alten Vogel vor uns, der aber 
gerade beweist, dass die Art mit zunehmendem Alter anstatt dunkler immer 
heller wird. 1 ) Der Oberkopf zeigt auf weissem Grunde schmale rostbraune 
Schaftstriche, aber die ganze Unterseite ist fast rein weiss, denn nur die Bauch- 
seiten und Hosen sind rostbraun; auf Kropf und Brust bemerkt man nur 
braune Schäfte, da die braunen Federendspitzen völlig abgestossen sind; die 
unteren Flügeldecken sind weisslich mit rostbraunen Schäften, die grössten 
unteren dunkelbraun; Schwingen unterseits, mehr als über die Basishälfte hinaus 
weiss ; Schwanzfedern weiss mit rostfahlem, mit zwei dunkelbraunen Querbinden 
geziertem Ende ; äussere Federn an Aussenfahne rostgrau verwaschen. Wachs- 
haut und Beine gelb; Iris braun. 

Wahrscheinlich war es diese Art, welche wir schon am 25. und 27. April zwischen Ora6k 
und Semipalatinsk sowie hei Tschugutschak einige Male beobachteten; doch waren Bussarde im 
Ganzen recht selten in den Steppengebieten. — Im Museum der uralischeu Gesellschaft Exem- 
plare aus der Umgegend von Jekaterinenburg. 



*) Also ganz wie bei B. ferox Gml. von dem Naumann's B. leucurus (Naumannia 1853, 
Taf. 3), mit ganz weissem Schwanz zweifellos den ganz alten Vogel darstellt. Wenn Freund Sharpe 
behauptet, dass die Bussarde der alten Welt mit zunehmendem Alter dunkler werden, 
so ist dies jedenfalls nicht richtig. Der von ihm (Catal. Taf. VIII) abgebildete ganz dunkle 
B. ferox als „very old" bezeichnet, ist jedenfalls, wenn nicht eine andere Art (aquilinus Hodgs.) 
nur eine jener bei Raubvögeln so häufigen melanistischen Abänderungen und hat mit dem normalen 
alten Kleide des B. ferox nichts zu thun. 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 187(5. 



139 



Jßuteo ferox Gml. glaube icb am 4. Mai bei Semipalatinsk, am 7. bei Sergiopol beob- 
achtet zu haben und möchte auf 

Buteo vulgaris Leach. einen Bussard beziehen, den wir im Altai einige Male sahen, so 
am 7. Juni am Marka Kul und 29. im Walde vor Salair. Doch kann ich für beide Bestimmungen 
nicht einstehen. — „Accipiter lacertinus" Pall. (p. 359) ist wie 6chon der angegebene osliakische 
Name „Lenger Kischem u . d. h. Mäusesucher, zeigt, jedenfalls diese Art oder Buteo lagopus, aber 
sicherlich nicht Pernis apivorus. 

8. Buteo lagopus (Gml.) — Br., 1. c. p. 61; Seeb. und Br., L c. 
p. 110; Archibuteo lagopus Sharpe, Cat. I. p. 196; Dr&ss., Severtz., 1. c. 
p. 103. — Nr. 194. (B.) $ mittlere Schtschutschja (25. Juli). 

Dunenjunge zeigten im Leben: Beine fahlgelblich; Wachshaut und Augen- 
ring fahlbräunlich. Das heimgebrachte Exemplar stimmt so ziemlich mit Nau- 
manns Abbildung (Taf. 34, Fig. 2) überein. Den rauhfüssigen Bussard fanden 
wir im Norden fast noch häufiger als den Wanderfalken, namentlich machte 
er sich in der eigentlichen baumlosen Tundra jenseits des 67° nördl. Br. Öfters 
bemerkbar. Doch bewohnt er auch das Waldgebiet des Ob, denn ich beobachtete 
einen am 7. Juli bei Malo Atlim. Unweit unseres äussersten Haltplatzes an der 
oberen Schtschutschja fand ich einen verlassenen Horst auf einer Lärche am 
29. Juli. Am 30. Juli bemerkten wir auf einem ca. 13' hohen Vorsprunge 
des steilen Ufers des kleinen Tundraflusses Talbejaha einen aus Reisern gebauten 
Horst, der schon von Weitem sichtbar war und durch das über demselben in 
der Luft kreisende, ängstlich klagende Pärchen vollends verrathen wurde. 
Am 31. fanden wir zwei Horste. Der eine stand auf einem kahlen Geröllhügel, 
der andere auf der niedrigen Zwergbirkendecke. In beiden Fällen waren 
trockene Reiser von Zwergbirken und Zwergweiden, den einzigen Materialien, 
welche die Tundra bietet, horstartig zusammengetragen, aber so lose, dass der 
Untergrund überall durchschimmerte. Im Gegensatz zum Wanderfalken darf 
man also beim Rauchfussbussard von einem wirklichen Nestbaue sprechen. 
Beide Horste waren von je vier mit weissen Dunen bekleideten Jungen besetzt, 
die sich wie todt hielten und uns mit weit aufgesperrten Rachen anstarrten. 
Das eine Junge hatte sich auf den Rücken geworfen und verharrte in dieser 
Stellung, welche so recht deutlich zeigte, wie selbst diese Thiere von den 
Mücken gepeinigt wurden. Denn nicht allein dass Wachshaut und Mundwinkel 
dicht mit Mücken besetzt waren, auch auf dem nackten Streif auf der Hinter- 
seite des Laufes sass Mücke an Mücke. Die alten Vögel schwebten über dem 
Nest und Hessen ununterbrochen ihr klägliches „pieh-pieh" oder „miau-piau" 
ertönen, versuchten auch wohl auf die Störenfriede ihrer Kinderstätte herab- 
zustossen. Am 1. August fand Dr. Brehm ein Nest, welches drei Junge und 
zwei verdorbene Eier enthielt. Dann beobachtete ich noch am 5. August auf 
dem Rückwege von der Podorata ein Pärchen, welches durch sein Schreien 
das Nest verrieth. — Um die Horste fanden wir stets Ueberreste von Lemmingen, 
die wie für alle grösseren Vögel der Tundra wohl die Hauptnahrung bilden. 

Ziehende Rauchfussbussarde, einzeln und zu mehreren, beobachtete ich 
auf der Rückreise vom 8. bis 16. October von Tjumen bis Perm mehrere Male. 

18* 



140 



Otto FinBcli. 



Die Ural-Expedition erhielt die Art am Flusse Pirby (zwischen 66 und 
67° nördl. Br.). Seebohm sah nur einmal ein Exemplar der Art nördlich von 
Ust- Sylma. 

9. Milvus Govinda Sykes. — M. melanotis et ater Finsch, Ibis, 1. c. 
p. 53 et 55. M. niger Schrenk und Radde. M. melanotis und Govinda Sharpe. 
Cat. I. p. 324, 325. 31. migrans Dress., Severtz., 1. c. p. 104. M. melanotis 
Finsch, 1. c. p. 53. M. niger id. ib. p. 55. Accipter milvus Pall. p. 356 
(Irtisch, Surgut, Narym). — Nr. 9. (W.) cT Kara Irtisch, am Saissan Nor, „Iris 
gelbbraun" (1. Juni). Nr. 193. (W.) Malo Atlim am Ob, „Wachshaut wachs- 
gelb; Beine grünlich fleischfarben" (7. Juli). 

Fl. Mitt. Schw. Aeuss. Schw. F. L. M.-Z. 

Nr. 9 . . . . 17'' 3'" 8" 2'" 9" 6"' 12"' 2h'" 18"' 
„ 193 ... . 18" 3"' 9" 3'" 10"— 11'" 26'" 18"' 

Die vorliegenden Exemplare stimmen, mit Ausnahme der geringen Grössen- 
unterschiede, ganz überein, ebenso mit indischen Exemplaren; ich sehe daher 
keinen Grund zur specifischen Trennung von M. Govinda und melanotis. 

M. Govinda ist als östlicher Repräsentant unseres M. ater Gml. (mi- 
grans Bodd. — korschum Gml.) zu betrachten, von dem er sich durch den 
bogenförmigen schwarzen Fleck hinter der Ohrgegend, die deutlich weisse Basis 
der Schwingen von der Unterseite und den tiefer gegabelten Schwanz gut 
unterscheidet. 

Wenn sich M. palustris Anderson (Sharpe, Cat. p. 459) thatsächlich 
durch die geringere Grösse von melanotis unterscheiden sollte, so dürften meine 
Exemplare vielleicht zu dieser Art gehören, die indess wohl kaum als solche 
bestehen bleiben dürfte 

In Dresser's „Birds of Europe" wird von M. ater (migrans) gesagt 
„geht ostwärts so weit als die Lena", eine Notiz die wohl noch der näheren Be- 
gründung bedarf und zum Theil auf Verwechslung mit M. Govinda beruhen dürfte. 

Der schwarzohrige Milan war überall eine häufige Erscheinung, namentlich 
in den Städten, wo er sich mit grosser Frechheit auf den Marktplätzen, Häusern 
und in den Höfen der letzteren umhertreibt. — Schon am 6. April beobachteten 
wir die ersten schwarzen Milane, ein Pärchen, welches in einer Vorstadt 
Jekaterinenburgs an einem Pferdecadaver schwelgte. Wir hielten die hier 
beobachteten Exemplare für echte M. ater, doch dürften sie ebenfalls zu 
Govinda gehört haben, denn von dem im Museum zu Jekaterinenburg befind- 
lichen Exemplare notirte ich „M. ater, aber sehr govinda-ähnlich" . Auf der 
weiteren Reise bemerkte ich, dass wir es mit einer verwandten Art zu thun 
hatten, die mir schon im Fluge durch den tief gegabelten Schwanz auffiel. Die 
nachfolgenden Beobachtungen beziehen sich daher ohne Zweifel auf M. Govinda. 
Auf der ganzen weiteren Route bis Semipalatinsk verzeichnet mein Tagebuch 
die Art fast aus jedem grösseren Orte; so Kamischlow (8. April), Tjumen, 
Jalutorowsk (16.), Omsk, Pawlodar (27.). Bei der Station Podbusknaja (28. April) 
überraschte ich einen dieser Milane, der eine wilde Ente verzehrte und mit 
derselben in den Fängen das Weite suchte. Wie sich später herausstellte hatte 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 187(5. 



141 



er diese Ente schwerlich selbst geschlagen, sondern es war eine von Dr. Brehm 
angeschossene, die also mit leichter Mühe von dem feigen Räuber bewältigt 
werden konnte. — Unser Jurtenlager am Sassyk Ala Kul (8.— 10. Mai), sowie 
auf der Rückreise in der Steppe bei Agin-Su (19. Mai) wurde täglich von 
schwarzen Milanen besucht, die sich regelmässig einzustellen pflegten, wenn 
ein Schaf geschlachtet und zerlegt wurde und dabei sehr dreist waren. Auf 
der Tour nach Tschugutschak und in dieser chinesischen Stadt ebenfalls häufig ; 
dagegen bemerkten wir sie nicht in dem menschenarmen Tarbagatai; sie trat 
aber wieder in Saissan auf und war namentlich am Saissan Nor häufig. Er 
trieb hier namentlich sein Wesen an den Fischereiplätzen am Kara Irtisch 
(1. Juni), wo es Ueberfluss an Pischresten gab, die er unmittelbar neben den 
Jurten wegholte, und nicht selten sah man ihn auf den Trockengerüsten für 
die Fische sitzen. In dem an 4000' hohen lieblichen Thale Maitjerek im Süd- 
altai trafen wir die Art wieder, aber nirgends war sie häufiger als an dem 
ca. 5000' hoch gelegene Alpsee Maska-Kul im chinesischen Hochaltai (7. Juni). 
Auf den todten Birken, welche in den sumpfigen Niederungen wuchsen, 
wimmelte es ordentlich von Milanen. Ein einzelner Baum war oft mit zehn 
Exemplaren besetzt und in der Luft konnte man zuweilen an zwanzig zugleich 
zählen. Auf dem Wege über den Burchatpass (9. und 10. Juni) beobachteten 
wir die Art ebenfalls, noch in einer Höhe nahe an 6000'. Dann trafen wir 
sie in Altaiske-Staniza (12. Juni), bei der Kolywan- Schleiferei (21. Juni). In 
Barnaul war sie überall häufig. Sie frequentirte hier Dachfirsten und ich sah 
sie wiederholt in die Höfe herab nach Küchlein stossen. Zwischen Salair und 
Tomsk (30. Juni) ebenfalls häufig. Am Ob fing die Art an seltener zu werden ; 
ich notirte sie nur von Belo Gore (6. Juli) und Malo Atlim (7. Juli); weiter 
nördlich wurde sie nicht mehr beobachtet. 



In der Sammlung von Professor Slovzoff in Omsk sah ich ein Exemplar von Milvus 
reg ali s, welcher in der Umgegend dieser Stadt erlegt worden sein soll. Da wir die Art selbst 
niemals mit Sicherheit beobachteten und andere genaue Angaben über ihr Vorkommen in West- 
Sibirien fehlen, so hielt ich es für vorsichtiger dieselbe nicht in das Verzeichniss aufzunehmen. 

10. Falco gyrfalco L. — Sharpe, Cat. I. p. 416; Brandt, 1. c. p. 62; 
Finsch, L c. p. 64. 

Eine vor Perm (30. März) und dann bei Samarowa am Irtisch (30. Sep- 
tember) im Fluge beobachtete grosse Falkenart, bezieht sich mit grosser Wahr- 
scheinlichkeit auf diese. — Die Ural-Expedition unter Hof mann erbeutete 
sie in Ust-Ussa unterm 66. Grad nördl. Br. (11. October). 

11. Falco sacer Gml. — Sharpe, Cat. I. p. 417; Dress., Severtz., 
1. c. p. 106. F. lanarius Pall. 

Ein am 7. Mai in den Arkatbergen südlich von Semipalatinsk beobachteter 
Edelfalk gehörte offenbar dieser Art an. — Aus der Umgegend von Omsk in 
der Sammlung von Prof. Slovzoff. 

. 12. Falco per egrinus L. — Br., 1. c. p. 62; Seeb. und Br., i c. p. 110; 
Dress., Severtz., 1. c. p. 107. F. communis Sharpe, Cat. I. p. 376. F. pere- 



142 



Otto Finsch. 



grinus Pall. p. 327. (Ostiak. Chang, Samojed. „Hanowoi".) — Nr. 190. (F.) 
Nr. 191. (F.) und Nr. 192. (F.) Nestjunge. Mittlere Schtschutschja (12. August). 

Im Leben: Augenkreis und Wachshaut bleiblau; Beine fahlgrünlichgelb; 
Iris tiefbraun. — Die Exemplare sind grösstenteils mit Federn bedeckt, die 
Schwingen und Schwanzfedern kaum halb ausgewachsen, aber auf Schultern, 
Mantel, auf Bürzel und Schenkel sind reihenweise noch lange Büschel langer 
weisser Dunen vorhanden ; die Färbung der Federn stimmt im Allgemeinen mit 
der Abbildung des jungen Vogels bei Naumann (Taf. 24, Fig. 2) überein; 
Federn des Oberkopfes dunkelbraun mit schmalen, die der übrigen Oberseite 
mit breiten rostbraunen Endkanten; ein verloschener rostbräunlicher Augen- 
streif, der sich breit und deutlich über der Schläfe herabzieht; unterm Auge, 
Schläfen- und Bartstreif braunschwarz; Ohrgegend roströthlich ; Kinn und 
Kehle rostgelb, übrige Unterseite hellrostfahl mit dunkelbraunen Schaftstreifen ; 
untere Schwanzdecken rostgelblich mit verwaschener dunkler Querbinde; Schwanz- 
federn dunkelbraun mit zwei Reihen ovaler rostbrauner Querflecke und breitem 
(6'") gelblichweissem Endrande; Schwingen innen mit rostbraunen Querflecken. 





Fl. 


Sckw. 


F. 


L. 


M.-Z. 


192 


.... 8" 6"' 


4" 


9"' 


23'" 


24"' 


191 


.... 7" 9"' 


3" 


8"' 


20'" 


20"' 



Auf der Steppe nur einmal beobachtet, und zwar am 28. April hinter 
Omsk. Dagegen gehörte der Wanderfalke auf der Tundra neben dem rauch- 
füssigen Bussard zu den häufigen Erscheinungen und wir fanden hier mehrmals 
seine Brutstätten. Da aller Baumwuchs mangelt, so liebt er es, das Nest an 
Vorsprüngen hoher Flussufer anzulegen. Wo diese fehlen dient ein Grasbüschel 
zur Aufnahme der Eier, da von einem eigentlichen Horste nicht die Rede sein 
kann. Die Alten verrathen gewöhnlich schon von Weitem die Niststätte, über 
welcher sie unter kläglichem Geschrei schweben. So wurden wir zuerst am 
24. Juli am hohen rechten Ufer der oberen Schtschutschja auf ein Pärchen 
Wanderfalken aufmerksam , die ihr Nest in einer theilweis noch mit Schnee 
angefüllten Regenschlucht angelegt hatten. Am 29. Juli fanden wir vier junge 
mit weissen Dunen bedeckte Wanderfalken auf einem Uferfelsen des kleinen 
Flusses Talbejaha. Sie sassen ohne jegliche Nestunterlage im Grase hinter 
einem Steine. Um die Brutstätte fand sich ausschliessend Gewölle von Leni- 
mingen. Ganz ähnlich war ein mit drei Dunenjungen besetzter Nistplatz am 
hohen rechten Ufer der Podarata, dem nördlichsten von uns erreichten Punkte 
(4. August), etwas jenseits des 68. Breitengrades. Am 6. August verrieth ein 
schreiendes Pärchen seine Nachkommenschaft am Flusse Nadajaha und am 12. 
fanden wir vier etwas mehr entwickelte Junge in einer Schlucht des aus Torf 
gebildeten hohen Ufers Tschornejar an der mittleren Schtschutschja. 

Die Ural-Expedition erhielt die Art unterm 61. und 68. Grad nörd). Br. 
(2. August). Seebohm fand verschiedene Brutplätze an der Petschora, erhielt 
am 27. Mai ein frisches Ei, am 27. Juni ziemlich bebrütete. — Aus der Um- 
gegend von Jekaterinenburg im dortigen Museum. 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 1876. 



143 



13. Falco subbuteo L. — Sharpe, Cat. I. p. 395; Br., 1. c. p. 62; 
Seeb. und Br., 1. c. p. 111; Dress., Severtz., 1. c. p. 108. 

Vor Jalutorowsk (13. April), im chinesischen Altai (6. Juni; Graf Wald- 
burg-Zeil schoss hier ein Exemplar, welches flügge Junge führte) vor Smeiuo- 
gorsk (18. Juni), dann an der mittleren Schtschutschja (Tschornejar, 13. August) 
und bei Kävschka am Ob (21. September). — Die Ural- Expedition erhielt ihn 
zwischen dem 63. und 64. Grad nördl. Br.; Seebohm bei Habariki an der 
Petschora (5. Juni). — Von Omsk in Slovzoffs Sammlung. 

14. Falco aesalon Briss. — Seeb. und Br., 1. c. p. 111; Dress., 
Severtz., 1. c. p. 107; Finsch, 1. c. p. 59. F. regulus Pall., Sharpe, Cat. 
I. p. 406. 

Mein Tagebuch verzeichnet den Zwergfalken nur als viermal mit Sicher- 
heit beobachtet, am 24. Juli oberhalb der Gabelung der Schtschutschja (67° nördl. 
Br.) und auf der Kückreise am Ob (bei Kischgort 6., Bolschoi Ustram 11. und 
Scharkaiskaja am 16. September). Das bei Bolschoi Ustram gesehene Exem- 
plar wurde von einer Otus brachyotus verfolgt. — Aus der Umgebung von 
Omsk (Mus. Slovzoff). — Seebohm sah den ersten Merlin an der Petschora 
am 5. Mai so lange es noch Schneeammern gab; mit diesen verschwanden sie; 
am 28. Mai wurde noch einer beobachtet. 

15. Falco tinmmculus L. — Br. , 1. c. p. 62 (Perm.) Cerchneis 
tinnuncula Sharpe, Cat. I. p. 425. Tinnunculus alaudarius Dress., Severtz., 
1. c. p. 108. — Nr. 7. (W.) <? Ala-Tau bei Lepsa (14. Mai). 

In Färbung und Grösse stimmt das Exemplar ganz mit deutschen überein, 
aber die Innenfahne der Schwanzfedern zeigt sechs schwarze Querbinden. — 
In den südlicheren Steppengebieten, namentlich wo dieselbe mit Felspartien 
abwechselt, war der Thurmfalk nicht selten; doch gehört er auch dem Wald- 
gebiete des Altai an. Ich beobachtete ihn zuerst am 16. April hinter Jalu- 
torowsk, am 24. hinter Omsk, dann erst wieder am 13. Mai bei Lepsa, 19. in 
der Steppe nördlich vom Ala-Kul, am 20. fanden wir ihn in Felsen bei Urdschar 
brütend, am 26. vor Saissan. Am 9. Juni beobachtete ich ihn am Marka-Kul 
im chinesischen Hochaltai (ca. 6000'), am 13. im Walde von Altaiske-Staniza 
herab, am 16. in den Felsen vor Buchtarminsk und zuletzt am 30. zwischen 
Salair und Tomsk häufig, in einer wellenförmigen mit Busch und Wald abwechseln- 
den Steppe. 

16. Falco cenchris Cuv. — Cerchneis Naumanni Sharpe, Cat. I. p. 435. 
Tinnunculus cenchris Dress., Severtz., 1. c. p. 108. 

Der Röthelfalke ist eine nicht seltene Erscheinung in der Steppe, obschon 
bei weitem minder häufig als der rothfüssige Falke. — Wir begegneten ihm 
zuerst am 28. April zwischen Omsk und Semipalatinsk , bei Podbusknaja, wo 
Graf Wald bürg ein Exemplar erlegte; ein paar Stationen weiter hin, gab es 
viele, ebenso bei Belo Kamene. Bei den Arkadbergen (4. Mai) wurde die Art 
ebenfalls beobachtet, wie bei Sergiopol in Turkestan (7. Mai). — Weiter ver- 
zeichnet ihn mein Tagebuch nicht. 



144 



Otto Finsch. 



17. Falco vespertinus L. — Br. 1. c. p. 62 (Perm). Erythropus 
vespertinus Dress., Severtz., 1. c. p. 109. F. vespertinus var. amurensis Radele, 
Sibir. Reise (1863) p. 102. Taf. I, Fig. 2. F. Eaddei F. und Hartl, Vög. 
Ostafr. p. 74. F. vespertinus Schleg. Mus. P. B. Accip. Revue 1873. p. 46. 
Cerchneis vespertina et amurensis Sharpe, Cat. I. p. 443 et 445. — Nr. 8. (F.) 
Bei Semipalatinsk (3. Mai). Wachshaut, Augenring und Beine mennigroth. 

Das Exemplar stimmt ganz mit einem solchen aus Kärnten überein und 
hat, wie dieses, die unteren Flügeldecken wie die Unterseite der Schwingen ein- 
farbig schwarz. — Nachdem Radde zuerst an Exemplaren vom Amur auf- 
merksam machte, dass sich dieselben durch reinweisse untere Flügeldecken 
unterscheiden, war man berechtigt eine besondere östliche Art des Rothfuss - 
falken anzunehmen. Es musste aber schon aus geographischen Gründen Be- 
denken erregen, als Gurney ganz dieselbe Form durch Andersson aus 
Südwest- Afrika (Damaraland) erhielt. Schlegel wies inzwischen nach, dass 
die Verschiedenheit, so auffallend sie auf den ersten Blick auch scheint, speci- 
fisch nicht von Werth ist, sondern ohne Rücksicht auf Localität lediglich indi- 
viduell auftritt, und ich kann dies nach Untersuchung der schönen Reihe im 
Leidener Museum nur bestätigen. So hat ein Männchen (Nr. 16) von Damara- 
land (Odjimbingue) Achseln und untere Flügeldecken einfarbig schieferschwarz, 
ganz wie Männchen aus Oesterreich (Nr. 2) und Griechenland (Nr. 3); ein 
anderes Männchen aus Damaraland (Nr. 22) hat Achseln und untere Flügel- 
decken weiss, noch ein anderes (Nr. 17) von daher, diese Theile weiss mit 
schwarzen Querbinden, wie die Flügel von unten, während ein Männchen aus 
Italien (Nr. 4) die kleinen unteren Flügeldecken schieferfarben, aber Achseln 
und die Schwingerunterseite schwarz und weissquergebändert zeigt, wie ein 
Männchen von Sarepta (Nr. 17). — Diese Beispiele dürften genügen um 
F. amurensis ein- für allemal als Art fallen zu lassen und es ist gänzlich 
unnachweisbar wenn Sharpe, um das eigenthümliche Vorkommen in Damaraland 
zu rechtfertigen die Art vom Amur längs der Ostküste von Afrika bis Natal 
wandern lässt. Die Exemplare des Leidener Museum aus Damaraland, welche 
im Februar, Juni und December erlegt wurden, beweisen, dass die Art dort 
sowohl im Winter als Sommer vorkommt. — In den Steppengebieten ist der 
rothfüssige Falk allenthalben und wohl der häufigste Raubvogel, aber auch in 
den Vorbergen des Altai keineswegs selten. Er liebt es, wie alle seine Sippen- 
genossen, sich auf erhöhten Plätzen niederzulassen ; man bemerkt ihn daher in 
der baumlosen Steppe hauptsächlich gern auf dem Telegraphendrahte sitzend. 
Von hier aus sieht man ihn öfters zur Erde auf Beute herabstossen, die wohl 
hauptsächlich in Käfern besteht. Bei Dörfern pflegt er die Zäune als beliebten 
Standort zu frequentiren. Häufig beobachtete ich ihn aber auch auf der Erde 
sitzend. — Zuerst am 25. April paarweis ein paar Stationen hinter Omsk wahr- 
genommen; 27. hinter Pawlodar; 28. häufig in der mit Kiefern bestandenen 
Steppe vor Belo Kamene; dann erst wieder am 3. Juni in der wüstenartigen Steppe 
nordöstlich vom Saissan Nor am Flüsschen Kara Biruk (grosse Schaar mit 
unzähligen Rosenstaaren zusammen). Im Hochgebirge nirgends beobachtet, erst 



Reise nach Weßt-Sibirien im Jahre 187*;. 



145 



wieder in den Vorbergen auf der Nordseite: am 18. Juni öfters auf dem Wege 
nach Smeinogorsk, 20. bei der Kolywan'schen Schleiferei (mit flüggen, fast 
weissköpfig aussehenden Jungen); 21. vor Barnaul; 30. häufig von Salair bis 
Tomsk (ebenfalls mit flüggen Jungen). — Von Omsk (Museum Slovzoff). 

18. Ajtur palumbarius (L.). — Sharpe, Cat. I. p. 95; Seeb. und 
Br., Ibis 1876, p. 111; Dress., Severtz., 1. c. p. 104. Äccip. astur Pall. 
p. 367 (Ob, Narym). 

Aus der Umgegend von Omsk in Slovzoffs Museum. 

19. Accipiter nisus (L.). — Sharpe, Cat. I. p. 132; Seeb. und Br., 
Ibis 1876. p. 111.; Dress., Severtz., 1. c. p. 104. Nisus fringillarius Finsch, 
1. c. p. 62. 

Mein Tagebuch verzeichnet den Sperber als nur bei zwei Gelegenheiten 
beobachtet, und zwar am 29. Juni im Walde vor Salair im nordwestlichen Altai 
und am 2. September ein Exemplar in Obdorsk (unterm Polarkreise). Dasselbe 
liess sich hier, wenig scheu, bei den Häusern sehen, eifrig verfolgt von Bach- 
stelzen. — Aus der Umgegend von Omsk in Slovzoffs Museum; die Art 
erschien hier 1877 auf dem Durchzuge am 3. Mai (Slovzoff in litt.). Seebohm 
sah die Art nur einmal bei Ust-Sylma. 

20. Circus aeruginosus (L.). — Sharpe, Cat. I. p. 69; Dress., 
Severtz., 1. c. p. 109. 

Als mit Sicherheit beobachtet verzeichnet mein Tagebuch die Rohrweihe 
am 28. April, 25 Stationen hinter Omsk; bei Belo Kamene vor Semipalatinsk, 
und am 8. Mai bei Karakol in der Steppe hinter Sergiopol (8. Mai). — Bei 
Omsk (Museum Slovzoff). 

21. Circus cyaneus (L.). — Finsch, 1. c. p. 55; Br., 1. c. p. 62; 
Seeb. und Br., 1. c. p. 111; Sharpe, Cat. I. p. 52. C. pygargus Naumann t. 38. 

Zwischen Salair und Tomsk (30. Juni) nicht selten beobachtet; im Norden 
nur wenige Male, so am 13. August bei Tschorne jar an der mittleren 
Schtschutschja; nicht auf der eigentlichen Tundra, nördlich vom 67. Grad. — 
Die Ural-Expedition erhielt die Art zwischen dem 63.— 64.° nördl. Br.; See- 
bohm beobachtete sie täglich bei Ust-Sylma und weiter nördlich auf der Tundra 
bis Stanovoilachta. 

22. Circus pygargus (L.). — Sharpe, Cat. I. 65. F. cineraceus 
Nauru., Vög. Deutschi. t. 40. C. cineraceus Dress., Severtz., 1. c. p. 110. 
C. cyaneus Finsch, 1. c. p. 49. — Nr. 11 (B.). Bei den Arkadbergen (6. Mai). 
„Iris schwefelgelb". 

Das Exemplar stimmt ganz mit der Abbildung des alten Männchens 
(Taf. 40, Fig. 1) bei Naumann überein. — Im Museum von Prof. Slovzoff 
aus der Umgegend von Omsk. — Nicht selten sowohl in der Steppe am Irtisch 
wie am Ala Kul; ebenso auf der Hochsteppe des Tarbagatai (23. Mai), im 
chinesischen Hochaltai, vom Marka Kul nach dem Burchatpass (9. Juni), nörd- 
lich noch bis Bolschoi Ustram am Ob, zwei Stationen unterhalb Bercosoff 
(11. September). 

Z. B. Ges. B. XXIX. Abb.. 19 



146 



Otto Finsch. 



23. Circus macrourus S. G. Gml. — Sharpe, Cat. I. p. 67. 
C. Swainsoni Smith. C. pallidtis Sykes; Dress., Severtz , 1. c. p. 109. — 
Nr. 12 (B.) Bei Tschugutschak (China) (21. Mai). „Iris schwefelgelb." 

Ein sehr alter Vogel: Unterseite und Unterseite der Flügel bis auf die 
Endhälfte der vier ersten Schwingen fast reinweiss. — Diese, durch die im 
alten Kleide fast reinweisse Unterseite, auch im Fluge leicht erkennbare Art, 
war in den von uns durchreisten Steppengebieten jedenfalls am häufigsten und 
wurde allenthalben beobachtet. Mehrmals wurden fast ganz weisse Exemplare 
beobachtet, so hinter Urdschar (20. Juni), bei Altaiske-Staniza (13. Juni) und 
auf der Rückreise von Tjumen (8. October). 

24. Surnia ulula (L.). — Sharpe, Cat. II. p. 129. 8. funerea Br., 
1. c. p. 62; Dress., Severtz., 1. c. p. 110. S. nisoria Finsch, 1. c. p. 64. — 
Nr. 195 (W.). Bonderjohan (Ob) (9. September). 

Das Exemplar stimmt ganz mit solchen aus Finnland überein und gibt 
zu keinen Bemerkungen Anlass. — Als zweifelhaft in meinem Tagebuche von 
BercosorT verzeichnet (9. Juli). — Die Ural - Expedition erhielt ein Exemplar 
zwischen dem 63. und 64.° nördl. Br. im Ural (30. Juli). Im Museum von 
Jekaterinenburg aus der Umgebung dieser Stadt, ebenso von Omsk (Museum 
Slovzoff). Graf Waldburg beobachtete bei Tjumen, wie eine Sperbereule zwei- 
mal am helllichten Tage nach dem künstlich nachgebildeten Birkhahn stiess, 
welcher bei der Jagd als Lockvogel benutzt wird. 

25. Nyctea scandiaca (L.). — Sharpe, Cat. II. p. 125; Dress., 
Severtz., 1. c. p. 110. Surnia nyctea Br., 1. c. p. 62; Seeb. und Br., 1. c. 
p. 112. Nyctea nivea Finsch, 1. c. p. 61. Strix nyctea Pall. p. 312 (ostiak. : 
Angelwoi, samojedisch : Chaninschu). — Nr. 196 (B.). Tundra zwischen Podarata 
und Schtschutschja (6. August). 

Das Exemplar ist fast einfarbig reinweiss, nur die ersten drei Schwingen 
zeigen dunkle kleine Flecke, die hinteren Armschwingen drei bis vier schmale 
dunkle Querbinden, die übrigen Schwingen sind, wie die Schwanzfedern, rein- 
weiss; auf den oberen Flügeldecken wenige (vielleicht) dunkle kleine Flecke, 
ebenso auf der Unterseite einige wenige V-förmige. Iris hochgelb. 

L. Fl. Schw. 

ca. 21" 15" 3'" 6" 9"' 
Die mittelsten Schwanzfedern und einige Schwingen sind stark abge- 
stossen. — Ich stimme mit Sharpe ganz überein, dass eine subspecifische 
Trennung der Schnee-Eule Nordamerikas und der alten Welt, wie sie Ridgway 
versuchte, gänzlich unhaltbar ist. — Die Schnee-Eule trafen wir nur dreimal 
an, und zwar am 5. und 6. August auf dem Rückmärsche von der Podorata 
nach der Schtschutschja. Die erste, welche sich gegen Abend am hohen Ufer 
des kleinen Flusses Talbejaha zeigte, strich lautlos vorüber und kam so un- 
erwartet, dass sie einer unserer Leute für einen Schwan hielt. Ich bemühte 
mich vergeblich den Vogel, welcher sehr scheu war, zu erlegen, hatte dabei 
aber Gelegenheit ihn besser zu beobachten. Er stiess mehrmals auf die Erde 
herab, flog weiter und Hess sich dann auf einem kleinen Tundrahügel nieder, 



Reise nach Weet-Sibirien im Jahre 187»>. 



147 



olfenbar um seine Beute, einen Lemming, zu verzehren. Dabei machte die Eule 
sonderbare Grimassen und Hess ihre lachende Stimme, die wie „huaha-huaha" 
klingt, hören. Durch mich aufgescheucht flog sie auf eine andere Tundra- 
erhöhung, um hier dasselbe Spiel fortzusetzen. Hier wurde sie von einer pfeil- 
schwänzigen Raubmöve belästigt, welche olfenbar die Beute für sich haben 
wollte, deren Angriffe sie aber mit uhuartig gesträubtem Gefieder abwehrte. 
Am 6. August wurde, wenn ich nicht irre, ein Pärchen beobachtet, von denen 
Dr. Brehm das oben erwähnte Exemplar erlegte. — Die Flügel der Schnee- 
Eule sind bei den Eingebornen zur Verfertigung der äusserst praktischen 
Mückenfächer sehr beliebt und wir fanden sie schon von Ugorskia Jurti hinter 
Bercosoff an häufig in den Jurten. Ostiaken und Samojeden wissen die Schnee- 
Eule in riesigen Schrenkeln zu berücken, die sehr sinnreich in der Tundra so 
aufgestellt werden, dass sie die vorüberziehenden Vögel gleichsam zum Ausruhen 
einladen. — Aus der Umgegend von Omsk (Museum Slovzoff) und Jekaterinen- 
burg (Museum der Uralischen Gesellschaft). — Die Ural - Expedition traf die 
Schnee-Eule nur selten im Küstengebirge Pal-Choi (68—70° nördl. Br.), See- 
b ohm am 10. Mai bei Ust-Sylma und dann auf der Tundra der unteren Petschora. 

26. Nyctale Tengmalmi (Gml.). — Sharpe, Cat. II. p. 284. — 
Nr. 199 9- Samarowa (am Irtisch) (28. September). „Iris lebhaft schwefelgelb." 

Fl. Schw. 
QU 2>» s» 7<« 

Ich führe diese Maasse nur deshalb an, weil Sharpe viel grössere an- 
gibt (Fl. 1" 3"', Schw. 4" 8'"); im Uebrigen wäre nur zu bemerken, dass die 
äusserst dicht befiederten Tarsen einfarbig weiss sind mit sehr schwachem 
Isabellanfluge; die unteren Schwanzdecken sind ebenfalls weiss mit verdeckten 
braunen Schaftflecken. Das Exemplar ähnelt also mehr der amerikanischen Form 
(var. Richardsoni Bidgway), die indess wohl kaum Artrecht beanspruchen kann. 

Dr. Brehm erhielt das obige Exemplar lebend durch einen Vogelsteller. 
Slovzoff besass die Art aus der Umgegend von Omsk. 

27. Syrnium lapponicum (Retz.). — Sharpe, Cat. IL p. 254. 
XJlula lapponica Finsch, 1. c. p. 57. — Nr. 197. 198. Halbflügge Junge. Bolschoi 
Ustram, zwei Stationen unterhalb Bercosoff (Ob) (10. Juli). 

Da diese seltene Eule in dem vorliegenden Jugendkleide (Ueb ergang vom 
Dunen- zum ersten Federkleide) noch nicht beschrieben sein dürfte, so benutze 
ich die Gelegenheit, diese Lücke auszufüllen. 

Ober- und Hinterkopf einfarbig dunkelbraun; Gesichtsschleier ebenso, 
aber mit hellfahlen feinen Querlinien (ähnlich wie beim alten Vogel), nur ist 
von der weissen Begrenzung des Schleiers unterseits noch nichts zu sehen; 
ebenso fehlt der schwarze Kinnfleck; Kinn und Oberkehle sind dunkelbraun 
mit schmalen hellfahlen Querlinien; Unterseite auf dunkelfahlbraunem Grunde mit 
fahlweisslichen Querbinden, die ebenso breit, fast etwas breiter als die dunklen 
Zwischenräume; Lauf und Zehen fahlbräunlich; die beschriebenen Theile tragen 
noch ein dunenartiges Gefieder; Rücken und Schultern ähnlich wie die Unter- 
seite mit dunkelbraunen und hellfahlen Querbinden, letztere auf den hinteren 

19* 



148 



Otto Finsch. 



Schulterdecken breiter; obere Flügeldecken dunkelbraun, die grösste Keihe mit 
weisser Endspitze, wodurch eine schmale weisse Querbinde entsteht; Deckfedern 
der Arm schwingen dunkelbraun mit weisslicher Endspitze und fahlbrauner 
Querbinde vor dem Ende ; Schwingen wie beim alten Vogel, aber die der ersten 
Ordnung an Aussenfahne nur mit zwei hellen dunkler marmorirten Querbinden, 
innen mit drei helleren; diese breiten Querbinden nicht so hell und rostfahl 
als am alten Vogel ; Schwingen zweiter Ordnung aussen mit fünf hellen dunkler 
marmorirten Querbinden, wie beim alten Vogel, aber an der Innenfahne fliessen 
dieselben mehr ineinander; Schwanzfedern, ganz ähnlich wie beim alten Vogel, 
auf dunkelbraunem Grunde mit unregelmässigen hellfahlen dunkel marmorirten 
Querbinden, am Enddrittel dunkelbraun mit Andeutungen einzelner hellerer 
Querflecke und Endspitze. Schnabel horngelb mit hellerer Spitze; Nägel 
dunkelbraun; Iris hellschwefelgelb. 

Beide Exemplare stimmen ganz überein, nur ist Nr. 197 kleiner. 

L. Fl. Sohw. F. 

Nr. 198. 20" 12" 3"' 6" 8"' 13"' 
„ 197. — 11" 6'" — — 

28" 16" 6"' 10" 10"' 15'" alt (Mus. Brem.). 
Wie die Beschreibung zeigt sind die Altersverschiedenheiten bei S. lappo- 
nicum dieselben als wie bei unserem Baumkautz (S. äluco), d. h. anstatt 
Längsflecken kommt auf der Unterseite Querbänderung vor. 

Die Vorliebe der Ostiaken allerlei grössere Vögel aufzuziehen verschaffte 
mir diese seltene Eule in dem noch selteneren Dunenkleide. Die Leute be- 
haupteten sie vor zehn Tagen aus einem freistehenden, aus Reisern erbauten 
Neste genommen zu haben und sie bisher mit rohen Fischen gefüttert zu 
haben. Wir hielten sie mehrere Tage lebend und gaben ihnen ebenfalls Fische, 
die sie gierig verschlangen. 

28. Bubo ignavus (Forster). — subsp. a. turcomanus Eversm., Sharpe, 
Cat. II. p. 17. Str. sibirica Schi. Bubo scanäiacus Cab. B. ignavus Dress., 
Severtz., 1. c. p. 111; Seeb. und Br., Ibis 1876. p. 112. Stryx bubo Pall. 
p. 305 (ostiak. Pyjah). 

Ein Exemplar in auffallend heller Färbung im Museum von Prof. Slovzoff 
in Omsk, ohne nähere Angabe der Localität. 

Seebohm sah in Ust-Sylma an der Petschora Bälge dieser Art, die 
dort erlegt worden waren. 

29. Otus vulgaris Flem. — Br., 1. c. p. 63. (Jekaterinenburg). Äsio 
otus Sharpe, Cat. B. Brit. Mus. II. p. 227 ; Dress., Severtz., 1. c. p. 112. 

Aus der Umgebung von Omsk (Slovzoff's Sammlung). 

30. Otus accipitrinus Pall. — Stryx aegiolus Pall. p. 309. (ostiak. 
Mandal). Otus brachyotus Br.. 1. c. p. 62 (Perm.). Äsio accipitrinus Seeb., 
Ibis p. 112; Sharpe, Cat. II. p. 234; Dress., Severtz., 1. c. p. 111; See- 
bohm und Brown, Ibis 1876. p. 112. — Nr. 201 und 202 (W.). Schtschutschja 
(25. Juli). Nr. 200 (F.). Narimskaja, Ob (16. September). 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 187fi. 



149 



Ueber die heimgebrachten Exemplare ist nichts zu bemerken als dass 
sich Nr. 200 in voller Mauser befindet. In der Färbung stimmt es ganz mit 
deutschen überein und ist keineswegs heller, wie man vermuthen sollte. Im 
Gegentheil ist ein Exemplar des Bremer Museum von Madras merklich heller, 
dagegen ein anderes von Semipalatinsk (Bremer Museum) bedeutend dunkler, 
so dunkel als amerikanische ( 0. Cassini Brewer). — Die am 25. Juli erlegten 
trugen ein sehr abgeschlissenes helles Gefieder. Auf der Tundra am häufigsten 
und öfters beobachtet, denn sie macht sich durch ihre eleganten Flugübungen, 
namentlich ihr eigenthümliches Rütteln, in der tageshellen Nacht leicht be- 
merkbar, obschon sie gewöhnlich erst in den Abendstunden zu erscheinen 
pflegt. Sie ist sehr scheu. — Am 18. Juli trafen wir sie zuerst auf der Tundra 
oberhalb Janburri, am 27. Juli an der oberen Schtschutschja, am 2. August 
auf der Tundra nach der Podarata zu, am 14. an der Gabelung der Schtschutschja. 
Bann auf der Eückreise längs dem Ob: 6. September bei Kischgort, 11. Bolschoi 
Ustram, 16. bei Narimskaja. Ein paarmal wurde unsere Flagge in der Nacht 
(denn es war jetzt wieder Nacht) von einer Eule umschwebt, die vermuthlich 
dieser Art angehörte. — Bei Omsk (Mus. Slovzoff). — Seebohm sah sie an der 
Petschora nur viermal. 

Passeres Fissirostres. 

31. Caprimulffus europaeus L. — F. und H., Vög. Ostafr. p. 117. 

Ein Weibchen von Omsk (11. Mai) durch Prof. Slovzoff eingesandt, 
stimmt durchaus mit deutschen überein (al. 194 Mm.). 

k 32. Hirwndo vusticali. — F. und H., Vög. Ostafr. p. 134; Dresser, 
Severtz., 1. c 1876. p. 188; Seeb. undBr., 1. c. p. 220; Finsch, 1. c. p. 57. 
H. domestica Pall. p. 529 (Bercosoff, Surgut, Narym). 

Die Kauchschwalbe wurde häufig von uns angetroffen und zwar, wie alle 
meine an Ort und Stelle gemachten Notizen übereinstimmend lauten, aus- 
schliessend die mit unserer europäischen durchaus übereinstimmende Form, mit 
weissem Bauche und schwarz begrenztem braunrothem Kehlschild. Die Zahm- 
heit der Thierchen erlaubte meist die Beobachtung aus nächster Nähe und 
machte das Schiessen derselben nicht nothwendig. Wir fanden die Rauch- 
schwalbe als gern gesehenen Gast in der Jurte des Kirghisen, wie im Block- 
hause des Ostiaken, überall wie bei uns, menschliche Wohnungen aufsuchend. 
Nördlich trafen wir sie in Kuschowat, einem Dorfe zwischen Bercosoff und 
Obdorsk, zuletzt; sie dringt also, wie der Haussperling, nicht bis zum Polar- 
kreise vor und fehlt wie dieser in dem stattlichen Dorfe Obdorsk. 

Mein ornithologisches Tagebuch gibt hinsichtlich der Rauchschwalbe 
folgende Daten: zuerst am 7. Mai kurz vor Sergiopol gesehen; 10. am Ala Kul 
in verlassenen Schilfhütten, am 12. bei den Jurten in Uwanas A-ul, am 20. 
an der Haltstelle Makendschi hinter Urdschar, 23. Hochsteppe des Tarbagatai- 
Gebirges, in Saissan, 31. bei verlassenen Winterhütten der Kirghisen in der 
Steppe zwischen Saissan und dem Kara-Irtisch, 2. Juni am Kara-Irtisch nahe 



150 



Otto Finsch. 



dem Saissan Nor, 5. bei verlassenen Winterhütten der Kirghisen in der Wüsten- 
steppe nördlich des Saissan Nor, 12. in Altaiske-Staniza, am Nordfuss des 
Burchatpasses, im Thale der Buchtarma und von hier aus in allen Dörfern 
bis Werchne Pristan am Irtisch, 16. bei einer Fischereiniederlassung am Irtisch 
unterhalb Buchtarminsk, 18. vor Smeinogorsk, 6. Juli von Samarowa herab am 
Ob, 8. zahlreich in Tschematschewskaja, 9. BeresofF, 10. Ugorskia Jurti und 
Bolschoi Ustram um die Dschums und Hütten der Eingebornen. — Hinsichtlich 
des Brutgeschäftes notirte ich am 20. Mai an dem kirghisischen Jurtenplatze 
Makendschi in Turkestan ein Pärchen, welches mit dem Bau seines Nestes am 
oberen Jurtenrande anfing, einer bei der Ambulance dieser Nomadenwohnungen 
allerdings sehr gefährdeten und unglücklich gewählten Stelle. Weit sicherer 
war ein Pärchen in einer Ostiakenhütte in Scheitanskaja, unterhalb Bercosoff, 
welches am 9. Juli eben mit Brüten begonnen hatte. Als Zeichen des Keinlichkeits- 
sinnes der Ostiaken mag erwähnt sein, dass der Ostiak, welcher das Schwalben- 
paar herbergte, vorsorglich unter dem Nest ein Brett befestigt hatte, wie 
man dies bei uns ebenfalls zu thun pflegt. — Nach Prof. Slovzoffs Mit- 
theilungen erschien die Kauchschwalbe 1877 in Omsk zuerst am 7. Mai. — Es 
verdient Beachtung, dass Pallas die Ankunft dieser Schwalbe bei Gurijeff am 
Kaspischen Meer den 12. März (wenn nach altem Styl 27. März) angibt und dass 
sie bei uns Mitte April, nach Naumann durchschnittlich Anfang April ein- 
trifft, während sie sonderbarer Weise in dem südlicher gelegenen Turkestan fast 
drei Wochen später erscheint. — Seebohm beobachtete nur zweimal einzelne 
Exemplare an der Petschora. 

33. Hirundo alpestris Pall. — Eeise H. (1773) p. 709. Zoogr. Ross. 
as. I. (1831) p. 535. tab. (pess.). H. rufula Dress., Severtz., 1. c. 1876. p. 188; 
Finsch, 1. c. p. 54. H. alpestris Blas. Naum., Vög. Deutschi. 13. p. 209 t. 383. 
Fig. 3. H. alpestris japonica Schi., Faun. jap. p. 34. t. 11. (opt.). Cecropis 
daurica Gould., B. of. Asia pt. 20. (1868) tab. (opt.). — Nr. 14. 15. 16 (B.) ö\ 
Nr. 17 (F.) , Nr. 18. 19 (F.) Q (16. Juni). Irtisch, zwischen Buchtarminsk und 
Ustj -Kamenogorsk. 

So unrichtig und falsch auch die von Pallas gegebene Abbildung ist, 
so lässt seine Beschreibung doch keinen Zweifel, dass diese von uns heim- 
gebrachte Schwalbe sich auf diese Art bezieht. Sie unterscheidet sich von der 
am nächsten verwandten H. rufula Tem. (Dress., B. of Eur. t. 271) durch die 
deutliche dunkle Schaftstrichelung der Unterseite, den einfarbig zimmtrostrothen 
Bürzel, der gegen die längsten oberen Schwanzdecken nicht heller wird und in 
Rostisabellweisslich übergeht und den Mangel des breiten rostzimmtrothen 
Nackenbandes. Bei H. alpestris ist nämlich nur ein schmaler Streif über den 
Zügeln und ein breiter Schläfenstreif dunkel rostzimmtroth ; letzterer zieht 
sich seitlich bis nach dem Nacken hin; doch bleibt die Nackenmitte blauschwarz 
und die rostzimmtrothe Basis der Federn erscheint nur in Gestalt von feinen 
Längsstrichelchen. Alle vorliegenden Exemplare stimmen ganz überein, nur 
zeigt Nr. 15 auf der Mitte der Innenfahne der äussersten Schwanzfeder die 
Andeutungen einer schiefen weissen Querbinde und Nr. 16 einen deutlichen 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 187G. 



151 



weissen Mittelfleck; Nr. 17 hat nur auf der linken Feder einen deutlichen 
weissen Fleck, rechts nur eine schwache Andeutung ; die übrigen haben einfarbig 
schwarze Schwanzfedern. Der Nachweis, dass von sechs Exemplaren wenigstens 
eins einen weissen Fleck auf der Innenfahne der äussersten Schwanzfeder, zwei 
Andeutungen davon besitzen, ist wichtig, weil Pallas bekanntlich einen solchen 
beschreibt, weshalb man seine Art bisher so oft missdeutete, indem man dies 
Kennzeichen als ein wichtiges und nicht blos zufälliges betrachtete. 

Fl. Aeuss. Schw. M. Schw. 

4" S"'-4" 10"' 3" 11'"— 4" 3'" 20'" Männchen. 

4" 6'"— 4" 7<" 3" 8'"— 3" 9'" 18"' Weibchen. 
Die Weibchen sind unbedeutend kleiner als die Männchen, aber ganz 
gleich gefärbt. — H. daurica Gml. (Syst. nat. p. 1024), obwohl zum Theil auf 
Pallas' basirend, kann nicht mit Sicherheit auf diese Art bezogen werden. — 
Wahrscheinlich war es diese Art, von welcher wir eine grosse Brutcolonie in den 
aus Sandstein bestehenden Felsen zwischen Urdschar und Bakti am 20. Mai 
beobachteten, doch liess sich dies bei dem schnellen Vorüberfahren nicht mit 
Sicherheit ausmachen. Dagegen trafen wir sie unzweifelhaft in der mit mächtigen 
Felswänden begrenzten hochromantischen Uferpartie des Irtisch unterhalb Buch- 
tarminsk am 16. Juni, als wir bei einem der wenigen Fischerhäuser anlegten 
und zwar, mit H. rustica zusammen. Die letztere hatte ihren Wohnsitz aber 
im Hause selbst aufgeschlagen, während H. alpestris nur in der Nähe derselben 
Koth sammelte und damit der nahen Felswand zuflog, wo ohne Zweifel eifrig 
am Nestbau gearbeitet wurde. Obwohl im Fluge ganz unserer Rauchschwalbe 
entsprechend, war H. alpestris doch sogleich an dem rostrothen Bürzel und den 
schwarzen unteren Schwanzdecken zu erkennen; auch hielt sie den Schwanz 
weniger ausgebreitet. — Pallas erhielt die Art bei Ekaterinskaja am Alai und 
Ledebour (Reise p. 179) fand Brutcolonien an den steilen Felswänden am 
Kertyk und Ulaita (3838' hoch), sowie am Jebagan, im Quellgebiete des Tscha- 
rysch, Altai; Meyer (p. 303) eine solche nahe der Schelesenka bei Alexandrovsk. 
Die Art ist also sehr sporadisch verbreitet. 

34. Cotyle riparia (L.). — F. und H., Vög. Ostafr. p. 145; Dress., 
Severtz., 1. c. 1876, p. 189; Seeb. und Br., 1. c. p. 220. — Nr. 203. (F.) 
cT Bogdaschanskaja, Ob (6. Juli). 

Wir begegneten diesem fast kosmopolitischen Vogel auf unserem ganzen 
Reisegebiet, vom Ala-Kul (unter ca. 46° nördl. Br.) bis zur mittleren Schtschu- 
tschja (ca. 67° nördl. Br.), also über mehr als zwanzig Breitengrade, allent- 
halben wo hohe Flussufer Ansiedelungen gestatteten. Schon auf der Reise nach 
Semipalatinsk sahen wir in dem hohen Ufer des Irtisch zahllose von Uferschwalben 
gegrabene Löcher, doch fehlten (1. Mai) deren Bewohner noch. Erst am 10. Mai 
fanden wir grosse Colonien in den steilen Uferwänden des Ala-Kul. Die Vögel 
brüteten hier bereits, während sie bei Timskoje am Ob, allerdings fast dreizehn 
Breitengrade nördlicher, am 3. Juli erst zu Neste trugen. Am Alai (21. Juni) 
waren Uferschwalben ebenfalls häufig, ebenso zwischen Salair und Tomsk (30. Juni). 



152 



Otto Finsch. 



Ungemein zahlreich zeigte sie sich längs dem Tom und Ob, und es gab hier 
Colonien, deren Bewohner gleich Bienen schwärmten. So am 3. Juli bei Tim- 
skoje, am 7. bei Karimkarsk, neun Stationen unterhalb Saniarowa; bei Malo 
Atlim u. s. w. An der Schtschutschja beobachtete ich drei Stück oberhalb der 
Gabelung am 22. Juli und in dem hohen aus Torf gebildeten Ufer Tschorne 
jar am 12. August, in welchem sie auch zahlreiche Nesthöhlen angelegt hatten. — 
Auffallend erschien es mir am Irtisch zwischen Samarowa und Tobolsk (5. October) 
einige Stellen zu finden, wo Brutcolonien, die nach Tausenden von Nisthöhlen 
zählten (jetzt aber verlassen waren), in dem kaum 20 Fuss hohen linken Ufer 
angelegt zu finden, während das viel höhere rechte keine aufzuweisen hatte. — 
Bei Omsk erschien sie 1877 zuerst am 11. Mai (Slovzoff in litt.). 

35. Cotyle rupestris Scop. — Dress., Severtz., 1. c. 1876. p. 189. 

— Nr. 20 (B.) Auf dem Wege nach dem schönen Alpsee Dschasil-Kul, im 
Ala-Tau, die einzige Localität, wo wir diese Art trafen (14. Mai). 

Keine Verschiedenheit mit Exemplaren aus der Schweiz. 

36. Chelidon urbica L. — Finsch, 1. c. p. 57. H. lagopoda Pall., 
Zoogr. I. p. 532 (Soswa). 

Exemplare von Omsk (Museum Slovzoff) fand ich durchaus mit europäischen 
übereinstimmend. — Die Fensterschwalbe fanden wir häufig in Sibirien, wenn 
auch sehr localisirt. So wenig Notizen mein Tagebuch über dieselbe auch 
enthält, dieselben werden immerhin interessanten Nachweis über die Ab- 
weichungen der Brutlocalitäten und der Brütezeit im Norden und Süden geben. 

— Am 26. Mai fanden wir die Nester von Ch. urbica zahlreich in den grotesken 
Felspartien vor Saissan; dieselben enthielten noch keine Eier; am 12. Juni 
baute sie an der Aussenseite der Häuser in Altaiske - Staniza, am 16. trafen 
wir sie in Werchne Pristan am Irtisch, und an demselben Tage grosse Brut- 
colonien in den Felswänden des Irtisch zwischen Buchtarminsk und Ustj-Ka- 
menogorsk. Am Ob fanden wir sie nur einmal, und zwar im Kloster Kondinsky 
vor Bercosoff, wo sie erst am 8. Juli mit dem Bau der Nester an den Häusern 
beschäftigt war, also fast einen Monat später als circa 10 Breitengrade südlicher. 

37. Cypselus apus L. — Dress., Severtz., 1876. 1. c. p. 189. Hi- 
rundo apus Pall., p. 538 (Surgut, Narym). 

Auf dem Zuge in Omsk erbeutete Exemplare fand ich im Museum von 
Prof. Slovzoff, doch versicherte mir der genannte Gelehrte, dass die Art hier 
nicht nistet. — Im Museum zu Jekaterinenburg von dieser Stadt. — Wir selbst 
begegneten dem Mauersegler nicht, trafen aber am 9. Juni in der Steppenwüste 
nördlich vom Saissan Nor einen Segler, der sehr mit demselben übereinstimmte, 
anscheinend aber etwas kleiner war; doch kann dies immerhin der echte C. apus 
gewesen sein. 

38. Cypselus pacificus Lath. Ind. Orn. Suppl. p. 58. — Hirundo 
apus, var. ß. (leucopygia) Pall., Zoogr. Kosso. as. I. p. 540. C pacificus Sclat., 
Mon. Cypsel. Proc. 1865. p. 599. Cypselus spec? Finsch, 1. c. p. 54. C. leuco- 
pygos Dybowski, Journ. f. Orn. 1868. p. 336. - Nr. 13 (B.) J 1 . Salair, Nord- 
west-Altai (30. Juli). 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 187(5. 



153 



Während unserer Reise von der Altaiskeschen Staniza nach Werchne 
Pristan am Irtisch bemerkten wir in deu hügeligen Vorbergen des Altai eine 
Seglerart, die mir im Fluge sogleich durch die weisse Bürzelbinde auffiel, und 
in der ich, damals unbekannt mit C. pacificus, eine möglicher Weise neue Art 
vermuthete. Leider erlaubte uns die Eile, mit der wir reisen mussten, nicht, 
gehörig Jagd darauf zu machen und die desfallsigen Versuche des Herrn Polizei- 
meisters von Semipalatinsk, der uns begleitete, blieben leider erfolglos. Umso 
erfreulicher war es daher, als Dr. Brehm, der wenigstens einige Morgenstunden 
in dem Bergorte Salair verweilen konnte, während ich fast noch in der Nacht 
vorauszureisen gezwungen war, die Art hier wieder antraf und das obige 
Männchen glücklich erlegte. Die Vögel umschwärmten hier den Kirchthurm, 
in welchem sie olfenbar ihre Brutstellen besassen. — Das Exemplar stimmt 
ganz mit den einschläglichen Beschreibungen überein. Nach Dr. Sclater sind 
australische und asiatische Vögel nicht verschieden. 

Fl. M. Schw. Aeuss. Schw. 

6" 10"' 1" 9"' 3" V" 

39. Coracias garrulaL. — F. undH., Ostafr. p. 152; Dress., Severtz., 
1. c. 1876. p. 319. 

Wir begegneten der Blauracke wiederholt im südlichen Sibirien, wo sie 
hauptsächlich die Nähe der Steppenflüsse zu lieben scheint, in deren steilen 
Ufern sie ihr Nest anlegt. So trafen wir sie am 12. und 18. Mai am Flusse 
Kysil Aschdschi der Steppe südlich vom Ala-Kul, am 19. vor Urdschar in 
Turkestan. am 22. hinter Tschugutschak und am 29. Juni hinter Barnaul. — 
Graf Wald bürg erlegte mehrere Exemplare. — Aus der Umgegend von Omsk 
(Museum Slovzoff in Omsk). 

40. Alcedo ispida L. — Dress., Severtz., 1. c. 1876. p. 320; Pall. 
p. 435. — Aus der Umgegend von Omsk im Museum von Prof. Slovzoff. 

Wie Pallas (nach Sujew) berichtet, würden die Ostiaken Eisvogelfedern, 
respective Bälge, als kostbare Amulets tragen ; ich habe von dieser Sitte nichts 
wahrgenommen und niemals Eisvogelfedern bei den Eingebornen gesehen. 

41. Alcedo bengalensis Gml. — Dress., Severtz., 1. c. 1876, p. 320. 
- Nr. 21. (F.) cT Ala Kul. Iris tiefbraun (8. Mai). 

Fl. Schw. F. 

2" 9'" 15'" 15'" 

2" 11"' - 157 2 '" ispida. 

Die geringere Grösse darf wohl kaum als specifisches Unterscheidungs- 
kennzeichen betrachtet werden, dagegen das lebhaftere Blau der Oberseite, 
namentlich der mit gleichbreiten blauen und schwärzlichen Binden quergebän- 
derte Oberkopf. Ausser dem angeführten Exemplare, welches ich im Rohre des 
Ala Kul erlegte, traf ich nur noch ein zweites Exemplar, an einem kleinen 
Bache der Steppe zwischen dem Saissan-Nor und Südaltai (5. Juni). — Meyer 
(Ledeb. Reise p. 261) notirt den Eisvogel vom Nor-Saissan. 

Z. B. Ges. B. XXIX. Abh. 20 



154 



Otto Finsch. 



42. Merops apiaster L. — Dress., Severtz., 1. c. 1876. p. 319. — 
Nr. 22. (B.) cf Steppe am Tendjekflusse. Iris rotti (26. Mai). Kein Unterschied 
mit südeuropäischen Exemplaren. 

Die Gebiete, welche von der Blauracke bewohnt werden, scheinen auch 
von Bienenfressern bevorzugt. Wenigstens trafen wir die letzteren ebenfalls, und 
zwar in grossen Schwärmen am 12., 17. und 18. Mai am Steppenflusse Kysil 
Aschdschi südlich vom Ala-Kul, in der Steppe auf dem Wege nach Tschugu- 
tschak in China, sowie zuletzt einigemal von Altaiske-Staniza herab in den 
Vorbergen des Altai. 

Passeres tenuirostres. 

43. Upupa epops L. — F. und H., Vög. Ostafr. p. 195; Dress., 
Severtz., 1. c. 1876. p. 319. — Nr. 23 (F.) tf. Barnaul. Iris braun (24. Juni). 
— Durchaus mit deutschen Exemplaren übereinstimmend. 

Der Wiedehopf gehörte in den Steppengebieten zu den häufigen Er- 
scheinungen. Graf Wald bürg beobachtete ihn in Semipalatinsk. Ich notirte 
ihn am 10. Mai vom Ala-Kul, 26. Felsen vor Saissan, 1. Juni am Kara-Irtisch, 
am 19. bei der Kolywan'schen Schleiferei. 

44. Sitta europaea L. — S. uralensis Br., 1. c. p. 65; Finsch, 1. c. 
p. 64. S. europaea Dress., B. of Eur. t. 143; Pall., p. 545 (ostiak. Ortelged). — 
Nr. 204 (W.) cT. Scharkaiskaja, Ob (17. September). Nr. 205 (F.) Narim- 
skaja, Ob (16. September). Iris tiefbraun. 

Fl. Scliw. F. L. M.-Z. 

2" 10'" 16"' 6'" 7"' 6V2"' Ob. 

3 u 2 "< 19'" 7'" 8V2'" 7'" Schweden. 

2" 10'" 16'" 57 2 '" 7W" 6'" Kamschatka. 

Die mitgebrachten Exemplare zeigen eine interessante Mittelform zwischen 
solchen aus Schweden und Kamschatka, schliessen sich aber, namentlich wegen 
der geringeren Grösse mehr letzteren an ; Kopf und Halsseiten nebst Unterseite 
bis zum Bauche sind rein weiss, von hier aus die Unterseite zart zimmtgelblich 
überlaufen, bei Nr. 205 schwach, bei Nr. 204 so dunkel als bei caesia. 

Die Spechtmeise kam uns erst auf der Rückreise am Ob zu Gesicht, und 
zwar sehr vereinzelt, zuweilen in Gesellschaft mit Parus cinctus und P. cam- 
schatcensis. Ich beobachtete sie am 16. September bei Narimskaja, 17. bei 
Scharkali, 20. Leumtschi, 21. Kävschka und am 1. October bei Samarowa. In 
Stimme und Betragen fand ich keine Verschiedenheit mit unserer in Deutsch- 
land vorkommenden Art. 

Bei den Loswaquellen (westlicher Ural, 62° nördl. Br.) von der Ural- 
Expedition. — Nach Gmelin (Reise III. p. 381) gilt dieser Vogel im Volks- 
munde als grosser Zaubervogel. 

45. Certhia familiär is L. — Dress., Severtz., I. c. 1876. p. 176. 
Die Sammlung von Prof. Slovzoff in Omsk enthielt Exemplare aus der 

Umgebung dieser Stadt. 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 187(5. 



155 



46. Troglodytes parvulus Koch. — Dress., Severtz., I. c. 1876. p. 175. 
Den Zaunkönig verzeichnet mein Tagebuch nur einmal als mit Sicherheit 

beobachtet, und zwar am 8. Juni am Marka-Kul im chinesischen Hochaltai 
(ca. 5000' hoch). 

Passeres dentirostres. 

47. Sylvia nisoria Bechst. — Dress., B. of Eur. t. 243; Dress., 
Severtz., 1. c. 1876. p. 79. 

Graf Wald bürg erlegte ein Exemplar am 7. Juni am Marka-Kul im 
chinesischen Hochaltai (ca. 5000' hoch). 

Das Vorkommen dieser Art in Turkestan wurde durch Severtzoff zuerst 
nachgewiesen; bisher nicht aus Sibirien notirt. 

48. Sylvia atricapilla Lath. — Naum., Vög. Deutschi. t. 77. — Aus 
der Umgegend von Omsk (Museum Slovzoff in Omsk). 

Auch diese Art finde ich weder bei Pallas noch einem anderen sibi- 
rischen Autor erwähnt. 

49. Sylvia salicaria (L.). — Dress., B. of Eur. pt. 53. 1876. 8. hortensis 
Gml. — Am 8. Juli glaube ich den Gesang dieser Art bei Kloster Kondinsky 
am Ob gehört zu haben. Exemplare aus der Umgegend von Omsk fand ich im 
Museum des Prof. Slovzoff in Omsk. — Ich finde keinen Nachweis des Vor- 
kommens in Sibirien. 

50. Sylvia cinerea Lath. — Naum., Vög. Deutschi. t. 78. — Nr. 25 
(F.) Kara Irtisch, etwas oberhalb der Einmündung in den Saissan-Nor, „Iris 
gelbbraun" (1. Juni). Nr. 26 (B.) 9- Bei Barnaul, „Iris dunkelbraun" (22. Juni). 



Fl. 


Schw. 


F. 


74"' 


65"' 


10-25'" 


73"' 


61"' 


10-26'" 


73'" 


62"' 


9-3'" 



Kein Unterschied mit deutschen Exemplaren. — Wie es scheint, neu für 
Sibirien. 

Die Dorngrasmücke war in den Steppengebieten eine häufige Erscheinung, 
fand sich aber auch in den Vorbergen und Thälern des Altai. Ich notirte sie 
von den Arkatbergen (6. Mai), Dschindschilifluss in der Steppe südlich vom Ala- 
Kul (18. Mai), am Kara Irtisch (1. Juni), Maitjerek im Südaltai (ca. 4500' hoch, 
5. Juni), häufig in den mit Louiceradickichten bestandenen Vorthälern des Altai 
von Altaiske Staniza bis Sercanowsk herab (13. Juni), sowie bis Barnaul. 

51. Sylvia curruca (L.). — Naum., Taf. 77; Dress., B. of Eur. tab. 
pt. 68 (1876); Dress., Severtz., 1. c. 1876. p. 79. S. garrula Finsch, 1. c. 
p. 57. - Nr. 24 (B.) tf. Am Ala-Kul in Turkestan (9. Mai). „Iris periweiss". 
Nr. 206 (F.) <?. Malo Atlim, Ob (7. Juli). „Iris hellbraun; Schnabel an Basis 
bläulich wie Beine; Sohlen grünlich". Nr. 207 (B.) tf. Sassnova (7. Juli). 
„Iris dunkelbraun". 

Durchaus wie deutsche Exemplare ; ebenso solche aus der Umgegend von 
Omsk, durch Prof. Slovzoff. Nr. 24 Flügel: 68 Mm. Nr. 206 Flügel: 64 Mm. 

20* 



156 



Otto Finsch. 



Das Müllerchen wurde zu verschiedenen Malen vom Ala-Kul in Turkestan 
(9. Mai) bis unterhalb Obdorsk (16. Juli, über dem 66° nördl. Br.) beobachtet. 
— Nach Prof. Slovzoff (briefl. Mittheil.) erschien die Art 1877 in Omsk zuerst 
am 12. Mai. — Henderson brachte die Art aus Yarkand. 

52. Phyllopneuste borealis Blas. — Phylloscopus borealis Seeb. undBr., 
1. c. p. 216. — Nr. 208 (F.) Unterhalb Bercosoff (10. Juli). „Iris dunkelbraun". 

Das Exemplar zeigt ein durchaus frisches Gefieder, was insofern Beachtung 
verdient, als andere in dieser Zeit geschossene Sylvien meist ein ganz abge- 
riebenes Kleid tragen, welches sie oft fast unkenntlich macht. 

Ich besitze keine weiteren Aufzeichnungen über diese ohne Zweifel öfters 
angetroffene, aber meist übersehene Art. 

Ph. magnirostris Bl. (== trochilus Hodgs. indicus Bl.) fällt nicht mit 
dieser weit verbreiteten Art zusammen, wie ich (Abhandl. Naturw. Ver. Bremen 
1872. p. 33) unrichtig anführte. 

53. JPhyllopneuste trochilus L. — Sylvia troch. Br., 1. c. p. 67. 
Phylloscopus troch. Seeb. und Br., 1. c. p. 215; Finsch, 1. c. p. 57. 59. — 
Nr. 209 (W.) 9. Kuschowat (11. Juli). „Iris braun". Nr.210 (F.) Q (19. Juli), Nr. 211 
(W.) 9 (20. Juli), „Iris braun", beide Schtschutschja. Nr. 212 (F.) cT 
Schtschutschja (Tschorne-jar) (12. August). Nr. 213 (B.) <j" Haljatur, Kleiner 
Ob (15. August). Nr. 214 (F.) cT Chalispagor, Kleiner Ob (17. August). Nr. 215 
(F.) Jotloch (19. August). Nr. 216 (W.) cT Oberhalb Obdorsk (5. September). 
Nr. 217 (F.) $ Parawatsky-Jurti (6. September). — Flügel: 64—71 Mm. 

Nr. 209 210 und 211 (sämmtlich im Juli erlegt) zeigen stark abge- 
riebenes Gefieder; Oberseite und Flügel erscheinen daher nur sehr schwach 
grünlich angeflogen ; die übrigen im August und September erlegten Exemplare 
sind stark in der Mauser oder bereits vermausert. Die unteren Seiten zeigen 
dann zuweilen einen deutlichen rostfahlen Anflug. Nr. 213 ist noch im vollen 
Wechsel der Schwingen und Schwanzfedern; die ersten Schwingen sind fast 
ganz abgestossen. Nr. 214, 215 und 217 sind in voller Mauser. Nr. 216 fast 
vermausert: Augenstreif und die ganze Unterseite erscheinen deutlich gelb 
(lebhafter als in sibilatrix); bei 217 spriessen auf der blassgelbgraulichen Unter- 
seite hie und da gelbe Federn (wie bei 216) hervor. — Den Weide nlaubvogel 
verzeichnet mein Tagebuch längs dem Ob vom 8. Juli (Tschematschewskaja) 
und der Schtschutschja soweit der Baumwuchs reicht, und auf der Rückreise 
am Ob bis zum 16. September (Narimskaja) als fast täglich beobachtet. Anfangs 
September waren die Exemplare in voller Mauser. 

Die Ural- Expedition erhielt die Art bei Tscherdin und an den Petschora- 
quellen. — Bisher war sie nicht in Sibirien nachgewiesen. 

54. Phyllopneuste tristis Bl. — Phylloscopus tristis Seeb. und Br., 
1. c. p. 217; Finsch, 1. c. p. 49. 57. Ph. neglectus Seeb., ib. p. 218. Ph. ful- 
vescens Severtz. Ph. tristis Dress., Severtz., 1. c. 1876. p. 82; (?) Finsch, 
1. c. p. 59. — Nr. 219 (F.) Sarai-Gor (10. Juli). „Iris braun". Nr. 220 (F.) 
cf Gonoratskaja (9. September). „Iris braun, Beine hornbraun, Sohlen gelb". 
Nr. 221 (W.) $ Tampimpran (10. September). „Iris braun". — Flügel 56—60 Mm. 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 187(5. 



157 



Nr. 219 trägt ein ganz abgeriebenes Gefieder; die grünlichen Federsäume, 
namentlich an der Aussenfahne der Schwingen sind ganz abgestossen. Das 
Exemplar erscheint daher von oben fast einfarbig düster erdbraun. In diesem 
abgeriebenen Somnierkleide kann die Art daher leicht mit Ph. fuscata Bl. 
(sibiriea Midd.) verwechselt werden, doch ist sie noch immer daran kenntlich, 
dass die unteren Flügeldecken und Achseln, wenn auch schwach, einen gelb- 
lichen Anflug zeigen; bei Ph. fuscata sind die unteren Flügeldecken rost- 
bräunlich wie die Seiten. Ph. neglectus Seeb. von der Petschora, scheint nichts 
anderes als eine Ph. tristis in dem stark abgeriebenen Sommerkleide, ähnlich 
Nr. 219. Nr. 220 und 221 sind theilweise noch in Mauser, aber tragen bereits 
das ausgefärbte schöne Kleid. Severtzoff traf die Art nur als Zugvogel in 
Turkestan und der Kirgisensteppe und vermuthet sehr richtig, dass sein Brut- 
gebiet im Norden von Westsibirien liegen werde (Dress., Ibis. 76. p. 82). — 
Dieser Vertreter unserer Ph. rufa erinnert in Wesen und Stimme ganz an die 
letztere. Wie diese, hält sie sich im dichtesten Gelaube hoher Bäume, am 
liebsten in den Wipfeln auf, weiss sich immer geschickt zu verbergen und 
ist daher weit mehr zu hören, als zu sehen und zu erlegen. Im Gebiet des 
Ob war diese Art überall häufig; doch trafen wir sie auch im Süden, wo 
Dr. Brehm am 1. Mai bei Semipalatinsk und am 16. bei Lepsa Exemplare heim- 
brachte. Am Ob erhielt ich sie zuerst am 7. Juli bei Malo Atlim, 9. Bercosoff, 
10. Bolschoi Ustram ; an der Schtschutschja darf ich sie nicht als mit Sicherheit 
beobachtet angeben, dürfte sie hier aber wohl übersehen haben. Dagegen war 
sie wieder auf der Bückreise am Ob im September häufig: 9. Bonderjchan, 
10. Tampimpran, 11. Bolschoi Ustram, 15. Novija, 17. Kalapanka, 18. Niram- 
skaja, 21. Worono. — Aus der Umgegend von Omsk durch Prof. Slovzoff er- 
halten; sie erschien hier 1877 zuerst am 2. Mai. Wie es scheint, vor uns nicht 
aus Westsibirien nachgewiesen. Schrenk führt übrigens Ph. rufa Lath. an, 
die wir nicht beobachteten. 

hh.Phyllopneuste modesta Gould. — Phylloscopus superciliosus (Gml.) 
Dress., B. of Eur. t. 240; Dress., Severtz., 1. c. 1876. p. 81. Begulus spec? 
Finsch, 1. c. p. 54. — Nr. 28 (B.) cT Lepsa, Turkestan (16. Mai). „Iris braun". 
Nr. 29 (F.) $ Marka-Kul, chin. Hochaltai (6. Juni). „Iris braun". Nr. 29 a (F.) 
<j" Chin. Hochaltai (ca. 5000') auf dem Wege vom Marka-Kul nach dem Burchat- 
pass (9. Juni). „Iris braun". Nr. 218 (F.) Q Malo Atlim, Ob (7. Juli). „Iris braun". 

Das stark abgeriebene Gefieder Hess anfangs eine verschiedene, vielleicht 
neue Art vermuthen, indem bei allen vier Exemplaren von den charakteristischen 
zwei hellen Flügelquerbinden nur bei zweien die untere angedeutet ist. Nr. 28 
zeigt nur die untere, welche durch die Decken der Armschwingen gebildet 
wird; die zweite obere ist ganz abgerieben, ebenso die breiten rostweisslichen 
Endsäume der hinteren Armschwingen, der Augenstreif erscheint rostfahl ver- 
waschen, wie die unteren Seiten und nicht so deutlich gelblich verwaschen als 
in frischvermauserten Exemplaren. Nr. 29 a zeigt nur links eine Spur einer 
hellen Flügelbinde, Nr. 218 gar keine. Solche Exemplare in ganz abgeriebenem 
Gefieder sehen ganz verschieden aus von frischvermauserten: Oberseite, Flügel 



158 



Otto Pinsch. 



und Schwanz schmutzig, düster, olivenhraun; Aussensäume der Schwingen und 
Schwanzfedern abgerieben, nur ganz schmal grünlich scheinend, wie ein Anflug 
auf Bürzel; verwaschener Augenstreif fahlweiss, wie Unterseite; untere Flügel- 
decken und Achseln gelblich. Schnabel und Beine dunkel. — In diesem abge- 
riebenen Sommerkleide ist die Art sehr leicht mit Ph. rufa Briss. zu ver- 
wechseln, mit der sie in der Färbung fast ganz übereinstimmt, doch unterscheidet 
sie sich sehr leicht durch die viel schmälere und kürzere erste Schwinge 
(modesta: 10 Mm.; rufa: 19 — 20 Mm.). — Ich beobachtete diesen niedlichen 
Sänger einigemale am 7. und 9. Juni im chinesischen Hochaltai am Marka-Kul 
und auf dem Wege von da nach dem Tau-Tekegebirge. Die Vögelchen hielten 
sich theils auf Birken, theils im Nadelholz auf, waren wenig scheu, aber 
schwierig zu sehen und erinnerten in Wesen und Stimme sehr an Goldhähnchen. 
Am Ob mit Sicherheit beobachtet, aber nicht erlegt, dagegen glaube ich die 
Art noch an der mittleren Schtschutschja (20. Juli) im Weidendickicht gesehen 
zu haben. — Die Beschreibung von Motacilla superciliosa Gml. (S. N. p. 975) 
ist zu kurz und ungenügend, um nur mit einiger Sicherheit auf diese Art be- 
zogen werden zu können. 

56. Regulas cristatus Briss. — R. flavicapillus Naum., Vög. Deutschi, 
t. 93. — Aus der Umgegend von Omsk, in der Sammlung von Prof. Slovzoff 
in Omsk. 

Scheint sehr selten in Sibirien. Pallas erhielt nur ein Exemplar am 
Tschulym; Schrenk notirt die Art aus dem Amurlande. 

57. Hypolais icterina Vieill. — Dress., B. of Eur. t. 229. — Das 
Museum von Prof. Slovzoff enthält die Art aus der Umgegend von Omsk. — 
Neu für Sibirien. 

58. Acrocephalus arundinaceus (L.). — Naum., Vög. Deutschi, 
t. 81. Acrocephalus arundinaceus Dress., Severtz., 1. c. 1876. p. 83. Sylvia 
turdoides Meyer. 

Schon in den Eohrwäldern des Ala - Kul (8. Mai) machte sich der 
Gesang dieser Art besonders bemerkbar, ebenso am Kara-Irtisch (1. Juni) und 
Saissan-Nor (2. Juni), wo man ihn die ganze Nacht hindurch hören konnte. — 
Die Schwierigkeiten, in diesen undurchdringlichen Dickichten zu jagen, und 
vor allen Dingen erlegte Beute schliesslich wirklich in die Hände zu bekommen, 
vereitelte Sammlungen in der so sehr interessanten Gruppe der Rohrsänger zu 
machen, welche im Gebiete der Steppenseen so reich vertreten war. 

59. Calamoherpe palustris Bechst. — Naum., Vög. Deutschi. t. 81. 
— In der Sammlung von Prof. Slovzoff aus der Umgegend von Omsk. — 
Neu für Sibirien. 

Neben anderen nicht näher auszumachenden Rohrsängerarten war es 
diese, welche ich in der mit heggenrohrartigem Grase bestandenen Steppe 
zwischen Urdschar und Bagdy (20. Mai) öfters beobachtete ; ebenso in ähnlicher 
Localität schon am 5. Juni am Nordrande der Steppe am Saissan-Nor. 

60. Calamoherpe naevia Bodd. — Sylvia locustella Lath. Locustella 
naevia Dress., B. of Eur. t. 230; Dress., Severtz., 1. c. 1876. p. 90. C. locustella 



Rei6e nach Weßt-Sibirien im Jahr« 187R. 



159 



Finsch, 1. c. p. 50. — Unter den zahlreichen Rohrsängern, welche die dichten 
Rohrwälder am Ala-Kul belebten, machte sich der Gesang dieser Art unver- 
kennbar geltend (9. Mai). 

Die östliche Verbreitungsgrenze scheint noch nicht sicher festgestellt, 
da nach Dresser C. locustella, von Middendorf, Schrenck und Radde 
aus Ostsibirien angeführt, auf die naheverwandte aber verschiedene C. Hender- 
soni Bass. Bezug haben dürfte, welche schon bei Jekaterinenburg vorkommen soll. 

61. Calamoherpe schoenobaemis Lath. — S. phragmitis Beehst. 
Acrocephalus schoenob'aenus Dress. B. of Eur. tab.; Dress., Severtz., 1. c. 
1876. p. 90. Calamoherpe phragmitis Seeb. und Br., 1. c. p. 218. Calamoherpe 
spec? Finsch, 1. c. p. 58. — Nr. 222 (F.) Nemuta, am kleinen Ob (18. Juli). 
„Iris tiefbraun". — Das einzige von mir erlegte Exemplar stimmt ganz mit 
deutschen überein. 

Fl. Schw. F. L. 

2" &" V 9"' 4'" 97 2 '" 

Ich habe diese Art mit Sicherheit nur von der obigen Localität, von 
Janburri (19. Juli), nahe der Mündung der Schtschutschja, und von Haljatur 
(15. August), am kleinen Ob, zu verzeichnen. — Die Art lebt hier in den un- 
durchdringlichen Weidendickichten, die sich knieholzartig über sumpfigen, zum 
Theile überschwemmten Untergrund dahinziehen, und in denen es noch weit 
schwieriger ist, einen erlegten Vogel zu finden, als einen lebenden zu be- 
schleichen. Sie waren in voller Brutperiode, denn die Männchen jagten sich 
fortwährend und sangen sehr eifrig. Dabei Hessen sie sich oft sehr nahekommen, 
allein es war nicht leicht, sie zu Gesicht zu bekommen, da sie sich meist sehr 
versteckt hielten. 

62. Cyaneeula suecica (L.). — Sylvia suecica Br. 1. c. p. 67; Seeb. 
und Br., 1. c. p. 125; Dress., Severtz., 1. c. p. 341. Motac. coeruleculaVaM., 
p. 480 („in borealibus versus mare glaciale": Sujef.). — Nr. 27 a (F.) cf Chines. 
Hochaltai (ca. 5000' hoch, 6. Juni). „Iris braun". Nr. 27 (F.) Bei Barnaul 
(21. Juni). Nr. 225. (B.) Schtschutschja (25. Juli). „Iris braun". Nr. 226 
(F.) cT jun. Schtschutschja (31. Juli). Nr. 227 (F.) cT jung. Haljatur, Kleiner 
Ob (15. August). 

Sämmtliche vorliegende Exemplare gehören zu der als echte suecica 
unterschiedenen Form. Kinn, Kehle und Kropf sind tiefultramarinblau, mit 
grossem tief zimmtrostfarbenem Mittelfleck, der sich bei den mir vorliegenden 
deutschen Exemplaren herabzieht, also unterseits nur schmäler blau begrenzt 
wird, unter dem blauen folgt ein fast ebenso breites schwarzes Querband, 
welches von einem schmalen rostweisslichen begrenzt wird, und auf welches 
wiederum ein breites zimmtrostfarbenes folgt, das gerade quer über die Ober- 
brust läuft. Sie stimmen also ganz mit der Figur rechts in Dresser (pl. 215) 
oder Naumann (Taf. 366, Fig. 1) überein, nur dass, wie erwähnt, der zim mt- 
braune Kehlfleck grösser und unterseits schmäler mit Blau begrenzt erscheint. 
— Nr. 27 a (6. Juni) zeigt bereits ein stark abgeriebenes Gefieder der Ober- 



160 



Otto Finsch. 



seite; noch mehr ist dies in Nr. 225 (25. Juli) der Fall, bei welchem Exemplare 
Schwingen und Schwanzfedern fast ganz abgestossen sind, doch zeigt es noch 
keine Spur von Mauser. Nr. 226 (31. Juli) hat auch die Federn der Unterseite 
so stark abgestossen, dass Kinn und Kehle weisslich erscheinen, schmal und 
undeutlich mit Blau umrahmt, der zimmtrothe Kehlmittelfleck ist blass, klein 
und unterseits schmal blau begrenzt; es ähnelt also ganz jungen Männchen 
(z. B. Fig. 1, Taf. 214 bei Dresser). Das junge Männchen (Nr. 227, 15. Aug.) 
ist in voller Mauser; unter den gestreiften Kropffedern spriessen bereits einzeln 
die zimmtbraunen des ausgefärbten Kleides hervor; Schwingen und Schwanz- 
federn sind völlig ausgewachsen und vermausert. — Exemplare aus der Um- 
gegend von Omsk durch Prof. Slovzoff erhalten, haben ebenfalls nur den 
einfarbig zimmtbraunen Kehlfleck. — Das Blaukehlchen fanden wir auf unserer 
ganzen Eeiseroute, vom Eöhricht des Sassyk Ala-Kul, im Hochaltai bis über 
5000' Höhe, sowie an der Podarata unterm 68 Grad nördl. Br. — Ich machte 
folgende Aufzeichnungen: 1. Mai bei Semipalatinsk, 6. u. 7. bei den Arkad- 
bergen, 9. am Ala-Kul, 6. Juni im Hochaltai, oberhalb Maitjerek (an 5000' hoch), 
20. hinter Kolywan-Schleiferei, 19. — 26. Juli an der Schtschutschja, am 3. und 
4. August an der Podarata, 12. — 14. auf der Rückreise an der Schtschutschja 
bis Obdorsk (15.— 23. Aug.) und auf dem Ob (4. Sept. Sobje Jurti, 5. Wandiarskia 
Jurti). — Am 26. Juli traf ich an der Schtschutschja ein Paar, welches eifrig 
beschäftigt war, seine Jungen zu füttern, am 3. August an der Podarata und 
am 15. bei Haljatur am Ob flügge Junge. Am 23. October mauserten diese 
Vögel stark. — Nach brieflicher Mittheilung von Prof. Slovzoff erschien die 
Art 1877 am 16. Mai bei Omsk. — Eine der wenigen Arten, welche Pallas 
als vom Student Basilius Sujef gegen den Kara-Meerbusen zu beobachtet auf- 
führt. — Die Ural- Expedition erwähnt das Blaukehlchen von der Petschora 
unterm 62. Grad nördl. Br. (ebenfalls mit braunem Kehlfleck). Seebohm fand 
die Art an diesem Flusse überall häufig, ebenso auf der Tundra, wo diese mit 
Weidengebüsch besetzt war. 

63. Lusciola cyanura (Pall.). — Schleg., Faun. jap. t. 21. Sylvia 
cyanura Finsch, 1. c. p. 65. Motacilla cyanura Pall., p. 490 (vom Jenissei). — 
Nr. 223 (F.) cT jun. Nisamskia Jurti, Ob (18. September). „Iris braun". Nr. 224 
(F.) 9 Oberhalb Kondinsky, Ob (19. September). „Iris braun". 

Beide Exemplare befinden sich noch in voller Mauser des Kleingefieders ; 
Schwingen und Schwanzfedern sind bereits vermausert. Das junge Männchen 
ähnelt ganz dem Q, nur zeigt es die oberen Schwanzdecken deutlich blau. — 
Kein Unterschied mit transbaikalischen Exemplaren. — Dieser als neu für das 
Obgebiet nachgewiesene interessante Sänger entging uns auf der Hinreise, 
obwohl wir seine eigenthümliche, an Ruticüla phoenicurus erinnernde Lock- 
stimme mehrmals hörten. So notirte ich sie von Bolschoi Ustram am 10. Juli. 
Doch gelang es nicht, in den endlosen Dickichten den Sänger selbst zu sehen 
und erst auf der Rückreise wurde mir die Freude zu Theil, ihn zu erhalten. 
Am 18. September beobachtete ich bei Nisamskaja im Erlengebüsch einen mir 
unbekannten Vogel, der im Betragen sehr an Lusciola rubecula erinnerte. Wie 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 1876. 



161 



diese nickte er mit dem Kopfe und wippte mit dem Schwänze, wobei er seine, 
wie „ziet, ziet, ziet, tack, tack, tack" klingende schnalzende Lockstimme öfters 
hören liess. Als ich den Vogel erlegt hatte, wusste ich, welche Seltenheit ich 
vor mir hatte. Ausser den beiden erwähnten Exemplaren, beobachtete ich nur 
noch ein drittes bei Leutschinskaja am 20. September, und zwar ein altes 
Männchen, dessen prächtiges Blau unverkennbar durch das Erlendickicht 
schimmerte. Der Vogel war aber sehr scheu, hielt sich geschickt auf der 
andern Seite des Dickichts und entflog auf Nimmerwiedersehen in dem Mo- 
mente als ich eben abdrücken wollte. — Pallas erhielt die Art etwas östlich 
von Tomsk (2. p. 664). 

64. Luscinia philomela (Bechst.). — Finsch, 1. c. p. 52. Motac. 
philomela Pall., p. 484 (bis Tomsk!). 

Der Sprosser ist im Süden von Westsibirien an geeigneten Localitäten 
keineswegs selten, und man darf sicher darauf rechnen, ihn an den mit Weiden 
und anderen Bäumen bestandenen, reichlich mit Unterholz versehenen Flüssen 
und Flüsschen der Steppe anzutreffen. Wir hörten ihn zuerst am 18. Mai in 
den Weidendickichten am Tendjekflusse, am 19. an einem dem Ala-Kul zu- 
fliessenden Bache, am Flusse Urdschar und in den Anlagen, welche die Kirche 
dieses kleinen Ortes umgeben. Auf dem Tarbagatai fehlte der Sprosser, wohl 
deshalb, weil hier keine Baumvegetation ist. Dagegen erfreute er wieder in den 
Parkanlagen von Saissan (27. Mai), dann am Kara-Irtisch (31.) und an einem 
kleinen üppig bewaldeten Bache am Nordrande der Steppenwüste am Saissan- 
Nor (5. Juni). Nachdem ich es in Saissan ausgeschlagen den herrlichen Sänger 
der dortigen Anlagen zu erlegen, um die Art meinen Sammlungen einzuver- 
leiben, gelang es mir, hier einen zu schiessen, der mir leider in der Pflanzen- 
fülle des Untergrundes verloren ging. In den Vorbergen des nördlichen Altai 
von Smeinogorsk nach Kolywan- Schleiferei (18. und 19. Juni) und nach Barnaul 
zu hörte man den Schlag des Sprossers allenthalben aus den Loniceradickichten 
erschallen; ebenso war er zwischen Salair und Tomsk häufig, woher schon 
Pallas die Art anführt. — Den Schlag des sibirischen Sprossers fand ich in 
keiner Weise von dem ungarischen abweichend. — Ueber die durch Severtzoff 
unterschiedenen Species und Subspecies der Nachtigall und des Sprossers vgl. 
Dress., 1. c. 1875. p. 338—341. 

65. Ruticilla phoenicurus (L ). — Br., 1. c. p. 67; Dress., Severtz. 
1. c. 1876. p. 77; Seeb. und Br., 1. c. p. 215; Pall., p. 476 (ostiak. Katsch- 
katschi). — Männchen und Weibchen in Omsk erlegt und durch Herrn Prof. 
Slovzoff eingesandt stimmen durchaus mit deutschen überein. 

Die Art brütet hier indess nicht, sondern zieht nur durch. Im letzten 
Jahre erschien sie vom 30. April bis 4. Mai; ein Weibchen wurde noch am 
12. Mai erlegt. (Slovzoff in litt.) — Ich glaube die bekannte Lockstimme 
dieses Vogels mit Bestimmtheit wiederholt bei der Kolywan-Schleiferei (20. und 
21. Juni) gehört zu haben, ohne dies indess mit völliger Sicherheit behaupten 
zu können. — Die Ural-Expedition erhielt die Art an den Petschoraquellen 
(62° nördl. Br.). 

Z. B. Ges. B. XXIX. Abh. 21 



162 



Otto Finsch. 



66. Muticilla s cmi ruf a Ehrh. — Dress., Severtz., 1. c. 1876. p. 77; 
Heu gl., Ornith, N. 0. Afr. I. p. 335. B. erythroprocta Gould. (ap. Severtz.). 
Muticilla spec? (aurorea?) Finsch, 1. c. p. 50 et 52. — (B.) cT Manrakberg 
bei Saissan (28. Mai). 

Das einzige von Dr. Brehm erlegte Exemplar stimmt ziemlich mit der 
Beschreibung bei Heuglin, doch will ich hier eine neue anfügen: Stirn, 
Zügel, Kopf- und Halsseiten, Kinn, Kehle und Kropf tiefschwarz; das Schwarz 
der Stirn hinterseits von einer breiten sich bis zum hinteren Augenrande er- 
streckenden weissen Querbinde begrenzt, die Federn derselben mit sehr feinen 
graulichen Endspitzen; Scheitel und übrige Oberseite schwärzlichgrau, Mantel 
und Schultern mehr schwarz; Schwingen und deren Decken dunkelbraun; 
hinterste Bürzelpartie, obere Schwanzdecken und die Unterseite vom Kropf an 
tief rostzimmtroth, ebenso der Schwanz, die 2 mittelsten Federn dunkelbraun. 
Schnabel und Beine schwarz; Iris dunkelbraun. 

Fl. Schw. F. L. 

3" 2" 1'" 5'" 10 7 2 '" 

Wie phoenicurus, aber das Schwarz der Kehle zieht sich weiter bis auf 
den Kropf herab, die Unterseite ist viel dunkler rostzimmtroth und Mantel und 
Schultern sind deutlich schwärzlich. Von R. phoenicuroides Moore (Proc. Z. S. 
1854. t. 57), mit der sie sonst ganz übereinstimmt, durch das weisse Querband 
des Vorderkopfes hinter dem Schwarz der Stirn leicht unterschieden. — Nach 
Dress er und Blanford identisch mit U. rufiventris Vieill. „but as a rule 
smaller in size" (Ibis III. p. 339). — Wahrscheinlich war es diese Art, welche ich 
schon am 4. Mai in den Felsen der Arkatberge beobachtete; doch durfte ich, 
auf Wildschafe anstehend, selbstredend nicht auf Vögel schiessen. 

67. Muticilla thytis Scop. — Bei Omsk (Mus. Slovzoff in Omsk). — 
Bisher nicht aus Sibirien nachgewiesen. 

68. Muticilla coeruleocephala (Vig.). — Jerd., B. of Ind. II. p. 141; 
Dress., Severtz., 1. c. 1876. p. 78 (R. lugens Severtz.). Saxieola spec. (viel- 
leicht neu) Finsch, 1. c. p. 51; Hume in Henderson „Lahore to Yarkand". 
t. XIV (9). — Nr. 35 (W.) Dscharil-Kul, Dsungarischer Ala-Tau (ca. 6000' hoch, 
15. Mai). 

Das einzige Exemplar, ein völlig ausgefärbter Vogel (wohl Männchen), 
wurde von Graf Waldburg-Zeil erlegt. Es stimmt ganz mit der Beschreibung 
bei Jerdon überein. 

69. Saxieola oenanthe L. — Blanf. und Dress., Mon. Proc. 1874. 
p. 218; Dress., Severtz., 1. c. p. 335; Br., 1. c. p. 68; Seeb. und Br., 1. c. 
p. 215; Finsch, 1. c. p. 54. — Nr. 36 und 37 und 9 (F.) Chinesischer 
Hochaltai, auf dem Wege nach dem Marka-Kul (ca. 5000' hoch, 7. Juni). 
Nr. 228 (F.) cT (3. August), Nr. 229 9 jun. (5. August), Nr. 230 <$ jun. 
(6. August) Schtschutschja, Nr. 231 (F.) cT (17. August), Nr. 232 (W.) 
(18. August), Chalispagor, Ob, Nr. 233 (F.) $ Nr. 234 (F.) $ jun., Nr. 235 
(F.) 9 a U e Ugorskia-Jurti, Ob (11. September). 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 1X7(1. 



163 



Fl. 



Schw. 



F 



L. 



3" 8" 
3" 5' 
3" T 



2" 

1" 8"' 
1" 10"' 




12'" Altai Nr. 36. 
12- Q „ „ 37. 
11"' Tundra Nr. 228. 



3" 7<"_3" 9'" i" 10"'— 2" 5'" 12'" Nr. 233—235. 

Die Exemplare stimmen sowohl in Grösse als Färbung ganz mit deutschen 
überein. Das beim Neste geschossene Pärchen aus dem Altai (7. Juni) trägt 
ein sehr abgeriebenes Kleid, so dass beim Männchen die Unterseite weiss er- 
scheint mit nur schwachem gelblichem Anfluge an Kehle. Ganz so ist das 
Männchen von der Tundra (Nr. 228), am 3. August erlegt; alle Federn, nament- 
lich die Schwingen, stark abgestossen, im Anfange der Mauser. Nr. 229 (5. August) 
trägt das Nestgefieder, aber die Schwingen sind ausgewachsen, der Vogel daher 
flügge. Nr. 230 (6. August) ist ein flügger Nestvogel; er trägt grösstenteils 
das getüpfelte Nestkleid, aber die Schwingen sind bereits frisch vermausert und 
auf dem Bauche erscheinen die rostweinrothen Federn des ersten Herbstkleides ; 
Nr. 231 und 232 (17. August) sind fast ganz vermausert und zeigen nur noch 
auf der Unterseite einzelne getüpfelte Federn des Nestkleides; Nr. 233, 234 und 
235 (11. September) tragen das vollständig vermauserte lebhaft rostfarbene 
Herbstkleid, wie ich dasselbe aus Grönland beschrieb (Abhandl. des Naturw. 
Verein. Bremen V. 1876. p. 352). Beide Geschlechter und Junge sind dann 
ganz gleich. Auf Dresser's Abbildung (B. of Eur. t. 346) ist dasselbe viel 
zu blass und wenig lebhaft dargestellt. — Wie zu erwarten, war der graue 
Steinschmätzer in unserem ganzen Reisegebiet, sowohl in der Steppe, als im 
Hochgebirge, wie auf der Tundra eine häufige Erscheinung. Die ersten beob- 
achtete ich am 14. April bei Jalutorowsk; dann 3. und 4. Mai hinter Semi- 
palatinsk, 7. hinter Sergiopol in der Steppe und hier häufig; 0. und 7. Juni 
im Hochaltai von Maitjerek bis zu Marka-Kul (5000—6000' hoch) in einsamen 
wilden Felsenthälern und hier brütend, 20. hinter Kolywan-Schleiferei; 26. Juli 
an der oberen Schtschutschja (alte Vögel mit flüggen Jungen); 5. August auf 
den kahlen Hügeln der Tundra am Flusse Nadajaha (hier mit flugbaren Jungen, 
die in Grau übergehen), 10.— 12. obere Schtschutschja, 23. bei Obdorsk (stark 
mausernd); 11. September bei Ugorskia-Jurti am Ob. Die hier erlegten Exem- 
plare waren bereits völlig vermausert und fielen mir durch ihr sonderbares bei 
dieser Art nicht gewohntes Benehmen auf: sie trieben sich nämlich in kleinen 
Flügen in dem Gezweige der Bäume umher, so dass ich anfänglich glaubte, 
einen mir unbekannten Vogel vor mir zu haben. An der Schtschutschja beob- 
achtete ich sie einzeln mehrmals, auf den Wipfeln von Lärchen sitzend. — 
Nach Mittheilung von Prof. Slovzoff erschien die Art 1877 bei Omsk am 
7. Mai und zog bis zum 16. durch. — Von der Ural-Expedition an der Petschora 
unterm 64. Grad nördl. Br. wahrgenommen. 



21 



164 



Otto Finsch. 



Saxicola isdbellina Eepp. — Dress., Severtz., 1. c. p. 335. 

Ein bei Lepsa erhaltenes Exemplar schien dieser Art anzugehören, die 
wahrscheinlich öfter beobachtet wurde, über die ich aber indess nicht mit 
völliger Sicherheit zu sprechen wage, da das einzige Exemplar leider verloren ging. 

Saxicola deserti Repp. — Dress., Severtz., 1. c. p. 337. 

Hinter Semipalatinsk und an den Arkatbergen (3. und 4. Mai) glaube 
ich diese Art beobachtet zu haben, da ich aber keine Exemplare erhielt, so 
wage ich sie nur mit Fragezeichen anzuführen. 



70. Saxicola morio Ehrb. — Blanf. und Dress., Mon. Saxicol. 
Proc. Z. S. 1874. p. 225. S. leucomela Gould (nec. Pall.), B. of Asia pt. XVII. 
(1865) pl. opt.; Jerd., B. of Ind. IL p. 131; Finsch, 1. c. p. 49 et 52. S. 
morio Dress., Severtz., 1. c. p. 336. ? Dromolaea picata Gould, B. of As. 
pt. XVII (hintere Figur 9). - Nr. 30, 31, 32 (F.) <jV Nr. 33, 34 (F.) 9 9 
Saikanberge bei Saissan (28. Mai). 

Fl. Schw. F. L. 

3" 4"'-3" 7'" 23—26'" 11— 12 Mm. 21— 23 Mm. Männchen und Weibchen. 

Diese so häufig mit S. leucomela Pallas (lugens Licht.) verwechselte Art 
unterscheidet sich von letzterer Art sehr leicht durch die schwarze oder rauch- 
schwärzliche (nicht weisse) Innenfahne der Schwingen, in welchem Charakter 
alle mir vorliegenden Exemplare übereinstimmen. Die unteren Schwanzdecken 
sind einfärbig weiss, ohne rostfarbenen Anflug wie bei leucomela. Obwohl alle 
von mir heimgebrachten Exemplare in der Brütezeit erlegt wurden, so zeigen 
sie doch kleine Verschiedenheiten. — Nr. 30 hat den Oberkopf, Nacken und 
Hinterhals fast rein weiss, nur hie und da mit graulichen Endspitzen, die da- 
durch entstehen, dass durch das Abreiben der Federn die grauliche Basis zum 
Vorschein kommt; bei Nr. 32 ist der ganze Hinterkopf graulich und bildet 
einen grossen grauen Fleck; bei Nr. 31 sind am Hinterkopfe rauchschwärzliche 
(nicht durch Abreiben entstandene) Endspitzen. Ob die Art im Winterkleide 
die weissen Partien des Kopfes grau erhält, wage ich nicht zu bestimmen, halte 
dies aber für wenig wahrscheinlich. Ebenso bezweifle ich, dass S. capistrata 
Gould (B. of Asia. pt. XVII pl.) mit morio zusammenfällt, da dieselbe, ausser 
durch den grauen Kopf (der möglicherweise Wintertracht von morio sein 
könnte), auch durch die lebhaft rostfarbenen unteren Schwanzdecken abweicht. 
Das Weiss der Schwanzfedern variirt sehr erheblich. Bei Nr. 32 ist die äusserste 
an der Aussenfahne 10'" breit schwarz geendet, die fünfte 7"'; die zwei mit- 
telsten Federn sind bis auf einen schmalen weissen Basistheil schwarz; bei 
Nr. 31 ist diese weisse Basis weiter ausgedehnt, das schwarze Ende der ersten 
Feder 7'", der fünften 4'" breit, und bei Nr. 30 ist das schwarze Ende noch 
beschränkter. — Da bei der so nahe verwandten S. leucomela Pall. beide Ge- 
schlechter ganz gleich gefärbt sind (nach Dress er), so ist die so grosse Ver- 
schiedenheit des Weibchens bei dieser Art merkwürdig. Dasselbe war überdies 
bisher unbekannt und ich gebe deshalb eine Beschreibung. — Nr. 34, Oberseite 



Reiße nach West-Sibirien im Jahre 1876. 



165 



rauchbraim, Flügel und Schwingen etwas dunkler, letztere an Innenfahne 
ebenfalls dunkel, und an Aussenfahne wie die Deckfedern mit stark abge- 
riebenen, daher kaum bemerkbaren helleren Aussensäumen; hintere Bürzelgegend 
und obere Schwanzdecken weiss; Kinn, Kehle und Oberbrust, wie Kopf und 
Hals rauchbraun, doch erscheint das Kinn etwas heller, wie der Stirnrand, mit 
weissfahlen Endspitzen; Mitte der Kehle dunkler, schwärzlich; Ohrgegend eben- 
falls dunkler rauchbraun, oberseits von einem verloschenen helleren Schläfen- 
strich begrenzt, aber alle diese lichteren und dunkleren Nüancirungen ver- 
schwimmen ineinander; untere Flügeldecken und Achseln schwarz. Unterseite 
von Unterbrust an weiss, an den Seiten bräunlich; Schwanzfedern (wie beim 
Männchen): die zwei mittelsten schwarz mit verdeckter weisser Basis, die 
übrigen weiss mit schwarzem Endrande; dieser auf der Aussenfahne der 
äussersten Feder 12'" breit, auf der fünften 5"'; auf der Innenfahne beschränkter. 
Schnabel und Beine schwarz; Iris tief braun. — Das Exemplar wurde beim 
Neste erlegt und hatte ein legereifes Ei bei sich. — Das andere Weibchen 
(Nr. 33), welches einen grossen Brutfleck zeigte, ähnelt im Ganzen dem be- 
schriebenen, aber Stirn und ein schmaler Augen- und Schläfenstrich sind rost- 
fahl, wie die Oberbrust; schwächer die unteren Seiten; der rauchbraune Ohr- 
fleck ist deutlicher und vorderseits vom Mundwinkel aus von einem rostfahlen 
verwaschenen Streife begrenzt. Alle Federn sind stark abgerieben und die 
Mauser beginnt bereits ; am rechten Flügel wachsen die hintersten Armschwingen 
neu hervor: braunschwarz, mit scharf begrenztem rostbraunem Aussen- und 
Endrande. — Ich halte es nicht für unwahrscheinlich, dass die hintere Figur 
auf Gould's Abbildung von Dromolaea picata, das Weibchen von morio dar- 
stellt, da aber nur Kopf und Hals sichtbar sind, so lässt sich nicht mit Sicherheit 
urtheilen. — Die am 29. April vor Semipalatinsk und am 4. Mai in den Felsen 
der Arcadberge beobachteten Trauersteinschmätzer gehörten ohne Zweifel zu 
dieser Art, welche ich am 28. Mai in den Felsen der Saikanberge bei Saissan 
erlegte. Die Art war hier häufig und brütete in den Felslöchern, denn ich 
schoss ein Weibchen mit legereifem Ei. Später beobachtete ich die Art noch 
in den Vorbergen des südlichen Altai vor Maitjerek (5. Juni), einer durch ihre 
wildzerrissenen Felsen sehr geeigneten Localität. — Im Bremer Museum 
Männchen und Weibchen aus der Kirgisensteppe. 

71. JPratincola rubetra L. — Dress., Severtz., 1. c. p. 337. 

Aus der Umgegend von Omsk in Slovzoffs Museum. — Bisher nicht 
aus Sibirien nachgewiesen. 

72. JPratincola rubicola L. — Pr. indiea Bl. 1847. Pr. rubicola 
Dress., Severtz., 1. c. p. 337; Seeb. und Br., 1. c. p. 215; ?Br., 1. c. p. 67 
(Tscherdin). Pr. Hemprichi Severtz., Dress., Uebersetz. 1. c. p. 338. Pr. rubicola 
Hemprichi Heugl., Orn. N. 0. Afr. I. p. 339. Pr. rubicola pt. Dress., B. of 
Eur. S. rubicola Finsch, 1. c. p. 50. 55. 57. — Nr. 38 (F.) cT Lepsa (14. Mai). 
Nr. 39 (F.) Sassyk Ala-Kul (9. Mai). Nr. 39 a (F.) J 1 Salair, Nordwest- 
Altai (30. Juni). Nr. 236 und 237 (W.) cT und £ Kuschowat, Ob (11. Juli). 



166 



Otto Finsch. 



Obwohl die aus Sibirien heimgebrachten Wiesensehmätzer, zu denen ich 
noch drei durch Prof. Slovzoff aus der Umgegend von Omsk erhaltene, zum 
Vergleiche habe, im Allgemeinen vollkommen mit deutschen Exemplaren der 
Pr. rubicola übereinstimmen, so zeigen sie doch bei genauer Vergleichung ge- 
wisse Unterschiede, die die unbedenkliche Vereinigung mit rubicola mir für 
jetzt noch nicht räthlich erscheinen lassen. Alle Sibirier zeigen, wenn auch 
verdeckt, in Ausdehnung variirend, und deutlicher an der Innenfahne ausge- 
sprochen, die Basis der Schwanzfedern weiss, während europäische davon auch 
keine Spur besitzen, sondern die Schwanzfedern bis zur Basis einfärbig schwarz 
haben. Das Weiss der Basis variirt von 8 Mm. (Nr. 38) bis 14 Mm. (Omsk; 
Nr. 236 12 Mm. cf von Ava 10 Mm.). Ausserdem haben deutsche Männchen, 
auch im abgeriebenen Sommerkleide, die oberen Schwanzdecken (Dresser 
schreibt sehr unrichtig „rump" = Bürzel) deutlich schwarz geendet, dagegen 
alle Sibirier dieselben weiss ; nur Nr. 39 (9. Mai) zeigt einige rostgelbe Spitzen- 
flecke, als noch nicht völlig abgestossene Eeste des Winterkleides. In letzterem 
(wovon mir ein Männchen von Ava vorliegt) sind die oberen Schwanzdecken 
lebhaft rostfarben mit verdeckter weisser Basis, aber ganz ohne schwarze 
Schaftstriche wie bei rubicola. Die Weibchen aus Sibirien (wovon Nr. 237 
am Nest geschossen wurde) haben wie europäische die Schwanzfedern bis zur 
Basis schwarz (also ganz ohne Weiss), aber die oberen Schwanzdecken sind 
weiss oder rostgelblich, ohne dunkle Schaftstreifen wie bei rubicola. Ausserdem 
fehlt ihnen der schwarze Fleck der Kehlmitte durchaus; Kinn und Kehle sind 
vielmehr rostweisslich ; der Kropf schön rostzimmtröthlich, Seiten heller. — In 
der Grösse ist kein Unterschied mit rubicola aus Westeuropa (Flügellänge 
2" 5"'— 2" 6'"). - Nr. 236 (11. Juli) hat das Zimmtroth der Kehle viel blasser 
als Nr. 39 (9. Mai), wo dasselbe besonders intensiv und ausgedehnt entwickelt 
ist; bei Nr. 39a (30. Juni) ist das Zimmtroth durch Abreiben sehr beschränkt 
und so blass als beim Weibchen (Nr. 237). — Nach obiger Darstellung war 
ich berechtigt, die indische Form (Pr. Hemprichi) einstweilen als besondere 
Art anzunehmen, bis mich das reiche Material in Lord Tweeddale's Sammlung 
(Yester, Schottland) eines Anderen belehrte. Die genaue Vergleichung grösserer 
Reihen überzeugte mich, dass die von mir angeführten Kennzeichen nicht 
stichhältig sind und ich sah mich genöthigt, Pr. Hemprichi als Art fallen zu 
lassen. So zeigte ein Exemplar (Männchen, Burmah, 23. December) auch keine 
Spur von Weiss an den Schwanzfedern ; Bürzel und obere Schwanzdecken hatten 
schwarze Mittelflecke und rostfarbene Enden. — Exemplare vom Jenissei (See- 
bohm's Samml.) stimmen ganz mit meinen vom Ob überein. — Der schwarz- 
kehlige Wiesenschmätzer zählt mit zu den Charaktervögeln der Steppe, nament- 
lich da, wo dieselbe mit Rhabarber oder dem hohen Dschidgras besetzt ist. 
Doch trafen wir ihn auch im Röhricht des Ala-Kul, auf dem Hochgebirge (bis 
über 5000' hoch), sowie in den Vorbergen des Altai, und am Ob nördlich bis 
Kuschowat. — Zuerst beobachtet: 6. Mai bei den Arcadbergen, 10. am Ala- 
Kul, dann auf der ganzen Tour bis Lepsa im Ala-Tau und zurück über den 
Tarbagatai bis Saissan (30.); 7. Juni am Marka-Kul, 12.-19. von Altaiske 



Reise nach West-Sibmen im Jahre 187f>. 



167 



Staniza herab bis Smeinogorsk und Kolywan- Schleiferei (hier neben der Feld- 
lerche der häufigste Steppenvogel), 29. hinter Barnaul, 30. von Salair bis 
Tomsk (auf dieser Tour ebenfalls ungemein häufig); 6. Juli von Samarova 
herab am Ob, 11. bei Kuschowat, wo Graf Waldburg Männchen und Weibchen 
erlegte. — Nach Prof. Slovzoff fing die Art 1877 bei Omsk zwischen dem 
19. und 23. Mai an zu nisten. In Indien ist sie bekanntlich nur Wintergast. 

73. Accentor atrogularis Brandt. — A. Huttoni Moore. A. atrogu- 
laris Gould, B. of. Asia. pt. X (1858) pl.; Dress., Severtz., 1876. p. 91. 

Ich erhielt ein Exemplar aus der Umgegend von Omsk durch Prof. 
Slovzoff. Dasselbe stimmt gut mit Gould's Abbildung überein, zeigt aber 
mehr Schwarz am Kopfe: die Zügel sind schwarz, wie Kopfseiten und Kehle; 
ein breiter heller Augenstreif entspringt oberhalb des Auges ; der helle Streif 
zwischen Kopfseiten und Kehle zieht sich nicht bis zur Basis des Unterschnabels. 

Fl. Schw. F. 

70 Mm. 57 Mm. 8 Mm. 

74. Favus major L. — Dress., Severtz., 1. c. 1876. p. 92. Parus 
fringillago Pall., p. 555 (Surgut). 

Die Kohlmeise beobachtete ich auf unserer Hinreise nach Sibirien etliche 
Male (22., 23. und 29. März) in den Wäldern zwischen Nischnej-Nowgorod und 
Kasan, hörte sie mit ziemlicher Sicherheit in dem grossen Walde vor Salair 
im Nordwest-Altai am 29. Juni, und beobachtete sie auf der Rückreise auf dem 
Ob unverkennbar und aus nächster Nähe in den Dörfern Suchorowskaja 
(21. September), Jelisarowskaja (24.) und Belo Gore (25.). — Aus der Um- 
gegend von Omsk (Mus. Slovzoff); sie erschien hier 1877 zuerst am 29. März 
(Slovzoff in litt.). 

75. Parus ater L. — Nr. 263 (W.) cT Niramskaja, Ob (18. September), 
(F.) Samarowa, Irtisch (1. October). 

In Grösse und Färbung ganz mit deutschen übereinstimmend, die unteren 
Seiten sind etwas lebhafter bräunlich, aber längst nicht so lebhaft weinbräunlich 
als auf der etwas übertriebenen Abbildung bei Dresser (83). 

Fl. • Schw. F. 

2" 2'" und 2" 3'" 19 und 20"' 8 Mm. Sibirien. 

2" 3'" 20'" 8-9 Mm. Deutschland. 

Nur an den oben angeführten Localitäten von uns beobachtet; an der 
letzteren von mir mehrere Exemplare, die in Gemeinschaft mit P. camschatcensis 
zogen. Scheint selten in Sibirien, da sie nur von Rad de und Dybowski 
aus Daurien und dem Amurlande erwähnt. Doch wird diese ostsibirische ater 
zu pekinensis David gehören (Taczanowski, Journ. f. Orn. 1874. p. 328). 

76. Parus camschatcensis Bp. — Bp., Consp. p. 230. P. borealis 
Midd. (nec Selys) p. 155. P. palustris var. borealis Schrenk, p. 307. P. palustris 
Radde. P. baikalensis Swinh., Ann. and Mag., Nat. Hist. 1871 (April), p. 257. 
P. kamschatkensis Seeb. und Br., 1. c. p. 218. (or. borealis) Finsch, 1. c. p. 64. 



168 



Otto Finsch. 



- Nr. 238 (W.) cT, Nr. 239 (W.) tf\ Nr. 240 (W.) Q alle Bolschoi Ustram, Ob 
(11. September). Nr. 241 (B.) cT Nerimowskaja (14. September). Nr. 242 (W.) <$ 
Narimskaja (16. September). Nr. 243 (W.) Scharkaiskaja (17. September). 
Nr. 244 (F.) <$ Nisamskaja (18. September). Nr. 245 (W.) $ Kondinsky (18. Sep- 
tember). Nr. 246 (F.) Q und Nr. 247 (F.) g Leumtschi (20. September). 

Die Exemplare befinden sich theilweise noch in der Mauser. Exemplare 
von Omsk durch Prof. Slovzoff erhalten, stimmen mit den obigen ganz über- 
ein. — Die Art unterscheidet sich von der zunächst verwandten P. borealis 
hauptsächlich dadurch, dass das Schwarz des Nackens sich breit weiter herab- 
zieht bis fast zur Mitte des Mantels; die Abbildungen beider Arten bei Dresser 
ergeben in dieser Beziehung kaum einen Unterschied, lassen dagegen das Grau 
des Eückens und an den Aussensäumen der Schwingen zu lebhaft erscheinen. Der 
Unterschied ist in der That ein nur geringer, doch zeigen alle meine Sibirier 
den Rücken entschieden heller und nicht so deutlich bräunlich als zwei borealis 
aus Norwegen. Der fahlbräunliche Anflug der unteren Seiten ist bei den Sibiriern 
so deutlich als bei borealis, nur zeigen letztere auf der Brust ein schmutziges 
Weiss, alle Sibirier ein reines Weiss. Die Ausdehnung des schwarzen Kehl- 
fleckes variirt bei camschatcensis sehr erheblich; bei Nr. 238 ist nur Kinn und 
die oberste Kehle schwarz, bei Nr. 239 die ganze mittlere Kehlpartie bis zum 
Kröpfe herab, doch haben die Federn der unteren Kehle schmale weisse End- 
säume, so dass das Schwarz mehr verdeckt wird. Die Grösse variirt ebenfalls 
erheblich : 

Fl. Schw. F. 

Nr. 242 kleinstes Exemplar . 2" 2"' 1" IV" 75 Mm. 

„ 243 grösstes „ . 2" 5'" 2" 3"' 90 „ 

2" 2"'— 2" 4'" 1" IV"— 2" V" 75 „ borealis. 

Der Schwanz ist also keineswegs länger bei P. camschatcensis, wie 
Dresser behauptet. P. brevirostris Dybowsky (Journ. f. Orn. 1872. p. 444) ist 
auf der Oberseite etwas heller, namentlich der Bürzel mehr isabellbräunlich, 
die Unterseite einfärbig schmutzigweiss, ohne dunklere Seiten und reinweisse 
Brust. Doch wage ich nach dem einzigen mir vorliegenden Exemplare aus 
Daurien nicht zu entscheiden, ob diese Unterschiede constante sind. Die Grösse 
ist gleich (Schnabel nur 65 Mm.), von P. palustris übrigens nur durch das 
breite sich bis in den Nacken herabziehende Schwarz des Oberkopfes unter- 
schieden. Exemplare der echten palustris von Peking hatte ich in London Ge- 
legenheit zu vergleichen. — Dr. Brehm beobachtete diese Art bereits am 
10. Juli bei Bolschoi Ustram, doch erhielten wir sie, wie überhaupt Meisen 
erst auf der Rückreise, und zwar zuerst am 4. September bei Sobje-Jurti. Von 
da an verzeichnet sie mein Tagebuch als fast tägliche Erscheinung bis zur 
Rückkehr nach Samarowa (30. September). Diese Meise ähnelt in Stimme und 
Betragen ganz unserer palustris. Wie diese zieht sie sich in kleinen Flügen 
von 10 zu 12 von Baum zu Baum, eifrig jeden Rindenspalt etc. nach Insecten u. s. w. 
untersuchend. Ihre Lockstimme klingt wie beider Sumpfmeise „zäh, zäh, zäh"; 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 1876. 



169 



doch hörte ich zuweilen auch eine kurze lieblich klingende Gesangnote von ihr. 
Bei Omsk erschien sie 1877 am 3. Mai (Slovzoff). 

77. Favus cinctus Bodd. — Br., 1. c. p. 65. P. cinctus Seeb. und Br., 
L c. p. 219; Finsch, 1. c. p. 64. — Nr. 248 (W.) $ (19. August). Wespugl, unter- 
halb Obdorsk. Nr. 249 (W.) cT, Nr. 250 (W.) tf, Nr. 251 (F.) <$ (alle 4. September). 
Obdorsk. Nr. 252 (W.) cT, Nr. 253 (W.) 9 (beide 5. September). Parawatski-Jurti, 
Ob. Nr. 254 (W.) cT (7. September), Nr. 255 (F.) $ und Nr. 258 (F«) Q (8. Sep- 
tember), alle drei Langiorskaja, Ob. Nr. 256 (F.) d\ Nr. 257 (W.) <j\ Nr. 259 
(W.) cT, Nr. 260 (W.) (alle 11. September). Bolschoi-Ustram, Ob. Nr. 261 (F.) 9 
(15. September). Novija. Nr. 262 (W.) (17. September). Scharkalskaja, 

Meine westsibirischen Exemplare stimmen mit einem lappländischen 
fast ganz überein, aber alle zeigen die Oberseite des Kopfes übereinstimmend 
aschgrau, heller und ohne den bräunlichen Ton wie bei cinctus; ausserdem 
zieht sich dieser aschgraue Ton gleichmässig breit bei allen Exemplaren tiefer, 
bis zur Mantelmitte herab, also ganz wie bei P. camschatcensis im Vergleiche 
mit borealis. Die Seiten sind lebhaft erdbräunlich, ganz wie bei lappländischen 
Exemplaren, aber die Brust ist reinweiss (ganz wie bei camschatcensis) nicht 
schmutzigweiss. Die ostsibirische P. obtectus Cab. (Journ. f. Orn. 1871. p. 237. 
= P. Sibiriens Midd. = P. grisescens Sharpe und Dress.) hat genau dieselbe 
Färbung der Oberseite des Kopfes und Nackens, aber einen helleren Rücken 
und nur blass erdfahl angeflogene untere Seiten, unterscheidet sich also in der- 
selben Weise wie P. brevirostris von P. camschatcensis. — Nach der obigen 
Vergleichung durfte ich zu der Ueberzeugung hinneigen, die lappländische P. 
cinctus sei eine von der sibirischen, von dieser wiederum P. obtectus, eine ver- 
schiedene Art. Die sorgfältige Untersuchung des reichen Materials in See- 
bohm's Sammlung hat mich indess vollständig davon überzeugt, dass alle 
drei Arten nur Eine bilden und sich nicht einmal als locale Rassen ausein- 
anderhalten lassen. Das Braun und Grau des Rückens variirt ebenso wie der 
bräunliche Ton der Seiten, so dass von der einen Färbungsstufe zur anderen 
alle Uebergänge vertreten sind. Die Ausdehnung des schwarzen Kehlfleckes 
variirt in Ausdehnung wie bei P. camschatcensis; bei Nr. 255 (Männchen) ist 
nur Kinn und Oberkehle schwarz, bei Nr. 257 (Männchen) bis fast zum Kröpfe 
herab, auf der Unterkehle mit weissen Endsäumen. 

F. 

80 Mm. 

80 „ 

80 „ obtectus. 
80 „ cinctus. Lappland. 

Zwischen diesen Extremen alle Uebergänge, unabhängig vom Geschlecht. 
Geschlechter ganz gleich. Die Exemplare befinden sich theilweise noch in 
Mauser. — Diese Meise war minder zahlreich als die vorhergehende, mit der 
sie zuweilen vereint angetroffen wurde, aber immerhin eine häufige Erscheinung 

Z. B. Ges. B. XXIX. Abb.. 22 





Fl. 


Schw. 


Nr. 257 kleinstes Exemplar . 


. 2" 3"' 


2" V" 


„ 254 grösstes „ 


. 2" 8"' 


2" 5'" 




2" 7 W 


2" 5'" 




2" 6'" 


2" 4'" 



170 



Otto Finsch. 



auf der Rückfahrt längs dem Ob. Sie wurde zuerst am 19. August bei Wespugl 
unterhalb Obdorsk, dann vom 4. September (Sobje-Jurti) bis 17. (Scharkaiskaja) 
fast täglich beobachtet. — Ihre Stimme hat ebenfalls viel palustrisartiges, an 
welche Art auch ihr ganzes Wesen erinnert. 

78. Favus cyanus Pall. — Dress., Severtz., 1. c. 1876. p. 93; 
Finsch, 1. c. p. 49. — Nr. 39b tf. Omsk. 

Das oben angeführte Exemplar verdanke ich der Güte von Herrn Prof. 
Slovzoff; es war das dritte, welches er in neun Jahren erhalten hatte. Indess 
scheint sie bei Omsk nicht selten, wenigstens auf dem Zuge. So erschien sie 
1877, wie mir der genannte Beobachter schreibt, zuerst am 17. April hie und 
da einzeln, am 2. Mai in ganzen Flügen, am 8. Mai zeigten sich nur noch 
einzelne und am 10. waren alle wieder verschwunden. — Graf Waldburg 
beobachtete die Art im October wiederholt bei Tjumen an der Tura. 

79. Calamophilus Marmicus L. — Aegithalus biarmicus et sibiricus 
(Bp.), Gray, Handl. I. p. 237. Nr. 3428, 3429. Panurus biarmicus Dress., Severtz., 
1. c. 1876. p. 94; Finsch, 1. c. p. 53. - Nr. 40, 41, 42, 44 (F.) cf tf. Nr. 43 
und 45 (F.) QQ. Nor Saissan (2. Juni). 

Die von mir am Nor Saissan, nahe der Mündung des schwarzen (Kara-) 
Irtisch (2. Juni) gesammelte Reihe zeigt zwar durchgehends einen blasseren Ton 
in allen Färbungstinten, allein darauf lässt sich umso weniger eine specifische 
Verschiedenheit begründen, als alle Exemplare ein mehr oder minder stark ab- 
geriebenes Federkleid tragen. So erscheinen die zwei mittelsten Schwanzfedern 
bei den Männchen fahlisabell, bei den Weibchen fast weiss. In der Grösse 
stimmen die Exemplare ebenfalls überein, so dass an der Artzusammengehörigkeit 
der sibirischen mit der westeuropäischen Bartmeise nicht zu zweifeln ist. 

Fl. Mitt. Schw. F. L. 

2" S"'-2" 4"' 3"-3" 2'" 3</ 2 -ca. 4"' 9"' $ 
Im Leben: Schnabel beim cf hochorange, beim Q Oberschnabel dunkel- 
hornbraun, der untere gelb; Iris beim stroh- bis schwefelgelb, beim Q 
dunkelbraun. — Severtzoff und Przewalsky haben zuerst den Nachweis 
des Vorkommens der Bartmeise in Sibirien geliefert, denn selbst nach Sharpe 
und Dress er bezeichnen dieselbe als eine ausschliessend Europa angehörige 
Art. Zwar führt Gray einen Ae. sibiricus Bp. mit „Kamschatka" auf, allein 
es hat mir ebensowenig als Dresser gelingen wollen, die Stelle zu finden, wo 
Bonaparte diese Art beschrieben haben soll. Das Citat ist also werthlos. 
Eine junge Bartmeise im Bremer Museum trägt die Etiquettbezeichnung „Irtisch", 
allein ohne Vermerk des Sammlers. — Wir begegneten der Bartmeise nur am 
Nor Saissan, dem herrlichen See zwischen dem Saur- und Altaigebirge. Ich 
hörte ihren zirpenden Lockruf zuerst in den dichten Rohrwaldungen und ent- 
deckte bald darauf die lieblichen Vögel, welche in kleinen Flügen das Röhricht 
durchstreiften, und mit zwergmausartiger Behendigkeit an den Rohrstengeln 
umherkletterten. Trotz der Schwierigkeit, die geschossenen Vögel in dem un- 
durchdringlichen Dickicht zu finden, gelang es mir doch, sechs Exemplare zu 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 1876. 



171 



erbeuten. Auffallend war, dass auch die Männchen sämmtlich einen kahlen 
Brutfleck am Bauche zeigten. Die Magen der erlegten enthielten vorzugsweise 
Rohrsamen. 

80. Motacilla alba L. — Dress., Severtz., 1. c. 1876. p. 176; Seeb» 
und Br., 1. c. p. 125; Br., 1. c. p. 66. Mot. dlbeola Pall., p. 506 (Irtisch). — 
Nr. 46 (F.) cf in vollem Hochzeitskleide (15. April). Jalutorowsk. Nr. 261 (F.) 
cf in stark abgeriebenem Sommerkleide (7. Juli). Leumtschi, Ob. Nr. 262 (F.) 
9 im Sommerkleide (19. Juli), Nr. 263, cf volles Sommerkleid (4. August), 
Nr. 264 9 jung, im Nestkleide (7. August), alle von der Schtschutschja. Nr. 265 
(F.) cf jung, im Wechsel vom Nest- zum ersten Herbstkleide (18. August). Jotloch. 
Nr. 266 (F.) cf jung, desgleichen (17. August). Chalispagor. Nr. 267 (F.) cf • 
Uebergang zum Winterkleide (4. September). Sobje Jurti. Nr. 268 (F.), cf j UQ g> 
wie Nr. 265 (4. September). Obdorsk. Nr. 269 (F.) cf jung., erstes Kleid 
(4. September). Sobje Jurti. Nr. 270 (W.) cf m Mauser und Uebergang zum 
Winterkleide (10. September). Sarai Gor. 

Nr. 46 (15. April) trägt das volle Frühlingskleid (wie Naumann, t. 86. 
f. 1) und stimmt durchaus mit deutschen Exemplaren überein ; Nr. 263 
(4. August) ebenfalls, fäügt aber an zu mausern; die äusserste Schwanzfeder 
ist an Basis und auf Mitte schwarz gerandet; Nr. 261 (7. Juli) stark abge- 
rieben, daher an Kinn und Kehle mit weissen Federn gemischt; ebenso das 
Weibchen Nr. 262, welches den Scheitel grau zeigt, nur hie und da mit schwärz- 
lichen Spitzen; Nr. 267 und 270 sind stark in Mauser und haben fast das 
Winterkleid angelegt: das Schwarz des Scheitels stark mit grauen Spitzen. — 
Die weisse Bachstelze gehörte, mit Ausnahme der Hochgebirgsdistricte, zu den 
am häufigsten beobachteten Vögeln des Reisegebietes. Wir trafen sie zuerst 
am 13. April in Tjume'n, wo sie sich bei 8 Grad Kälte munter auf dem Eise 
der Tura herumtrieb. Auf der weiteren Reise wurde sie bis in die Salzsteppe 
am Ala-Kul (9. Mai) wiederholt gesehen, fehlte aber dann auf der Tour nach 
dem Ala-Tau und wurde zuerst wieder am 18. Mai am Steppenflusse Tendjek 
nördlich vom Ala-Kul beobachtet. Auf der Reise über den Altai begegneten 
wir ihr nicht, sondern nur M. personata, und trafen sie zuerst wieder bei 
Belo Glasowa (drei Stationen hinter der Kolywan- Schleiferei), und zwar hier mit 
personata zusammen (21. Juni). Bis Barnaul und über Salair nach Tomsk 
war sie ebenfalls häufig, ganz besonders aber längs dem Ob und zurück, von 
wo sie mein Tagebuch (im Juli, August bis zum 25. September) fast täglich 
verzeichnet. Nördlich trafen wir sie selbst an der baumlosen Podarata; nur 
auf der eigentlichen Tundra fehlte sie. — Am 26. und 27. Juli traf ich an der 
mittleren Schtschutschja flügge Junge; vom 15. August bis 8. September be- 
gegneten wir ihr allenthalben in kleinen Flügen und sie war längs den weiden- 
besetzten Ufern des Ob der häufigste Vogel. Am 8. September fand ich bei 
Kuschowat ziehende Schaaren, dann wurde sie sparsamer, bis sie am 23. bei 
Suchorowskaja abermals in Flügen erschien. Am 25. beobachtete ich bei Belo 
Gore die letzten weissen Bachstelzen. — In Omsk erschien sie 1877 zuerst am 
29. April (Prof. Slovzoff in litt.). — Die Ural-Expedition erhielt sie bei 

22* 



172 



Otto Finsch. 



Bercosoff und am Flusse Tschugor (63° nördl. Br.). Seebohm traf sie an der 
Petschora zuerst am 12. Mai, aber nicht nördlich vom Alexierka. 

81. Motacilla personata Gould. — B. of Asia pt. XIII (1861) pl. 
(opt.); Dress., Severtz., 1. c. 1876. p. 177. — Nr. 47 (F.) cf, Nr. 48 (F.) 9 
(beide 14. Mai). Lepsa. Nr. 49 (F.) $ (18. Mai). Kysil Aschdschifluss. Nr. 50 
(F.) <j\ Nr. 50 a (F.) $ (beide 1. Juni). Kara-Irtisch. 

Fl. Schw. 

3« 3<"_3" 6'" 3" 4"' Männchen. 
3" 2"' 3" 3'" Weibchen. 

Die heimgebrachten Exemplare stimmen sehr gut mit Gould's Abbildung 
überein und tragen das volle, hie und da, namentlich an Schwingen und Schwanz, 
bereits etwas abgestossene Brüte- oder Frühlingskleid. Stirn und Vorderkopf 
sind bei allen weiss; das Weiss bedeckt mit die Zügel, begrenzt von hier aus 
schmal den unteren Augenrand und zieht sich als breiter Streif hinter dem 
Auge bis auf die Schläfe fort; der übrige Kopf, Hals und die Vorderseite bis 
zur Brust sind tief und glänzend schwarz; Nr. 47 zeigt auch auf Mantel und 
Schultern schmale schwarze Endspitzen, so dass man annehmen darf, dass 
diese Theile ebenfalls schwarz waren, wie dies auch schon v. Pelz ein anführt 
(Journ. f. Orn. 1868. p. 29). Das Weibchen ist ganz wie das Männchen gefärbt, 
hat aber den Kopf nur bis in den Nacken schwarz ; den Hinterhals aber dunkel- 
grau wie die übrige Oberseite. Die Decken der Armschwingen und die grössten 
oberen Flügeldecken sind weiss, so dass ein grosses ausgedehntes weisses Flügel- 
feld dadurch entsteht. — Der Anblick dieser schönen Bachstelze überraschte 
mich zuerst am 13. Mai in Lepsa, wo sie wie unsere weisse in den Strassen 
und auf den Häusern ihr Wesen trieb. In der Folge beobachteten wir sie auf 
der Tour bis Saissan und über den Altai ununterbrochen anstatt M. alba, welche 
wir nur wieder am Tendjekflusse antrafen. Sie bekundete ganz das Wesen und 
Betragen dieser letzteren Art und scheint dieselbe hauptsächlich in den Gebirgs- 
gegenden zu vertreten, sowohl im Ala-Tau, als am Süd- und Nordabhange des 
Altai. Ich lasse die Reihenfolge der Localitäten, an welchen ich sie beobachtete, 
folgen: 18. Mai, Steppenfluss Dschindschilli ; 23., Hochsteppe des Tarbagatai 
(über 5000' hoch) ; 25., Passhöhe Burgustai im Tarbagatai; 27., Saissan; 1. Juni, 
am Kara Irtisch; 5., Maitjerek, Südaltai (ca. 4000' hoch); 6.-9., allenthalben 
im Hochaltai, über den Marka-Kul und das Tau-Teke'gebirge bis Altaiske 
Staniza herab (12.). Von hier in den Thälern des Nordaltai über Serianowsk 
und Smeinogorsk bis Kolywan- Schleiferei herab; hier fand ich sie am 21. mit 
Füttern der Jungen beschäftigt. Drei Stationen hinter Kolywan bei Belo Gla- 
sowa (21. Juni) traf ich sie seit dem Tentekflusse zuerst wieder mit M. alba 
zusammen und beobachtete sie noch eine Station weiter am Alai zuletzt. 

82. Motacilla flava L. — Finsch, Vög. Ost.-Afr. p. 268. — Mot. 
flaveöla Pall., p. 501 (ostiak. Wostewürtschik). 

Ich habe meine Ansichten über diese Art und ihre Rassen oder Sub- 
species bereits (1. c.) eingehend erörtert, und nachgewiesen, dass die letzteren, 
so sehr sie auch in den ausgeprägten Extremformen von einander abweichen 



Reine nach West-Sibirien im Jahre 1870. 



und anscheinend ausgezeichnete Arten bilden, dennoch nicht scharf auseinander 
zu halten sind, da sich, ganz abgesehen davon, dass Weibchen und junge Vögel 
der verschiedenen sogenannten Arten, absolut nicht zu unterscheiden sind, alle 
möglichen Uebergänge nachweisen lassen. Meine seither im Freien gemachten 
Beobachtungen in Lappland, sowie im Süden und Norden Sibiriens haben mir 
nur neue Beweise der Richtigkeit meiner Ansichten geliefert und ich kann 
daher nur mit dem übereinstimmen, was Blasius auf Grund seiner reichen 
Erfahrungen (Naum., XIII. p. 121 und 122) sagt. — Die von mir heimge- 
brachten Exemplare gehören zu folgenden Varietäten, Subspecies oder Arten: 

a) M. flava L. — Dress., Severtz., 1. c. p. 178. M. cinereocapillo 
Pinsch, 1. c. p. 50, 53 et 57. — Nr. 58 (F.) (6. Mai). Arkatberge. Nr. 59 
(W.) (1. Juni). Kara Irtisch. Nr. 274 a (F.) $ jung. (4. September). Sobje- 
Jurti, Ob. 

Nr. 59 stimmt in der grauen Kopffärbung ganz mit deutschen Exem- 
plaren überein und mit der Abbildung bei Dress er (Fig. 1); es zeigt, da die 
Spitzen der Federn abgestossen, keine Spur mehr von grünlichen Spitzen, welche 
bei Nr. 58 noch vorhanden; letzteres zeigt den Kopf viel heller grau, einen 
breiten weissen Augen- und Schläfenstreif und nicht nur Kinn, sondern auch 
die Kopfseiten bis auf die Ohrgegend weiss. Um consequent zu sein, müsste 
man auch dies Exemplar für eine besondere Art erklären, wie dies Chr. L. Brehm 
gethan (fasciatus). Der junge Vogel (4. September) ist in der Mauser begriffen 
und trägt das frische Herbstkleid, ganz wie deutsche Exemplare. Auf dem 
Vorderkopfe erscheinen graue Federn, von demselben Färbungstone als bei alten 
deutschen Exemplaren (nicht so dunkel grau als bei der sogenannten borealis). 

b) M. flava viridis Gml. — - cinereocapilla Savi, flava var. borealis 
Sund., flava (borealis) Finsch, 1. c. p. 62. M. viridis Dress., Severtz., 1. c. 
p. 178; Seeb. und Bi\, 1. c. p. 122. — Nr. 271 (F.) im Brütekleid (8. Juli). 
Tschematschewskaja, Ob. Nr. 272 (F.) cT im Brütekleid (16. Juli), unterhalb 
Obdorsk. Nr. 56 (F.) im Brütekleid (9. Mai). Sassyk Ala-Kul. 

Der Kopf ist dunkler grau als bei Nr. 58 und nur bei Nr. 271 zeigt sich 
ein unbedeutender heller Schläfenstrich, sowie Weiss am Kinn. Der graue 
Färbungston des Kopfes stimmt genau überein mit deutschen Exemplaren (aus 
Pommern), einem solchen aus Italien (hier Kinn und Oberkehle weiss wie bei 
flava Nr. 59), aus Daurien und solchen, welche ich Anfang Juli am Tanaelf in 
Lappland sammelte. Das eine der letzteren hat den Oberkopf mit deutlichen 
grünen Spitzen ganz wie ein deutsches Exemplar und ein solches von Java; 
letzteres steht im Färbungstone des Grau zwischen der echten flava und cine- 
reocapilla; es hat einen weissen Schläfenstrich. Nr. 56 (9. Mai, in voller Brüte- 
zeit, Ala-Kul) hält die Mitte zwischen cinereocapilla (viridis) und melano- 
cephala: Kopfseiten und Schläfe sind schwarz, der übrige Oberkopf schiefergrau, 
ins Schwärzlichgraue (ganz wie ein deutsches Männchen), hie und da noch mit 
feinen grünen Endspitzen. Ganz ebenso ist ein Männchen aus Lappland (Tanaelf, 
3. Juli), aber der Kopf erscheint noch mehr ins Schwarze, so dass das Exemplar 
mehr zur echten melanocephdla hinneigt als Nr. 56. 



174 



Otto Finsch. 



Var. M. flava melanocephala Licht. — Dress., Severtz., 1. c. 
p. 178; Finsch, 1. c. p. 50. — Nr. 52 (F.) $ in Brütezeit (8. Mai). Steppe bei 
Karakol, Nr. (B.) <$ in Brütezeit (9. Mai), Nr. 55 (F.) in Brütezeit 
(beide 9. Mai). Sassyk Ala-Kul. 

Durchaus schwarzköpfig wie die Abbildung bei Dress er und Naumann 
(Taf. 374. Fig. 1), aber bei Nr. 55 sind Kinn und Kehle weiss, bei Nr. 53 zieht 
sich das Schwarz nicht bis in den Nacken, der mit einzelnen grauen Federn 
(der echten flava-Foxm) gemischt ist. 

Var. M. flava Kaleniczenhii Krynicki. — melanocephala pt. Dress., 
B. of Eur. — Nr. 54. (F.) in Brütezeit. Karakol (8. Mai). 

In ganz frischem Gefieder; schwarzköpfig wie die echte melanocephala, 
aber mit breitem weissem Zügel- und Schläfenstreif. — Die gelbköpfige Form 
(M. flava Bayi) habe ich niemals in Sibirien angetroffen. 

Aus den angeführten Exemplaren erhellt schon zur Genüge, dass sich 
die verschiedenen Formen auch nicht geographisch streng auseinander halten 
lassen und es ist daher falsch, wenn Dresser behauptet, jede Form oder Art 
habe ihre eigenthümlichen Brütezonen. Im Allgemeinen muss ich sagen, dass 
in den Steppengebieten des Südens die schwarzköpfige Form vorherrscht. Sie 
macht sich durch ihre prägnante Färbung am meisten bemerklich. Wir trafen 
sie in der Steppe, namentlich wo dieselbe mit dem hohen Dschidgras bestanden 
ist, sowie in den mit Rohr bewachsenen Seen und Salztümpeln überall häufig 
und sie war mit Pratincola rubicola die gewöhnlichste Erscheinung. An 
manchen Stellen (so beim Aul Moanas, in den Rohrwäldern am Flusse Tentek, 
beim Dorfe Udsch-aral) schienen nur melanocephala vorzuherrschen, an anderen 
fanden sie sich (z. B. bei Karakol, in der Steppe südlich von Sergiopol, sowie 
am Ala-Kul und am Kara-Irtisch) sowohl mit Kaleniczenki, der echten flava, 
und einer noch heller grauköpfigen Form (fasciata) zusammen, und alle diese 
Formen nisteten oft in unmittelbarer Nähe. Letztere machte sich durch ihre 
helle Kopffärbung ebenfalls schon von Weitem sehr bemerklich. Wir wurden 
auf sie schon am 6. Mai bei den Arkatbergen aufmerksam, wo sie vorzuherrschen 
schien, ebenso wie später in der Steppe am Nordrande des Saissan-Nor, beim 
Flüsschen Kara-Birnk. Doch trafen wir sie am Kara-Irtisch, am Saissan-Nor 
mit melanocephala zusammen, sowie später zwischen Kolywan-Schleiferei und 
Barnaul. Auf der Hochsteppe des Tarbagatai (4000—5000' hoch) schien wieder 
melanocephala allein vorhanden, war aber im Ganzen spärlicher. Auf der 
Gebirgstour über den Altai verzeichnet mein Tagebuch keine gelben Bachstelzen, 
doch dürfte ich sie hier vielleicht übersehen haben. Von Altaiske Staniza 
herab bis Barnaul und Omsk gab es aber wieder gelbe Bachstelzen und zwar 
meist grauköpfige; doch beobachtete ich zwischen Barnaul und Omsk auch noch 
schwarzköpfige. Längs dem Ob war die grauköpfige Form vorherrschend, und 
zwar meist die dunklere (borealis) ; doch gibt es darunter, wie erwähnt, solche, 
die sich von der typischen flava nicht unterscheiden lassen, während andere 
wieder fast schwarzköpfig erscheinen. Die gelbe Bachstelze fand sich am Ob 
überall bis unterhalb Obdorsk, soweit Weidendickichte reichen und lebt oft in 



Reise Dach West-Sibirien im Jahre 1876. 



175 



unmittelbarer Nähe von citreola. Doch geht sie nicht so hoch nördlich, als 
letztere und ich erinnere mich nicht mehr, sie an der Schtschutschja getroffen 
zu haben, sondern nur die letztere Art. Auf der Rückreise wurde die Art von 
unterhalb Obdorsk (18. August bis 14. September) wiederholt getroffen. Die 
Vögel mauserten stark und schienen zum Theile auf dem Zuge begriffen. 

83. Motacilla citreola Pall. — Naum., XIII. p. 117. t. 377. Budytes 
citreolus Seeb. und Br., 1. c. p. 123; Dress., Severtz., 1. c. p. 178. B. citreo- 
loides Hodgs., Gould, B. of. As. pt. XVII. 1865. (Prachtkleid); Dress., Severtz., 
L c. p. 178; Finsch, 1. c. p. 54. 58. 62. Mot. citrinella Pall., p. 503 („vom 
Student im Norden beobachtet"). — Nr. 60 (F.) 9 alt, in Brütezeit (6. Juni), 
Nr. 61 (W.) Q alt, in Brütezeit (8. Juni). Beide am Marka-Kul, chinesischer Hoch- 
altai. Nr. 275 (F.) Q alt (12. Juli). Tachty. Nr. 276 (B.) alt, Nr. 277 
(B.) ö\ Nr. 278 (B.) ^ (alle 18. Juli). Janburi. Nr. 279 (F.) d\ Nr. 280 (F.) 9, 
Nr. 281 (B.) 9 (alle 19. Juli), Nr. 282 (B.) (21. Juli), alle Schtschutschja. 
Nr. 283 (F.) <$ jun. Herbstkleid (18. August). Jeslow. Nr. 284 (W.) jun. 
(17. August). Chalispagor. Nr. 285 (F.) (18. August). Jeslow. Nr. 273 (B.) jung, 
(17. August). Chalispagor. Nr. 274 (F.) Jugendkleid (18. August). Jotloch. 

Meine Beobachtungen in Sibirien, sowie die vorliegende Reihe ergaben 
das Folgende : M. citreoloides Hodgs. *) ist keine verschiedene Rasse oder Art, 
wie noch Dresser vermuthet, sondern das alte Männchen im vollen Pracht- 
kleide. So war dasjenige Exemplar gefärbt, welches wir am 26. April in der 
Steppe sahen, erlegten, aber nicht erlangten, sowie die am Marka-Kul (Anfang 
Juni) erhaltenen Männchen. Als wir gegen Ende Juli die Citronenbachstelze 
im Norden wieder trafen, fanden wir sie schon in mehr oder minder stark ab- 
getragenem Gefieder. Durch das Abstossen der schwarzen Endkanten der Federn 
der Oberseite erscheint dann dieselbe mehr oder minder dunkelgrau, und das 
tiefe Hochgelb des Kopfes und der Unterseite wird sehr hell, bis weisslich. So 
zeigt Nr. 282 noch fast die ganze Oberseite schwarz, aber mit vielen schiefer- 
grauen (abgeriebenen) Federn, so dass der Bürzel bereits schiefergrau erscheint. 
Die übrigen Männchen haben nur den Nacken mehr oder minder breit schwarz, 
den übrigen Rücken aber schiefergrau (nicht so hell als auf Dress er's Ab- 
bildung und von Grün wie bei Naumann, Taf. 377, Fig. 3 zeigt keines auch 
nur eine Spur). Durch das Abnützen der Federn verschwinden auch die 
schwarzen Brustseiten und werden schwärzlichgrau. Das Gelb der Unterseite 
zieht ins Weissliche oder ist mit Weiss gemischt, durch das Hervortreten der 
weissen Federbasis, so dass z. B. Nr. 278 den Scheitel und Hinterkopf fast 
weiss zeigt, mit schwärzlichen durch das Hervortreten des Basistheiles der 
Federn gebildeten Flecken. Die alten Weibchen stimmen ganz mit der Be- 
schreibung und Abbildung bei Naumann überein (Taf. 377, Fig. 2), sowie mit 
der Abbildung des Weibchens von citreoloides bei Gould. Sie haben nur 
Stirn und Vorderkopf gelb, den übrigen Oberkopf olivenbräunlichgrün, graue 



*) Hume: „Lahore to Yarkand" p. 224 „considerabel larger, has a much longer bill" aber 
ohne vergleichende Maaese ! 



176 



Otto Finsch. 



Brustseiten und Oberseite und ihnen fehlt das Schwarz im Nacken. Bei Nr. 281 
ist der Oberkopf schwarz und gelb gestrichelt, durch das Abstossen der gelben 
Endsäume, wodurch die dunkle Basis hervortritt. Das Gelb der Unterseite ist 
bei allen Weibchen so lebhaft als bei den Männchen. — Im ersten Jugend- 
kleide (nicht bei Dresser beschrieben) ähneln die Vögel auffallend denen 
von M. flava. Die Oberseite ist olivenrostbräunlich mit schwärzlichen End- 
spitzen; die Mitte des Oberkopfes bildet einen olivenbräunlichen Längsstreif, 
der jederseits von einem schwarzen breiten Längsstreif begrenzt wird. Zügel 
und Schläfen strich rostweisslich wie die übrige Unterseite (inclusive untere 
Schwanzdecken), die Federn des undeutlichen Bartstreifes sowie auf Kehle mit 
schwärzlichen Endsäumen unregelmässig gefleckt; die weissen Aussen- und End- 
säume der Schwingen und Deckfedern schmäler als am alten Vogel und fahl- 
gelblich getrübt. Beine und Unterschnabel hellbräunlich. So ist Nr. 274 gefärbt ; 
Nr. 285 auf der Oberseite bereits schiefergrau mit bräunlichen Endspitzen; 
untere Schwanzdecken weiss; Nr. 284 (mehr in der Mauser) hat den Rücken 
bereits aschfarben, nur noch Spuren der dunklen Scheitelstreifen; Stirn und 
Vorderkopf, wie Kopfseiten sind schmutzig blassgelblich; Kinn, Kehle und 
Kropf rostfahlweisslich, die übrige Unterseite weiss mit grauen Seiten. Keines 
meiner Jugendexemplare entspricht der Abbildung bei Naumann (Taf. 377, 
Fig. 4). Im frisch vermauserten ersten Herbstkleide (wie Nr. 283), welches auf 
das beschriebene erste Jugendkleid folgt, ist die Oberseite grau mit sehr un- 
deutlichen und blassen bräunlichen Federspitzen ; Zügel- und Augenstreif, sowie 
die Unterseite sind blassgelb, auf der Kehle rostgelb angehaucht. Dieses Kleid 
stellt die rechte Figur auf Dresser's Tafel dar. Von M. flava unterscheidet 
sich die Art in allen Kleidern durch den Mangel des olivengrünlichen Scheines 
auf Bürzel; auch sind die Flügelquerbinden etwas breiter, deutlicher und heller. 
Immerhin ist eine Verwechslung beider Arten im ersten Jugendkleide leicht 
möglich, denn auch die Grössenunterschiede sind nicht so bedeutend, um darauf 
hin beide Arten unter allen Umständen unterscheiden zu können. Im Allge- 
meinen ist citreola allerdings grösser, mit längeren Flügeln und namentlich 
längerem Nagel der Hinterzehe, aber die Maasse beider Arten gehen ineinander 
über und bei manchen (auch alten) citreola ist der Nagel der Hinterzehe so 
kurz oder kürzer als bei flava. 

Fl. Nag. der Hinterz. Lauf 

3" 2"'— 3" 4'" 85 (Nr. 276) bis 120 Mm. 25—26 Mm. Männchen. 

2" 11"'— 3" V" 80—90 Mm. 23-24 Mm. Weibchen. 

Am 26. April wurden wir durch den Anblick dieser herrlichen Bachstelze 
zuerst erfreut auf dem Wege zwischen Omsk und Semipalatinsk. Das im pracht- 
vollsten Hochgelb prangende Männchen, mit schwarzem Rücken sass nahe am 
Wege und reizte so zur Habhaftwerdung, dass wir die flüchtige Tarantass halten 
Hessen. Es gelang Dr. Brehm auch, den Vogel zu erlegen, aber der heftig 
dahinbrausende Buran entführte ihm denselben wie ein Blatt Papier. Dies eine 
Exemplar blieb das einzige, welches wir in der Steppe trafen und überhaupt 
kam uns nicht ein zweites so schön gefärbtes mehr vor. In den sumpfigen 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 1870. 



177 



mit Birken bestandenen Niederungen am Marka-Kul (an 5000' hoch) im chine- 
sischen Altai, trafen wir die Citronenbachstelze (9. Juni) wieder, und zwar im 
vollen Brutgeschäft. Das Weibchen Nr. 61 hatte einen grossen Brutfleck, Nr. 60 
führte ein legereifes Ei bei sich. Die Art begegnete uns nun erst wieder 
jenseits des Polarkreises, abwärts von Obdorsk und gehörte längs der Reise auf 
dem Hechtflusse, sowie auf der Rückreise nach Obdorsk zu den häufigen Er- 
scheinungen; aber die Männchen sahen jetzt viel weniger schön aus und hatten 
das prachtvoll gelbe Kleid mit einem blassen, fast weisslichen vertauscht. Am 
12. Juli trafen wir die ersten bei Tachty, am 17. bei Prutotschka, 18. bei Male 
Obske Peske, alle drei Stationen am kleinen Ob gelegen. Bei dem Platze 
Janburri (18. Juli) war sie häufig, längs der Schtschutschja ebenfalls, und zwar 
bis oberhalb der Gabelung (23.). Auf der Tundra trafen wir sie nur zweimal, 
und zwar am 7. August an einem mit Schilf bestandenen See und am 9. an 
dem grösseren See Janboto. Auf der Rückreise begegnete sie uns zuerst wieder 
am 15. am kleinen Ob bei Haljutur, bei Halispagor (16.) und Jotloch (18.), 
und zwar junge und alte mausernde Vögel. — Die Citronenbachstelze liebt 
sumpfiges mit Weidendickichten bestandenes Terrain und ist ein wenig scheuer 
Vogel. Da wo man eine trifft darf man sicher auf mehrere schliessen, welche 
innerhalb eines gewissen Umkreises ihr Standquartier haben. Dann fehlt sie 
wiederum oft auf weite Strecken, obwohl von gleicher Beschaffenheit, ganz. — 
Durch Prof. Slovzoff aus der Umgegend von Omsk eingesandt, wo die Art 
1877 zuerst am 16. Mai erschien. — Seebohm fand die Art an der Petschora 
am 3. Juni bei Habariki; sie war bei Alexievka ungemein häufig; auf der 
Tundra weniger. Am 19. Juni erhielt er Eier, am 20. Juli flugbare Junge. 

84. Motacilla melanope Pall. — Dress., Severtz., 1. c. p. 177. 
M. boarula Vieill. M. sulphurea Bechst. — Nr. 51. (B.) cT De i Lepsa (16. Mai). 

Durchaus mit deutschen (vom Harz) übereinstimmend. — Die Gebirgs- 
bachstelze trafen wir sowohl in den Steppengebieten des Südens, als auch 
nördlich am Ob. Ich verzeichnete sie vom Ala-Kul (10. Mai); bei Lepsa (16.); 
Saissan, an dem schönen Gebirgsflusse Bulenka (27.); im Hochaltai (ca. 6000' 
hoch, 7. Juni); vor dem Marka-Kul, vor Samarowa (6. Juli) und bei Halispagor 
am Ob (16. August). — Bei Omsk (Mus. Slovzoff). — Die Art ist also keines- 
wegs ausschliessend Gebirgsvogel. 

85. Anthus trivialis L. — A. arboreus Br., 1. c. p. 66. A. trivialis 
Seeb. und Br., 1. c. p. 121; Dress., Severtz., 1. c. 1876. p. 179. A. pratensis 
Finsch, 1. c. p. 54. — Nr. 62 (F.) Q Chinesischer Hochaltai, auf dem Wege 
nach dem Burchatpasse (ca. 5000' hoch, 9. Juni). Nr. 63 (F.) cT Dschasil-Kul 
(14. Mai). Nr. 64 (W.) Q Kara-Irtisch (1. Juni). 

Die Exemplare stimmen durchaus mit der typischen westeuropäischen 
Form überein, welche sich bekanntlich auch in Indien findet, und zeigen keine 
Spur des grünlichen Tones der A. maculatus Hodgs. (agilis, auct. nec Sykes), 
namentlich an den Aussensäumen der Schwingen und Schwanzfedern, ausge- 
zeichnet, Abweichungen, die indess nach Hume (Ibis 1871. p. 35) nicht von 
specifischem Werthe sind. — Aus der Umgegend von Omsk durch Prof. Slovzoff 

Z. B. Ges. B. XXIX. Ahn. 23 



178 



Otto Finsch. 



erhalten. — Den Baumpieper trafen wir öfters an, namentlich im Gebirge, da 
er die eigentliche Steppe nicht liebt. Zuerst am 14. April bei Jalutorowsk, 
dann am 14. Mai am Dschasil-Kul im Ala-Tau, 1. Juni am Kara-Irtisch, 7. und 
9. am Marka-Kul, wo ich ein Nest mit schwach bebrüteten Eiern fand, 11. vom 
Burchatpasse abwärts. — Nach Mittheilungen von Prof. Slovzoff erschien die 
Art 1877 bei Omsk zuerst am 17. Mai, und bis zum 29. in Menge, — Die 
Ural-Expedition verzeichnet die Art von der Petschoraquelle ; Seebohm erhielt 
nur ein Exemplar (am 22. Mai) bei Ust Sylma. 

86. Anthns cervinus Pall. — A. rufogularis Ch. L. Brehm. A. cer- 
vinus Dress., B. of Eur. A. pratensis Naum., Vög. Deutschi. Tab. 85, Fig. 1 
(nec Text.). A. cervinus Dress., B. Eur. t. 210. 211; Seeb. und Br., L c p. 122; 
Dress., Severtz., 1. c. 1876. p. 180; Finsch, L c. p. 59. 62. A. pratensis, 
id. ib. p. 62, 65. — Nr. 289 (F.) <f und Nr. 290 (B.) cT, im abgeriebenen Sommer- 
kleide (19. Juli), Nr. 287 (F.) (23. Juli), Nr. 291 (F.) 9, beim Nest, Nr. 288 
(B.) (25. Juli), Nr. 324 (F.) cT und Nr. 292 (F.) Q (6. August), Nr. 293 (F.) 
cf , in Mauser (14. August), alle Tundra an der Schtschutschja, Nr. 294 (F.) cT j. 
und Nr. 295 (F.) tf, jun. (15. August), Haljatur, unterer Ob, Nr. 296 (B.) tf, 
Nr. 297 (B.) <?, Nr. 298 (B.) cT, Nr. 301 (F.) tf, Nr. 302 (B.) 9, Nr. 300 
(W.) cT, Nr. 305 (B.), in voller Mauser, Nr. 303 (B.) tf, Nr. 299 (F.) cT, Nr. 306 (B.) 
jun., Nr. 304 (B.) cT, jun. (alle 17. August), Chalispagor, unterer Ob, Nr. 307 (F.) 
Q (18. August), Jotloch, unterer Ob, Nr. 308 (W.) 9 (2. September), Obdorsk, 
unterer Ob, Nr. 309 (W.) cT, Sobje Jurti, unterer Ob, Nr. 310 (F.) (beide 4. Sep- 
tember), Saissmohr, unterer Ob, Nr. 312 (B.), Nr. 313 (F.) 9, Nr. 311 (W.) cT 
(alle drei 7. September), Nr. 314 (F.) (8. September), alle Langiorskaja, unterer 
Ob, Nr. 315 (W.) 9 (10. September), Sarai Gor, unterer Ob, Nr. 316 (F.) tf, 
Ugoskia Jurti, unterer Ob, Nr. 317 (F.) <j\ alle vermausert, Nr. 318 (F.) 9, 
Bolschoi-Ustram, unterer Ob (alle drei 11. September), Nr. 320 (F.) d\ Nr. 319 
(F.) J 1 , Nr. 321 (F.) (alle drei 15. September), Novija, unterer Ob, Nr. 322 (F.) 
cT und Nr. 323 (F.) 9 (beide 21. September), Käoschka, unterer Ob, alle in Mauser. 

Zu der schönen Keihe von 38 Exemplaren, alle vom unteren Ob heim- 
gebracht, habe ich das Folgende zu bemerken : Die im Juli erlegten Exemplare 
(also Sommer- oder Brütekleid) haben ein stark abgeriebenes Gefieder, die 
hellen Säume der Oberseite sind daher sehr schmal, verloschen oder fast ganz 
abgerieben; Augenstreif, Kinn, Kehle und Kropf sind rostweinröthlich, aber nicht 
so hell und lebhaft als im Frühjahrs- oder Hochzeitskleide wie auf Dresser's 
Tafel (Fig. links), sondern mehr wie bei der Figur rechts, welche das alte 
Weibchen in vollem Brütekleid darstellt. Wahrscheinlich im Frühlingskleide, 
denn das volle Brütekleid des Weibchens ist ganz abgerieben, ohne rothe Kehle 
wie Nr. 291 und 292. Das Männchen Nr. 289 zeigt nur an den Seiten dunkle 
Schaftstriche, auf der Brust nur Andeutungen, wogegen 287 fast die ganze 
Unterseite mit breiten, dichtstehenden, schwarzen Schaftstreifen besetzt zeigt. 
Die beim Nest erlegten Weibchen (Nr. 291 und 292) haben ebenfalls starke 
Schaftstreifung auf der Unterseite, aber nur an Nr. 292 zeigt der Augenstreif, 
Kinn und Kehle noch einen schwachen roströthlichen Ton, da alle Federn stark 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 187C. 



179 



abgerieben sind; Nr. 291 ist von einem deutschen Weibchen, von .4. pra- 
tensis, nicht zu unterscheiden, noch weniger Nr. 324 (ein Männchen in ganz 
abgetragenem Kleide, ohne jede Spur von rothem Anfluge au Kinn und Kehle), 
welches man ohne Bedenken als A. pratensis bestimmen darf. Die vom 
14. August an erlegten Exemplare sind alle mehr oder weniger stark, meist in 
voller Mauser begriffen und haben grösstentheils das frische Herbstkleid, in 
welchem sie kaum, einzeln gar nicht, von unserem A. pratensis zu 
unterscheiden sind. Im Allgemeinen erscheinen aber Brust und Seiten stärker, 
das heisst mit breiteren und grösseren Flecken, gezeichnet und der Ton der 
Unterseite hat einen schwach isabellröthlichen oder weinröthlichen Anflug; 
einzelnen Exemplaren fehlt derselbe, sie sind nicht stärker gefleckt als 
pratensis und von solchen (Anfang October bei Bremen erlegt) absolut 
nicht zu unterscheiden. So Nr. 293, 303, 312, 322 und 323; letzteres ein 
Pärchen und an einem Tage geschossen ist durchaus gleich gefärbt. Junge 
Vögel (in der ersten Mauser begriffen) stimmen durchaus überein. Während 
einzelne Exemplare noch am 15. und 21. September sich in voller Mauser be- 
finden, sind andere schon früher vollständig vermausert. In diesem frisch- 
vermauserten Herb st-(Winter-)kleide fehlt die rothe Kehle, wie 
man bisher annahm, nicht immer, dieselbe ist vielmehr lebhafter, 
dunkler und schöner als bei Sommerexemplaren. So zeigen Nr. 311 und 316 
(Anfang September) Zügel, Augenstreif, Ohrgegend, Kinn und Kehle schöner 
weinrostroth als Nr. 289 (Mitte Juli); Nr. 315 hat nur die Kehlmitte rostwein- 
roth; Nr. 297 und 319 (noch nicht völlig vermausert) erhalten erst die rothe 
Kehle. Im Uebrigen haben diese frischvermauserten Herbstvögel einen lebhaf- 
teren, frischen, rostfarbenen Gruudton auf der Unterseite und ebensolche Feder- 
säume auf der Oberseite. Die Färbung der Schwanzfedern ist ganz wie bei 
pratensis; d. h. die äusserste Feder ist weiss, mit schief abgesetzter rauch- 
schwärzlicher Basis der Innenfahne, die sich getrübt zuweilen bis fast zur 
Spitze herabzieht; die Endhälfte der Aussenfahne ist namentlich bei ver- 
mauserten Vögeln graulich getrübt, zuweilen nur das Ende, so dass die Aussen- 
fahne fast weiss erscheint; die zweite Feder trägt an der Innenfahne einen 
weissen End- oder spitzen Keilfleck 3—6'" lang; zuweilen hat die dritte Feder 
einen kleinen weissen Spitzenfleck. Sehr veränderlich ist auch die Färbung der 
nteren Schwanzdecken; gewöhnlich sind dieselben, wie bei pratensis, fast bis 
zur Basis einfarbig rostweisslich, bei vermauserten Herbstvögeln deutlicher rost- 
gelblich (so Nr. 294, 297, 300, 303, 312, 313, 321); bei Nr. 295 haben die 
längsten unteren Schwanzdecken einen dunklen Spitzenfleck; bei Nr. 287, 288, 
289 und 307 sind sie (verdeckt) dunkelbraun mit hellfahlem Endrande; bei 
r. 311, 315 und 319 hell, nur mit Spuren eines dunklen Schaftstriches, 
urzum es finden sich alle Uebergänge von einfarbig bis stark dunkel-schaft- 
treifig auf den längsten mittleren unteren Schwanzdecken. Wenn daher Russow 
ür cervinus im Winterkleide diese dunklen Schaftstriche als untrügliches Kenn- 
eichen angibt, für welches auch Seebohm (Ibis 1878. p. 342) plaidirt, so 
nde ich dasselbe an meiner Reihe nicht bestätigt. Wäre dasselbe richtig, so 

23* 



180 



Otto Pinsch. 



müssten meine Nr. 294, 300, 303, 312, 313, 318 und 321 unbedenklich echte 
pratensis sein, was indess der übrigen Färbung nach nicht zulässig ist. Die 
Grössenverhältnisse stimmen durchaus mit denen unseres A. pratensis überein. 
Ich habe sämmtliche Exemplare durchgemessen und finde, dass die Flügellänge 
meist 3" bis 3" 3"' beträgt. Ich gebe die Maasse der grössten und kleinsten 
Exemplare. 





Fl. 


Schw. 


F. 


L. 


Nag. d. Hinterz. 


Nr. 324 . 


. . 2" 9'" 


2" 


47 2 "< 


9'" 




„ 312 . 


. . 2" 9'" 


2" V" 


ca. 5'" 


9'" 


4V," 1 


„ 303 . , 


, . 2" IV" 


2" 3"' 




9"' 




„ 314 . . 


. 2" IV" 


2" 2'" 


ca. 5VV" 




5"' 


„ 298 . , 


. . 3" 4'" 


2" 4'" 


. 47 2 "< 


9'" 


5'" 



Ueber den Artwerth des rothkehligen Wiesenpiepers werden die An- 
sichten stets auseinander gehen. Nachdem ich die Art schon früher in Lappland 
häufig beobachtete und sammelte, bin ich in der Ueberzeugung befestigt worden, 
dass sie Artrecht verdient, und zwar weil alle Exemplare im Frühlingskleide 
eine rostweinröthliche Färbung an der Kehle besitzen, die unser A. pratensis 
niemals so deutlich zeigt. Im Uebrigen läugne ich nicht, dass Exemplare im 
abgeriebenen Sommerkleide und junge in der Herbstmauser absolut nicht von 
Exemplaren des typischen A. pratensis aus Deutschland zu unterscheiden sind. 
Immerhin halte ich A. cervinus für eine von unserem Wiesenpieper verschiedene 
Art, deren Brutgebiete ausschliessend im Norden liegen. Freilich ist es bekannt, 
dass rothkehlige Pieper auch im Süden (Egypten) vorkommen, aber noch niemals 
hat man sie hier brütend gefunden. Wenn daher Heuglin erwähnt, dass sich 
A. cervinus bis zum Mai in Egypten herumtreibt, so beweist dies eben, dass 
die Art schon im vollen Frühlingskleide fortzieht. Und der durch unsere For- 
schungen gelieferte wichtige Nachweis, dass Exemplare im frischvermauserten 
Herbstkleide bereits die rothe Kehle besitzen, zeigt andererseits, dass sie in 
diesem Kleide in ihren südlichen Winterquartieren eintreffen und spricht ausser- 
dem für die Artselbstständigkeit des rothkehligen Piepers, da A. pratensis im 
frischen Herbstkleide niemals einen röthlichen Anflug der Kehle aufzuweisen 
hat. Wir trafen A. cervinus auf unserer Tour nördlich von Obdorsk (Mitte 
Juli) bis zur Podarata, also im eigentlichen Tundrengebiete, täglich, und er 
war hier die häufigste von allen Vogelarten. In Betragen, Lebensweise und 
Gesang stimmt er, was auch Collett bestätigt, so vollkommen mit unserem 
Wiesenpieper überein, dass ich nicht im Stande bin, irgendwie Unterschiede 
von nur einiger Bedeutung anzugeben. Wie pratensis ist seine Lockstimme 
ein feines „sit, sit, sit", oder „sist, ist, ist", welches er sowohl laufend als beim 
Auffliegen hören lässt, und wie dieser schwingt er sich beim Gesang hoch in 
die Luft, um in schiefer Richtung wieder herab zu schweben und sein Lied auf 
der Spitze eines Strauches oder anderen erhabenen Gegenstandes zu beenden. 
Nach Seebohm erhebt sich A. pratensis selten beim Singen, was aber nicht 
ganz richtig ist. Die liebsten Aufenthaltsorte des A. cervinus sind die, wenn 
auch spärlich, mit Baumwuchs versehenen erhöhteren Streifen, welche unmittelbar 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 1876. 



181 



von der Tundra begrenzt werden. Er sitzt gern und vielleicht mit mehr Vor- 
liebe als A. pratensis auf den Wipfeln der einzelnen höheren Bäume; doch 
findet er sich, wenn auch spärlicher, in der offenen ganz baumleeren Tundra und 
hält sich gern in der Nähe der Hütten der Eingebornen auf, wo er sich zu- 
weilen äusserst zahm uud zutraulich beträgt. Dr. Brehm versichert, das Nest 
dieser Art am 21. Juli an der Schtschutschja gefunden zu haben; nach See- 
bohm sind an der Petschora die Jungen um diese Zeit schon ausgeflogen; doch 
trafen wir am 29. Juli flügge mit den Alten umherstreifende Junge, die sich 
noch ätzen Hessen. Auf der Rückreise längs dem Ob (15. August bis Ende 
September) begegneten wir A. cervinus ebenfalls täglich. Die Vögel waren 
jetzt in mehr oder minder zahlreichen Schaaren bereits auf dem Zuge begriffen 
und befanden sich in der Mauser. Sie zeigten dann öfters ein eigenthümliches 
Benehmen darin, dass sie sich gern in dem dichtesten unteren Gezweige der 
Bäume aufhielten, sich hier ängstlich zu verbergen suchten, und ich wurde ein 
paarmal durch dies abweichende Betragen so getäuscht, dass ich eine bisher 
übersehene Ammerart vor mir zu haben glaubte und nicht wenig erstaunt war, 
in dem erlegten Vogel A. cervinus zu sehen. In Obdorsk waren sie (20. August 
bis 1. September) sehr häufig; man sah sie hier oft auf den Dächern der 
Häuser. Obwohl dieser Pieper vorzugsweise die mit zähem Schlamm bedeckten 
Ufersäume oder Wiesengründe frequentirte, so war er doch auch in den den 
Strom begrenzenden Wäldern, sofern dieselben sumpfige Partien einschlössen, 
keineswegs selten. Aufgescheucht pflegten sie stets aufzubäumen und dann von 
Wipfel zu Wipfel weiter zu fliegen. Mehrmals hielt ich die Art daher für den 
echten pratensis und notirte ihn als solchen in meinem Tagebuche, aber alle 
erlegten (von denen gar viele nicht präparirt werden konnten) erwiesen sich als 
cervinus. Seebohm notirt übrigens auch A. pratensis als auf der Tundra an 
der Petschora brütend (1. c. p. 121). 

87. Anthus Gustavi Swinh. — Proc. Z. S. 1863. p. 90 et 273. A. See- 
bohmi Dress., B. of Eur. pt. 45 (1875) pl.; Seeb. und Br., 1. c. p. 120; Brooks, 
Ibis 1876. p. 501; Seeb., Ibis 1877. p. 129 (= Gustavi); Finsch, 1. c. p. 58. 
— Nr. 280 (B.) . Janburra, Mündung der Schtschutschja in den Ob (18. Juli), 

Iris braun; Beine hellbräunlich; Schnabel hornbraun, der untere horn- 
fahl mit dunkler Spitze. 

Fl. Schw. F. L. Nag. Hinterz. 

3" 2"' 2" V" 5V 4 '" 11'" ca. 5'" 
Dieser zuerst von Seebohm im Gebiete der Petschora als Brutvogel 
achgewiesene, ursprünglich aus Südchina beschriebene Pieper, wurde auch von 
s am unteren Ob gefunden, wo er ohne Zweifel brütet. Doch blieb das von 
r. Brehm erlegte Exemplar das einzige, welches wir erhielten. Obschon die 
rt jedenfalls öfters von uns beobachtet wurde, so wage ich doch keine genauen 
ngaben zu machen, da es mir eben an Belegstücken fehlt. — Die Art nähert 
'ch mehr A. pratensis als arboreus, namentlich wegen des langen Nagels 
er Hinterzehe, unterscheidet sich aber von beiden Arten leicht durch die 
rbung der äusseren zwei Schwanzfedern; die äussere ist von unten und oben 



182 



Otto Finsch. 



fahl, nur an der äussersten Spitze fast weiss mit schief abgesetzter rauch - 
farbener Basis der Innenfahne; die zweite Feder ist rauchschwarz, neben dem 
Schafte an der Innenfahne mit fast zur Basis reichendem rostfahlem breitem 
Keilfleck; die schmalen weissen Aussensäume der Schulterfedern sind ebenfalls 
charakteristisch. Die erste und zweite Schwinge sind die längsten wie bei 
A. trivialis. — Im Leidener Museum Exemplare s. n. „A. rufulus" von Menado 
und Gorontalo schon 1863 von v. Eosenberg gesammelt, desgleichen von 
Temate (1872) und Cheefoo („Gustavi"). 

88. Anthus campestris (L.). — Dress., Severtz., 1. c. 1876. p. 178. 

— Nr. 65 (F.) cf. In der Steppe hinter Sergiopol (7. Mai). 

Die Unterseite ist etwas lebhafter rostfahl tingirt, ohne jede Spur von 
Strichelung auf dem Kröpfe. — Bei der Schnelligkeit, mit der wir, namentlich 
im Steppengebiete, reisen mussten, war es schwierig, Arten wie diese mit 
Sicherheit zu unterscheiden, doch glaube ich mich nicht zu irren, wenn ich sie 
noch von den Arcadbergen (4. Mai) und zwischen Salair und Tomsk (30. Juni) 
anführe. — Nach Dress er bisher nicht mit Sicherheit aus Sibirien nach- 
gewiesen. 

89. Anthus ? spinoletta L. — Dress., Severtz., 1. c. 1876. p. 180. 
Anthus sp. (like aquaticus) Finsch, 1. c. p. 53. A. spinoletta Br., 1. c. p. 66. 

Am 7. Juni beobachtete ich auf dem Wege nach dem Marka-Kul im 
chinesischen Hochaltai in einem Felsenthaie (ca. 4000' hoch) eine Pieperart, 
die im Wesen und Stimme ausserordentlich mit dem mir wohlbekannten A. aqua- 
ticus übereinstimmte. Ich verfolgte die sehr scheuen Vögel, trotz heftiger 
Hagelschauer, und es gelang mir einen zu erlegen, der leider verloren ging, ehe 
ich ihn noch in die Hände bekam, so dass ich die Art nicht mit Sicherheit 
feststellen konnte. — Die Ural-Expedition erhielt die Art im Ural von 61 bis 
63 3 / 4 Grad nördl. Br. 

90. Turdus viscivorus L. — Dress., Severtz., 1. c. p. 334; Finsch, 
1. c. p. 55. - Nr. 67 (B.) Dschasil-Kul im dsungarischen Ala-Tau (ca. 5000' 
hoch) (14. Mai). 

Das einzige von Dr. Brehm erlegte Exemplar, welches ich heimbrachte, 
stimmt ganz mit solchen aus Deutschland (Bremen) und dem Himalaya über- 
ein, erscheint aber in Folge des Abreibens der Federn heller, namentlich fehlt 
die dunkle Zeichnung der Kehle ganz oder ist nur durch feine Strichelchen 
angedeutet. 

Fl. Schw. F. T. 

5" 2"' 4" 3"' 9y 2 "' 15"' 

Ich beobachtete diese Art ausser an der angegebenen Localität nur noch 
einmal am 10. Juni im Tau-Tekegebirge des chinesischen Hochaltai; vielleicht 
gehörten junge flügge Drosseln im Walde von Salair (29. Juni) auch zu dieser Art. 

91. Turdus musicus L. — Br., 1. c. p. 67; Finsch, 1. c. p. 55, 65. 

— Nr. 325 (B.) $ Scharkaiskaja, Ob (17. September). „Iris braun." 



Keise nach West-Sibirieu im Jahre 187fi. 



183 



Bereits völlig ausgefärbt und vermausert. — Nur an der genannten 
Localität mit Sicherheit beobachtet, wahrscheinlich aber auch am 29. Juni auf 
dem Wege von Barnaul nach Salair. — Aus der Umgegend von Omsk durch 
Prof. Slovzoff erhalten; die Art erschien hier 1877 am 30. April, hielt 
sich aber kaum zwei Tage auf. — Von der Ural-Expedition an der Petschora- 
quelle (62° nördl. Br.) heimgebracht. 

92. Turdus iliacus L. — Seeb. und Br., 1. c. p. 125; Dress., 
Severtz., 1. c. p. 335; Finsch, 1. c. p. 65. 

Bei der ostiakischen Niederlassung Worono am Ob am 21. September 
mehrere im Walde beobachtet. — Von Omsk (Museum Slovzoff). — Seebohm 
traf die Art bei Ust-Sylma. Nach Dresser bisher nicht aus Sibirien nachge- 
wiesen, aber Kadde notirt die Art von Kultuk, Middendorf von Irkutzk. 

93. Turdus pilaHs L. - Br., 1. c. p. 67; Seeb. und Br., 1. c. p. 125; 
Dress., Severtz., 1. c. p. 335; Pall, p. 455 (Ob). — Nr. 326 (F.) Flügges 
Junge, Tschematschewskaja, Ob (8. Juli). Iris braun. Nr. 327 (B.) flugbares cT. 
Tschorne-jar an der Schtschutschja (12. August). Nr. 328 (W.) ad. Neri- 
mowskaja (14. September). 

Nr. 326 ist ein noch nicht flugfähiger Nestvogel (ähnlich Dresser und 
Sharpe Taf. 101, links), Nr. 327 ein bereits flugfähiges ausgefiedertes Männchen 
im Wechsel zum ersten Herbstkleide (von Sharpe und Dresser Taf. 69, rechte 
Figur, zu 101, rechte Figur). — Wir beobachteten die Wachholderdrossel am 
14. und 16. April bei Jalutorowsk, wo sich kleine offenbar auf dem Rückzüge 
begriffene Exemplare nicht selten zeigten. Im Obgebiet fanden wir sie häufiger 
und als Brutvogel. Ich verzeichnete folgende Fundorte : 8. Juli Tschematschew- 
skaja flügge Junge; 10. Bolschoi Ustram; 24. an der mittleren Schtschutschja 
flügge Junge; 12. August flugbare Junge an demselben Flusse bei Tschorne- 
jar; am 11., 14., 15. und 21. September am Ob bei Ugorskia-Jurti, Nerimowskaja, 
Novija undKäoschka; vom 26. September bis 1. October einzeln bei Samarowa; 
am 13. October hinter Tjumen und am 16. zwischen Jekaterinenburg und Perm, 
namentlich Früh und Abends beträchtliche auf dem Zuge begriffene Flüge. — 
Bei Omsk (Museum Slovzoff). Sie erschien hier 1877 mit T. musicus zusammen 
am 30. April; doch dauerte der Durchzug nur zwei Tage. — An den Petschora- 
quellen (Ural-Expedition); von Ust-Sylma (zuerst 17. Mai) bis Stanavoialachta 
an der Petschora (Seebohm). 

94. Turdus dubius Bechst. — T. fuscatus Pall. T. dubius Dress., 
B. of Eur. pt. 58 (1877) tab. T. ruficollis Finsch, 1. c. p. 65. — Nr. 329 (F.) 
cT. Bolschoi-Ustram, Ob (11. September). „Iris braun." Schnabel hornschwarz; 
Kieferrand schmal hell scheinend. 

Fl. Schw. F. L. 

5" 3" 4'" T" 14"' 
Das Exemplar, ein fast völlig vermauserter junger Vogel im ersten Herbst- 
kleide, stimmt ziemlich mit Dresser's Abbildung überein, nur sind die Flügel 
nicht rostrothbraun, sondern haben wie deren Decken nur sehr schwach rost- 
farben verwaschene Aussensäume, und unterscheidet sich dadurch von einem 



184 



Otto Finsch. 



sonst gleichgefärbten Exemplare der Bremer Sammlung vom Ochotzk-Meere. — 
Nach der Darstellung in Ibis (1862. p. 319 Note) und bei Dresser ist an der 
Verschiedenheit zwischen dieser Art und T. Naumanni Temm. nicht zu zweifeln. 
Naumann (13. p. 296) erwähnt des wichtigen Kennzeichens der rostrothen 
Schwanzunterseite bei letzterer Art nicht und so scheint es nicht unwahr- 
scheinlich, dass die Abbildung seines T. Naumanni (Taf. 358, Fig. 2, zwei- 
jährig im Uebergange) zu dubius gehört; wenigstens stimmt dieselbe besser 
mit dem vorliegenden Exemplare überein als seine junge T. fuscatus (Tab. 359, 
Fig. 2). — Ich begegnete dieser schönen Drossel nur einmal, und zwar drei 
Stücken, die mir durch ihre Lockstimme auffielen, aber sehr scheu waren, so 
dass es mir in dem dichten Weidenhaine unmöglich war, mich ihnen wieder zu 
nähern, nachdem ich eine erlegt hatte. 

95. Turdus ruficollis Pall. — Naum, Vög. Deutschi. Tab. 360 (Fig. 3) ; 
Dress., Severtz., 1. c. p. 334. T. atrogularis Finsch, 1. c. p. 50. — Nr. 71 
(B.) $ jun. Sassyk-Ala-Kul (9. Mai). Iris braun. Oberschnabel schwarzbraun 
mit gelbscheinendem Schneidenrande; Unterschnabel horngelb mit bräunlicher 
Spitze; Beine braun. 

Fl. Schw. F. L. 

5" 3" 5"' 71/2'" 14"' 

Das vorliegende Exemplar zeigt ein merklich abgeriebenes Gefieder und 
ist daher offenbar ein junger Vogel im ersten Frühjahrskleide. In der Färbung 
ähnelt derselbe so auffallend dem alten Weibchen von T. atrogularis, dass man 
ihn unbedenklich für letztere Art erklärt, wenn man nicht die Schwanzfedern 
genauer besichtigt. Hierbei zeigt es sich nämlich, dass die Innenfahne der 
Federn neben dem Schafte nicht ganz bis zur Spitze rostroth erscheint, mehr 
und fast bis zur Spitze ausgedehnt auf der äussersten Feder, doch ist dies von 
unten gesehen nur schwach bemerkbar ; die äusserste Basis der Aussenfahne ist 
ebenfalls roströthlich , doch verdeckt von den oberen Schwanzdecken. Im 
Uebrigen stimmt das Exemplar, wie erwähnt, ganz mit dem alten Weibchen 
von T. atrogularis überein (z. B. Nr. 70), nur erscheint die Kehle nicht so dicht 
dunkel gefleckt. — Wir hielten das erlegte Exemplar für atrogularis und ich 
habe über dasselbe sowie sonst über diese Species keine weiteren Beobachtungen 
mitzutheilen. Das Vorkommen der Art in der bäum- und strauchlosen Steppe 
am Ala-Kul ist jedenfalls auffallend. 

96. Turdus atrogularis Temm. — T. fuscatus Br., 1. c. p. 67. 
T. Bechsteini Naum., Vög. Deutsch! t. 69. Id. T. atrigularis, t. 361; Dress., 
Severtz., 1. c. p. 332; Finsch, 1. c. p. 62, 65. - Nr. 69 (B.) cf. Semi- 
palatinsk (1. Mai). Nr. 70 (B.) Q . Lepsa am Ala-Tau (16. Mai). „Iris dunkel- 
braun." Nr. 68 (F.) cf. Tau-Tekegebirge, chinesischer Hochaltai (ca 5000') 
(10. Juni). „Iris dunkelbraun." Nr. 330 J 1 . Oberhalb Obdorsk (4. September). 
Nr. 331 cT jun. Obdorsk (2. September). 

Fl. Schw. F. T. 

4" 9<"_5" l'" 3" 2"'— 3" 4"' 7" 8'" 14'" 



Keise nach West-Sibirien im Jahre 187(!. 



185 



Die schöne Reihe illustrirt fast alle Färbungsstufen vom eben flugfähigen 
jungen bis zum völlig ausgefärbten alten Vogel. — Nr. 68 ist ein altes 
Männchen in bereits abgenutztem Sommerkleide; daher die Oberseite sehr hell- 
grau; es ähnelt ganz Naumann Fig. 1 (Tab. 69), aber Ober- und Hinterkopf, 
Nacken, nebst Halsseiten sind ebenfalls schwarz, wenn auch nicht so dunkel 
als Kehle und Kropf; Unterseite graulich weiss ohne triangelförmige Flecke (wie 
bei Naumann); Seiten und Schenkel hellaschgrau; Schnabel horngelb; End- 
hälfte der Mandibel und Spitze der Maxiila dunkel. — Das Männchen Nr. 69 
(1. Mai) ebenfalls stark abgerieben hat Oberkopf und Nacken graubraun wie 
die Oberseite (wie Naum., Taf. 69, Fig. 1). — Das frischvermauserte Männchen 
(Nr. 330, ganz ähnlich Naumann, Taf. 361, Fig. 1) ist auf dem Oberkopf und 
der übrigen Seite deutlicher erdbraun, und die schwarzen Federn auf Kehle und 
Kropf haben schmale, bräunlich- weisse Endsäume; die unteren Seiten sind 
breit bräunlichgrau mit verwaschenen etwas dunkleren Schaftstrichen. Schnabel 
hornschwarz, nur der untere an Basis horngelb. — Das alte Weibchen (Nr. 70) 
ähnelt so ziemlich Naumann's Figur 2 (Taf. 361); Oberseite, Flügel und 
Schwanz erdbraun (Gefieder ziemlich abgerieben) ; Kinn und Kehle rostweisslich 
mit dunklen Schaftflecken, die jederseits dichter stehen und zu einer Art Bart- 
streifen zusammenfliessen ; Kropf erdbräunlich mit verwaschenen dunkelbraunen 
Schaftflecken ziemlich dicht gefleckt; übrige Unterseite bräunlichgrau, Seiten 
deutlicher graubraun mit verwaschenen dunkleren Schaftstrichen. — Nr. 331 
ist ein junger Vogel in der ersten Herbstmauser, noch mit Resten des Nest- 
kleides (auf Schultern noch einzelne erdbraune Federn mit rostfahlen Schaft- 
strichen und schmaler dunkler Endkante; auf Unterbrust rostweissliche mit 
dunklem Spitzenflecke) ; das übrige frische Gefieder trägt die Färbung des alten 
Weibchens, nur erscheint der hellrostfahle Augenstreif deutlicher; Kinn und 
Kehle sind auf rostgelblichem Grunde mit grossen schwarzbraunen Tropfen- 
endflecken ziemlich dicht besetzt ; übrige Unterseite graubräunlich mit einzelnen 
scharf abgesetzten dunklen Schaftendflecken (Unterbrust noch mit den Federn 
des Nestkleides, wie oben beschrieben) ; untere Schwanzdecken isabellroströthlich. 
Schnabel dunkelhornbraun, Schneidenränder an Basis und Mundwinkel gelb. Die 
Deckfedern der Armschwingen haben schmale hellrostfahle Endsäume. — Das 
zuletzt beschriebene Exemplar gibt deutlichen Nachweis, dass die Art in dem 
noch unbekannten Nestkleide auf der Oberseite helle Schaftstriche, auf der 
Unterseite dunkle Tropfenflecke besitzt. — T. mystacinus Severtz. (Ibis 1875. 
p. 333) scheint wohl nichts anderes als das Weibchen von atrogiüaris. — Diese 
schöne Drossel wird merkwürdiger Weise ausser von Dybowsky und Se- 
vertz off, der sie in Turkestan fand, von keinem der sibirischen Forscher er- 
wähnt. Es ist daher nicht uninteressant, dass wir sie sowohl für die südlichen 
Gebirgsländer (Ala-Tau, Altai) als auch für den hohen Norden als Brutvogel 
nachweisen können. Doch beobachteten wir sie in der Steppe wie im Gebirge 
stets einzeln und als seltene Erscheinung. — Dr. Brehm brachte am 1. Mai 
bei Semipalatinsk zuerst ein Exemplar heim; am 16. erhielten wir sie im Ala- 
Tau bei Lepsa; am 21. in der Steppe bei Bagty; am 9. Juni im Tau-Tekä- 

Z. B. Ges. B. XXIX. Abb. 24 



186 



Otto Finsch. 



gebirge, chinesischer Hochaltai (über 5000' hoch); am 2. September bei Obdorsk; 
am 4. oberhalb Obdorsk. — Ich selbst beobachtete sie nur im Tau-Tekegebirge. 
Ihr staarartiges Rutschen machte mich auf den Vogel aufmerksam, den ich 
hoch aus dem. Wipfel einer Fichte herabschoss. — Prof. Slovzoff erhielt die 
Art bei Omsk (3. Mai). — Von der Ural-Expedition an der Petschoraquelle 
(zwischen 64 und 65 Grad nördl. Br.) erhalten. 

97. Turdus merula L. — Dress., Severtz., 1. c. p. 332; Pall., p. 449. 
In der Sammlung von Prof. Slovzoff aus der Umgegend von Omsk. — 

Pallas beobachtete die Art nicht jenseits des Ural und sie scheint auch sonst 
von keinem Beobachter wahrgenommen zu sein. 

98. Petrocincla saxatilis L. — Finsch, 1. c. p. 50. Petrocincla 
spec? ib. p. 51. Monticola saxatilis Dress., Severtz., 1. c. p. 335. — Nr. 72 
(B.) cT- Manrakgebirge bei Saissan (28. Juni). „Iris tief braun." Nr. 73 (W.) Q. 
Bei Lepsa am Ala-Tau (16. Mai). „Iris braun." 

Durchaus mit Exemplaren aus Südeuropa übereinstimmend. — Ausser 
an den oben angeführten Localitäten nur noch zweimal wahrgenommen: am 
4. Mai in den Arcadbergen und am 7. eine Station hinter Sergiopol in der mit 
felsigen Hügelkuppen durchzogenen Steppe. 

99. Cinclus leucogaster Eversm. — Dress., Severtz., 1. c. p. 175; 
Salvin, Mon. Ibis 1867. p. 117; Gould, B. of Asia. pt. XII (1860). tab. (opt.); 
Dybowsky, Journ. f. Orn. 1872. p. 435. — Nr. 65 (W.) Q und Nr. 66 (B.) 

bei Lepsa im Ala-Tau (13. Mai). 

Die beiden Exemplare stimmen ganz mit Gould's Abbildung überein; 
Kopf, Hinterhals und die obere Mantelgegend sind aber bedeutend heller braun 
als der übrige Mantel und bei Nr. 66 mit verloschenen, schmalen, hellfahlen 
Endspitzen ; die Unterseite ist vom Kinn bis zum After weiss, wodurch sich die 
Art leicht von caschmiriensis unterscheidet. Beide Geschlechter sind gleich 
gefärbt; das Weibchen etwas kleiner. 

Fl. Schw. F. L. M.-Z. 

3" 4'" 22"' Vk l " 13'" 9"' Männchen 
S u v >, 20'" 7"' 12"' 9"' Weibchen. 
Wir trafen diese Art nur an der obengenannten Localität (ca. 4000' hoch) ; 
im Altai, trotz seiner vielen und reissenden Gebirgswässer niemals. Im Be- 
tragen fand ich vollkommene (Jebereinstimmung mit unserem Wasserschwätzer. 
— Ein Exemplar der Bremer Sammlung trägt die Bezeichnung „Altai", aber 
ohne Angabe des Sammlers. Nach Tschischats chef f käme die Art wirklich 
im Altai vor. Wenn aber Gould sagt, „dass sie bei Semipalatinsk gemein sei" 
so ist dies durchaus falsch. Middendorf erwähnt die Art als einmal von ihm 
erlangt, aber Dybowsky fand sie häufig in Ost-Sibirien. Raddc erklärt leuco- 
gaster für nichts anderes als eine Varietät von aquaticus. 

100. Cinclus aquaticus L. — Br., 1. c. p. 66. Sturnus cinclus Pall., 
p. 423 (ostiak.: Koktwas). 

Im Museum von Prof. Slovzoff sah ich Exemplare aus der Umgegend 
von Omsk, die mir nichts anderes als die typische Form unseres Wassersehwätzers 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 187G. 



187 



zu sein schienen. Doch fehlte es mir an Zeit eine genaue Beschreibung zu 
machen, und so muss ich es fraglich lassen, ob sie vielleicht zu C. melanogaster 
gehören. — Von der Ural-Expedition an den Quellen der Petschora erlangt; 
hier auch Junge (2. Juli). — Gmelin (Reise III. p. 379) erzählt die hübsche 
Fabel vom „Wassersperling", Wodennoi Worobei der Russen, nach welcher die 
Tataren und Russen bei Krasnojarsk annehmen, dass er sich im Sommer in 
einen Eisvogel verwandle, also ganz ähnlich wie bei unserem Landvolke noch 
hie und da die Fabel vom Sperber, der sich Sommers in den Kuckuk ver- 
wandelt. Wie Pallas (I. p. 96) erzählt, gilt das Fett des Wasserstaars bei den 
Sibiriern als Specificum gegen erfrorene Glieder. 

101. Oriolus galbula L. — Dress., Severtz., 1. c. p. 187. 

Den unverkennbaren Ruf des Pirols hörte ich zuerst am 1. Juni in den 
hohen Uferbäumen des Kara-Irtisch, von Saissan nach dem Saissan-Nor, dann 
beobachtete ich ihn am 5. Juni in den Vorbergen des südlichen Altai bei der 
Staniza Maitjerek, am 19. bei der Kolywan'schen Schleiferei, zuletzt am 29. im 
Walde vor Salair im Nordwest- Altai. — Aus der Umgegend von Omsk (Museum 
Slovzoff in Omsk). 

102. Muscicapa grisola L. — Dress., Severtz., 1. c. p. 188. — 
Nr. 74 (F.) 9. Saikanberge bei Saissan (30. Mai). 

Eine genaue Vergleichung mit deutschen Exemplaren ergibt die voll- 
ständigste Uebereinstimmung; ebenso mit einem Exemplare aus der Umgegend 
von Omsk (durch Prof. Slovzoff erhalten). — Der graue Fliegenfänger gehört 
ohne Zweifel mit zu den Vögeln, welche sich am wenigsten der Beobachtung 
entziehen, darf also für West-Sibirien als sehr selten betrachtet werden, sonst 
würden wir ihn jedenfalls öfter angetroffen haben. Ich selbst hätte den mir 
sonst so wohlbekannten Vogel, der sich in einer Felsenspalte verborgen hatte, 
kaum wieder erkannt. — Auf dem Wege vom Marka-Kul nach dem Tau-Teke- 
gebirge im chinesischen Hochaltai glaube ich die Art noch einmal beobachtet 
zu haben (8. Juni). Bei Omsk erschien sie 1877 zuerst am 3. Mai. — Dr. Dy- 
bowsky ist der einzige unter den Forschern Sibiriens, welcher diese Art an- 
führt; sie ist selten, brütet aber bei Irkutsk (Journ. f. Orn. 1872. p. 446). 

103. Muscicapa atricapilla L. — Dress., B. of Eur. tab. (opt). 
Aus der Umgegend von Omsk in Slovzoffs Sammlung. — Die Art ist 

neu für Sibirien und war bisher östlich nur durch Blanford in Persien nach- 
gewiesen. 

104. Lantus excubitor L. — Br., 1. c. p. 68. L. major (Pall.) Cab. 
Journ. f. Orn. 1873. p. 75; Dress., Severtz., 1. c. 1876. p. 184. L. mollis 
Eversm. — Nr. 332 cf. Oberhalb Parawatzki-Jurti (6. September). „Iris braun." 
Nr. 333 cf . Leumtschi, Ob (20. September). „Iris braun." 

Beide Exemplare haben frisch vermauserte Schwingen und Schwanzfedern, 
sind aber noch in voller Mauser des Kleingefieders begriffen. Nr. 332 zeigt die 
weisse Unterseite äusserst zart fahlweinröthlich angehaucht mit sehr undeut- 
lichen, nur zart angedeuteten dunklen Wellenlinien auf Kropf und Brust; die 
überall dicht hervorspriessenden neuen Federn zeigen keinerlei dunkle Quer- 

24* 



188 



Otto Finsch. 



liniirung, während dieselbe in den frischvermauserten Federn der Unterseite 
bei Nr. 333 deutlich hervortritt. Kopf und Mantel zeigen bei beiden einen 
fahlbräunlichen Anflug, der durch die Spitzen der frisch im Wachsthum be- 
griffenen Federn gebildet wird; die ganz neuen Federn des Bürzels zeigen ein 
lebhafteres Grau als die übrige Oberseite; die oberen Schwanzdecken sind noch 
unvermauserte alte und zart graulich, bei Nr. 333 bräunlichgrau gefärbt; die 
Decken der Armschwingen haben schmale bräunliche Spitzen, wodurch eine 
schmale helle Flügelquerbinde entsteht; die ganz frischen mittelsten Schwanz- 
federn haben eine weisse Endkante. Die äusserste Schwanzfeder ist innen am 
Basisdrittel schief abgesetzt schwarz, bei Nr. 333 mit schwarzer breiter Quer- 
binde am Basistheil der Innenfahne; die zweite Feder ist innen bis zum End- 
drittel schwarz mit weisser Basis; das Schwarz zieht sich auf die Mitte der 
Aussenfahne. 

Fl. Schw. F. L. 

Nr. 333 4" V" 3" 10'" 16 Mm. 21 Mm. 

„ 332 4" 3'" 4" V" 16 „ 21 „ 

Das Hauptunterscheidungskennzeichen für L. major besteht bekanntlich 
in dem Fehlen eines weissen Flügelspiegels auf den Armschwingen; Exemplare, 
welche einen solchen zeigen, gelten als L. excubitor, solche ohne denselben als 
L. major. Die Untersuchungen des Materials im Berliner Museum haben mir 
nun gezeigt, dass dieses Kennzeichen ebenso variabel ist als die Ausdehnung 
des Weiss an den äusseren Schwanzfedern, indem die zweiten Schwingen bei 
L. major nicht durchgehends bis zur Basis schwarz sind, sondern hier (bald 
auf der Innenfahne, bald über beide Fahnen) Weiss zeigen, was allerdings meist 
verdeckt ist. Meine beiden Sibirier beweisen noch mehr die Unhaltbarkeit 
dieses Charakters. Beide besitzen die Basis der Armschwingen über beide Fahnen 
weiss; dasselbe ist aber bei Nr. 332 von den bräunlich gespitzten Armdecken 
bei zusammengelegtem Flügel ganz verdeckt, tritt aber bei Nr. 333, wo die 
braunen Endkanten bereits abgerieben sind, wenn auch nur schmal (45 Mm.), 
sichtbar hervor. Man würde daher das letztere Exemplar als excubitor, das 
erstere als major zu bestimmen haben. Bei der Yariabilität dieses Charakters 
scheint mir derselbe indess zur specifischen Abtrennung nicht ausreichend und 
L. major daher nichts als excubitor im frischvermauserten Herbstkleide. — 
Ausser den beiden angeführten Exemplaren, die immerhin beweisen, dass die 
Art im Norden brütet, besitze ich weiter keine Beobachtungen über dieselbe. 
— Von der Ural-Expedition noch unter 63 l / 2 Grad nördl. Br. erlangt. 

105. Lantus Homeyeri Cab. — Journ. f. Orn. 1873. p. 75. L. leu- 
copterus Severtz. et leucopygius (Hempr.) ; Severtz., Faun. Turkestan, Dresser, 
Uebersetz. Ibis 1876. p. 184. — Nr. 75 (B,) cT. Belo-Kamene am Irtisch, vor 
Semipalatinsk (28. April). „Iris dunkelbraun." 

Das einzige heimgebrachte Exemplar stimmt durchaus mit der trefflichen 
Auseinandersetzung von Dr. Cabanis (1. c.) überein. Die Art(?) unterscheidet 
sich von L. excubitor durch die weissliche Stirn und die weissen oberen 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 187G. 



189 



Schwanzdecken. Doch scheint es nicht unwahrscheinlich, dass dieselbe nur 
L. excubitor im abgeriebenen Frühjahrskleide darstellt. 

Fl. M.-Schw. F. L. 

120 Mm. 113 Mm. 17 Mm. 28 Mm. 

Die Untersuchung der typischen Exemplare im Berliner Museum Hess mir 
dies wenigstens als ziemlich wahrscheinlich erscheinen. — Ausser dem erlegten 
Exemplare besitze ich weiter keine sicheren Aufzeichnungen über diese Art. 

106. Lantus minor Gml. — Dress., Severtz., 1. c. 1876. p. 184. 
Ich beobachtete die Art als unzweifelhaft am 28. April 25 Stationen 

hinter Omsk, und dann am 5. Juni an einem Bache am Nordrande der Wüsten- 
steppe nördlich vom Saissan-Nor. — Ein von Prof. Slovzoff aus der Um- 
gegend von Omsk erhaltenes altes Männchen stimmt sowohl was Grösse als 
Färbung und Zeichnung anbelangt durchaus mit deutschen Exemplaren überein. 
Die Art zog 1877 bei Omsk vom 1. bis 3. Mai durch (Slovzoff in litt.). — 
Bisher nicht aus Sibirien nachgewiesen. 

107. Lantus collurio L. — Dress., Severtz., 1. c. p. 185. 

Ich beobachtete diese Art mehrmals auf dem Wege von Altaiske-Staniza 
bis zur Kolywan'schen Schleiferei herab (13. Juni hinter Altaiske-Staniza; 15. 
bei Serianowsk; 19. bei Smeinogorsk; 20. bei der Kolywan'schen Schleiferei). 

108. Lantus isabellinus Hemps. und Ehrb. (nec Waiden). — He ugl., 
Orn. N. O. Afr. p. 475. L. phoenicurus, var. caniceps Severtz. (phoenicuroides ß 
Severtz. (1873), Dress., Uebersetz. Ibis 1876. p. 186. L. speculigerus Tacza- 
nowski, Journ. f. Orn. 1874. p. 322. Otomela isabellina et speculigera Schalow. 
Journ. f. Orn. 1875. p. 145 et 150. Id. 0. phoenicurus ex Helgoland p. 135. 
L. phoenicurus Cordeaux Ibis 1875. p. 176 (Helgoland). Lanius (like arenarius) 
Finsch, 1. c. p. 52; (allied to phoenicurus) id. ib. p. 53. — Nr. 76 (W.) tf. 
Vor Bakty, russisch-chinesischer Grenzposten (20. Mai). „Iris tief braun; Schnabel 
und Beine schwarz." 

Fl. Schw. F. L. 

Nr. 76 3" 5'" 2" 10"' 13 Mm. 24 Mm. 

3" 6'" — — — speculigerus (Museum Berol.) 

3" 87 2 "' 3" 2"' 13 Mm. 22 Mm. isabellinus 
Ich konnte das vorliegende Exemplar mit den Typen von L. isabellinus 
Ehrb. (von Gamfudde an der arabischen Küste des rothen Meeres) und L. spe- 
culigerus Tacz. vergleichen, die mir nur eine Art zu sein scheinen. Der einzige 
Unterschied für speculigerus ist der etwas schmälere Flügelspiegel (3'" breit, 
bei isabellinus 5W") und die etwas geringere Grösse. In beiden Charakteren 
stimmt mein Exemplar ganz mit speculigerus überein, da diese Unterschiede 
aber so äusserst geringe sind und ähnliche Verschiedenheiten bei anderen 
Würgerarten viel erheblicher hervortreten, so scheint mir eine specifische Ab- 
sonderung von L. speculigerus nicht durchführbar. 

L. isabellinus unterscheidet sich wie es scheint constant durch die ein- 
farbig rostgraufahle Oberseite (incl. Oberkopf) von dem nächstverwandten 
L. phoenicuroides Severtz. (phoenicurus var. ruficeps Severtz.), Otomela phoeni- 



190 



Otto F insch. 



curoides Schalow (Journ. f. Orn. 1875. p. 148). — L. isabellinus Waiden (nee 
Ehrl).), Ibis 1867. p. 224. pl. V. f. 1; Jerdon, Ibis 1872. p. 116. Letzterer 
besitzt ebenfalls einen weissen Spiegel, aber die Oberseite ist viel dunkler rost- 
braun, wie schon aus Waldems Figur (nach Exemplaren von Scinde) erhellt, 
der den echten isabellinus nicht kannte. Nach Gätke's freundlicher Mit- 
theilung, der das mitgebrachte Exemplar verglich, ist der auf Helgoland erlegte 
sogenannte phoenicurus Pall. unzweifelhaft diese Art. — L. arenarius Bl. 
unterscheidet sich schon genügend durch den Mangel eines weissen Spiegel- 
fleckes, aber der von Hume (Lahore n. Tarkand, p. 183. t. III) abgebildete 
zeigt einen solchen, dabei auch eine viel lebhaftere rothe Färbung. — Ausser an 
der obengenannten Localität nur noch einmal in der mit Saksaul bestandenen 
wüstenartigen Steppe am Nordrande des Saissan-Nor (am 3. Juni) beobachtet. 

109. Ampelis garrulus L. — Seeb. und Br., 1. c. p. 219; Dress., 
Severtz., 1. c. p. 188. Parus bombycüla Pall., p. 548 (ostiak.: Kaley). 

Im Museum von Jekaterinenburg Exemplare aus der Umgegend dieser 
Stadt. Am Ob, wo ich mich wiederholt nach diesem so sehr charakteristischen 
Vogel erkundigte, war derselbe Vielen bekannt. — Seebohm erhielt ihn an 
der Petschora. 

Passeres conirostres. 

110. Corvus corax L. — Br., 1. c. p. 66; Seeb. und Br., 1. c. p. 112; 
Dress., Severtz., 1. c. p. 236; Pall., p. 360 (Narym.). 

Der Kolkrabe wurde, mit Ausnahme der reinen Steppe, fast im ganzen 
Reisegebiete angetroffen. Bei dem Ansehen, welches er im Munde des Volkes 
als heiliger Vogel des Propheten Elias geniesst, wird er allgemein geschont und 
so ist es daher nicht zu verwundern, wenn er sein sonst so scheues Wesen ab- 
gelegt hat und sich ungenirt in den Städten und Dörfern bewegt. Ja er scheint 
es ganz besonders zu lieben, sich auf Kirchthürmen anzubauen, und wir fanden 
seinen mächtigen Horst, schon von Weitem kenntlich, öfters unmittelbar neben 
der durchbrochenen Glockenstube herabwinken. — Schon auf der Reise von 
Nischnej -Nowgorod nach Kasan (19. bis 27. März) begegneten wir dem Kolk- 
raben öfters am Wege, und sahen ihn in den Dörfern Material zum Nestbau 
(z. B. Stroh von den Häusern) sammeln (23. März), während andere Paare 
bereits brüteten. So auf dem Kirchthurme des Dorfes Tscheborassi und in der 
Stadt Kasan selbst. In einem Dorfe, unweit letzterer Stadt, hart an der Wolga, 
begleitete ein thurmnistender Kirchenrabe den Küster beim Morgenläuten mit 
seinem Krächzen. — Zwischen Kasan und Perm war der Kolkrabe ebenfalls sehr 
häufig und fast jedes Dorf besass ein bis zwei brütende Paare. In den Wäldern 
wurde er verhältnissmässig seltener, war aber wieder in der Gegend von Jalu- 
torowsk zahlreich (14. April). — In der eigentlichen baumlosen Steppe ver- 
schwand der Kolkrabe und es war mir daher sehr auffallend, ihn am Ala-Kul 
(9. und 10. Mai) wiederzutreffen, wo er sich in den Rohrdickichten aufhielt. 
Auf der weiteren Tour nach dem Ala- Taugebirge und über den Altai hatte ich 



Reise nach West-Sibirien im Jabre 187fi. 



191 



keine Kolkraben zu verzeichnen. Sie zeigten sich erst wieder im Walde vor 
Salair (29. Juni) im nordwestlichen Altai. Auf der Ob-Thalfahrt wurde der 
Kolkrabe nur einmal beobachtet, und zwar am 8. Juli bei Kolowat, 17 Stationen 
unterhalb Samarowa. Nachdem wir vier Wochen lang keinen Raben gesehen 
hatten, war die plötzliche Erscheinung eines solchen, der sich am 8. August 
nahe der Holzgrenze auf der Tundra jenseits der Schtschutschja zeigte, umso 
auffallender. Auf der Rückreise längs dem Ob wurden Raben wiederholt beob- 
achtet (18. August Jotloch, unterhalb Obdorsk; 10. September Tampimpran vier 
Stück; 18. Nisamskaja; 19. Novaja; 30. Samarowa). Zwischen Tjumen und Perm 
(12. bis 16. October) in den Wäldern ebenfalls häufig. — Die Ural-Expedition 
notirt die Art von den Petschoraquellen (62 Grad nördl. Br.). Seebohm fand sie 
bei Ust-Sylma häufig und erhielt Junge am 2. Juni; sie geht selten so weit 
nördlich als Alexiewka. 

111. Corvus corone L. — C. corone pt. Middend., Sib. Reise, p. 160 
(Jenissei); Pall., p. 381 (ostiak. : Ai-Kolach). 

Obwohl ich leider keine Exemplare dieser Rabenart heimbrachte, so stehe 
ich doch nicht an, sie aufzuführen. Wir trafen nämlich einige Male eine Raben - 
art, die ich auf Grund der Beobachtungen ohne Bedenken als C. corone an- 
sprach, welche bekanntlich östlich bis Japan vorkommt. Ich selbst verglich 
Exemplare daher, die ich von westeuropäischen nicht zu unterscheiden ver- 
mochte. Wir trafen die ersten Rabenkrähen am Sassyk-Ala-Kul im Rohr, dann 
in der Steppe bei Agin-Su (19. Mai), am Kara-Irtisch eine grosse Brutcolonie 
in den Uferbäumen (1. Juni) und zwischen Altaiske-Staniza und Siranowsk 
mehrere Jklale. Immer hielten sich diese Raben in Gemeinschaft und stimmten 
im Betragen, Wesen und Stimme so mit unserer G. corone überein, dass ich 
bestimmt diese Art vor mir zu haben glaubte und die folgende als eine ver- 
schiedene betrachten musste. Wie gesagt, fehlen mir leider Exemplare zur Ver- 
gleichung. v. Middendorf, v. Schrenk und Radde führen C. corone eben- 
falls an ; ihre ostsibirischen Exemplare beziehen sich aber offenbar auf C. Orientalin 
Eversm., wie Middendorf selbst angibt. Dagegen bemerkt der letztere aus- 
drücklich, dass Exemplare aus Süd- Sibirien vollkommen mit westeuropäischen 
C. corone übereinstimmen. Pallas erwähnt (II. p. 662) von Tomsk echte 
C. corone und schwarze C. cornix, welche Bastarde Seebohm ebenfalls vom 
Jenissei heimbrachte. Meyer (Ledebour, Reise, p. 271) erwähnt grosse Brut- 
colonien von C. corone am Bekun, einem Nebenflusse des Irtisch, wo sie eifrig 
mit Vertilgen von Heuschrecken beschäftigt waren. 

112. Corvus orientalis Eversm. (nec Severtz.) — G corone pt. Radde, 
st-Sib. p. 209; pt. v. Schrenk, p. 325; pt. Middend., p. 160; Dybowsky, 
urn. f. Orn. 1868. p. 332. C. (smaller than corax) Finsch, 1. c. p. 51. — Nr. 78 
.) tf\ Dschasil-Kul,Ala-Tau (14. Mai). Nr. 77 (F.) Maiijerek, Südaltai (5. Juni). 



Nr. 78 13" 6"' 
77 13" 
12" 8'" 



Fl, 




Mundspl. 



25"' 
26'" 



L. M.-Z. 

2" 4'" 17"' 
2" 2'" 17"' 



4" 2'" 



7 



23'" 



25' 



2" 2"' corone tf. 



192 



Otto Finsch. 



C. japonensis Bp. unterscheidet sich bei gleicher Flügellänge durch den 
beträchtlich stärkeren und längeren Schnabel (Firste 29—30'")- C. intermedius 
Adams (Proc. Z. S. 1859. p. 171) soll noch kleiner als C. corone sein, daher 
nicht identisch mit orientdlis, wie Severtzoff meint. C. culminatus Sykes 
ist ebenfalls kleiner als corone (Fl.: 11" 9"'), hat aber einen verhältnissmässig 
stärkeren Schnabel. — Die beiden heimgebrachten Exemplare stimmen durchaus 
mit C corone aus Westeuropa überein, nur dass sie längere Flügel und einen 
mehr abgerundeten rabenartigen Schwanz besitzen. Ich würde dieselben unbe- 
denklich auf C. subcorax Severtz. (1. c. p. 236) beziehen, wären nicht für 
letzteren grössere Maasse (culmen 2*5— 27, Schwanzlänge: 9" 5'") angegeben. 
Was aber Severtzoff hinsichtlich der Lebensweise sagt: „C. subcorax ist ein 
einsamer Vogel mit Kabenstimme" passt trefflich auf die vorliegende Art. Wir 
trafen diesen Eaben nur in den Gebirgsgegenden des Ala-Tau und Altai 
(15. Mai am Dschasil-Kul im Ala-Tau, 6. Juni bei Maitjerek im Südaltai, im 
Thale des Kultschilik (bis 5000' hoch), 7. am Marka Kul, am 9. im chinesischen 
Hochaltai, am 10. am Burchatpass. Er fiel uns gleich durch sein von unserer 
C. corone ganz verschiedenes Betragen auf und ich verzeichnete ihn als eine 
zwar naheverwandte, aber verschiedene Art. Er zeigte sich nur einzeln oder 
paarweis, war sehr scheu, hatte eine rabenartige Stimme und ganz die Manieren 
des Kolkraben. 

113. Corvus frugilegus. — Seeb. und Br., l. c. p. 113; Dress., 
Severtz., 1. c. p. 237; Finsch, 1. c. p. 64. 

Die Saatkrähe fanden wir, wie bei uns, ziemlich localisirt verbreitet, 
dann aber meist in grosser Anzahl. — Ich notirte das Folgende: Schon in 
Moskau (22. März) und Nischnej -Nowgorod (24.) in grosser Menge, und von 
hier überall längs der noch mit Schnee bedeckten Strasse bis Kasan. Hinter 
Kasan fanden sich auf den Birken, welche die Allee bilden, grosse Brutcolonien 
in unförmlichen Klumpnestern, welche auch von Sperlingen besetzt waren. 
Vier bis fünf Stationen vor Perm, sowie in den Wäldern hinter dieser Stadt 
(1. bis 3. April) bemerkte ich keine Saatkrähe, dagegen fand sie sich wieder im 
Dorfe Bilembajewskaja, der höchsten Uralstation (1260') häufig (5. April). Auf 
der reinen baumlosen Steppe fehlte sie wiederum, doch fanden wir sie wieder 
bei Ischim, und zwar am 17. April in der Paarung. In der Steppe längs der 
Irtischlinie (zwischen Omsk und Semipalatinsk) war sie überall, wo es grössere 
Baumgruppen gab, häufig, so am Irtischufer (26. April), bei der Stadt Pawlodar 
(27.). Hinter Semipalatinsk trafen wir sie erst wieder bei Sergiopol (7. Mai), 
dann am 17. am Steppenfluss Dschindschili, wo grosse Schaaren ackernden 
Kirghisen hinter dem Pfluge folgten, am 19. bei Agin-Su, in völlig baumloser 
Steppe, am 23. auf der Hochsteppe des Tarbagatais. Am 12. Juni fanden wir 
eine grosse Brutcolonie hinter Altaiske-Staniza bei dem Dorfe Alexandrowka, 
in den Weidendickichten des Narym, sowie in ähnlichen Localitäten am 16. am 
Irtisch vor Buchtarminsk und am Ulbaflusse (18.). Die Saatkrähe liebt haupt- 
sächlich die hübschen Baumgruppen, welche häufig die Kirchen sibirischer 
Dörfer zu umgeben pflegen, [sowie die hainartig bepflanzten muhamedanischen 



Heise nach West-Sibirieu im Jahre 187U. 



193 



Kirchhöfe, und der Lärm und das Getöse, welches sich an einer solchen, oft von 
hunderten von Paaren frequentirten Brutcolonie entwickelt, sind ganz entsetzlich. 
Die Zahl der Nester auf einem Baume ist oft staunenswerth. — Am Ob trafen 
wir die Saatkrähe nur einmal, und zwar am 13. September einen grossen Flug 
in Bercosoff (64 Grad nördl. Br.), der sich indess nur während des Vormittags hier 
aufhielt. Auf der Rückreise beobachtete ich nur einen auf der Wanderung be- 
griffenen Flug am 8. October zwischen Tobolsk und Tjumen. — Seebohm 
erhielt nur ein Exemplar im Petschoragebiete bei Ust-Sylma (17. Mai). — 
Dresser führt die Saatkrähe nicht aus Sibirien an. 

114. Corvus corviiw L. — Dress., Severtz., 1. c. p. 237; Seeb. und 
Br., 1. c. p. 113; Sharp e, Cat. B. Brit. Mus. III. p. 31; Pall., p. 382 (Narym.). 
— Nr. 334 (W.) $ Tschematschewskaja, Ob (8. Juli). Nr. 335 (F.) (24. August), 
Nr. 336 (F.) tf, Nr. 337 (F.) Q, Nr. 338 (F.) jung (alle 23. August), Obdorsk. 
Nr. 339 (F.) Luismoss (4. September). Nr. 340 (F.) 9 Langiorskaja (7. September). 

Fl. Schw. F. L. 

13" 7" 6"' 22"' 25"' Nr. 334 

\2" 6'" 6" IV" 20"' 21"' „ 335 g 

11" 6" 10'" 20'" 25'" „ 336 $ 

11" 9"' 7" 187 2 "' 25'" „ 337 Q 

10" 9"' 6" 2"' 18"' 22'" „ 338 flügges Junge. 

— — 24—26'" Höhe 87 2 — 97 2 '" capellana. 

Das alte Männchen hat genau denselben grauen Färbungston als ein 
solches aus Deutschland; die übrigen sind mehr oder minder stark in der 
Mauser. Die alten zum Theile sehr stark abgeschlissenen Federn sind sehr 
hell erdgraulich ins Weisslichisabellfarbene, aber alle neu hervorwachsenden 
Federn sind schön dunkelaschgrau wie bei deutschen Exemplaren. Solche hell- 
gefärbte Exemplare im abgeriebenen Sommerkleide fielen namentlich in den 
südlichen Steppengebieten auf. — Der junge eben flugbare Vogel (Nr. 338), 
welcher noch von den Alten (Nr. 336 und 337) geätzt wurde, ist dunkelgrau; 
das alte Weibchen (Nr. 337) ist ganz wie das Männchen gefärbt, hat aber das 
Schwarz der Kehle, sowie am Hinterkopfe weniger ausgedehnt. — Sclater's 
„Corvus capellana", welche ich in London kennen lernte, ist eine schon durch 
den ansehnlich kräftigeren besonders höheren Schnabel wohl unterschiedene 
Art. — Bastarden von C. cornix und corone begegnete ich nicht. — Unter 
allen von uns beobachteten Vogelarten war die Nebelkrähe die häufigste und 
man kann sagen, dass sie uns auf der ganzen Reise von Dirschau bis auf die 
Tundra fast allenthalben zu Gesicht kam und neben Elstern und Dohlen eine 
fast alltägliche Erscheinung, aber noch häufiger als die letzteren beiden Arten 
war. Da sie indess in einigen Gebieten fehlte, wenigstens nicht von mir wahr- 
genommen wurde, so will ich auf die Beobachtungen etwas näher eingehen. — 
Schon in Moskau war die unzählbare Menge von Nebelkrähen und Dohlen, die 
namentlich den Creml belebten, höchst überraschend für den Fremden. Ebenso 
verhielt es sich in Nischnej-Nowgorod (19. März) und von hier auf der ganzen 
Reise bis Tjumen (9. April). Da das Land noch grossentheils mit Schnee 

Z. B. Ges. B. XXIX. Abh. 25 



194 



Otto Pintäch. 



bedeckt war, so hatten die vereinten, oft ungemein zahlreichen Schaaren von 
Nebel- und Saatkrähen und Dohlen ihr Lager auf der Fahrstrasse aufgeschlagen, 
wo das hochaufgeworfene abschmelzende Eis täglich neue Vorräthe von Pferde- 
mist und verstreutem Futter blosslegte. Namentlich wurden aber die Dörfer 
selbst und die vor denselben aufgeschichteten Getreidefeimen von diesen Krähen - 
vögeln heimgesucht. In dem höchstgelegenen (1260') Uraldorfe Bilembajewskaja 
gab es viel Nebelkrähen. — Auf der Strecke von Tjume'n bis Jalutorowsk 
(16. April) war sie der häufigste Strassenvogel, wurde aber am Ischim in fast 
reiner Steppengegend seltener, obwohl sie neben der Elster immer noch der 
häufigste Vogel war, und fehlte selbst in der reinen Steppe bei Omsk nicht 
ganz. Wir hatten sie schon bei Jalutorowsk am 16. April mit Nestbau be- 
schäftigt gesehen und fanden sie nun (25. April) brütend. Da es in der Steppe 
an Bäumen fehlt, so hatten die kleinen Krüppelbirken benutzt werden müssen, 
auf denen sich die grossen weithin sichtbaren Nester, welche oft kaum mehr 
als fünf Fuss hoch standen, gar wunderlich ausnahmen. — Bei Pawlodar 
(27. April) gab es wieder viele Nebelkrähen; noch häufiger wurden sie in der 
wesentlich veränderten hie und da mit mächtigen Kiefern besetzten Steppe bei 
Tscheremuchowskaja (29.) am Irtisch; selbst in der ganz kahlen Salzsteppe bei 
Gluchowskaja (29.) fehlten sie nicht ganz. — Auf der Reise von Semipalatinsk 
südlich begegneten wir ihr nur sporadisch, so an den Arkatbergen (4. Mai), 
einzeln bei Sergiopol (7.), vor Lepsa (17.). — Auf der weiteren Reise vom Ala- 
Tau über den Altai verzeichnet mein Tagebuch keine Nebelkrähe, sondern ge- 
denkt ihrer erst wieder am 16. Juni, wo sie in den romantischen Felswänden 
am Irtisch bei Buchtarminsk beobachtet wurde. Von hier an ist sie wieder 
allenthalben häufig, so bei Smeinogorsk (19. Juni), Kolywan- Schleiferei (20.), 
Barnaul (29.), bis Tomsk (30.). Im Walde vor Salair gab es (29. Juni) flügge 
Junge, die sich von den Alten noch füttern Hessen. Zwischen Salair und Tomsk 
war sie der häufigste Vogel und überall zeigten sich Alte mit flugbaren Jungen. 
Längs dem Ob wurde die Nebelkrähe von Samarowa bis Obdorsk (9. bis 13. Juli) 
bei jedem Dorfe und jedem Dschumplatze beobachtet. Am 10. Juli gab es bei 
Ugorskia Jurti flügge Junge. Abwärts von Obdorsk wurde die Art spärlicher; 
doch wurde sie noch einzeln an der mittleren Schtschutschja, oberhalb der 
Gabelung am 22. Juli beobachtet, und auf der Rückreise fanden wir sie am 
13. August in fast derselben Localität bei Tschorne-jar zuerst wieder. In den 
äussersten Regionen des Holzwuchses fehlte sie eben wie auf der Tundra ganz. 
Bei Haljatur (15. August) und Paluspagor (16.) am kleinen Ob, war die Nebel- 
krähe wieder häufig, und auf der Rückreise von Obdorsk bis Samarowa (3. bis 
30. September) verzeichnet sie mein Tagebuch ausnahmslos täglich und an 
manchen Orten als sehr zahlreich. — Vom 16. August bis 7. September waren 
die Vögel in voller Mauser. In Obdorsk pflegten sich die Nebelkrähen gegen 
Abend zu schaaren, um ausserhalb des Dorfes irgendwo zu übernachten. Es gab 
hier noch am 23. August Junge, welche den Alten schreiend nachflogen, um 
sich noch ätzen zu lassen. In Samarowa beobachtete ich ein eigenthümliches 
Gebahren dieser Krähen beim Fischefangen, welches sie anscheinend den Möven 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 1876. 



195 



abgelernt hatten. Wie diese flogen sie langsam schwebend, gleichsam rüttelnd, 
so niedrig über dem Wasser, dass ihre Schwänze oft eintauchten und fingen mit 
weitausgestreckten Klauen Fische. In Tobolsk (7. October) war die Nebelkrähe sehr 
häufig und blieb es auf der weiteren Rückreise. Die jetzt gefüllten noch un- 
ausgedroschenen Getreidefeimen vor den Dörfern wimmelten von hunderten 
von Nebelkrähen und Dohlen, die sich an den Körnern gütlich thaten, während 
der Untergrund zu demselben Zwecke von zahlreichen Schweinen unterwühlt 
wurde. Oefters wurden die letzteren von den Krähen als Sitz benutat, was 
sehr komisch aussah. — Zwischen Jekaterinenburg und Perm waren am 16. October 
grosse Flüge offenbar auf dem Zuge begriffen. 

115. Corvus collaris Drummond. — C. monedula Br., 1. c. p. 66; 
Seeb. und Br., Ibis. p. 113 („possibly C. collaris"); Finsch, 1. c. p. 49, 64; 
Dress., Severtz., 1. c. p. 237. Coloenus monedula (subsp. a collaris) Sharpe, 
Catal. B. Brit. Mus. III. p. 27. Lycos torquatus (Drumm.) Severtz., Journ. f. 
Orn. 1875. p. 190. — Nr. 79 (F.) Station Podbusknaja am Irtisch, zwischen 
Omsk und Semipalatinsk (28. April). Iris periweiss. 

Fl. Schw. F. L. M. Z. 

9« 4» io'" is'" 20"' 12'" 

Das vorliegende Exemplar stimmt in der schimmelgrauen Färbung der 
Schläfe und Halsseiten zwar ganz überein, aber die unteren Halsseiten, gerade 
über dem Buge haben einen deutlichen, wenn auch nicht scharf umschriebenen, 
halbmondförmigen milchweissen Fleck, der bei westeuropäischen Dohlen niemals 
vorkommt. Ich glaube daher, trotz Dress er's gegentheiligen Behauptungen, 
C. collaris als eine gute Art, annehmen zu müssen und habe gewichtige Gründe 
dafür in meinen Naturbeobachtungen. 

Der ungeheuren Häufigkeit dieser Art in Moskau ist schon bei der 
Nebelkrähe gedacht worden. Bei dem kurzen Aufenthalte und den vielen 
Besorgungen, welche ich dort hatte, konnte ich aber nicht sonderlich auf die 
Dohlen achten, und so habe ich keine Notiz darüber, ob die so prononcirt hellen, 
fast weissen Halsseiten, welche diese Art auszeichnen, schon bei den Dohlen in 
Moskau Regel sind. Ich muss aber bemerken, dass sowohl Dr. Brehm als 
mir, diese Eigentümlichkeit zuerst in Nischnej -Nowgorod (19. März) auffiel, 
wo es namentlich auf der Strasse über die Oka von Dohlen wimmelte, die alle 
darin übereinstimmten. Und für die Folge sahen wir nur diese Form oder 
Art, welche schon Brandt von Tscherdin als durch den weissen Halskragen 
ausgezeichnet anführt, und die Seebohm ebenfalls als abweichend von unserer 
erwähnt. Sie war bis Mesen gemein, fand sich dann aber nur einzeln, so wurde 
in Ust-Sylma nur eine beobachtet. Zwischen Nischnej -Nowgorod und Perm war 
die Halsbanddohle in allen Dörfern sehr häufig, fehlte aber in den letzten vier 
bis fünf Stationen vor letzterer Stadt. Schon am 27. März sah man sie überall 
mit Nestbau beschäftigt und sie paarten sich bereits. Die Nester wurden vorzugs- 
weise unter den Dächern angelegt, da wo sich Bretter losgelöst hatten und die 
Fensterläden dienten als Lieblingssitz der zu Neste tragenden Vögel. In Perm 
selbst und von hier in den Wäldern und Dörfern überall häufig, auch in dem 

25* 



196 



Otto Finget. 



höchsten Uraldorfe Bilembajewskaja (5. April), wo ich auf der Rückreise am 
15. October keine mehr bemerkte. In Jalutorowsk und jenseits dieser Stadt 
neben der Nebelkrähe und Elster der häufigste Vogel. Die Vögel trugen hier 
am 16. April zu Neste. Längs der Irtischlinie von Omsk bis Semipalatinsk 
wurden die Dohlen seltener und fehlten in manchen Kosakendörfern ganz. Aber 
sie zeigten sich einzelne Male zu sechs bis acht Stück mitten in der Steppe. 
In Pawlodar (27. April), Podbusknaja (28.) und Belo Kamene (29.) waren sie 
ungemein häufig. Auf der weiteren Reise durch die Steppe fanden sich Dohlen 
sehr sporadisch. So an den Arkatbergen (4. Mai), bei Sergiopol (7.), in Lepsa 
(12.) und selbst die Umgebung des schönen Alpsees Dschasyl-Kul im Ala-Tau 
(15.) war von ihnen belebt. In den Hochufern und Felswänden der Steppen- 
flüsse fanden wir einigemal Brutcolonien, so am 17. und 19. Mai am Agin-Su. 
Auf der Hochsteppe des Tarbagatai (23. Mai) fehlte die Dohle so wenig, als in 
den grotesken Felsen vor Saissan und in letzterem Orte selbst. Sie liebt es also 
ebsensosehr unter dem Dache des Menschen als in Einöden und Wäldern ihr 
Heim anzulegen, denn in den hohlen Uferbäumen des Kara Irtisch war sie 
wieder ungemein häufig (1. Juni), ebenso wie in den kahlen Felslabyrinthen 
im Südaltai vor und in Maitjerek (5.), hier ca. 4000' hoch. Auf der weiteren 
Reise über den Altai trafen wir keine Dohlen und begegneten ihr erst wieder 
in den Felsen des Irtisch bei Buchtarminsk, wo sich grosse Brutcolonien mit 
Jungen befanden (16.). Vom Ulbaflusse (18.) über Smeinogorsk, Kolywan- 
Schleiferei (20.), Barnaul (29.), Salair bis Tomsk (30.) war sie überall häufig, 
hier mit flüggen Jungen. Am Ob beobachtete ich sie nur bis drei Stationen 
unterhalb Samarowa und traf sie erst wieder am 23. September in Suchorow- 
skaja. fünf Stationen unterhalb Samarowa. Doch fehlte sie wiederum in den 
zwei folgenden Dörfern. Die Exemplare erschienen mir dunkler als gewöhnlich 
und zeigten keine so hellen Halsseiten, weil es wahrscheinlich junge oder frisch- 
vermauserte Vögel waren. In Tobolsk (7. October) wimmelte es wieder von 
Dohlen und sie waren von nun an bis Jekaterinenburg (13.) überall häufig und 
plünderten, oft zu Hunderten, in Gemeinschaft mit Nebelkrähen, die Getreide- 
feimen. In Perm bemerkte ich (16.) keine, und traf sie erst in Kungur (17.) 
und weiter in den Dörfern. Ebenso wurde sie in Kasan (25.) nicht beobachtet. 
— Die Kragendohle scheint sich bis Ost-Sibirien und ins Amurland zu ver- 
breiten, wenigstens erwähnt Middendorf Exemplare, die ganz mit russischen 
übereinstimmen und sich durch den weissen Halsfleck sehr von westeuro- 
päischen unterscheiden. Freilich halten sowohl Middendorf, als Schrenk 
und Rad de C. monedula und C. dauricus nicht auseinander, sondern bemühen 
sich, beide Arten zu vereinen. Wir selbst haben C. dauricus Pall., die eine 
unzweifelhaft gute Art ist (C. neglectus Schi., der junge Vogel), niemals ange- 
troffen; nach Brandt soll sie aber im Altai vorkommen. Meyer (Ledebour, 
Reise p. 82) beschreibt „Dohlen mit weissem Halsbande", also diese Form aus 
der Kuraischen Steppe, hoch im Quellgebiete der Tschuja im Altai. — Ich will 
noch anfügen, dass ich durch Güte von Graf Berlepsch neun Dohlen (alle 
bei Leipzig im schönsten Kleide erlegt) zum Vergleiche erhielt. Nur ein Exemplar 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 187<5. 



197 



zeigte an den Halsseiten einen halbmondförmigen weisslichen Schein, aber nicht 
den so circumscript schwarzen Scheitel des Sibiriers ; bei allen deutschen Dohlen 
sind Schläfe und Hinterhals (letzterer dunkler) aschfarben und nicht silbergrau 
wie bei Sibiriern. 

116. Pica rustica Scop. — Seeb. und Br., 1. c. p. 113. P. caudata 
Br., L c. p. 66. 

Ich vermuthe, dass die von Nischnej -Nowgorod bis über den Ural ge- 
sehenen Elstern zu unserer westeuropäischen Art gehören, die im Ural jedenfalls 
schon mit leucoptera zusammentrifft. Leider fehlen mir genaue Daten, da ich 
bei der Eile, mit der wir reisen mussten, leider keine präpariren konnte. Auf 
der Rückreise notirte (15. October) ich das Pehlen der Elster in dem höchst- 
gelegenen Uraldorfe Bilembajewskaja, wo wir sie auf der Hinreise angetroffen 
hatten. — Die Ural-Expedition verzeichnet die Elster von Tscherdin (62° nördl. 
Br.). Nach v. Hoffmann geht sie mit den Menschen und Renthierheerden weit 
nach Norden, doch haben wir sie selbst niemals auf der Tundra beobachtet. 

117. Pica leucoptera Gould. — B. of Asia. pt. XIV. (1862) pl. (opt.). 
P. rustica Dress. (caudata var. ß leucoptera), Severtz., 1. c. p. 238. P. pica 
(subsp. a. P. leucoptera) Sharpe, Catal. B. Brit. Mus. III. p. 66. P. leucoptera 
Dybowsky, Journ. f. Orn. 1868. p. 332; Finsch, 1. c. p. 51. ? P. bactriana 
Bp., Consp. I. p. 383 (Bürzelbinde weiss); Gould, B. of Asia pt. XV. (1863) 
pl. (opt.). P. caudata Finsch, 1. c. p. 55, 57, 64. Corvm pica Pall., p. 389 
(Ob). — Nr. 81 (F.) $ bei Lepsa (13. Mai). Nr. 80 (W.) cf Jekaterinowskaja 
am Alai (18. Juni). Nr. 341 (W.) Malo Atlim, Ob (7. Juli). Nr. 342 (F.) 9 
Scharkalskaja (17. September). 





Fl. 


M. Schw. 


F. 


L. 




Nr. 81 


7" 9"' 


10" 9'" 


15"' 


21"' 


cT 


„ 80 


8" 


9" 6"' 


15"' 


22"' 


d 1 


» 341 


8" 




15"' 


23"' 


c? 


» 342 


7" 6'" 


8" 10"' 


14"' 


21"' 


9 




V 3"' 


9" V" 


14"' 


22"' 


Deutschland. 




6" 9"' 


8" 3"' 


14"- 


20%"' 


9 


6" 


8'"— 7" 5"' 


7" 8'"— 9" 2"' 


13V 2 -17"' 


20— 22V 2 " 


' Europa (14 Expl. 



nach Schlegel). 

Wenn die sibirische Elster im Allgemeinen auch grösser als unsere ist 
(namentlich sind Flügel und Schwanz meist länger), so nähern sich die kleinsten 
Exemplare aus Sibirien den grössten westeuropäischen doch so sehr, dass sich 
auf die Grössenunterschiede allein keine specifische Absonderung begründen 
lässt. Anders verhält es sich bezüglich der Flügelzeichnung. Bei unserer 
europäischen Elster sind die ersten Schwingen am Ende stets rauchschwarz, und 
zwar beim Weibchen weiter ausgedehnt als am Männchen. Von einem Paare 
aus der Umgebung Bremens ist die vierte Schwinge beim Männchen 8"' breit 
dunkel geendet, beim Weibchen 16"' breit. Doch variirt dieser Charakter. 
Nach Schlegel bei der europäischen Elster von 5—13"', bei der gleichartigen 
chinesischen (P. sericea Gould) 6—13"' und bei der japanischen (P. japonica 



198 



Otto Finsch. 



Bp.) 4—6'". Der Bürzel trägt eine schmale rauchgraue Querbinde. Die heim- 
gebrachten Sibirier zeigen ganz in Uebereinstimmung mit P. leucoptera Gould 
die ersten Schwingen innen bis auf einen schmalen Endrand weiss. Bei Nr. 81 
sind die ersten fünf Schwingen an der ganzen Innenfahne weiss, wie bei einem 
Exemplare der Bremer Sammlung aus Daurien. Nr. 80 hat die vierte Schwinge 
3'" breit dunkel gerandet, Nr. 341 2"', Nr. 342, ein Weibchen, 5'" breit. Bei 
allen Sibiriern ist die erste verkürzte säbelartige Schwinge an der Innenfahne 
einfarbig weiss, bei Europäern stets mit breitem dunklen Ende. Alle Sibirier 
zeigen eine mehr oder minder bis fast 1" breite weisse Bürzelquerbinde. Wenn 
von unseren ersten Ornithologen Uria Mandti als Art anerkannt wird, obschon 
sie nur durch die bis an die verdeckte Basis weissen Armdecken sich von 
U. grylle unterscheidet, so wird man der weissflügeligen Elster um so mehr das 
Recht als besondere Art gönnen müssen. Sharpe nennt sie „eine kaum unter- 
scheidbare Rasse", geht aber ebensowenig auf die von mir berührten Kenn- 
zeichen ein als Dresser, der überhaupt nur zwei sibirische Elstern zum Ver- 
gleiche hatte. Die von mir in Sibirien untersuchten zahlreichen Exemplare 
stimmten alle in der bei weitem grösseren Ausdehnung des Weiss an den ersten 
Schwingen (die erste an Innenfahne stets einfarbig weiss) und der weissen 
Bürzelquerbinde überein, und Dybowsky berichtet dasselbe von den von ihm 
in Daurien gesammelten Elstern. Middendorf, Schrenk und Radde be- 
sprechen die sibirische Elster nicht und nur v. Schrenk sagt, dass sie grösser 
aber ganz gleich gefärbt mit europäischen sei; doch lässt er die Schwingen- 
zeichnung unberücksichtigt. Wie weit die Verbreitung von P. leucoptera westlich 
reicht, vermag ich nicht zu bestimmen, jedenfalls trifft sie im Ural mit unserer 
P. caudata zusammen. Doch fehlen mir genaue Angaben hierüber, da ich im 
Ural den Elstern keine besondere Aufmerksamkeit widmete, indem ich P. leu- 
coptera damals für eine ausschliessend ostsibirische Art hielt und nicht erwartet 
hatte. Uebrigens kommt die echte rustica auch in China vor. Ich vermuthe, 
das P leucoptera mit P. bactriana Bp. aus Afghanistan zusammenfällt, doch 
fehlt es mir an Vergleich ungsmaterial. — Nirgends wohl in der Welt gibt es 
mehr Elstern als in Sibirien. Während man bei uns nur Paare oder höchstens 
einige zu sehen bekommt, sahen wir in Sibirien nicht selten fünfzehn und 
mehr in einem Busche übernachten. Kein Wunder daher, dass, nachdem Vogel- 
federn, namentlich Flügel, zu Damenputz in Mode gekommen waren, Sibirien 
mit seinen vielen Elstern herhalten musste, deren Flügel sich überdies durch 
die weitere Ausdehnung des Weiss an der Innenfahne feiner ausnehmen. Nach 
den Mittheilungen des Kaufmann Je slow in Tjukalinsk ist Ischim der Haupt - 
Stapelplatz für Elsternflügel, von welchem Artikel in den letzten Jahren an eine 
Million Paare, das Paar zu 8 Kopeken, jährlich nach Moskau ausgeführt wurden. 
Doch hat das Geschäft schon 1875 nachgelassen und scheint mehr und mehr 
in der Abnahme begriffen. Ich führe diese Notizen nur deshalb an, weil sie 
am besten als Beleg für die Häufigkeit der Elster in Sibirien dienen können. 
In der That fanden wir nächst der Nebelkrähe die Elster als den häufigsten 
Vogel und die Verbreitung beider innerhalb unseres Reisegebietes ziemlich 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 1K7t'.. 



L99 



gleich, nur dass die Elster minder hoch nach Norden vordringt. — Wir wurden 
auf die weissflügelige Elster erst zwischen Jekateriuenburg und Tjume'n auf- 
merksam, sind ihr aber wahrscheinlich schon früher begegnet. Sie war überall 
häufig und die folgenden Notizen beziehen sich nur auf diese Art. Bei Jalu- 
torowsk sahen wir die Elster am 13. und 16. April zu Neste tragen. Sie hatte 
in der buschartigen Steppe bei Ischim und Djukalinsk, wo sie neben der Nebel- 
krähe fast die einzige Vogelerscheinung bildete, wie diese, ihr Nest in den 
Krüppelbäumen, oft kaum höher als 10 Fuss, angelegt, und die grossen runden 
Klumpen machten sich schon von Weitem kenntlich. Von Omsk bis Semi- 
palatinsk wurde sie in der reinen Steppe und in den Kosakendörfern seltener 
als bisher und fehlte an zwei Stationen hinter letzterer Stadt ganz, trat aber 
wieder an den Arkatbergen (4. Mai) auf. Auf der ganzen Steppenreise nach 
und von dem Ala-Kul habe ich sie nirgends gesehen. Sie fand sich erst wieder 
bei Lepsa und im Ala-Tau (13. bis 15. Mai), fehlte dann über den Tarbagatai 
und den Steppen von Saissan, und wir begegneten ihr erst wieder in Maitjerek 
im Südaltai am 5. Juni. Auf der weiteren Reise über den Hochaltai beob- 
achtete ich ebenfalls keine Elstern, aber von Altaiske-Staniza bis Barnaul und 
Tomsk waren sie wieder häufig. Hier zeigten sich am 30. Juni bereits viel junge 
flugbare Vögel, die mit den Alten flogen und sich von diesen noch ätzen Hessen. 
Am Ob erhielten wir solche erst am 10. Juli bei Ugorskia-Jurti unterhalb 
Bercosoff. Längs dem Ob war die Elster überall häufig, obwohl nicht in solcher 
Anzahl als im Süden Sibiriens, aber sie geht nur wenig über den Polarkreis 
hinaus und ich beobachtete sie in Jotloch, wenige Stationen unterhalb Obdorsk 
zuletzt. Auf der Rückreise längs dem Ob (4. bis 30. September) war sie bei 
Weitem häufiger als auf der Hinreise und wurde mit Ausnahmen fast täglich 
beobachtet. Je mehr wir uns Samarowa und somit grösseren menschlichen 
Niederlassungen näherten, um so häufiger wurde sie. In Tobolsk (7. October) 
gab es viele Elstern und von da an war sie bis Perm (16.) überall gemein. 
Leider hatten wir auf der Rückreise solche Eile, dass ich den Elstern nicht die 
nöthige Aufmerksamkeit schenken konnte und daher nicht anzugeben vermag, 
wo wir zuerst wieder mit der europäischen zusammentrafen. 

118. Pyrrhocorax alpinus Vieill. 

Graf Waldburg-Zeil beobachtete diese „an dem gelben Schnabel leicht 
kenntliche Art" mit völliger Gewissheit in den Manrakbergen am 28. Mai und 
am 11. Juni im Tau-Tekegebirge. Beide Male Hess es edleres Waid werk (Stein- 
böcke) nicht zu, Exemplare zu schiessen. 

119. Fregilus graculus L. — Corvus graculus Pall. (ostiak.: Kirü). 

„Mit Sicherheit gesehen am 11. Juni bei der Steinbockjagd im Tau- 
Tekegebirge, und zwar so nahe, dass die rothen Schnäbel und Püsse deutlich 
zu erkennen waren. Sie wurde an den Felswänden sitzend und fliegend ge- 
sehen, am und auf dem Schnee, der noch metertief auf der Höhe lag. Höhe 
pr. pr. 8000'." (Graf Waldburg in litt.) 



200 



Otto Finsch. 



Im chinesischen Hochaltai beobachtete ich mehrmals (7. Juni vor dem 
Marka-Kul, 9. Tau-Tekegebirge und 10. Passhöhe von Dschetik-Kesen vor dem 
Burchatpass) schwarze, hoch in der Luft schwebende Vögel, die nach Betragen 
und Stimme unzweifelhaft zu einer der beiden genannten Arten gehörten, ohne 
dass ich dies mit völliger Sicherheit feststellen konnte. 



119. Nucifraga caryocatactesh. — Dress., Severtz., 1. c. p. 238; 
Br., 1. c. p. 65 (Petschora); Pall., p. 397 (Ob, Narym). — Nr. 343 (B.) 9 und 
Nr. 344 (B.) Q (7. September), Langiorskaja. Nr. 345 (B.) 9 (8. September), 
Kuschowat. Nr. 345 a (B.) tf, Nr. 346 (F.) <j\ Nr. 347 (F.) 9, Nr. 348 (F.) 9 
(alle 17. September), Scharkaiskaja. Nr. 349 (W.) Q (19. September), Bolschoi 
Atlim. Nr. 350 (W.) $ (20. September), Leumtschi. 

Nr. 343 ist ein vermauserter junger Vogel, noch mit schwachen Resten 
des Nestkleides; Nr. 350 mausert noch etwas, ebenso ist Nr. 349 noch im 
Wechsel der Schwanzfedern begriffen, die übrigen meist völlig vermausert. In 
der Färbung stimmen beide Geschlechter überein, ebenso in der Grösse. Die 
Flügellänge variirt von 6" 5'" — 7"; noch mehr der bald dickere, bald mehr 
gestreckte, schlankere Schnabel mit zuweilen merklich überragender Spitze 
des Oberschnabels. Beim Weibchen: Firstenlänge 17—20'", beim Männchen 
19 — 22'". — Den Tannenhäher beobachteten wir auf der Rückreise am Ob von 
Kischgort (6. September) bis nach Samarowa (30.) fast täglich. Er hielt sich 
meist einzeln auf Arven auf, deren Nüsse er verzehrte, und war wenig scheu. 
Am 8. September begegneten wir vor Kuschowat einem grösseren Fluge, der 
an 60 bis 80 Stück zählen mochte. — Die Ural- Expedition fand ihn an den 
Petschoraquellen (62 Grad nördl. Br.) am 12. Juni. — Meyer (Ledeb., Reise, 
p. 431) notirt grosse Flüge, die von West nach Ost zogen, bei Karkarali in der 
Kirghisensteppe. 

120. Garrulus glandarius L. 

Am 28. und 29. März zwischen Kasan und Perm, sowie am 13. October 
vor Jekaterinenburg einzeln beobachtete Häher schienen mir nichts anderes als 
unsere Art zu sein. Doch verzeichnet Middendorf die folgende Art als 
häufig von ihm zwischen Malmysch und Kungur angetroffen. Jedenfalls treffen 
beide Arten im östlichen europäischen Russland und im Ural zusammen. 

121. Garrulus JBrandti Eversm. — Sharp e, Catal. B. Brit. Mus. 
III. p. 96. 

Mit völliger Sicherheit beobachtet am 30. September bei Samarowa am 
Irtisch und am 8. October vor Tjumen. Im Altai wurde kein Häher wahr- 
genommen. 

122. Perisoreus infaustus L. — Seeb. und Br., 1. c. p. 113. Gar- 
rulus infaustus Br., 1. c. p. 65 (Petschora). — Nr. 351, 352 (B.) cf Scharkai- 
skaja (17. September). Nr. 353 (B.) tf\ Nr. 354, 355 (W.) 9 (alle 18. September), 
Kloster Kondinsky. 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 1876. 



201 



Beide Geschlechter sind durchaus gloichgefärbt und gleichgross. — Nr. 351 
befindet sich noch etwas in Mauser, die übrigen sind frisch vermausert. 

Fl. Schw. 

5" 3'"— 5" 4'" 4" 7"'— 4" 10'" 
Den Unglückshäher erhielten wir zwischen Scharkaiskaja (17. September) 
und Samarowa (26. September) auf der Rückreise zu verschiedenen Malen; doch 
hatte ich nicht selbst Gelegenheit den interessanten Vogel zu beobachten. Im 
Magen Erlegter fand ich Preisseibeeren, Käferreste und Mäusehaare. 



Als wir in der wasserlosen Steppe nördlich vom Nor-Saissan zuerst in 
das Gebiet des Saxaul (Halocylon ammodendron) kamen, spähte ich vergebens 
nach Podoces aus, dessen Vorkommen so innig mit dem jenes charakteristischen 
Strauches verbunden sein soll. Wie Seebohm mitheilte erhielt Professor 
Slovzoff in Omsk seither einen Saxaulhäher und zwar, Podoces Hender- 
soni Hume, aus dem Gebiete des Kara-Irtisch, welches auch wir zum Theil 
durchzogen. 



123. Sturmis vulgaris L. — Dress., Severtz., 1. c. p. 238. 

Exemplare, die wir bei Jalutorowsk (14. April) erlegten und die ich 
durch Professor Slovzoff aus Omsk erhielt, stimmen durchaus mit unseren 
überein. — Der Staar kann sich wohl nirgends heimischer fühlen als in Sibirien 
wie in Eussland überhaupt, denn nirgends wird es ihm gemüthlicher gemacht 
als hier. In den meist baumlosen oder mindestens baumarmen Dörfern ist an 
den Giebeln der Häuser oder hoch an einer Stange fast vor jedem Hause eine 
Staarwohnung angebracht, welche aus oft sehr zierlich gearbeiteten und bunt 
bemalten Häuschen besteht, gegen welche unsere Nistkästen, wenigstens dem 
Aeusseren nach, keinen Vergleich aushalten. Auch die Portale der Hofthore 
sind oft in sinnreicher Weise für Staare hergerichtet, aber ebenso oft von 
Sperlingen occupirt als die schwankenden Nistkästen. Doch ist es anerkennens- 
werth, dass der Sibirier in solchen Fällen nicht intervenirt, sondern es den 
betreffenden Vögeln überlässt sich auseinanderzusetzen und noch mehr, dass er 
nicht, wie so häufig bei uns die verlockenden Niststätten nur deshalb herrichtet, 
um die fröhlich herangereifte Brut zu verzehren. — Wir beobachteten die ersten 
Staare, trotz des noch mit dem Winter ringenden Frühjahrs, am 27. März bei 
Kasan, am 28. wurden sie in den tatarischen Dörfern häufiger und zeigten 
sich vor Perm (30.) wieder einzeln, ebenso in den Dörfern vor Kanupchlow 
(6. April). In und bei Jalutorowsk (13. und 14. April) waren sie in voller 
Arbeit die alten Wohnungen zu beziehen. In den Kosakendörfern an der Irtisch- 
linie hatte man weniger Vorsorge für die Staare, wenigstens mehr vereinzelt 
für sie gesorgt ; sie fanden sich aber dennoch ziemlich häufig in den einzelnen 
Krüppelbirkenhainen der Steppe und fehlten nur ganz wo diese fehlten. Bei 
Podbusknaja (28.) und Belo Kamene (29.), wo es hohe Bäume gab, gab es auch 
Staare in Menge und vor Semipalatinsk und in dieser Stadt hatte man wieder 

Z. B. Ges. B. XXIX. Abh. 26 



202 



Otto Finsch. 



die nöthige Sorge für ihr Unterkommen getroffen. Von hier aus fanden wir 
erst wieder Staare am Ala-Kul (9. Mai), doch wage ich nicht zu entscheiden 
ob diese und von den folgenden Localitäten zu dieser oder der nächsten Art 
gehörten. Dann in Lepsa (13. Mai), wo ebenfalls überall Kästen an Stangen 
prangten. Auf der Hochsteppe des Tarbagatai, die doch so öde und kahl ist, 
zeigten sich dennoch Staare (23. Mai) und in den hohen Uferbäumen des Kara- 
Irtisch (1. Juni) waren sie zahlreich. Von dort aus trafen wir sie erst in den 
Felsen des Irtisch bei Buchtarminsk (16. Juni) wieder und begegneten ihnen 
bis Tomsk (30. Juni) allenthalben. Im Walde vor Salair und von hier bis 
Tomsk (29. und 30. Juni) gab es überall eben ausfliegende und mit den Alten 
fliegende Junge. 

124. Sturmis Poltoratzkyi Finsch, in: Sitzung der zoolog. Gesell- 
schaft zu London am 18. Juni 1878, und: Proceed. Z. S. London 1878, p. 712. 
St. unicolor Hume (nec La Marm.) Ibis 1870, p. 529. St. Humei Gould (nec 
Brooks) B. of As. pt. 29 (1877). Wahrscheinlich: St. vulgaris von Eadde und 
bchrenk aus Ost- Sibirien. St. vulgaris pt. Jerd. St. vulgaris und unicolor 
pt. Blanf. St. vulgaris Finsch, 1. c. p. 54. — Nr. 82 (F.) am Marka-Kul, 
chiues. Hochaltai (ca. 5000') (7. Juni), Schnabel gelb, mit horngrauer Basis $es 
Unterschnabels, Beine röthlichbraun ; Iris braun. 

Fl. Schw. F. L. 

4" 8'" 2" 2'" 25 Mm. 30 Mm. Nr. 82. 

4" 9"' 2" 3"' 23 „ 30 „ Omsk. 

4" 9"' 2" 2'" 24 „ 28 „ Bremen. 
Nach sorgfältiger Vergleichung des reichen Materials über unseren ge- 
meinen Staar und seine nächsten Verwandten im British Museum war ich 
genöthigt diesen einen neuen Namen beizulegen und benannte ihn zu Ehren 
unseres liebenswürdigen Geleitgebers und Gastfreundes durch den Altai, General 
von Pol toratz ky, damals Gouverneur von Semipalatinsk, der als wissenschaft- 
licher Eeisender im Tian-Shan sich einen Namen machte. — St. Poltoratzkyi 
ist eine bisher übersehene, respective verwechselte Art, deren Unterscheidung 
sich am besten aus der folgenden diagnostischen Uebersicht ergeben dürfte. 



St. vulgaris. 

Kopf violett, 
Kopfseiten grün, 
Kropf violett. 
Uebrige Unterseite 
dunkelgrün, nur 
Bauchseiten ins 
Violette. 
Fleck auf Hinter- 
hals grün. 



Mantel violett. 



St. Indiens 

Hodgs. 
Desgleichen, 



schwarzgrün ; 
Brust bronzemes- 
singgrün , Bauch- 
seiten ohne Violett. 
Hinterhals einfar- 
big violett. 



Mantel violett. 



SWFoltoratzkyi. 



chen, 
violett, 
grün, 
violett. 



Hinterhals grün. 



Mautel grün. 



St. Humei. 

Kopf grün, 
grün, 
violett; 
grün mit schwar- 
zem Scheine. 



Hinterhals und 
Mantel violett. 



St. purpu- 
rascens. 
Kopf grün, 
Ohrgegend violett, 

grün. 
Desgleichen, nur 
Brust violett. 



Hinterhals, Mantel 
und Bürzel nebst 
oberen Schwanz- 
decken violett. 



Reise Dach West-Sibirien im Jalire 1S7<i. 



20,°» 



Die angeführten Färbungsunterschiede sind selbst im Winterkleide noch 
theilweise bemerkbar; für Poltoratzhji sind die einfach violetten Kopfseiten 
besonders charakteristisch, welche bei vulgaris selbst im Winterkleide stets 
einen grünen Fleck zeigen. Von St. vulgaris untersuchte ich, ausser im British 
Museum (22 Exemplare), das reiche Material in Dresser's Sammlung: alle 
zeigten den Mantel violett (nicht grün). St. Faroensis ist ausser etwas be- 
deutenderer Grösse (PI. 5"— 5" 2'") in nichts von continentalen unterschieden. 
Ebenso stimmen Exemplare aus Algier und Palästina ganz mit unserem über- 
ein. — Zunächst mit unserem verwandt ist: St. Indiens Hodgs. (vulgaris Jerd. 
et auet.), von dem er sich hauptsächlich durch die schwarze, tief bouteillengrün 
scheinende Unterseite unterscheidet; ebenso sind Bürzel, obere Schwanzdecken 
und die Aussensäume der Schwingen gefärbt. Diese Parbenvertheilung ist schon 
im gefleckten Winterkleide erkennbar. Das British Museum besitzt sieben Exem- 
plare aus Nepal durch Hodgson, ebendaher ein solches im Leidener Museum, 
sowie hier ein zweites von Chandernagor Indien s. n. St. splendens Temm. 
(von Temminck's eigener Hand). 

St. Poltor atzky i Finsch darf ich als selbst gesammelt nur mit Sicher- 
heit vom Marka-Kul, im chinesischen Hochaltai (ca. 5000' hoch), verzeichnen. Die 
Art war hier nicht selten und ich traf mehrere Brutcolonien in den meist in 
sumpfigem Untergrund nahe dem See stehenden Uferbäumen. Die Alten waren 
eifrig mit dem Füttern der Jungen beschäftigt, die, nach den Stimmlauten der- 
selben zu urtheilen, schon ziemlich gross sein mochten, aber wegen der Höhe der 
Bäume, in welchen sich die Nisthöhlen befanden, nicht zu erreichen waren. — 
Im British Museum verglich ich fünfzehn Exemplare, und zwar zwei Stück von 
Nordwest-Indien (s. n. vulgaris Jerdon), zwei aus Indien (Behar: Hodgson), eines 
aus Indien (Hardwick s. n. vulgaris), zwei aus Schiraz (St. John), zwei von Be- 
ludschistan (Gwadus, s. n. vulgaris Blanf.) im Winterkleide; oben mit braunen 
unten mit weissen Endspitzen, ganz wie bei unseren, aber erkennbar, dass an 
den Schenkelseiten das Violett viel stärker durchscheint, und dass die Mantelmitte 
grün ist; gleiche Exemplare vom Nordwest-Himalaya (Capt. Pinwill) und dem 
Elbrus-Gebirge (7000' hoch s. n. unicolor Blanf.). Ferner gehörten hieher Exem- 
plare aus Mussorie in Godwin Austin's Sammlung (im Winterkleide), einer 
aus „Kleinasien" s. n. purpurascens in Lord Tweddale's Sammlung, und der 
einzige Staar, ein junger (Kopf grau wie Mantel, aber Bauch bereits dunkel 
violett, Rücken grün), den Seebohm vom Jenissei (58° nördl. Br.) heimbrachte. 

St. Humei Brooks (nec Gould) Ibis 1876 p. 500. — St nitens Hume 
(nec Brehm) in Henderson, Lahore to Yarkand 1873. p. 98, t. 24. — St. 
unicolor Hume (nec Lamar.), Ibis 1870. p. 529. — St. nitens Hume, Nest and 
eggs of Ind. B. II. 1874. p. 425. — St. ambiguus Hume, Strayfeathers. IV. 1876. 
p. 512. — Das British Museum besitzt nur ein typisches Exemplar aus Kaschmir 
(Henderson). Kinn, Kehle und Brust sind violett, die übrige Unterseite (Unter- 
brust, Bauch etc.) grün mit schwarzem Scheine (nicht violett); Hinterhals und 
Mantel violett (nicht grün). 

26* 



204 



Otto Finsch. 



Fl. Schw. F. L. 

4" 9'" 2" 3"' 12"' 14'" 

St. purpurascens Gould. Zwei Exemplare von Jarkand, eines aus 
Nordwest-Indien (Capt. Pinwill) im British Museum, eines von Mussorie (Godwin 
Austin), eines aus Kaschmir im Berliner Museum. — Kinn, Kehle und Kropf 
grün, Brust violett (wie Hinterhals, Mantel, Schultern, Bürzel, obere Schwanz- 
decken und Aussenfahne der Schwingen) ; von der violetten Brust an die übrige 
Unterseite allmälig schwarz mit grünviolettem Scheine ; Kopf und Nacken grün ; 
Ohrgegend violett. 

St. unicolor de la Marm. ist von den genannten eine durch sein 
mattschwarzes einfarbiges Colorit so abweichende Art, dass ich derselben hier 
nicht eingehender zu gedenken brauche. 



125. Pastor roseus L. — Dress., Severtz., 1. c. p. 238. — Nr. 83 
(F.) cT. Ala-Kul (9. Mai). 84 und 87 (F.) tf- und 9. Lepsa (12. Mai). Nr. 85 
und 89 (B.) und Q. Tarbagatai (26. Mai). Nr. 86 und 88 (W.) und 9. 
Vor Saissan (27. Mai). Nr. 89 a bei Omsk (Slovzoff). Iris tief braun; Schnabel 
hellrosa, Basis des Unterschnabels schwarz. 

Alle heimgebrachten und erlegten Exemplare zeigen ein sehr blasses 
Rosa, weil die Federn etwas abgerieben sind. Das Weibchen ist ganz wie das 
Männchen gefärbt, hat ebenfalls weisse Endsäume an den unteren Schwanz- 
federn aber eine minder lange und buschig entwickelte Nackenholle. Das 
Weibchen Nr. 87 hat Mantel und Schultern schmutzig bräunlich getrübt; das 
Männchen Nr. 86 nur auf Schultern schmutzig bräunliche Federn; ganz ebenso 
ist das Weibchen Nr. 88. — Eine häufige, aber nicht regelmässige Erscheinung 
in den Steppengebieten des Südens, aber auch in den mit Lonicera-G ebxLSch. 
bedeckten steppenartigen Gegenden am Nordabhange des Altai beobachtet. 
Wir trafen den Rosenstaar zuerst am 8., 9. und 10. Mai am Ala-Kul; hier 
pflegten, wie so oft später, plötzlich kleine Flüge in der Nähe der Jurten zu 
erscheinen, die sich nur kurze Zeit nach Nahrung suchend aufhielten und dann 
ebenso plötzlich verschwanden. Die Männchen schienen in vollem Fortpflanzungs- 
geschäft, indem geschossene ungemein entwickelte Testikeln (so gross als 
Pferdebohnen) zeigten. Am 12. Mai begegneten wir einem grossen Fluge beim 
Aul Uwanas, trafen sie wiederholt (23.) auf der Hochsteppe des Tarbagatai, 
zuweilen mit Staaren zusammen, und am 26. in den Felsen vor Saissan in 
Schaaren die an Tausende zählten, so dass Graf Waldburg mit einem Schusse 
an 25 Stück erlegte. Am 3. Juni trafen wir einzelne in der Steinwüste nördlich 
vom Saissan-Nor und sahen am Abend desselben Tages Tausende in ein Weiden- 
dickicht an dem kleinen Bache Kara-Biruk einfallen. Die grotesken Felsufer 
des Irtisch zwischen Buchtarminsk und Ust-Kamenogorsk waren (16. Juni) von 
Hunderten von Rosenstaaren belebt. Dann begegneten wir ihnen nur noch 
auf dem Wege nach Barnaul und (19. Juni) zwischen Smeinogorsk und Kolywan- 



Rofse aach West-Sibirien im Jahre 187*;. 



205 



Schleiferei, namentlich an dem kleinen reizenden Kolywansee. Junge Vögel 
trafen wir nie. — Bei Omsk (Prof. Slovzoff). 

126. Fringilla coelebs L. — Br., 1. c. p. 64; Dress., Severtz., 
1. c. p. 242. 

Am 13. April begegnete ich grossen Flügen ziehender Männchen vor 
Jalutorowsk. — Ein durch Prof. Slovzoff aus der Umgegend von Omsk er- 
haltenes Exemplar stimmt ganz mit deutschen überein. — Die Ural-Expedition 
citirt die Art von der Wischera (62° nördl. Br.). — Seit Pallas (Passer spiza 
p. 17: „in ganz Sibirien") nicht mehr als in Sibirien beobachtet notirt. 

127. Fringilla monte fringilla L. — Br., 1. c. p. 65; Seeb. und 
Br., 1. c. p. 116; Dress., Severtz., 1. c. p. 241. — Nr. 356 (W.) cT. Sarai Gor 
(10. Juli). Nr. 357 (F.) jun. Obdorsk (5. September). Nr. 358 (F.) , Nr. 359 
(F.) 9 und Nr. 360 (W.) Langiorskaja (alle drei 7. September). Nr. 361 
(W.) cT. Kloster Kondinsky (18. September). 

Nr. 356 ist ein Männchen mit schwarzem Schnabel in vollem, bereits 
stark abgeriebenem Sommerkleide, wie die mittlere Figur auf Dress er's Tafel; 
Nr. 361 ein bereits vermausertes Männchen (wie Fig. 2, Taf. 119 bei Naumann) ; 
Nr. 358, 359 und 360 (7. September) sind noch in der Mauser begriffen (wie 
rechte Figur bei Dresser) ; Nr. 357 ein junger, eben ausgefiederter Vogel, ähnelt 
ganz dem vermauserten Herbstkleide, aber der Schnabel ist einfarbig horn- 
bräunlich. 

Der Bergfink war längs dem Ob, so weit die Waldregion reichte, eine 
ungemein häufige Erscheinung, fehlte aber an der spärlich mit Bäumen be- 
setzten Schtschutschja. Trotzdem die Art überall gewöhnlich und meist zahl- 
reich vorkam, und so oft man auch ihre Lockstimme in den Wipfeln der hohen 
Weiden zu hören, bekam, so geschickt wussten sie sich doch der Nachstellung 
zu entziehen und es war eben nicht ganz leicht eines Exemplares habhaft zu 
werden. Wir trafen Bergfinken zuerst am 7. Juli unterhalb Samarowa bis 
unterhalb Bercosoff (12. Juli), dann erst wieder auf der Rückreise von Obdorsk 
bis Käoschka (5. bis 21. September) und zwar täglich. Am 5. September schoss 
ich junge, in voller Mauser begriffene Vögel, am 7. und 10. vermauserte alte, 
am 15. bis 17. begegneten wir täglich grossen auf der Wanderung begriffenen 
Flügen. — Die Ural-rExpedition notirt die Art zwischen 62—64° nördl. Br.; 
Seebohm traf sie zuerst am 24. Mai bei Ust-Sylma, dann bis Abramoff, 
einige 20 Meilen (engl.) in den arktischen Kreis hinein. 

128. Carduelis elegans Steph. — Dress., Severtz., 1. c. p. 243. 
Ich beobachtete die Art nur einmal bei Jalutorowsk am 13. April. — 

Bei Omsk in der Sammlung von Prof. Slovzoff. Nach letzterem Forscher 1877 
zuerst am 29. März bei Omsk beobachtet. — Dresser führt diese Art neben 
der folgenden auch aus Turkestan auf. 

129. Carduelis catiiceps (Vig.) — Passer carduelis Pall., Zoogr. 
Ross. as. 3 (1831). p. 16 (var. ex Jenise'i) tab. 38. Fringilla canicepsY'ig., Proc. 
1831. p. 23; Finsch, 1. c. p. 51. Carduelis canieeps Jerd., B. of. Ind. IL p. 408. 
Fringilla orientalis Eversm., Addend. ad Pallasii Zoogr. fasc. II (1835). p. 9. 



206 



Otto Fi Tisch. 



Carduelis oHentaUs (Eversm.) Dress., Severtz., 1. c. p. 243. C. orientalis et 
caniceps Bp., Comp. I. p. 518. — Nr. 91 (W.) <j\ Lepsa (13. Mai). Nr. 92 (F.) 
9- Auf dem Wege nach dem Alpsee Dschasil-Kul (ca. 6000' hoch) (15. Mai). 

Ganz übereinstimmend mit Exemplaren vom Himalaya, auch bezüglich 
der Grösse, so dass nicht im entferntesten ein Grund zur specifischen Trennung 
zwischen C. caniceps und orientalis vorliegt. Beide Geschlechter sind im Ganzen 
gleichgefärbt; nur ist beim Weibchen das Eoth des Gesichts minder ausgedehnt 
und es fehlt ihm der olivenbräunlich gelbe Ton an den Kropfseiten — Schon 
von Pallas als Varietät unseres Distelfinken nach Exemplaren vom Jenisse'i 
kenntlich beschrieben^ unterscheidet sich diese Art constant durch den Mangel 
von Schwarz und Weiss am Kopfe. 

Fl. Schw. F. L. 

3" 1" 9'" 6V 2 6V 4 '" cT 

3" V" 1" 10"' ca. 6 ca. 6"' 9 
2" 11"' 1"' 9"' 6 6'" <? Himalaya. 
Nicht selten im Dsungarischen Ala-Tau, bei Lepsa und auf der Tour 
nach dem Alpsee Dschasyl-Kul. 

130. Linota fringiUirostris Bp. — Bp. und Schleg., Mon. Lox. 
(1850), p. 45. pl. 49; Bp., Consp. av. I. (1850), p. 539. Cannabina (FHngilla) 
bella Hempr. und Ehrb. in Mus. Berol. Cab. Mus. Hein. I. (1851), p. 161 Note. 
Acanthis cannabina ß. bella Dress., Severtz., 1. c. (1875), p. 242. Linaria spec. ? 
Finsch, 1. c. p. 52, 53. — Nr. 90 (W.) Manrak-Gebirge bei Saissan (28. Mai). 

Das einzige heimgebrachte Exemplar unterscheidet sich von europäischen 
cannabina in der von Bon aparte angegebenen Weise, dürfte indess wohl nur 
eine lebhafter gefärbte östliche Form bilden. Das Koth des Vorderkopfes ist 
lebhafter, der übrige Kopf, nebst Hinterhals und Halsseiten sind heller bräunlich- 
grau, namentlich aber Mantel und Schultern lebhafter licht zimmtrostfarben; die 
Grössenunterschiede , auch die des Schnabels, welche Bon aparte besonders 
hervorhebt, sind kaum nennenswerth. 

Fl. Schw. F. L. 

3*1 2 4 7 fringiUirostris. 

2*11 TU 4 — cannabina. 
Bonaparte beschreibt die Art, der weder Jerdon noch Gray gedenken, 
aus Nepal; Fringilla bella durch Hemprich und Ehrenberg aus Syrien im 
Berliner Museum ist offenbar derselbe Vogel. — Diesen Hänfling beobachtete 
ich mehrmals in felsigen Berggegenden, namentlich liebt er die mit Wachholder 
bestandenen steilen Grate im Hochaltai. Seinen melodischen, unserem Hänflinge 
ziemlich ähnlichen Lockruf hörte man in solchen Gebieten öfters. Ich notirte 
die Art: am 24. Mai, Hochsteppe des Tarbagatai- Gebirges, 5. Juni, in den 
Schluchten vor Maitjerek (ca. 4000' hoch) und (7. Juni) von hier aus das Thal 
des Kuldschelik aufwärts bis zum Marka-Kul, in Erhebungen bis 6000 Fuss. 

131. Linota linaria L. — Linaria rubra Br., 1. c. p. 64. Linola 
rufescens und canescens Seeb. und Br., 1. c. p. 116. Linaria borealis Dress., 
Severtz., 1. c. p. 242. Linota linaria, rufescens et exilipes Dress., B. of Eur. 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 1876; 



207 



L. exilipes, fuscescens var. rostratus Coues.? L. Homemanni Ho lb. Fr. linaria 
Finsch, 1. c. p. 57, 64. — Nr. 362 (F.) cT, in Brütezeit (12. Juli). Tuchty, Ob. 
Nr. 363 (F.) Q (20. Juli), Nr. 364 Q, flügge (31. Juli), Nr. 365 (F.) cf, flügge 
(12. August), alle drei Schtschutschja. Nr. 366 (B.) jung flügge. Chaljatur, Ob. 
(15. August), Nr. 367 (W.) jung flügge. Jotloch (18. August), Nr. 368 (W.) $ in 
Mauser. Sobje Jurti (4. September), Nr. 369 (W.) in Mauser. Tampimpran 
(10. September), Nr. 370 und 371 (F.) 9, in Mauser. Bolschoi Ustram 
(11. September), Nr. 372, 373 und 374 (F.) vermausert. Samarowa (1. October). 

Die Leinflnken waren von jeher eine Specialität für mich. Schon in 
früheren Jahren, als ich diese Vögel noch selbst fing, sowie später in Holland 
wo dieselben in Menge auf den Markt kamen und von mir untersucht wurden, 
kam ich zu der Ueberzeugung, dass sich die grössere Form (linaria) und die 
kleinere, mehr rostfarbene (rufescens), als Arten nicht auseinander halten lassen. 
In meinen verschiedenen Abhandlungen über die Leinfinken (Abhandl. des 
Naturw. Ver. zu Bremen III. 1872. p. 56. ib. IV. 1874. p. 104. ib. V. 1876. 
p. 353, und zweite deutsche Nordpolarfahrt. 2. B. 1874. p. 188), die von Dresser 
sämmtlich übergangen werden, konnte ich auf Grund eines reichen Materials aus 
der alten und neuen Welt, die Unhaltbarkeit der verschiedenen Nominalarten 
nachweisen. Die aus Sibirien heimgebrachten Exemplare bestätigen die Richtig- 
keit meiner Auseinandersetzung aufs Neue. Von in der Brütezeit (Mitte Juli) 
erlegten Exemplaren hatten einzelne Stirnplatte, Brust und Bürzel lebhaft roth, 
bei anderen, wie die heimgebrachten (Nr. 362 und 363), ist das Roth auf Brust 
ganz verschwunden, auf Bürzel nur noch ein Schein sichtbar. Die Federn sind 
alle stark abgestossen und deshalb herrscht die graubraune Färbung vor, wie 
exilipes bei Dresser, auf der Unterseite weiss mit schwachen Schaftstrichen 
an den Seiten. In der Mauserzeit (Anfang September) geschossene Exemplare 
erhalten ein stark rostfarbenes Gefieder (wie rufescens bei Dresser), aber das 
Roth auf Brust und Bürzel fehlt noch (und entsteht im Frühjahr jedenfalls 
durch Verfärben und nicht durch Mauser). Bei den frisch vermauserten 
Vögeln (1. October) ist der rostfarbene Ton noch lebhafter; nur Nr. 372 zeigt 
versteckt ein blasses Rosaroth an der Basis der Brustfedern. Die Ausdehnung 
des schwarzen Kinnfleckes variirt sehr; er beschränkt sich zuweilen nur aufs 
Kinn, zuweilen dehnt er sich bis auf die Kehle aus. Flügge, in der Ver- 
mauserung begriffene Junge (Nr. 364—367) erhalten das rostfarbene Herbstkleid 
der alten Vögel; sie zeigen eine sehr dicht und stark dunkel gestrichelte Unterseite, 
ebenso ist der Oberkopf und Bürzel, die noch keine Spur von rothen Federn 
zeigen. — Schnäbel bei Alten im Sommer dunkel hornbraungrau, im Herbst 
(September und October) orange bis orangeröthlich mit dunklem Firstenrücken 
und Spitze; Beine schwarz. Junge: Schnabel schmutzig hornfahlbraun mit 
dunklerem Spitzentheil, an Basis gelbfahl durchscheinend; Beine fahlgelb bis 
dunkelbraun. Die saisonalen Verschiedenheiten sind bei den Sibiriern also 
ganz wie ich dieselben früher bei Grönländern geschildert habe. Die Sibirier 
stimmen übrigens absolut überein und sind auch nicht durch das leiseste con- 
stante Kennzeichen zu unterscheiden von mir vorliegenden Exemplaren aus 



208 



Otto Finsch. 



Deutschland, Schweden, Grönland, vom Baikalsee, dem Ochotskischen Meere, 
aus Alaska und den östlichen Vereinigten Staaten. Dies gilt nicht blos bezüglich 
der Färbung sondern auch hinsichtlich der Grösse. Ich habe mir nochmals 
die Mühe genommen eine grosse Reihe durchzumessen und die nachfolgende 
Tabelle wird beweisen, dass es ein nutzloses Beginnen ist, auf die Verschieden- 
heit der Grösse hin Arten unterscheiden zu wollen, denn es handelt sich oft 
nur um einen halben Millimeter. Selbst Localrassen lassen sich als constante 
nicht beweisen, doch lasse ich es dahingestellt, wie weit L. rufescem, welche 
Newton als eine nur Grossbritannien eigenthümliche betrachtet, als solche 
Werth hat. Die von mir aus einem grossen Fluge bei Samarowa heraus- 
geschossenen drei Stück zeigen schon so erhebliche Abweichungen, namentlich 
in der Schnabellänge, dass in diese Verschiedenheiten fast alle übrigen hinein- 
passen. Selbst die Maasse der allgemein als grösser bezeichneten L. Horne- 
manni Holb. (Dress. B. of Eur. — canescens Bp. et Finsch nec Gould — ) gehen 
so in die der echten linaria über, dass sie kein Criterium zu einer specifischen 
Absonderung bieten. Es bleibt somit für diese mir immer mehr zweifelhafte 
Art nur die hellere Färbung, namentlich der fast weisse Bürzel und die von 
Brust an fast einfarbig weisse Unterseite. Ein mit Coues eigener Hand als 
exilipes bezeichnetes Exemplar (vom Red River), welches ich früher zu canescens 
(Hornemanni) zog, bildet eine Art Zwischenform, gehört aber mehr zu linaria, 
wie Tarsen und Zehen zeigen, welche keineswegs kürzer sind. Die mehr oder 
weniger bedeutenden Abweichungen in der Länge des Schnabels und der Krallen 
rühren übrigens mit von der Abnutzung dieser Theile her. 



Fl. 


Schw. 


F. 


Schnabelh. 
an Bas. 


L. 


M.-Z. 




Mm. 


Mm. 


Mm. 


Mm. 


Mm. 


Mm. 




72—74 


52-54 


7-9 


57 2 -67 2 


14—15 


7</ 2 -9 


Samarowa. 3 Exemplare. 


71-76 


52-56 


6-8 


6Vr-<Va 


13V2—15 


8-9 




67-72 


42—57 


6 


57 2 -6 


14 


7 


Junge. 4 Exemplare. 


74 


50 


7 


5V 2 


15 


9 


cT Baikal. 


74 


50 


m 


6 


16 


9 


Ochotsk. 


74-75 


50-54 


7V 2 -9 


57 2 -7 


137 2 -15 


87 2 —10 


Alaska. 4 Exemplare. 


70—72 


51 


77 2 


6 


14 


9 


Nord- Amerika. 2 Exempl. 


74-80 54-57 V 2 


7-9 


6-7 


157 2 -17 


87 2 -ll 


Grönland. 10 Exemplare. 


81 


57-61 




6-7 


15-17 


9 


Süd- Grönland. 6 Exempl. 


72—77 


52-57 


7-8 


57 2 -6 


15 


87 2 -97 2 


Deutschland. 6 Exempl. 


74-77 


52—56 


8-11 


6-7 


15 


9 


Schweden. 3 Exemplare. 


72-75 


52-55 


7 • 


6-7 


14-14V 2 


7 


Alaska (exilipes). 
Hornemanni Holb. 


82 


63 


8 


7 


17 


9 


Grönland. 


79 


63 


9 


7 


16 


10 


Ost- Grönland. 


82 


61 


8 


7 


17 


87 2 


West- Grönland. 



Der Leinfink wurde zuerst am 8. Juli 17 Stationen unterhalb Samarowa 
gehört, fing aber erst unterhalb Obdorsk (16. Juli) an häufiger zu werden 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 187fi. 



20Ü 



Die Männchen zeigten jetzt die Brust prachtvoll hochroth gefärbt. Längs 
der Schtschutschja wurde er wiederholt beobachtet und am 27. gab es flügge 
Junge. Auf der Tundra zeigte er sich ebenfalls einigemal, doch nur da wo 
Erlen und Weiden nicht ganz zwerghaft waren, sondern etwas höhere Büsche 
bildeten. So am 3. August nahe der Podarata, am 7. und 9. beim See Janboto 
und am 12. bei Tschorne-jar. Hier gab es flügge Junge und die Alten waren 
in der Mauser begriffen, wie bereits früher (9. August) und zeigten sich in 
diesem Zustande noch bis zum 11. September, wo wir ihnen, wie bisher auf 
der Rückreise von Obdorsk bei Bolschoi-Ustram begegneten. Die rothen Brust- 
federn entwickelten sich bereits in der neugebildeten Feder. Bei Samarowa 
waren sie am 30. September bereits völlig vermausert. Am 13. October be- 
gegneten wir bei Tjume'n grossen auf dem Zuge begriffenen Flügen. Von der 
Ural-Expedition zwischen 61—63° nördl. Br. beobachtet. Nach brieflicher Mit- 
theilung von Prof. Slovzoff zog die Art nordwärts 1877 am 7. Mai durch. 
Seebohm führt L. rufescens und canescens als gleich häufig von der Petschora 
an, die von Dresser als linaria und exilipes bestimmt werden. Letztere soll 
sich durch geringere Grösse unterscheiden, aber Dresser's Maasstabelle spricht 
dagegen. 

132. Passer domesticus L. — Fringilla domestica Br., 1. c. p. 65. 
Passer domesticus Seeb. und Br., 1. c. p. 114; Dress., Severtz., 1. c. p. 239. 
Pall. p. 29 (Bercosoff, Surgut). P. indieus Jard. (Jerd., B. of Ind. IL p. 362). 
— Nr. 93 (F.) cf. Bei Jurten am Flusse Dschindschili in der Steppe des Ala- 
Kul (18. Mai). 

Der Oberkopf heller und reiner grau, daher durchaus mit der indischen 
Form des Haussperlings übereinstimmend, die ich indess nicht als artlich ver- 
schieden anzuerkennen vermag. — Wie so häufig von Reisenden das Alltägliche 
übersehen wird, so habe auch ich es versäumt, dem Haussperling bezüglich 
seines Vorkommens diejenige Aufmerksamkeit zu schenken, welche er verdient. 
Da ich aber principiell nicht aus dem Gedächtniss schreibe, so muss ich mich 
auf meine Aufzeichnungen beschränken, so mangelhaft sie auch sind. — Längs 
der grossen Strasse von Nischnej -Nowgorod bis Tjume'n fehlte der Haussperling 
keinem Dorfe. Er hatte sich hier sehr oft in den erwähnten, sehr niedlich 
ausgestatteten Staarhäuschen eingenistet oder die eigenthümlichen Vogelstübchen 
über den Thorwegen bezogen, sehr häufig waren seine Nester auch parasitisch 
in den ungeheuren gemeinschaftlichen Bauten der Saatkrähen errichtet. In dem 
höchstgelegenen Uraldorfe Bilembajewskaja, sah ich ihn, obwohl noch viel 
Schnee lag und es über 1 Grad Reaumur kalt war, schon am 3. April eifrig 
zu Neste tragen. Von Tjumen bis Omsk und von hier bis Semipalatinsk wurde 
der Haussperling seltener und der Feldsperling häufiger. In einzelnen Kosaken- 
dörfern der Irtischlinie fehlte er ganz, so in Podbusknaja (25. April). Auf der 
Steppe nach dem Ala-Kul fand er sich bei den wenigen, meist nur aus einem 
Hause bestehenden Stationen, so am 7. Mai südlich von den Arkatbergen und 
bei Earakol (8.), hinter Sergiopol. Von hier bis Lepsa (13. Mai) habe ich 
ihn nicht beobachtet, doch erzählte Dr. Brehm, dass er Haussperlinge im 

Z. B. Ges. B. XXIX. Abh. 27 



210 



Otto Finsch. 



Rohre des Sassyk Ala-Kul gesehen habe. Sehr auffallend war sein Erscheinen 
in dem temporären Jurtenlager am Flusse Dschindschil (18. Mai), in der 
typischen Steppe des Ala-Kul. Doch sah ich ihn in solcher nur dies eine Mal, denn 
ich fand ihn erst in Saissan (27. Mai) wieder. Aber ich habe leider zu notiren 
vergessen, ob er in den ansehnlichen Plätzen Urdschar, Baydy und Tschugutschak 
wirklich fehlt, wie es nach meinem Tagebuch, wohl irrthümlich, scheinen möchte. 
In Altaiske-Staniza (12. Juni), der erst seit vier Jahren bestehenden Nieder- 
lassung, mitten im Hochgebirge, war der Haussperling wieder häufig und fehlte 
von hier aus in keinem Dorfe bis Siränowsk herab. Ich habe leider versäumt 
von letzterem Orte an Notizen über sein Vorkommen zu machen und finde 
ihn in meinem Tagebuche erst wieder von Samarowa (6. Juli) erwähnt, obschon 
er jedenfalls auf der Strecke Siränowsk-Barnaul-Tomsk nicht fehlen wird. Am 
Ob bemerkte ich ihn an solchen Niederlassungen, wo noch Viehzucht getrieben 
wurde (denn Ackerbau gibt es nicht mehr), aber nicht an reinen Fischereiplätzen. 
In Bercosoff sah ich ihn auf der Hinreise nicht, dagegen auf der Rückreise 
am 12. September und erfuhr von Dr. Krzywicki, der schon mehrere Jahre hier 
lebt, dass er mit dem Feldsperling zusammen alljährlich hier brütet, aber im 
Winter wegzieht, jedenfalls eine sehr interessante Thatsache. Die Angabe 
Sujew's (Pallas p. 29) nach welcher die Ostiaken in Bercosoff den Haussperling 
„Frühlingsvogel" nennen stimmt damit überein. Nach Sujew erschien der 
Haussperling in Bercosoff zuerst 1735, in Narym 1739. Weiter nördlich als 
Bercosoff geht der Haussperling nicht; sein Fehlen in den sehr ansehnlichen 
Plätzen Kuschowat und Obdorsk (Polarkreis) ist also sehr auffallend. Auf der 
Rückreise traf ich ihn nach Bercosoff erst wieder in Kondinsky (18. September), 
aber nicht an den zwischenliegenden kleinen Fischereiplätzen, wo ich ihn auch 
auf der Hinreise nicht bemerkt hatte. Er scheint, wie erwähnt, hauptsächlich 
solche Niederlassungen zu wählen, wo Vieh gehalten wird, und sein Fehlen in 
Kuschowat und Obdorsk, welche Plätze ganz diesen Bedingungen entsprechen, 
verdient daher nochmals Erwähnung, und ist ebenso auffallend als das in den 
stattlichen Kirchdörfern Suchorowskaja, Troitzkaja, Belo Gore, unterhalb Sama- 
rowa, wo wir ihn wenigstens auf der Rückreise nicht fanden. Aber es wäre 
möglich, dass die Art hier im Winter wegzieht. In Samarowa (26. September) 
gab es wieder viel Haussperlinge, ebenso in Tobolsk und von hier aus waren sie 
wieder in allen Dörfern bis Tjume'n und weiter hin häufig. — Nach v. Hoff mann 
geht der Haussperling im westlichen Ural so weit als menschliche Wohnungen 
reichen und Getreide gebaut wird, an der Ussa also bis etwa zum 66. Grad 
nördl. Br. Aber ich muss ausdrücklich hervorheben, dass das Vorkommen des 
Sperlings nicht so unbedingt an Getreidebau gebunden ist, wie gewöhnlich 
angenommen wird, denn sonst würde er im Obgebiet schon in Samarowa fehlen 
müssen, da hier kein Getreide mehr gebaut wird. — Seebohm fand die Art 
häufig in Archangel, dann erst wieder in Ust-Sylma; einzelne Irrlinge gehen 
bis Alexievka. 

133. Passer montanus L. — Seeb. und Br., 1. c. p. 114; Dress., 
Severtz., 1. c. p. 239. F. campesiris Finsch, 1. c. p. 57, 64. — Nr. 375 (W.) cf, 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 



211 



Nr. 376. 377 (W.) Q, Nr. 378, 370, 380 (W.) jun. Alle Bercosoff (13. September). 
Nr. 381, 382, 383 (W.) <$ 9. Nariraskaja (16. September). Nr. 384, 385, 386 
(B.) cT9. Käosehka (21. September). Nr. 387 (W.) cf. Belo Gore (25. September). 

Kein Unterschied mit westeuropäischen Exemplaren. Fast alle erlegten 
Vögel sind stark in der Mauser begriffen, nur Nr. 387 (25. September) fast 
völlig vermausert. Nr. 380, 379 und 378 sind junge eben flugbare oder aus- 
geflogene Junge. — Der Feldsperling ist in West- Sibirien häufiger als der 
Haussperling und dringt weiter nach Norden vor. Ich beobachtete ihn auf der 
ganzen Route von Nischnej-Nowgorod bis Semipalatinsk wohl in jedem Dorfe, 
auch da wo der Haussperling fehlte, wie in einzelnen Dörfern der Kosaken- 
linie, so in Podbusknaja (25. April). Bei den einsamen Stationen der Steppe 
südlich von Semipalatinsk, so weit dieselben wenigstens aus einem Hause be- 
standen, fand er sich mit dem Haussperling zusammen, aber in der Steppe 
selbst und bei den Auls der Kirghisen habe ich ihn nicht gesehen. In Lepsa 
dürfte ich ihn jedenfalls übersehen oder zu notiren vergessen haben und mein 
Tagebuch erwähnt ihn erst wieder von Urdschar (20. Mai), wo sich in der 
Steppe grosse Flüge herumtrieben, von Saissan (27.) und Altaiske - Staniza 
(12. Juni). Von hier bis Tomsk ist eine Lücke in meinen Beobachtungen, aber 
es unterliegt wohl kaum einem Zweifel, dass die Art auf dieser ganzen Strecke 
überall vorkommt. — Am Ob fand ich den Feldsperling nördlich bis Kuschowat, 
dem letzten russischen Dorfe zwischen Bercosoff und Obdorsk, aber nur auf 
der Hinreise am 11. Juli; auf der Rückreise am 8. September gab es keine 
mehr und vermuthlich ist die Art hier wie in Bercosoff nur Sommergast. In 
Obdorsk fehlt der Feldsperling. Wenn Seebohm von der Petschora erwähnt, 
dass der Feldsperling meist nur in kleinen Dörfern und nicht immer mit dem 
Haussperling vereint vorkomme, so gilt dies auch für den Ob. Aber er kommt 
hier auch nicht an allen Niederlassungen vor, sondern überspringt selbst solche, 
die mehr als blosse temporäre Fischereiplätze sind. Auf der Rückreise trafen 
wir den Feldsperling zuerst in Bercosoff (13. September) wieder, aber er fehlte 
in Novija (15.) und dem kleinen netten russischen Dorfe Scharkaiskaja (wo sogar 
ein Postmeister residirt), war in Narimskaja (16.), welches nur aus etlichen 
ostiakischen Winterhütten besteht, sehr häufig, ebenso in Kloster Kondinsky 
(18.), Novaja (19.), Käosehka (21.), wo P. domesticus ebenso fehlte als in 
Suchorowskaja (23.). In dem stattlichen Kirchdorfe Jeliranowskaja (24.) konnte 
ich keine der beiden Sperlingsarten bemerken, aber der Feldsperling fand sich 
wieder in Troitzkaja und Belo Gore (25.), wo kein Haussperling vorkam. Von 
Samarowa an waren auf der ganzen Heimreise wieder beide Arten häufig. 

Was ist; Pyrgita melanictera Ehrb.? (Rose's Reise Ural I. p. 387) von 
Bogoslowsk im Ural erwähnt. 



134. JPyrrhula vulgaris Temm. — Brandt, 1. c. p. 64; Seeb. und 
Br., 1. c. p. 115; Dress., Severtz., 1. c. p. 244. P. major Brehm, Dress., B. 
of Eur. pt. 51. (pl.). 

27* 



212 



Otto Finsch. 



In den Wäldern zwischen Kasan bis Tjume'n (28. März bis 9. April), 
sowie auf der Eückreise bei Tjumen (12. October) begegneten wir häufig Gimpeln, 
die sich auf der noch mit Schnee bedeckten Landstrasse herumtrieben, und 
wesentlich zur Belebung der sonst ziemlich todten Landschaft beitrugen. — Es 
war mir nicht möglich Exemplare zu präpariren, doch nahm ich die Maasse an 
frisch geschossenen. Dieselben zeigten 3" 5'" Flügellänge, 2" V" Schwanzlänge, 
würden darnach also zu P. major gerechnet werden müssen, eine Art, die ich 
nach Vergleichung der S eebohm'schen Serien unbedingt verwerfen muss. 
Dresser's Diagnose „grösser und reicher gefärbt" ist jedenfalls sehr unzu- 
treffend, da die Exemplare von Krasnojarsk (November) gerade umgekehrt ein 
matteres Roth zeigen. Exemplare aus Ost-Sibirien, vom Onon, stimmen eben- 
falls ganz mit deutschen überein. Die bedeutendere Grösse erweist sich als 



nicht constant. 








Fl. 


Schw. 


F. 




3" 5y 2 '" 


2" 7'" 


10 Mm. 


cT Deutschland. 


3" 4"' 


2" 4'" 


10 „ 


9 


3" V" 


2" 2"' 


8 » 




3° 6"' 


2" 5V 2 '" 


10 „ 


c? Krasnojarsk (major) 


3" 4"' 


2" 5"' 




$ » » 


3" 5'" 


2" 5"' 


10V 2 *Mm. 


C? Onon „ 


3" 4"' 


2" 4V 2 '" 


IOV2 » 





Aus der Umgegend von Omsk in Slovzoffs Museum. — Die Ural- 
Expedition erhielt die Art am Flusse Pulja (64V 2 ° nördl. Br.). 

135. Carpodacus erythrinus Pall. — Seeb. und Br., 1. c. p. 115. 
- Nr. 94 (B.) c?. „Iris braun", Nr. 95 (B.) (beide 16. Mai), Nr. 96 (B.) 9, 
„Iris dunkelbraun" (20. Mai), Nr. 97 (F.) cT (16. Mai). Alle Lepsa, Dsungarischer 
Ala-Tau, Nr. 98 (F.) cf, Nr. 99 (F.) cT (beide 9. Juni), Nr. 100 (W.) 9 (8. Juni). 
Alle drei im chinesischen Hochaltai (4900'). 

Die Männchen sind alle im vollsten Prachtkleide und die rothen Partien 
lebhaft carminroth, nur Nr. 99 ist heller, mehr brennend feuerroth, auf Rücken 
und Bürzel nur mit schwachem rothem Anfluge. — Wir fanden den Karmin- 
gimpel sowohl im Walde, als im Gebirge, wie in der Steppe. Zuerst am 16. Mai 
bei Lepsa erhalten, am 18. in den Tamarisken - Dickichten der Steppe bei 
Udscharal, am 5. Juni vor Maitjerek (ca. 4000' hoch), 9. im Hochaltai auf dem 
Wege vom Marka-Kul nach dem Tau-Tekegebirge (bis 5000' hoch); am 18. in 
der mit Lonicera bestandenen steppenartigen Gegend auf dem Wege nach 
Barnaul und am 29. im Walde vor Salair. Im Obgebiet nicht von mir wahr- 
genommen. — Nach Mittheilung von Prof. Slovzoff erschien die Art 1877 
bei Omsk zwischen 19. und 23. Mai. — Seebohm erhielt die Art bei Ust- 
Sylma an der Petschora. 

136. Erythrospiza mongolica (Swinh.). — Carpodacus mongolicus 
Swinh., Proceed. 1870. p. 447. Erythrospiza incarnata Dresser, Severtz., 1. c. 
p. 245. Carpodacus (allied to githagineus) Finsch, 1. c. p. 52. — Nr. 101. 102. 
tfV. 103 9 (F.). Saikan-Berge bei Saissan (30. Mai). 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 187H. 



213 



Schnabel horngelbfahl, der obere etwas dunkler, blass bräunlich; Beine 
horngelblich; Nägel schwarz; Iris tiefbraun. — Die von mir erlegten Exemplare 
stimmen sehr gut mit den Beschreibungen von Swinhoe und Severtzoff 
überein. Die Art ist in der That nächstverwandt mit JE. githaginea Licht., 
unterscheidet sich aber durch den schwächeren Schnabel, und die erdbraune 
Färbung der Oberseite; nur die hintere Bürzelgegend ist rosenfarben; die Deck- 
federn der Secundarien tragen schmale karminrothe Aussensäume, die ersten 
Schwingen nur an der Basishälfte sehr schmale feuerrothe; auf dem Flügel 
markiren sich zwei fahlweissliche Querfelder, von denen das obere durch die 
mittleren oberen Flügeldecken, das untere durch die breiten Aussensäume, an 
der Basis der Secundarien gebildet wird; Augenbrauen und die Unterseite, mit 
Ausnahme der Bauchmitte, des Afters und der unteren Schwanzdecken, die 
blass rostweisslich gefärbt sind, tragen einen zarten rosafarbenen Ton, am 
lebhaftesten auf den Bauchseiten, doch wird das Rosa durch die überall her- 
vorschimmernde grauliche Federmitte getrübt; die Schwanzfedern haben fahl- 
weissliche Aussensäume (nicht rothe, wie bei githaginea). Das Weibchen ähnelt 
ganz dem cf , zeigt aber die rosafarbenen Partien blasser. 

Fl. Schw. F. Höhe. L. 

3" 2"'— 3" 5"' 1" 9"'—l" 10'" 4'" 372"' 77 4 '" 
Nach Severtzoff erscheinen im Frühlingskleide alle rosenfarbenen 
Theile lebhaft blutroth, was meine doch ebenfalls im Frühjahr erlegten Vögel 
nicht so deutlich zeigen. Aber die Vögel brüteten, wie es schien, bereits und 
trugen ein mehr abgeriebenes Gefieder. — Ich beobachtete diese interessante 
Art nur zweimal: am 28. und 30. Mai bei Saissan und am 5. Juni in den Vor- 
bergen des Altai auf dem Wege nach Maitjerek. Sie lebte in kleinen Gesell- 
schaften, die sich durch ihre hänflingartig flötende Stimme bemerkbar machten, 
aber äusserst scheu waren. Sie hielten sich in den Felsen auf und waren, wenn 
auf solchen eingefallen, schwer zu erkennen. 



Urages sibirica (Pyrrhula candata Pall. p. 13) von Pallas bei 
Jekaterininskaja am Alei (Ausläufer der Tigeretzkischen Alpen) erlangt, bekamen 
wir leider nicht. 

137. Corythus enucleator L. - Brandt, 1. c. p. 64; Seeb. und Br., 
1. c. p. 115; Finsch, 1. c. p. 57. 

Den Hackengimpel traf ich nur einmal und zwar ein Pärchen im Walde 
bei Karimkarsk, neun Stationen unterhalb Samarowa am 7. Juli. Die Vögel 
waren sehr scheu, das Männchen verfolgte das Weibchen unter leisem Gezwitscher 
und wurde durch meinen Schuss in dem Augenblick verscheucht, als es zur 
Paarung schreiten wollte. — Die Ural-Expedition erhielt Exemplare am Flusse 
Pulja (64 V2 nördl. Br.); Seebohm fand sie bei Ust-Sylma bis Habariki hinunter. 



Loxia curvirostra L. wird von Brandt (1. c. p. 64) als von der Ural 
Expedition an der Soswa, also im Obgebiet, erbeutet notirt. 



214 



Otto Finsch. 



138. Emberiza miliavia L. — Dress., Severtz., 1. c. p. 249. 

Aus der Umgegend von Omsk in der Sammlung von Prof. Slovzoff 
in Omsk. 

139. Emberiza citrinella L. — Br., 1. c. p. 64 (Tscherdin) ; Seeb. 
und Br., 1. c. p. 116; Dress., Severtz., 1. c. p. 248. — Nr. 388 und 389 (W.) 
O 71 und 9. Bercosoff (13. September). Nr. 390 (W.) 9. Bolschoi- Ustram 
(19. September). Nr. 391 und 392 (F.) g und 9. Käoschka (21. September). 

Die vorliegenden Exemplare befinden sich entweder noch in der Mauser 
oder tragen das bereits völlig vermauserte Herbstkleid, und stimmen sowohl 
in Färbung als Grösse ganz mit westeuropäischen überein. — Ausser Pallas 
führt nur noch v. Sohren k die Art aus Sibirien an. Nach Brandt käme sie im 
östlichen Altai vor. Wir trafen ihn weder hier noch überhaupt in den südlichen 
Gebieten, obwohl wir hier die Zugzeit der Vögel durchmachten. — Auf der 
grossen sibirischen Strasse von Nischnej -Nowgorod bis Jalutorowsk (29. März 
bis 13. April) gehörte der Goldammer überall zu den häufigsten Vögeln. Dann 
glaube ich ihn erst am 8. Juli bei Kolowat unterhalb Samarowa am Ob, am 
8. Juli gehört zu haben, aber erst auf der Eückreise am Ob erhielten wir ihn 
wieder, und zwar zuerst am 13. September bei Barcosoff. Von hier bis 
Samarowa (30. October) trafen wir ihn fast täglich und er war der häufigste 
Vogel in und bei den Dörfern, wie im Walde. Auf der Rückreise bis Europa 
ebenfalls häufig wahrgenommen. — Bei Omsk (Mus. Slovzoff); hier 1877 am 
29. April zuerst beobachtet (Slovzoff). — Die Ural-Expedition verzeichnet die Art 
von Tscherdin (61° nördl. Br.); Seebohm beobachtete ihn einzeln bis Ust- 
Sylma an der Petschora. 

140. Emberiza hortulana L. — Dress., Severtz., 1. c. 1875. p. 248; 
Pall. p. 50 (Altai, Irtisch). — Nr. 104 (F.) ad. In der Steppe hinter 
Sergiopol (7. Mai). 

Das einzige Exemplar, welches gesammelt wurde, zeigt die vollkommenste 
Uebereinstimmung mit westeuropäischen (aus der Gegend bei Nienburg in 
Hannover); ebenso ein Exemplar von Omsk (durch Prof. Slovzoff erhalten); 
erschien hier 1877 zuerst in den ersten Tagen des Mai. — Der Fettammer ist 
sehr häufig in der Steppe und pflegt sich in der Nähe der Jurten einzufinden. 
Ich beobachtete ihn zuerst am 8. Mai hinter Sergiopol bei dem Piket Karakol, 
dann 10. Mai am Ala-Kul und auf der Steppenreise von hier nach Lepsa Und 
zurück; am 31. Mai in der Steppe zwischen Saissan und dem Kara-Irtisch, 
12. — 18. Juni auf dem Wege von Altaiske - Staniza bis Smeinogorsk herab, 
dann am 20. Juni hinter der Kolywan- Schleiferei und am 30. Juni zwischen 
Salair und Tomsk. 

141. Emberiza Huttoni Bl. — Euspiza Huttoni Bl., Journ. As. Soc. 
Beng. XVIII (1849). p. 811. Glycispina Huttoni Gould, B. of As. pt. XXI (1869) 
cum. tab. Emberiza Buchanani BL, Journ. As. Soc. Beng. XVI (1847). p. 780. 
E. CerruttiiDe Filippi, Archivio di Zoologia vol. III (1863). p. 383; id. Viaggio 
in Persia (1865). p. 112. 349. Salvad. Atti della R. Accad. Torino. 1868. p. 286; 
Blanf., Ibis 1874. p. 81 (= Huttoni BL). E. Huttoni Jerd., B. of Ind. II. 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 1870!. 



215 



p. 073; Severtz., Journ. f. Ornith. 1873. p. 347. E. caesia (et rufibarba) 
Severtz. (nec Oetzsch.), Dress., Ibis 1875. p. 248. Embcriza sp.? (appa- 
rently new!) Finsch, 1. c. p. 52. - Nr. 105, 106, 107 und 107 a. (F.) cTcT- Bei 
Saissan (30. Mai). Im Leben: Iris dunkelbraun; Schnabel wachsgelb (getrocknet 
braunröthlich) ; Beine gelb. 

Ich fand diesen interessanten Ammer, den ich anfänglich für neu hielt, 
zuerst bei Saissan und erlegte vier Exemplare, alles Männchen, am 30. Mai. 
Er lebte hier in den felsigen und geröllreichen, vegetationsarmen Schluchten 
der Saikanberge, welche in unmittelbarer Nähe des Saissan-Postens sich erheben. 

— Der Vogel hielt sich zwischen Steinen und im Gestrüpp auf und war wegen 
seiner Färbung ebenso schwierig zu sehen als zu erlegen. — Später beobachtete 
ich die Art in den Vorbergen des Altai vor Maitjerek (5. Juni), und wahr- 
scheinlich gehörte ein Ammer, dessen Nest ich am 8. Juni am Marka-Kul in 
einem durch ein Grasbüschel verdeckten Erdloche fand, ebenfalls hieher. — 
Severtzoff notirt die Art anfänglich richtig, führt sie aber später irrthüm- 
lich als E. caesia auf, und unterscheidet zwei Formen, eine mit weisslicher 
Kehle (welche er caesia benennt) und eine mit hellbräunlicher Kehle (rufi- 
barba Ehrb.), die indess Zwischenstufen bieten, so dass er sie nicht als eigent- 
liche Species betrachtet. Meine Exemplare zeigen ebenfalls Kinn- und Kehl- 
färbung von fahlweisslich bis rostzimmtbraun, aber so wenig scharf geschieden, 
dass ich an eine Unterscheidung zweier Formen nicht gedacht haben würde. 
Gould's, wie immer sehr elegante Abbildung, stellt Kinn und Oberkehle zu 
stark circumscript fahlweiss dar. — E. Huttoni lässt übrigens keine Ver- 
wechselung mit caesia zu. Letztere Art zeigt Kinn und Kehle hellzimmtfarben 
und von dem lebhaften Zimmtrostbraun der übrigen Unterseite durch ein breites 
rostgraues Kropfquerband getrennt, welches bei Huttoni ganz fehlt. Bei ihm 
ist vielmehr die ganze Unterseite rostzimmtbraun, auf Bauch, Seiten und den 
unteren Schwanzdecken allniälig lichter, ebenso an Kinn und Oberkehle, welche 
bis ins Hellrostweissliche übergehen. Auch ist bei Huttoni das Weiss der 
Innenfahne der zwei äussersten Schwanzfedern weiter ausgedehnt und zeigt 
keinen dunklen Endsaum. Diese Unterschiede sind übrigens schon von Salva- 
dori (1. c.) genügend hervorgehoben worden. 

Fl. Schw. (äuss. F.). F. T. 

3" 3'^ 2" 5"'— 2" 8'" 4"' 8'" 

Nach Blanford fällt E. shah Bp. (Consp. II. p. 465) aus Persien 
zusammen; nach der Beschreibung zu urtheilen, welche die Kehle als gelblich 
bezeichnet, scheint mir dies indess vorläufig noch zu gewagt. 

142. Emheriza leucocephala Gml. — E. pithyornus Pall., Dress., 
Severtz., 1. c. 1875. p. 248. E. pithyomis (perhaps new!) Finsch, 1. c. p. 54. 

— Nr. 108 (F.) ad. Im chinesischen Hochaltai, auf dem Wege nach dem 
Marka-Kul (8. Juni). 

Das einzige heimgebrachte Exemplar stimmt durchaus mit solchen vom 
Amur überein. — Ich traf den Fichtenammer nur einmal auf unserer Keise, 
und zwar ein Pärchen auf dem Wege nach dem Marka-Kul im chinesischen 



216 



Otto F irisch. 



Hochaltai, am 8. Juni, in öder wilder Gebirgsgegend. .Die Vögel liefen vor mir 
auf dem Wege, sich geschickt hinter Steinen verbergend uod da ich, um zu 
schiesseD, was Kirghisenpferde selten vertragen, absteigen musste, so entging 
mir das Weibchen. 

143. Emberiza rustica Pall. — Br., 1. c. p. 64 (Ural). 

Diese von uns nicht beobachtete Art erhielt ich durch Prof. Slovzoff 
aus der Umgegend von Omsk. Sie erschien hier 1877 zuerst am 29. März. — 
Bisher nicht aus diesem Theile Sibiriens nachgewiesen. 

144. Emberiza piisilla Pall. — Br., 1. c. p. 64; Seeb. und Br. Ibis, 
p. 116; Dress., Severtz., 1. c. p. 249. — Nr. 393 (F.) cT, Tschematschewskaja 
(8. Juli); Nr. 394 (F.) 9, Bercosoff (10. Juli); Nr. 395 (F.) d\ Schtschutschja 
(23. Juli), alle drei im Brütekleid; Nr. 396 (F.) cT, flugbares Junges (14. August), 
Schtschutschja. Nr. 397 (F.) tf, Obdorsk; Nr. 398 (F.) tf, Sobje-Jurti (beide 
4. September); Nr. 399 (W.) cT, Langiorskaja (7. September); Nr. 400 (F.) Q, 
Sobje-Jurti (4. September), alle vier in Mauser. 

Die im Juli erlegten Exemplare tragen ein sehr abgeriebenes Federkleid ; 
nur bei dem Männchen Nr. 395 ist Kinn und Oberkehle dunkel kastanienbraun, 
wie auf Dress er's Abbildung; das Männchen Nr. 393 dagegen hat Kinn und 
Oberkehle rostweisslich, heller als das beim Nest geschossene Weibchen Nr. 394 
(mit grossem Brütefleck), welches Kinn und Oberkehle zart roströthlich ver- 
waschen zeigt. Nr. 396 (14. August) ist ein flügger junger, eben ausgefiederter 
Vogel; er ähnelt sehr den vermausernden oder frisch vermauserten Herbst- 
vögeln (September), zeigt aber einen heller rostgelben Scheitellängsstreif (bei 
den Herbstvögeln rostrothbrauu, matter als im Sommerkleide) und rostgelb- 
braune Seitensäume der Mantelledern ; Kehle und Kropf sind breiter und dichter 
dunkel gestrichelt. Im frischvermauserten Herbstkleide sind Kücken und Flügel 
düsterer rostrothbrauu, ebenso der Kopf, auf dem sich die beiden schwarzen 
Längsstreifen nur undeutlich markiren, da die schwarzen Federn rostrothe End- 
säume tragen. — Dieser reizende kleine Ammer zeigte sich sowohl am Ob, als 
an der Schtschutschja, soweit der Baumwuchs reichte, keineswegs selten. Bei 
Leumtschi, 10 Stationen unterhalb Samarowa, trafen wir ihn am 7. Juli zuerst; 
am 11. erzählte Dr. Brehm ein Nest mit fünf nackten Jungen gefunden zu 
haben; am 20. traf ich an der Gabelung der Schtschutschja ein Pärchen, welches 
durch sein ängstliches Zirpen die Nähe des Nestes verrieth; am 14. August 
erhielt ich an derselben Localität einen jungen flüggen Vogel. Anfangs Sep- 
tember waren die Vögel in voller Mauser. Auf der Bückreise beobachtete ich 
die Art zuletzt am 9. September bei Bonderjohan. — Die Ural -Expedition 
erhielt die Art an verschiedenen Localitäten nördlich bis zum 65. Grad nördl. 
Br. Das Bremer Museum besitzt zwei Exemplare, welche von dieser Expedition 
herstammen und am 18. Juli 1847 an den Quellen der Petschora gesammelt 
wurden. Sie stimmen ganz mit solchen vom Ob überein. Seebohm beobachtete 
die Art an der Petschora zuerst am 31. Mai und traf sie sehr häufig; am 10. Juni 
hatten sie sich bereits gepaart, doch gelang es ihm ebenfalls nicht Nest oder 
Eier zu erlangen. 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 187G. 



217 



145. Emberiza aureola Pall. — Br., 1. c. p. 64; Dress., Severtz., 
t c p. 250; Finsch, 1. c. p. 54. — Nr. 115 (F.) 9. Belo-Glasowa bei Kolywan 
(21. Juni). 

Nur au folgenden Localitäten beobachtet: 21. Juni im Dorfe Belo-Glasowa 
hinter Kolywan-Schleifürei; 30. Juli häufig auf dem Wege von Salair bis Tomsk; 
6. Juli, drei Stationen unterhalb Samarowa am Ob. — Bei Omsk durch Prof. Slov- 
zoff. Von der Ural-Expedition an der Wischera (62° nördl. Br.) eingesammelt. 

146. Emberiza luteola Lath. — Dress., Severtz., 1. c. p. 249. 
Euspiza brunniceps Severtz. Emberiza (allied to rutila) Finsch, 1. c. p. 52 et 
53. — Nr. 114 (B.) 0*. 20 Werst vor Lepsa. Nr. 109 (W.) cT (beide 17. Mai). 
Nr. 110 und 111 (B.) (18. Mai). Alle drei Kysil-Aschdschifluss. Nr. 112 und 
113 (F.) 9 Q. Vor Maitjerek (4. Juni). 

Die Intensität der kastanienzimmtbraunen Färbung am Kopfe variirt bei 
den alten Männchen etwas. Bei Nr. 109 ist sie sehr dunkel, bei Nr. 114 durch 
Abstossen der Endspitzen heller und zeigt einen goldbraunen Schein. — Dieser 
schöne Ammer gehört mit zu den Charaktervögeln der Steppe, namentlich wo 
dieselbe mit dem hohen Dschidgrase bestanden ist. Er klettert mit webervogel- 
artiger Gewandtheit an den Stengeln desselben empor, zeigt sich oft auf den 
Spitzen der Halme und erinnert, namentlich auch durch seine Färbung, auf- 
fallend an gewisse Ploceiden. Sein einfacher Gesang beginnt mit einer unserem 
Goldammer ähnlichen Strophe. Die Weibchen sind schon durch ihr bescheidenes 
Kleid weit weniger bemerkbar als die Männchen und halten sich mehr ver- 
steckt. — Am 17. Mai auf dem Rückwege von Lepsa zuerst von Dr. Brehm 
erlegt, dann auf der ganzen Tour nach dem Ala-Kul bis hinter Urdschar 
(20. Mai) täglich beobachtet; besonders in den Rohrdickichten am Tentekflusse. 
Von Saissan und auf der Steppe nördlich vom See (31. Mai bis 5. Juni) eben- 
falls häufig. Im Gebirge nirgends beobachtet. Dagegen überraschte es mich 
ihn (15. Juni) in den mit Zomcera-Gebüsch besetzten hügeligen Granitvor- 
bergen von Serianowsk herab, am Nordabhange des Altai wieder zu finden. — 
Im Bremer Museum von Semipalatinsk. 

147. Emberiza schoeniclus L. — Seeb. und Br., 1. c. p. 117; 
Dress., Severtz., 1. c. p. 248. E. Pallasi Severtz. (nec Cab.) ib. p. 249. 
E. schoeniclus var. minor Midd. Sib. Reise, p. 144; var. minor Schrenk, p. 284; 
Radde, p. 172; Finsch, 1. c. p. 57. — Nr. 401 (F.) tf. Kuschowat (11. Juli). 
Nr. 402 und 403 (F.) und 9. Tachty (12. Juli). Nr. 404 (F.) d\ Jotloch 
(18. August); Nr. 405 (F.) cT, Sobje-Jurti (4. September), beide in Mauser. 
Nr. 406 (F.) tf. Gonoratskaja (9. September). Nr. 407 und 408 (F.) cT und 9. 
Bolschoi-Ustram (11. September). Nr. 409 (F.) tf. Narimowskaja (14. Sep- 
tember). Nr. 410, 411, 412 (F.) 9 9cT- Novija (15. und 16. September). 

Die genaue Vergleichung der heimgebrachten grossen Reihe zeigt die 
vollständigste Uebereinstimmung mit deutschen Exemplaren, sowohl was Färbung 
als Grösse anbelangt. Die letztere variirt etwas, aber nur unbedeutend. Die 
frischvermauserten Herbstvögel, mit noch nicht abgestossenem Gefieder haben 
Schwingen und Schwanz etwas länger. 

Z. B. Ges. B. XXIX. Abh. 28 



218 



Otto Finsch. 



Flügel. 



Schw. 



Firste. 



2" 10'"— 2" 11 

2" 10'"— 3" 
2" 8"' 



2" S'"—2" 4'" 
2" 3">— 2" 6'" 

2" 3"' 

2" 2"' 



8—9 Mm. Sommerkleider, 
8—9 „ Herbstkleider. 
7 „ Jung Nr. 404. 



2" 6V 2 ' 



9 „ Daurien (minor). 



Die alten beim Nest erlegten Vögel (Nr. 401, 402, 403) stimmen ganz 
mit deutschen (und der Abbildung bei Naumann, Taf. 105, Fig. 1 und 2) 
überein. Die vermausernden oder friscbvermauserten Herbstvögel haben die Ober- 
seite lebhaft rostbraun mit rostgelbfahlen Federsäumen, die das Weiss des 
Nackens noch verdecken, ebenso wie das Grau des Bürzels und der oberen 
Schwanzdecken, welche Partien rostfahlbraun erscheinen; bei den Männchen 
(Nr. 412, 409 und 407) sind die schwarzen Kehlfedern durch die breiten rost- 
fahlen Endsäume ganz verdeckt. Die weisse Unterseite ist bei allen zart rostfahl 
überlaufen, so dass nur die Bauchmitte reinweiss erscheint, und ist mit feinen 
rostfarbenen, auf der Brust breiteren und dunkleren Längsstrichelchen ge- 
zeichnet. Nur bei Nr. 405 und 408 ist ein deutlicher dunkler Bartstreif vor- 
handen, bei den übrigen derselben nur angedeutet. — Ein, wie E. Pallasi Cab 
(Mus. Hein. I. p. 130 Note) gezeichneter Kohrammer ist mir in Sibirien nicht 
vorgekommen; ebensowenig vermag ich E. passerina Pall. (Zoogr. Rosso-As. H. 
p. 49), der von Bercosoff herstammen soll, zu deuten, denn er ist wohl kaum 
auf schoeniclus zu beziehen. Ostsibirische Exemplare (var. minor) scheinen mir 
nicht als besondere Art haltbar. E. polaris Midd., die ich unter den Samm- 
lungen Seebohm's von Jenisse'i sah, ist eine ausgezeichnete Art. — Wir trafen 
den Rohrammer einzelne Male bereits in den südlichen Steppengebieten; so am 
28. April am Irtisch und 6. Mai bei den Arkatbergen. Offenbar waren dies auf 
dem Zuge begriffene Exemplare. — Auf der Hinreise am Ob machten sich die 
Vögel wenig bemerklich, da sie brüteten ; doch beobachtete ich sie verschiedene 
Male, so am 10. Juli bei Bolschoi-Ustram, und am 12. bei Tachty, wo ich ein 
Pärchen beim Neste schoss. Junge flugfähige Vögel erhielt ich am 18. August 
bei Jotloch am unteren Ob. Auf der ganzen Rückreise waren sie von nun an 
bis zum 17. September sehr häufig und wurden fast täglich beobachtet. Ich 
fand die Vögel im Wesen sehr abweichend von dem was mir sonst vom Rohr- 
ammer bekannt war. Sie hielten sich meist in den Weidendickichten auf und 
erinnerten im Betragen an den Goldammer. Der Umstand, dass sie sich theils 
in der Mauser befanden (18. August bis 9. September) und dann wohl bereits 
auf dem Zuge begriffen waren, mochte wohl Ursache dieser anscheinenden 
Abweichungen im Benehmen sein, das mir auch bei anderen Arten (z. B. Anthus 
cervinus) in der Mauserperiode auffiel. Auf der Tundra nicht gefunden. — 
Durch Prof. Slovzoff von Omsk eingesandt, wo die Art 1877 zuerst am 29. April 
durchzog. — Seebohm fand die Art häufig an der Petschora bis in den 
arktischen Kreis hinein; er erhielt Eier Anfang Juni und fand ein Nest 9' hoch 
in einer Erle. 

148. JPyrrhulorhyncha pyrrhuloides Pall. — Emberiza pyrrhu- 
loides Pall., Zoogr. Rosso.-As. IL p. 49; Dress., Severtz., 1. c. p. 249; 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 187fi. 



219 



Finsch, 1. c. p. 53. - Nr. 116, 117, 118 (F.) tftf; Nr. 119 (F.) 9, alle 
Saissan-Nor (2. Juni). 

„ . _ Schnabelh. _ ■ ' 

PI. Schw. F. _ L. M.-Z. 

an Bas. 

3"— 3" 3'" 2" 7"'-2" 10'" 11 Mm. 90-95 Mm. 21 Mm. 16 Mm. Männchen, 
3" 2" V" 10 „ 90 „ 21 „ 16 „ Weibchen. 

Die Männchen stimmen in der Färbung ganz mit denen unseres schoe- 
niclus im Frühjahr überein, aber die Seiten sind ungestrichelt und einfarbig 
weiss wie die übrige Unterseite ; der Hinterrücken ist hell aschgrau, der Bürzel 
und die oberen Schwanzdecken weiss, die letzteren nur bei Nr. 116 rostfarben 
gespitzt. Das Weibchen stimmt ganz mit dem Männchen überein, doch fehlt 
ihm der schwarze Kopf; Ober- und Hinterkopf sind rostbraun mit schwarzen 
Schaftstrichen; ein rostfahler Schläfenstrich; Ohrgegend und unterm Auge 
braunschwarz, mit rostbraunen Endspitzen; von der Basis des Unterschnabels 
ein weisslicher Streif, der unterseits vom Kinnwinkel von einem braunschwarzen 
Bartstreif begrenzt wird; Kinn und übrige Unterseite weisslich blass rostfahl 
angehaucht; die Seitenfedern mit feinen rostfarbenen Schaftstrichelchen. Exem- 
plare im Leidener Museum von Gurjeff am Caspi-Meer stimmen ganz mit 
meinen überein. Dagegen haben italienische einen schwächeren Schnabel und 
nähern sich fast ganz dem japanischen P. pyrrhulinus, die eine Mittelform 
zwischen schoeniclus und pyrrhuloides zu bilden scheint. — Der ganz Carpo- 
dacus- artige, nur stark seitlich zusammengedrückte Schnabel dieser Art, weicht 
vom eigentlichen Typus des Ammerschnabels bedeutend mehr ab, als z. B. 
Cälamospiza von Emberiza und rechtfertigt die generische Absonderung. — 
Ich traf P. pyrrhuloides nur in den Rohrwäldern des Saissan-Nor; hier war 
es die einzige Art und recht häufig. Die Magen der geschossenen enthielten 
Rohrsamen. 

149. Plectrophanes nivalis. — Br., 1. c. p. 63; Seeb. und Bi\, 
1. c. p. 118; Dress., Severtz., 1. c. p. 250; Finsch, 1. c. p. 59. Emberiza 
nivalis Pall., p. 32 (Ob, BercosofF). 

Am 16., 17. und 18. April begegneten wir in der Steppe in der Gegend 
von Ischim grossen, oft nach Hunderten zählenden Flügen des Schneesporn- 
ammers. Sie frequentirten die noch mit hohem Schnee bedeckte Strasse, um 
hier nach Nahrung zu suchen und waren sehr zahm. Bei Annäherung der 
Wagen flogen sie auf, was ein ungemein anziehendes Bild gewährte und Messen 
sich, wo es anging, auf die nahen Umzäunungen nieder, wo sie dann dicht 
gedrängt aneinander sassen. Die Mehrzahl dieser Exemplare erschien weiss ; die 
von mir erlegten und präparirten gingen leider verloren. — Ausser diesen auf 
dem Rückzüge begriffenen Exemplaren des Schneespornammers trafen wir ihn 
erst wieder an seinen Brutplätzen auf der Tundra. Der erste am 27. Juli am 
äussersten von uns an der Schtschutschja erreichten Punkte von mir beobachtete, 
sass auf einem Schneefelde, welches sich in einer Uferschlucht noch erhalten 
hatte. Am 29. Juli erhielt ich flügge Junge, die ungemein zahm waren. So 
hüpfte ein solcher Vogel auf einem unserer schlafenden Gefährten umher und 

28* 



220 



Otto Finsch. 



pickte ungenirt Mücken weg. Die Art war übrigens auf der Tundra bei Weitem 
seltener als die folgende. — Von Omsk durch Prof. Slovzoff eingesandt, wo 
die Art 1877 am 3. Mai durchzog. — Die Ural-Expedition verzeichnet sie bis 
über den 69. Breitengrad hinaus als überall häufig. — Seebohm traf sie an 
der Petschora ebenfalls sehr zahlreich und erhielt am 27. Juli flügge Junge. 
— Auch diese Art würde nach Sujew (Pall.) bei den Eingebornen des Nordens, 
wie der Haussperling „Frühlingsvogel" heissen. 

150. Plectrophanes lapponica. — Br., 1. c. p. 63; Seeb. und Br., 

I. c. p. 117; Finsch, 1. c. p. 59. — Nr. 413 (B.) Q (21 Juli), Nr. 414 (W.) 
c?, Nr. 415 (W.) flügges Junge (beide 25. Juli), Nr. 416 (F.) cT (31. Juli) alle 
Schtschutschja. Nr. 417 (F.) tf. Ugorskia-Jurti (11. September). 

Das beim Neste geschossene Männchen und Weibchen (Nr. 413, 414), 
wovon das letztere einen grossen Brutfleck zeigte, sind gleichgefärbt und tragen 
ein sehr stark abgeriebenes Gefieder. Das zimmtrothe Nackenband ist sehr 
blass, die rostbraunen Säume der Schwingen und Deckfedern fehlen ganz und 
sind auf Rücken nur ganz spärlich vorhanden. Kinn und Oberkehle weisslich- 
fahl und nur auf den Backen und der Kehlmitte stark abgestossene schwarze, 
rostbraun gerandete Federn. Die Vögel ähneln daher am meisten der mittleren 
Figur auf Dresser's Tafel (119). Grönländische, zu derselben Zeit (25. Juli) 
erlegte Exemplare haben Kopfseiten, Kinn und Kehle noch tief schwarz (wie 
Figur links bei Dresser) ; ganz so waren die von mir auf der Tundra Lapplands 
einen Monat früher (28. Juni) beim Neste erlegten Männchen. — Das am 

II. September erlegte Männchen trägt das frisch vermauserte Herbstkleid. 
Dasselbe ist sehr lebhaft gefärbt. Auf der Oberseite herrscht ein lebhaftes 
Rostbraun vor, welches ganz besonders an den Aussensäumen der hinteren 
Schwingen und den Schwingendecken hervortritt. Die schwarzen Federn des 
Oberkopfes haben rostgelbbräunliche Endspitzen, eben wie die des Nackens, so 
dass das Schwarz des Oberkopfes und das Zimmtroth des Nackens nur durch- 
scheint; die Unterseite ist rostbräunlich, nur auf Kinn, Kehle und der Mitte 
des Unterleibes ins Weissliche; das Schwarze des Kehlschildes ist von den 
breiten rostgelbfahlen Endkanten noch ganz verdeckt. Beine schwarz, bei den 
Exemplaren im Hochsommer (414) bräunlich. Letztere haben durch Abstossen 
kürzere Schwingen als der frische Herbstvogel. — Flügel 3" — 3" 1'" (Nr. 413 
und 414); 3" 5"' (Nr. 417). — Nr. 415 und 416 (25. und 31 Juli) sind eben 
flügge Junge, von denen Nr. 416 bereits flugbar ist. — Da dieses erste Kleid weder 
von Naumann noch Dresser beschrieben wird, gebe ich eine Beschreibung; 
Oberseite lebhaft rostgelbbraun, im Nacken heller, mehr rostgelbfahl, mit breiten, 
schwarzen Schaftflecken, ein rostweisslicher breiter Augen- und Schläfenstrich; 
hintere Schwingen und Deckfedern der Armschwingen lebhaft kastanienrothbraun 
(wie beim Herbstvogel) ; die Armdecken und grössten oberen Flügeldecken am 
Ende breit rostweisslich gerandet; Ohrfleck rostbraun, dunkel gestrichelt; Kehle, 
Kropf und Seiten rostbräunlichgelb, fein schwarz gestrichelt, Kinn, Oberkehle 
und übrige Unterseite weisslich; die beim alten Vogel weisse Schwanzzeichnung 
rostfahl (ebenso beim Herbstvogel). — In der Steppe am Irtisch südlich von 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 187fi. 



221 



Omsk wurde am 26. April ein Exemplar dieser Art ans einem Fluge Alan da 
sibirica von Dr. Brehm herausgeschossen. Mit PI. nivalis, die wir einige 
Tage vorher in so grosser Menge antrafen, fanden wir diese nicht gemein- 
schaftlich ziehend. Auf der Tundra war die Art bei weitem häufiger als 
PI. nivalis, wir trafen sie zuerst am 21. Juli oberhalb der Gabelung der 
Schtschutschja und erhielten am 24. flügge Junge. Bei unserer Wanderung 
nach der Podarata war PI. lapponicus wohl der häufigste unter den Klein- 
vögeln und frequentirte hauptsächlich die Ufer der Tundraseen. Am 7. August 
erhielt ich Exemplare, die in voller Mauser begriffen waren. — Auf der Rück- 
reise am Ob begegnete ich ihm nur einmal am 11. September bei Ugorskia 
Jurti, und zwar einem einzelnen Exemplare, welches sich als völlg vermausert 
erwies. — Die Ural-Expedition erhielt die Art bis zum 67. Breitengrade, und 
notirt den 15. Juli für die Mauser. — Nach Seebohm traf sie bei Ust-Sylma 
an der Petschora vom 18. bis 27. Mai in grossen Schaaren ein; am 22. Juni 
erhielt er auf der Tundra die ersten Eier, am 6. Juli flügge Junge. 

151. Alauda arvensis L. — Dress., Severtz., 1. c. p. 181; Seeb. 
und Br., 1. c. p. 119. A. triborhyncha Severtz., Journ. f. Orn. 1875. p. 193. — 
Nr. 125 (W.) Bakty, Turkestan (21. Mai). 



Fl. 


Schw. 


F. 


L. 


M.-Z. 


Nag. H. Z. 




4" 3"' 


2" 5"' 


5"' 


10'" 




6"' 


Omsk. 


4" 2"' 


2" 5'" 


&" 






7"' 


cT Bremen. 


4" 4«< 


2" 6"' 


5V 


10'" 


7'" 


5"' 


Bakty. 



Ich hielt das heimgebrachte Exemplar anfänglich für eine zwar nahe 
verwandte aber verschiedene Art (triborhyncha), die wiederholte Vergleichung mit 
deutschen Lerchen hat mich jedoch überzeugt, dass dasselbe unbedenklich zu 
arvensis gehört. Die Färbung erscheint bei dem Sibirier mehr braungrau, 
weil die Federränder ganz abgestossen sind ; deshalb ist auch der Kropf minder 
stark schwarz gestrichelt. Der eine halbe Linie längere Schnabel ist jedenfalls 
nicht zu einer specifischen Absonderung genügend. Ich fand im Berliner Museum 
Exemplare mit ganz gleichgrossem Schnabel; solche aus Syrien (A. arvensis var. 
rostr. validiore Ehrb.) hatten einen noch etwas längeren Schnabel. Eine durch 
Prof. Slovzoff von Omsk erhaltene Feldlerche ist ebenso kleinschnäblig 
als deutsche, der längere Schnabel für die Sibirier also keineswegs constant. 
Ich glaube aus diesem Grunde auch, dass A. triborhyncha Severtz., welche sich 
durch etwas längeren Schnabel auszeichnen soll, nichts anderes als arvensis ist, 
wie dies Dress er auch von A. triborhyncha Hodgs. aus Nepal nachwies. Am 
26. März beobachteten wir bei Kasan die ersten Feldlerchen, trafen sie dann 
aber erst wieder am 19. April bei Tjukalinsk. Am 20. April sang sie allenthalben 
lustig, obwohl es zuweilen noch schneite und der Irtisch zum Beispiel noch mit 
Eis bedeckt war. Im Verfolg unserer Reise beobachteten wir die Feldlerche 
fast täglich und sie war allenthalben gemein, sowohl auf der Steppe (hier im 
Ganzen wohl am häufigsten), im Ala-Tau, auf den Hochsteppen des Tarbagatai, 
sowie auf den Alpenwiesen des Altai, wo wir sie noch in einer Höhe von über 
5000 Fuss antrafen. Auf dem Wege von Altaiske-Staniza, über die mit Loni- 



222 Otto Finsch. 

ceren bestandene steppenartige Gegend bis Kolywan und von da bis Tomsk 
war sie weitaus der häufigste Vogel. Am Ob vermissten wir sie; wenigstens 
hatten wir von Tomsk bis Samarowa mit Dampfer reisend keine Gelegenheit 
zu Beobachtungen und von da an trafen wir sie nicht mehr. Doch mag sie 
deswegen immerhin vorkommen. Seebohm beobachtete am 17. Juni bei Ust- 
Sylma an der Petschora zwei Feldlerchen. In Lappland geht sie noch bis zum 
65. Breitengrade hinauf. — Ich muss ausdrücklich bemerken, dass die sibirische 
Feldlerche sowohl im Betragen als namentlich im Gesang durchaus mit unserer 
übereinstimmt und dass ich sie, auch ohne Exemplare heimgebracht zu haben, 
mit voller Bestimmtheit aufgeführt haben würde. — Nach Mittheilungen von 
Prof. Slovzoff erschien die Art bei Omsk 1877 erst am 17. Mai; doch liegt 
hier wohl ein früheres Uebersehen zu Grunde, da dieses Datum doch recht spät 
sein würde. 

152. Alauda pispoletta Pall. — Cälandrella pispoletta Bogdanow, 
Journ f. Orn. 1877, p. 91. C. leucophaea Severtz., Dress., 1. c. p. 182. A. pispo- 
letta Finsch, 1. c. p. 50. — Nr. 132 (F.) <? (9. Mai); Nr. 131 (F.) Nr. 133 
(B.) (beide 19. Mai), alle Sassyk Ala-Kul. 







Fl. 


Schw. 


F. 


Höhe 


L. M.-Z. Nag. H.Z. 


Nr. 131. 


3" 


6 7 2 "' 


25'" 


10 Mm. 


6 Mm. 


20 Mm. 11 Mm. 6 Mm. pispoletta. 


. 132. 


3" 


6"' 


26"' 


9 » 


6 „ 


20 „ 12 „ 7 „ 


* 133. 


3" 


8"' 


25"' 


9 , 


6 i 


20 „ 12 „ 77 2 „ 


. 134. 


3" 


QU, 


24"' 


10 „ 




20 „ 11 „ 7V 2 » brachydactyla. 




3" 


3"' 


21"' 


10 „ 


5 n 


19 „ 11 „ 7 „ „ Süd-Europa 



Die treffliche Auseinandersetzung über diese so oft zersplitterte Art, welche 
wir Prof. Bogdanow verdanken, überhebt mich jeder weiteren synonymistischen 
Erläuterung. Bei Vergleichung der typischen Exemplare von A. leucophaea Severtz. 
im Petersburger Museum, war mir deren Identität sofort klar und bei genauerem 
Studium wurde ich auch überzeugt, dass C. Heinei Horn. (Journ. f. Orn. 1873, 
p. 196 et 425) nicht verschieden sein könne. Meine Exemplare tragen ein stark 
abgeriebenes Kleid, sind daher sehr hell gefärbt; doch zeigen alle die dunkle 
Schaftstrichelung auf dem Kröpfe sehr deutlich; die Spitzen der hintersten 
Armschwingen erreichen das Ende der sechsten Schwinge; die Zeichnung der 
äussersten Schwanzfeder variirt etwas. Nr. 138 zeigt nur einen schmalen rauch- 
schwärzlichen Eandsaum der Innenfahne, welcher nur an der innersten Basis 
bis zum Schafte läuft, bei Nr. 132 zieht sich der dunkle Innenrand weiter 
unter die Basis; bei Nr. 131 ist er viel dunkler, breiter und nimmt fast die 
Längshälfte der Innenfahne ein; das Uebrige der äussersten Feder ist rein 
weiss, die Aussenf ahne bis zur Basis. 

153. Alauda brachydactyla Leist. — Bogdanow, Journ. f. Orn. 
1877, p. 94. Finsch, L c. p. 50, 53 et 55. A. longipennis Eversm. C. brachy- 
dactyla et pispoletta Dress., Severtz., 1. c. p. 182. — Nr. 134 (B.) Steppe 
hinter Sergiopol (7. Mai). 

Das Exemplar trägt ein sehr abgeriebenes Gefieder, ähnelt daher sehr 
denen der vorhergehenden Art, und ist minder lebhaft gefärbt als frische Exemplare 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 187(5. 



223 



aus Südeuropa. Doch reichen selbst in diesem fadenscheinigen Gefieder die 
Spitzen der hinteren Armschwingen bis über das Ende der vierten Schwinge 
hinaus, wodurch sich brachydactyla stets leicht unterscheidet, ebenso durch 
den horngrauen Schnabel mit heller Basis des Unterschnabels. Die schwarzen 
Kropfseitenflecke sind nur angedeutet, die äusserste Schwanzfeder fast weiss, 
nicht so deutlich rostfahl angehaucht, als bei südeuropäischen Exemplaren; 
doch zieht sich wie bei diesen der breite schwarze Innenrand bis auf die Aussen- 
fahne herüber und bedeckt hier das Basisdrittel. — Wir beobachteten kurzzehige 
Lerchen auf der ganzen Steppenreise von Semipalatinsk an bis zum Fusse des 
Altai, doch war es nicht möglich beide Arten, die sich nur unterscheiden lassen, 
wenn man die Exemplare in der Hand hat, in der Beobachtung auseinander zu 
halten. Ich gebe daher die folgenden Daten für beide Arten gemeinschaftlich 
und spreche nur unter Vorbehalt die Ansicht aus, dass A. pispoletta die häufigere 
Art war. Steppe hinter Semipalatinsk und bei den Arkatbergen (7. Mai), von 
hier bis Sergiopol; häufig auf dem Wege nach dem Ala-Kul und in der Um- 
gebung dieser Seen (10. und 19. Mai) ; Steppe nach Urdschar und von Urdschar 
nach Bakty und Tschugutschak (20., 21. Mai); Hochsteppe des Tarbagatai 
(ca. 4000' hoch) Steppe bei Saissan und Wüstensteppe am Nordrande des Saissan- 
Nor (3. Juni). 

154. Alauda calandra L. — Melanocorypha cdlandra Dress., Severtz., 
1. c. p. 183. — Nr. 135 (B.) Ala-Kul (19. Mai). 

Fl. Schw. F. L. M.-Z. Nag. H. Z. 

4" 10"' 2" 6"' T" 12"' 8"' 6"' 
Da unter den russischen Keisenden nur von Middendorf der Kalander- 
lerche gedenkt und zwar nur eines einzigen von ihm erhaltenen Exemplares, 
welches nach der Beschreibung ohne Zweifel zu A. bimaculata Mdnet. gehört, 
so zweifelt Dress er an dem Vorkommen der echten A. calandra in Sibirien. 
Das von mir heimgebrachte Exemplar trägt ein sehr abgeriebenes Gefieder, er- 
scheint daher oberseits mehr grau, unterseits mehr weiss als ein südeuropäisches 
Exemplar, welches einen deutlichen rostbräunlichen Ton zeigt; auch die äusserste 
Schwanzfeder ist bei ihm rostfahl angeflogen. Im Uebrigen stimmt das sibirische 
Exemplar ganz mit europäischen überein, namentlich was die so entscheidende 
Schwanzfärbung anbelangt. Die äusserste Schwanzfeder ist weiss, an der Innen- 
fahne schief abgesetzt rauchschwärzlich, die zweite an Aussenfahne weiss, innen 
schwarz mit weissem Endrande, dritte schwarz an beiden Fahnen, mit weissem 
Endrande. Dress er beschreibt wohl aus Versehen, die zwei äusseren Schwanz- 
federn als weiss. — Vom 19. bis 23. Mai wurde diese Lerchenart am Ala-Kul 
und im Tarbagatai wiederholt wahrgenommen; sie liebt besonders die mit hohen 
Schierlingsstauden bestandene Steppe, und sitzt gern auf den Spitzen der 
Kräuter. Lerchen bilden in diesen Steppenregionen die hervorragendsten Ver- 
treter der Vogelwelt, doch gehört A. calandra mit zu den selteneren, oder ist 
wenigstens viel minder häufig als A. sibirica und pispoletta. 

155. Alauda sibirica Gml. — Melanocorypha sibirica Dress., Severtz., 
1. c. p. 183. A. leucoptera Pall. Pallasia (!) leucoptera Horn., Journ. f. Orn. 



224 



Otto Finsch. 



1873, p. 190. A. sibirica (but larger!) Finsch, 1. c. p. 51. — Nr. 126 (F.) tf. 
Pawlodar (26. April). Nr. 127 (F.). Semipalatinsk (1. Mai). Nr. 128, 129, 130 
(F.) dVc? • Sassyk Ala-Kul (19. Mai). Nr. 131 (F.) J 1 . Wüstensteppe nördlich 
vom Saissan-Nor (4. Juni). 

Das Zimmtroth des Kopfes, der Ohrgegend, Flügeldecken und den oberen 
Schwanzdecken ist viel lebhafter als auf der Abbildung bei Dresser (B. of 
Eur. 132), die ganz im Gegensatz zu den meisten Darstellungen die meist zu 
lebhaft und schön gefärbt sind, zu blass gehalten ist. — Das auf dem Zuge 
(26. April) erlegte Männchen hat auf der Kopfmitte noch zahlreiche zimmtrothe 
und einzelne dunkel punktirte Federn, die bei den übrigen Exemplaren durch 
Abreiben fast ganz verschwunden sind, so dass nur noch an den Kropfseiten 
mehr oder minder zahlreiche zimmtrothe, dunkel gestrichelte Federn vorhanden 
sind. Solche Exemplare erscheinen dann bis auf die dunklen Schaftstriche der 
Seiten unterseits fast einfarbig weiss. — Flügellänge: 4" 3"' — 4" 5'". — Die 
weissflügelige Lerche trafen wir am 26. und 27. April auf der Reise von Omsk 
bis Semipalatinsk öfters. Sie hielt sich noch in grossen Flügen geschaart, die 
sehr zahm waren, und beim Auffliegen in eleganten Schwenkungen dahinsausend 
äusserst malerisch aussahen. — Auf der Steppe hinter Semipalatinsk nach dem 
Ala-Kul, wo A. tatarica so häufig war, sah ich mich vergeblich nach leucoptera 
um, die wir erst wieder am 19. Mai am Agin-Su, nordöstlich vom Ala-Kul 
antrafen. — Ihr Gesang erinnnert an den von A. arvensis. — Nach brieflicher 
Mittheilung von Prof. Slovzoff erschien diese Lerche (von welcher er auch 
ein Exemplar einsandte) 1877 erst am 16. Mai bei Omsk. 

156. Alauda yeltonensis Forst. — Melanocorypha yeltonensis Dress., 
Servertz., 1. c. p. 183. A. tatarica Pall. — Nr. 136 (F.) . Hinter Semipalatinsk 
(3. Mai). Nr. 137. (F.) Nestjunges. Arkatberge (4. Mai). 

Das alte Männchen (Nr. 136) erscheint durch Abreiben der Federsäume 
fast einfarbig schwarz, nur auf dem Bürzel finden sich noch fahlweisse Endsäume. 

Nestjunges (Nr 137) bisher unbeschrieben : Federn der Oberseite schwarz 
mit fahlbräunlichweissen Spitzenflecken, daher auf dunklem Grunde hell ge- 
schuppt, spärlicher auf Oberkopf, Mantel und Schultern, die daher mehr schwarz ; 
Nacken mehr fahlbräunlich; ein heller Schläfenstrich. Kopfseiten und Ohr- 
gegend schwarz, mit äusserst feinen fahlen Endspitzen; Unterseite fahlweiss, 
an den Kropfseiten schwärzlich, fahlbräunlich gespitzte Federn; die noch sehr 
kurzen Schwingen braunschwarz mit schmalen aber deutlichen röthlichbraunen 
Aussen- und Endsäumen, Schwingendecken mit breiter fahlweisser Endkante, 
wie die oberen Flügeldecken. Schnabel hornbräunlich mit heller Spitze; Beine 
fahlbräunlich (getrocknet noch heller), Nägel dunkler. — Mittelzehe (ohne Nagel) 
13 Mm., schon länger als bei der alten A. albigula (11 Mm.). — Die Verbreitungs- 
verhältnisse der Mohrenlerche, wie sie sich uns darstellten, waren sehr merk- 
würdige. Nachdem wir von Tjume'n bis Semipalatinsk schon so weit über 
„Schwarzerde" gereist waren, ohne Mohrenlerchen zu sehen, zeigten sie sich 
am 3. Mai zuerst 22 Werst hinter letzterer Stadt und zwar als häufig. Es waren 
dies nicht etwa frisch auf dem Zuge angelangte Vögel, denn nach Betragen 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 1876. 



225 



und Gesang war das Brutgeschäft bereits im vollen Gange und wirklich erhielt 
ich am 4. Mai an den Arkatbergen einen ziemlich entwickelten Nestvogel. — 
Von den Arkatbergen bis einige Stationen hinter Sergiopol (7. Mai) gehörte 
die Mohrenlerche zu den häufigsten Erscheinungen und war geradezu gemein, 
selbst in der weissen mit Salzniederschlägen bedeckten Steppe. Von hier aus 
war sie auf der weiteren Reise, die uns ja für lange Zeit durch die Steppe 
führte, auf einmal wie verschwunden. Um so auffallender war es daher, als 
wir sie am 3. Juni plötzlich in der wasserlosen, wüstenartigen, mit Saxaul be- 
standenen Steppe, nördlich vom Saissan-Nor, wieder fanden, die ein durchaus 
verschiedenes Gepräge als die bei Sergiopol trägt. Ich glaubte in den auf 
Saxaul sitzenden schwarzen Vögeln anfänglich eine bisher noch nicht gesehene 
Art zu erkennen. — Die Mohrenlerche ist ein äusserst anziehender Vogel, den 
man selbst im Vorüberfahren lieb gewinnt. Sie ist äusserst zutraulich und 
lässt den Wagen oft bis auf ein paar Schritt herankommen ehe sie wegfliegt. 
Sie liebt es auf erhabenen Stellen, wie Wegsteinen oder niedrigem Steppengestrüpp 
zu sitzen, wobei sie meist die Flügel herabhängend, den Schwanz erhoben trägt. 
Mit klatschendem, eigenthümlich fledermausartigem Fluge steigt sie dann auf, 
wobei sie ebenso wie sitzend, ihren hübschen Gesang hören lässt. Man sieht 
meist mehrere, bis zu sechs zusammen. — Aus der Umgebung von Omsk durch 
Prof. Slovzoff erhalten. 

157. Alauda alpestris L. — Otocoris alpestris Dress., Severtz., 1. c. 
p. 181. Seeb. und Br., 1. c. p. 119. Finsch, Abhandl. Naturw. Ver. Bremen 
1870, p. 342. — Nr. 418 (B.) Q. Käoschka (21. September). Nr. 419, 420 (F.) 
dV; Nr. 421-426 (W.) ein tf, vier Q, alle Belo Gore (25 September). 

Flügellänge: Männchen 4" 1"'— 4" 2'", Weibchen 3" 9'"— 4" V". 

Die heimgebrachten Exemplare tragen alle das frischvermauserte Winter- 
kleid. Die gelben Partien des Kopfes sind sehr lebhaft, aber die gelben Federn 
des Vorderkopfes haben schmale, schwärzliche Endspitzen, die der schwarzen 
Querbinde des Vorderkopfes schmale, isabellbraune, die des schwarzen Kropf- 
schildes schmale, weissliche. Bei den Weibchen sind die hellen Endsäume des 
Vorderkopfes so breit, dass die schwarze Querbinde nur undeutlich hervortritt, 
Ober- und Hinterkopf sind gelb angeflogen, bei den Männchen kaum bemerkbar. 
— Ich habe in meiner Monographie der Ohrenlerchen (1. c.) bereits auf die Un- 
trennbarkeit der nordamerikanischen A. cornuta mit der Alpenlerche Europas 
und Asiens hingewiesen und kann dies hier nur bestätigen. Zugleich muss ich 
wiederholt darauf aufmerksam machen, dass A. chrysölaema Wagl. (mit der pere- 
grina Sei. zusammenfällt) als eine durch constant geringere Grösse verschiedene 
Art betrachtet werden muss; die grössten Männchen derselben kommen in den 
Maassen kaum den kleinsten Männchen von A. alpestris gleich. Die unzähl- 
baren Schwärme, denen ich im November 1872 in den Prärien Kansas begegnete, 
gehören, wie die mitgebrachten Exemplare beweisen, alle zu letzterer Art. — 
Dresser hat in der Bearbeitung der Vögel Europas meine sehr ausführliche 
Monographie der Ohrenlerchen nicht berücksichtigt. — Auf dem Marsche über 

Z. B. Ges. B. XXIX. Abh. 29 



226 



Otto Finscli. 



die Tundra von der Scktschutschja bis Podarata und zurück (1. bis 10. August) 
trafen wir die Alpenlerche einige Male, doch stets sehr localisirt, so dass sie 
immerhin zu den selteneren Tundrabewohnern gehört. Dagegen war sie auf der 
Rückreise am Ob häufig und wir begegneten ihren oft an hundert und mehr 
zählenden auf der Wanderung begriffenen Flügen öfters. So am 21. September 
bei Käoschka, 23. Jelisarowskaja, 25. bei Troitzkaja und Belo Gore und am 
8. October auf dem Wege nach Tjumen. — Seebohm traf die Art zuerst am 
10. Mai in grossen Flügen bei Ust-Sylma an der Petschora, auf der Tundra 
aber ebenfalls nur sparsam. Am 18. Juni erhielt er Junge, am 6. Juli flugbare 
Junge (1. c. p. 113). — Nach brieflicher Mittheilung von Prof. Slovzoff (der 
auch Exemplare einsandte) erschien die Art 1877 bei Omsk auf dem Zuge nach 
Norden am 7. Mai. 

158. Alaucla penicillata Gould. — Otocoris älbigula Severtz. 0. peni- 
cillata et Brandti Dress., Severtz., 1. c. p. 181. Finsch, Abhandl. Naturw. Ver. 
Bremen 1870, p. 349. Dress., B. of Eur. pt. XXXIII 1874. 0. Brandti id. ib. 
(nov. spec.) in Artikel 0. bilopha. 0. petrophüa et älbigula Severtz., Journ. f. Orn. 
1875, p. 191, 192. — Nr. 139 (B.) 9 (beim Nest). Arkatberge (4. Mai). Nr. 138 
(F.) . Wüstensteppe nördlich vom Tarbagatai (26. Mai). 

FL Schw. F. L. M.-Z. Nag. H. Z. 

4" V" 2" 9"' 5'" 9'" 5"' 6'" 
S u 10 «i 2 " &" ca. 5"' 9'" 5"' 57 2 "' 9 
Diese mir früher nicht aus Autopsie bekannte Art ist eine von A. alpestris 
wohl unterschiedene. Stirn, Kinn, Oberkehle und hintere Ohrgegend sind weiss 
(nicht gelb), das Schwarz der Kopfseiten vereinigt sich mit dem schwarzen 
Kehlschilde, die äusserste Schwanzfeder trägt einen äusserst schmalen weissen 
Randsaum (bei alpestris ist die ganze Aussenfahne der ersten Schwanzfeder 
und ein Randsaum der zweiten weiss). — Das Männchen hat Hinterkopf, Hinter- 
hals, die obere Mantelgegend und die oberen Flügeldecken zart weinröthlich 
(heller und zarter als der Hinterhals bei alpestris), beim Weibchen (Nr. 139, 
welches einen grossen Brutfleck zeigte) sind diese Theile erdbraun, mit schmalen 
schwarzen Schaftstrichen, nur die Halsseiten zart weinröthlich angeflogen; die 
schwarze Zeichnung ist beim Weibchen mehr beschränkt. — Nach Dress er 
ist 0. longirostris Gould nur eine grössere und langschnäbligere Varietät dieser 
Art. Zugleich erhebt Dresser „die blasse Wüstenform, welche gewöhnlich bei 
den russischen Sammlern 0. älbigula genannt wird" zur verschiedenen Art: 
0. Brandti Dress., wodurch soll sich dieselbe eigentlich von den vorliegenden 
blassen Steppenexemplaren unterscheiden? — Diese schöne Art trafen wir nur 
etliche Male auf der Steppe und zwar zuerst am 3. Juni hinter Semipalatinsk, 
wo sie häufig war, dann am Ala-Kul (7. Mai) und am 26. in der Hochsteppe 
des Tarbagatai, nördlich vom Grenzposten Burgutusai. 



Sehr auffallend ist der Mangel von Haubenlerchen in den von uns durch- 
reisten Theilen West-Sibiriens. 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 1870. 



227 



Scansores. 

159. JPicus martius L. — Brandt, 1. c. p. 63; Seeb. und Bi\, 1. c. 
p. 112; Finsch, 1. c. p. 64; Pall., p. 407 (ostiak. Kyrrin). 

Graf Waldburg-Zeil beobachtete die Art bei Scharkaiskaja am 
17. September. — In der Sammlung von Prof. Slovzoff aus der Umgegend 
von Omsk. Die Ural-Expedition erhielt ein Exemplar an der Loswa, unterm 
62. Grad nördl. Br. — Seebohm verzeichnet sie von der Petschora, als von 
ihm gehört. 

160. JPicus leuconotus Bechst. — Br., 1. c. p. 63. 

Der einzige von mir im Altai gesehene Specht (am 6. Juni im Thale 
des Kultschilik aufwärts von Maitjerek) gehörte dieser Art an, von der die 
asiatische Form (P. cirris Pall.) nach Dresser nicht zu trennen ist. — Die Ural- 
Expedition erhielt die Art an der Wischera. 

161. Picus major L. — Brandt, 1. c. p. 63; Dress., Severtz., 
1. c. p. 320. 

In der Sammlung von Prof. Slovzoff aus der Umgegend von Omsk. 
— Die Ural-Expedition erhielt ihn zwischen 63° und 64° nördl. Br. im west- 
lichen Ural. 

162. Picus minor L. — Seeb. und Br., 1. c. p. 112. Xylocopus 
Kamtschaicensis Cab. Mus. Hein. IV, p. 53. P. pipra Pall. — Nr. 427 (F.) 
cf; Nr. 428, 429, 430 (W.), flügge Junge, alle Tschematschewskaja (8. Juli). 
Nr. 431 (W.) cf. Obdorsk (4. September). Nr. 432 (F.) Q. Narimskaja 
(16. September). Nr. 433 (F.) Nisamskaja (18. September). 

Die Vergleichung der vorliegenden Reihe mit deutschen Exemplaren zeigt 
mir keinen einzigen nur irgendwie durchgreifenden Charakter zur specifischen 
Absonderung. Bei den Männchen Nr. 431 und 433 erscheint der Rücken fast 
weiss, weil die schwarzen Enden abgestossen, bei Nr. 427 aber ebenso schwarz 
quergebäudert als bei deutschen. 

Fl. 

3« 6"'— S" T" (jung. 2" IV".) 
B" &" bei deutschen. 
Unterhalb Samarowa bei der Station Tschematschewskaja am Ob trafen 
wir im Juli zwei bis drei Pärchen, deren flügge Brut in hohlen Weiden durch 
das ängstliche Geschrei der Alten verrathen wurde. Ein Nest enthielt sechs 
Junge. — Auf der Rückreise trafen wir die Art mehrmals von Obdorsk 
(4. September) bis Nisamskaja (18. September), oberhalb Bercosoff. Sie liebt 
namentlich die hohen Weiden und Birken; im Nadelholz erinnere ich mich 
nicht sie gesehen zu haben. — Nach Seebohm in den Birkenwäldern an der 
Petschora nicht ungewöhnlich. 

163. Picus tridactylus L. — Br., 1. c. p. 63. Apternus tridactylm Br., 
1. c. p. 63. P. tridactylus Seeb. und Br., 1. c. p. 112. Dress., Severtz., 
1. c. p. 320; Finsch, 1. c. p. 64. - Nr. 434 (W.) cT; Nr. 435 (B.) cf, beide 

29* 



228 



Otto Finsch. 



Nerimowskaja, Ob (14. September). Nr. 436 (W.) 9- Narimskaja (16. September). 
Nr. 437 (W.) cT- Nisamskaja (18. September). 

Ich finde keinen nur einigermaassen bemerkenswerten Unterschied mit 
europäischen Exemplaren ; die frisch vermausernden Männchen zeigen eine sehr 
lebhaft dunkelgelbe Kopfplatte; der weisse Längsstreif des Eückens ist bei 
Nr. 437 stark mit schwarzen Federn gemischt, daher nicht gleichmässig breit. 

Fl. 

4" 6"'— 4" 2"' 

Der Dreizehenspecht wurde nur in der Zeit vom 14. bis 18. September 
einige Male am Ob beobachtet; auf der Hinreise hatten wir ihn nicht bemerkt. 
— Die Ural- Expedition erhielt ihn unterm 63. — 64. Grad nördl. Br. Seebohm 
beobachtete ihn verschiedene Male an der Petschora und erhielt am 14. Juni 
ein Nest mit eben ausgeschlüpften Jungen. 

164. Junoc torquilla L. — Dress., Severtz., 1. c. p. 320. 

In der Sammlung von Prof. Slovzoff aus der Umgegend von Omsk. 
Traf 1877 zuerst am 3. Mai ein (Slovzoff in litt.). Von Dresser nicht aus 
West- Sibirien angeführt. 

165. Ciicidus canorus L. — Dress., Severtz., 1. c. p. 320; Seeb. 
und Br., 1. c. p. 112. C. indicus Cab. Mus. Hein. IV. p. 34. C. borealis Pall. 
p. 442 (Obdorsk). — Nr. 140 (W.) Sassyk-Ala-Kul (9. Mai). Iris und Beine 
hochgelb, wie Mundwinkel und Basis des Unterschnabels. 

Fl. M. Schw. F. Breite. L. Auss.-Z. 

7" 10"' 5" 6'" 19 Mm. 7 Mm. 23 Mm. 20 Mm. 

8" 2"' 6" 1'" 207a Mm. 8% Mm. 23 „ 21 „ cT alt. Deutschland. 

Das vorliegende Exemplar hat die Unterseite mit etwas feineren, schmä- 
leren Querbinden besetzt als ein deutsches; die Querzeichnung der unteren 
Schwanzdecken ist undeutlicher, die weissen Schaftflecke der Schwanzfedern sind 
kleiner und fehlen auf dem mittelsten Paare ganz. Dabei ist der Vogel etwas 
kleiner, und zeigt namentlich einen schlankeren, schwächeren Schnabel. Man 
würde denselben also auf C. indicus zu beziehen haben, doch erweisen sich bei 
grösseren Eeihen von Exemplaren (man vergleiche Schleg. Mus. P. B. Cuculi 
p. 6.) diese Unterschiede als keineswegs constante. Ich stehe daher umsoweniger 
an G. indicus als Art nicht anzunehmen, als derselbe, soweit meine Beobach- 
tungen in Turkestan reichen, in Betragen und Ruf ganz mit unserem überein- 
stimmt. — Der bekannte Ruf des Gauch, welcher schon in der Heimat als An- 
kündiger des Frühlings freudig begrüsst wird, hat in der Fremde einen doppelt 
angenehmen Klang. Wir hörten denselben zuerst am 7. Mai vor Sergiopol in 
Turkestan unterm ca. 47. Grad nördl. Br., und er begleitete uns bis zum Polar- 
kreise. Am 9. Mai beobachteten wir den Kuckuck am Ala-Kul, am 5. Juni in 
Maitjerek, Südaltai, am 9. am Marka-Kul (ca. 5000' hoch) im chinesischen Hoch- 
altai, am 29. am Tschumisch nördlich von Barnaul, am 30. im Walde vor 
Salair, häufig zwischen Salair und Tomsk, am 5. Juli wiederholt zwischen 
Tomsk und Samarowa, am 6. unterhalb Samarowa, 7. bei Karimskaja, 8. unter- 
halb Kloster Kondinsky, 10. bei Bolschoi-Ustram unterhalb Bercosoff, und am 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 187fi. 



229 



13. oberhalb Obdorsk. Unterhalb letzteren Ortes nicht mehr bemerkt. — Im 
Jahre 1877 Hess sich der Kuckuck bei Omsk zuerst am 7. Mai hören. — See- 
bohm bemerkte ihn an der Petschora zuerst am 3. Juni; bei Ust-Sylma war 
er nicht selten, ging aber nördlich nicht über den Fluss Jorsa hinaus. 

Columbae. 

166. Columba palumbus L. 

Nur einmal, und zwar vor Jalutorowsk (am 13. April) beobachtet. — 
Radde erwähnt sie vom Ural, und nach Pallas käme sie auch in Ost-Sibirien 
vor. Ausserdem wird sie von keinem Reisenden aus Sibirien angeführt. 

167. Columba casiotis Bp. — Dress., Severtz., 1. c. p. 320. C. pa- 
lumbus himalayensis Schleg., Mus. P. B. Columb. p. 66. Columba (allied to pa- 
lumbus) Finsch, 1. c. p. 51. — Nr. 141 (B.) 9. Lepsa, auf dem Wege nach 
dem Dschasil-Kul (14. Mai). 

Schnabel gelb, Wachshaut und Basis des Unterschnabels roth; Beine 
blutroth; Iris gelb lieh weiss. — Nur an der genannten Localität in hohen Ufer- 
bäumen wahrgenommen, und im Wesen ganz unserer C. palumbus entsprechend. 

Fl. Schw. F. L. M.-Z. 

9" 9'" 5" 4"' 67 2 "' 14"' 15'" 
Unterscheidet sich genügend von palumbus durch den isabellweinröthlichen 
Anflug des Halsseitenspiegels ; die Rückenfärbung erscheint etwas dunkler braun. 

168. Columba oenas L. — Dress., Severtz., 1. c. p. 321. Pall 
p. 559 (Irtisch). 

Aus der Umgegend von Omsk im Museum Slovzoff. — Bisher nicht 
in Sibirien nachgewiesen. 

169. Columba Eversmanni Bp. — Palumboena Eversmanni Jerd., 
B. of Ind. III. p. 467. — Nr. 146 (F.) Bei Lepsa, auf dem Wege nach 
dem Dschasil-Kul (14. Mai). „Iris roth; nackter Augenkreis blassroth." 

Wir trafen diese schöne Hohltaube auf unserer Tour nach dem inter- 
essanten Alpsee Dschasyl-Kul (grüner See) im Dsungarischen Ala-Tau, welche 
wir auf Einladung von Herrn Obrist Friedrichs am 14. Mai von Lepsa aus 
unternahmen. Die Art war in den herrlichen Baumbeständen längs dem kleinen 
aber reissenden Gebirgsflusse nicht selten. Sie lebte hier ganz nach Art unserer 
Hohltaube auf den höchsten Bäumen, in deren verwitterten Ast- und Stamm- 
höhlen die Nester angelegt waren, vor denen die Pärchen sich in Liebesspielen 
ergehend, die Männchen eifrig rucksend, aufhielten. Es gelang mir nur das 
eine Männchen zu erbeuten. — Diese Taube, die Vertreterin unserer C. oenas 
in Centrai-Asien, scheint wenig gekannt und häufig mit der letzteren Art ver- 
wechselt zu sein. So gehört offenbar C. oenas Severtz. zum Theil hieher. Viel- 
leicht auch C. oenas Brandt (Lehmann's Reise nach Buchara, p. 320) aus der 
transuralischen Kirghisensteppe vom Tamir und Jan-Darja. — Die asiatische 
Hohltaube unterscheidet sich von unserer europäischen auf den ersten Blick 
durch zart lila-weinfarbenen Ton, welcher den ganzen Oberkopf bedeckt, und 



230 



Otto Finsch. 



nur wenig schwächer als auf dem Kröpfe hervortritt ; die oberste Bürzelgegend, 
der Hinterrücken, unmittelbar hinter dem Mantel ist merklich heller als bei 
G oenas gefärbt, graulichweiss, statt hellgrau. Im Uebrigen finde ich keine 
der von Jerdon hervorgehobenen leichten Unterschiede bestätigt, die geringere 
Grösse scheint kaüm von Bedeutung. 

Fl. Schw. F. L. M.-Z. 

7" 9'" B" 9"' 8 12 11 cT Eversmanni. 
1" IV" 4" 8 13 11 cf oenas. 

170. Columba rupestris Pall. — Dress., Severtz., 1. c. p. 321. 
C. livia Radde, Amurl. p. 282. C. leuconata Horn, (nec Vig.), Journ. f. Orn. 1870. 
p. 169. G. livia Dybowsky, Journ. f. Orn. 1868. p. 336. — Nr. 142 (B.) J 1 . 
Arkatberge (6. Mai). Nr. 143 (B.) Bei Lepsa (16. Mai). Nr. 144 (F.) 9. 
Vor Maitjerek, Südaltai (4. Juni). Nr. 145 (F.) Saissan (Hachloff). Iris orange- 
roth; Beine corallroth. — Das Weibchen ist ganz wie das Männchen gefärbt, 
nur unbedeutend kleiner. 

Schon durch die breite (ca. 1") weisse Schwanz querbinde genügend von 
C. livia unterschieden, versucht es Radde diese wohlbegründete Art dennoch 
mit letzterer zu vereinen, v. Homeyer tritt daher mit Recht gegen diese 
Vereinigung auf, ist aber in der Deutung der Art insofern unglücklich, als er 
sie auf die ganz verschiedene C. leuconata Vig. vom Himalaya bezieht. — In 
felsenreichen Gebirgsgegenden durfte man sicher darauf rechnen dieser hübschen 
Taube zu begegnen. So trafen wir sie zuerst in den Arkatbergen (6. Mai), im 
Ala-Tau bei Lepsa (16. Mai), in den Felsen vor und bei Saissan (26. und 30. Mai) 
und in den Vorbergen des Süd-Altai bei Maitjerek (5. Juni). — Im Betragen 
und Wesen stimmt sie ganz mit G livia überein. 

171. Turtur meena Sykes (1832). — C. ferrago Eversm. (1842). 
T. rupicolus Dress., Severtz. (nec Pall.), L c. p. 321. T. gelastes Finsch, 1. c. 
p. 50. — Nr. 149 (B.) Q. Karakol, in der Steppe bei Sergiopol (8. Mai). Nr. 147 
(W.) ^ (18. Mai); Nr. 148 (W.) 9 (16- Mai), beide bei Lepsa, Ala-Tau. 

Die Weibchen haben den Vorderkopf weniger deutlich und dunkel asch- 
blau; Kehle Kropf und Brust sind mehr rostweinbräunlich, ohne den lebhaften 
weinfarbenen Ton des Männchens. — Im Leben: Schnabel, Beine und Augen- 
ring carminroth; Iris orangeroth. 

Fl. Schw. F. L. M.-Z. 

7 u V u A u & „ rjm 12'» 11%'" tf. 

7" 4"' 4" T" T" lV/ 2 "' 107 2 " ; cf. Madras. 
Das heimgebrachte Männchen stimmt ganz mit einem solchen aus Indien 
(Madras) überein. Diese Art unterscheidet sich von der östlichen T. orientalis 
leicht dadurch, dass After, untere Schwanzdecken und der breite (8"') Endrand 
der Schwanzfedern, sowie die Aussenfahne der äussersten Feder weiss (nicht 
grau) gefärbt sind. Nur das Männchen (Nr. 147) zeigt einen äusserst schwachen 
graulichen Anflug auf dem Schwanzende, der sich indess nicht bis zur Spitze 
verbreitet, die rein weiss ist. Bei T. orientalis Lath. sind die unteren Schwanz- 



Reise nach We3t-Sibirien im Jahre 187C. 



231 



decken und das Schwänzende deutlich grau („subcaudalibus canocinereix" Drees.)* 
wie dies die Abbildungen in der Fauna japonica (pl. 60 B) und in Dresser's 
Birds of Europe (pt. 55. 1876) deutlich zeigen. Zu dieser mehr östlich (China, 
Japan, Amurland, Baikalländer) verbreiteten Art, die sich nachDresser indess 
auch in Indien findet, gehört C. rupicola Pall. und C. gelastes Temm. — Diese 
Turteltaube findet sich sowohl in der baumlosen Steppe als im Gebirge als 
Brutvogel. Wir fanden sie zuerst in der Steppe bei Karakol (8. Mai), dann am 
Ala-Kul (10. Mai); sie brütete hier in Löchern der steilen Uferwände. Am 16. 
und 18. Mai in den romantischen Vorbergen des Ala-Tau bei Lepsa erhalten, 
und am 8. Juni am Marka-Kul, im chinesischen Hochaltai, wiederholt beobachtet. 

Gallinae. 

172. Pterocles arenarins Pall. — Dress., Severtz., 1. c. 1876. 
p. 322. Pt. exustus Finsch, 1. c. p. 53. — Nr. 154 (F.) <j\ Steppe vor Lepsa 
(18. Mai). Nr. 156 Steppe bei Saissan (Hachloff). 

Durchaus übereinstimmend mit westeuropäischen Exemplaren (Sicilien 
und Spanien) des Bremer Museum. — Diese Art gehört schon bei Semipalatinsk 
zu den gewöhnlichen Erscheinungen und wir begegneten ihr wiederholt in der 
Steppe. So am 8. Mai bei Karakol hinter Sergiopol, am Ala-Kul, am 18. Mai, 
am Dschindschilifluss, 20., hinter Urdschar, 23., auf der Hochsteppe des Tarba- 
gatai, 3. Juni, in der Wüstensteppe am Nordrande des Saissan-Nor. 

173. Syrrhaptes paradoxus Pall. — Dress., Severtz., I.e. p. 322; 
Finsch, 1. c. p. 53. — Nr. 157 (W.) 9- Wüstensteppe nördlich vom Saissan- 
Nor (4. Juni). 

Jedenfalls sind wir dem Steppenhuhn weit öfters begegnet als notirt 
wurde, aber die Beobachtung wird bei diesen Vögeln ausserordentlich erschwert ; 
denn sie steigen ebenso unerwartet auf, als sie pfeilschnell dahinschiessend 
plötzlich verschwinden, gleichsam wie von dem Braun der Steppe verschlungen. 
Wahrscheinlich trafen wir das Steppenhuhn schon am Ala-Kul, mit Sicherheit 
wurde es indess wiederholt auf der Reise über die zum Theil wasserlose, wüsten- 
artige Steppe nördlich vom Saissan-Nor bis zum Altai (3. bis 5. Juni) beobachtet, 
wo die Art jedenfalls brütet. — Meyer (Ledeb. Reise, p. 375) beobachtete 
Syrrhaptes an den Arkatbergen täglich in Menge und notirt sie auch aus dem 
Altai (!). — Rytschkow (Tagebuch 1774) erwähnt dieses Vogels „mit Füssen 
gleich Thierpfoten" aus der Kirghisensteppe schon 1771 ; er heisst bei den 
Kirghisen „Tilekusch"; sie trocknen sein Fleisch, stampfen es zu Pulver und 
verwenden es als Heilmittel gegen Raserei. 

174. Tetrao urogallus L. — Br., 1. c. p. 68; Seeb. und Br., 1. c. 
p. 221; Dress., Severtz., 1. c. p. 322; Finsch, 1. c. p. 65; Pall. p. 56 (Ber- 
coson*, Narym, Surgut). Ostiakisch „Poite oder Peute-Luck", d. h. schwarzer 
Hahn. „Hanschang-Luck« die Henne. — Nr. 438 (28. September); Nr. 439 
9 ; Nr. 440 9 ; Nr. 441 9 (alle drei 26. September), alle bei Samarowa, am 
Irtisch. 



232 



Otto Pinsch. 



Der Hahn (Nr. 438) stimmt ganz mit deutschen Exemplaren überein, 
zeigt aber mehr Weiss im Schwanz, indess nicht mehr als ein norwegisches 
Männchen; dagegen sind die längsten oberen Schwanzdecken beim Sibirier an 
der verdeckten Basis breit weiss gerandet, wovon weder das deutsche noch das 
norwegische Exemplar auch nur Spuren zeigen. Die Weibchen sind an Kinn 
und Kehle blasser und haben auf Bürzel deutlichere, weissliche Endsäume. Alle 
oben verzeichneten Exemplare waren in der Mauser begriffen, das Weibchen 
(Nr. 440) sehr stark. 



FL 


Schw. 


F. 


Mundspl. 


L. 


M.-Z. 


15" 3"' 


11" 


18 


21 


3" 


2" 5'" 


15" 6'" 


11" 


19 


22 


3" 


2" 5'" 



117 2 -12" - - - - - 9. 

Der Auerhahn ist in Sibirien sehr häufig; er findet sich im Altai, wie 
Exemplare daher im Museum von Barnaul zeigten, und wurde von uns fast bis 
zum Polarkreise wahrgenommen. Nach v. Hoffmann geht er aber nördlicher, 
und verschwindet erst mit dem Aufhören der Wälder (67° nördl. Br.). „Nach 
Aussage der Kirghisen und Kosaken kommt er auch im Ala-Tau vor, sowie in den 
Birkenwaldungen am Rande der Steppe" (Graf Waldburg in litt.). Wir selbst 
begegneten dem Auerhahn nur wenige Male. Am 6. September wollten die 
Leute bei Kischgort, fünf Stationen oberhalb Obdorsk, einen beobachtet haben, 
und am 20. stiess ich selbst bei Leumtschi sehr unerwartet auf einen solchen, 
der kaum 40 Schritt auf einem umgestürzten Baumstamme sass und mich ruhig 
anblickte. Mein erster Schuss ging zu hoch, verscheuchte den Vogel aber nicht, 
der erst wegflog, als ich ihn mit dem zweiten Schusse traf, doch entging mil- 
der Vogel, da ich nur mit Dunst versehen war. Dieses dummdreiste Wesen 
muss denjenigen umsomehr in Verwunderung setzen, der seine ungemeine 
Scheuheit bei uns kennt. — Die Eingebornen wissen den Auerhahn in Schlingen 
und Fallen geschickt zu berücken. Am grossartigsten waren die Vorbereitungen 
zum Fange desselben bei Samarowa. Hier hatte man eigene Pfade im Walde 
angelegt, welche mit eigenthümlichen, durch zwei mächtige Balken beschwerte 
Schlagfallen systematisch besetzt waren, in welche die Vögel beim Durchlaufen 
geriethen. Von hier stammen die heimgebrachten Exemplare. Ostiaken 
und Samojeden benützen die Schwanzfedern des Auerhahns zum Befiedern 
ihrer Pfeile. 

175. Tetrao tetrioc L. — Br., 1. c. p. 69; Seeb. undBr., 1. c. p. 221; 
Dress., Severtz., 1. c. p. 322; Pall. p. 59 (Bercosoff, Surgut, Narym). Ostia- 
kisch „Chuldu-kurri". — Exemplare in den Museen von Jekaterinenburg, Omsk 
und Barnaul stimmen ganz mit westeuropäischen überein. 

Neben dem Haselhuhn gehören Birkhühner zum häufigsten Federwild in 
Sibirien. Wir trafen die ersten am 8. April im Walde hinter Kanuschlow und 
begegneten ihnen für die Folge häufig. So am 9. April vor Tjumen einer Kette, 
die aus 60 bis 70 Stück bestehen mochte. Auf der Eeise von Tjumen nach 
Omsk waren Birkhühner in der bruchartigen, morastigen Steppe, die meist nur 
Birkenbüsche, selten höhere Bäume zeigte, keineswegs selten. Sie pflegten sich 



Reise nach Weet-PiMrien im Jahre I87fi. 



233 



gegen Abend 5 Uhr, oft zu 4 und 6 auf der noch mit Schnee und Eis be- 
deckten Fahrstrasse niederzulassen, um hier die Abfälle von Futter aufzusuchen. 
Dabei waren sie im Ganzen wenig scheu, und Dr. Brehm gelang es am 19. April 
zwei Hähne zu erlegen. Am 20. beobachteten wir sie balzend. In der mit 
Kiefern bestandenen Steppe am Irtisch vor Semipalatinsk gab es ebenfalls 
Birkwild und Graf Waldburg beobachtete solches in den Arkatbergen, sowie 
in der gänzlich baumlosen Gebirgssteppe der Passhöhe des Tarbagatai- Gebirges 
beim Posten Burgasutai. Auch wurde ihm von Eingebornen das Vorkommen 
im Ala-Tau, sowie Monrak-Gebirge als bestimmt versichert. Meyer (Ledeb. 
Reise, p. 271) notirt Birkhühner als häufig in den Ken-Kasslyk-Bergen der 
Steppe bei Karkaraly. — Im Altai beobachteten wir die Art nicht, obwohl sie 
hier ebenfalls vorkommt. Dagegen war sie längs dem Ob, soweit Wälder 
reichten, nicht selten; auf der Tundra, jenseits der Holzgrenze trafen wir sie 
nicht. Auf der Rückreise von Tjumen bis Jekaterinenburg wieder häufig vom 
Wagen aus, oft in grösseren Ketten beobachtet. — Die Jagd der Birkhühner 
in Sibirien ist eine sehr eigenthümliche. Schon in Kasan sahen wir bei einem 
Büchsenmacher ingeniös aus schwarzem Tuch verfertigte Lockvögel, die allgemein 
bei der Herbstjagd benutzt werden. Ein solcher Lockvogel wird an einer langen 
Stange befestigt, die den Wipfel eines Baumes noch überragt, in dessen Nähe 
aus Baumzweigen gemachte Hütten für die Jäger errichtet sind. An windstillen 
Tagen, zeitig in der Früh, pflegen dann Birkhähne in Menge auf die Bäume 
neben dem Lockvogel zu bäumen und werden nun von der Hütte aus geschossen. 
Man bedient sich dazu meist einer Büchse, die eine kaum rehpostengrosse 
Kugel schiesst und der Erfolg soll oft ein so enormer sein, dass ein Jäger an 
einem Morgen zuweilen 30 bis 40 Stück Birkhähne erlegt. Wenn der Jäger 
zuerst die am niedrigsten sitzenden Vögel wegschiesst, sollen die übrigen oft 
ruhig sitzen bleiben. Dr. Brehm, der von Perm aus eine solche Jagd mit- 
machte, kehrte leider erfolglos heim, da bei dem herrschenden Winde keine 
Birkhähne eingefallen waren. — Wie täuschend übrigens der Lockvogel fabricirt 
ist, erhellt aus dem Umstände, dass er nicht selten von Falken attaquirt wird. 
Man pflegt, um das Fortschleppen zu verhindern, den Lockvogel mit einem 
Lederriemen an der Stange festzubinden. — Graf Waldburg hatte die Freude 
diese Jagd bei Tjume'n, Jalutorowsk, Omsk u. s. w. erfolgreich mitzumachen. 
Die eigenthümlichen Schlagfallen (Slojvzi) für Birk- und Auerwild, welche wir 
bei Samarowa trafen, bildete ich im erzählenden Theil meiner Reise (Abbild. 55) 
ab. — Seebohm traf die Art nur einmal an der Petschora. Die Ural-Expedition 
fand sie nördlich bis zum 67. Grad. 

176. Tetrao bonasia L. — Br., 1. c. p. 69; Seeb. und Br., 1. c. 
p. 221; PalL, p. 70 (Irtisch, Bercosoff, Surgut, Narym). Samojedisch: „Kud- 
schovoi". - Nr. 442 (F.) 9. Malo-Atlim, Ob (7. Juli). Nr. 443 (F.) 9- Worono, 
Ob (21. September). 

Ich wüsste zu den angeführten Exemplaren nichts zu bemerken, als dass 
das am 7. Juli erlegte .brütende Weibchen ein sehr abgeriebenes Gefieder, mit 
ziemlich verwischter Zeichnung trägt, und dass sich das am 21. September 

Z. B. Gea. B. XXIX. Abk 30 



234 



Otto Finsch. 



erlegte in voller Mauser befindet. Im Uebrigen stimmen dieselben ganz mit 
westeuropäischen Exemplaren überein; Bürzel und obere Schwanzdecken zeigen 
kaum lebhafteres oder helleres Grau. — Bei der mehr versteckten Lebensweise 
entgingen uns die Haselhühner, und so blieb auf der ganzen Eeise, den Ob 
stromabwärts, das am 7. Juli erlegte Exemplar das einzige, welches uns zu 
Gesicht kam. Die Vögel brüteten damals und machten sich noch weniger 
bemerklich. Ich stiess ganz zufällig auf den erwähnten Vogel, ein Weibchen, 
welches im Dickicht des Waldes unmittelbar vor meinen Füssen aufflog, sich 
lahm stellte und dadurch unzweifelhaft die unmittelbare Nähe, wahrscheinlich 
von Jungen verrieth, die ich indess trotz des eifrigsten Suchens nicht finden 
konnte. Auf der Eückreise am Ob gestalteten sich die Verhältnisse anders und 
wir stiessen von Scharkaiskaja (17. September) an bis Samarowa fast überall 
wo wir anlegten auf Haselhühner. Dieselben zeigten sich oft in grösster Nähe 
der Niederlassungen, waren im Ganzen wenig scheu, sind aber im Dickicht 
des Urwaldes ohne Hilfe eines Hundes schwierig zu jagen. Das feine Pfeifen, 
ihren Lockruf, hört man weit Öfters als man sie selbst zu Gesicht bekommt. 
Beim Durchstreifen jener Dickichte hört man plötzlich einen drosselartigen, 
aber schwereren Flügelschlag und sieht für einen Moment einen grossen Vogel, 
der ebensoschnell im Dickicht verschwindet als man ihn zu Gesicht bekam. — 
Aufgescheuchte Haselhühner pflegen bald wieder einzufallen, aber es ist nicht 
leicht sich ihnen schussrecht zu nahen. Gewöhnlich verliert man sie nach 
mehrmaligem Aufjagen ganz aus dem Gesicht, und sucht vergeblich nach den- 
selben, bis plötzlich das feine Pfeifen sie im Gezweige der Bäume wiederfinden 
lässt. Sie sitzen dann hoch aufgerichtet auf einem Aste und schauen auf den 
Störenfried herab, so dass man sie eher zu Schuss bekommt. Am besten geht 
dies mit Hilfe eines Hundes, vor dem sie sogleich aufbäumen und der durch 
sein Bellen leicht den Baum verräth. Sonst ist es oft nicht leicht sie in dem 
mit dichten Bartflechten behangenen Gezweige der Bäume zu erkennen. Da 
die Haselhühner aufgejagt, bald wieder auf einem anderen Baume einfallen, 
so kann man im Jagdeifer so tief in den Urwald gerathen, dass es schwierig 
ist, den Eückweg zu finden. So wurden meine beiden Gefährten am 21. Sep- 
tember gegen Abend, von Haselhühnern so weit in den Wald gelockt, dass sie, 
plötzlich von der Dunkelheit überfallen, in demselben übernachten mussten, was 
uns Zurückbleibenden genug Angst und Sorge bereitete. — Bei Samarowa fing 
man Haselhühner in den schon beim Auerhahn erwähnten Schlagfallen, welche 
sie bei der grossen Schwere der Balken fast platt drückten. Auf dem Markte 
von Tobolsk waren Haselhühner sehr häufig; das Stück kostet 6 bis 8 Kopeken 
(kaum 20 Pf.), und so konnte man sich an dem feinsten alles Hühnerwildprets 
recht gütlich thun. — Die Ural-Expedition fand T. bonasia bis zum 67. Grad 
nördl. Br. 

177. Lagopus albus Gml. — Seeb. und Br., 1. c. p. 220; Br., 1. c. 
p, 68. Lagopus alpinus Finsch, 1. c. p. 49; Pall., p. 63 (Bercosoff, Obdorsk, 
Narym). Samojedisch: „Hondje". Ostiakisch: „Schocha oder Sucha". — Nr. 149 a 
(F.) Ichim (18. April). Nr. 444 (B.) d"; Nr. 445 (B.) (beide 18. Juli); 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 1876. 



235 



Nr. 446 (W.) cT (22. Juli); Nr. 447 (W.) $ ; Nr. 448 (W.) 9 (beide 23. Juli), 
alle Tundra an der Schtschutschja. 

Ich habe als weiteren Beitrag zu den Untersuchungen Newton's an dem 
grönländischen Schneehuhn (Lagopus alpinus Nilss.) wiederholt (Abhandl. des 
Naturw. Vereins Bremen, IV. 1874. p. 108 et ib. V. 1876. p. 356) zu zeigen 
versucht, dass dasselbe eine dreidoppelte Mauser im Jahre durchmacht und 
man daher drei verschiedene Kleider : das Winterkleid, das Frühlings- oder erste 
Sommerkleid und das Herbst- oder zweite Sommerkleid zu unterscheiden hat. 
Meine Beobachtungen an dem sibirischen Morastschneehuhn, für welche die 
vorliegende Reihe als Belege dient, bestätigt die Richtigkeit dieser Unter- 
suchungen nur im Allgemeinen, zugleich aber auch die Thatsache, dass die 
Mauser sowohl local als individuell sehr unregelmässig vor sich geht. Dies 
erhellt besonders auch aus den Mittheilungen von Middendorf, Schrenk und 
Rad de. Vergleicht man alle diese Beobachtungen miteinander, so erlangt man die 
Ueberzeugung, dass von drei periodisch scharf geschiedenen Kleidern 
überhaupt nicht die Rede sein kann, sondern dass mit Ausnahme des 
rein weissen Winterkleides alle drei Kleider zusammen vorkommen und dass 
sich die beiden Sommerkleider wohl niemals scharf getrennt absetzen. — Ausser- 
dem fand ich in Sibirien, dass sich im Süden der Federwechsel rascher voll- 
zieht und eher eintritt als im Norden. Das am 18. April in voller Balzzeit 
geschossene Männchen trägt noch das ganz abgeriebene weisse Sommerkleid, 
aber Kopf und Hals sind dunkel fuchsroth, ] ) nur an Kinn, auf Zügeln und 
Schnabelbasis weiss. Dagegen tragen die auf der Tundra erlegten Männchen 
das erste fuchsrothe Sommerkleid stark mit dem braungelb und schwarz 
gewellten zweiten Sommerkleide gemischt, und zwar ist es schwierig zu be- 
stimmen, welches das prävalirende ist, da sowohl fuchsrothe Federn als braun- 
gelb schwarz gewellte neu aus den Kielen hervorspriessen. Doch herrscht auf 
der Oberseite das schwarze, braungelb gewellte zweite Sommerkleid vor, ebenso 
erscheint es auf der Unterseite. Kopf, Hals und Brust sind grösstentheils dunkel 
fuchsroth (erstes Sommerkleid), aber die braungelben schwarz gewellten Federn 
spriessen überall hervor, daneben allerdings, wenn auch spärlicher, fuchsrothe. 
Alle drei Männchen haben noch alte, sehr stark abgenutzte, weisse Schwingen 
und alle schwarze Schwanzfedern (bei Nr. 444 sind die mittelsten am Basis- 
drittel weiss, weiter ausgedehnt als auf den seitlichen, bei Nr. 446 bis zur Basis 
dunkel), Nr. 446 erhält die zwei mittelsten neuen Schwanzfedern, die auf 
schwarzem Grunde rostroth bespritzt sind, Nr. 445 hat neue fuchsrothe, schwarz 
gewellte, untere Schwanzdecken, die beiden anderen Männchen haben noch alte, 
weisse, untere Schwanzdecken, erhalten aber neue, die wie bei Nr. 445 gefärbt 
sind. Die beiden Weibchen sind bis auf die Schwingen grösstentheils ver- 
mausert, oder noch in der Mauser begriffen. Sie sind oberseits schwarz, mit 

1 ) Diese fuchsrothen Federn spriessen alle und in Menge frisch ans den Blutkielen hervor, 
und beweisen die Unhaltbarkeit von Göbel's Ansicht, dass im Frühjahre nur ein Theil der Federn 
ausfällt, und dass die übrigen „verfärben", oder dass die einzelnen braunen Federn, welche man 
im Frühjahre findet, nur zufällig verlorene ersetzen (Journ. f. Ornith. 1873. p. 422). 

30* 



236 



Otto Flusch. 



rostgelbbraunen Querflecken und gelblichweissen schmalen Spitzensäumen; Kopf, 
Hals und Unterseite rostbraungelb, mit schwarzen Querlinien, besonders breit 
an den Seiten und auf den unteren Schwanzdecken; mittelste zwei Schwanz- 
federn, wie die oberen Schwanzdecken auf schwarzem Grunde mit rostgelben 
schiefen Querbinden. — Das Männchen Nr. 149 a hat schwarze Schwingen- 
schäfte, die drei nordischen, durch Abnützung weisse, die nur an der Endhälfte 
bräunlich sind; Weibchen ebenso. — Das Männchen vom 18. April hat noch 
dicht befiederte Zehen und lange, fast weisse Erallen (Mittelnagel 21 Mm.). 
Bei den nordischen sind die Zehen fast nur mit langen Haaren besetzt, die 
Nägel dunkel mit hellem Endtheil, aber sehr verschieden lang (Nr 444 18 Mm., 
Nr. 446 14 Mm., bei Nr. 445, welches eben erst die alten Hornscheiden ab- 
gestossen gar nur 8 Mm., die Weibchen 1 1 Mm.). — Nochmals auf den Feder- 
wechsel zurückkommend, glaube ich, dass derselbe folgendermassen stattfindet. 
Die Männchen legen aus dem weissen Winterkleid, das fuchsrothe erste Sommer- 
kleid an, und zwar im Süden (Mitte April, Mai) eher als im Norden (Juni, 
Anfang Juli). Dasselbe entwickelt sich nicht vollständig, sondern wird gegen 
Ende Juli mit dem rostgelb braunschwarz gebänderten zweiten Sommer- oder 
Herbstkleide gewechselt oder vielmehr zusammen getragen. Die Weibchen 
mausern später und rascher und erhalten dann, fast vollständig nur einmal ein 
Sommerkleid. — Wir begegneten dem Morastschneehuhn zuerst am 17. April 
einzeln in der bruchartigen Steppe bei Karasulskaja, fünf Stationen hinter 
Jalutorowsk und trafen es von hier an auf der Strasse bis Omsk fast täglich. 
Zwischen Ischim und Tjukalinsk, sowie hinter letzterer Stadt (18., 19. April), 
in reiner Steppengegend, pflegten die Schneehühner sich, sofern es windstill 
war, gegen Abend 5 Uhr auf der Strasse einzufinden, um hier die Futterreste 
aufzusuchen. Die Kröpfe der erlegten enthielten daher nichts als Hafer. Die 
Vögel erschienen meist einzeln oder zu Paaren und zeigten sich minder scheu 
als Birkwild. Schon am 18. April balzten die meist noch weissen, nur an Kopf 
und Hals bereits braun vermauserten Hähne eifrig. Dabei pflegten sie nicht 
selten aufzubäumen, sowohl auf die kleinen Krüppelbirken als auf Zäune am 
Wege. Hinter Omsk wurden Schneehühner seltener, doch trafen wir noch welche 
(und zwar balzende Hähne) am 27. April bei Podpusknaja am Irtischufer in 
fast reiner Sandsteppe. Im Norden stiessen wir erst am 18. Juli bei Janburri 
in reiner Tundra auf Morastschneehühner und trafen sie von nun an längs der 
Schtschutschja und auf der Tour über die Tundra zur Podarata und zurück 
täglich. Sie lieferten dabei eine willkommene Aushilfe unserer spärlichen Pro- 
visionen und wurden daher eifrig gejagt. Obwohl dieses Wild im Ganzen nicht 
scheu ist, wird die Jagd, ohne Hund, doch zu einer sehr beschwerlichen. Die 
plötzlich aufsteigenden Vögel fallen nämlich bald wieder ein, aber wenn man 
sich den Platz auch noch so genau gemerkt hat, so gelingt es doch nur selten 
sie wieder zu finden, da sie sich im Dickicht der Zwergweiden geschickt laufend 
zu entziehen wissen. So stiessen wir, um nur ein Beispiel anzuführen, am 
2. August auf eine Kette von acht Stück, sahen dieselbe vor uns einfallen, 
brachten sie aber trotz des sorgfältigsten Absuchens nicht wieder zum Auf- 



Reise mich West-Sibirien im Jahre 187fi. 



237 



steigen. Als wir später in Begleitung einer Renthierheerde reisten, war die 
Jagd bei weitem ergiebiger. Die marschirende Heerde durchstöbert alle Dickichte 
von Zwergweiden und Erlen und jagt somit die Schneehühner in einem weiten Um- 
kreise auf. Am 23. Juli trafen wir auf ein Weibchen, welches zwölf Junge führte. 
Dieselben waren kaum wachtelgross, aber bereits flugbar. Die Anfang August 
(2. — 7.) erlegten Jungen waren schon recht hübsch entwickelt und lohnten die 
Mühe des Mästens. Die Magen der auf der Tundra erlegten Exemplare ent- 
hielten nichts anderes als Weidenblätter und Knospen. — Auf der Rückreise 
am Ob trafen wir zuletzt Schneehühner am 16. September bei Narimskaja. — 
Die Ural-Expedition erlangte Nestjunge bereits am 21. Juni. Nach v. Hoff- 
mann findet sich die Art bis zum Eismeere zu „Millionen". 

178. Lagopus mutus Leach. — L. alpinus Nilss.; Br. 1. c. p. 68. 
Ich selbst begegnete dem Alpenschneehuhn niemals; erhielt aber ein 

Männchen im Tau-Teke-Gebirge (ca. 6000' hoch) des chinesischen Hochaltai, 
am 11. Juni, welches ein kirghisischer Jäger mit der Kugel erlegt hatte, und 
welches deswegen zur Präparation untauglich war. An demselben Tage beob- 
achtete Graf Wald bürg, der mit an der Steinbockjagd theilnahm, ebenfalls 
Schneehühner. Brandt verzeichnet die Art fast von denselben Localitäten im 
Ural als die vorhergehende. 

179. Tetraogallus himalayensis Gray. — Lophophorus Nigelli 
Jard. und Selby, III. Ornith. tab. 141 (nec tab. 76. = caspius). Tetraogallus 
himalayensis Jerd. B. of Ind. III. p. 549. ? Megaloperdix Nigelli Severtz. 
Tetraogallus caspius Dress., Severtz., Uebersetz. 1. c. p. 322. T. himalayensis 
Brehm, Journ. f. Orn. 1877. p. 349. (Tarbagatai.) T. Nigelli Finsch, 1. c. p. 52. — 
Nr. 150 (B.) 9 ad. (28. Mai); Nr. 151 ad. (18. Mai); Nr. 152 $ jung, alle 
drei Monrakgebirge bei Saissan. 

Im Leben: Beine hellmennigroth (getrocknet schmutzig horngelbbräunlich, 
röthlich durchscheinend), Schnabel horngelbbräunlich, Deckel des Nasenloches, 
Augenring und der schmale nackte Streif am hinteren Augenrande gelb; Iris 
dunkelbraun. 







G. L. 


Fl. 


M. 


Schw. 


F. 


Mundspl. 


L. 


M.-Z. 


Nr. 


150. 


25V 2 " 


11" 6"' 


6" 


T" 


13 


15 


25 


23 9 


Nr. 


151. 




12" 3'" 


6" 


7"' 


14 


16 


28 


26 cT 


Nr. 


152. 




10" 6'" 


5" 


IT" 


13 


15 


27 


23 cT jun. 






2oy 2 " 


10" 3"' 


5" 


10"' 


12 


14 


25 


19 Himalaya. 



Ich will zunächst die Verschiedenheiten der vorliegenden Exemplare be- 
sprechen. Das alte, durch ansehnlichere Grösse und den sehr dicken aber 
stumpfen (10 Mm. langen) Sporn ausgezeichnete Männchen, ähnelt bei ober- 
flächlicher Betrachtung ganz dem alten Weibchen, nur erscheinen die Aussen- 
ränder der mittleren Flügeldecken lebhafter uud schön fuchsroth, die Bauchmitte 
ist dunkler, fast schieferschwarz mit kastanienbraunen Seitensäumen der Federn. 
Das junge Männchen stimmt ganz mit dem alten Weibchen überein, nur dass 
die schwarzen Federn des Kropfes schmutzig gelblichweisse Endränder tragen. 



238 



Otto Pinsch. 



Bei genauerer Betrachtung ergeben sich nach Geschlecht und Alter noch folgende 
Abweichungen. Das Männchen hat die zweiten Schwingen rauchschwärzlich, 
an der Aussenfahne sehr fein rostbräunlich bespritzt, gegen das Ende zu leb- 
hafter, nur der Basistheil neben dem Schafte ist (verdeckt) weiss gerandet; 
beim Weibchen ist dieser weisse Streif neben dem Schafte weiter ausgedehnt, 
die hinteren Armschwingen sind an der Basis der Innenfahne weiss und beim 
jungen Männchen breitet sich das Weiss über beide Fahnen aus; dieselben sind 
daher mehr als über die Basishälfte weiss mit schmalem grauem Randsaume, 
der an den vorderen Armschwingen ganz verschwindet, so dass hier das Weiss 
sichtbar hervortritt. — Die äusseren Schwanzfedern sind beim Männchen an 
der Aussenfahne lebhaft dunkel kastanienzimmtbraun, an der Basishälfte dunkel 
gesprenkelt, die Innenfahne ist rauchschwärzlich, vor dem schmalen zimmtrothen 
Endrande in Schwarz übergehend und eine Art breiter Querbinde bildend, die 
auf der dritten bis sechsten Feder auch an der Aussenfahne durch einen dunklen 
Randfleck vor der Spitze angedeutet ist. Beim Weibchen fehlt der letztere, 
sowie die dunkle Querbinde der Innenfahne; letztere ist vielmehr vor dem 
kastanienbraunen Ende kastanienroth gesprenkelt, wie die zwei Drittel der 
Basis der Aussenfahne. Beim jungen Männchen ist die dunkle Querbinde der 
Innenfahne noch deutlicher als am alten und zieht sich auf der zweiten bis 
sechsten Schwinge deutlich und breit (ca. 9"') auch über die Aussenfahne, ganz 
in ähnlicher Weise aber schärfer ausgesprochen als bei einem Exemplar vom 
Himalaya. — Was die Vergleichung mit dem letzteren, also dem eigentlichen 
T. himalayensis anbelangt, so ergeben die Monrakvögel einige Abweichungen, 
die Manchem zur specifischen Abtrennung genügen würden. Zunächst ist hervor- 
zuheben, dass bei allen drei Exemplaren der Kropf auf schwarzem Grunde, 
weisslich geschuppt erscheint, d. h. jede Feder zeigt vor dem hellen Endrande 
eine breite schwarze Querbinde; beim Hirnalayavogel sind diese Querbiuden 
schmäler, aber das helle Ende breiter, der Kropf erscheint daher auf graulich- 
weissem Grunde mit spärlichen schwarzen Flecken geschuppt. Bei den Monrak- 
vögeln ist die Brust deutlicher und stärker rostfahl gesprenkelt, und diese Sprenke- 
lung ist auch am Ende der schmalen, langen, beiderseits breit kastanienrothbraun 
gerandeten Federn der Bauch- und Schenkelseiten deutlich ausgesprochen, die an 
dem verdeckten Basistheile düster schiefergrau bis schieferschwärzlich erscheinen. 
Beim Hirnalayavogel sind diese Seitenfedern längs der Schaftmitte zart bläulich- 
aschgrau und zeigen an der Spitze eine kaum bemerkbare rostfahle Punktirung. 
Beim Hirnalayavogel sind die hintersten Armschwingen am Ende der Aussenfahne 
breit rostfarben gerandet, wovon die Monrakexemplare kaum Spuren zeigen. — So 
merkwürdig und auffallend es auch in zoogeographischer Beziehung erscheint, dass 
bei den so local verbreiteten Gliedern der Gattung Tetraogallus diese Art vom 
Himalaya bis nördlich vom Tarbagataigebirge verbreitet ist und schon in dem so 
nahe gelegenen Altai durch eine andere, ganz verschiedene Art vertreten wird, so 
kann ich mich trotz der angeführten Unterschiede nicht entschliessen, die 
Monrakexemplare zur eigenen Art zu erheben. Aufrichtig gestanden, weil es mir 
an ausreichendem Vergleichungsmaterial, namentlich Exemplaren vom Himalaya 



Reiso nach West-Sibirien im Jahre 1870. 



239 



fehlt, unter denen ebenfalls mancherlei Abweichungen vorzukommen scheinen. 
So schreibt mir A. Hume, dem ich meine Bedenken mittheilte, dass die von mir 
angegebenen Verschiedenheiten durchaus mit gewissen Himalayaexemplaren 
übereinstimmen und Dresser, dem ich ein Exemplar zur Vergleichung sandte, 
erklärt dasselbe unbedenklich für himalayensis. — Dieses bei den Bergbewohnern 
als „Ular" wohlbekannte herrliche Steinrebhuhn wurde von Graf Zeil schon am 
16. Mai auf einer Excursion, die ihn von Lepsa aus bis zur Schneegrenze des 
Ala-Tau führte, beobachtet. Später hörten wir erst wieder von ihm in Saissan 
sprechen. Namentlich wusste Herr Hachloff, ein für Naturwissenschaften 
begeisterter und kundiger junger Kaufmann, viel von der interessanten aber 
beschwerlichen Jagd desselben zu erzählen. Ihm verdanke ich zwei von ihm 
erlegte und gut präparirte Bälge. Die nächsten Standplätze waren indess an 
60 bis 70 Werst von Saissan entfernt und zwar in den äusserst wilden und 
zerrissenen Felsenthälern des Monrakgebirges, wohin Dr. Brehm und Graf 
Waldburg, begleitet von Stabsarzt Dr. Pander und einem berühmten kirgi- 
sischen Jäger, der mit dem Ular besonders vertraut war, am 27. Mai aufbrachen. 
Ich konnte mich leider wegen anderer dringender Geschäfte nicht an der 
interessanten Excursion betheiligen. Dr. Brehm war so glücklich ein Weibchen 
zu schiessen. Dem Grafen Waldburg- Zeil 1 ) verdanke ich die folgenden 
Mittheilungen: „Unter den mir bekannten Hühnerarten erinnert der Ular mehr 
an Eeb- oder Steinhühner, denn an Auer- oder Birkwild, obwohl es an Körper- 
grösse den letzteren gleichkommt. Im Fluge, Aufstreichen, Einfallen, wie im 
Laufen oder bei ruhiger Haltung erinnert der Ular am meisten an das Eebhuhn. 
Wie dieses und das Steinhuhn hält es sich stets am Boden auf, wenigstens sah 
ich es nie auf Bäumen, wohl aber auf hohen Steinen sitzen. Letztere wählt 
es gern als Punkt, um Umschau zu halten. Es ist ein ungemein scheuer Vogel, 
den man viel eher hört als sieht. Sein einförmiger, weithin vernehmbarer Ruf, 
der wie ein etwas heiseres „uh-lui" oder „uh-luir" klingt, verräth ihn dem 
Jäger. Diesen Ruf hört man sowohl wenn es sitzt, als wenn es aufgejagt 
wird oder seine Jungen führt und er scheint Lock- und Warnungsruf zugleich. 
Aufgescheucht streicht es sehr weit weg, so dass in dem gebirgigen Terrain 
die Jagd, selbst zu Pferde, sehr beschwerlich und eigentlich nur mit der Büchse 
ausführbar ist. Dennoch erlegte Dr. Brehm ein Weibchen mit Schrot; der 
Schuss war freilich ein sehr glücklicher, da der Vogel, wie sich bei der Prä- 
paration zeigte, nur ein Korn in den Hals erhalten hatte. Als wir am 29. Mai 
die Jagd fortsetzten, traf ich auf Junge. Dieselben waren kaum so gross als 



J ) Der interessante Vortrag, welchen Dr. Brehm in der Sitzung der ornithologischen Gesell- 
schaft vom 7. Mai 1877 in Berlin über den Ular hielt, scheint noch nicht zum Abdrucke gelangt, 
was gewiss alle Ornithologen mit mir bedauern werden. Wenn (Journ. f. Ornith. 1877, p. 349) 
übrigens das Saurgebirge genannt wird, so verdient erwähnt zu werden, dass wir dieses Gebirge 
nie betraten, sondern es nur in weiter Ferne sahen. Die Beobachtungen können sich eben nur auf 
das Monrakgebirge beziehen, eine ca. 5000' hohe, etwa 70 Werst von Saissan etwas isolirt liegende 
Kette, welche nördlich die Hochebene Tschilikti begrenzt und den äussersten Ausläufer gegen die 
Irtischebene zu bildet. 



240 



Otto Finscli. 



Rebhühner, konnten aber schon eine kurze Strecke fliegen. Doch zogen sie es 
meist vor, sich laufend zu flüchten und wussten sich so geschickt zwischen 
Felsen an Steine und ins Gestrüpp zu drücken, dass es unmöglich war, sie 
ohne Hund aufzufinden. Die Alten scheinen, wenn Gefahr droht, sich ziemlich 
schnell von den Jungen zu flüchten und lassen dann aus sicherer Entfernung 
ihren einförmigen Ruf erschallen. Kann man sich ihnen nicht ganz gedeckt 
nähern, so haben sie schweigend den Platz gewechselt. Da in diesem Terrain, 
voll von enormen Geröllhalden, Geräusch kaum zu vermeiden ist, so gestaltet 
sich die Jagd zu einer doppelt beschwerlichen und anstrengenden, dabei, ohne 
Hund, meist vergeblichen. Die Ulare sollen nicht in Polygamie leben. Ich 
traf sie meist paarweis, aber auch einzeln und zu drei bis sechs alte zusammen. 
Nach den Aussagen unseres kirghisischen Jägers findet sich der Ular auf allen 
Gebirgen der russisch- chinesischen Grenze, respective der chinesischen Provinz 
Ili-Tarbagatai, daher auch im Saurgebirge". 

Tetraogallus altaicus Gebler. Wir hatten nicht das Glück auf unserer 
zehntägigen Wanderung durch den Altai, die uus in das Herz und auf be- 
trächtliche Höhen desselben führte, dies seltene Huhn zu Gesicht zu bekommen. 
Doch wurde uns auf der Tour von Maitjerek nach dem Marka-Kul und von da 
zum Burchatpass öfters von eingebornen Jägern Losung desselben gezeigt. Die 
Art fehlt übrigens im Museum von Barnaul. 



180. Berdix chucov Gray. — Caccabis chukar Dress., Severtz., 1. c. 
1876. p. 323. — Nr. 153 9. Kickiii ck bei Saissan. 

In Omsk wurden uns ein Paar lebende Steinhühner dieser Art gezeigt, 
welche ein russischer Officier von Taschkend in Turkestan mitgebracht hatte. 
Das oben angeführte Weibchen, welches ich der Güte des Herrn Hachloff 
in Saissan verdanke, stimmt durchaus mit Exemplaren vom Himalaya und aus 
Klein- Asien (bei Smyrna) überein. — Ich selbst beobachtete die Art nur einmal 
in den felsigen Hügeln der Steppe südlich vom Ala-Kul am Flusse Dschindschili ; 
doch ist sie bei Saissan keineswegs selten, ebenso in den nicht bewaldeten 
Bergen bei Lepsa im Ala-Tau. Graf Waldburg beobachtete die Art ausserdem 
beim Aufstiege auf das Tarbagatai- Gebirge und in den Granitbergen der Steppe 
nördlich vom Nor- Saissan gegen den Süd-Altai zu. 

181. JPerdix cinerea Lath. — Dress., Severtz., 1. c. p. 323. 

Ich selbst bin dem Rebhuhn niemals in Sibirien begegnet, aber Graf 
Waldburg hat die Art unverkennbar in den Arkatbergen am 7. Mai gesehen. 
Exemplare aus der Umgegend von Barnaul im Museum dieser Stadt stimmen 
mit typisch westeuropäischen überein. Bei Semipalatinsk und Sergiopol (nach 
Herrn Paul) nicht selten; sowie in der Steppe am Dschindschilifluss (18. Mai), 
und erlegte sie später (12. October) bei Tjumen, Jalutorowsk, Ischim und Omsk. 
Nach Meyer (Ledeb. Reise p. 271) häufig in den Ken-Kasslykbergen der Steppe 
bei Karkaraly. 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 1870. 



241 



182. Coturnix communis Bonn. — Dress., Severtz., 1. c. p. 323. 
Tetrao coturnix Pall. (Surgut, Narym.) 

Die Wachtel gehörte in der Steppe, sowie den Thälern und Hochthälern 
des Altai bis über 500C Erhebung überall zu den häufigsten Erscheinungen und 
ihren Ruf vernahmen wir auf der ganzen südlichen Tour, allenthalben und fast 
täglich. Zuerst an den Arkatbergen am 7. Mai gehört, dann auf der Eeise von 
Sergiopol nach Lepsa und zurück über den Ala-Kul bis Urdschar, dann wieder 
in den Thälern des Hochaltai bis zum Marka-Kul (ca. 5000'), von Altaiske- 
Staniza bis Smeinogorsk herab (15. — 18. Juni), und auf dem Wege von Barnaul 
über Salair nach Tomsk (bis 2. Juli) allenthalben. — Am Ob nirgends wahr- 
genommen. — bei Omsk (Mus. Slovzoff). 

183. JPhasianus ? mongolicus Dress., Severtz., 1. c. p. 323. 

Die Sammlung von Prof. Slovzoff in Omsk enthält einen Fasan aus 
dem Kreise Semipalatinsk, den ich ohne Bedenken als mongolicus ansprach. Da 
mir aber eine genaue Vergleichung nicht möglich war, so will ich, gegenüber 
der erheblichen localen artlichen Abänderung bei den Fasanen, nicht mit völliger 
Sicherheit auf dieser Bestimmung bestehen. — Nach General Poltoratzky 
kommen Fasanen auf den Wildpretmarkt in Semipalatinsk; die Colonen von 
Udsch-aral versichern ihr Vorkommen am Ala-Kul, im Ala-Tau ist dasselbe 
gewiss, ebenso nach Major Tichan off am Kara-Irtisch, dem Saissan-Nor und 
namentlich am Flusse Emil im chinesischen Gouvernement Ili-Tarbagatai, wo 
der genannte Herr, ein eifriger Jäger, selbst Fasanen erlegte. — Nach Meyer 
(Ledeb. Reise) würden Fasanen am See Balchasch nicht selten sein. 

Grallae. 

184. Otis tarda L. — Dress., Severtz., 1. c. p. 326. „Duwodak", 
kirghisisch. 

Wir begegneten Grosstrappen mehrmals, einzeln oder in kleinen Trupps 
von drei bis fünf Stück. Am 28. April in der Steppe 25 Stationen hinter 
Omsk, am 20. Mai hinter Urdschar, am 23. auf der Hochsteppe des Tarbagatai, 
und am 3. Juni auf Granithügeln in der wüstenartigen Steppe nördlich vom 
Saissan-Nor. 

185. Otis Macqueeni J. E. Gray. — Dress., Severtz., 1. c. p. 326. 
Dubois, Journ. f. Ornith. 1856. Taf. III. p. 301. Blas., Nachtr. z. Naum. 13. 
p. 216. O. houbara Naum. 7. p. 66. t. 170. — Nr. 158 Q. Wüstensteppe nördlich 
vom Saissan-Nor am Südrande des Altai. (4. Juni.) Iris braun. 

Fl. Schw. F. L. M.-Z. 

14" 6" 4"' 15'" 3" 2" 15"' 
Das Exemplar trägt ein ziemlich abgeriebenes Kleid, namentlich sind die 
Federn der Haube und des Kragens fadenartig dünn abgeschlissen. Die auf die 
Scheitelmitte beschränkte Haube ist 17"' lang, die Federn weiss mit schwarzem 
Schaft und schwarzer Endhälfte (bei houbara einfarbig weiss); die längsten 
Federn des Halskragens sind an 3" lang, der Halskragen in der oberen Hälfte 

Z. B. Ges. B. XXIX. Abh. 31 



242 



Otto Finsch. 



schwarz, die untere Hälfte besteht aus einfarbig weissen Federn; die zu einem 
Busche verlängerten Federn des Kropfes sind aschgrau (bei houbara einfarbig 
weiss); der Schwanz trägt drei aschgrauhlaue Querbinden, die äusseren Federn 
nur zwei, aber breitere (ca. 5'"); houbara hat vier aschgraue Schwanzquerbinden. 
Auf Dresser's Abbildung sind diese blaugrauen Querbinden bei 0. Macqueeni 
nicht angegeben. — Das oben verzeichnete Weibchen wurde von dem Herrn 
Polizeimeister von Semipalatinsk beim Nest (welches drei Eier enthalten hatte) 
erlegt. Ich selbst beobachtete die Art am 3. Juni in der genannten Steppe auf 
dem Wege nach Maitjerek, indem ich ein jedenfalls brütendes Weibchen auf- 
scheuchte. — Dr. Brehm versichert die Art schon am 7. Mai hinter Sergiopol 
gesehen zu haben, und Graf Waldburg traf sie in der Steppe des Ala-Kul am 
Dschindschilifluss. 

186. OtistetraxL. — Dress., Severtz., 1. c. p. 326. — Nr. 159 g ; 
Nr. 160 cT, beide Steppe bei Saissan. 

Die obigen Exemplare verdanke ich der Güte des Herrn Hachloff in 
Saissan; sie stimmen ganz mit solchen aus Ungarn überein. Die Zwergtrappe 
ist die häufigste Art ihrer Gattung und wir begegneten ihr sehr oft, ohne dass 
es uns gelang auch nur eine zu erlegen, obschon sie bei Weitem nicht so scheu 
als die Grosstrappe ist. Sie scheint die mit Rhabarber und Schirlingstauden 
bestandene Steppe ganz besonders zu bevorzugen, hielt sich aber auch gern im 
hohen Grase auf, in welchem versteckt sie einen Wagen oft sehr nahe heran- 
kommen lässt. Freilich steigt sie dann meist so unerwartet auf, dass man un- 
möglich zu Schuss kommen kann. Im Fluge gewährt sie, durch das Weiss ihrer 
Schwingen, ein äusserst anmuthiges Bild. Ihr Flug ist nicht anhaltend und sie 
fallen bald wieder ein. Ich notirte die Zwergtrappe von folgenden Localitäten: 
26. April auf der Steppe südwärts vor Omsk wiederholt, am 29. vor der Station 
Belo-Kamene am Irtisch erhoben sich plötzlich zehn Stück auf einmal; auf der 
Reise von Sergiopol bis zum Ala-Kul nach Lepsa und wieder zurück nach dem 
Ala-Kul ebenfalls öfters gesehen. Ebenso mehrmals in den Vorbergen des Nord- 
Altai am 16. Juni abwärts von Siranowsk. 

187. Oedicnemus scolopaoc L. — Oe. crepitans Dress., Severtz., 
L c. p. 326. 

Ich beobachtete den Dickfuss nur einmal mit völliger Sicherheit und 
zwar in der steinigen mit Felsen besäeten Wüstensteppe nördlich vom Nor- 
Saissan bei dem kleinen Flüsschen Kara-Biruk (3. Juni). — Bisher nicht aus 
Sibirien nachgewiesen. 

188. Vanellus cristatus Meyer. — Dress., Severtz., 1. c. 1876, p. 328. 
Ich beobachtete den Kibitz in den verschiedenartigsten Localitäten des 

südlichen Reisegebietes. Zuerst am 13. April auf sumpfigen Wiesen vor Jalu- 
torowsk, dann am 19. in sumpfiger Steppe vor Ischim (bei Schneewetter und 
2° unter Null); am 9. Mai in der Salzsteppe am Ala-Kul, am 26. in der Hoch- 
steppe zwischen dem russisch- chinesischen Grenzposten Burgustai und Saissan 
und am 30. Juni häufig zwischen Salair und Tomsk. 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 187G. 



243 



189. Chettusia gregavia Pall. — Dress., Severtz., 1. c. p. 328. — 
Nr. 165 (W.) cT- Bei Semipalatinsk (3. Mai). Nr. 164 (F.) ; Nr. 166 (P.) 9, 
beide Steppe vor Maitjerek (4. Juni). 

Das Weibchen ist im Ganzen etwas blasser gefärbt als das Männchen: 
Ober- und Hinterkopf sind braun ; der Oberbauch schieferbräunlich ; der Unter- 
bauch heller kastanienbraun; auch ist es etwas kleiner. 

Fl. F. L. 

7" 4"' 13'" 2" 3"' 
7" 2'" 12"' 2" 9 

Wir beobachteten den Heerdenkibitz öfters in den südlichen Steppen- 
gebieten, wo er an gewissen Localitäten nicht selten war, obschon wir ihn doch 
meist nur einzeln oder paarweis trafen. Viehheerden scheinen ganz besonders 
anziehend für ihn und man darf mit ziemlicher, wenn auch nicht unbedingter 
Sicherheit darauf rechnen in der Nähe von solchen auch diese herrliche Vogel- 
gestalt anzutreffen. — Am 27. und 28. April begegneten wir zwischen Pawlodar 
und Semipalatinsk der Art zuerst; dann am 3. Mai in der salzhaltigen Steppe 
hinter Semipalatinsk, am 7. Mai bei Sergiopol, 20. zwischen Urdschar und Bakti, 
26. Hochsteppe am Grenzposten Burgustai, 31. Steppe hinter Saissan (hier viele) 
und 5. Juni in der Wiesensteppe vor Maitjerek am Südrande des Altai. — Aus 
der Umgegend von Omsk durch Prof. Slovzoff erhalten. — Ein am 20. Mai 
beobachtetes Weibchen verrieth durch die bekannten Verstellungskünste, dass 
die Brutstätte sehr nahe sein musste, wusste mich aber doch geschickt von der- 
selben wegzulocken. Als der Vogel dann plötzlich aufflog und sich weit entfernt 
niederliess, konnte ich mit dem Glase ein Junges erkennen, welches die Mutter 
tapfer gegen eine Steppenweihe vertheidigte , der sie mit lautem Geschrei zu 
Leibe ging und sie in die Flucht schlug. 

190. Squatarola Helvetica L. — Seeb. undBr., 1. c. p. 222; Dress., 
Severtz., 1. c. p. 327. Charadrius hypomelanus Pall., p. 138 (ostiak. „Tules"). 

Im Museum Prof. Slovzoff aus der Umgegend von Omsk. — Von uns 
sonderbarer Weise niemals angetroffen, obschon wir besondere Aufmerksam- 
keit auf die Art verwandten und mit Sicherheit darauf gerechnet hatten, sie 
brütend in der Tundra zu finden. Seebohm war an der Petschora glücklicher 
und brachte Junge und Eier heim. — Pallas notirt sie als von Sujew am Kara- 
Busen beobachtet. 

191. Charadrius pluvialisL. — Br., 1. c. p. 69; Dress., Severtz., 
1. c. p. 327; Seeb. und Br., 1. c. p. 221. Gh. auratus Finsch, 1. c. p. 59, 60. 
Ch. apricarius Pall., p. 140 (ostiak. „Longinn"). — Nr. 449 (B.) 9 (25. Juli); 
Nr. 450 (W.) cT (27. Juli), beide Tundra der Schtschutschja. Nr. 451 (F.) Dunen- 
junges. Tundra der Podarata (5. August). 



FL 


Schw. 


F. 


L. 


Tib. 


M.-Z. 




6'7 


2-6 


9V 2 


177 2 


572 


10 




6-6 


2-4 


11 


17 V 2 


57 2 


10% 


9 








17 


5V 2 


10 


Nr. 



31* 



244 



Otto Finsch. 



Die beiden alten Vögel gehören zum typischen westeuropäischen Gold- 
regenpfeifer mit weissen unteren Flügeldecken und Achselfedern und wenig 
nackter Tibia. Männchen und Weibchen sind ganz gleich gefärbt und tragen 
das Sommerkleid mit schwarzer Unterseite, doch sind Kopfseiten, Kinn und 
Kehle noch stark mit rostgelben und weissen Federn gemischt. Das Dunen- 
junge stimmt ganz mit der schönen Abbildung in Dressers B. of Europe 
(pt. 48. 1876) überein. — Der Nachweis dieser westlichen Art im Obgebiet 
ist ein sehr interessanter, da am Jenissei bekanntlich schon die östliche Art 
Ch. fulvus Gml. auftritt. Ein Exemplar der letzteren Art im Bremer Museum 
ist mit „Irtisch" bezeichnet. Baikalexemplare gehören ebenfalls zu fulvus. 
Der häufigste Vogel und die häufigste Vogelstimme der Tundra, auf welcher 
man sein melancholisches „Trüt-tüt, tüt, tüüt", welches ähnlich dem Quitschen 
eines ungeschmierten Schiebkarrenrades klingt, zu jeder Tageszeit hören kann. 
Die kahlen mit feinem Geröll bedeckten welligen Hügel, welche die Tundra 
durchziehen sind bevorzugte Lieblingsplätze und hier macht er sich, hoch auf- 
gerichtet, schon von ferne bemerkbar. Meist sieht man ihn einzeln, doch 
nicht selten drei bis fünf Stück zusammen, die in einiger Entfernung von ein- 
ander sitzen. — Wir bemerkten den Goldregenpfeifer zuerst am 23. Juli an 
der oberen Schtsehutschja, obwohl wir schon Tage zuvor grössere Tundraflächen 
passirt hatten, allerdings, wenigstens soweit die Flussufer reichten, noch mit 
Bäumen bestanden, die er vermeidet. Auf unserer Fusswanderung über die 
Tundra vom 29. Juli bis zum 11. August fanden wir dagegen den Goldregen- 
pfeifer allenthalben. Er schien nach Norden zu häufiger zu werden und ver- 
schwand als wir südlich die Holzgrenze wiederum erreichten. Obwohl nicht zu den 
eigentlich scheuen Vögeln gehörend, ist er immerhin weit weniger zutraulich 
als man von einem Bewohner solcher Einöden erwarten sollte, und seine Jagd, 
wenn auch nicht eben schwierig, verursacht unter den dort gegebenen Ver- 
hältnissen immerhin noch Mühe genug. Wir waren theilweis auf dieselbe an- 
gewiesen und namentlich pflegte Dr. Brehm uns mit Goldregenpfeifern zu 
versehen, indem er an manchen Tagen bis zu einem halben Dutzend erlegte. 
Aus Mangel an genügendem Brennmaterial mussten wir dieselben nothdürftig 
an einem Stäbchen über dem Feuer geröstet halb roh und ohne Salz verzehren, 
aber sie mundeten köstlich. Mehrmals (1. bis 5. August) fanden wir Dunen- 
junge, die in ihrem gelben, schwarzpunktirten Wollpelzchen allerliebste Geschöpfe 
sind. — Am 20. September hörten wir in der Nacht bei Karimkarsk am Ob 
die nach Süden wandernden Durchzügler. — Von der Ural- Expedition unter 
61 V 2 Grad nördl. Br. getroffen. 

192. Charadrius morinellusL. — Br., L c. p. 69; Seeb. undBr., 
1. c p. 289; Dress., Severtz., 1. c. 1876. p. 327; Finsch, 1. c. p. 61. 

Auf der Rückreise von der Podarata nach der Schtsehutschja am Abend des 
6. August begegnete ich kleinen Flügen, von acht bis zwölf Stück, des Morinell- 
regenpfeifers, die allem Anscheine noch vom Ural herab auf dem Zuge begriffen 
waren. — Die Ural-Expedition traf die Art an den Petschoraquellen, vom 



Reise nach West-Sibirieu im Jahre 1876. 



245 



62. bis 68. Grad nördl. Br. hier noch nistend. Seebohm verzeichnet sie als 
selten von der Tundra an der Petschora. 

193. Charadrius hiaticula L. — Aegialites hiaticula Seeb. und Br., 
1. c. p. 289; Dress., Severtz., 1. c. p. 327. — Nr. 452 (W.) cT (20. Juli); 
Nr. 453 (B.) Dunenj. (24. Juli); Nr. 454 (W.) cT (25. Juli); Nr. 455 (W.) d\ 
alle Schtschutschja. Nr. 456 (W.) <j\ Halispago, kleiner Ob (17. August). 
Nr. 457 (W.) <j\ Nr. 458, 459 (F.) tftf; Nr. 460, 461 (F.) 9 9, alle vier Obdorsk 
(24. August), vermausert. Nr. 462 (F.) 9- Tampirnpran, Ob (10. September). 

Von den vorliegenden Exemplaren haben nur Nr. 455 und 458 die äusserste 
Schwanzfeder einfarbig weiss, alle übrigen zeigen an der Innenfahne derselben 
eine mehr oder minder deutliche, schwarze Querbiude oder mindestens einen 
schwärzlichen Randfleck. 

Flügellänge. Lauf. 

4« 5"<_4« u'« 24-26 Mm. 

In der Färbung ganz wie westeuropäische; das schwarze Kehlband er- 
scheint bei manchen (alten) schmäler. Die in der zweiten Hälfte des August 
erlegten tragen sämmtlich das frischvermauserte Winterkleid, d. h. die schwarze 
Querbinde des Vorderkopfes fehlt, ebenso die der Kehle, welche nur jederseits 
durch einen rauchschwärzlichen Fleck angedeutet ist, die beide mehr oder weniger 
durch ein rostbräunliches Band auf der Kehlmitte verbunden sind. Die Federn 
der Oberseite tragen eine sehr schmale, schwarze Endkante, die von einem sehr 
schmalen, fahlbräunlichen Spitzenrande begrenzt wird. Schnäbel schwarz. — 
Dieses Kleid wird gewöhnlich als das des jungen Vogels beschrieben, ich glaube 
aber, dass es das frischvermauserte Winterkleid ist. Alle von mir in der zweiten 
Hälfte des August bei Obdorsk erlegten Halsbandregenpfeifer, die hier sehr 
zahlreich waren und sich in grossen Schwärmen umhertrieben, trugen dieses 
Kleid. — Der junge noch mit Dunen bekleidete Nestvogel ähnelt in der Färbung 
ganz Ch. fluviatilis, ist aber schon leicht an den längeren Tarsen und Zehen 
zu unterscheiden. 

Am 6. Juli beobachtete ich zuerst buntschnäblige Regenpfeifer nordwärts von 
Samarowa herab. Dann begegneten wir ihm erst wieder an der Schtschutschja 
(20.— 24. Juli), und zwar einzelnen Paaren und fingen ein Dunenjunges. Auf 
der Tundra trafen wir die Art nicht. Sie zeigte sich erst wieder am 23. August 
in kleinen Flügen, und zwar völlig vermausert und im Winterkleide bei Obdorsk. 
Am 10. September trafen wir bei Tampirnpran einen ungeheuren Flug, der mit 
rasender Eile, bald die braune Ober-, bald die weisse Unterseite zeigend, über 
den breiten wattartigen Uferstreif jagte. Bei Narimskaja begegneten wir am 
16. ebenfalls noch südlich ziehenden Trupps, am 19. bei Leumtschi einzelnen. 

194. Charadrius fluviatilis Bechst. — Ch. minor Br., L c. p. 69 
(Tscherdin). Aegialites curonica Dress., Severtz., L c. 1876. p. 328. Ae. fluviatilis 
Seeb. und Br., 1. c. p. 290. — Nr. 163 (W.) cT- Marka-Kul, chinesischer Hoch- 
altai (ca. 5000' hoch) (7. Juni). 

Durchaus mit deutschen übereinstimmend; ebenso ein von Omsk durch 
Prof. Slovzoff erhaltenes Exemplar. 



V 



246 



Otto Finsch. 



Fl. Schw. F. L. 

4" 2"' 2" 2"' 5 1 /» " 10'" 
Den Flussregenpfeifer traf ich nur zweimal: am 10. Mai am Sassyk-Ala- 
Kul und am 13. bei Lepsa an einem Gebirgsbache. — Bei Omsk 1877 nach 
Prof. Slovzoff zuerst am 7. Mai angekommen. — Am Ob, wie im Norden 
überhaupt nicht beobachtet; Seebohm traf die Art nur zwei bis dreimal an 
der Petschora. — Die Ural-Expedition verzeichnet sie von Tscherdin (61° nördl. Br.). 

— Ch. minutus Pall. (Zoogr. 2. p. 145) aus der Baraba-Steppe ist jedenfalls 
diese Art im ersten gewellten Jugendkleide („al. 3" Q'"") und keine besondere 
Art wie Waiden meint (Trans. Zool. Soc. VIII. p. 89). 

195. Charadrius littoralis Bechst. — Aegialites cautiana Dress., 
Severtz., 1. c. 1876. p. 328. — Nr. 162 (F.) cT- Sassyk-Ala-Kul (9. Mai). 

Ganz übereinstimmend mit deutschen Exemplaren. Nur am Ala-Kul von 
uns beobachtet. 

Strepsilas interpres L. führt Pallas (Reise 3) mit unter den wenigen 
Arten auf, welche Sujef auf seiner Reise nach dem Karischen Meerbusen be- 
obachtete. 

196. Glareola melanoptera Nordm. — Finsch und H., Ostafr. 
p. 633. Gl pratincola part. Dress., Severtz., 1. c. p. 328. — Nr. 161 (W.) 9- 
Steppe vor Maitjerek (4. Juni). 

Wie südrussische Exemplare. 

Fl. Aeuss. Schw. M.-Schw. F. L. Tib. M.-Z. 

7" 3" 4"' 2" 5W" 15V 2 " 4 4V 2 8'" 
Am 19. Mai einzeln am Sassyk-Ala-Kul beobachtet, dann erst wieder 
am 5. Juni in der wiesenartigen Steppe vor Maitjerek am Südfusse des Altai. 

— Aus der Umgegend von Omsk in Slovzoff's Sammlung. — Wenn ich mich 
recht erinnere, erhielten wir in der Steppe auch Gl pratincola L.; doch ver- 
mag ich dies nicht mehr mit völliger Sicherheit anzugeben. 

197. Glareola pratincola L. — Dress., Severtz., 1. c. p. 328; 
Finsch, 1. c. p. 52. 

Am Ala-Kul erhielt ich diese Art, deren Verbreitungsgebiete bekanntlich 
ungefähr dieselben als der nachfolgenden sind. 

198. Haematopus ostralegus L. — Dress., Severtz., 1. c. p. 329; 
Seeb. und Br., 1. c. p. 290; Finsch, 1. c. p. 49, 57. H. hypöleucus Pall. 
p. 129 (Narym). 

Wir begegneten dem Austernfischer überall sporadisch in dem von uns 
durchreisten Gebiete: am 26. April zeigte sich ein einzelnes Exemplar in dem 
überschwemmten Steppengebiet am Irtisch bei Tschernaretzkaja (ca. 260 Werst 
hinter Omsk); 1. Juni einzeln am Kara-Irtisch, 16. am Irtisch vor Buchtarminsk, 
21. bei Belo-Glasowa, hinter Kolywan-Schleiferei; 1. Juli einzeln von Tomsk 
herab, 6. hinter Samarowa, am 8. bei Tschematschewskaja (Ob) und am 10. Sep- 
tember oberhalb Bonderjohan (Ob), in kleinen Flügen von sechs bis acht Stück. 
Der Austernfischer scheint den arktischen Kreis nicht zu überschreiten, aber 



Reise nach WeRt-Sib-rien im Jahre 187<>. 



247 



Seebohin beobachtete ihn an der Petschora noch etwas nördlicher, traf ihn 
aber nicht mehr im Delta dieses Flusses. 

199. Grus cinerea L. — Dress., Severtz., 1. c. 1876. p. 324; Seeb. 
und Br., 1. c. p. 311. Gr. vulgaris Pall. p. 106 (Sugurt). Ostiakisch „Torr". 

— (Nr. 448 a), halbflügges Junge, Kischgort, Ob (6. September). 

Hals und Kopf mit schmutzig rostfarbenen dunenartigen Federn bedeckt ; 
Federn des Mantels rostgrau; Deckfedern grau mit rostfarbenen büschelartigen 
Dunenendspitzen; Schwingen im Wachsthum begriffen; Unterseite mit grauen 
Federn bedeckt. Schnabel erst 2" 4"' lang; Lauf 6" 1"'. — Der graue Kranich 
wurde sowohl im Süden als Norden unseres Reisegebietes, obwohl als sporadische 
Erscheinung wahrgenommen. Den ersten trafen wir am 14. April bei Jalu- 
torowsk; dann begegneten wir je drei Stück am 24. und 27. April zwischen Omsk 
und Semipalatinsk. Am Sassyk-Ala-Kul zeigte er sich öfters und Dr. Brehm 
erlegte hier ein altes Männchen, dessen zähes Fleisch eine immerhin erträgliche 
Suppe lieferte. In der Steppe am Agin-Su, unfern des Ala-Kul, war der Kranich 
sehr zahlreich. Dann trafen wir ihn am 22. Mai hinter Tschugutschak (Graf 
Waldburg) und am 13. und 15. Juni von Altaiske-Stanitza bis Siranowsk und 
weiter herab, also noch im Herzen der Vorberge des Altai. Am Ob wurden 
wir erst auf der Rückreise mit dem Kranich bekannt: ich kaufte am 6. Sep- 
tember in Kischgort einen jungen, halb mit Dunen, halb mit Federn bekleideten 
Vogel, der in der Nähe dieses Jurtenplatzes von Ostiaken aus dem Neste auf- 
gezogen worden war. Vor Bercosoff sah ich am 12. September fünf Stück fliegen 
und beobachtete am 14. bei Nerimowskaja in der Abenddämmerung eine auf 
dem Südzuge begriffene Heerde, die an sechzig und mehr Stück zählen mochte 
und deren vereinte Stimmlaute ein melodisches Concert hervor brachten. — Graf 
Waldburg traf Kraniche in den Sümpfen bei Tjumen und Jalutorowsk noch 
im October, so lange es nicht gefroren war und hörte sie bis zum 17. October. 

— Seebohm notirt nur drei Kraniche als von ihm an der Petschora Ende 
Mai beobachtet. 

200. Grus leueogeranus Pall. — Dress., Severtz., 1. c. p. 324; Pall. 
p. 103 (ostiakisch „Navi-Tor", d. h. weisser Kranich). — Nr. 167 cf. Bei Barnaul 
(22. Juni). 

Das im Allgemeinen fast einfarbig weisse, also altausgefärbte Exemplar 
trägt am Buge und auf den Flügeldecken noch einzelne rostfarbene Federn des 
Jugendkleides, ebenso am Kopfe und Halse; hier, aber stark abgerieben und 
daher verblasst, ebenso die stark abgeriebenen, krummgebogenen, hinteren 
Schulter- oder Schmuckfedern, im Leben: Schnabel hornbraun, das nackte 
Gesicht blassroth; Beine fleischbräunlich, sehr schwach röthlich; Iris hell 
schwefelgelb. — Die Maasse sind folgende: 

_ , Schnabel von Schnabelh. T _„ _ 

Fl. Schw. _,. L. Tib. M.-Z. 

btirn an an Bas. 

21" 6"' 6" 8"' 6" 4"' 11"' 9" 4" 3" 10"' 
Ich kaufte das obige Exemplar von einem professionirten Jäger in Bar- 
naul, der dasselbe Tags zuvor geschossen hatte, und trotz seiner langjährigen 



248 



Otto Finsch. 



Praxis behauptete, es sei das erste von ihm erlegte. — Wir selbst trafen diesen Kra- 
nich nicht. — Nach Pallas, der ausführlich über Lebensweise, Fortpflanzung etc. 
berichtet (Reise II. p. 437), würde dieser Kranich in der Steppe von Ischim 
nicht selten sein und auch am Tobol nisten (II. p. 400); wenn er aber zugleich 
anführt, dass er bis zum Ob-Meerbusen vorkommt, so bedarf dies wohl noch 
sehr der Bestätigung. 

201. Grus virgo L. — Dress., Severtz., 1. c. 1876. p. 324. — 
Nr. 168 und 169 (B). Dunenjunge. Hochsteppe des Tarbagatai (26. Mai). 

Kopf rostgelb, übrige Oberseite etwas dunkler und auf dem Rücken mit 
schwarzbraunen Dunen gemischt; Vorderseite des Halses rauchgraulich, übrige 
Unterseite weisslich, schwach rostfahl angehaucht. Der Schnabel trägt noch die 
nagelartige weisse Schuppe, welche zum Durchbrechen der Eischale gedient 
hatte ; die Jungen waren also erst kurze Zeit ausgeschlüpft. — In den südlichen 
Steppengebieten gehörte der Jungfernkranich keineswegs zu den seltenen Er- 
scheinungen, namentlich im Gebiete des Ala-Kul. Wir trafen ihn hier am 18. 
und 19. Mai am Tentekflusse und Agin-Su; dann weiter nördlich bei Urdschar 
mehrmals sowie am 23. auf der Hochsteppe des Tarbagatai, wo meine Gefährten 
ein oder zwei Stück erlegten, die aber nicht präparirt wurden, und die zwei oben 
angeführten Dunenjungen erhielten. 

202. Ardea cinerea L. — Dress., Severtz., 1. c. 1876. p. 325; Pall. 
p. 116 (Narym). 

Mein Tagebuch verzeichnet den grauen Reiher nur einmal, von Karkol in 
der Steppe hinter Sergiopol, wo ein Exemplar am 8. Mai erlegt wurde, aber 
Graf Waldburg -Zeil beobachtete ihn mit Sicherheit am Sassyk- Ala-Kul, bei 
Tschugutschak am Irtisch, bei Podpusknaja und Dr. Brehm hat ihn noch bei 
Samarowa als im mittleren Obgebiet gesehen. Prof. Slovzoff besitzt ihn aus 
der Umgegend von Omsk. 

203. Ardea alba L. — Dress., Severtz.; 1. c. p. 325. Finsch, 
1. c. p. 50. 

Den grossen Silberreiher beobachtete ich nur am Sassyk- Ala-Kul (9. Mai). 



„Ardea stellaris, wurde 1876 in der Nähe von Tjume'n an der Tura 
geschossen" (Graf Waldburg in litt.). 

„Ardea nycticorax. Am 7. September am Ob unzweifelhaft und wieder- 
holt im Sumpfe auf wenige Schritt Entfernung gehört" (Graf Waldburg in litt.). 

204. Ciconia nigra L. — Dress., Severtz., 1. c. p. 324; Pall. 
p. 114 (Irtisch, Narym, Surgut). 

Meine Gefährten erlegten ein Exemplar auf der Hochsteppe des Tarbagatai, 
auf der Tour von Tschugutschak nach dem Grenzposten Burgustai. Ich selbst 
beobachtete den schwarzen Storch nur einmal, beim Marka-Kul im chinesischen 
Hochaltai (ca. 5000' hoch) am 8. Juni. — Umgegend von Omsk (Mus. Slovzoff). 

Den weissen Storch (C. alba) beobachteten wir auf der ganzen Reise nie- 
mals. Er kommt in West- Sibirien nicht vor. 



Eeise nach West-Sibirien im Jahre 187f>. 



249 



205. Flatalea leucorodia L. — Dress., Severtz., I. c. p. 326. 
Am Sassyk-Ala-Kul ein paarmal im Fluge beobachtet. 

206. Ibis falcinellus L. — Dress., Severtz., 1. c. p. 326. 
Nur am Sassyk-Ala-Kul von mir beobachtet (18. Mai). 

207. Numenias arquata L. — Dress., Severtz., 1. c. p. 412; 
Finsch, 1. c. p. 57. 62; Pall., p. 168 (ostiak. „Chaip"). — Nr. 474 (W.) Q. 
Obdorsk. (2. September.) 

Ein junger Vogel im frischvermauserten ersten Herbstkleide. Ganz wie 
westeuropäische, etwas lebhafter rostfarben; Hinterrücken und Bürzel weiss 
mit verwaschenen rostfahlen Endspitzen und schwarzen Schaftflecken; letztere 
auf den vorderen oberen Schwanzdecken breiter und stärker; die längsten oberen 
Schwanzdecken rostfahl mit dunklem Spitzenfleck, und verdeckten schmalen 
dunklen Querbinden. 

Fl. Schw. F. L. Tib. M.-Z. 

11-6 3-11 3" 9'" 3" 1'" 16"' 18'" 
Die Speiseröhre des Exemplares war vollgepfropft mit Blaubeeren. Die 
Art wurde in verschiedenen Localitäten unseres Reisegebietes beobachtet, und 
war sowohl in der mit grasigen Niederungen besetzten Steppe als am Ob nicht 
selten, fehlte aber auf der Tundra. — Wir trafen sie zuerst einigemal am 19. und 
25. April auf der Reise durch die Steppe bei Dukalinsk und hinter Omsk, dann 
am 31. Mai in der Steppe bei Saissan, am 3. Juni in den mit Wiesen bestan- 
denen Ausläufern der Steinwüste am Nordrande des Saissan-Nor, am 30. Juni 
zwischen Salair und Tomsk ; am 6. Juli häufig in den überschwemmten Marschen 
stromabwärts von Samarowa; am 3. September bei Obdorsk. Aus der Umgegend 
von Omsk in Slovzoffs Sammlung. 

208. Limosa aegocephala L. — Dress., Severtz., 1. c. p. 412; 
Seeb. und Br., 1. c. p. 292. 

Auf der überschwemmten Steppe längs dem Irtisch (26. April), hinter 
Semipalatinsk (4. April); hier von Dr. Brehm erlegt; und von Samarowa herab 
(6. Juli). — Nicht auf der Tundra. — Von Seebohm hier nur einmal beob- 
achtet. — Bei Omsk Museum Slovzoff. 

209. Terekia cinerea Güld. — Seeb. und Br., 1. c. p. 292; Finsch, 
1. c. p. 59. 62. — Nr. 475 (W.) Q (20. Juli); Nr. 476 (F.) cT jun. (13. August), 
beide Gabelung der Schtschutschja. 

Der junge eben vermauserte Vogel, welcher an den Spitzen der Schwanz- 
federn noch Dunenfasern trägt, stimmt fast ganz mit dem alten überein, nur 
sind die schwarzen Schaftstriche der Oberseite weniger deutlich und fehlen auf 
den Schultern, wo sie beim alten Vogel einen breiten schwarzen Längsstreif 
bilden, ganz. — Im Leben, alt: Beine schmutzig bräunlichgelb, jung: blass- 
fleischbräunlich. Iris braun. 

Fl. Schw. F. L. 

4" 9"' 22"' 19 1 / 2 " / 13'" 
4" 7'" — 15"' 12"' 
Z. B. Ges. B. XXIX. Abb.. 32 



250 



Otto F in seh. 



Das alte Weibchen hatte einen grossen nackten Brütefleck. — Wie trafen 
nur die beiden angeführten Exemplare. Merkwürdiger Weise erlegte ich genau 
an derselben Stelle den jungen flugfähigen Vogel, an welcher Graf Waldburg 
um drei Wochen früher den alten geschossen hatte. 

210. Machetes ptignaoo L. — Brandt, 1. c. p. 70;Dress., Severtz., 
1. c. p. 410; Seeb. und Br., L c. p. 292; Pall., p. 190 (Narym). 

Von Samarowa herab (6. Juli) waren Kampfhähne häufig, ebenso gehörten 
sie auf der Tundra zu den gewöhnlichen Erscheinungen. Wir fanden sie am 
Hechtfluss (20. Juli) und erhielten am 1. und 4. August Dunenjunge und bereits 
halb mit Federn bedeckte Junge. — Die Ural- Expedition verzeichnet sie von 
der Ussa (67° nördl. Br.). In Slovzoff's Museum aus der Umgegend von Omsk, 
und von hier ein junges Männchen eingesandt. 

211. Totanus canescens Gml. — Dress., Severtz., L c. p. 411. 
T. glottis Seeb. und Br., 1. c. p. 291. Limosa totanus Pall. p. 183 (Narym). — 
Nr. 477 (W.) tf. Malo-Atlim, Ob (8. Juli) im stark abgeriebenen Sommerkleid. 

Ausser an der genannten Localität nur noch einmal beobachtet und zwar 
am 8. Mai bei der Station Karakol in der Steppe südöstlich von Sergiopol. 

212. Totanus stagnatilis Bechst. — Dress., Severtz., 1. c. p. 412. 
Ein Männchen im Sommerkleide von Omsk durch Prof. Slovzoff ein- 
gesandt. Von uns nicht beobachtet. 

213. Totanus fuscusL. — Dress., Severtz., 1. c. p. 411; Seeb. und 
B r., 1. c. p. 292. Limosa calidris var. ß. p. 185, et L. fusca Pall., p. 187 (Ob). 

— Nr. 478, 479 (F.) tftf (23. August); Nr. 480 (W.) 9 (27. August), alle 
Obdorsk. Alle drei Exemplare tragen das frisch vermauserte Herbstkleid; beide 
Geschlechter gleich. 

Bei Obdorsk war diese Art in der letzten Woche des August nicht selten 
und trieb sich hier in kleinen Gesellschaften von vier bis sechs an sumpfigen 
Lachen unmittelbar neben den Häusern des Ortes umher. Der Vogel watet 
dabei bis an den Leib im Wasser und zeigt sich ungemein zahm. Angeschossene 
verstehen geschickt zu schwimmen. — Seebohm traf die Art nur an einer 
Localität längs der Petschora. 

214. Totanus calidris L. — Dress., Severtz., 1. c. 1876. p. 412. 

— Nr. 171 cf. Saissan (Hachloff). 

Am Sassyk-Ala-Kul (9. Mai) und auf der Hochsteppe, hinter dem chinesi- 
schen Grenzposten Burgustai (26. Mai) beobachtet. — Bei Omsk: Museum 
Slovzoff. 

215. Totanus glareola L. — Dress,, Severtz., 1. c p. 412; Seeb. 
und Br., 1. c. p. 291; Finsch, 1. c. p. 58. Tringa littorea Pall., p. 195 (BercosofT). 

— Nr. 481 (W.) cT- Schtschutschja- (Hecht-) Fluss (19. Juli). 

Am 29. April schoss ich die Art zuerst im Ufergebüsch des Irtisch bei 
Belo-Kamene, und am 1. Mai brachte sie Dr. Brehm bei Semipalatinsk mit 
von der Becassinenjagd heim. Im Gebiete des Ob beobachtete ich sie bei Malo- 
Atlim am 7. Juli, an sumpfigen Waldblössen. Längs dem Hechtflusse war sie 
häufig, soweit der Baumwuchs reichte, denn sie liebt es bekanntlich sehr sich 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 187G. 



251 



auf Bäumen niederzulassen. Man sieht sie nicht selten auf den Wipfeln der 
höchsten Lärchen sitzen. Hinter Janburri, an der Mündung der Schtschutschja 
trafen wir am 18. Juli ein Pärchen in ganz kahler Tundra, welches durch 
Geschrei und ängstliches Umherfliegen die Sorge für seine Nachkommenschaft 
deutlich bekundete. — Von Omsk durch Prof. Slovzoff eingesandt. 



Pallas führt (Zoogr. p. 192.) für Totanus ochropus, ebenfalls einen 
ostiakischen Namen an („Polnavi"). 



216. Actitis hypoleucus L. — Br. , I. c. p. 70; Dress., Severtz., 

1. c. p. 411; Seeb. und Br., 1. c. p. 292. 

An stillen mit Weiden bestandenen Seitenarmen des mittleren Ob einige- 
mal beobachtet, doch fehlen mir die genaueren Daten. — Die Uralexpedition 
brachte Exemplare von den Petschoraquellen heim. Seebohm fand die Art 
ebenfalls selten an der Petschora. 

217. Recarvirostra avocetta L. — Dress., Severtz., 1. c. p. 329. 
— Nr. 173 a. Omsk (Slovzoff). 

Am 9. Mai in Gesellschaft mit Himantopus an seichten Uferstellen des 
Sassyk-Ala-Kul beobachtet. — Aus der Umgegend von Omsk durch Güte von 
Prof. Slovzoff erhalten. 

218. Tringa canutus L. 

Am. 26. April kleine Flüge dieser Art in der überschwemmten Steppe 
am Irtisch (ca. 260 Werst hinter Omsk), die offenbar auf dem Zuge begriffen 
waren. Im Norden, auf der Tundra nicht angetroffen, doch fand Middendorf 
die Art an der Boganida. 

219. Tringa sttbarquata Güld. — Dress., Severtz., 1. c. p. 411; 
Seeb. und Br., 1. c. p. 293; Finsch, 1. c. p. 61. 

Einige Mal auf der Tundra angetroffen, wo sie indess weit seltener als 
die folgende Art (alpina) war. Nicht brütend getroffen! 

220. Tringa alpina L. — Dress., Severtz., 1. c. p. 411. Tringa 
cinclus L. Seeb. und Br., 1. c. p. 293. — Nr. 473 (F.) <j\ Tundra nach der 
Podarata (2. August). 

Das Exemplar trägt das volle Sommerkleid, wie auf der Abbildung bei 
Dresser und Naumann (Taf. 186, Fig.' 1). 

Fl. Schw. F. L. Tib. M.-Z. 

4" 1" 8'" 30 Mm. 23 Mm. 9 Mm. 17 Mm. 
Auf unserer Tour über die Tundra (28. Juli bis 11. August) wurde die 
Art häufig an kleinen Teichen und Seen, sowie an Sümpfen angetroffen. Am 

2. August erhielt ich einzelne Dunenjunge, die leider nicht präparirt werden 
konnten. Bei Obdorsk (Ende August) in kleinen auf dem Zuge begriffenen 
Flügen. 

221. Tringa minuta Leisl. — Seeb. und Br., 1. c. p. 294; Dress., 
Severtz., 1. c. p. 410. Tr. Temmincki Finsch, 1. c. p. 61, 62. — Nr. 463 (F.) 
cf. Tundra der Podarata (2. August). Nr. 464 (W.) Chalispagor, Ob 

32* 



252 



Otto Finsch. 



(17. August). Nr. 465, 466 (F.) Q 9 (24. August); Nr. 467 (W.) $ (29. August), 
sämmtlich Obdorsk. Nr. 468, 469 (F.) Q Q. Tampimpran, Ob (10. September). 

Die vorliegenden Exemplare tragen alle das Sommerkleid wie esDresser 
auf Taf. 58 (rechte Figur) und Naumann (Taf. 184, Fig. 1 etwas 'zu lebhaft) 
darstellen und das am 11. September erlegte ist noch so lebhaft gefärbt als 
das vom 17. August. Bei allen ist Kehle und Kropf rostgraulich verwaschen 
und entsteht hier eine, wenn auch nicht scharf abgesetzte Querbinde, die all- 
mälig in das Weiss der Kehle und übrigen Unterseite verläuft; an den Kropf- 
seiten zeigen sich nur einzelne dunklere Schaftflecke angedeutet, die nur bei 
Nr. 465 etwas deutlicher hervortreten. Männchen und Weibchen sind ganz 
gleich. Die äusseren fünf Schwanzfedern sind bei allen Exemplaren rauchgraulich. 
Die Schwingenschäfte sind nur auf dem Mitteitheile rein weiss, an Basis und 
Spitze bräunlich. — Wir trafen Tr. minuta erst als wir nördlich von der 
Schtschutschja über die Tundra marschirten. Sie war an allen Seen und 
Teichen, sowie sumpfigen Localitäten überhaupt häufig und wurde täglich 
beobachtet. Schon am 29. Juli fing ich ein fast flügges Junge, ebenso am 
3. August, erhielt aber am 2. noch Dunenjunge. Auf der Bückreise am Ob 
trafen wir sie schon von Chalispagor (17. August) unterhalb Obdorsk in Menge 
und von nun an bis 11. September täglich. Die Vögel hatten sich bereits zum 
Zuge geschaart und wir trafen mehrere Male (so bei Bonderjohan 10. Sep- 
tember) enorme Flüge, die nach Hunderten zählten. Sie trugen sämmtlich 
noch das Sommerkleid und zeigten noch keine Spur von Mauser. 

222. Tringa Temmincki Leisl. — Seeb. und Br., 1. c. p. 308; 
Dress., Severtz., 1. c. p. 411. Tr. minuta Finsch, 1. c. p. 59. — Nr. 172 
(W.). Ala-Kul (19. Mai). Nr. 470 (W.) cT (19. Juli); Nr. 471 (B.) cT (20. Juli); 
Nr. 472 (W.) c? (27. Juli), alle drei Schtschutschja. 



Fl. 


Scliw. 


F. 


L. 


M.-Z. 




Nr. 172. 3" 6"' 


19"' 


16 Mm. 


17 Mm. 


14 Mm. 


Temmincki. 


„ 470. 3" 6"' 


17'" 


16 „ 


17 „ 


14 „ 


» 


„ 471. 3" 6'" 




16 „ 


17 „ 


13 „ 




„ 472. 3" 5'" 




16 „ 


17 „ 


13 „ 


r> 


„ 464. 3" 4'" 


15"' 


17 „ 


20 „ 


15 „ 


minuta. 


„ 469. 3" 9'" 


17'" 


18 „ 


22 „ 


15 „ 


» 






15 „ 


19 „ 


15 , 


„ Nord- Sibirien. 


3" 8'" 




19 „ 


18 „ 


15 „ 


„ Australien (albescens), 



Sämmtliche Exemplare (sowohl das vom 19. Mai als 27. Juli) tragen das 
etwas abgeriebene Sommerkleid. Sie unterscheiden sich in demselben leicht von 
dem der vorhergehenden Art (minuta) dadurch, dass die roströthlichen Säume 
auf Ober- und Hinterkopf fast ganz fehlen und auf Mantel, Schultern und 
Flügeldecken blasser, schmäler, und mehr verdeckt sind, daher wenig hervor- 
treten; Kropf und Brustseiten sind breit bräunlichgrau mit feiner dunkler 
Strichelung. Die äusserste Schwanzfeder ist bei allen einfärbig weiss, die zweite 
und dritte mehr oder minder, bald am Rande der Innen-, bald an der Aussen- 
fahne graulich getrübt. Die weisse erste Schwanzfeder, sowie die Färbung der 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 187G. 



253 



Schwingenschäfte unterscheidet Tr. Temmincki stets von minuta; bei letzterer 
sind alle Schwingenscliäfte auf dem Mitteitheile weiss, bei TemmincJcii ist nur 
der Schaft der ersten Schwinge weiss, die der übrigen durchgehends bräunlich. 
Die Grössenunterschiede beider Arten sind, wie die beigegebenen Maasse zeigen, 
so ausserordentlich geringe, dass sich darauf hin wohl kaum die specifische 
Trennung durchführen lässt. — Wir trafen Temminchs- Strandläufer zuerst am 
18. und 19. Mai in der Steppe am Ala-Kul. Grosse Flüge desselben trieben 
sich sowohl am Ufer des Sees selbst, als auch an dem kleinen Steppenflusse 
Dschindschili herum; die anscheinend noch auf dem Zuge begriffen waren, 
obwohl sie bereits das volle Sommerkleid trugen. Wahrscheinlich bleiben ein- 
zelne Paare auch hier brütend zurück, da sie Severtzoff noch südlicher 
nistend fand. Wir hörten den eigenthümlichen trillernden Ruf, der an das Ge- 
schmetter von Cicaden oder Locusta viridis erinnert, zuerst wieder vor Ob- 
dorsk (13. Juli) und dann in den undurchdringlichen Weiden- und Erlengebüschen 
an der Schtschutschja, am 19. Juli. Hier für die Folge täglich, so lange wir 
uns an diesem Flusse befanden. Die Vögel liebten hier ganz besonders die 
sandigen, mit dichtem Gebüsch umrahmten Ufergelände. Am 20. fand Dr. Brehm 
ein Nest mit vier Eiern. Dasselbe bestand in einer blossen Vertiefung, in welcher 
die nächststehenden, umgeknickten Grashalme die Unterlage bildeten. Die alten 
Vögel kehrten wiederholt zum Nest zurück, obschon wiederholt auf dieselben 
geschossen worden war. Die Eier waren stark angebrütet, und als ich drei Tage 
später die Schachtel öffnete, in welche ich die Eier in Watte verpackt auf- 
bewahrt hatte, fand ich zu meiner Ueberraschung die Jungen ausgekrochen und 
sogar eins noch lebend. Die mitgebrachten Schalenreste ähneln den Ibis 1876, 
pl. VII dargestellten Eiern von Tr. minuta, sind aber verschieden. Wir trafen 
noch mehrmals längs der Schtschutschja Paare, die durch ihr Benehmen ver- 
riethen, dass sie Junge oder Eier ganz in der Nähe haben mussten, konnten 
aber kein weiteres Nest finden. Als wir den Fluss verliessen und über die 
Tundra marschirten schien Tr. Temminckii verschwunden. Wenigstens darf 
ich sie nicht als mit völliger Sicherheit beobachtet anführen. Auch auf der 
Rückreise trafen wir die Art nicht mehr. 

223. Calidris arenaria L. — Seeb. und Br„ 1. c. p. 308; Dress., 
Severtz., 1. c. p. 411. 

Einigemal auf der Tundra nördlich der Schtschutschja beobachtet. 

224. Himantopus autumnalis Hasselqu. — H. Candidus Dress., 
Severtz., 1. c. p. 329. — Nr. 173 (B.) tf. Sassyk-Ala-Kul (9. Mai). Iris hoch- 
roth; Beine zinnoberroth. 

Wir beobachteten die Art mit Recurvirostra zusammen in flachen Lachen 
am Sassyk-Ala-Kul. 

225. Scolopax rusticola L. — Dress , Severtz., 1. c. p. 330; Pall., 
p. 171 (Ket). 

Die Waldschnepfe war den Jagdliebhabern in Sibirien wohl bekannt, 
aber wir trafen sie niemals an. Das Museum von Prof. Slovzoff in Omsk 
enthält Exemplare aus der Umgegend der Hauptstadt. 



254 



Otto Pinsch. 



226. Gallinago major Gral. — Br., 1. c. p. 70; Seeb. und Br., 1. c. 
p. 310. ? Scolopax hyemdlis Eversm., Severtz., Dress. , 1. c. p. 330. Gallinago 
media Pinsch, 1. c. p. 58, 61. Sc. gallinago Pall., p. 174 (ostiakisch „Chame")- 

— Nr. 170 9 ad. Barnaul (24. Juni). Nr. 482 (B.) Junges. Tundra der Podarata 
(3. August). 

Fl. Schw. F. L. M.-Z. 

5" 2"' 2" 2" 6"' 18"' 15"' 

Das heimgebrachte Exemplar stimmt in Grösse und Färbung ganz mit 
westeuropäischen überein. Es besitzt sechzehn Schwanzfedern, von denen die drei 
äusseren jederseits weiss sind mit drei schwarzen Querbinden an der Basishälfte 
der Aussenfahne. Dieselbe zeigt bereits der junge, noch theilweis mit Dunen 
bekleidete Nestvogel, dessen Schwanzfedern kaum 9"' lang sind (die hervor- 
wachsenden Schwingen 3" 10'", F. 19'", L. 15"'). Derselbe stimmt in der 
Färbung bereits durchaus mit dem alten überein. — Dies scheint die häufigere 
Art in Sibirien zu sein. Dr. Brehm brachte sie schon am 1. Mai von der 
Becassinenjagd bei Semipalatinsk heim; ich erinnere mich aber nicht mehr, ob 
er sie bei einer ähnlichen Jagd bei Barnaul ebenfalls erlegte. Am Ob war die 
Art an den mit hohen Gras und Weidendickichten bestandenen überschwemmten 
Ufern vereinzelt zu finden, denn es gehörte zu den Ausnahmen, wenn bei einer 
Jagdexcursion vier bis sechs aufgescheucht wurden. So schoss Dr. Brehm am 
12. Juli bei Tachty am Ob einmal drei Stück. Auf der Tundra war die Doppel- 
schnepfe häufiger als am Ob, wenn auch immerhin noch selten genug. Merk- 
würdiger Weise war sie auf den verhältnissmässig trockenen mit Zwergbirken 
bestandenen Hochflächen zahlreicher als in den Sumpfniederungen und brütet 
hier. Auf der Rückreise von Obdorsk bis Samarowa trafen wir sie nur zweimal 
oberhalb Bercosoff: bei Kalapanski am 17. September und am 21. bei Käoschka. 

— Von Omsk durch Prof. Slovzoff eingesandt. — Die Ural- Expedition erhielt 
die Art unterm 63 3 /4 Grad nördl. Br. am Halmer-ur-ja im westlichen Ural. 

227. Gallinago scolopacina Bp. — Scolopax gallinago Dress. 
Severtz., 1. c. p. 330; Seeb. und Br., 1. c. p. 309. 

Beim Aul-Uwanas südlich vom Ala-Kul beobachtete ich am 12. Mai die 
durch Flugbewegung und Meckern unverkennbare Heerschnepfe. Im Norden 
nicht von uns angetroffen. 

228. Gallinago gallinulaL. — Br., 1. c. p. 70; Dress., Severtz., 
1. c. p. 330; Pall., p. 175 (Narym). 

Dr. Brehm brachte diese Art am 1. Mai bei Semipalatinsk von der 
Becassinenjagd mit heim. Aus der Umgegend von Omsk durch Prof. Slovzoff 
erhalten. Die Ural- Expedition erhielt Junge am 30. Juni an der Petschoraquelle. 

229. Phalaropus hyperboreus L. — Seeb. und Br., 1. c. p. 290. 
Ph. einer eus Finsch, 1. c. p. 58. Ph. angustirostris Naum. Ph. ruficollis Pall., 
p. 203. (Obmeerbusen: Sujew). — Nr. 483 (B.) tf. Untere Schtschutschja 
(21. Juli). 

Das heimgebrachte in der Brütezeit erlegte Männchen stimmt ganz mit 
solchen überein, welche ich am 29. Juni auf der Tundra zwischen Bosekop und 



Reise nach West-Sibirien im Jahre 1870. 



255 



Karaschok in Ost- Finnmarken sammelte. — Längs der Schtschutschja (vom 
18. bis 30. Juli) war der rothhalsige Wassertreter überall wo es geeignete kleine 
Teiche und Wasserlachen gab gewöhnlich und ist wohl die lieblichste Erscheinung 
der Tundra. Sein zutrauliches ungemein zahmes Wesen und seine anmuthige 
Haltung beim Schwimmen, wobei er ähnlich wie das Rohrhuhn mit dem Kopfe 
nickt, machen die Beobachtung zu einer so genussvollen, dass man sich nicht 
dazu entschliessen kann auf das liebe Vögelchen zu schiessen. Am 19. Juli 
traf ich ein Pärchen, welches durch sein ängstliches Geschrei offenbar Nest 
oder Junge anzeigte, die mir aber trotz eifrigsten Suchens in der flachen mit 
hohem Gras bestandenen Sumpflache entgingen. Auf den einsamen kahlen 
Tundraseen war die Art spärlicher. 

230. Creoc pratensis Bechst. — Dress., Severtz., L c. 1876. p. 413. 
Auf der Tour durch den Altai Hess sich der Wachtelkönig, selbst auf 

den höchsten Gebirgswiesen, allenthalben hören und störte durch sein lang- 
weiliges und anhaltendes Schnarren in unmittelbarster Nähe der Jurten öfters 
unsere ohnehin knapp bemessene Nachtruhe. Schon als wir von dem Hochthale 
Maitjerek aufwärts stiegen, machte er sich bemerkbar; am 7. und 8. Juni trafen 
wir ihn am Marka-Kul im chinesischen Hochaltai (5000—6000' hoch); am 15. bei 
Serianowsk und am 30. hörte ich ihn zuletzt im Walde vor Salair. — Gmelin 
(Reise III. p. 392) theilt eine hübsche Sage über den Wachtelkönig mit. 

231. Orlygometra porzana Steph. — Porzana maruetta Dress., 
Severtz., 1. c. p. 413. 

Aus der Umgegend von Omsk: Museum Slovzoff. 

232. Ortygometra pusilla Pall. — Porzana minuta Dress., Severtz., 
1. c. p. 413. 

Bei Omsk: Museum Slovzoff. 

233. Fulica atra L. — Dress., Severtz., 1. c. p. 413. 

Das Wasserhuhn finde ich nur zweimal in meinem Beobachtungsbuch 
verzeichnet und zwar vom 9. Mai am Sassyk Ala-Kul und am 21. Juni drei 
Stationen hinter der Kolywan'schen Schleiferei in einem Sumpfe beim Dorfe 
Belo Glasowa. — Bei Omsk in Slovzoff's Museum. 

Natatores. 

234. Cygnus musicus Bechst. — C. olor (var. a. major et ß. minor) 
Pall, Zoogr. II. p. 214. G. musicus Dress., Severtz., 1. c. p. 416. Seeb. und 
Br., 1. c. p. 437. C. Bewickii Radde, p. 349. C. xantorhinus Naum., tab. 296. 
C. musicus Finsch, 1. c. p. 59. C. olor Pall, p. 211 (ostiak. „Choteng") und 

235. Cygnus Bewickii Yarrell. — Seeb. und Br., 1. c, p. 438. 
G. Altumi Horn., Severtz., Dress., 1. c. p. 416. G. melanorhinus Naum., t. 297 
(ostiak. „Chotang"). 

Am 13. August überraschten wir auf der mittleren Schtschutschja eine 
Schwanenmutter mit Jungen, von denen es Dr. Brehm glückte zwei Stück zu 
erlegen. Sie waren noch mit grauen Dunen bekleidet, aber die in den Blut- 



256 



Otto Finsch. 



kielen steckenden Federn sprossten überall hervor. Die eben erlegten Vögel 
zeigten : Schnabel blassfleischfarben, Spitzendrittel und Schneidenränder schwarz, 
wie das Nasenloch innen ; Beine fleischweisslich, mit schwach bläulichem Anfluge 
an den Lauf- und Zehenseiten; Schwimmhäute deutlicher bläulich. — Diese 
Exemplare gehören nach den sehr grossen Füssen zu urtheilen jedenfalls zum 
echten C. musicus; da der Lauf bereits 3" 8'" misst (Mittelzehe allerdings nur 
3" 8"', Schnabel nur 1" 10'", Höhe 11"'), für dessen Vorkommen am Ob ich 
auch an Schnäbeln und Füssen, die ich von den Eingebornen erhandelte, sichere 
Belege besitze. So misst die Mittelzehe eines mitgebrachten Schwanenfusses 
4" 9'", was also ganz für musicus spricht. Ebenso die Länge der mitgebrachten 
Flügel, welche zu Fächern verarbeitet, bei Samojeden und Ostiaken sehr gebräuch- 
lich sind; sie variiren von 21" 6"'— 22" 9'". In der Färbung stimmt einer der 
mitgebrachten Schnäbel ganz mit der des echten musicus überein, d. h. das 
Gelb zieht sich von der Basis bis zum vorderen Eande des Nasenloches, ein 
anderer (3" 3'" lang, 15"' hoch) dagegen ist ganz BewicJci (wie auf Naumann's 
Abbildung). Es unterliegt daher keinem Zweifel, dass beide Formen im Norden, 
wie in Sibirien überhaupt gemeinschaftlich vorkommen. Ob diese beiden Formen 
indess überhaupt Artrechte verdienen, ist eine Frage, die bei Vorlage eines 
reichen Materials immer mehr Schwierigkeiten bringt. Gewöhnlich nimmt man 
kleinere Exemplare, die das Gelb an der Schnabelbasis beschränkt und nicht 
über die Nasenlöcher ausgedehnt haben, für Bewicki, allein die Grösse schwankt 
ebenso sehr als die Ausdehnung des Gelb am Schnabel, welches letztere ohnehin 
für junge Vögel gar kein Criterium bildet. Bei letzteren ist die Schnabelbasis 
mit kurzen Federchen bedeckt, daher die Nacktheit sehr variirt; bald tritt 
daher die Stirnbefiederung spitzwinkelig, bald abgerundet in die Schnabelbasis 
ein. Das Schwarz zieht sich bei alten Vögeln bald auf dem Schnabelrücken 
bis zur Basis (C. Altumi), bald bleibt letztere mehr oder minder breit gelb, 
wie anderseits wieder beim recht alten musicus, die Basis selbst schwarz ist. 
Man vergleiche Taf. IV der Naumannia 1855, welche in fünf Abbildungen der 
Köpfe, ebensoviel Verschiedenheiten bietet, die auf fast ebensoviel Arten bezogen 
werden könnten. Bietet also die Schnabelfärbung keine constanten Unterschiede, 
so verhält es sich leider mit der Grösse ebenso, wie die nachfolgende Tabelle 
deutlich nachweist. Die Grössenunterschiede, welche ich nach Schlegel ein- 
füge, sind so erhebliche und gehen so ineinander über, dass es schwierig wird 
eine grosse und eine kleine Form oder Art constant auseinander zu halten. In 
der That weiss ich zur Aufrechterhaltung der kleinen Art (G. Bewicki) 
nur den kürzeren Tarsus und Mittelzehe als Kennzeichen anzugeben, 
denn wenigstens letztere scheint constant und nicht unbedeutend kürzer. Darnach 
zu urtheilen gehören die von Eadde als C. Bewicki bestimmten Schwäne aus 
der Mongolei unzweifelhaft zu musicus: dass beide Arten übrigens zusammen 
leben und wandern, bewiesen mir drei Schwäne, die ich in diesem Frühjahr . 
(20. März 1878) im Fleische erhielt. Sie waren innerhalb zwei Tagen aus einem 
grossen Schwarme, der sich längere Zeit im Blocklande bei Bremen aufhielt, 
herausgeschossen, und zwar erwiesen sich zwei (Nr. 4 und 5) als musicus, 



Reise nach West-Sibirien im .lalire 1 87(5. 



257 



wogegen einer (Nr. 8) seiner kleinen Extremitäten halber mehr zu Bewicki 
gerechnet werden muss. In der Färbung stimmen alle drei überein: es sind 
junge (wohl vorjährige) halb weiss-, halb grauliche Vögel, deren Schnäbel noch 
kein Gelb zeigen, sondern bis über das Nasenloch hinaus eine schmutzige 
Fleischfarbe, die sich getrocknet ganz verloren hat. Die Schnäbel sind fast 
schwarz, mit röthlich durchscheinendem Seitenfleck an Basis. Nach Professor 
Newton ist G. Bewicki indess eine ausgezeichnete Art, welche sich anatomisch 
durch die ganz eigenthümliche Bildung der Luftröhre unterscheidet, was ich 
nach Vergleichung des Materials im Museum zu Cambridge nicht unterlassen 
will anzuführen , wenn damit auch die Schwierigkeiten , die kleinere Art im 
Balge zu Bestimmen, noch nicht gehoben sind. 

Vom Inn- 
Höhe des Grösste teren 
Flügel Firste von Stirn Ober- Breite Rande des Lauf M.-Z. (ohne Nagel) 

schnäbele vorn Nasenloches 
bis Spitze 

Deutschland: Nr. 1. ^ musicus alt. 



21" 




3" 


9" 


' 15"' 13'" 23'" 
Bremen: Nr. 2. ^ musicus alt. 


3' 


' 7'" 


4" 


3"' 


21" 




3" 


8" 


' 18"' 14'" 26'" 
Bremen: Nr. 3. musicus jung. 


3' 


' 9'" 


4" 


6"' 


IV 9' 




2" 


6'' 


Ii 14 /// 13 /// 20'" 
Bremen: Nr. 4. Q musicus jung. 


3' 


' 5"' 


4" 


2"' 


19" 6' 




3" 


3" 


12'/ 2 "' 20'" 
Bremen: Nr. 5. Q musicus jung. 


3 


" 8"' 


4" 


5"' 


18" 6' 




3' 




15"' 13"' 20"' 
Bremen: Nr. 6. Bewicki alt 


3' 


' 8"' 


4" 


1"' 


19" 6' 




3" 


2" 


' 16"' 13V2'" 20"' 
Westphalen: Nr. 7. Q Bewicki jung. 


3' 


' 1"' 


3" 


6"' 


19" 6' 




3" 


3" 


' 16"' 15"' 22'" 
Bremen: Nr. 8. Q Bewicki jung. 


3' 


' 1"' 


3" 


8"' 


17" 9* 




2" 


7" 


" 16"' 14"' 22"' 

Nach Rad de. (Bewicki Radde). 


3' 


' 3"' 


3" 


10" 


18V a "- 


-19*/ 2 " 


3" 6"'- 


-3' 


" 7"' 14V 2 '"-16'" — - 3" 8' 




3" 10"' 


4"-4 


" 5"' 








Nach S chl e gel. Musicus. 7 Exemplan 










" 4"'_ 


-22" 1"' 


3" 3'"- 




' 11"' 18 v "— 19"' — — 3" 2' 
Minor. 3 Exemplare. 




-3" 10'" 3" 


10"'- 


4" 10' 


" 8"'- 


-18" 8'" 


3" 3"'- 


-3' 


' 4"' 17'" _ _ 3" 


-3 


" 1"' 3" 


5"'- 


3" 9' 



Wenn sich daher selbst an ausgestopften Exemplaren nur mit Schwierig- 
keiten zwei verschiedene Grössenformen unterscheiden lassen (da die Differenz 
der Flügellänge oft kaum einen Zoll beträgt), so wäre dies in der freien Natur 
vollends unmöglich. Seebohm behauptet freilich zwei Grössenformen von 
Schwänen schon im Fluge mit „ziemlicher Sicherheit" unterschieden zu haben, 
aber Alle die Gelegenheit hatten Schwäne in der Natur zu beobachten und die 
Scheuheit dieser Vögel aus Erfahrung kennen, werden bekennen müssen, dass 
hier wohl nur Einbildung zu Grunde liegt. Ich wage es daher nicht, meine 
Beobachtungen auch nur mit einem Scheine von Sicherheit auf die eine oder 
andere Art zu beziehen und weiss nur so viel, dass uns C. olor niemals vorkam, 
die beobachteten Arten also musicus und Bewicki waren. Die ersten Schwäne 

Z. B. Ges. B. XXIX. Abh. 33 



258 



Otto Finsch. 



(drei Stück) bemerkten wir am 8. April vor Kanupchlow. Auf den zum Theil 
noch mit Eis bedeckten Seen der Steppe, namentlich zwischen Ischim und 
Tjukalinsk, sowie von Omsk bis Semipalatinsk (18. bis 29. April) waren 
Schwäne eine nicht seltene Erscheinung. Sie schienen auf dem Zuge begriffen, 
hielten sich in Flügen, von zehn bis dreissig Stück, waren aber so scheu, dass 
alle Jagdversuche (selbst mit der Kugelbüchse) erfolglos blieben. Auf dem 
Markte in Tjukalinsk gehören Schwanenbälge mit zu einem lebhaften Artikel. 
Herr J es low, ein dortiger Kaufmann, versicherte allein an 1000 Bälge um- 
zusetzen und nach ihm liefert der Kreis jährlich an 10.000 Stück, die durch- 
schnittlich mit 1 Rubel bis 1"30 bezahlt werden. Auf den Steppenseen brüten 
Schwäne in Menge; das Gelege soll in sieben bis acht Eiern bestehen. — Am 
Ala-Kul trafen wir noch am 10. Mai Schwäne, wahrscheinlich brüten sie also 
auch hier. Am Ob begegneten wir nur einmal unterhalb Samarowa am 6. Juli 
v